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Denmark (IMCC)

Anästhesie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Tabea, Biberach

Motivation

Ich wollte einfach aus dem Uni/Klinikalltag raus und wollte in ein Land wo ich mich gut verständigen kann (ich spreche nur deutsch, englisch und mäßig gutes französisch), so dass ich auf Skandinavien kam. Dänemark erschien mir eine gute Wahl zu sein, da es immerhin ein deutsches Nachbarland ist, welches ich bisher noch fast gar nicht erkundet hatte.

Vorbereitung

Auf die bvmd bin ich durch eine Freundin gekommen und habe mich dann relativ unkompliziert auf einen Austausch beworben (leider musste ich das während meines Auslandssemesters machen und habe so die Hilfe einer Freundin benötigt um die Unterlagen stempeln zu lassen etc.). Ansonsten habe ich mich nicht weiter vorbereitet.

Visum

Da Dänemark in der EU ist, habe ich als EU-Bürger kein Visum benötigt und bin lediglich mit meinem Personalausweis gereist, wurde aber an der Grenze auch kontrolliert.

Gesundheit

Ich habe keinerlei spezielle Vorkehrungen meiner Gesundheit bezüglich getroffen und habe lediglich Ibuprofen und ein paar Pflaster mitgenommen. Allerdings wurde ein negativer MRSA-Nachweis in englischer Sprache gefordert, der nicht älter als 14 Tage ist. Hierfür bin ich zu meinem Hausarzt, leider hat das Labor trotz vorheriger Zusage keinen englischen Nachweis geschickt, so dass mein Hausarzt das einfach handschriftlich übersetzt und gestempelt hat. Ich habe dies dann eingescannt und dem LEO vor Ort geschickt, das Original hat dann auch nie jemand sehen wollen.

Sicherheit

Ich kann mir kein sichereres Land als Dänemark vorstellen und habe keinerlei Vorkehrungen diesbezüglich getroffen. Die Leute sind sehr nett und wenn man irgendwo etwas verloren in der Gegend rum steht, wird einem sofort Hilfe angeboten, zumindest ging es mir so.

Geld

In Dänemark sind die Kronen die Währung, der Umrechnungskurs lag so bei 1€ entspricht 7-7,5DKK. Ich habe vor Ort einfach mit meiner Kreditkarte Geld abgehoben oder mit der Kreditkarte gezahlt (einmal wollte ein Essenstand mein Bargeld gar nicht nehmen, eine Kreditkarte ist also echt zu empfehlen, die Dänen selber zahlen quasi auch alles mit der Karte…). Die Preise waren im Vergleich zu Deutschland deutlich höher, ich denke, dass man im Supermarkt ungefähr das Doppelte zahlt.

Sprache

In Dänemark wird dänisch gesprochen, allerdings habe ich nur zwei Personen getroffen, die kein fließendes Englisch konnten. Ich würde weiterhin behaupten, dass fast alle Dänen deutsch verstehen, manche sprechen auch deutsch. Es empfiehlt sich dies im Hinterkopf zu behalten.

Verkehrsbindungen

Ich bin mit dem Sommerticket der Bahn (24€ pro Fahrt) nach Flensburg gefahren und habe von dort aus den Flixbus (ca. 15€) nach Odense genommen. Ich denke das ist die billigste und vor allem flexibelste Variante. Weiterhin kann man auch fliegen, aber dann muss man vom Flughafen auch wegkommen und das kostet auch wieder einiges.
Ich habe von meiner CP ein Fahrrad organisiert bekommen (so wie die meisten anderen Austausch-Studenten in Odense auch), was super praktisch war. Um zwischen den Städten innerhalb Dänemarks zu reisen, würde ich Flixbus empfehlen, denn es ist einfach am billigsten und gefühlt nicht langsamer als die Bahn. Kleiner Tipp: Für Reisen innerhalb Dänemarks gibt es auch Studentenrabatt bei Flixbus (25%), wenn man einen gültigen Studentenausweis mit Bild und Ablaufdatum dabei hat. Wenn man die Bahn benutzen möchte, muss etwas mehr zahlen, es gibt allerdings Online (nicht in der App) Sparpreise für Junge Erwachsene (bis 25 Jahren) ab 89DKK.

Kommunikation

Um zu meiner Familie und meinen Freunden Kontakt zu halten, habe ich einfach meine Internetflat und Whatsapp genutzt. Mein „Blog“ hat sich in Form von Instagram-Posts und Stories im Rahmen gehalten. Zu den Dänen hatte ich (und auch die anderen) primär über Whatsapp Kontakt, wobei die Dänen den facebook messenger bevorzugen und untereinander darüber kommunizieren.
Ursprünglich wollte ich ein paar Postkarten verschicken, dieses Vorhaben habe ich allerdings schnell auf Eis gelegt, denn eine Briefmarke hat 27DKK gekostet.

Unterkunft

Ich habe in einem privaten Studentenwohnheim im 1-Zimmer-Apartment einer anderen Medizinstudentin gewohnt. Bettwäsche und Handtuch wurden gestellt. Ich hatte außerdem die Möglichkeit die Waschmaschine und den Trockner im Keller zu benutzen und die Gemeinschaftsküche. Es war sauber, zentral gelegen und auch sonst weiter zu empfehlen. Organisiert wurde das durch meine CP.

Literatur

Ich habe lediglich einen Dänemark Reiseführer in der hiesigen Bibliothek ausgeliehen. Außerdem haben wir von der LEO eine Good-To-Know Broschüre per Mail geschickt bekommen. Ansonsten habe ich mein Wissen über Anästhesie über Amboss und die Vorlesungen meines letzten Semesters wiederholt.

Mitzunehmen

Ich würde auf jeden Fall eine Regenjacke, evt. Auch einen Regenschirm/Regenhose empfehlen. Der dänische Sommer kann manchmal etwas verregnet sein. Wir sind öfters abends in Kneipen/Clubs gegangen, weshalb auch Party-Outfits nicht zu vergessen, außerdem kann man auch an den Strand fahren, zum Baden sollte man dann aber Badeanzug/Bikini/Badehose im Gepäck haben.
Für die Klinik braucht man lediglich eigene Schuhe, ich habe Turnschuhe getragen, aber viele anderen hatten auch Sandalen oder anderes Schuhwerk an. Ich habe also völlig umsonst meinen Kittel mitgenommen.

Reise und Ankunft

Nachdem ich ca. 18h unterwegs war, als ich in Odense angekommen bin, war ich etwas erschöpft. Glücklicherweise wurde ich aber von meiner CP mit einem Auto abgeholt und zu meiner Unterkunft gefahren. Das war sonntagmorgens, am Montag hat das Praktikum angefangen. In Dänemark haben die meisten Supermärkte auch sonntags geöffnet, so dass ich ein paar Lebensmittel eingekauft habe. Abends war ich bei meiner CP zum Abendessen eingeladen.
Das Praktikum hat mit der Frühbesprechung der Anästhesisten angefangen, in derer wir (ich und zwei weitere Austauschstudenten) aufgerufen und jeweils einem Arzt zugeteilt wurden. Im Laufe des Tages habe ich den Chefarzt kennengelernt, ein Schließfach im Umkleideraum erhalten und einen Ausweis mit Name und Status bekommen.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Meine Famulatur in der Anästhesie war in 3 Abschnitte eingeteilt: Die ersten 2 Wochen habe ich in den OPs der Gynäkologie und Geburtshilfe verbracht, dann war ich eine Woche auf der Intensivstation und zum Abschluss war ich noch 1,5 Wochen in den visceralchirurgischen OPs (mit Kinder-OP). Je nach Station habe ich unterschiedliches gelernt und machen dürfen. Mein Tagesablauf war meist wie folgt: 7:45-8:00 Uhr Frühbesprechung (diese war leider aber auf Dänisch), 8:00-12:30 Uhr „Arbeit im OP/auf Station“, 12:30-13:30 Uhr Mittagessen mit den anderen internationalen Studenten in der Cafeteria, 13:30-15:30 Uhr „Arbeit im OP/auf Station“ (wann ich zum Essen bzw. nach Hause gegangen bin, war stark von dem Geschehen im OP abhängig).
Ein grundlegender Unterschied zwischen Anästhesie in Deutschland und Dänemark ist, dass die Ärzte in Dänemark während der OP den Saal verlassen und so mehrere Säle gleichzeitig betreuen können. Außerdem wird vieles durch die Anästhesie-Pflege geregelt, so zum Beispiel die Beatmung/Ventilation, die Intubation, das Legen von i.v.-Zugängen etc. Der Arzt ist also hauptsächlich als Verantwortlicher dabei und macht die schwierigeren Sachen wie arterielle Zugänge und ZVKs legen.
Während meiner Zeit in der Gynäkologie habe ich selbst verhältnismäßig wenig selbst Hand anlegen können, denn es war Ferienzeit in Dänemark (das heißt, dass sie deutlich geringer besetzt sind und auch nur Notfälle und Tumore operiert werden). Das bedeutet in der Gynäkologie, dass im Verhältnis viele Kaiserschnitte und Ausschabungen vorgenommen werden. Dabei durfte ich i.v. Zugänge legen und Larynx-Masken einlegen und bei sehr vielen Spinal- und Epiduralanästhesien observieren, ich hatte so allerdings auch super viel Gelegenheiten mit den Ärzten zu reden und habe super viel erklärt bekommen.
Meine Zeit auf der Intensivstation war vor allem durch Besprechungen gekennzeichnet. Nach der Frühbesprechung haben die Ärzte eine Übergabe gemacht, in der die verschiedenen Patienten besprochen wurden und auf die Ärzte verteilt wurden. Im Anschluss sind wir dann tatsächlich gleich zu den Patienten gegangen und haben uns um Konzile, Therapieeinleitungen etc. gekümmert. Im Gegensatz zu den meisten deutschen Intensivstationen hat in Odense jeder Patient 24h einen eigenen Intensivpfleger und auf jeden Arzt kommen nur 2-3 Patienten. Dies bietet großes Potential und hat auch zur Folge, dass die meisten Patienten (auch wen sie intubiert sind) wach waren und über ein Tablet mit der Pflege kommuniziert haben.
Der Abschluss in dem visceralchirurgischem OP war auch wirklich toll, denn durch die große OP-Abteilung ist fast immer was zu tun und die Ärzte waren auch wirklich sehr daran interessiert, dass ich viel machen kann. So habe ich an einem Tag sicherlich 10 Larynxmasken eingelegt und es wurde öfters extra für mich eine videoassistierte Intubation durchgeführt, so dass ich mich beim Intubieren sicherer fühle und man mir bessere Tipps geben konnte. Was ich noch sehr gerne gemacht hätte, aber leider nicht möglich war, war beim Kinder-OP zu zusehen. Die Assistenzärzte meinten, dass ich dafür vorher die zuständige Oberärztin spreche müsste, allerdings habe ich diese einfach nie erwischt.
Insgesamt habe ich auf jeden Fall die richtige Wahl getroffen, auch fachlich. Das Sahnehäubchen für mich war allerdings, dass ich mich mit den anderen Studenten immer austauschen konnte und wir auch über verschiedene Medikamente/Anästhetika und deren Anwendung diskutiert haben. Außerdem waren die Ärzte sehr motiviert mir alles zu erklären und auch begeistert von meinem Vorwissen, weil Anästhesie nicht im Curriculum der Dänen enthalten ist und sie so erst in der Facharztausbildung die meisten Medikamente der Anästhesie kennenlernen.

Land und Leute

Insgesamt wurde in Dänemark richtig viel für uns organisiert und wir haben uns als Gruppe sehr gut verstanden, so dass es eigentlich nie langweilig wurde. Unter der Woche haben wir uns öfters zum Abendessen verabredet oder sind einfach so gemeinsam in die Stadt um was zu trinken oder gemeinsam ins Museum zu gehen. Richtig schön war dabei auch das „International Dinner“ zu dem jeder eine Spezialität des Heimatlandes gekocht hat, so gab es unter anderem Kässpätzle von mir, Pasta con Pesto von der Italienerin, 1000-jähriges Ei von der Koreanerin, Ceviche von einer Ecuadorianerin und zum Nachtisch Pasteis de Nata von unserem Portugiesen. Toll und super entspannt war auch das Welcome Dinner, wo uns das IMCC-Team bekocht hatte. Was unser Host-Team außerdem organisiert hatte, waren „Lectures“ und eine „Global Health Training“, besonders in Erinnerung geblieben ist mir dabei ein Abend mit einem Kinderorthopäden, der zum einen von seiner Arbeit an Klumpfüßen in Afrika berichtet hat und uns außerdem an Puppen praktisch gezeigt hat, wie man mit der Ponsetti-Methode Klumpfüße bei Neugeborenen gipst.
Die Wochenenden haben wir meist mit den anderen Austauschstudenten in Dänemark in Form von social weekends verbracht. Dabei sind wir unter anderem nach Aalborg gefahren, wo wir uns die Stadt angeschaut haben, minigolfen waren und am Strand „where the oceans meet“ Spazieren gegangen sind.
In Aarhus haben wir gemeinsam „Den Gamle By – Die alte Stadt“ besucht, ein Freilichtmuseum, das in verschiedenen Teilen die Geschichte Dänemarks und dessen Einwohner über die Zeit vom 17. bis 20. Jahrhundert hinweg porträtiert. Besonders cool waren dabei die verkleideten Schausteller, welcher uns auch in witzige Gespräche verwickelt haben. Ziemlich cool, aber auch etwas teurer, war der Besuch im Aarhuser Kunstmuseum ARoS. Zugegebenermaßen haben wir dort aber den Großteil unserer Zeit in dem Kunstobjekt „Your rainbow panorma“, einer Installation auf dem Dach des Museums mit einem wunderbaren Ausblick, verbracht. Was wohl auch noch echt schön war, ist dein Rehpark nahe Aarhus, ich persönlich war da nicht dabei, aber die anderen waren begeistert.
Eines der social weekends wurde in Odense selbst veranstaltet, dort haben wir eine Tretbootfahrt auf dem Fluss gemacht und das Egeskov Castle besichtigt. Was nicht nur für dieses Wochenende gilt, sondern auch für die anderen (und manchmal unter der Woche), ist dass die geselligen Abende das Programm abgerundet haben. Kleinere Ausflüge von Odense aus, haben wir außerdem ins Legoland Billund gemacht. Ich selbst war vorher noch nie in einem Legoland und mein Reiseführer hat es als Muss für Groß und Klein betitelt, weshalb ich mich überzeugen lassen haben. Wir hatten natürlich auch sehr viel Spaß, wobei das vermutlich Typsache ist. Zu meinen Favoriten gehört dort auf jeden Fall auch die Miniatur-Lego-Ausstellung von weltbekannten architektonischen Werken (und Dänemark). Auch entspannend war ein Ausflug ans Meer nach Kerteminde, wo wir uns es einfach in der Sonne gut gehen lassen haben.
Anschließend kann ich sagen, dass wir überall sehr herzlich aufgenommen wurden, was aber vor allem unseren Ansprechpartnern wichtig war, ist Pünktlichkeit, wir haben viele Witze über die „danish time“ gemacht, aber man sollte dies nicht vergessen.

Fazit

Ich habe einen wunderbaren Monat in Dänemark verbracht, tolle Leute kennen gelernt (sowohl Dänen als auch andere internationale Studenten) und bin optimistisch, dass ich mit einigen sogar länger in Kontakt bleiben werde. Auch fachlich hab ich einiges dazu gelernt und bin begeistert von dänischen Gesundheitssystem. Ich würde eine solche Famulatur jederzeit weiterempfehlen.

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