zurück

Ghana (FGMSA)

Notfallmedizin - SCOPE (Famulaturaustausch)
Anonym

Motivation

Meine Motivation war, mehr von der Welt zu sehen. Ich glaube, dass wir mit vielem in Zusammenhang stehen, dass wir kaum kennen und ich wollte gerne mehr darüber erfahren.
Ich war noch nie in Afrika und wollte gerne einen Eindruck dieses Kontinents gewinnen und habe mich dementsprechend für drei afrikanischen Länder beworben. Dabei habe ich mir neue Erfahrungen in Bezug auf eine andere Kultur, andere wirtschaftliche und medizinische Verhältnisse versprochen.

Vorbereitung

Zur Vorbereitung habe ich mich erstmal über Kumasi bei Wikipedia und Google Maps informiert. Dort habe ich mir auch einen Eindruck des Klimas, dass dort im August vorherrscht verschafft.
Ich habe mir auch die anderen Erfahrungsberichte über Ghana auf der Bvmd-Website durchgelesen und konnte ein paar nützliche Tipps in Erfahrung bringen. Neben dem Bradt Travel Guide Ghana habe ich mir noch eine gute Kamera besorgt mit der ich viele Fotos geschossen habe. Mein Mitbewohner hat mir zusätzlich noch eine Landkarte für Ghana geschenkt, über die ich mir einen guten Überblick über meinen Aufenthaltsort verschaffen konnte. Englisch ist in Ghana Amtsprache, und wird auch an der Uni gesprochen, sodass ich hoffte mit meinen Englischkenntnissen auszukommen.
Ich habe mit anderen Leuten gesprochen, die schon einmal länger in Afrika waren und mir so einen Eindruck von dem verschafft, was mich erwarten könnte.
Die Anmeldung über die Bvmd lief sehr gut. Ich habe bewusst ein Land gewählt, dass nicht zu den beliebtesten gehört, sodass ich eine realistische Chance hatte einen Platz zu bekommen.
Außerdem habe ich mich um einen Fahrtkostenzuschuss bemüht und diesen auch erhalten, was sehr nützlich war, da die endgültige Zusage aus Ghana erst ca. einen Monat vor Praktikumsbeginn vorlag und die Flugpreise nach Ghana entsprechend hoch waren.

Visum

Mein Visum für Ghana habe ich bei der Botschaft in Berlin online und postalisch beantragt.
Es werden dort Ausweiskopien, Adressen und Namen von Personen in Ghana gefordert, die sich um einen bei Einreise kümmern können. Ich habe den Ausweis des NEO, der auch meine Kontaktperson in Ghana war, hochgeladen. Außerdem wird eine Anschrift in Ghana gefordert unter der man sich zumindest zu Beginn des Aufenthalts aufhält. Ich hatte ein bisschen Sorge, da ich in Kumasi nur wusste, dass ich im Studenthostel des Komfo Anokyie Teaching Hospital wohnen würde. Diese Informationen habe ich dann auch als meine Adresse verwendet.
Da ich nicht wusste wie lange es in der Botschaft von Ghana verlässlicherweise dauert, ein Visum auszustellen und mein Abreisetermin näher rückte, habe ich einen Aufschlag gezahlt und ein Expressvisum beantragt, was aber gar nicht notwendig gewesen wäre, da das Visum schon nach 10 Tagen da war.
Für das Visum braucht man auch ein Gelbfieberimpfung, also sollte man sich am Besten zuerst darum kümmern, diese zu bekommen.

Gesundheit

Bei meiner Hausärztin/Tropenmedizinerin und auf der Seite des Auswärtigen Amtes habe ich mich noch über die verschiedenen Reiseschutzimpfungen informiert und mich gegen Tollwut, Typhus und Cholera impfen lassen.
Ich habe mir außerdem noch Mittel gegen Durchfall und Kopfschmerzen mitgenommen, aber in Bezug auf die Verdauung während des Aufenthalts meine Zweifel an der Wirksamkeit der ersteren bekommen.
Eine Auslandskrankenversicherung habe ich über den Hartmannbund abgeschlossen, die ist günstig und kann einem im Krankheitsfall sehr helfen.
Wer ein empfindliches Gleichgewichtsorgan besitzt, dem sei für die längeren sehr schaukeligen Busreisen noch ein Mittel gegen Übelkeit empfohlen. Manche der anderen Incomings haben sich ein Moskitonetz mitgebracht, dass für mich aber zu unpraktisch und schwül war.
In vielen Herbergen und Hostels gibt es diese jedoch auch standardmäßig.
Ein weiteres sehr nützliches Ding in Ghana ist natürlich Sonnencreme, von der ich mir sehr viel mitgenommen hatte.

Sicherheit

Ghana wird gemeinhin als sehr sicheres Land angesehen. Im Vorhinein habe ich deshalb bis auf die Mitnahme eines Brustbeutels für meine Wertsachen keine Vorkehrungen getroffen.
Ich habe in Ghana im Vergleich zu Deutschland relativ viel Polizei auf der Straße gesehen und durch einen großen Armeestützpunkt in der Nähe des Krankenhauses und des Wohnareals in Kumasi, gilt diese Gegend als sehr sicher. Das Wohnareal für Medizinstudierende und Personal des Krankenhauses besteht aus mehreren großen Wohnblöcken ist von einer Mauer umgeben und die Eingänge werden bewacht. Auf der Straße habe ich drei Situationen erlebt, die mich insgesamt haben vorsichtiger werden lassen. Bei einem Spaziergang über den Markt am ersten Tag in Kumasi wurde zuerst bei mir und dann bei einem Freund versucht etwas aus unsere Hosentaschen zu stehlen. Ein anderes Mal wurde der Brustbeutel des angetrunkenen Freundes nachts an einer dunklen Stelle der Straße von einem bewaffneten Dieb geraubt, der sich zuvor kurz mit uns beiden unterhalten hatte.
Bei einer dritten Gelegenheit wurde ich glücklicherweise von einem ghanaischen Bekannten davor gewarnt einem „Verkäufer“ an eine abgelegene Stelle zu folgen.
Besonders auf Märkten oder an Busbahnhöfen kann es sehr turbulent zugehen, da unheimlich viele Menschen da sind und da man als Weißer auffällt schnell und beharrlich angesprochen wird. Man verliert dann schnell den Überblick durch die auf einen einstürzenden Eindrücke und Forderungen.
Der Verkehr ist formell nicht so stark reglementiert wie in Deutschland aber mich hat es häufig überrascht, mit welchem Überblick sich die meisten Fahrer durch den Verkehr bewegt haben.

Geld

Die Währung in Ghana heißt Cedi, was der Name einer Muschel ist, mit der früher bezahlt wurde.
Während meines Aufenthalts entsprach ein Euro zirka 5,5 Cedi.
Mit meiner DKB-Kreditkarte konnte ich in Ghana kostenlos Geld abheben. Die meisten Geldautomaten dort akzeptieren VISA-Karten, schwieriger sieht es aus bei MAESTRO und MASTER-Karten.
Ich hatte auch Bargeld in Euro und Dollar dabei, bin aber fast ohne etwas davon umzutauschen mit Abheben zurecht gekommen.
In Ghana gibt es viel elektronischen Geldverkehr übers Handy, man sieht überall kleine Stände, an denen man Geld aufs Handy übertragen kann. So ganz habe ich das System leider nicht durchschaut und ich nehme auch an, dass es während eines einmonatigen Aufenthalts nicht unbedingt sinnvoll ist dieses Zahlungssystem zu übernehmen.
Häufig schien es einen sehr großen Aufwand zu bedeuten, Wechselgeld herauszugeben, am Besten man gewöhnt sich an möglichst viele kleine Scheine dabeizuhaben.

Sprache

In Ghana werden je nach Region verschiedene Sprachen gesprochen. Englisch ist durch die Kolonialisierung weit verbreitet zum Teil aber von der Aussprache verschieden von dem was ich in der Schule gelernt habe. Es dauerte allerdings nicht lange bis ich mich hineingehört hatte und auch meine Aussprache etwas angepasst habe.
Viele Menschen sprechen mehrere Sprachen und gute Englischkenntnisse so war mein Eindruck sind eher in den höheren sozialen Schichten zu finden.
Im Krankenhaus wurde unter den Ärzten und Studierenden meist Englisch gesprochen und ich denke mit Englischkenntnissen kann man sich dort sehr gut zurechtfinden.
In Ghana habe ich ein paar Brocken Twi, eine der weiter verbreiteten Sprachen, die auch in Kumasi und der Ashantregion gesprochen wird, gelernt, was häufig Überraschung und Sympathie bei den Ghanaern ausgelöst hat, leider musste ich dann bei weiteren Antworten auf Twi abwinken.
In einem Museum habe ich mir einen kleines Twi-Englisch-Wörterbuch besorgt, habe leider nur gelegentlich hineingesehen, aber Twi als interessante sehr melodische Sprache empfunden und würde gerne mehr davon lernen.
Englisch kommt meiner Meinung nach mehr eine offizielle, funktionsorientierte, aber auch zukunftsweisende Bedeutung zu, wobei ich jedoch den Eindruck hatte, dass durch den kolonialgeschichtlichen Hintergrund Englisch als gemeinsame identitätsstiftenden Sprache für Ghana einen eher schweren Stand hat.

Verkehrsbindungen

Die An- und Abreise nach Ghana habe ich über die schöne Verbindungen Frankfurt-Adis-Abeba(Äthiopien)-Accra und Accra-Lissabon-Brüssel bewältigt. Insgesamt habe ich etwa 700€ für die Flüge bezahlt, sodass der Fahrtkostenzuschuss von 400€ sehr gelegen kam. Durch die späte Zusage waren natürlich nicht mehr die günstigsten Verbindungen verfügbar, da heißt es entweder warten und etwas mehr zahlen oder auf Risiko vorbuchen. Ich habe jedoch nicht den Eindruck gewonnen, dass Leute durch die FGMSA Ghana im letzten Moment doch noch abgelehnt wurden, sondern, dass letztendlich immer eine gute Lösung gefunden werden kann.
In Ghana verkehren auf den größeren Strecken, z.B. Accra-Kumasi die sehr typische rote Linie VIP-Bus. Diese ist etwa mit Flixbus zu vergleichen und bietet sehr komfortable Sitze und schnelle und sichere Verbindungen. Es gibt wie auch bei sonstigen Verkehrsmitteln keinen festen Fahrplan, sondern der Bus fährt ab, wenn er voll ist, was jedoch meist relativ schnell geschieht.
Als ich in Accra gelandet war und ein Taxi zum Busbahnhof, von denen es übrigens mehrere gibt, sodass man dem Taxifahrer zuvor klarmachen muss zu welchem man möchte (VIP-Bus direction Kumasi), genommen hatte, war ich angesichts der vielen Menschen, des unbefestigten Parkplatzes und des schmucklosen Tickethäuschen zuerst etwas unschlüssig, habe dann aber eine sehr angenehme Fahrt nach Kumasi (etwa 9€) gehabt, inklusive ghanaischer Serie, die auf vielen Linien läuft und sich scheinbar großer Beliebtheit in Ghana erfreut.
Für kürzere oder abgelegenere Strecken gibt es Kleinbusse, sogenannte Trotros, die von Zweierteams betrieben werden (Driver und Mate, der durch die geöffnete Schiebetür, das Ziel des Busses ausruft, Fahrgästen beim Ein- und Aussteigen hilft und den Fahrpreis kassiert) und die sowohl für Preise von Minimum etwa 20 Cent innerhalb der Stadt als auch über weitere Strecken für höhere Preise fahren.
Außerdem gibt es eine große Anzahl von Taxen, einige von ihnen Sammeltaxen, bei denen man vor Fahrtantritt einen Preis ausmachen sollte und den Fahrdienst Uber den wir in Kumasi viel genutzt haben.

Kommunikation

Das Wlan im Studentenwohnheim funktionierte nicht so regelmäßig und ich habe mir eine Simkarte mit Mobilem Datenvolumen der Firma MTN gekauft, auch um mich auf Reisen zu orientieren oder ungestörter telefonieren zu können.
Ich musste mehrmals Guthaben nachladen, wobei ich aber auch viel Internetkapazität verbraucht habe und habe regelmäßig WerbeSMS von MTN bekommen, kann aber auch leider keinen anderen Anbieter empfehlen. Relativ spät erst habe ich von dem exzellent ausgestatteten Computerraum im Wohnheim gebraucht gemacht, der nicht nur gute Internetverbindung bietet sondern aufgrund seiner Klimatisierung hilft die heißesten Stunden des Tages zu überstehen.

Unterkunft

In Kumasi habe ich in dem bereits erwähnten Wohnheim gewohnt, dass sich auf dem abgesicherten Universitätsgelände befindet.
Es gibt dort mehre Studierendenwohnheime, eine Mensa für die wir ein Essen pro Tag von der FGMSA bezahlt bekommen haben, mehrere kleine Shops für Snacks und Schreibwaren und Waren des täglichen Bedarfs, einen Laden mit Bedarfswaren für Medizinstudierende (Kittel, Kasaks, med. Bücher...) ein kleines Fitnesstudio mit sehr freundlichen motivierten Trainern. Es gibt einen Basketballplatz und daneben, drei Hütten in denen ein Friseur, eine Schneiderin und ein Schuhmacher untergebracht sind, einen Tennisplatz und vieles mehr.
Die Zimmer werden mit mehreren Leuten geteilt, so habe ich zuerst zu dritt in einem Viererzimmer gewohnt und später mir eines der offiziellen Austauschzimmer mit einem anderen Deutschen geteilt. Fast alle Zimmer haben einen kleinen Balkon , oder irgendeine Art von groflächiger Öffnung nach draußen, um eine möglichst gute Belüftung zu erzeugen. Dusche und Toilette wird meist mit anderen Zimmern geteilt. Manche Zimmer haben einen kleinen Kühlschrank oder eine kleine Küche. Davon sollte man aber im Vorhinein nicht ausgehen.
Während meines Aufenthalts gab es leider einige Fälle von Bettwanzen. Daraufhin wurden alle Holzbetten gegen Metallbetten ausgetauscht.
Meine Wäsche habe ich entweder selbst gewaschen oder bei Wäscherinnen die dort arbeiten abgegeben. Insgesamt habe ich die Unterkunft, auch aufgrund meiner netten Zimmernachbarn und der Nähe zum Krankenhaus, als sehr angenehm empfunden.

Literatur

Durch die früheren Erfahrungsberichte inspiriert habe ich mir den Bradt-Travel-Guide für Ghana gekauft, den ich, wie schon meine Vorgänger nur wärmstens empfehlen kann. Man findet dort sehr verlässliche und mit einer Prise Humor versehene Informationen über Reiseverbindungen, Unterkünfte, Sehenswürdigkeiten, kulturelle Besonderheiten, Sitten, Tiere und Natur, Essen und Trinken, zahlreiche Karten und nützliche Tipps und man merkt, dass die Autoren aus eigener Erfahrung schreiben. Wir haben uns später beim Reisen sehr auf die Empfehlungen des Bradt verlassen und wurden nicht enttäuscht.
Natürlich habe ich mich auch im Internet etwas kundig gemacht. Dort kann ich keine Seite direkt empfehlen, natürlich ist es sinnvoll auf Wikipedia ein paar Fakten zu lesen, insbesondere was das Klima im jeweiligen Austauschzeitraum betrifft. Auch über die Geschichte Ghanas gab es viel Interessantes für mich zu lernen.
Ich kann nur empfehlen weitere Erfahrungsberichte zu lesen, da jeder seine eigene Perspektive mitbringt und man so ein umfassenderes Bild von der Vielfältigkeit eines Austausches erhält.

Mitzunehmen

Da man ja gerne zu viel einpackt, möchte ich gerne ein paar Gründe nennen, die gegen großräumige Koffer sprechen: In Ghana ist es meist sehr warm, außer einer Regenjacke und langen Sachen gegen Moskitos, rate ich nichts was über Sommerkleidung hinausgeht mitzunehmen.
Wer gerne vor oder nach der Famulatur noch durchs Land reisen möchte, kommt mit kleinem Gepäck sehr viel unangestrengter vorwärts, grade wenn man seinen Rucksack im Trotro auf dem Schoß balancieren muss. Außerdem kommt man mit Handgepäck noch einmal günstiger von Europa nach Afrika und zurück als mit Aufgabegepäck. Und am wichtigsten, falls die Tasche doch abhanden kommt ist nicht gleich so viel weg.
Ein Brustbeutel oder etwas mit dem man seine Wertsachen am Körper mit sich führen kann ist nützlich. Krankenhauskleidung ist praktisch, auf der Inneren Medizin wird wert auf Kittel gelegt. In der Notaufnahme, habe ich meist Kasaks getragen.
Kleidung und Schuhe gibt es in Ghana sehr günstig und in großer Zahl an der Straße zu kaufen. Wem also eventuell noch etwas in der Garderobe oder eine Souveniridee fehlt, kann sich auch kalkuliert noch etwas Platz im Koffer lassen.
Sonnencreme, Mückenschutzmittel, Sonnenbrille, Badesachen, Taschen-/Stirnlampe, Pflaster, Händesdesinfektionsmittel, eine kleine Decke, und Sandalen sind Dinge die ich empfehlen würde mitzunehmen.

Reise und Ankunft

Ich bin von Frankfurt aus nach Addis-Abeba geflogen. Dort brauchte ich kein Visum, da ich nur kurzen Aufenthalt in der Transitzone hatte. Ethiopian Airlines kann ich sehr empfehlen, es gab gutes leckeres Essen und jeder hatte seinen eigenen Bildschirm, mit einer großen Auswahl an Filmen, die mich während der langen Flüge unterhalten haben. Bei der Einreise in Ghana muss man seinen Impfpass mit der Gelbfieberimpfung vorzeigen. Freunde, die ihren Impfausweis im Aufgabegepäck hatten wurde dort vorgeschlagen, für ein Bestechungsgeld auch so durchgelassen zu werden, was aber zum Glück umgangen werden konnte.
Als ich aus dem Flughafen hinauskam, wurde ich von einer Schar Taxifahrer umdrängt. Ich bin erstmal einige Meter vom Flughafen weggelaufen und habe dann ein günstigeres Taxi zum Busbahnhof genommen.
Mit dem VIP-Bus bin ich dann nach Kumasi gefahren, wo ich nachts ankam und mit einem Taxi zum Wohnheim gefahren bin. Dort habe ich mich dann zu den LEO's durchgefragt, die mir dann sehr freundlich geholfen und meine Unterkunft gezeigt haben.
In der gleichen Nacht kamen noch zwei Dänen an, mit denen ich dann das Zimmer und in den kommenden Wochen viel Spaß geteilt habe.
Am nächsten Tag war Sonntag und wir haben erstmal einen großen Spaziergang gemacht, sodass wir einen Einblick in unsere neue Umgebung bekamen.
Am Montag hat uns ein ghanaischer Student aus dem Nachbarzimmer, mit denen wir uns sehr gut verstanden haben, unsere Stationen im Krankenhaus gezeigt und ich wurde dem Chefarzt der ZNA vorgestellt.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Am ersten Tag war ich in der gelben Einheit, der nach Schweregrad aufsteigend in gelb, orange und rot triagierten Notaufnahme. Da die Ärzte dort viel zu tun hatten, habe ich mich mit anderen Austauschstudierenden zusammengetan und wir haben uns die Patientenakten angesehen.
Es gab zwar gewisse Vorgaben, aber in Bezug auf Tätigkeiten, Zeiten und Orte waren die anderen Austauschstudierenden und ich dort meist uns selbst überlassen. Mit der Zeit habe ich mich dann meist in der Einheit für Schwerkranke der ZNA aufgehalten, da es dort viel Zeit für die einzelnen Patienten gab und die Ärzte uns viel erklärt und abgefragt haben.
Wir haben relativ bald unsere zugeteilte Einheit Gelb verlassen und uns die anderen Einheiten angesehen. Manchmal konnten wir mit der Visite mitgehen, da einige Patienten von der Inneren Medizin betreut wurden. Die Ärzte haben uns viel erklärt und einige haben, wenn Sie Zeit hatten so etwas wie ein kleines Seminar mit uns veranstaltet, bei dem wir gemeinsam Fälle besprachen.
Manchmal sind wir auch zu anderen Incomings mit auf die Station gegangen und haben uns dort etwas angesehen.
Auf der Intensiveinheit der Notaufnahme kannte mich das Personal nach einer Weile gut genug und ich habe, wenn die Ärzte grade beschäftigt waren den Schwestern und Pflegern bei einigen Aufgaben geholfen, so konnte ich unter Aufsicht einen Harnblasenkatheter legen, Infusionen wechseln, Vitalparameter messen und Verbrennungswunden versorgen. Manchmal bin ich auch als helfende Hand mit beatmeten Patienten mit zum CT oder anderen Untersuchungen gefahren. Häufig wurden Patienten reanimationspflichtig und ich habe bei der Reanimation, bei Beatmung und Herzdruckmassage mitgemacht. Leider hat soweit ich weiß keiner der Patienten die während meiner Famulatur reanimiert wurden längere Zeit überlebt. Häufig gelang es uns zwar wieder einen Puls hervorzurufen, aber in einigen Fällen wurde der Patient dann nach einigen Stunden wieder reanimationspflichtig. Nach diesen intensiven Momenten habe ich mich häufig schlecht gefühlt, konnte aber mit den anderen Incomings, die zum Teil auch mit dabei gewesen waren reden, was mir sehr geholfen hat. Insgesamt habe ich es als bereichernde Erfahrung in Erinnerung behalten, da ich mich jetzt in so einer stressigen Situation sicherer fühle und eine anderen Blick auf das Leben bekommen habe.
Ärzte, Schwestern und Pfleger sind mit diesen Todesfällen häufig sehr routiniert umgegangen, was mir am Anfang schwer fiel zu verstehen, aber ich denke jetzt, dass man mit der Häufigkeit solcher Fälle Mechanismen aufbaut, um sich von dem Leid abzugrenzen und selbst zu schützen.
Die Notaufnahme ist im Erdgeschoss des moderneren Teils des Krankenhauses untergebracht und war meist sehr betriebsam. Die Patienten bleiben dort häufig ein paar Tage bis ein Platz auf einer anderen Station für Sie zur Verfügung steht oder die Finanzierung ihrer Behandlung geklärt ist. Häufig gab es mehr Patienten als Plätze, sodass einige Patienten auch in der Eingangshalle vor der eigentlichen Station lagen.
Die Notaufnahme ist was Geräte angeht weniger gut ausgestattet, als ich es aus Deutschland kannte, so standen meist nicht genug Monitore zur Verfügung, um alle Patienten zu überwachen und einmal kam es vor, dass ein Patient verstarb, da keine Beatmungsmaschine zur Verfügung stand.
Ein weiterer Unterschied zur Medizin in Deutschland war, dass die Patienten oder ihre Angehörigen die Behandlung zum überwiegenden Teil selbst bezahlen. Es gibt zwar Krankenversicherungen, aber nicht alle Patienten hatten eine und sie decken auch nicht alles Notwendige ab.
Darum kam es häufiger vor, dass Patienten auf ihre Behandlung warteten bis Sie selbst oder ihre Angehörige das dazu notwendige Geld aufgetrieben hatten. So wurden auch außer einigen Basismedikamenten, alle anderen Medikamente von den Angehörigen in der nebengelegenen Apotheke besorgt und auch das bei der Reanimation verbrauchte Adrenalin brachten die Angehörigen später vorbei.
Ich habe versucht einmal mit einem Krankenwagen mitzufahren, um einen Eindruck von der Notfallmedizin außerhalb des Krankenhauses zu bekommen.
Der Verantwortliche des Rettungsdienstes hat meine Bitte zunächst auch sehr freundlich und wohlwollend aufgenommen, eine weitere Kontaktaufnahme war jedoch auch mit mehreren Versuchen später nicht mehr erfolgreich.
Einige der Ärztinnen und Ärzte die dort gearbeitet haben, haben mich beeindruckt. Sie waren immer sehr freundlich zu uns Studierenden und oftmals haben Sie sich viel Zeit für uns genommen. Manchmal haben Sie auch Kosten für die Behandlung ihrer Patienten selbst übernommen.
Grade mit den Assistenzärztinnen und Ärzten hatte ich ein sehr freundlich lockeres Verhältnis und man hat sich mit Vornamen angesprochen.
Die medizinischen Lehrinhalte haben sich soweit ich das beurteilen konnte weitestgehend mit den deutschen gedeckt, waren dann in der Praxis aber etwas an die Situation und zur Verfügung stehenden Mittel angepasst.
Auch mit einigen ghanaischen Studierenden habe ich mich gut verstanden, diese waren etwas fester an ihr Lehrprogramm gebunden und wurden von den Ärzten auch intensiver gefordert, wohingegen wir ausländischen Studierenden eine Art Schutzstatus genossen. Sie konnten mir häufig erklären worum es grade ging, da manches auf Twi mit den Patienten besprochen wurde oder ich das ghanaisch gefärbte Englisch nicht direkt verstand. Wir sind auch zusammen in der Personalmensa, die aus einem kleinen Raum mit einer Vielzahl riesiger Töpfe mit Reis, Fufu und Soßen bestand, essen gegangen.
Einige von Ihnen waren auch dabei sich einen Austausch in Deutschland zu organisieren, sodass ich etwas der mir zu Gute kommenden Hilfsbereitschaft erwiedern konnte.
Obwohl ich gerne mehr Zeit mit den ghanaischen Studierenden verbracht hätte, ist die größere Nähe mit den anderen Incomings entstanden, was ich aber der gemeinsamen Situationen in einem fremden Land und den verbindenen Erfahrungen im Krankenhaus und in der Freizeit zuschreibe.
So war ich dann meist auch Mittags in der Mensa auf dem Wohnareal mit den anderen Incomings essen, wo wir uns dann über die neuesten Ereignisse im Krankenhaus ausgetauscht haben.
Der besondere Status, den wir Incomings im Krankenhaus genossen, hat uns zwar sehr viele Freiheiten gewährt, wann wir uns wo aufhalten konnten und wie wir dort unsere Zeit verbracht haben, war aber häufig auch davon geprägt, dass wir in ärztliche Tätigkeiten nicht so ohne weiteres eingebunden wurden, sondern dies eher von den ghanaischen Studierenden gefordert wurde.
Ich habe mich darum meist in der roten Abteilung aufgehalten und dadurch dann auch so etwas wie Vertrauen der Ärzte und Ärtzinnen und der Pflege gewonnen.
Meine Tasche und Getränke habe ich meist im Dokumentationsbereich der Station neben den Sachen des Personals aufbewahrt.
Während meines Praktikums ist es zwar einmal durch mit Krankenhauskleidung verkleidete Diebe zum Handydiebstahl gekommen, aber ich habe meine Wertsachen meist mit mir geführt und war in der Hinsicht nicht besorgt.
Viele der schwer erkrankten Patienten die in die Notaufnahme kamen, haben dort zwar sehr gute Hilfe erhalten, doch hatte ich den Eindruck, dass die Gesundheitsversorgung außerhalb des Krankenhauses nicht so gut funktioniert und deshalb Fälle zu uns kamen, die in Deutschland früher behandelt worden wären und eine Krankenhauseinweisung eventuell nicht nötig gewesen wäre.
Die traditionelle Medizin spielt in Ghana auch noch eine große Rolle und manchmal haben mir die Pfleger oder Ärzte erklärt, welche negativen Auswirkungen, diese dann auf die frühzeitige adäquate Behandlung mit westlicher Medizin hat, da zum Beispiel Patienten mit offenen Wunden nicht aseptisch behandelt werden und dann mit Sepsis ins Krankenhaus kamen.
Was mich am Anfang etwas verwirrt hat, war die große Zahl nicht funktionierender Geräte, wie Monitore, Pulsoxymeter oder Ultraschallgeräte. Diese harrten meist an Ort und Stelle auf die Reparatur oder ihr weiteres Schicksal und es hat etwas gedauert, bis ich wusste welche Geräte funktionieren und welche nicht.
Im Fall der Pulsoxymeter wurde häufig ein viel zu niedriger Wert angezeigt und dann mit anderen Pulsoxymetern nachgeprüft.

Land und Leute

Ghana habe ich als sehr lebendiges, sich entwickelndes und in die Zukunft orientiertes Land erlebt, dessen Traditionen und inneren Zusammenhänge mir während meines Aufenthalts allerdings nur zu einem geringen Teil offenbar geworden sind, sodass ich weiterhin gerne mehr über dieses Land lernen würde.
Die Ghanaer haben zum überwiegenden Teil eine sehr positive Haltung gezeigt und mir oft weitergeholfen.
Mit einigen haben sich weiterführende Freundschaften ergeben und ich stehe weiterhin mit Ihnen in Kontakt.
Es kam öfters vor, dass ich auf der Straße angesprochen wurde, wobei ich versucht habe mich dabei auf mein Bauchgefühl bezüglich der Absichten der Personen, die nicht immer wohlgesinnt waren zu verlassen. So wurde ich einmal auf dem Markt von Kumasi, mit Namen von einem mir unbekannten jungen Mann angesprochen, der wie sich herausstellte im Krankenhaus arbeitete und sich meinen Namen eingeprägt hatte. Er hat mir dann auf dem Markt geholfen, zu finden was ich suchte und mich davor bewahrt ausgeraubt zu werden s.o. .
Als weißer Mensch fällt man fast überall ziemlich auf und mir erging es manchmal auch so, dass mich der Anblick fremder nichtschwarzer Menschen ein bisschen überraschte.
Ich wurde dann häufig mit Obruni (weiße Person) angeredet, zum Teil um mich zum Kauf von etwas zu bewegen, zum Teil aus purem Benennungsbedürfnis. Wenn man dann mit ein paar Brocken Twi geantwortet hat, hat dies häufig Belustigung hervorgerufen und ich habe mich
wohler gefühlt.
An den Wochenenden haben wir mit den anderen Incomings und LEOs Ausflüge zu Nationalparks und an die Küste gemacht.
Die LEOs haben sich bei der Organisation große Mühe gegeben und wir haben eine gute Zeit gehabt.
Während meines Aufenthalts im August war Regenzeit, allerdings hat es meist in der Nacht geregnet und am Tag auch nur kurz. Es war wie erwartet sehr viel wärmer und feuchter als in Deutschland was mir manchmal etwas zu schaffen gemacht hat.
Viele geschlossene Räume sind mit Klimaanlage stark gekühlt, was einem leicht einen kleinen Schnupfen einbringt.
Ich hatte den Eindruck, dass Religion und Tradition in manchen Bereichen noch eine wichtigere Rolle als in Deutschland spielten und ich hatte einmal Gelegenheit an einem freikirchlichen Gottesdienst teilzunehmen, der in bestimmten Grenzen sehr ausgelassen war und Musik und Tanz eine große Rolle spielten.
Überhaupt scheinen Musik, Tanz aber auch Kleidung eine große Rolle zu spielen.
An vielen Stellen läuft Musik, Mensche wiegen sich dazu im Takt mit ausgeprägter Körperbeherrschung. Von einem freundlichen Menschen wurden wir einmal auf die togolesische Seite der Grenze geführt, wo grade ein Tanzfestival zwischen dem togolesischen und dem ghanaischen Nachbardörfern stattfand und alle Altersklassen auch spät in der Nacht noch auf den Beinen und am Tanzen waren und es richtige Wettbewerbe in verschiedenen Altersklassen gab.
Was ich auch schon in früheren Erfahrungsberichten gelesen und dort auch selbst beobachtet habe, war ein stark ausgeprägtes Bewusstsein für Kleidung.
Ob farbenprächige afrikanische Gewänder oder schicke Hemd, Hose, Lederschuhkombinationen, Kleider dienen in Ghana stark dem eigenen Ausdruck und übermitteln Informationen.
Besonders eindrücklich haben wir das in einem Weberdorf für traditionelle Kente-Stoffe mitbekommen, bei dem bestimmte Muster eindeutig bestimmte Bedeutungen vermitteln sollen.

Fazit

Meine Erwartungen so ich Sie denn kenne, wurden durch meinen Aufenthalt voll erfüllt.
Ich habe viele freundliche, lebenslustige Menschen und ein interessantes vielversprechendes Land kennengelernt. Meine Neugier etwas über diesen Teil der Welt zu erfahren konnte ich ein bisschen befriedigen, allerdings hat sich mir auch ein neuer Kosmos durch Ghana eröffnet und ich würde gerne demnächst weitere afrikanische Länder erkunden.
Medizinisches Wissen habe ich vielleicht nicht so viel erworben, wie es bei einer Famulatur in Deutschland der Fall gewesen wäre, aber ich habe das Gefühl durch meine Erfahrungen im Krankenhaus auf einer tiefer liegenden Ebene eine sehr praktische lebensnahe Ausbildung erhalten zu haben und würde die Notaufnahme in Kumasi als Famulaturplatz sehr weiterempfehlen.

zurück