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Oman (SQU-MSG)

Pädiatrie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Hannah, Würzburg

Motivation

Vor einem Jahr wollte ich unbedingt ein Praktikum im Ausland machen. Auf einem allgemeinen Informationsabend an meiner Uni über die Möglichkeiten während des Medizinstudiums ins Ausland zu gehen, habe ich von der bvmd erfahren und bin direkt ein paar Tage später zu deren Infoabend gegangen. Dort haben ehemalige Outgoings so begeistert von ihrem Praktikum und ihren Erfahrungen berichtet, dass sie mich direkt angesteckt haben. Danach habe ich super viele Erfahrungsberichte online gelesen und überlegt wo ich hin möchte. Ich wollte unbedingt aus Europa raus, Problem war bloß, dass viele Länder Sprachkenntnisse der Landessprache forderten. Darum habe ich gezielt nach Ländern gesucht, in denen Englisch im Krankenhaus gesprochen wird. Und bin fündig geworden: Im Oman findet die Lehre und Stationsarbeit auf Englisch statt.

Vorbereitung

Um mich darauf vorzubereiten habe ich ein Buch über medical english von Thieme besorgt und damit gelernt. Von Amboss habe ich mir die englische Version geholt und aufs Handy geladen, damit ich im Krankenhaus Krankheiten nachschlagen konnte. Ich wusste vorher so gut wie nichts über den Oman. Also habe ich auch in meinem Reiseführer gelesen, Dokus geschaut und mich einfach etwas über Land und Leute informiert.

Visum

Um im Oman ein Praktikum machen zu können muss man ein Touristenvisum für 30 Tage beantragen, das im August 2018 20 OMR, damals ca 45 Euro, gekostet hat. Man kann das Visum einmalig um weitere 30 Tage zum selben Preis verlängern, wenn man z.B. nach dem Praktikum noch reisen möchte. Seit Anfang 2018 gibt es ein online Portal über das man das Visum als europäischer Staatsbürger aber recht leicht beantragen kann (https://evisa.rop.gov.om/). Dazu braucht man ein digitales Passbild (bei mir hats auch ein Handybild vor weißer Wand getan) und ein PDF Scan des Passes. Bei mir hat es nur einen Tag gedauert bis ich mein vorläufiges Visum im Email-Postfach hatte, das endgültige bekommt man erst bei der Einreise vom Grenzbeamten. Man konnte als Übergangslösung auch am Flughafen direkt ein Visum bekommen, es ist aber nicht sicher wie lange das noch möglich ist.

Gesundheit

Die Sultan Qaboos University hat gefordert, dass man ein Impfdokument von einem Arzt bescheinigen lässt (gabs bei Zusage des Platzes als PDF). Darin waren folgende Impfungen aufgeführt: Mumps, Masern, Röteln, Tetanus, Diphterie, Pertussis, Hepatitis B und Tuberkulose. Eine Impfung gegen Tuberkulose ist in Deutschland nicht vorgesehen, deshalb kann man auch ein Röntgen-Thorax aufnehmen und das einreichen. Da dieses Dokument ziemlich kurzfristig kam, würde ich empfehlen egal wo es hin geht, die Standardimpfungen schon mal zu überprüfen.

Sicherheit

Als Versicherungen hatte ich eine Auslandsreisekrankenversicherung, die auch den Rücktransport übernommen hätte, und eine Haftpflichtversicherung über den Marburgerbund. Zum Zeitpunkt meiner Reise war es im Oman sehr sicher. Man sollte damals bloß der Grenze zum Jemen nicht zu nahe kommen (ca 1000 km entfernt von Mascat). Die Kriminalitätsrate ist niedriger als in Deutschland. Wir waren z.B. häufiger am Strand und haben unsere Sachen unbeaufsichtigt gelassen, während wir im Wasser waren und es ist nichts passiert. Ich habe mich während dem gesamten Aufenthalt sehr sicher gefühlt, man kann auch ohne Bedenken allein Bus oder Taxi fahren.

Geld

Die verwendete Währung ist der Omanische Rial OMR der sich in 1000 Baisa unterteilt. Der Umrechnungskurs war 1 Euro = 0,440 OMR. Das Preisniveau ist ähnlich zu Deutschland mit einigen Ausnahmen: Taxifahrten waren bei geschickter Verhandlung günstiger als in Deutschland, Bus fahren ist viel günstiger (Kurzstrecke ca.25 Cent), westliche Produkte im Supermarkt waren teurer, genauso wie westliche Küche im Restaurant, Essen von einem Imbiss vergleichbar zu einer Dönerbude war viel günstiger, so dass wir uns abends günstig verpflegen konnten. Für Essen, Freizeitprogramm und Transportmittel habe ich ca 500 € gebraucht. Ich würde empfehlen eine Kreditkarte von Visa mitzunahmen, da einige Studenten Probleme hatten mit ihrer Mastercard an Geld zu kommen. Ich habe z.B die von DKB, mit der man im Ausland kostenlos Geld abheben kann. Bankautomaten sind überall leicht zu finden. Außerdem lohnt es sich auch etwas Bargeld mitzunehmen, dass man notfalls wechseln lassen kann, die Wechselkurse sind dann allerdings schlechter als mit der Kreditkarte.

Sprache

Im Oman wird Arabisch gesprochen, das konnte ich nicht sprechen und es war auch nicht notwendig. Ich habe einige Wörter zur Begrüßung, Verabschiedung und ähnliches gelernt. In der Klinik spricht das Personal untereinander Englisch, d.h. das Morning Meeting, die Visite und der Unterricht finden auf Englisch statt, nur mit den Patienten kann man meist nur auf Arabisch kommunizieren. Das hat manchmal dazu geführt, dass die Indisch- oder Pakistanischstämmigen Ärzte omanische Studenten zum Übersetzten benötigt haben. Anamnesen konnte ich deshalb auch nicht machen, da habe ich omanische Studenten begleitet, die mir übersetzten, was die Patienten erzählt haben. Um mich auf das Praktikum vorzubereiten habe ich medizinisches Englisch mit einem Buch von Thieme gelernt und mir das englische Amboss als App aufs Handy geladen. In der ersten Woche fiel es mir trotz der Vorbereitung teilweise schwer etwas zu verstehen, besonders da ich den indischen und den arabischen Akzent im Englischen nicht gewohnt war, aber das wurde mit der Zeit viel besser.

Verkehrsbindungen

Ich bin direkt von Frankfurt nach Maskat mit Oman Air geflogen. Oman Air hat eine Kooperation mit Lufthansa, die die Tickets in Deutschland vertreiben. Mein Ticket war über Lufthansa ca 100 Euro günstiger als bei Oman Air, also lohnt sich der Vergleich auf jeden Fall. Es gibt aber auch andere Anbieter, die mit Zwischenstopp fliegen. In Mascat fahren eigentlich alle mit dem Auto weil es sehr große Distanzen sind (Mascat erstreckt sich über 100 km an der Küste) und es viel zu heiß ist weit zu laufen. Die Omanischen Studenten, die uns betreut haben, waren aber unglaublich nett und hilfsbereit und haben uns häufig gefahren. Zur Klinik hin und zurück wurden wir von einem Bus der Uni gefahren. Zum Strand haben wir häufig ein Taxi genommen, den Preis muss man unbedingt vor jeder Fahrt verhandeln sonst muss man zahlen was der Fahrer verlangt, Taximeter gibt es leider nicht. Das öffentliche Verkehrssystem ist quasi nicht existent. Es wurde vor 1,5 Jahren damit begonnen Busse einzuführen, aber es gibt sehr wenige Linien. Wir haben zwei Mal den öffentlichen Bus vom Krankenhaus zur Unterkunft genommen und er war sehr günstig (0,25€) und er war pünktlich, allerdings gibt es wenige Haltestellen und die sind nicht klimatisiert.

Kommunikation

Alle incomings haben sich innerhalb der ersten Tage eine omanische SIM-Karte gekauft. Mobiles Internet ist im Oman noch unglaublich teuer. Ich habe für meinen Vertrag (Laufzeit einen Monat) mit ein paar Freiminuten, 3GB und ‚endless social data‘ 20 OMR (45,5€) gezahlt. Das war aber trotzdem das Beste was wir machen konnten, weil wir weder in der Unterkunft noch im Krankenhaus WLAN hatten. Angrenzend an das Krankenhaus fängt die Uni an, in der es eine Bibliothek gibt. Dort hatte ich über ‚eduroam‘ (ein Roaming Dienst, den viele Unis anbieten) Zugang zum Internet. Wenn man das noch nicht hat, vielleicht im Vorfeld mal bei eurer Uni informieren. Untereinander haben wir per WhatsApp kommuniziert. Internettelefonie wird irgendwie im Oman gesperrt, deshalb haben wir uns einen VPN-Klient aufs Handy geholt. Mit dem konnten wir dann auch über WhatsApp und co. nach Hause telefonieren.

Unterkunft

Gewohnt haben alle Austauschstudenten der Uni in einem Haus mit mehreren WGs. Sechs Studenten haben sich eine Wohnung mit drei Zimmern und zwei Badezimmern und einer Küche incl. Waschmaschine geteilt. Bettwäsche, Decken und Kissen wurden gestellt. Das Haus war an sich in einem guten Zustand aber viele Küchen konnten nicht mehr verwendet werden und die Waschmaschinen waren alte teilautomatische Modelle. Wir waren allerdings die letzten Studenten, die darin gewohnt haben. Nach meiner Abreise im Herbst 2018 wurde ein neues Haus von der Uni eröffnet, in dem ab da alle internationalen Studenten untergebracht wurden. Von anderen Studenten habe ich erfahren, dass es sehr modern und gut ausgestattet sein soll (auch moderne Waschmaschinen und funktionierende Küchen).

Literatur

Ich habe mir einen Reiseführer von Dumont gekauft, in dem ich vor der Reise gestöbet habe. Den Kann ich auch empfehlen, weil viel über Land und Leute darin stand. Aber hauptsächlich habe ich Reiseberichte und Dokus auf YouTube angeschaut und mir die Erfahrungsberichte der ehemaligen Outgoings durchgelesen. Auf der Seite des Auswärtigen Amtes habe ich mich über die Sicherheitslage informiert und die Seite der Deutschen Botschaft im Oman habe ich mir auch durchgelesen. Da steht z.B. was man ins Land einführen darf und was nicht, besonders bzgl. Alkohol und Medikamenten war das hilfreich.

Mitzunehmen

Für die Klinik muss man leider eigene Kleidung mitbringen, so wie die omanischen Studenten auch. Ich würde dafür empfehlen zwei Sets (Hose und Kasak) mitzunehmen, weil ich das am einfachsten finde. Alternativ könnte man in der Klinik auch schicke Kleidung und darüber Kittel tragen. In der Klinik ist es, so wie in fast allen Gebäuden im Oman, immer sehr stark klimatisiert gewesen und ich habe häufig gefroren. Wenn man auch leicht friert könnte man sich etwas Warmes für drunter mitbringen. Außerdem habe ich noch ein Stethoskop, einen Reflexhammer und ein Notizheft mitgenommen, ein Namensschild braucht man nicht, da man am ersten Tag einen Ausweis mit Foto bekommt. Dafür muss man ein Foto in Passbildgröße (z.B. bei Drogerie ausdrucken) mitbringen. Für die Ausflüge würde ich leichte Kleidung, die mindestens Knie und Schultern bedeckt, und bequeme Schuhe für kurze Wanderungen (z.B. Sneaker) empfehlen. Ich war auch sehr dankbar, dass ich einen Sonnenhut dabei hatte, weil die Sonne erbarmungslos war. Wegen meinem hellen Hauttyp habe ich mehrere Dosen 50er Sportsonnensray mitgenommen und auch gebraucht. Zum Baden hatte ich einen Bikini dabei, den kann man in den touristischen Ecken schon tragen aber Badeanzug wird glaube ich lieber gesehen. An vielen Stränden in Maskat darf man eh nicht ‚leicht bekleidet‘ baden, deswegen sind wir an den ‚Al Qurum-beach’wo das erlaubt ist, der übrigens wunderschön ist.
An den Wochenenden haben wir Ausflüge in die Berge und ans Meer gemacht und auch dort gegrillt und gecampt. Dafür braucht man unbedingt warme Kleidung, weil es nachts sehr stark abkühlt. Ich hatte mehrere Schichten Klamotten an und hätte mir trotzdem sehnlichst meinen Schlafsack herbeigewünscht.
Was hätte ich gerne dabei gehabt? Den Schlafsack, Sneaker für die Klinik (hatte so schickere Halbschuhe weil ich dachte dass man sich schicker anziehen muss…aber Hose, Kasak und Sneaker sind vollkommen ok), eine Mehrfachsteckdose, eine wasserfeste Sportkamera für die Wadis.
Ich war so froh, dass ich das dabei hatte: Ohropax, Schlafmaske, Steckdosenadapter, Sonnenhut, warme Kleidung fürs Campen, Wasserschuhe fürs Meer (es gibt viele Seeigel) und Wadis, Amboss engl. Version als App und einen Schal.

Reise und Ankunft

Bei der Anreise hatte ich eigentlich nur Probleme mit der Deutschen Bahn auf dem Weg zum Flughafen mit einer Stunde Verspätung. Oman Air hat in Frankfurt zum Glück eine eigene Sicherheitskontrolle wodurch ich dann doch rechtzeitig am Flieger ankam. In Mascat wurde ich von einem omanischen Studenten am Flughafen abgeholt und zur Unterkunft gebracht. Ich bin Donnerstag Abend angekommen und das Praktikum ging am Sonntag los. Ich fand es persönlich gut die zwei Tage zur Akklimatisierung zu haben und ich konnte direkt schon einen sehr schönen Ausflug mit der August Gruppe in ein Beachresort mitmachen. Am Sonntag war dann unser erster Tag im Krankenhaus. Wir wurden am Krankenhaus von einem omanischen Studenten empfangen der mit uns die ‚staff ID‘ beantragt hat, uns die Kantine gezeigt hat und uns nacheinander auf unsere Stationen gebracht hat.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Meine Famulatur habe ich auf der allgemeinpädiatrischen Station gemacht. Am ersten Tag waren wir wegen administrativen und organisatorischen Dingen spät auf Station aber das hat niemanden gestört. Außer mir waren dort noch 5 omanische Studenten und in der ersten Woche noch eine deutsche und in den ersten drei Wochen eine indische Austauschstudentin. Der Tagesablauf war fast immer gleich: Um 8 Uhr ging es los mit einer Frühbesprechung, zu der die gesamte pädiatrische Abteilung zusammenkam. Hier wurden, wie bei uns, nächtliche Aufnahmen besprochen aber auch jeden Tag von einem der Assistenzärzte ein Vortrag über Forschungsergebnisse oder bestimmte Krankheiten gehalten. Im Anschluss mussten die omanischen Studierenden jeweils bei einem Patienten eine Anamnese und eine Körperliche Untersuchung durchführen. Ich habe mich wegen der Sprachbarriere dann einer/m angeschlossen, die Studierenden waren sehr nett und haben zwischendurch übersetzt was sie erfahren haben und untersuchen durfte ich dann auch. Ein Nachteil zu einer Famulatur in Deutschland war ganz klar, dass ich nicht selbst mit den Patienten sprechen konnte. Trotzdem konnte ich viel zur Anamnese lernen, weil sie die dort sehr ausführlich machen müssen und später bei der Stationsvisite den Patienten vorstellen müssen und auch Feedback bekommen was bezüglich des Krankheitsbildes noch hätte gefragt werden sollen. Eine Besonderheit war z.B., dass alle Eltern gefragt wurden ob sie miteinander verwandt seien und wenn ja welchen Grades. Dazu muss man wissen, dass bis heute eine arrangierte Ehe unter Cousin und Cousine üblich ist, auch wenn die Zahlen abnehmen. Daraus ergeben sich Häufungen von genetischen Erkrankungen im Oman, wie z.B. Sichelzellanämie und Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenasemangel. Nach der Visite bin ich mit den anderen Studenten zum ‚bedside-teaching‘. Anschließend haben wir Mittagspause gemacht und dann gabs noch ein Seminar, bei dem die omanischen Studenten Referate halten mussten. Meistens war ich so um 14:30 fertig. Der Ablauf war also um einiges theoretischer als bei anderen Famulaturen.
Die Dozenten und unser Stationsarzt haben sehr begeistert unterrichtet. Das fand ich richtig schön, vor allem im Vergleich zu den meist sehr gestressten Ärzten der Uniklinik, die meine Kurse in Deutschland gehalten haben. Man hat dort richtig gemerkt, dass Sie das gerne tun. Ich hatte auch den Eindruck, dass mehr Zeit für die Lehre zur Verfügung stand. Die Uniklinik in Mascat ist nicht wie bei uns Maximalversorger, sondern bekommt schwierigere Fälle der anderen Krankenhäuser überwiesen. Deswegen war die Station auch nie voll und die Ärzte hatten mehr Zeit. Ich fand es auch sehr beeindruckend wie viel die omanischen Studenten auswendig wussten. Von ihnen wurde erwartet, dass sie die diagnostischen Kriterien, die Symptome und die Therapie, oft inclusive Dosierung, auswendig wussten. Und meistens konnten Sie das auch, wenn sie es mal nicht wussten mussten sie es bis zum nächsten Tag nachschauen und 5 Minuten darüber reden. Damit konnte ich so gar nicht mithalten. Es war eigentlich nicht dramatisch, weil das keiner wirklich von mir verlangt hat. Das Studium der omanischen Studenten dauert 7 Jahre, davon ist das erste Jahr Englischunterricht, 2-5,5Jahre sind Theorie, dann 0,5 Jahre ‚Junior‘ Praktikum (vergleichbar zu unserem Blockpraktikum aber länger) und ein Jahr ‚Senior‘ Praktikum (vergleichbar zum PJ).
Die Studenten, die bei mir in der Abteilung waren, waren unheimlich freundlich und hilfsbereit und haben dadurch die Zeit besonders wertvoll gemacht. Ich fand es am Ende sehr schade zu gehen.
Ich war insgesamt sehr zufrieden mit meinem Praktikum und meiner Betreuung dort.

Land und Leute

Wir waren insgesamt 10 Austauschstudenten, die über die ifmsa nach Mascat kamen. Die omanischen Studenten haben für uns an den Wochenenden und an jeweils einem Tag unter der Woche ein super Freizeitprogramm organisiert. Ein Wochenende sind wir zum Green Mountain gefahren, waren dort wandern und haben gecampt, mit Lagerfeuer, Grillen und allem drum und dran. Die haben wirklich an alles gedacht. Sie hatten Zelte, Picknickdecken, Essen, Getränke und sogar große Lampen dabei. Am nächsten Tag sind wir noch nach Nizwa gefahren, haben dort das Fort besichtigt und sind über den Souq (Markt) geschlendert. An dem Wochenende haben wir auch traditionell gegessen. Wir waren mit der Gruppe in einem abgetrennten Bereich des Restaurants der mit Teppich überzogen war. Dort haben wir das erste Mal auf dem Boden von einer großen Platte Reis und Hühnchen mit den Händen gegessen. Das war anfangs sehr gewöhnungsbedürftig, aber auch sehr witzig. Das Essen war insgesamt sehr Reis- und Fleischlastig und nicht all zu abwechslungsreich. Die Omanis haben immer gesagt, dass man nur richtig Omani ist, wenn man min. ein Mal am Tag Reis isst. Als ich an einem Tag in der Kantine zu meinem Reis nur das Gemüsecurry bestellt habe, hat der Angestellte dort mehrmals betont, dass darin kein Fleisch sei. Ich musste richtig schmunzeln wie entgeistert er über meine Bestellung war. Unter der Woche haben wir die Sehenswürdigkeiten in Maskat besichtigt, wir waren bowlen, Quad fahren und in einer Karaoke Bar. Am zweiten Wochenende waren wir im ‚Sink hole‘, im Wadi shab, im Wadi bani khalid, haben abends Schildkröten am Strand beobachtet, dort auch gecampt und wir waren Kamelreiten am Rande der Wüste. Diese Wochenendausflüge haben die Omanis für uns so unglaublich gut organisiert. Am letzten Wochenende war ich leider zu krank, um Teil zu nehmen. Die anderen waren auf einer Insel mit einem Fort und am Strand. Unter der Woche haben wir Austauschstudenten immer wieder was zusammen gemacht. Wir waren z.B. häufig am Strand, in einer Wasserpfeifenbar, haben zusammen gekocht oder sind essen gegangen. Gegen Ende des Austausches haben wir ein paar Abende mit internationaler Küche gemacht, wo jeder mal was von daheim gekocht hat.
Kulturell fand ich vor allem das Verhältnis von Mann und Frau spannend. Der Oman ist seit der Regentschaft von Sultan Quaboos viel moderner geworden hinsichtlich Gesundheitssystem, Bildung, Straßenbau etc, aber in vielen Bereichen sind die Omanis recht traditionell. Männer und Frauen scheinen oft eher parallel zu leben. Hochzeiten und andere Feiern finden immer geschlechtergetrennt statt. In der Uni gibt es für Männer und Frauen separate Wege, Gänge, getrennte Kantinen und Eingänge zu den Hörsälen, die Hörsäle werden dann aber gemeinsam genutzt. Eine irakische Austauschstudentin hat sich beispielsweise am ersten Tag in den männlichen Bereich in der Bibliothek gesetzt und wurde dann gebeten sich in den weiblichen Abschnitt zu setzten. Im Krankenhaus ging es da schon fast liberal zu mit gemeinsamen Kantinen etc. Mir ist aber aufgefallen, dass die Studenten im Kurs sich immer geschlechtergetrennt in den Seminaren hingesetzt haben. Ein Arzt hat mal gefragt wem wir sagen würden wie das Kind weiter behandelt werden soll. Ich habe gesagt ich würde es beiden Eltern sagen, der Arzt war der Meinung, dass das nur die Mutter interessieren würde. Ich glaube, dass diese Rollenbilder noch sehr tief in der Gesellschaft verankert sind. Uns wurde gesagt, dass das alles zum Schutz der Frauen und der Familienehre sei. Ich finde das sehr schwer mit meinem kulturellen Hintergrund zu verstehen, aber ich denke, da muss sich jeder eine eigene Meinung bilden. Die Studenten, die uns betreut haben, waren durch die Bank männlich, weil Frauen das nicht machen dürften. Das fand ich etwas schade, weil wir so kaum Kontakt zu weiblichen Studenten hatten. Allerdings hatte ich auch den Eindruck, dass die Studenten, die etwas mit uns unternommen haben, auch um einiges liberaler eingestellt waren als andere die wir in der Uni kennengelernt haben.

Fazit

Ich durfte einen wunderschönen, spannenden und interessanten Monat mit wahnsinnig lieben und hilfsbereiten Menschen verbringen und habe viele neue Freunde gewonnen. Dafür bin ich einfach super dankbar. Ich würde es jeder Zeit wieder machen und auch jedem empfehlen.

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