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Malta (MMSA)

Pädiatrie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Silke, Hannover

Motivation

Ich wollte eine Famulatur im Ausland machen, um meine Englischkenntnisse zu verbessern und ein neues Gesundheitssystem kennenzulernen. Dadurch, dass ich keine weitere Sprache (außer Englisch) fließend spreche, grenzte dies meine Möglichkeiten schon ziemlich ein und ich bin bei meinen Recherchen auf das kleine Land im Mittelmeer gestoßen, von dem ich vorher noch gar nicht so viel gehört hatte. Über das übliche Bewerbungsverfahren hatte es mit einem Platz in Malta leider nicht geklappt, umso glücklicher war ich über einen kurzfristigen Restplatz.

Vorbereitung

Da bei mir die Vorbereitungsphase etwas kürzer war als bei anderen Austauschstudenten wurde es mit einigen Fristen dann doch ein wenig knapp, was für die Malteser aber kein Problem war.
Von der sogenannten Health Form hörte ich zum Beispiel viel zu spät und habe mich dann so schnell es ging, um alle nötigen Nachweise bemüht. Unter Anderem muss ein Tuberculose-Test, HIV-, Hepatitis und verschiedene Impftiter nachgewiesen werden, die nicht älter als 3 Monate sind. Man erspart sich einiges an Stress, wenn man sich schon etwas eher drum kümmert.
Ansonsten hab ich mich nur nochmal über den Status meiner Auslandskrankenversicherung informiert und Dokumente für die Reisehaftpflichtversicherung (Malpractice Insurance) rausgesucht (diese wurde bei mir über den Hartmann-Bund abgedeckt).

Visum

Ein Visum ist für EU-Bürger nicht notwendig und ich konnte bequem mit meinem Personalausweis einreisen.

Gesundheit

Bezüglich der Gesundheit musste ich, wie bereits oben beschrieben, verschiedene Blutuntersuchungen inkl. Impfnachweise vorweisen. Auch eine Auslandsreisekrankenversicherung ist Pflicht.
An Medikamenten hatte ich nur meine „Standard-Reiseapotheke“ mit Schmerztabletten und bisschen was gegen Husten und Schnupfen dabei. Für den Husten kann ich´s nur empfehlen, da in dem einen Monat quasi jeder einmal richtig Husten hatte. Kein Wunder bei der Klimaanlage!

Sicherheit

Ich habe mich in Malta durchweg sicher gefühlt und mein Verhalten im Vergleich zu Deutschland auch nicht geändert. Man gewöhnt sich nach einer Zeit an den Linksverkehr, sollte aber besonders im Straßenverkehr vorsichtig bleiben. Straßen und Autobahnen zu Fuß ohne Ampeln zu überqueren wird irgendwann zur Normalität, bleibt aber in gewisser Weise ein Abenteuer. Fußwege gibt es leider nicht so wirklich viele, daher ist man generell viel auf dem Seitenstreifen von auch stark befahrenen Straßen unterwegs.
Ich war abends nur in Ausnahmefällen alleine unterwegs und versuchte dies (wie auch in Deutschland) im Bestfall zu vermeiden. Da alle Studenten nicht weit entfernt voneinander untergebracht werden finden sich fast immer Leute für den gemeinsamen Nachhauseweg.

Geld

In Malta ist die Währung auch der Euro. Ich hatte meine Kreditkarte dabei und konnte somit überall problemlos und kostenfrei Geld abheben. Preislich ähnelt Malta den deutschen Preisen, Alkohol ist eher etwas günstiger.

Sprache

In Malta gilt Englisch als Amtssprache und wird vor Allem von den jüngeren Maltesern fließend und gut verständlich gesprochen. Im Krankenhaus greifen viele Malteser allerdings aufs Maltesisch zurück, weshalb wir häufig recht planlos in der Visite standen.

Verkehrsbindungen

Da Malta ein ziemlich kleines Land ist erreicht man alle Orte innerhalb von 1.5h mit den öffentlichen Bussen. Die kommen zwar nicht immer pünktlich oder manchmal auch gar nicht (aber daran muss man sich in Malta sowieso gewöhnen), sind aber ansonsten die beste Alternative.
Und hier folgt der ultimative Tipp zum Geld sparen: Es gibt eine Tallinja-Card (Öffi-Unternehmen in Malta), welche man 6 Wochen vor Beginn (spätestens!!) beantragen sollte. Damit kann man für 25 Euro im Monat ohne Limit Busfahren. Bei Fahrpreisen von 2€ für 2h-Tickets, bzw. 15€ für 12 Fahrten hätte sich das wirklich gelohnt. Davon wusste ich leider vorher nichts, aber ich habe andere Deutsche kennengelernt bei denen es gut funktioniert hat. Für mich wars dann in Malta selber leider schon zu spät fürs Beantragen.
Ansonsten gibt’s Taxify (was Uber ähnelt) womit man in Gruppen günstig mit Taxi von A nach B kommt.

Kommunikation

Die Kommunikation zu Anfang war etwas erschwert, da ich nicht direkt eine Kontaktperson hatte. Diese konnte mir dann im Lauf des Praktikums viele Fragen beantworten und auch Tipps geben. Im Klinikalltag war es mit der Kommunikation auf Englisch auch sehr gut.

Unterkunft

Wir haben ein Apartment in der Nähe vom Mater Die Hospital bekommen, sodass wir das Krankenhaus zu Fuß erreichen konnten. Wir haben uns die WG mit insgesamt vier Mädels geteilt, hatten die Möglichkeit zu kochen und waren zu zweit in einem Zimmer untergebracht. Bei Problemen im Apartment mussten wir uns meist selber kümmern, aber mit etwas Nachdruck haben wir dann nach einer Woche auch die langersehnten Ventilatoren erhalten (bei 40 Grad wirklich notwendig). Bettwäsche hat sich jeder selbst mitgebracht, Kissen gab´s vor Ort und ne Decke braucht man bei der Hitze nicht.

Literatur

Ich hab mir den Reiseführer von einer Freundin geschnappt und etwas drin rumgeblättert. Wir nannten ihn liebevoll unsere „Bibel“, haben ihn aber nur selten gebraucht. Schöne Orte sprechen sich rum und es macht Spaß vieles einfach mal auf eigene Faust zu erkunden.

Mitzunehmen

Ein Muss ist definitiv dein Bikini/die Badehose, denn wir sind fast jeden Tag schwimmen gegangen. Ansonsten viel luftige Kleidung, Sonnencreme, Sonnenbrille und Sonnenhut und auch ein paar Lieblingsstücke fürs Feiern. Schwimmschuhe sind wegen der spitzen Steinstrände echt von Vorteil. Das habe ich dann nach dem ersten tieferen Schnitt auch eingesehen. Ich hatte noch Schnorchelsachen dabei und wer Spaß dran hat sollte sie auf jeden Fall einpacken. Durch die Steinstrände ist das Wasser unglaublich klar und es gibt eine bunte Fischwelt zu entdecken.

Reise und Ankunft

Ich bin gegen frühen Nachmittag in Malta gelandet und hatte mir über die MMSA einen Taxifahrer buchen lassen, welcher am Flughafen auf mich gewartet hatte. Dieser brachte mich leider zur falschen Adresse und da ich auch noch nicht so die Orientierung hatte ist mir dies leider erst aufgefallen, als er mich abkassiert hatte und weggefahren ist. Dank der heutigen Technik hab ich dann das Apartment nach etwas Suchen auch noch gefunden, nur kann man sich als Start was Schöneres Vorstellen als mit Koffer durch die Mittagshitze zu irren. Meine Empfehlung: schaut vorher nochmal wo eure Unterkunft ist. Es fährt vom Flughafen im 10 oder 20 Minuten Takt ein Bus, der auch viiel günstiger gewesen wäre als das Taxi und nur 100m von meinem Apartment gehalten hätte. Durch die recht kurzfristige Planung kamen solche Dinge bei mir zu kurz und ich war einfach nur froh über das Taxiangebot - zumindest anfangs.
Die Schlüsselübergabe muss mit den Austauschstudenten aus dem Vormonat organisiert werden, was bei uns aber gut geklappt hat.
Im Krankenhaus wurde uns unser Mentor vorgestellt und wir haben eine Führung durch die Klinik bekommen.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe im Disneyland gearbeitet, so wird die Normalstation der Pädiatrie im Mater Dei genannt. Am ersten Tag habe ich die Station bereits etwas kennengelernt, eine Access Card erhalten und die Führung durch das Krankenhaus bekommen. Mein Consultant war an diesem Tag leider noch nicht zu sprechen und daher hatte ich nicht direkt jemanden, der sich zuständig fühlte. Mir wurde gesagt, dass er am nächsten Tag wiederkommt und ich ruhig schonmal nach Hause gehen könnte. Gesagt, getan. Die Organisation ist wie gesagt nicht so strikt und zeitlich korrekt wie in Deutschland, daran musste ich mich erst gewöhnen.
Mein Consultant war ein sehr freundlicher, erfahrener Professor, der sich sehr für die Lehre von Studenten interessierte. Wir waren insgesamt mit zwei Studenten auf der Station bzw. an zwei Tagen in der Ambulanz. Wir hatten die Möglichkeit auf die Visite mitzugehen, bei Untersuchungen zuzuschauen und teils auch mal selber zu untersuchen. In Deutschland bin ich mehr an die „hands-on“ Lehrmethode gewöhnt, daher war ich etwas enttäuscht hauptsächlich zuzuschauen. Leider wurde im Krankenhaus auch viel mehr Maltesisch gesprochen als erwartet. Auf Nachfrage haben die Ärzte die Anamnese noch einmal kurz zusammengefasst und das Erkrankungsbild erklärt – immerhin. Unser Consultant hat sich auch die Zeit genommen uns in seinem Büro zu unterrichten, indem wir anhand seiner Vorlesungen verschiedene Fälle durchgegangen sind. Wenn man wollte konnte man also auch etwas lernen, wenn man aber mal eher weg musste hat das auch niemanden gestört. Generell waren meine Tage aber alles andere als lang, meistens konnte ich mich schon gegen 12 Uhr auf den Heimweg machen und noch etwas mit anderen Studenten unternehmen.
Die Klinikkleidung bestand aus einer Hose (keine Jeans) mit Bluse und ich habe immer noch eine Jacke übergezogen. Das Krankenhaus wird leider auf 16 Grad runtergekühlt, sodass alle Studenten sich im Laufe des Praktikums total erkältet haben. Generell stehen Handschuhe und Desinfektionsmittel immer zur Verfügung und in der Pädiatrie wurde auch halbwegs nach deutschen Standards desinfiziert. Aus anderen Abteilungen habe ich da aber auch Anderes gehört. Generell wäre die Hygiene (vor Allem bei Isopatienten) und in Bezug auf Antibiotikagabe definitiv noch Ausbaufähig.
Die Ärzte waren immer sehr freundlich und interessiert, es wurde sich viel Zeit für die Patienten genommen und von Hektik war nichts zu spüren. Ein entspannter Gegensatz zum Alltag in einer deutschen Uniklinik.

Land und Leute

Wir waren eine große Gruppe Austauschstudenten unterschiedlichster Nationalitäten und sind in diesem einen Monat wirklich zusammengewachsen. Da die meisten Studenten schon mittags frei hatten, hat man sich immer für neue Ausflüge oder einfach entspannte Nachmittage/Abende am Strand verabredet. Auch die Malteser haben sich ein tolles Social Programme für uns überlegt, was eine tolle Abwechslung zwischen Land und Leute kennenlernen und Ausgehen/Feiern gehen war.
Im Sommer gibt es in Malta in jeder kleinen Stadt ein Fest zu ehren der jeweiligen Kirchengemeinde. Gefeiert wird mit reichlich Feuerwerk (auch tagsüber und morgens um 8 Uhr) und teilweise Konzerten, Paraden und total bunt geschmückten Straßen. In der Zeit als ich auf Malta war gab es ein Weinfest, ein Bierfest, ein kostenloses Martin Garrix Konzert… Ansonsten gehen vor allem die Touristen gerne in Paceville feiern, wo es günstig Alkohol gibt und man kostenlos in alle Clubs gehen kann bis man dann den einen mit der passenden Musik gefunden hat.
Neben den Partys am Abend hatte ich aber auch die Gelegenheit sehr viel von Maltas Gegend und Kultur kennenzulernen. Besonders die Städte Valetta und Mdina haben mir sehr gut gefallen. Für beides sollte man sich ausreichend Zeit nehmen, um einfach einmal durch die Gassen zu schlendern. Dadurch, dass fast immer einer der maltesischen Studenten dabei war ergaben sich interessante Gespräche und man bekam gute Tipps für z.B. das beste lokale Restaurant. Es lohnt sich auf jeden Fall einmal in das kleine Fischerörtchen Masarxlokk zu fahren (teils gibt es dort auch einen süßen Markt) und frischen maltesischen Fisch zu essen. In Mgarr gibt es ein leckeres Lokal für maltesische Spezialitäten wie z.B. Kaninchen.
Durch das Social Programme haben wir auch die Nachbarinseln Comino und Gozo erkundet. Es wurde generell immer ein MMSA-Bus organisiert, welcher 5 Euro gekostet hat – unabhängig von Anzahl der Mitfahrer und Entfernung. Muss man nicht verstehen, war aber teils hilfreich schon Hin- und Rückfahrt organisiert zu haben.
In Malta kann man fast jeden Tag zu neuen Stränden aufbrechen. Vom Steinstrand über Sandstrand über felsige Bucht ist eigentlich alles dabei und bei der Hitze im Sommer möchte man auch lieber im Wasser entspannen als durch eine Stadt zu laufen. Das haben wir dann meist in die Abendstunden verlegt.
Malta ist also trotz der kleinen Größe ein echt schönes Land, was einem für einen Monat sehr viel Abwechslung bieten kann. Sowohl für entspannte Tage am Strand als auch etwas Kultur in den wunderschönen Städten.

Fazit

Ich hatte eine wunderschöne Zeit in Malta mit vielen internationalen Studenten von denen einem viele schnell ans Herz gewachsen sind. Das Gruppengefühl war ein tolles Erlebnis und das Land hat mir auch sehr gut gefallen. Wer seinen Fokus auf die medizinische Lehre legt ist in Malta glaube ich am falschen Ort. Wer aber eine entspannte Famulatur mit vielen neuen Eindrücken und einfach einen wunderschönen Sommer haben möchte trifft mit Malta definitiv die richtige Wahl! Ich würde diesen Austausch immer wieder machen!

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