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Freitag, 19.12.2003 15:00:04
Kurze Einführung in die Palliativmedizin
Um das Fach Palliativmedizin zu erklären, lohnt es sich mit der Definition der "Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin" zu beginnen:
"Palliativmedizin ist die Behandlung von Patienten mit einer nicht heilbaren, progredienten und weit fortgeschrittenen Erkrankung mit begrenzter Lebenserwartung, für die das Hauptziel der Begleitung Lebensqualität ist."
Zur Ergänzung folgendes aus der WHO Beschreibung des Bereiches (2002):
"Dies geschieht durch Vorbeugung und Linderung von Leiden mittels frühzeitiger Erkennung und tadelloser Beurteilung und Behandlung von Schmerzen und anderen Problemen physischer, psychosozialer und spiritueller Natur." und weiter
"Palliativmedizin:
- bejaht das Leben und sieht das Sterben als einen normalen Prozeß
- will den Tod weder beschleunigen noch hinauszögern
- bietet dem Patienten Unterstützung, um so aktiv wie möglich bis zum Tod zu leben
- unterstützt die Familie während der Erkrankung des Patienten und in der Trauerphase"
Der Begriff leitet sich ab von Pallium, was lateinisch ist und Mantel bedeutet. Als Vergleich kann man die unheilbare, weit fortgeschrittene Erkrankung des Patienten als Winter verstehen. Der Winter bewirkt mit seiner Kälte das Symptom Frieren, ebenso wie die Erkrankung als Symptome z.B. Schmerzen macht. Genauso wie ein Mantel nun vor dem Frieren schützt, schützt die palliativmedizinische Versorgung vor Symptomen, die der Erkrankte hat. Hier wie da bleibt das Grundübel, der Winter oder die Krankheit, bestehen, die unangenehmen Folgen werden aber gedämpft.
Für den betreuenden Arzt sind neben den "klassischen" Fähigkeiten Kommunikation, Empathie und Teamarbeit Wissen über Symptomkontrolle und Kenntnisse der elementaren Bedürfnisse Schwerkranker und Sterbender von großer Bedeutung. Da neben den körperlichen weitere Probleme unterschiedlichster Art vorkommen können, ist interprofessionelle Teamarbeit in der Palliativmedizin sehr wichtig. Als Beispiel sei hier die Einschätzung und Unterstützung des sozialen Umfeldes des Patienten und das gezielte Hinzuziehen von Psychologen genannt.
Palliativstationen sind spezialisierte Stationen eines Krankenhauses, auf die Patienten mit Palliativmedizinischen Problemen versorgt werden. Eine Entlassung wird angestrebt und normalerweise in über der Hälfte der Fälle erreicht. Palliativmedizinische-Konsildienste betreuen Patienten auf ihren regulären Stationen mit. Hospize sind auf die Betreuung von Sterbenskranke spezialisierte Pflegeheime. Hospizvereine, ambulante Hospizdienste oder ambulante Palliativdienste unterstützen das Leben und Sterben zu Hause.
In den letzten Jahren hat die Palliativmedizin und die mit ihr verbundene Hospiz-Bewegung in Deutschland eine rasante Entwicklung erfahren. Gab es Anfang der neunziger Jahre gerade mal je etwa ein Dutzend Hospize und Palliativstationen, so wurden daraus Anfang 2003 über 80 Stationen und über 100 Hospize. Sollte sich die Entwicklung fortsetzen, so könnte in den nächsten zwei Dekaden eine Palliativmedizinische Grundversorgung entstehen.
Da alle Ärzte mit schwer erkrankten und sterbenden Patienten konfrontiert werden, ist eine Grundausbildung schon im Studium von großer Bedeutung. Leider gibt es im Moment noch sehr wenige Lehrveranstaltungen, an vielen Universitäten wahrscheinlich sogar gar keine. Um diesen Mangel in der Ausbildung anzugehen, hat sich die AG Palliativmedizin der Fachtagung Medizin gegründet. Mehr dazu im Text "Warum eine AG Palliativmedizin?".
Thure Kuprella
AG Palliativmedizin
Von: Admin
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