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Jordan (IFMSA-Jordan)

Chirurgie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Katharina, Hannover

Motivation

Da ich zum Zeitpunkt der Bewerbung für einen regulären Platz noch Erasmus gemacht habe und der Sommer noch in weiter Ferne lag, habe ich mich erst im April auf einen Restplatz nach Jordanien beworben. Ich war ein Jahr vorher schon für ein paar Tage dort und es hat mir so gut gefallen, dass ich unbedingt ein zweites Mal und diesmal länger nach Jordanien wollte.

Vorbereitung

Da es sich um einen Restplatz handelte, musste ich ziemlich zeitnah alle Dokumente hochladen. Ich habe relativ schnell eine Zusage aus Deutschland bekommen und 2 Monate später dann auch aus Jordanien. Ich hatte keine Schwierigkeiten mit den Formalitäten und war auch sonst entspannt. Ab April habe ich einen Arabisch-Kurs an der Volkshochschule besucht, weil ich dachte, ein paar Brocken Arabisch würden nicht schaden. Was sich als sehr hilfreich erwiesen hat!

Visum

Die IFMSA-Jo hat vor dem Aufenthalt eine Broschüre zu Jordanien mit wichtigen Infos und Tipps geschickt. Sie haben mir den "Jordan Pass" empfohlen, der 70 JD kostet und in dem schon das Visum (für einen Monat) sowie die Eintritte der wichtigsten Attraktionen enthalten sind. Man kann den Pass online kaufen und muss am Flughafen nur das Online Dokument vorlegen. Wer über den Landweg einreist, muss sich informieren, an welcher der drei Grenzen zu Israel ein Visum ausgestellt werden kann. Ein reguläres Visum kostet 40 JD und ist für 2 Monate gültig. Man kann es vorher in der jordanischen Botschaft beantragen, bzw. auch vor Ort bekommen. Da ich aber den Jordan Pass gekauft habe, bin ich mir nicht sicher wie gut das funktioniert. Der Jordan Pass ist eine gute Möglichkeit, für diejenigen, die das Land bereisen wollen (was ich unbedingt empfehle!!!) Da ich aber schon viele Attraktionen ein Jahr zuvor besucht hatte, hätte mir das normale Visum auch ausgereicht. Da ich länger als einen Monat geblieben bin, musste ich mein Visum verlängern. (Dazu steht aber auch alles im Lonely Planet Jordan).

Gesundheit

Eine Auslandskrankenversicherung habe ich nicht extra abgeschlossen, da meine Krankenkasse schon eine beinhaltete. Ich musste meinen Impfpass scannen und nach Jordanien schicken sowie einen aktuellen Hep. B Titer. Das war aber alles kein Problem. In meiner Reiseapotheke befanden sich nur die üblichen Dinge wie Kopfschmerztabletten, Desinfektion, ... Ansonsten sollte man darauf achten, kein Wasser aus dem Hahn zu trinken und Obst/Gemüse immer abzuwaschen. Ich hatte keinerlei gesundheitliche Probleme in Jordanien.

Sicherheit

Die Lage Jordaniens im Nahen Osten zwischen Syrien und dem Irak klingt besorgniserregend, Jordanien ist aber ein ziemlich sicheres Land, was ich durch meine Reise vorher wusste. Deswegen habe ich mir keine Sorgen gemacht, aber trotzdem auf die Nachrichten geachtet. Ich habe mich zu keiner Zeit unsicher gefühlt, war aber auch nie komplett alleine unterwegs. In der Stadt habe ich mich aber alleine bewegt, auch abends, was nie ein Problem darstellte.

Geld

Die Währung in Jordanien ist der Jordanische Dinar (JD). Der Umrechnungskurs war 1,2 JD ~ 1 € und man konnte fast überall Bargeld an ATMs abheben. In der Stadt konnte man auch überall mit Karte zahlen, außer auf dem Markt oder im Taxi sollte man Kleingeld dabei haben. Jordanien ist gar nicht so günstig, wie man denken würde, Lebensmittelkosten entsprechen ungefähr denen in Deutschland. Taxi fahren war sehr günstig, man sollte jedoch nie den Preis des Fahrers annehmen sondern mit "meter" fahren. Einen realistischen Preis gibt auch die "Uber"-App an, an dem ich mich oft orientiert habe.

Sprache

In Jordanien wird ausschließlich Arabisch gesprochen. In den touristischen Gegenden und der Stadt verstehen viele auch Englisch, aber das ist sehr verschieden. Deswegen ist es gar nicht verkehrt sich einen kleinen Wortschatz anzueignen, wie die Grußformeln, Zahlen... Die Jordanier freuen sich wahnsinnig, wenn sie merken, dass man Interesse an der Sprache hat und auch ein paar Worte kann. Ansonsten war Englisch ausreichend, da die medizinische Ausbildung in Jordanien komplett auf Englisch ist und viele Ärzte auch im Ausland waren.

Verkehrsbindungen

Ich bin nach Jordanien geflogen. Da ich relativ kurzfristig gebucht habe, waren die Flüge etwas teurer (~350€) was aber auch günstiger geht. Man kann sowohl nach Amman als auch nach Aqaba am Roten Meer fliegen. Ryanair fliegt sogar sehr günstig von Köln nach Aqaba. Außerdem kann man aus Israel über den Landweg einreisen, es gibt 3 verschiedene Grenzübergänge: King Hussein Bridge, Sheikh Hussein Bridge, Yitzhak Rabin. An welchem Übergang man ein Visum beantragen kann, sollte man jedoch vorher klären. In Jordanien gibt es mehrere Busgesellschaften, die von Amman und Irbid aus zu den großen Touristenattraktionen verkehren. Ich habe mir mit Freunden ein Mietauto geliehen (ging auch mit dem deutschen Führerschein), da wir so relativ günstig bei wegkamen und super flexibel waren. Die Fernbusse sind zuverlässig und zu meiner großen Überraschung überpünktlich. Sobald der Bus voll ist, fährt er ab. Daher lohnt es sich vorher ein Ticket zu buchen oder früh genug am Busbahnhof zu sein. Preise sind ähnlich zu Deutschland, eher etwas günstiger.

Kommunikation

Direkt bei der Ankunft, bei der meine Kontaktperson mich abholte, haben wir eine SIM-Karte am Flughafen für mich gekauft. Die hat 16 JD gekostet und hatte 10 GB Datenvolumen sowie Freiminuten. Der Vertrag gilt für einen Monat, ich musste sie für 13 JD um einen Monat verlängern. Man hatte gefühlt besseres Netz als in Deutschland, selbst in der Wüste konnte man an manchen Stellen Internet empfangen! Die 10 GB brauchte ich aber auch, da wir in der Unterkunft kein Wlan hatten, Netflix habe ich mir meist in Cafés runtergeladen.

Unterkunft

Ich war in Amman in einem kleinen Apartment untergebracht, das von den Kontaktpersonen vor Ort bereitgestellt wurde. Ich kam ein paar Tage vor Praktikumsbeginn an und konnte zum Glück schon früher in die Wohnung ziehen.
Sie war komplett ausgestattet und hatte zu meiner Freude sogar eine Dachterrasse. Es gab 4 Betten, da ich aber alleine war, hatte ich sehr viel Platz für mich. Ich musste nicht viel selbst mitbringen, außer Handtüchern und Bettwäsche.

Literatur

Bis auf die Broschüre, die mir über Jordanien zugeschickt wurde, habe ich nichts gelesen. Ich habe mir den Lonely Planet Reiseführer gekauft, der auch sehr hilfreich war. Auf die englischsprachige Famulatur habe ich mich gar nicht vorbereitet, im Nachhinein würde ich aber empfehlen, sich einen groben medizinischen Wortschatz anzueignen. Ich habe vor Ort dann viel mit dem Handy übersetzt.

Mitzunehmen

Mitgenommen habe ich viel lange Kleidung, da es ja ein arabisches Land war und ich mich respektvoll kleiden wollte. Außerdem war meine Famulatur im September, daher habe ich viele Pullover und 2 Jacken mitgenommen, die komplett überflüssig waren. Selbst in der Wüste, in der es nachts sehr kalt werden kann, hat ein Pullover genügt. Abends (selbst im Oktober) wurde es nicht kälter als 18 Grad. Ich habe leider viel zu wenig deutsche Gastgeschenke mitgenommen. Ich hatte nur ein bisschen Schokolade und Süßigkeiten, über die sich alle dort sehr gefreut haben. An medizinschen Dingen hatte ich einen Kittel und Stethoskop dabei, was ich aber nicht einmal benutzt habe. Es kommt auf das jeweilige Department an, was ihr braucht.

Reise und Ankunft

Meine Reise und Ankunft verliefen unproblematisch. Ich wurde von meiner Kontaktperson am Flughafen abgeholt und wir haben direkt eine SIM-Karte gekauft, sodass ich mobil war. Ich bin absichtlich ein paar Tage früher angereist, um die Stadt zu erkunden. Das würde ich auch immer wieder machen, so hat man Zeit sich schon mal ein bisschen einzuleben. Ich durfte schon ein paar Tage früher in die Wohnung, was super war, ich jedoch nicht erwartet hatte. Dadurch konnte ich noch etwas mit den Incomings vom August unternehmen, bevor deren Aufenthalt zu Ende war.
Im Krankenhaus habe ich mich 4 Tage nach Ankunft an meinem ersten Praktikumstag vorgestellt. Dazu kam meine Kontaktperson mit mir und regelte alles mit dem Department sowie Lunch.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ursprünglich hatte ich mich für den Bereich der Gynäkolgie entschieden. Meinen ersten Tag verbrachte ich auf der Entbindungsstation. Da ich aber in einem Privatkrankenhaus war, gab es nicht viele Patienten, demnach noch weniger auf dieser Station. Es war auch kein Arzt anwesend, sondern nur 2 Schwestern, die kein Wort Englisch sprachen und wir konnten uns daher auch nicht unterhalten. An meinem zweiten Tag wurde mir vorgeschlagen in den OP zu gehen. Dort gab es viel mehr zu sehen, sodass ich meinen ganzen Monat im OP verbrachte. Mein Tag begann um 9 Uhr und endete meist gegen 15 Uhr. Um 12 Uhr habe ich meistens eine halbe Stunde Mittagspause gemacht und dort das freie Mittagessen gegessen. Meistens bestand es aus Reis und Hähnchen in allen verschieden Varianten. Im OP war ich sehr frei und durfte selbst entscheiden, was mich interessierte und was ich gerne anschauen wollte. Der OP-Plan war meistestens sehr ungenau, weshalb ich einfach von Saal zu Saal ging. Es war eher eine beobachtende Tätigkeit, ich habe keine einzige Blutentnahme gemacht. Ich durfte aber oft assistieren und mir wurde viel erklärt. Da dort Medizin auf Englisch unterrichtet wird, hatten alle einen sehr viel größeren medizinischen Wortschatz als ich und ich musste viel mit dem Übersetzer arbeiten, um alles zu verstehen. Es ist wahrscheinlich auch ratsam schon vorher das Modul Chirurgie abgeschlossen zu haben, um OP-Techniken zu verstehen. Trotzdem fand ich es sehr spannend, da in dem Krankenhaus viele Bereiche operierten. In einem Saal wurde ein Kaiserschnitt gemacht, während nebenan eine Aortenklappe ersetzt wurde. Auch über Knie-TEP’s, Fettabsaugungen und Brustvergrößerungen bis Augenoperationen war alles dabei. Es gab 2 Etagen mit jeweils 5 OP-Sälen, die jedoch nie komplett ausgelastet waren. Mich hat der hohe Standard sehr überrascht, die Säle waren super modern und die Ausstattung entsprach einem deutschen OP-Saal. Ich weiß aber auch, dass dies nicht der Norm in Jordanien entspricht. Staatliche Krankenhäuser werden nicht über diesen hohen Standard verfügen, den ich gesehen habe. Das Verhältnis mit dem Pflegepersonal und den Ärzten war sehr gut, sie waren sehr interessiert an der deutschen Kultur und unserem Gesundheitssystem. Viele von ihnen haben ihre Ausbildung in Deutschland gemacht oder würden gerne in Deutschland arbeiten. Insgesamt durfte ich viel im OP mithelfen, das kam aber immer auf den jeweiligen Arzt an. Ich würde Chirurgie weiterempfehlen, da man sonst nur sehr begrenzt mit Patienten kommunizieren kann, wenn man kein Arabisch spricht.

Land und Leute

Jordanien ist ein wunderschönes Land, was sehr viel zu bieten hat. Ich habe an den Wochenenden viele Ausflüge gemacht und auch nach dem Praktikum noch Zeit in Jordanien verbracht, um zu reisen. Da ich die einzige Studentin in dem Monat war und kein Social Program hatte, musste ich meine Reisen selbst planen. Was für mich aber gar kein Problem darstellte, da ich so viel freier war. Ich hatte Glück, dass Freunde aus Deutschland mich besuchten. Wir trafen uns in Israel und sind dort gereist, was sich durch die Nähe zu Jordanien ja anbietet. In Jordanien haben wir uns dann einen Mietwagen genommen und sind von Norden bis Süden gefahren. Man kann aber auch alle Sehenswürdigkeiten mit Bussen erreichen. Lonely Planet hat die wichtigsten Sehenswürdigkeiten zusammengefasst, daran orientierten wir uns. Wir sind auch gecouchsurft, was eine einmalige Erfahrung war, da wir so bei einer arabischen Großfamilie übernachteten, die das tyische Leben in Jordanien näher brachte.
Mein Favorit war definitv die Nacht in Wadi Rum, die wir in einem Beduinencamp verbrachten.
Aber auch in Amman habe ich viel Zeit mit Jordaniern verbracht (andere ausländische Studenten gab es ja leider nicht). Ich wurde einige Male nach Hause zum Essen eingeladen. Bei diesen Einladungen zeigte sich die außerordentliche Gastfreundschaft der Jordanier. Ich durfte nicht gehen, bevor ich nicht alles einmal probiert hatte! Diese Gastfreundschaft begegnet einem auch nicht nur in der Großstadt, sondern auch beim Couchsurfen, bei den Beduinen... Hauptsächlich drehte sich viel um Essen, das in Jordanien sehr fettig und fleischlastig ist, aber super lecker! Es ist für jeden etwas dabei: Shawarma, eine Art Dönerrolle, Falafel, Hummus, das Nationalgericht Mansaf, knafe, Käse mit ganz viel Syrup oder baklava. Amman hat aber auch mehr als nur Essen zu bieten. Zum einen gibt es zahlreiche Moscheen und ein Besuch auf dem Markt (suq) ist obligatorisch. Jeden Freitag gibt es auch einen Markt an der Rainbow Street, auf dem man viele schöne Dinge finden kann. Zu empfehlen sind auch die zahlreichen Cafés mit Dachterrassen, die einen einmaligen Blick auf Jordaniens Hauptstadt bei Sonnenuntergang bieten!

Im Nachhinein würde ich nicht unbedingt den September, als Famulaturmonat wählen. Durch den Restplatz war ich aber auf den September festgelegt. Als ich ankam wurde ich mehrfach gefragt, warum ich denn nicht im August oder Juli gekommen bin. In den Monaten wurde ein Social Program von der jordanischen IFMSA organisiert und es waren um die 20 ausländische Studenten in der Stadt. Diese Erfahrung wäre wahrscheinlich eine ganz andere gewesen, wobei beides seine Vorzüge hat. Ich habe es sehr genossen viel mit Einheimischen zu unternehmen und meine Ausflüge selbst zu planen. Trotzdem habe ich andere Studenten in der Wohnung vermisst, mit denen man außerhalb des Krankenhauses was unternehmen und zusammen die Stadt erkunden kann. Daher muss jeder für sich entscheiden, was einem lieber ist.

Fazit

Meine Erwartungen wurden mehr als nur erfüllt! Dass Jordanien ein sehr schönes Land ist wusste ich ja bereits, aber in diesem Monat habe ich sehr viel Zeit mit Einheimischen verbracht und dadurch Land und Leute noch viel besser kennengelernt. Ich werde definitiv wiederkommen und kann eine Famulatur in Jordanien nur empfehlen!

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