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Brazil (IFMSA-Brazil)

Verschiedene - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Kathrin, Tübingen

Motivation

Ursprünglich wollte ich nach Indien, diesen Platz habe ich nicht bekommen. Dann gab es noch einen Restplatz in Brasilien und ich habe mich einfach spontan dorthin beworben.

Vorbereitung

Ich habe mich in meinem Heimatort mit ein paar Brasilianern vernetzt über facebook-tandem-Gruppen. So habe ich eine Menge über Land und Leute erfahren. Außerdem habe ich einen Portugiesisch-Kurs belegt. Sprachkenntnisse sind einfach super, man kommt einfach besser mit den Menschen vor Ort in Kontakt. Wenn man schon Spanisch kann macht man schnell Fortschritte, ich würde aber definitiv empfehlen vorher einen Kurs zu machen, um die Aussprache zu üben dann versteht man recht schnell mehr. Da die Patienten oft schon Portugiesisch mit Akzent sprechen wenn sie zum Beispiel mehr vom Land kommen, wird man hier keine Englischkenntnisse antreffen.

Visum

Für einen Aufenthalt bis 90 Tage braucht man für Brasilien kein Visum.

Gesundheit

Ich war im Tropeninstitut der Klinik und habe mich informiert. Es hängt immer davon ab was man so vor hat, wenn man noch Reisen möchte kann man sich eine Tollwutimpfung überlegen. Im Land wird aber nur geimpft wer mit Tieren arbeitet. Eine Gelbfieberimpfung musste ich vorweisen und ansonsten Standardimpfungen wie in Deutschland.

Sicherheit

Ich hatte zwei Kreditkarten dabei, weil einer Freundin die im Jahr zuvor in Brasilien war ihre Karte wegen Datenspionage gesperrt wurde. Das hat mich sehr beruhigt auch für den Fall, dass mir eine gestohlen würde. Bei mir ist aber nichts dergleichen passiert. Brasilien ist generell sicherlich nicht ungefährlich aber man hat es schon selbst in der Hand in welche Stadtteile man geht und in welche nicht. Da dann gezielt die Einheimischen vorher fragen ob der Ort an den man möchte auch sicher ist. Wenn man gerade dabei ist eine „Dummheit zu machen“ also in ein unsicheres Gebiet zu laufen wird man von Passanten auch darauf hingewiesen. So ging es mir und auch besagter Freundin im Jahr zuvor. Allerdings gibt es dann wieder andere, die sagen: na da hättet ihr gut hin gehen können. Ich hab mich aber daran gehalten was mir gesagt wurde, ich bin lieber vorsichtig

Geld

In Brasilien wird mit Real bezahlt, meistens mit Kreditkarte. Ein bisschen Bargeld sollte man aber definitiv immer in der Tasche haben (wurde mir auch von Einheimischen empfohlen falls man bedroht würde um schnell was abgeben zu können). Ich war aber nie in so einer Situation. Abheben ganz normal am Automaten, am besten in einer Bank. Brasilien ist für uns super günstig außer dort wo viele Touristen sind kann es auch mal teurer werden. Ich habe am Flughafen einfach direkt Geld abgehoben (Achtung, da muss man die roten, internationalen Automaten nehmen).

Sprache

Portugiesisch, siehe oben, ich habe einen Kurs gemacht und konnte zuvor Spanisch was sehr gut hilft. Aber Spanisch ist nicht gleich Portugiesisch und viele „einfache“ Verben sind nicht gleich. In der Gesundheitsstation waren zuerst alle traurig, dass sie mit mir nicht Englisch üben können denn ich wollte ja Portugiesisch lernen. Auch mit anderen Studenten war das manchmal so

Verkehrsbindungen

Ich habe ganz normal über skyscanner und google flights Flüge gesucht, sowohl für die Transatlantik-Flüge als auch im Land. Zudem gibt es Busse, diese fahren meinst sehr zuverlässig und man kann auch oft online buchen (buscaonibus.com.br u.a.). Besser aber in den Busbahnhöfen vor Ort, die Preise verändern sich auch nicht im Gegensatz zu Flugpreisen. Es gibt auch ein paar Zugverbindungen, die gerade auch Touristisch interessant sind.

Kommunikation

Ich habe mir dort eine SIM-Karte gekauft, das kann aber nur ein.e Brasilianer.in. Für ca 2,50€ die Woche hatte ich sehr viel Internet und Freiminuten (zB von vivo). WLAN gibt es bei den Leuten zuhause und auch in vielen öffentlichen Einrichtungen.

Unterkunft

Ich durfte bei einer Studentin wohnen, die in einer 2er WG wohnt was schon mein IFSMA-commitee in Montes Claros organisiert hatte. Wir haben uns das Zimmer geteilt und uns super verstanden, das war also kein Problem.

Literatur

Ich habe Reiseführer gelesen, LonelyPlanet und den von Stefan Loose. Zusätzlich die Internetseite des Auswärtigen Amtes. Ich würde mir tatsächlich nicht zu viele Berichte über die Sicherheit und Unsicherheit des Landes durchlesen, dass kann einen sehr verunsichern. Aber es ist bestimmt ratsam nicht blauäugig dort hin zu fahren.

Mitzunehmen

Stethoskop, einen möglichst DÜNNEN Kittel (Montes Claros ist warm), wer hat Blutdruckmessgerät und Fingeroxymeter, ein Notizbuch zum Schreiben. Kleidung kann man dort sehr gut kaufen und der Stil ist so bunt, dass es total Spaß macht sich Andenken mitzunehmen. Ich hatte eine warme Jacke dabei, die lag nur im Schrank!

Reise und Ankunft

Die Studentin bei der ich wohnen durfte hat mich vom Flughafen abgeholt. Zur Gesundheitsstation hat mich eine Studentin des IFSMA-commitee gebracht. Mir wurde von allen Seiten Hilfe angeboten und ich wurde jeden Tag von anderen Ärzten zum Praktikum mitgenommen und wieder nach Hause gebracht.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe war in einem ESF – Estratégia de Saúde da Família, dort gab es außer mir immer wieder noch andere Studenten aus allen möglichen Semestern. Ich wurde am Anfang gefragt was ich alles machen will, ich hätte theoretisch direkt selbstständig Patienten empfangen können. Allerdings habe ich ca 2 Wochen gebraucht bis ich fast alles verstanden habe. Ich war einfach immer bei einer.m der Ärzte.innen dabei und hab mitgemacht was es so zu tun gab. Nach einer Weile habe ich selbst auch Anamnesegespräche geführt allerdings immer mit Hilfe. In der Gesundheitsstation wird außer kleinen oberflächlichen Eingriffen wie eingewachsene Nägel nicht wirklich viel am Patienten gemacht. Man befragt, untersucht und verschreibt. Allerdings sind die Patienten in jedem Alter also vom Säugling mit U-Untersuchungen bis zum Greis und auch die Schwangerenvorsorge wird übernommen. Öfter beurteilt man Mammografien, Laborbefunde oder Sonografien aber durchgeführt wird alles in extern also direkt im Labor oder bei einem Radiologen etc. Blut abnehmen wird von Assistenten übernommen, Impfungen ebenso. Wichtig ist auch Beratung und Prävention da viele Patienten in der Basisversorgung ein niedriges Bildungsniveau haben. Das Krankheitsspektrum ist bis auf ein paar Tropenkrankheiten die je nach Saison variieren relativ ähnlich zu dem einer deutschen Hausarztpraxis, häufig sind zum Beispiel Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Depressionen. Ich habe alle Arbeitsbereiche der Station gesehen, nach Rücksprache mit meiner Supervisorin, die sich sehr gefreut hat, dass es mich interessiert. Die Zusammenarbeit mit den medizinischen Assistenten und den Krankenschwestern war geprägt von einem freundschaftlichen Umgang. Jeder hat seine Aufgabengebiete aber es ziehen doch alle am selben Strang. Gerne wird vor und nach der Arbeit noch ein bisschen geplaudert. In der Basiseinheit werden alle Menschen versorgt, die im Einzugsgebiet leben, die Versorgung auch mit den wichtigsten Medikamenten und die Laborkosten ist gratis. Einmal pro Woche haben wir Hausbesuche gemacht und es gab auch Unterricht einmal pro Woche zu einem Thema das wir vorher erarbeiten sollten. Die Ärzte.innen hatten einen sehr liebevollen Umgang mit den Patienten und weil jeder denen duzt, war es auch sehr viel persönlicher. Das Studium würde ich als sehr fordernd einschätzen, die Studenten die ich kennen gelernt habe waren den ganzen Tag am Lernen oder in der Uni oder in der Klinik. Man hat 2,5 Jahre Praktikum am Ende aber schon von Beginn an regelmäßig Kontakt mit Patienten. Also wesentlich praxisorientierter was mir sehr gut gefallen hat. Die Studenten sollen viele Studien lesen, um auf dem aktuellen Stand zu sein, der Unterricht erfolgt als Problem-Orientiertes-Lernen.

Land und Leute

Ich wurde überall unglaublich herzlich empfangen und ich hatte nicht einmal ansatzweise genügend Zeit alles zu tun was ich gerne getan hätte. Ich wurde gleich am ersten Wochenende von einem Kommilitonen mit zu sich nach Hause genommen. Ich habe seine ganze Familie kennen gelernt und wir waren gemeinsam in der Stadt (Belo Horizonte). Ein andermal war ich auf einer Verlobungsfeier eingeladen auf dem sonst nur die enge Familie war. Diese Art „Fremde“ mit einzubeziehen habe ich sonst noch nirgends erlebt. Wegen der Wahl im Oktober war Politik gerade ein sehr häufiges aber auch sehr umstrittenes Thema, darüber hatten ich einige interessante Gespräche. Auffällig war für mich die Spiritualität vieler Brasilianer, sei es nun christlich oder auf sonst eine Art und Weise. Dabei aber keines Falls aufdringlich. Ich wurde sehr oft gefragt ob mir Brasilien gefällt, was ich noch alles sehen möchte und wann ich wieder komme

Fazit

Brasilien – das Land in dem man „a gente“ also „die Leute“ sagt wenn man „wir“ meint. Das fasst für mich sehr gut zusammen wie ich die Bevölkerung kennen gelernt habe: Eine Nation mit vielen Herkünften (Europärer, Indigene, Afrikanische Sklaven) die sich aber im besten Fall komplett vermischen. Auch als Besucher wurde ich selbstverständlich integriert und alle um mich herum fühlten sich verantwortlich, dass ich etwas lerne bzw. dass es mir gut geht. Es waren so viele unterschiedliche Eindrücke, dass es schwer fällt dies alles kurz zusammenzufassen. Aber wenn es super Grundvoraussetzungen für ein Praktikum gibt dann dort!

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