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Sudan (MedSIN Sudan)

Pädiatrie - SCOPE (Famulaturaustausch)
Anonym

Motivation

Ich habe mich für den Sudan zwar erst beworben, als das Land als Restplatz ausgeschrieben war, aber ich hatte schon länger Interesse daran, in ein Arabisch-sprachiges Land zu gehen um ein wenig mehr die Sprache zu lernen. Meine Erwartungen waren, dass ich meinen Blick auf Gesundheit und Medizin erweitern kann, über die Sicht innerhalb Deutschlands hinaus.

Vorbereitung

Ich kann euch nur sehr empfehlen, die Broschüre von der bvmd-Arbeitsgruppe GandHi „ 360° - Eine Einführung in Globale Gesundheit als Vorbereitung auf Auslandsaufenthalte“ zu lesen. Ich denke, es ist wirklich wichtig, sich den Fragen, die dort behandelt werden zu stellen und sich den eigenen Erwartungen klar zu werden.
Gerade weil das Bild vom Sudan in unseren Medien meist nur sehr negativ gezeichnet wird, finde ich es wichtig, auch gewisse Vorurteile, die jeder von uns automatisch hat zu hinterfragen. Leider sind wir oft sehr vom eurozentrischen Denken geprägt, was oft dazu führt, zum Beispiel afrikanische Länder und die Menschen, die in diesen leben abzuwerten. Seid offen für neue Sichtweisen und Lebensrealitäten und versucht, auf Augenhöhe in Kontakt zu treten! :)
Ich habe außerdem versucht, mir ein paar Sprachkenntnisse anzueignen, weil ich finde, dass die Landessprache nochmal einen viel engeren Zugang zu Menschen schaffen kann. Wenn ihr das nicht schafft, kommt ihr mit Englisch aber auf jeden Fall auch zurecht.

Visum

Das Visum bekommt man relativ einfach, man sollte aber genug Zeit dafür einplanen. Die genauen Bedingungen und Kosten stehen auf der Homepage der Botschaft in Berlin. Ich habe mein Visum nach etwa 4 Wochen bekommen, nachdem ich aber einige Male am Telefon nachgehakt habe. Die zuständigen Personen sind aber sehr nett, und es war auch ohne Probleme möglich, nochmal das Datum für das Visum zu ändern und sogar 45 Tage bewilligt zu bekommen, obwohl auf der Homepage steht, dass nur 30 Tage möglich sind.

Gesundheit

Ich habe mich bei der Tropenmedizin eines nahegelegenen Krankenhauses beraten lassen und noch einige Impfungen machen lassen. Da sollte sich jeder individuell beraten lassen und entscheiden, was man braucht. Ich habe Malariaprophylaxe mitgenommen aber glücklicherweise nicht gebraucht. Ich denke, das Risiko in Khartoum ist auch nicht sehr hoch, kommt aber bestimmt nochmal auf die Jahreszeit an.
Meine Krankenkasse hat leider nur die Gelbfieberimpfung übernommen, ich habe von einer Freundin aber gehört, dass die Kassen es eher übernehmen, wenn man nur von einer „Privatreise“ spricht.
Vor Ort hatte ich leider zweimal das Pech, mir eine Magendarminfektion einzuholen. Meine Cps haben mir ein Antibiotikum aus der Apotheke empfohlen, das auch gut gewirkt hat, aber trotzdem war ich jeweils einige Tage ziemlich kaputt. Ich weiß nicht, ob es daran lag, dass ich manchmal Wasser aus der Leitung getrunken habe. Wahrscheinlich ist es besser, auf Nummer sicher zu gehen und nur Flaschenwasser zu trinken.

Sicherheit

Mit der Sicherheit in Khartoum und Omdurman hatte ich überhaupt keine negativen Erfahrungen. Durch Medien und Sudanesische Freunde habe ich mitbekommen, dass es ein paar Proteste und Probleme wegen einer TV-Show gab, in der es um Frauenrechte ging. Persönlich habe ich mich aber immer sehr sicher gefühlt, und wenn ich allein unterwegs war, habe ich auch immer hilfsbereite Menschen gefunden, die mir zum Beispiel den Weg beschrieben haben.

Geld

Unbedingt genügend Bargeld mitnehmen! Man kann kein Geld per Kreditkarte abheben. Ich war insgesamt 6 Wochen vor Ort und habe dabei rund 300 Euro ausgegeben, wobei ich mir viele Sachen auf dem Markt gekauft habe und auch sehr oft in Restaurants/Cafes war. Aber besser ein bisschen zu viel Geld mitzunehmen ist nicht verkehrt. Sowohl Euro als auch US-Dollar lassen sich gut wechseln, angeblich ist der Kurs mit US-Dollar ein bisschen günstiger.

Sprache

Ich habe schon seit längerem angefangen, ein bisschen Arabisch zu lernen, das ist aber sicherlich kein Muss. Aber ich finde, es ändert die Kommunikation mit Studierenden, PatientInnen und anderen Leuten vor Ort enorm, wenn man sich zumindest bemüht und Interesse an der Sprache zeigt. Viele Menschen haben sich sehr darüber gefreut.
In der Uni und im Krankenhaus klappt es mit Englisch sehr gut. Die Lehrsprache ist Englisch. Auch mit anderen Studierenden ist Englisch meist kein Problem und wenn man mal alleine in der Stadt unterwegs ist, findet man eigentlich immer jemanden, der beim Übersetzen helfen kann. Insgesamt habe ich sehr viel Hilfsbereitschaft erfahren.

Verkehrsbindungen

Um den public transport zu nutzen, braucht man anfangs auf jeden Fall die Unterstützung von locals. Irgendwann habe ich begriffen, wie die Linien der Busse fahren und wie viel es zur nächsten Station kostet. Dann konnte ich bekannte Strecken auch alleine mit dem Bus fahren.
Für kürzere Strecken, zum Beispiel zum Krankenhaus empfiehlt sich auch eine Riksha, die dich direkt an dein Ziel bringt.
Wenn ich alleine irgendwo hinfahren wollte und es eine längere Strecke war, habe ich oft Tirhal genutzt. Das ist eine App, mit der man ein Auto buchen kann, das dich von A nach B bringt. Der Preis wird durch die App generiert. (Ist wohl ähnlich wie Uber).

Kommunikation

Meine Contact Person hat mir eine sudanesische Simcard geliehen, am besten ist es aber, sich selbst eine zu kaufen. (Kostet nur wenige SDP). Man kauft sich dann in Kiosks einfach immer wieder Prepaidkredit und kann sich dann auch verschiedene Internetoptionen buchen. Insgesamt ist der Handytarif für deutsche Verhältnisse sehr günstig.

Unterkunft

Die Unterkunft, die mir durch die Ahfad-University bereitgestellt wurde, war super gut ausgestattet. Es handelte sich um ein Guest House direkt neben dem Uni-Gelände, in dem 3 Schlafzimmer sind. Da ich zu der Zeit aber die einzige Incoming war, hatte ich das Haus für mich ganz allein, was ich oft etwas schade fand, da ich gerne ein paar Menschen um mich herumgehabt hätte. Glücklicherweise hatte ich aber morgens bis nachmittags Gesellschaft mit einer super lieben Frau, die im Haus gearbeitet hat. Es war sehr gut, mit ihr meine Sprachkenntnisse noch ein bisschen zu erweitern.

Literatur

ch würde empfehlen, englischsprachige Literatur passend zum Fachgebiet mitzunehmen oder sich vielleicht vor Ort zu besorgen (kann man günstig in Buchläden kaufen). Ich hatte nur mein deutschsprachiges Lehrbuch dabei und manchmal fehlten mir deshalb die englischen Fachausdrücke.
Für die sprachliche Vorbereitung hatte ich glücklicherweise das Buch Sudanesisch-Arabisch aus der Kauderwelsch-Reihe geliehen bekommen. Ich fand es sehr nützlich, jedoch ist es glaube ich nicht mehr erhältlich. Falls ihr jedoch irgendwie dran kommt oder etwas ähnliches findet, kann ich es sehr empfehlen, ein kleines Wörterbuch mit dem Sudanesischen Dialekt dabei zu haben.

Mitzunehmen

Du solltest auf jeden Fall Desinfektionsmittel die Zeit im Krankenhaus mitnehmen, da es dort keine Spender gibt. Auch wenn man mal auswärts isst, kann es sehr praktisch sein, wenn man sich damit die Hände vor dem Essen desinfizieren kann. Mach dir auch Gedanken über die passende Kleidung; ich hatte immer Oberteile an, die mindestens bis zum Ellenbogen reichen, und lange Röcke oder Hosen an. Oft habe ich auch ein Kopftuch getragen, vor allem um mich vor der Sonne und dem Sandstaub etwas zu schützen. Einige weibliche Touristen tragen auch T-Shirts und ich denke, man bekommt dabei keine Probleme, wenn man nicht in bestimmte Gebäude oder Universitäten gehen möchte (ich wollte mit sudanesischen Freunden zweimal die Gelände von Universitäten in Khartoum besuchen und hatte anfangs ein wenig Probleme, entweder weil ich kein Kopftuch trug oder mein Rock zu kurz war, also gerade als Frau sollte man auf solche Situationen vorbereitet sein – in der Ahfad-University bewegen sich die Frauen aber relativ frei und zeigen auch in ihrem Kleidungsstil etwas mehr Haut).

Reise und Ankunft

Obwohl ich mitten in der Nacht (um 3 Uhr früh) am Flughafen ankam, wurde ich sehr herzlich von einer meiner Cps empfangen. Mit dem Auto sind wir dann zu ihr nach Hause gefahren, wo ich die erste Nacht verbracht habe. Am nächsten Tag hat mich meine andere CP dann zum Guest House gebracht.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

ein Tagesablauf im Krankenhaus war anders als erwartet aber ich konnte viel lernen und viele nette Studentinnen der Uni kennenlernen. Jeden Morgen traf ich mich mit einer Seminargruppe, die gerade ihre Rotation in Pediatrics hatte, an einem der Lehrkrankenhäuser um an ihrem Unterricht teilzunehmen. (Wir sollten dazu alle weiße Kittel tragen, klärt ab, ob ihr einen mitbringen sollt oder zufällig vor Ort verfügbar ist.)
Dafür übernahmen jeweils zwei Studentinnen die Anamnese von zwei PatientInnen, die sich gerade auf Station befanden. Anschließend wurden diese Fälle der Gruppe und der Ärztin/dem Arzt im Rahmen eines Seminars vorgestellt. Die Anamnesen war immer sehr ausführlich und nach meinem Empfinden richtig gut, wodurch ich in diesem Feld denke ich einiges dazulernen konnte. Einerseits haben wir Erkrankungen besprochen, die auch in Deutschland häufig auftreten und andererseits auch welche, die bei uns eher selten sind. (Es macht deshalb auch Sinn, sich zu den weniger vertrauten Themen noch etwas zu belesen.)
Danach ging die Ärztin/der Arzt noch weiter auf die beiden Diagnosen bzw. Krankheitsbilder ein. Meist waren die ÄrztInnen sehr geduldig und bemüht, den Studentinnen wirklich etwas beizubringen, sie haben sich viel Zeit genommen und gingen auch auf Fragen gerne ein. Zum Schluss gingen wir meist alle zusammen noch für etwa 30 Minuten auf Station, um ein Kind zu untersuchen. Dabei war es manchmal etwas schwierig, mit etwa 15 Studentinnen um ein Patientenbett zu stehen aber auch dabei konnte ich einiges dazulernen.
Ab und zu habe ich noch Studentinnen aus der Gruppe gefragt, ob sie nochmal eine Untersuchung mit mir üben möchten und wir sind zusammen auf Station gegangen. Ein sehr netter Arzt hat uns dabei unsere Fragen zum Fall beantwortet und uns noch mehr Details erzählt. Im Nachhinein denke ich, dass ich noch mehr auf Station hätte fragen können oder mich vielleicht den ÄrztInnen bei ihrem Arbeitsalltag mal hätte anschließen können. Andererseits ist das Personal sowieso schon ziemlich ausgelastet. Ich denke, dass mit Unterstützung der Contact Persons es allerdings möglich wäre, noch mehr auf den Stationen kennenzulernen. Ehrlich gesagt war ich aber auch durch die Hitze und die vielen Informationen meist schon nach den 3-4 Stunden, die die rounds dauerten, ziemlich fertig und war oft froh, erst mal eine Pause zu haben.

Land und Leute

Den Großteil der Zeit habe ich eigentlich in Omdurman, wo die Ahfad-University liegt, und in Khartoum verbracht. Da es im September noch sehr heiß ist (zwischen 35 und 40 °C), trifft man sich meist eher gegen späten Nachmittag oder abends, um draußen zu sein. Für den Rest des Tages empfiehlt es sich, sich in der Nähe eines air conditioners aufzuhalten.
In der Stadt gibt es neben vielen Cafés und Restaurants einige große Märkte oder auch Einkaufszentren. Außerdem gibt es auch viele schöne Orte am Nil entlang (unter anderem auch viele kleine Cafés, an denen man Tee und Kaffee trinken kann). Ich würde auch empfehlen, mal außerhalb des Stadtzentrums zum Nil zu fahren (z.B. in Kalakla), dort könnt ihr (am besten morgens oder bei Sonnenuntergang) einen wunderschönen Ausblick genießen. Locals können euch bestimmt viele schöne Orte zeigen.
Um außerhalb der Uni noch Leute kennenzulernen, hab ich unter anderem Couchsurfing genutzt – nicht für eine Unterkunft sondern um eben Kontakte zu knüpfen. Ich hab dabei wirklich gute Freunde gewonnen, deren Familien mich auch oft unglaublich gastfreundlich umsorgt haben - es ist ganz normal, zum (sehr ausgiebigen und leckeren) Essen oder auch spontan über Nacht zu bleiben.
Außerhalb Khartoums habe ich nur die Meroe-Pyramiden und ein Dorf in der Nähe davon besucht, was beides eine sehr schöne Erfahrung war. In dem Dorf blieb ich mit einem Couchsurfing-Freund für einige Tage bei einer bekannten Familie von ihm, was mir nochmal ermöglicht hat, den Lebensalltag einer sehr lieben Familie besser mitzubekommen und noch mehr als nur das Stadtleben kennenzulernen. Zu den Pyramiden werdet ihr bestimmt mit euren Contact Persons fahren, ansonsten habe ich von einer Freundin auch erfahren, dass Reiseveranstalter regelmäßig dorthin oder zu andern Orten Kurztrips machen, zum Beispiel auch mit Camping in der Wüste.
Die Geschichte des Sudans ist super spannend! Einerseits gibt es eben die wunderschönen Pyramiden und die "Medina Almalak" ("Royal City") bei Meroe zu bestaunen, die die Reste einer etwa 3000 Jahre alten Stadt zeigen. Andererseit gibt es auch einige interessante Orte in Khartoum: zum Beispiel das National Museum und auch andere Museen. Sie ermöglichen einen Einblick in die sehr alte Geschichte der Kulturen und Städte entlang des Nils aber zum Beispiel auch die Zeit des britischen Kolonialismus.
Wenn ihr noch mehr zur Geschichte des Sudans erfahren wollt, könnt ihr zum Beispiel auch auf Youtube interessante Dokus finden.

Fazit

Auf jeden Fall werde ich wieder in den Sudan reisen! So viele Menschen sind mir in nur wenigen Tagen sehr ans Herz gewachsen. Die Gastfreundschaft und Offenheit, die ich bei vielen Menschen erfahren durfte, ist einfach unglaublich. Auch wenn ich manchmal Herausforderungen mit manchen Umständen hatte (eigenes Zeitmanagement, Öffentlicher Verkehr, Klima), ist mein Gesamtfazit sehr positiv.

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