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China (IFMSA-China)

Innere - SCOPE (Famulaturaustausch)
Anonym

Motivation

Eine Famulatur im Ausland wollte ich machen, weil sich so einfach die Möglichkeit ergibt, Reisen und Famulatur zu verbinden. Außerdem hatte ich auch Interesse daran, ein Krankenhaus in einem anderen Land mal genauer kennenzulernen. Eigentlich hatte ich mich auf skandinavische Länder beworben, dort aber keinen Platz bekommen. China hätte ich aber sowieso auch interessant gefunden, weswegen ich mich dann auf einen der Restplätze dort beworben habe.

Vorbereitung

Von der bvmd habe ich durch eine gute Freundin erfahren, die dort sehr aktiv war. Ohne die bvmd und ihre Unterstützung/ Tipps wäre ich sicherlich nicht in ein Land wie China gekommen, um dort eine Famulatur zu machen. Auf der Website steht alles, was man so zur Bewerbung braucht. Im nächsten Schritt findet man dann auf der IFMSA-Seite des Landes alle Infos zu erforderlichen Dokumenten etc. Schwierigkeiten hatte ich diesbezüglich nur beim Visum, das war etwas aufwendiger, aber dazu später mehr.
Es gibt auch die Möglichkeit Kurse über die bvmd zu machen, die einen auf den Auslandsaufenthalt vorbereiten, ich habe das allerdings nicht gemacht. Meine sonstigen Vorbereitungen, nachdem ich alle geforderten Dokumente zusammengesammelt hatte, haben sich dann mehr auf die Reise und das Land selbst bezogen (Was brauche ich alles fürs Reisen? Wie ist das Wetter?).

Visum

Es gibt verschiedene Visa Application Center, u.a. in Düsseldorf, was für mich günstig war, da ich dort studiere und so mein Visum dort persönlich beantragen konnte (Termine kann man online vereinbaren). Es gibt eine Internetseite, die informiert, was es für verschiedene Visa gibt und was man alles dafür einreichen muss. Ich habe ein Typ F Visum beantragt, dafür ist es aber wichtig, dass im Invitation Letter nur von einem „exchange“ die Rede ist und nicht von „clerkship“. Ich wusste das im Vorhinein (aus anderen Erfahrungsberichten) und habe meinen IL schon ändern lassen. Das war wegen der Kommunikation mit den Studenten in China etwas aufwendiger, da sie erst nicht so ganz verstanden hatten, warum ich nicht einfach den normalen IL nehmen konnte.
Mit dem neuen IL und der Erklärung im Application Center, dass es sich um einen Austausch („exchange“) von Medizinstudierenden über die IFMSA handelt, hatte ich keine Probleme und habe ein 60-Tage-Visum mit Mehrfacheinreise bekommen. Ich weiß aber, dass viele andere Incomings mit dem Original-IL viele Probleme hatten und letztendlich dann auch nur ein 30-Tage-Touristenvisum bekommen haben.

Gesundheit

Die entsprechende Organisation in China hatte von mir gefordert, einen Nachweis über eine Auslands-Krankenversicherung, eine Kopie meines Impfausweises, einen Hepatitis-B-, HIV-und Tbc-Test vorzulegen (alle Infos dazu standen auf ihrer IFMSA-Seite). Die Tests konnte ich beim Betriebsarzt machen lassen.
Ansonsten habe ich noch einige Reiseimpfungen machen lassen. Dafür habe ich mich bei einem Reisemediziner beraten lassen, was für mich sinnvoll ist. Einige Impfungen hatte ich noch von einer vorherigen Urlaubsreise, sodass ich manche nur auffrischen lassen musste.
Ansonsten habe ich noch ein paar Medikamente mitgenommen, für den Fall der Fälle. Sinnvoll fand ich, neben Kopfschmerztabletten, vor allem Pantoprazol, Mittel gegen Durchfall und Obstipation. Mit den letzteren hatten fast alle Incomings irgendwann mal zu kämpfen (das sollte aber kein Grund sein, nicht nach China zu reisen!), obwohl man eigentlich bis auf Schärfe nicht sonderlich viel beachten musste, was das Essen angeht. Ansonsten kann man mit Hilfe auch gut vor Ort Medikamente bekommen.

Sicherheit

China würde ich persönlich als sehr sicher beschreiben. Ich habe mich dort genauso verhalten, wie hier in Deutschland auch (wie z.B. nachts dunkle Gassen eher meiden). Auch hinsichtlich Diebstahls hatte ich keine besonderen Bedenken, außer vielleicht in großen Menschenmengen bei Touristenorten die Tasche geschlossen zu haben oder Ähnliches.

Geld

In China zahlt man mit Yuan. Ich habe vor meiner Abreise etwas Geld getauscht, um einfach nicht direkt einen ATM zu suchen. Man kann aber gut im Land selbst abheben. Geld zu wechseln empfiehlt sich auch mehr vor Ort, da der Wechselkurs dann viel besser ist als von Deutschland aus.

Sprache

Ich hatte keine Zeit vorher einen Sprachkurs zu machen. Zudem wurde es mir auch abgeraten, da Chinesisch einfach zu komplex ist, um innerhalb von wenigen Monaten schon ein gutes Grundlevel aufzubauen. Leider haben vor Ort echt super wenige Leute Englisch gesprochen, mit Händen und Füßen und dem Google-Translater konnte man sich dann aber irgendwie verständigen. Eigentlich war es auch ganz lustig z.B. Essen zu bestellen, ohne genau zu wissen, was man bekommt.

Verkehrsbindungen

Es gibt eigentlich überall gute und vor allem günstige Metro-, Bus- und Zugverbindungen.
Meist fahren Metro und Bus auch in großen Städten nur bis 22 oder 23 Uhr, aber auch Taxen sind absolut bezahlbar. Es lohnt sich auch auf jeden Fall, sich eine Metrokarte zu besorgen, das spart viel Zeit!

Kommunikation

In China sind WhatsApp, Facebook und Co. leider gesperrt. Vorher hatte ich mir aber WeChat runtergeladen, damit wird dort einfach alles gemacht (vom Bezahlen bis zur Klopapierausgabe an manchen öffentlichen Toiletten). Mit WeChat oder EMail habe ich auch mit Freunden/Familie in Deutschland kommuniziert. Alternativ kann man sich auch ein VPN runterladen (es gibt auch einige kostenlose) und damit dann WhatsApp etc. nutzen.

Unterkunft

Ich habe in einem Dormroom auf dem Campus geschlafen. Eigentlich war es ein Zweipersonenzimmer, wobei ich keine Mitbewohnerin hatte. Das Zimmer hatte eine Klimaanlage und einen Kühlschrank. Waschmaschinen gab es in dem Dorm auch. Bettwäsche wurde auch gestellt, allerdings glich die Matratze eher einer ausgelegenen Liegestuhlauflage. Es gab keine Kochmöglichkeit, aber eine supergünstige Mensa und oft war ich mit den Kontaktpersonen oder anderen Incomings auch außerhalb essen, weswegen das kein Problem dargestellt hat (auch Frühstück gibt es in der Mensa!).

Literatur

Vor meinem Aufenthalt habe ich mir zwei Reiseführer gekauft, einen für Peking und einen für Suzhou und Umgebung. In beiden gab es auch allgemeine Infos über das Land und ein paar wichtige Wörter mit Aussprechhilfe. Anderweitig habe ich mich nicht informiert.

Mitzunehmen

Im August war es super warm und vor allem schwül in Suzhou (über 30 °C und fast 100% Luftfeuchtigkeit). Deshalb empfiehlt es sich vor allem sehr luftige Klamotten einzupacken, auch für den September (ich war noch bis Mitte September dort). Für das Krankenhaus habe ich einen Kittel mitgenommen, was auch gefordert war, und luftige Stoffhosen. Eine Jacke habe ich höchstens in klimatisierten Räumen mal angezogen, eine oder zwei sollten da reichen. Einen Adapter braucht man nicht, fast alle Steckdosen sind kompatibel mit europäischen Steckern.
Ansonsten würde ich empfehlen ausreichend Luft im Koffer zu lassen für Mitbringsel und Einkäufe auf den Märkten! Ich musste am Ende ganz schön stopfen.

Reise und Ankunft

Suzhou hat keinen Flughafen, weshalb ich nach Shanghai geflogen bin, wo es gleich 2 Internationale Flughäfen gibt. Ich bin in Pudong gelandet, allerdings erst um Mitternacht, weswegen ich in einem günstigen Hotel mit kostenlosem Shuttleservice nahe am Flughafen übernachtet habe. Am nächsten Morgen bin ich dann wieder zum Flughafen. Von dort kann ich nur empfehlen, den Long-Distance-Bus nach Suzhou zu nehmen. Der hat ca. 60 Yuan gekostet und 2,5 h gebraucht (Suzhou war der zweite Stop). Es war etwas aufwendig den Bus zu finden, aber mit genügend Geduld klappt das. Alternativ kann man auch mit der Metro zum Bahnhof fahren und einen Zug nach Suzhou nehmen, was aber super aufwendig ist und fürs Ankommen auch echt nicht empfehlenswert, weil man sich ja noch gar nicht auskennt: wo man Tickets besorgt, wie die ganzen Sicherheitskontrollen und das Zug-Einsteige-System funktionieren (anders als bei uns kann man nicht einfach auf dem Gleis warten)...
Vom anderen Flughafen kann man wohl direkt mit dem Zug nach Suzhou fahren.
In Suzhou wurde ich dann von einer Kontaktperson abgeholt (wir hatten einen Treffpunkt vereinbart), die mit mir zu meinem Zimmer gefahren ist und mir direkt die Umgebung und den Weg zum Krankenhaus gezeigt hat, damit ich mich direkt schon mal zurecht finden kann. Er hatte mir außerdem schon eine Metro-Karte gekauft und mir geholfen eine chinesische Simkarte zu holen.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

In Suzhou gibt es mehrere Krankenhäuser. Je nach Wunschstation kommst du in ein bestimmtes Krankenhaus und auf dem nächstgelegenen Campus unter. Ich war im „First Affiliated Hospital of Soochow University“ und habe dementsprechend auf dem East Campus gewohnt. Von dort war das Krankenhaus 30 Minuten zu Fuß entfernt. Ich wurde von meiner Kontaktperson den betreuenden Ärzten vorgestellt. Im Krankenhaus konnte leider wieder kaum jemand Englisch, die Ärzte/ Ärztinnen mit denen ich zu tun hatte aber schon. Ich konnte immer alles fragen, was mir in den Sinn gekommen ist, und auch die Zusammenarbeit von Stationen kennenlernen (z.B. Gastroenterologie und TCM). Im Krankenhaus dort war es allerdings viel wuseliger als man es aus Krankenhäusern in Deutschland kennt. Auch war es weniger modern und von Händedesinfektion scheint man auch nicht unbedingt viel zu halten. Desinfektionsmittel gab es aber, sodass man es selbst benutzen konnte. Ich fand es total interessant zu sehen, wie sich Patienten in den vollen Eingangshallen über Computer angemeldet haben und von Schalter zu Schalter gegangen sind für Maßnahmen wie Blutabnehmen oder Abgabe von Urinproben. Als offensichtlich ausländische Person im Kittel wird man zwar extrem viel angestarrt, aber man gewöhnt sich irgendwann daran. Ich konnte mich im Krankenhaus auch frei bewegen und solange die Patienten einverstanden waren auch immer überall zuschauen. Besonders viel selber gemacht hat man aber nicht, man ist im Gegensatz zu Famulaturen in Deutschland eher Beobachter.
Von den Kontaktpersonen haben wir auch gelernt, dass es zwar eine Krankenversicherung gibt, aber nur geringe Beträge von dieser übernommen werden. Deswegen müssen viele Behandlungen von den Menschen dort selbst bezahlt werden. Ich hatte aber auch den Eindruck, dass sie sich mit viel weniger zufrieden gegeben haben, auch bezüglich der Unterbringung auf den Stationen. Es hat dort niemanden gestört, dass es oft laut war und es eher wenig Privatsphäre gab.
Außer mir war nur ein anderer Incoming in dem gleichen Krankenhaus. Mit anderen Medizinstudenten oder dem Pflegepersonal hatte ich eher nicht zu tun (dies lag leider an der Sprachbarriere).
Sehr interessant fand ich es, dass jede Fachrichtung auch mit der TCM zusammenarbeitet. Im Studium wird die „westliche“ Medizin gelehrt, wobei TCM auch ein Teil des Studieninhalts ist, viele Studierende ihr aber sogar eher ablehnend gegenüber stehen. Ursächlich werden Erkrankungen auf den verschieden Stationen behandelt, z.B. gastroenterologisch, symptomatisch dann aber oft mithilfe der TCM.

Land und Leute

Außerhalb des Krankenhauses war ich viel unterwegs. Da ich generell nicht lange bleiben musste, hatte ich viel Zeit Suzhou und umliegende Städte kennenzulernen. Dabei habe ich eigentlich jeden Tag etwas mit den Kontaktpersonen und/ oder den anderen Incomings unternommen, allein war ich jedenfalls nie. Neben vielen Gärten, Tempeln und anderen touristischen Attraktionen in Suzhou war ich vor allem viel außerhalb Essen, was super viel Spaß gemacht hat, weil uns die CPs immer wieder neue traditionell chinesische Gerichte gezeigt haben und wir uns einfach viel über unsere unterschiedlichen Kulturen und Traditionen unterhalten konnten.
Man konnte auch viele Sichtweisen austauschen, z.B. war es für mich sehr interessant zu hören, was die Studierenden über Taiwan oder den Kommunismus in China denken.
Neben diesen ganzen Unternehmungen, gab es auch ein Social-Program, mit dem wir zu Beginn ein gemeinsames Essen zum Kennenlernen hatten und einen Ausflug in die Nahegelegene Stadt Tongli gemacht haben. Generell habe ich viele Stadtausflüge gemacht. Mit dem Highspeed-Train kommt man gut in Städte wie Tongli, Nanjing oder Shanghai.
Da ich ein Visum für 60 Tage hatte, habe ich noch 16 Tage nach meiner Famulatur drangehängt und bin nach Peking gefahren. Auch das ging super mit dem Highspeed-Train (die Fahrt dauert dann ca. 5 ½ Stunden).
Man kann sich auf jeden Fall gut beschäftigen und viele Leute kennenlernen, es empfiehlt sich aber auch einfach Mal einen Nachmittag ins Café zu setzen und sich mit einem Buch zu entspannen.
Gedanklich sollte man sich allerdings auf jeden Fall auf die vielen Menschen einstellen. Bahnhöfe wie in Shanghai sind einfach supervoll, genauso wie die Metro zu Stoßzeiten. Da muss man damit rechnen auch mal des Öfteren angerempelt zu werden. Woran ich mich auch eher schwer gewöhnen konnte, waren die vielen heimlichen Fotos und Blicke. Mit europäischem Aussehen und auch europäischer Größe wurde ich super oft nach Fotos gefragt, leider aber auch oft heimlich fotografiert und gefilmt. Auf der anderen Seite gab es aber auch so viele hilfreiche Chinesen, weshalb das ganze meinen Gesamteindruck auch nur ein bisschen trüben konnte. Zumindest war mir auch vorher schon bewusst, dass man einfach auffällt und in China oftmals ein westliches Aussehen als Ideal weit verbreitet ist. Letztendlich war es auch einfach interessant diese Erfahrung mal zu machen.
Insgesamt gibt es viel Schönes in China zu sehen und kennenzulernen! Ich kann die Erfahrung auf jeden Fall nur weiterempfehlen.

Fazit

Meine Erwartungen an die Famulatur wurden mehr als erfüllt. Ich habe mich total angebunden gefühlt und konnte immer um Hilfe bei den Kontaktpersonen fragen, falls ich sie doch mal bei etwas gebraucht habe. Im Krankenhaus konnte ich zwar nicht wirklich etwas allein machen, habe dafür aber auch einfach mal einen Einblick in ein anderes Gesundheitssystem bekommen. Ich hatte auch nicht damit gerechnet so viel mit anderen unternehmen zu können, obwohl ich auch super gut alleine überall hingekommen bin (z.B. nach Peking). Eine Famulatur in Suzhou kann ich auf jeden Fall empfehlen!

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