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;IFMSA Peru(Peru);Evaluation of hypoglycemic activities of Peruvian medicinal plants;;;;

Verschiedene - SCORE (Forschungsaustausch)
von Anna, Potsdam

Motivation

Ich wollte schon länger an einem Forschungsaustausch in einem anderen Land teilnehmen. Als ich die Länderliste durchscrollte fiel mir Peru ins Auge. Ich hatte schon so viel von dem schönen und vielfältigem Land gehört und war als Kind schon begeistert von der Inka-Kultur. Zusätzlich war dies auch noch eine Motivation meine schon lange aufgeschobene Idee Spanisch zu lernen, endlich anzugehen.

Vorbereitung

Prinzipiell fand ich die Vorbereitung recht unkompliziert. Das Austausch-Team in Arequipa ist super hilfsbereit und auch recht gut organisiert, sodass ich schon bald nach der Zusage den Kontakt meiner Gastfamilie und meiner Kontaktperson zugesandt bekam. Alle Fragen konnte ich also direkt stellen und die meisten wurden mir auch ausführlich beantwortet. In Eigenregie habe ich eher schlecht als recht ein paar Brocken Spanisch gelernt und mein Praktikumsbetreuer sendete mir einen Monat vor meiner Ankunft noch ein paar Artikel, damit ich mich auf mein Forschungsthema vorbereiten kann.

Visum

Als Deutsche/r ist es nicht notwendig ein Visum für Peru zu beantragen, wenn man sich nicht länger als 90 im ALnd aufhält. Bei der Einreise bekommt man nur eine Stempel mit Datum. Hier unebedingt darauf achten, dass ihr dieses auch wirklich erhaltet, da er notwendig für die Ausreise ist.

Gesundheit

Ich hatte eine extra Auslandskrankenversicherung bei Barmenia abgeschlossen, da ich in dem Jahr bereits im Ausland war. Bei vielen Krankenkassen ist es möglich eine Auslandsversicherung für einen begrenzten Zeitraum kostengünstig, oder sogar umsonst zu erwerben. Noch in Deutschland habe ich mich gegen Gelbfieber, Thypus und Hepatitis A impfen lassen. Tollwut habe ich, da Peru nicht so stark durchseucht ist, ausgelassen. Zusätzlich hatte ich in meiner Reiseapotheke Imodium, Malaria-Prophylaxe, Ibuprofen, ein Thermometer, Amoxicillin, eine Cortisonsalbe, Bepanthensalbe, Kaugummies gegen Reiseübelkeit und Kohletabletten. Abgesehen von den Kohletabletten konnte zum Glück alles in seiner Verpackung bleiben .Neben den Medikamenten sollten natürlich Desinfektionsmittel, Mückenspray (DEET min 30%) und Sonnencreme mitgenommen werden.

Sicherheit

Ich habe mich in Peru die meiste Zeit sehr sicher gefühlt. Meine Gasteltern hatten mir zu Beginn genau erklärt welche Viertel in Arequipa etwas gefährlicher sind und wie man sich zu Verhalten hat. In einigen Nächten war ich auf dem Rückweg auch allein in Arequipa unterwegs und habe mich nichts unsicher gefühlt. Nur in Lima, abseits der Touristenviertel wurde ich sehr häufig angesprochen und mir nachgepfiffen und habe mich alleine Abends nicht aus dem Hostel getraut.

Geld

In Peru bezahlt man mit Soles. Während meines Praktikums lag der Wechselkurs bei circa 4 Soles für einen Euro.
Eine warme Mahlzeit bekommt man ab 1,5-2€ und ein Bett im Schlafsaal ab 5€. Das meiste Geld habe ich für Transport und die Sehenswürdigkeiten ausgegeben. In dem Monat den ich bei der Gastfamilie lebte, habe ich inklusiv aller Reisen 400€ ausgeben und den knappen Monat den ich danach gereist bin nochmal 600€

Sprache

Zum Zeitpunkt meiner Bewerbung konnte ich noch kein Wort Spanisch sprechen und erarbeitete mit in den Monaten davor ein A2, sodass ich ein einfaches Gespräch führen und meine grundlegenden Bedürfnisse kommunizieren konnte.
Meine Gasteltern konnten kein Englisch sprechen, somit war ich gezwungen Spanisch zu sprechen. Zum Glück ist es eine sehr eingängige Sprache und am Ende des Monats konnte ich dem Tischgespräch folgen. Für mein Praktikum waren keine Sprachkenntnisse erforderlich, da alle Englisch sprachen, aber zum Reisen empfehle ich wenigstens ein paar Brocken Spanisch sprechen zu können.

Verkehrsbindungen

Perus Hauptstadt Lima wird viel angeflogen und ist für die meisten der erste Ankunftsort. Leider gibt es keine Direktflüge aus Deutschland, aber so konnte ich den Hinflug mit einem Kurzurlaub in New York verbinden.
Von Lima kann man entweder nach Arequipa fliegen oder einen Bus nehmen, der leider um die 20 Stunden unterwegs ist.
Alternativ lohnt es sich La Paz anzufliegen und von dort einen Bus oder Flug nach Arequipa zu nehmen.
Innerhalb Perus gibt es viele Busunternehmen, die durchs ganze Land fahren. Hier am besten immer Locals fragen, welche vor Ort die empfehlenswert ist. Cruz del Sur ist qualitativ das hochwertigsten unternehmen , da es sehr bequeme Sitze gibt und keine es ungeplanten Zwischenstopps gibt und keine externen Lebensmittelverkäufer in den Bus gelassen werden, die einen Nachts aufwecken und Brötchen andrehen. Leider ist es auch recht teuer. Kostengünstiger in der Gegend um Arequipa ist Reyna. Für eine Fahrt nach Cusco (8h) habe ich dort 10€ bezahlt.

Kommunikation

Ich habe mir vor Ort bei Claro eine Simkarte gekauft und diese für 8€ mit 3 GB aufgeladen. So konnte ich über Whatsappcall mit meiner Familie und Freunden in Deutschland in Kontakt bleiben. Es gibt noch weitere Anbieter, aber Claro soll das beste Netz besitzen.

Unterkunft

Ich wurde von einer sehr netten Gastfamilie aufgenommen, die sich rührend um mich gekümmert hat. Im Haus hatte ich ein eigenes Zimmer und Bad. Ich weiß leider nicht was der Standard ist, aber die Familie hat für mich alles organisiert und ich musste keine extra Bettwäsche und etc. mitbringen. Auch musste ich mir erbeten eigene Lebensmittel zu kaufen, um mich immer auf Kosten der Familie zu essen.

Literatur

Zur Vorbereitung hat mir dieses Buch „Gebrauchsanweisung für Peru“ von Ulrike Fokken sehr gut gefallen, da es neben Reisetipps auch verschiedene kulturelle, gesellschaftliche und historische Aspekte beleuchtet.
Zusätzlich habe ich den Lonely Planet durchgeblättert und mir verschiedenen Internetseiten angeschaut. Da fand ich diese gut: https://info-peru.de

Mitzunehmen

Da ich nur mit Handgepäck gereist bin, hatte ich nur recht wenig dabei. Mit zweiwöchigem Waschen, bin ich aber gut über die Runden gekommen. Mir hat nur etwas mehr warme Kleidung gefehlt, da es in Peru im Winter und insbesondere in der Höhe auch unter null Grad geht und die meisten Häuser und Hostels keine Heizung besitzen. Also unbedingt eine warme Jacke einpacken.

Reise und Ankunft

Ich bin in Lima angekommen und habe dort ein paar Tage verbracht. Im Flugzeug wurden die Einreiseanträge verteilt in denen nach Wohnort in Peru, geplanter Ausreise und Gelbfieberimpfung gefragt wurde, obwohl diese offiziell nicht mehr notwendig ist.
Danach bin ich nach Arequipa weitergeflogen und wurde von meiner Gastfamilie abgeholt und sofort der ganzen Familie mitsamt den Großeltern und Tanten und Onkel vorgestellt.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe mein Praktikum im Centro de Investigacion en Ingenieria Molecular der Universidad Catolica de Santa Maria unter dem Thema Study of reactivity of cyclotides for Alzheimer disease using Quantum Mechanics and molecular mechanics absolviert.
Der erste Tag an der Universität wurde von dem IFMSA-Team sehr nett gestaltet. Alle SCORE Austauschstudenten, wir waren zu siebt und auch alle im gleichen Labor, wurden über den gesamten Campus geführt. Neben mehreren Instituten wurden uns die wichtigsten Ess-und Pausenbereiche, die unieigene Kapelle inklusive dem Grab es Gründers und die Sportplätze gezeigt.
Danach wurden wir dem CIIM-Team vorgestellt. Alle Mitarbeiter tranken mit uns über eine Stunde Kaffee und fragten uns Löcher in den Bauch über unsere Herkunftsländer und Motivation nach Peru zu kommen.
Danach ging es ans Eingemachte und uns wurde der ambitionierte Plan für den nächsten Monat vorgestellt. Jeder von uns bekam zuerst ein Vortragsthema zugeteilt, welches wir wenige Tage später vor dem Team präsentieren sollten. Meines war Sekundärstrukturen von Proteinen. Danach wurden wir in die Quantenmechanik und in Gromacs, ein Program für die Modellierung von Proteinen eingeführt.
Grundlage für mein Projekt war eine Studie die Inhaltsstoffe aus traditionellen peruanischen Heilpflanzen aus dem Regenwald untersuchte.
Meine Aufgabe war es am Computer zehn dieser Moleküle zu modellieren und zu schauen ob diese im Modell mit der menschlichen betasecretase, die ich auch am PC modellierte interagieren und diese potentiell inhibieren. Für mich und alle anderen Austauschstudenten war das Neuland, da wir uns zuvor noch nie mit Informatik beschäftigt hatten. Wir wurden von fünf „Mentoren“ betreut, die mit Engelsgeduld jede noch so doofe Frage beantworteten und sogar Überstunden machten um mit uns einige Berechnungen zu beenden.
Neben dem ersten Vortrag habe ich noch drei weitere Vorträge gehalten. Um mein Projekt vorzustellen, den Progress zu zeigen und um meine Ergebnisse zu präsentieren.
Alles in Allem war es sehr viel Arbeit. Häufig war ich über acht Stunden im Labor und hatte leider unter der Woche nicht so viel Zeit das schöne Arequipa zu genießen.
Wett gemacht hat dies aber die wundervolle Arbeitsgruppe und die anderen Austauschstudenten. Alle Austauschstudenten wurden als vollwertige Teammitglieder betrachtet und unsere Projekte wurden sehr ernst genommen, da die Arbeitsgruppe mit den Ergebnissen weiterarbeiten wollte. Das motivierte uns natürlich sehr.
Wir haben jeden Mittag alle gemeinsam eine Mittagspause gemacht und nach der Arbeit öfters Fußball gespielt oder sind in eine Bar gegangen.
Ich habe zuvor noch nie ein so harmonisches und entspanntes Arbeitsklima erlebt und würde mich sehr freuen später einmal in einem Team wie diesem arbeiten zu können.

Land und Leute

Gastgeber
Ich hatte eine großartige Gastfamilie. Von Tag eins wurde ich wie ein drittes Kind behandelt und postum allen Verwandten vorgestellt. Am ersten Tag habe ich beide Großelternpaare und sämtliche Tanten, Onkel und Cousins kennengelernt. Meine Gasteltern waren sehr führsorglich, fast schon zu bemutternd. So musste ich meine Gastmutter überzeugen mich nicht jeden Morgen mit dem Auto zur Uni zu fahren, da sie Angst hatte, dass ich sonst den Weg nicht finden würde. Und mein Gastvater ist eine ganze Nacht wachgeblieben, als ich feiern war, da er Angst um mich hatte. Zum Glück konnte ich sie überzeugen, dass auch Europäer aus ein wenig härterem Holz geschnitzt sind und sie sich nicht so viele Sorgen machen müssen. Trotzdem konnte ich erst in der letzten Woche durchsetzen, dass ich einmal für die Familie kochen darf und die Lebensmittel dafür auch selber bezahle.
Auch wenn es abgedroschen klingt, habe ich nach nur einem Monat eine zweite Familie am anderen Ende der Welt hinzugewonnen.

Auch das IFMSA-Team war wirklich wunderbar. Vor dem Austausch wurden versucht alle Fragen zu beantwortet und während der Zeit dort wurden mehrere Abende und sogar ein gemeinsamer Wochenendtrip zum Colca-Cayon organisiert.

Großartig war aber auch die internationale Gemeinschaft. Fast jeden Abend haben wir gemeinsam etwas unternommen und viele interessante Gespräche geführt.

Land und Leute
Die Peruaner, die ich kennengelernt habe waren sehr aufgeschlossen, hilfsbereit uns interessiert an Ausländern. Was ich interessant fand war, dass die meisten Frauen sehr schüchtern und zurückhalten im Kontakt mit neuen Personen waren. Mir fiel es deutlich leichter Kontakte mit Männern zu knüpfen. Insbesondere im Labor war dies sehr auffällig. Erst nach zwei Wochen haben auch die Frauen mehr Zeit mit uns Austauschstudenten verbracht und längere Gespräche geführt.

Peru ist wirklich ein wunderschönes Land und ich wünsche mir, dass ich mehr Zeit gehabt hätte es zu bereisen.
Während dem Praktikum war ich jeden Monat entweder mit meiner Gastfamilie oder mit anderen Austauschstudenten verreist. Gemeinsam haben wir Ica und Paracas, den Colca-Cayon, Puno und die Inseln des Titicacasees und den Regenwald besucht.
Am besten gefallen davon hat mir der Titicacasee und der Colca-Cayon, aber auch der Dschungel in der Nähe von Puerto Maldonado war ein Erlebnis.
Nach Beendigung des Praktikums war ich mit weiteren Austauschstudenten in Cusco und bin den Salkantay-Trek nach Machu Picchu gelaufen.
Dieser war mein persönliches Highlight. Ich bin noch nie zuvor durch so viele unterschiedliche Vegetationen gewandert. Zum Beispiel sind wir an einem Tag bei 4000 Meter Höhe gestartet, sind auf 4600 Meter gestiegen, haben dort eine Schneeballschlacht gemacht und sind dann 1000 Meter bergab gelaufen bis wir bei 30 Grad in den Regenwaldausläufern angekommen sind.
Jedem der Peru bereist, kann ich diesen Wanderweg nur wärmstens empfehlen.

Fazit

Der Austausch hat alle meine Erwartungen übertroffen. Ich habe viele spannende und liebenswürdige Menschen kennengelernt, ein wunderschönes Land bereist und nebenbei sehr viel gelernt.
Falls ihr die Möglichkeit habt macht unbedingt das Praktikum in Arequipa beim CIIM.

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