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CIMSA-ISMKI(Indonesia);Complement level in Systemic Lupus Erithematosus patients with renal or non-renal manifestations

Gynäkologie - SCORE (Forschungsaustausch)
von Laura , Herne

Motivation

Ich habe schon zu Beginn meines Studiums beschlossen, dass ich auf jeden Fall ins Ausland möchte, um „einfach mal was anderes“ zu sehen. Eine gewisse Zeit in einem anderen Land zu sein, ist meiner Meinung nach eine gute Möglichkeit, um zu erleben wie Mediziner in anderen Ländern arbeiten und wie der Standard und die medizinische Versorgung dort so ist. Außerdem finde ich es spannend die kulturellen Unterschiede im alltäglichen Leben „hautnah“ zu erleben und ausnahmsweise mal kein Tourist zu sein.
Ich reise generell sehr gerne und war schon an vielen Orten, allerdings noch nie in Asien. Vor allem Indonesien stand schon lange auf meiner Liste der Länder, die ich gerne bereisen wollte. Freunde von mir schwärmen seit Langem von der schönen Landschaft und der Kultur, daher wollte ich unbedingt nach Indonesien.

Vorbereitung

Vor meinem Auslandsaufenthalt habe ich mich hauptsächlich im Internet informiert oder mir von Freunden Tipps geben lassen, die schon mal in Indonesien waren. Die Erfahrungsberichte der bvmd fand ich sehr hilfreich und auch auf der Seite des Auswärtigen Amts findet man viele Informationen. Außerdem habe ich mir ein Buch gekauft und ein paar Blogs im Internet gelesen. Dort findet man viele Informationen zu Land und Leuten, die einem definitiv den Einstieg erleichtern, weil man dadurch die Kultur besser versteht.
Falls ihr in der Vorbereitungen Fragen oder Probleme habt, lege ich euch ans Herz euch an die bvmd zu wenden. Mir wurde dort von der zuständigen Studentin immer sehr lieb geholfen, beispielsweise als ich zu einem anderen Projekt zugeteilt werden sollte, als zu dem, für das ich mich ursprünglich beworben habe. Ich konnte das Projekt aus gesundheitlichen Gründen jedoch nicht annehmen und so konnte mir die bvmd ein alternatives Projekt organisieren. Zögert auf jeden Fall nicht zu fragen!

Visum

Ich habe mich im Vorfeld bezüglich eines Visums informiert und man hat generell zwei Möglichkeiten: Entweder man reist mit dem „Visa on Arrival“ ein oder man beantragt im Vorfeld ein Visum.
Das „Visa on Arrvial“ kauft man vor Ort für ca. 35 Dollar. Mit diesem Visum kann man jedoch nur 30 Tage in Indonesien bleiben und muss dieses dann vor Ort verlängern (für ca. 300 000 Rupiah bzw. ungefähr das Doppelte, wenn man einen Visa Agenten engagiert). Da ich mir diesen Stress ersparen wollte, entschied ich mich für Möglichkeit zwei und beantragte vorher ein Visum. Das macht man bei der zuständigen indonesischen Botschaft. In meinem Fall (NRW) wäre das Frankfurt gewesen, allerdings teilten mir die Menschen dort mit, dass sie keine Stempel mehr hätten, deshalb beantragte ich mein Visum bei der Botschaft in Berlin. Man benötigt für die Beantragung eines sozio-kulturellen Visums folgende Dokumente: Reisepass (mind. noch 6 Monate gültig), Passfoto, Invitation Letter, den ausgefüllten Visumsantrag (gibt’s im Internet), Flugtickets, Überweisungsbeleg der Gebühr (50€ in Berlin), ggf. einen frankierten und an sich selbst adressierten Umschlag, damit einem der Reisepass per Einschreiben wieder zurück geschickt werden kann. Man braucht außerdem noch eine formlose Bürgschaftserklärung der Eltern, in der steht, dass sie finanziell für einen bürgen. Ich habe die Unterschrift meiner Eltern beglaubigen lassen, weil ich irgendwo gelesen habe, dass das nötig ist. Leider können einem die Herrschaften in der Botschaft nicht wirklich weiterhelfen; oft erreicht man dort niemanden, sodass ich nicht empfehlen würde das Visum zu beantragen, wenn man nur wenig Zeit hat, bevor man fliegen möchte. Ich hatte ca. 3 Wochen Zeit und habe meinen Pass erst zwei Tage vor Abflug wiederbekommen (das war ziemlich nervenaufreibend, wie ihr euch sicherlich vorstellen könnt). Mein Pass lag wohl schon längere Zeit mit erteiltem Visum in der Botschaft, jedoch musste ich eine Woche lang mehrmals jeden Tag anrufen, bis ich endlich jemanden erreicht habe und mein Pass mir dann auf wiederholte Nachfrage zurückgeschickt wurde. Zum Glück habe ich eine Express Versandtasche von DHL (11,90€) beigelegt (eigentlich sollte man einen als Einschreiben frankierten Umschlag beilegen; ich habe zur Sicherheit beides mitgeschickt), sodass ich meinen Pass einen Tag nach Versand zurückbekam und am Ende doch noch alles gut ging.
Falls ihr euren Invitation Letter auch erst so spät bekommt oder aus anderen Gründen 3-4 Wochen vor Abflug euer Visum beantragt, würde ich euch raten einen Kurier damit zu beauftragen. In NRW gibt es zum Beispiel den Visa Dienst Bonn, der einem gegen eine Gebühr innerhalb von 5 Tagen ein Visum beschafft. Alternativ geht ihr persönlich zur Botschaft, falls ihr nicht zu weit weg wohnt, dann geht das Ganze auch schneller (man sagte mir in Berlin, dass es 4 Tage dauern würde, wenn man persönlich vorbeikommt) oder ihr nehmt das Visa on Arrival.
Vielleicht hatte ich auch einfach Pech und es dauert nicht immer so lange, allerdings würde ich das Risiko eventuell Flüge stornieren oder umbuchen zu müssen nicht (nochmal) eingehen.

Gesundheit

Empfohlen werden alle Standardimpfungen, zusätzlich noch Hepatitis A und eventuell Hepatitis B, Tollwut, Typhus und Japanische Enzephalitis.
Ich habe die Standardimpfungen und bin außerdem gegen Hepatitis A und B geimpft. Gegen den Rest habe ich mich nicht impfen lassen. Die genauen Empfehlungen kann man auf der Seite des Auswärtigen Amtes nachlesen.
Ich habe außerdem Mückenschutzmittel dabei gehabt, da einige Viruserkrankungen von Mücken übertragen werden und es keine Impfung oder Prophylaxe gibt. Trotz langer Kleidung und Mückenschutzspray wurde ich trotzdem vereinzelt von Mücken gestochen, daher würde ich auf jeden Fall empfehlen entsprechende Sprays zu benutzen, um so viele Mückenstiche wie möglich zu vermeiden.
In meiner Reiseapotheke befanden sich außerdem noch Ibuprofen, Antibiotika, Kortison-Salbe, Loperamid, Antihistaminika und Buscopan Davon habe ich allerdings fast gar nichts gebraucht. Ich war nur ein Mal (drei Tage lang) lang, vermutlich hatte ich eine Gastroenteritis (nicht ungewöhnlich für Indonesien).

Sicherheit

Vor meinem Auslandsaufenthalt habe ich mich bei meiner Versicherung erkundigt, ob ich ausstreichend auslandskrankenversichert bin und habe mir ein entsprechendes Schreiben meiner Versicherung zukommen lassen. Weitere Versicherungen musste ich nicht abschließen.
Kurz bevor ich nach Indonesien geflogen bin, ereigneten sich auf Lombok im Juli und August 2018 mehrere Erdbeben, sodass ich mir natürlich kurz Gedanken darüber gemacht habe, ob es eine so gute Idee ist nach Indonesien zu fliegen. Allerdings liegt Java weit genug von Lombok entfernt, sodass es in Surakarta nicht von den Erdbeben betroffen war und es auch keine Reisewarnung für diese Region gab.
Vor Ort hatte ich keine Bedenken bezüglich der Sicherheit im Land. Viele Indonesier sind sehr stolz darauf, dass die verschiedenen Religionen friedlich miteinander zusammen leben und sich gegenseitig respektieren.
Ich hatte generell das Gefühl, dass die Indonesier sehr friedlich sind und man seine Sachen theoretisch überall stehen und liegen lassen kann, ohne dass sie gestohlen werden. Das trifft auf touristische Gebiete natürlich nicht unbedingt zu, aber gerade in ländlicheren Gegenden steht die Haustür den ganzen Tag offen ohne dass es zu Diebstählen kommt. Gegen Ende meines Aufenthalts gab es ein Erdbeben und ein Tsunami auf Sulawesi, davon haben wir auf Java allerdings nichts mitbekommen.

Geld

In Indonesien zahlt man mit Rupiah (IDR), wobei 16.500 IDR einem Euro entsprechen. Anfangs ist es gewöhnungsbedürfig, weil auf den Scheinen so viele Nullen drauf sind und man 10.000 und 100.000 Rupiah dann schon mal verwechseln kann. Ich habe vor meiner Ankunft in Indonesien Geld gewechselt, weil ich nicht wusste, ob ich überall mit Kreditkarte zahlen kann. Es gibt in Indonesien viel „Street Food“, da empfiehlt es sich auf jeden Fall Bargeld dabei zu haben. Da die Preise verglichen mit Europa auch ziemlich niedrig sind und man beispielsweise schon für 20.000-30.000 Rupiah essen gehen kann, habe ich hauptsächlich mit Bargeld bezahlt. Mir wurde jedoch empfohlen nicht so viel Geld sichtbar im Portemonnaie dabei zu haben. In Deutschland ist es ja nicht unüblich 50-100€ dabei zu haben; das ist in Indonesien aber eine Menge Geld und sollte man nicht so offensichtlich zeigen.
Bargeld kann man im Vorfeld bzw. am Flughafen (in Deutschland oder Indonesien) wechseln oder in der Geldwechselstube in Surakarta.
In Geschäften und Restaurants kann man aber auch mit Karte zahlen und Geldautomaten gibt es auch.

Sprache

In Indonesien wird Bahasa Indonesia gesprochen. Ich habe mir im Vorfeld ein Buch gekauft, um die Sprache zu lernen. Neben wissenswerten Informationen über Land und Leute enthält das Buch ein Wörterbuch und ist darauf ausgelegt, dass man schnell mit dem Sprechen beginnt. Generell ist Indonesisch nämlich eine recht einfache Sprache – es gibt keine unterschiedlichen Zeitformen, man benutzt die Verben im Infinitiv und die Aussprache ist auch relativ simpel. Ich würde auf jeden Fall jedem empfehlen zumindest ein paar Sätze Indonesisch zu lernen, denn in Surakarta sprechen Taxifahrer, Verkäufer etc. nur in den seltensten Fällen Englisch. In touristischeren Regionen oder größeren Städten mag das anders sein, aber in Surakarta musste ich mich im Alltagsleben mit Indonesisch „durchkämpfen“. Denn auch ein Satz wie „Saya tidak bisa bahasa indonesia.“ (=“Ich spreche kein Indonesisch.“) hält die Indonesier nicht davon einem irgendwas auf Indonesisch zu erklären.
Studenten oder Akademiker sprechen alle Englisch bzw. zumindest sollten sie es können- Allerdings sprechen einige nicht wirklich gut, sodass die Kommunikation oft erschwert ist und es nicht schadet ein paar Worte Indonesisch zu sprechen, um schneller zu verstehen was gemeint ist.
Manchmal wird man nicht sofort verstanden, weil man das Wort unter Umständen falsch betont hat und schon ein anderer Buchstabe ein Wort zu einem völlig anderen macht. Top Tipp: Das Wort ein paar Mal mit unterschiedlicher Betonung wiederholen, dann versteht es die Person gegenüber meist (zumindest irgendwann).

Verkehrsbindungen

Man sollte sich auf jeden Fall die App „Go-Jek“ oder „Grab“ (vergleichbar mit Uber) runterladen, denn „motorcycles“ sind die Verkehrsmittel Nr.1 der Indonesier. Ich habe nur Go-Jek genutzt. Mithilfe dieser App kann man sich eigentlich alles bestellen was man so braucht; Motorradtaxis mit „Go-Ride“, ein normales Taxi mit „Go-Car“ und sogar Essen („Go-Food“) oder Massagen („Go-Massage“).
Generell sind die Lebenshaltungskosten in Indonesien geringer als in Deutschland, sodass man vergleichsweise günstig von A nach B kommt (13km für ca. 1,50€).
Die Fahrer haben immer einen Helm für den Mitfahrer dabei und kommen meist ungefähr 5 Minuten nachdem man mithilfe der App eine Fahrt gebucht hat. Meistens fragen sie vorher noch nach wo man abgeholt werden will (es gibt eine Chatfunktion) und holen einen dann ab (auch wenn man nur geschrieben hat, dass man kein Indonesisch spricht). Im Idealfall schreibt man einfach zurück wo man ist (z.B. vor einem Geschäft, vor dem Krankenhaus etc.) und dann kann es auch schon losgehen.
Der Verkehr ist – naja, sagen wir mal… gewöhnungsbedürftig. Die ersten Tage denkt man alle 5 Minuten, dass es zu einem Unfall kommt, aber die Indonesier beherrschen ihre chaotische Fahrweise ganz gut. Trotzdem ist es natürlich nicht ungefährlich mit einem Motorrad auf einer Straße unterwegs zu sein, auf der jeder so fährt wie er will; es wird zum Beispiel ohne Regeln überholt und eine einspurige Straße wird nicht selten zu einer fünfspurigen gemacht. Aber so kommt man auch einfach deutlich schneller ans Ziel als mit einem Auto (und es kostet die Hälfte). Ach ja, und Spaß macht es auch! ;)

Kommunikation

Ich hatte schon in Deutschland vor mir eine indonesische SIM Karte zu kaufen. Als ich ankam, hatten die indonesischen Medizinstudenten schon ebensolche für mich besorgt. Die Internetgebühren sind viel geringer (danke Deutschland) als bei uns, deshalb würde ich auf jeden Fall empfehlen auf eine indonesische SIM umzusteigen. Dann kann man überall auf Go-Jek zugreifen und eben auch unterwegs ins Internet gehen.
Bei meiner Gastfamilie konnte ich das WLAN nutzen.

Unterkunft

Ich habe bei einer Gastfamilie gewohnt, die mir von der bvmd organisiert wurde. Ich hatte ein eigenes großes Zimmer mit Bad und Balkon und konnte die Küche der Familie nutzen. Decke, Kissen und Bettwäsche habe ich von meiner Familie bekommen.
Die Duschen bestehen in Indonesien oft aus einer großen Tonne und einer Kelle und man übergießt sich dann mit dem Wasser aus der Tonne. Ach, und es gibt kein Toilettenpapier, das sollte man am besten importieren! ;)

Literatur

Wie schon erwähnt kann ich die Seite des Auswärtigen Amts für allgemeine Infos (Impfungen, Empfehlungen, aktuelle Lage etc.) empfehlen (https://www.auswaertiges-amt.de/de/aussenpolitik/laender/indonesien-node). Das Buch „Indonesisch – Wort für Wort“ (ISBN 978-3-89416-717-2) fand ich auch sehr hilfreich (Infos über Indonesien, Sprache lernen und Wörterbuch in einem). Empfehlenswert ist außerdem https://indojunkie.com/, wenn man Tipps zu Sehenswürdigkeiten, schönen Orten und Aktivitäten nachlesen möchte. Ansonsten ist Tripadvisor natürlich auch immer eine gute Wahl, besonders wenn es um Bewertungen geht.

Mitzunehmen

Ich musste mein Gepäck sehr stark reduzieren, weil ich nur einen großen Rucksack für insgesamt zwei Monate dabei hatte. Ich hatte ein Paar Laufschuhe und ein Paar Flip-Flops dabei. Obwohl ich in Deutschland einen riesigen Kleiderschrank habe, würde ich jedem empfehlen so wenig wie möglich mitzunehmen. Vor Ort habe ich mir beispielsweise Batik Shirts für 80 Cent gekauft.
Ich hatte Kameras dabei (würde ich jedem empfehlen, der gerne fotografiert) und ein Mückennetz (das ich aufgrund der hohen Decke nicht aufhängen konnte, würde ich also eher von abraten es mitzuschleppen oder mich vorher erkundigen, ob man es aufhängen kann). Frauen sollten bedenken, dass Tampons dort sehr teuer sind, daher lieber genug mitnehmen!

Reise und Ankunft

Ich war vor meinem Aufenthalt in Indonesien in Australien und bin von Brisbane über Denpasar nach Surakarta (Solo) geflogen. Ich habe die beiden Flüge bei zwei verschiedenen Airlines gebucht, weil es so nur die Hälfte gekostet hat. Theoretisch hätte ich 5 Stunden Aufenthalt auf Bali gehabt, den ich eigentlich am Strand verbringen wollte. Allerdings hatte mein Flug eine Stunde Verspätung, ich stand anderthalb Stunden in der Schlange zur Passkontrolle, musste mein Gepäck holen, zum domestic airport laufen und dort neu einchecken – lange Rede, kurzer Sinn: aus meinem geplanten Strandtrip wurde leider nichts.
Man sollte man auf jeden Fall beachten, dass es einige Zeit in Anspruch nimmt neu einzuchecken, wenn man bei zwei Airlines bucht, damit man den zweiten Flug nicht verpasst.
Ansonsten lief alles problemlos. Die Studenten von der CIMSA, mit denen ich auch schon im Vorfeld kommuniziert habe, holten mich am Samstagabend mit dem Auto vom Flughafen ab und hießen mich sehr herzlich Willkommen. Sie brachten mich zu meiner Gastfamilie, wo wir noch zusammen gegessen haben.
Am Tag darauf holten mich die Indonesier nachmittags ab und wir fuhren gemeinsam in die Mall, damit ich im Supermarkt einkaufen konnte. Im Anschluss fand ein Welcome Dinner statt, bei dem ich die anderen CIMSA Mitgliedern kennenlernte.
Am Montag fing ich dann im Krankenhaus an. Dorthin wurde ich am ersten Tag ebenfalls von den indonesischen Studenten begleitet; sie stellten mich auch dem mich betreuenden Arzt vor.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe im Krankenhaus "Dr. Moewardi" gearbeitet. Dort wurde ich am ersten Tag dem mich betreuenden Arzt vorgestellt. Dieser hat mir erklärt, dass es meine Aufgabe sein würde zusammen mit einer indonesischen Studentin Patientendaten zu sammeln, was sich schwieriger als gedacht gestaltete, da ich ich indonesischen Patientenakten nicht vollständig lesen und verstehen konnte und wir jeden Tag nur ein paar Akten einsehen durften. Außerdem teilte mir der Arzt mit, dass es meine Aufgabe sei das Paper zu der Studie zu schreiben und selbstständig zu veröffentlichen. In Deutschland habe ich diesbezüglich bereits Erfahrungen gesammelt und ich weiß wie aufwändig es ist einen wissenschaftlichen Artikel zu veröffentlichen. Hinzu kam, dass niemand mir dabei hätte helfen können, da keiner der Ärzte bzw. Studenten gut genug Englisch sprach, um einen englischen Text Korrektur zu lesen oder gar zu schreiben. Nachdem ich also gefragt wurde wie wir das Projekt angehen sollen, musste ich meinem betreuenden Arzt leider mitteilen, dass ich es nicht schaffen würde innerhalb von vier Wochen ein Paper zu schreiben, für das noch gar keine Ergebnisse vorlagen. Allerdings gelang es mir das Projekt zu strukturieren und am Ende konnten wir die Patientendaten analysieren und die indonesische Studentin konnte die (nicht signifikanten) Ergebnisse für ihre Arbeit nutzen. Ich habe darauf verzichtet ein Paper darüber zu schreiben (wie ihr sicherlich verstehen könnt).
Anfangs hatte ich daher oft nichts zu tun und bin freiwillig in den OP gegangen. Dort waren die Menschen (wie überall sonst auch) sehr nett. Allerdings waren Händedesinfektion, steriles Einwaschen oder Hygiene dort Fremdwörter. Einmal standen etwa 20 Leute (mit ihren Handys in der Hand versteht sich) ohne sich vorher die Hände desinfiziert zu haben im OP und warteten auf den Arzt, während die Patientin seit einer guten halben Stunde narkotisiert auf dem Tisch lag.
Insgesamt muss man sagen, dass Ärzte in Indonesien noch für "Götter in weiß" gehalten werden. Der Großteil der Bevölkerung hat Google noch nicht als universelle und allwissende Krankheitssuchmaschine entdeckt, was natürlich Vorteile auf der einen Seite hat, aber auf der anderen Seite auch dazu führt, dass allein der Arzt über den Patienten entscheidet. Ich fand es sehr interessant zu sehen, dass mir beispielsweise Taxifahrer direkt ihre Schmerzen geklagt und mich mit "Frau Dr." angesprochen haben.
Die Ausbildung der Ärzte scheint auch eher auf praktische Fähigkeiten ausgerichtet zu sein; ich hatte das Gefühl in Deutschland im Studium deutlich mehr zu lernen und auch mehr zu wissen als approbierte Ärzte in Indonesien.

Land und Leute

Da ich zu der Zeit die einzige Austauschstudentin war und die indonesischen Studenten im Rahmen ihres vorklinischen Studiums sehr eingebunden waren, habe ich ganz zu Anfang sehr viel alleine unternommen, bis ich neue Leute kennengelernt habe. Anfangs konnte ich nicht einschätzen, in wie weit man als Frau alleine durch eine (muslimische) Insel Indonesiens reisen kann, aber nachdem meine Gastmutter mir versicherte, dass es kein Problem sei, habe ich es einfach gemacht und es war super. Anfangs ist es komisch, wenn man von den Menschen angesprochen wird und es nicht versteht, aber meistens wollen sie einem nur helfen, weil man als Europäer scheinbar auffällt und wahrscheinlich hin und wieder auch ein bisschen "verloren" aussieht. Nachdem ich dann aber immer besser Indonesisch sprechen konnte, war es super, weil ich mit vielen Menschen ins Gespräch kam.
In Solo selbst gibt es nur recht wenig Sehenswürdigkeiten, weil es einfach keine touristische Stadt ist. Es gibt zwei Wasserfälle, die von einigen Einheimischen besucht werden (und auch nur 50 Cent Eintritt kosten) und sehr schön sind und ca. eine Stunde entfernt von Solo einen Berg (Tawangmangu). Letzteres ist sehr zu empfehlen, man kann dort wandern gehen und dem Stadtlärm entkommen. Mit Go-Car kostet es auch nur ca. 10-15 Euro dorthin zu fahren und es gibt ein wunderschönes Hotel mit Infinity Pool im Berg mit Blick ins Tal. Dort lohnt es sich auf jeden Fall auch für eine Nacht zum Preis von 20 Euro zu übernachten. Ich war mit meiner Gastfamilie dort auch auf einem traditionellen Markt. Ansonsten gibt es in der Stadt einen hinduistischen Tempel, der auch ganz schön ist. Yogyakarta ist mit dem Zug etwa eine Stunde entfernt und auch einen Besuch wert. Dort ist der berühmte Borobodur Tempel, den sich viele Touristen anschauen. Mit den Austauschstudenten war ich in der Nähe von Yoga raten, das hat super viel Spaß gemacht. Ich bin auch mehrmals übers Wochenende an den Strand zum Surfen nach Pacitan gefahren. Ungefähr 130km und 4-5 Stunden Fahrt entfernt befindet sich ein kleines Paradis für Surfer. Dort gibt es auch tolle Homestays (für 5-10€/Nacht) und internationale Gäste, so auch einige Deutsche. Ach und mit einem Minibus ("Elf") kostet es auch nur 4€ dorthin zu fahren.
Insgesamt muss ich sagen, dass die Indonesier sehr freundliche und nette Menschen sind, die sich auch gerne mit Fremden unterhalten und sehr großen Respekt vor Ärzten haben. Wenn ich zum Beispiel im Taxi erzählt habe, dass ich bald Ärztin bin, wurde ich immer mit "Frau Dr." angesprochen und ich wurde nach meiner Meinung zu der einen oder anderen Krankheit gefragt.
Das Leben in Solo ist sehr davon geprägt, dass der Großteil der Bevölkerung dort muslimisch ist. Es wird also früh morgens gebetet und das Ganze dann fünf Mal am Tag. Es war spannend die Religion mal etwas direkter mitzubekommen, allerdings muss man auch sagen, dass sich dadurch viele Leute nicht (so wie wir es gewöhnt sind) abends mit einem verabreden, um zum Beispiel etwas essen zu gehen oder etwas zu unternehmen, weil sie am nächsten Tag sehr früh aufstehen und abends auch noch beten müssen. Allerdings habe ich auch (muslimische) Leute kennengelernt, mit denen ich viel unternommen und mich auch abends getroffen habe, das kommt also wahrscheinlich auch immer auf die Menschen an! :)

Fazit

Indonesien ist ein wunderschönes Land und ich werde auf jeden Fall wieder dorthin reisen; allerdings eher nicht zum Arbeiten. Einen Forschungsaustausch würde ich dorthin auch nicht nochmal machen, vor allem nicht, wenn man relativ erfahren ist und dementsprechende Erwartungen hat. Ein Famulaturaustausch könnte interessant sein, aber man sollte beachten, dass man Indonesisch sprechen sollte, wenn man in einer Stadt landet, in der die Menschen nur wenig oder schlechtes Englisch sprechen.
Jetzt kommt das große ABER: Mein Auslandsaufenthalt war super, es war eine tolle Erfahrung eine neue Sprache zu lernen und das Leben der Einheimischen zu leben. Dementsprechend habe ich sehr viel mitgenommen und auch wenn ich im Bezug auf die Medizin nicht viel Neues gelernt habe, so habe ich doch viele schöne Erfahrungen gemacht und würde es jederzeit wieder tun. Ein ganz liebes Dankeschön an die bvmd für die tolle Möglichkeit am Austausch teilzunehmen!

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