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Mexico (IFMSA-Mexico)

Chirurgie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Melissa, Düsseldorf

Motivation

Ein Schüleraustausch und ein Freiwilligendienst in Costa Rica haben mich schon früh für die lateinamerikanische Kultur begeistert und es stand schnell für mich fest, noch einmal nach Lateinamerika zu gehen. Zusätzlich wollte ich mein Spanisch verbessern.
Da in Deutschland über Mexiko die verschiedensten Meinungen und Gerüchte kursieren, mich das Land schon immer faszinierte und mir von vielen Leuten begeistert empfohlen wurde, wollte ich mir nun ein eigenes Bild verschaffen und Mexiko kennenlernen.

Vorbereitung

Im Vorfeld habe ich einen bvmd-Infoabend an meiner Uni besucht, mit Kommilitonen gesprochen, die beim bvmd tätig sind und auf der Homepage viele Berichte gelesen. Auch die LEO´s an meiner Uni waren sehr hilfsbereit und standen mir jederzeit für Fragen zur Verfügung. Es bietet sich an, sich schon früh um die Sprachzertifikate zu kümmern, damit man zeitig einen Termin bekommt. Diese sind für Englisch 2, für andere Sprachen sogar 4 Jahre gültig – man kann sich also problemlos zeitig darum kümmern.
Für Mexiko habe ich ergänzend zu Englisch noch ein Sprachzertifikat für Spanisch beantragt. Auch sollte man den zeitlichen Aufwand für den „Letter of Motivation“ nicht unterschätzen. Nach Zusage erhält man eine recht lange Liste mit einzureichenden Unterlagen, wie beispielsweise einen Student record. Diese bekommt man problemlos von seiner Heimatuni ausgestellt. Da ich meine Zusage kurz vor Weihnachten erhielt, musste ich mich sehr schnell um diese Dokumente kümmern, da die Frist zur Einreichung in die Weihnachtsferien fiel und zu dieser Zeit niemand in der Uni zu erreichen war – es lohnt sich also, sich direkt nach Zusage um alle notwendigen Dokumente zu kümmern!

Visum

Nach Mexiko reist man mit einem Touristenvisum, welches man problemlos direkt bei Einreise bekommt. Falls man einen Flug über die USA bucht, muss man an die ESTA-Beantragung denken. Am besten nicht zu kurzfristig, damit es diesbezüglich nicht zu Problemen kommt!

Gesundheit

Auf der Seite des Auswärtigen Amtes stehen Impfempfehlungen für Mexiko, dazu gehören Tetanus, Diphtherie, Pertussis, MMR und Influenza. Zusätzlich werden noch Hepatitis A, B, Tollwut und Typhus empfohlen. Diesbezüglich besuchte ich vorher die reisemedizinische Sprechstunde im Tropeninstitut der Uni Düsseldorf und ließ einige Impfungen auffrischen – daran denken, dass zum Beispiel eine Tollwutimpfung spätestens 4 Wochen vor Abreise begonnen werden muss!
An Medikamente kommt man in Mexiko in jeder größeren Stadt ganz ohne Probleme – die gängige Reiseapotheke reicht also vollkommen aus.
Eine Auslandskrankenversicherung habe ich über die Apobank bekommen, wenn man dort ein Studentenkonto abschließt, ist diese kostenfrei - für Studenten gibt es auch von anderen Anbietern sehr viele Angebote!

Sicherheit

Über Mexiko erreichen einen die verschiedensten Horror-Geschichten bezüglich Kriminalität, Drogen und Gewalt. Es stimmt, dass man sich vor Ort nicht so frei und sorglos bewegen kann, wie hier in Deutschland – meiner Meinung nach kann man dies aber trotzdem tun, solange man sich an einige Regeln hält.
Ich habe mich bewusst für Tuxtla Gutierréz entschieden, da über diese Stadt sehr wenige negative Schlagzeilen existierten, sie durch die Lage im Südosten Mexikos recht weit von der amerikanischen Grenze (und den amerikanisch-mexikanischen-Konflikten) entfernt ist und ich eine Einwohnerzahl von 500.000 als recht angenehme Größe empfand.
Tatsächlich habe ich mich dort zu keiner Zeit unwohl gefühlt und konnte mich recht frei bewegen. Das Thema Sicherheit spielt, grade für Frauen, in Mexiko eine große Rolle und so wurde vor allem seitens meiner Freunde und meiner Gastfamilie sehr darauf geachtet, dass ich nachts nur noch in Begleitung das Haus verlasse und bei Besuchen im Zentrum lieber mit dem Auto gefahren werde, als mit dem Bus.
Generell sollte man sich in jedem Ort einfach bei den Einheimischen erkundigen, wie die aktuelle Sicherheitslage so ist und welche Orte / Busstrecken / Bezirke man momentan lieber meiden sollte. Dies ändert sich oft und meistens wissen die Menschen vor Ort am besten Bescheid und helfen einem gerne weiter.
In größeren Städten, wie beispielweise Mexiko-City, bietet es sich an, lieber Uber anstatt eines Taxis zu nutzen, da die Fahrten online registriert werden und der Fahrtpreis schon von Anfang an feststeht.

Geld

Da ich ein Konto bei der comdirect-Bank besitze, konnte ich problemlos an allen Geldautomaten mit meiner Kreditkarte Geld abheben. Dabei sollte man beachten, dass die mexikanischen Banken hierfür eine Gebühr verlangen, die umgerechnet zwischen 1-5€ pro Abhebung betragen kann – hier sollte man sich also informieren, bei welcher Bank das Abheben momentan am günstigsten ist (während meines Aufenthaltes war es die Santander-Bank). Auch bietet es sich an, immer etwas größere Beträge abzuheben, damit man nicht immer wieder diese Gebühr zahlen muss.
Anfangs hatte ich amerikanische Dollar dabei, die man auch problemlos in sogenannten „Casas del cambio“ tauschen kann – dort kann man auch Euro in mexikanische Pesos tauschen.
Außer in den Touristengebieten in und um Cancún ist der mexikanische Peso das gängige Zahlungsmittel, mit amerikanischen Dollars kommt man außerhalb von der Halbinsel Yúcatan nicht weit. In größeren und moderneren Geschäften kann man auch problemlos mit seiner Kreditkarte zahlen.
Die Lebenshaltungskosten sind im Durchschnitt günstiger als in Deutschland. Lokale Lebensmittel, Taxifahren, Busreisen und auch Inlandsflüge bekommt man meist sehr günstig – so kam ich mit dem gleichen Geld, was ich auch monatlich in Deutschland zur Verfügung habe, sehr gut hin. Ausflüge haben wir mit den Mexikanern oft mit dem Auto in die Umgebung von Tuxtla gemacht und da Benzin vergleichsweise teuer ist, habe ich das meiste Geld für Reisen während und nach meiner Famulatur ausgegeben. Auch sind die Touristengegenden, wie beispielsweise die Halbinsel Yucatán, im Durchschnitt etwas teurer als der Rest des Landes.

Sprache

In ganz Mexiko wird Spanisch gesprochen. Da ich durch längere Auslandsaufenthalte schon gut Spanisch sprechen konnte, hatte ich diesbezüglich keine Probleme. Viele der Studenten und Ärzte sprechen auch Englisch, darüber hinaus kommt man in Mexiko mit Englisch nicht sehr weit. Allerdings habe ich fast alle Mexikaner als sehr hilfsbereit und geduldig erlebt, die sich sehr freuen, wenn man auch nur ein paar Wörter Spanisch spricht. Das mexikanische Spanisch ist meiner Meinung nach besser zu verstehen als in vielen anderen Ländern, allerdings hatte ich auch häufiger Probleme, die ganzen umgangssprachlichen Begriffe und speziell mexikanische Wörter zu verstehen. Aber auch diese wurden mir gern erklärt und viel darauf geachtet, dass ich Konversationen gut folgen konnte.
Je mehr Spanisch man schon spricht, desto mehr kann man auch im Krankenhaus machen. Zwar erklären einem alle Ärzte auch geduldig die Operationen auf Englisch, wenn man jedoch vorher schon mit dem Chirurgen über die vergangene Fußball-WM plaudern kann und es dann darum geht, wer ihm bei der OP assistiert – hat man dort durchaus Vorteile. Auch erfährt man viel mehr über das Land und die Leute, wenn man deren Sprache spricht. Mexiko ist ein wundervolles und unfassbar interessantes Land mit spannenden Geschichten, die man nicht verpassen sollte, nur weil man kein Spanisch spricht.

Verkehrsbindungen

Da ich vorher noch in New York war und unbedingt Mexiko-City sehen wollte, war meine Anreise relativ teuer. Ich habe über KLM einen Flug von Düsseldorf nach New York gebucht (750€), der (One-way)Flug nach Mexiko-City kostete knapp 300€. Die günstigere Variante wäre zum Beispiel ein Flug direkt nach Cancún, den man schon ab 600 € bekommen kann.
Ganz Mexiko hat eine gutes und leicht zu verstehendes Bussystem – die Reisebusse sind sehr gut ausgestattet und das Reisen einigermaßen komfortabel. In größeren Städten habe ich häufig Uber benutzt, aber auch normale Taxifahrten sind nicht teuer. So habe ich innerhalb Tuxtlas für ein Taxi nie mehr als 4€ gezahlt – auch für Fahrten quer durch die Stadt. Es bietet sich an, sich vorher über die normalen Taxipreise zu informieren, damit man ungefähr einschätzen kann, ob der Preis fair ist. Die günstigste Variante innerhalb der Stadt sind die sogenannten Combis (Kleinbusse, die an der Straße halten) – dort zahlt man beim Einsteigen 7 Pesos (30 cent), egal, wie weit man mitfährt. Das System der Combis erschien mir recht kompliziert, es gibt keinen Fahrplan und keine markierten Haltestellen – man sollte sich einfach merken, welche Combis bestimmte Routen nehmen, dann funktioniert diese Variante auch relativ gut.

Kommunikation

Ich habe mir gleich zu Beginn eine Prepaid-Simkarte von der Firma AT&T besorgt, durch die ich einen Monat lang mobiles Internet auf meinem Handy empfangen konnte. Auch kann eine mexikanische Handynummer sehr nützlich sein. Umgerechnet beträgt der Preis ca. 15€ und die Karte lässt sich jeden Monat wieder neu aufladen. Diese Karte kann man sogar in den USA nutzen, falls man dort noch einen Aufenthalt plant. Lasst euch beim Kauf von einem Mexikaner helfen, da die ganzen Angebote sehr verwirrend sein können!
Ansonsten gibt es an vielen öffentlichen Plätzen und in jedem Starbucks Wlan – auch alle Mexikaner haben Internet zu Hause. In allen Städten findet man auch Internetcafés, wo man sehr günstig PCs nutzen kann. In der Bibliothek der Universidad Autónoma de Chiapas in Tuxtla gibt es auch kostenfreies Wlan und auch die ADO-Reisebusterminals bieten diesen Service oft an.

Unterkunft

Die Unterkunft wurde von den mexikanischen LEO´s organisiert. In Mexiko ist es normal, dass man als Student noch bei seinen Eltern wohnt – deswegen waren alle Austauschstudenten in Gastfamilien untergebracht, alles Familien von anderen Medizinstudenten.
Das Leben in meiner Gastfamilie war die wertvollste und schönste Erfahrung, die ich in Mexiko machen konnte. Generell erlaubt einem das Leben in einer Gastfamilie einen richtigen Einblick in das mexikanische Leben und alle Studenten wurden sehr herzlich empfangen. Mein Gastbruder ist selbst Medizinstudent, mein Gastvater ist Arzt. Meine Gastmutter arbeitete nicht, weswegen sie die meiste Zeit zu Hause und so jederzeit für mich zu erreichen war. Alle haben versucht, mir das Gefühl zu geben, zu Hause und willkommen zu sein – was definitiv funktioniert hat! So haben sie viele Ausflüge mit mir unternommen, mich bei Familienfesten allen vorgestellt und Rücksicht auf meine Essgewohnheiten genommen (als Vegetarier hat man es in Mexiko nämlich häufig schwer). Auch war in der Familie immer etwas los, es war viel Besuch da und so wurde mir nie langweilig. Vor allem, als ich die letzten beiden Wochen meiner Famulatur nur noch die einzige Incoming war, wurde sich rührend um mich gekümmert und ich fühlte mich zu keiner Zeit einsam. Ich pflege immer noch den Kontakt zu dieser Familie und plane schon den nächsten Besuch.

Literatur

Als Reiseführer habe ich mir den Lonely-Planet über Mexiko besorgt, der für jede Region sehr ausführlich ist und auch viele Informationen zu Kultur, Sprache und Geschichte beinhaltet. Auch konnte ich diesen nach meiner Famulatur gut zum Reisen nutzen – ich empfehle Hostels eher per Hostelworld zu buchen, da die Unterkünfte aus dem Lonely-Planet häufig sehr überlaufen sind – an den Bewertungen bei Hostelworld kann man sich gut orientieren.
Außerdem habe ich mir alle Informationen zu Mexiko auf der Seite des Auswärtigen Amtes durchgelesen – grade was das Thema Sicherheit angeht sollte man sich jedoch unbedingt immer noch einmal vor Ort direkt informieren. Die Berichte auf der bvmd-Homepage waren auch sehr hilfreich, um sich einen Eindruck zu verschaffen und konkrete Vorbereitungen zu treffen. Zusätzlich helfen die Berichte sehr, sich für eine der vielen Städte zu entscheiden, die in Mexiko angeboten werden. Ansonsten habe ich auch häufiger auf die Seiten der mexikanischen Nachrichten geschaut (zum Beispiel wwww.eluniversal.com.mx, www.elpais.com), um nicht komplett uninformiert in Mexiko anzukommen.
Um wieder ins Spanisch einzufinden, habe ich mir zum einen das Buch „Spanisch für Mediziner“ von Thieme besorgt, mit der App „Duolingo“ gelernt und mir einige Filme und Serien auf Spanisch angesehen.

Mitzunehmen

Für die Arbeit im Krankenhaus sind weiße Kleidung und ein Kittel obligatorisch. Obwohl man eigentlich die meiste Zeit im OP verbringt, darf man das Krankenhaus ohne entsprechende Kleidung nicht betreten. Deswegen besorgte ich mir dementsprechend einen Vorrat und auch 3x OP-Kleidung, die man auch selbst mitbringen muss. Bei der Schuhwahl empfehle ich bequeme Schuhe, da man diese auch den ganzen Tag im OP tragen muss – es gibt keine „OP-Schlappen“ wie bei uns.
Da Tuxtla ein sehr feuchtes und warmes Klima hat, empfehle ich auch die dementsprechende Auswahl an Kleidung. Allerdings sollte man auch an etwas wärmere Sachen denken – das Klima beispielsweise in Mexiko-City und San Cristobal ist recht kühl, außerdem werden bei offizielleren Anlässen eher lange Jeans getragen. Auch ein Kleid, bzw. Hemd nicht vergessen, falls ein etwas schickerer Abend oder eine Feier bevorsteht.
Da es in Chiapas sehr viele Möglichkeiten gibt, Ausflüge in die Natur zu unternehmen, empfehlen sich festes Schuhwerk, Regenjacke und Anti-Mückenspray. Auch an Badesachen denken!
Generell sind Mexikaner ein großer Fan von Süßigkeiten – Schokolade aus Deutschland kommt überall gut an und ist ein gutes Gastgeschenk.
Falls man doch mal etwas vergessen hat ist es kein Problem in Tuxtla, diese Dinge zu kaufen. Es gibt viele Malls und riesige Supermärkte mit einem großen Angebot.

Reise und Ankunft

Ich reiste von New York zuerst nach Mexiko-City, um dort noch ein paar Tage zu verbringen. Da fast alle Flüge in und nach Mexiko über Mexiko-City gehen, kann ich einen Aufenthalt in Mexikos Hauptstadt sehr empfehlen! Die Stadt hat mir unglaublich gut gefallen und hat kulturell sehr viel zu bieten. Ich kam einen Tag vor Praktikumsbeginn frühmorgens in Tuxtla an und wurde von zwei sehr netten mexikanischen Studenten empfangen. Die beiden waren Contact Persons von zwei anderen Studenten und Freunde meiner Contact Person Gerardo, in dessen Familie ich auch wohnte. Traditionell werden alle Studenten zum Taco-Essen mitgenommen, da ich aber Vegetarierin bin, gingen wir zum Frühstücken ins einzige vegetarische Restaurant Tuxtlas. Später traf ich dann Gerardo an seiner Uni, der mich mit zu seiner Familie nahm und dort vorstellte. Auch dort wurde ich von allen sehr herzlich empfangen und fühlte mich schnell wie zu Hause. Anschließend holten Gerardo und ich die anderen Incomings vom Krankenhaus ab, damit ich die Gruppe kennenlernen konnte. Außerdem war ein gemeinsamer Ausflug in ein nahegelegenes Dorf geplant.
Am nächsten Tag begann um 9 Uhr mein erster Tag im Krankenhaus. Da die meisten anderen Incomings auch in der Allgemeinchirurgie eingeteilt und schon etwas länger als ich da waren, konnten sie mir alles zeigen und stellten mich allen wichtigen Leuten im Krankenhaus vor – wie dem Chef der Chirurgie „Dr. Ciñones“.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Das Gesundheitssystem in Mexiko ist zweigeteilt: Auf der einen Seite der private Sektor, der nur einem kleinen Teil der Bevölkerung zugänglich ist. Die medizinische Versorgung ist hervorragend – wenn man es sich leisten kann. Auf der anderen Seite der staatliche Sektor, der aus einer Krankenversicherung für Arbeiter des Staates (Instituto de Seguridad y Servicios Sociales de los Trabajadores del Estado, ISSSTE) und aus dem Instituto Mexicano del Seguro Social (IMSS), einer öffentlichen Krankenversicherung, besteht. Generell hat Mexiko eine sehr gute medizinische Versorgung – mit Ausnahme in wenig besiedelten, ländlichen Regionen. Ein großes Problem in Mexiko ist das Übergewicht (im weltweiten Vergleich liegt Mexiko auf Platz 1!) - dies merkt man auch im Krankenhaus: Viele Patienten sind sehr adipös und haben Diabetes.
Zusammen mit 5 anderen Incomings war ich in der Allgemeinchirurgie des zum öffentlichen Sektor gehörenden „Hospital Dr. Jesús Gilberto Gómez Maza“ in Tuxtla eingeteilt. Dieses Krankenhaus existiert erst seit einigen Jahren und gehört zu den größten und modernsten der Region. Hier sind alle wichtigen Fachdisziplinen vertreten und für die Versorgung in der gesamten Region zuständig. Außerdem ist das Hospital Gómez Maza ein Lehrkrankenhaus der „Universidad Autónoma de Chiapas“ und bildet mexikanische Medizinstudenten aus.
Der Arbeitstag für uns Incomings begann meistens um 8 Uhr morgens. Vor den OPs hatten wir, gemeinsam mit den mexikanischen „Internos“ (vergleichbar mit den deutschen PJ-lern) und „Residentes“ (Assistenzärzte), Unterricht. Dort wurde abwechselnd von einem Interno ein allgemeinchirurgisches- / bzw. traumatologisches Thema vorgestellt und darüber mit einem Oberarzt diskutiert. Es gibt in Mexiko keine vergleichende Position für Famulanten, weswegen wir eher eine Sonderstellung hatten und dementsprechend auch keine Vorträge halten mussten. Zweimal pro Woche fanden große Vorträge mit allen Internos in einem Hörsaal des Krankenhauses statt, hier wurden neben fachmedizinischen auch generelle Themen zu Ethik und Gesundheitspolitik vorgestellt. Einmal pro Woche traf man sich um 8 Uhr auf Station, um gemeinsam auf Visite zu gehen. Die restlichen Tage fand die Visite entweder frühmorgens – oder zwischendurch statt, sodass wir daran meistens nicht teilnehmen konnten.
Die Operationen begannen meistens gegen 9 Uhr, wobei dies von Tag zu Tag unterschiedlich war. An manchen Tagen hatten die OPs schon begonnen, an anderen Tagen mussten wir auf den Beginn stundenlang warten. An manchen Tagen fanden nur sehr wenige OPs statt, weil der zuständige Operateur nicht kam oder die OP aufgrund eines finanziellen Engpasses doch nicht durchgeführt werden konnte.
Den OP darf man nur mit (selbstmitgebrachter) OP-Kleidung betreten, das Procedere der Schleuse ist ähnlich wie hier in Deutschland. An bequeme Schuhe denken, da man diese für den OP nicht wechselt!

Die Allgemeinchirurgie , oder „Cirurgía general“ beinhaltet neben den „klassischen“ Operationen wie Appendektomien oder Cholezystektomien auch neurochirurgische, plastische oder ophthalmoligische Operationen. So waren die Operationen sehr vielfältig wir hatten jeden Tag die Chance, eine spannende OP zu sehen, die wir noch nicht kannten. Die OP-Säle teilen sich die Allgemeinchirurgen mit den Traumatologen – insgesamt sind es 5. Mir fiel es manchmal schwer, den OP-Plan nachzuvollziehen, weil es häufig noch Änderungen gab und man so manchmal nicht wusste, welche OP grade stattfand. Das Personal war jedoch sehr freundlich und half uns gerne weiter.
Wir Incomings teilten uns dann auf die OPs auf, um dort zu assistieren. Meistens legten wir den Schwerpunkt auf die 3 allgemeinchirurgischen OPs, da die Traumatologen häufig keine weiteren Assistenten brauchten. Pro OP durften sich 1-2 Studenten einwaschen, je nach OP durften wir aber auch nur zuschauen.
Dass das Hospital Gómez Maza ein öffentliches Krankenhaus ist und es dem mexikanischen Gesundheitssystem häufig an Geld fehlt, merkt man auch an den OPs. Meistens muss abgewogen werden mit welchen vorhandenen Ressourcen man das Bestmögliche für den Patienten erreichen kann. Häufig fehlte es an Dingen, wie bestimmte Fäden, Kompressen oder Ähnlichem und es musste spontan umdisponiert werden. Die Operateure ließen sich dadurch nicht aus der Ruhe bringen und hatten immer einen Plan B parat – in Deutschland fast undenkbar.
Die Patienten, die im Hosptial Gómez Maza operiert werden, kommen meistens aus den umliegenden Dörfern und sind sehr arm. Viele von ihnen kommen aus indigenen Gemeinden und sprechen teilweise nur gebrochen Spanisch. Häufig ist es Bestandteil ihres Glaubens, bei körperlichen Beschwerden erst einmal einen Heiler aufzusuchen. So ist die zeitliche Spanne zwischen Beschwerden – Heiler – Arzt – Krankenhaus häufig sehr lang und viele Patienten kommen schon mit fortgeschrittenen Stadien einer Erkrankung ins Krankenhaus. Meistens bekommt man in Deutschland solche Stadien gar nicht oder nur selten zu Gesicht.
Meistens waren wir Incomings die erste oder zweite Assistenz – man darf ungefähr so viel machen, wie in Deutschland. Meistens war man mit Hakenhalten beschäftig, je nach Operateur durften wir auch ein bisschen mehr machen. Dabei war es den Ärzten sehr wichtig, dass alle anwesenden Studenten, auch die, die nicht assitierten, etwas von der OP mitbekamen und gut folgen konnten. So durfte man sich auch als Zuschauer neben die Chirurgen stellen, die meistens sehr viel erklärten. Auch die Anästhesisten waren sehr nett und hatten nie ein Problem damit, wenn sich Studenten auf ihre Seite stellten, um bei der OP zuzuschauen. Das Zunähen wurde meistens uns überlassen – oder geduldig erklärt, wenn man es noch nicht konnte.
Die Assistenz im OP fordert auch viel Eigeninitiative: Es ist nicht so, dass man dort auf die ausländischen Studenten gewartet hat – wenn man jedoch nett fragte, ob man assistieren dürfe, war dies meistens kein Problem und die Ärzte freuten sich sehr darüber. Auch wurde man sehr schnell eingeladen, bei der folgenden OP oder am nächsten Tag wiederzukommen, um wieder zu assistieren. Ein paar Chirurgen gaben uns auch kleinere „Hausaufgaben“ auf – wie beispielsweise den Ablauf einer Appendektomie – und sprachen diese dann intensiv und ausführlich mit uns am nächsten Tag durch.
Wenn es einmal Leerlauf zwischen den OPs gab oder für den Tag keine Operationen angesetzt waren, gab es immer die Möglichkeit auf Station zu gehen, um dort bei allem zu helfen, was so anfiel. Häufig wurden dort ZVKs gelegt, Drainagen gezogen, Verbände gewechselt oder die Patienten nach einer Operation gesehen. Auch hier bestand stets die Möglichkeit zum Assistieren oder Zuschauen. Auch ging ich ab und zu in den ambulanten OP gleich nebenan, wo ein sehr netter Pädiater arbeitete, der mich häufig assistieren ließ. Hier wurden auch häufig Appendektomien durchgeführt – hier war das Personal oft etwas knapper – sodass auch mal die Incomings den Job des OP-Pflegers übernahmen und fleißig beim Anreichen und Assistieren halfen.
Sehr selten kam es auch vor, dass es weder im OP, noch in der Ambulanz oder auf Station etwas zu tun gab – meistens setzte ich mich dann zu den anderen Internos ins Stationszimmer oder ging mit ihnen Mittagessen. Alternativ setzte ich mich zu den OP-Schwestern in die Umkleide - bei Empanadas (Gebäck) und Kaffee gab es immer etwas zu erzählen.

Land und Leute

Mexiko ist ein wahnsinnig vielfältiges Land, was allein schon durch die Größe (5 x so groß wie Deutschland) klar wird: Von den heißen und trockenen Wüstenregionen im Norden, über Berge, Strände und Meer, tropischen Regenwald bis zu Mexiko-City, welche zu den größten Städten der Welt gehört. Mexiko-City hat kulturell sehr viel zu bieten und gehört nach London zu der Stadt mit der höchsten Museumsdichte der Welt. Sie ist laut, geschäftig, voller Studenten und von großen sozialen Unterschieden geprägt – mir hat diese Stadt sehr gut gefallen und ich empfehle unbedingt, sich ein eigenes Bild von dieser Stadt zu machen! Die Region Chiapas wird von den Mexikanern selbst als „Regalo de la naturaleza“ („ein Geschenk der Natur“) genannt – mehr als verdient. Die Natur dort ist atemberaubend und zum Teil unberührt – man hat Seen, Berge, Täler, Wälder und Strände. Alles ist gut per Tages- oder Wochenendtour zu erreichen und jeder Ausflug ist ein neues Abenteuer. Die Halbinsel Yucatán ist ein beliebtes Backpacker-Ziel – schon allein die Strände sind Grund genug dafür. Auch der Norden Mexikos, in den sich eher weniger Touristen verirren, bietet wahnsinnige Wüstenlandschaften und einen interessanten kulturellen Mix – die Nähe der USA existiert nicht nur auf der Landkarte. Obwohl ich 2 Monate in Mexiko verbracht habe, bleibt viel übrig, was ich mir gern beim nächsten Besuch anschauen möchte: Oaxaca - mit den besten Stränden zum Surfen, Guadalajara – Region des Tequilas und der Mariachis, Guanajuato – ein einziges koloniales Kunstwerk und vieles mehr.
Mindestens genauso vielfältig wie Mexikos Landschaften ist die Küche Mexikos: An jeder Ecke gibt es köstliche Tacos, Montadas, Empanadas, Tortas usw. zu kaufen – jede Region hat eigene Spezialitäten und es lohnt sich, alles einmal auszuprobieren. Für die Mexikaner ist ihr Essen sehr wichtig und sie freuen sich umso mehr, wenn es auch bei Ausländern gut ankommt.
Alle Mexikaner sind unglaublich gastfreundlich und hilfsbereit. Ich habe mich in Mexiko direkt willkommen gefühlt. Da sie so stolz auf ihr Land sind, werden sie auch nicht müde, einem alles zu zeigen und jedem vorzustellen. Vor allem in Tuxtla, wohin sich nur wenige Ausländer verirren, ist man eine spannende Rarität und viele Leute freuen sich, wenn man mit ihnen ins Gespräch kommt. Auch sind sie sehr interessiert an Deutschland und allem, was damit zu tun hat - so habe ich viele interessante Gespräche geführt und viel Neues dazugelernt. Der Kontakt mit den Menschen vor Ort war das Wichtigste und Schönste, was ich in Mexiko erlebt habe.

Fazit

Die Zeit in Mexiko gehört zu den schönsten Erfahrungen, die ich bis jetzt im Ausland sammeln konnte – dies war definitiv nicht mein letzter Besuch dort. Mexiko ist wahnsinnig faszinierend und nun kann ich dieses Land etwas besser verstehen. Das Schönste, was ich aus Mexiko mitnehme: Die neuen Freundschaften, die ich dort geschlossen habe.

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