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Honduras (IFMSA-Honduras)

Innere - SCOPE (Famulaturaustausch)
Anonym

Motivation

Nach dem Abi war ich für ein halbes Jahr in Zentralamerika und habe dort einen Freiwilligendienst gemacht. In der Zeit habe ich viel von Land und Leuten kennengelernt und gute Freunde gefunden. Eigentlich wollte ich während des Studiums ein Erasmus-Semester machen, habe mich dann aber aus verschiedenen Gründen kurzfristig dagegen entschieden. Und da kam die Möglichkeit mit dem bvmd ins Ausland zu gehen genau richtig.
Ich habe mich für einen Famulaturplatz in Argentinien und Honduras beworben, da ich gerne mehr von der Kultur und dem Gesundheitssystem in Lateinamerika kennenlernen wollte.

Vorbereitung

Ich habe an keinen Vorbereitungskursen teilgenommen. Weil ich mich darüber nicht weiter informiert habe und mir vorher auch nicht so viele Gedanken gemacht habe. Es ist auf jeden Fall lohnenswert sich ein bisschen mit der Geschichte und der Kultur des Landes vertraut zu machen. Aber man erfährt vor Ort auch alles, wenn man sich mit den Menschen unterhält.

Visum

Ein Visum ist zur Einreise nach Honduras nicht nötig, wenn man kürzer als 90 Tage bleibt. Es kann sein, dass man bei der Einreise eine kleine „Touristen- oder Einreisegebühr“ zahlen muss, da bin ich mir aber nicht sicher. Es reicht aber völlig, wenn man ein paar Dollar in der Tasche hat.

Gesundheit

Besondere Vorkehrung hinsichtlich meiner Gesundheit habe ich nicht getroffen. Eine Hepatitis B-Impfung sollte man auf jeden Fall haben, was durch das Studium aber schon gegeben ist.
Moskito-Spray kauft man am besten dort, dann wirkt es dort auch auf jeden Fall. Ich bin in Tegucigalpa aber kaum gestochen worden.
Auch andere gängige Medikamente kriegt man vor Ort.

Sicherheit

Die allgemeine Situation in Honduras die Sicherheit betreffend ist nicht immer ganz einfach. Die beiden größten Städte in Honduras Tegucigalpa und San Pedro Sula werden als gefährlich eingestuft. Ich habe mich aber zu keinem Zeitpunkt unsicher gefühlt.
Meine Gastfamilie hat aber auch darauf bestanden, dass ich sie mich immer zur Uni bzw. zum Krankenhaus fahren und abholen bzw. ich mir ein Taxi per Anruf bestelle. Man sollte dort kein Taxi einfach von der Straße nehmen und auch außer im Zentrum als Ausländer nicht länger als ein paar Minuten durch die Gegend laufen. Das ist natürlich anders als in Deutschland, aber man gewöhnt sich schnell dran und ich habe mich durchweg sicher gefühlt.

Geld

Die Währung in Honduras ist Lempira. Ein Euro entsprechen zur Zeit ca. 27 Lempira. Die Lebenserhaltungskosten sind deutlich geringer als in Deutschland. Ich habe fast alle Mahlzeiten von meiner Gastfamilie bekommen. Dafür war ich einige Male einkaufen und habe den Kühlschrank wieder gefüllt. Für ausländische Produkte zahlt man da teilweise einen ähnlichen Preis wie hier, aber regionale Produkte sind deutlich günstiger. Auch wenn man auswärts isst, bekommt man meist Gerichte zu günstigeren Preisen als hier. Aber auch da gibt es natürlich auch teureres.
Am besten ist es, mit Kreditkarte zu reisen. Dann kann man an den Banken ganz einfach Geld abheben. Vorher in Deutschland Geld umtauschen ist nicht nötig. Ein paar Dollar zu haben ist auf jeden Fall sinnvoll. Dann kann man aber direkt am Flughafen Geld abheben. Man kann auch in vielen Geschäften mit Kreditkarte zahlen.

Sprache

Gesprochen wird in Honduras Spanisch. Gerade in Tegucigalpa oder an touristischen Orten können auch einige Leute Englisch. Aber für eine Famulatur im Krankenhaus ist Spanisch auf jeden Fall notwendig. Von den Patienten spricht nur ein Bruchteil Englisch und auch längst nicht alle Ärzte und Pfleger.
Man sollte Spanisch schon recht gut beherrschen, damit man mit den Patienten auch eigenständig Anamnesen etc. führen kann. Ein Sprachniveau B2 oder höher würde ich empfehlen.

Verkehrsbindungen

Nach Tegucigalpa zu kommen ist relativ unkompliziert. Mit dem Flugzeug kommt man gut dorthin. Ich bin zuerst nach Guatemala geflogen, um vorher noch ein bisschen zu reisen. Die Einreise bzw. das Rumreisen in Honduras geht sehr gut mit lokalen, sehr günstigen Bussen und mit größeren mehrfach täglich fahrenden Langstreckenbussen. Die Preise der Langstreckenbusse variieren je nach Unternehmen. Wenn man ein günstiges wählt kann man für unter zehn Euro quer durchs Land fahren. Und das lohnt sich auf jeden Fall!
In Tegucigalpa sollte man sich aus Sicherheitsgründen nicht mit den öffentlichen Verkehrsmitteln bewegen, sondern mit Radiotaxen, wie schon erwähnt. Das gleiche gilt für San Pedro Sula. Sonst bin ich aber immer mit den lokalen Bussen und Taxen gefahren und hatte nie Probleme.

Kommunikation

Um Kontakt zu meiner Gastfamilie und auch nach Deutschland zu haben, habe ich mir direkt am Anfang eine SIM-Karte gekauft. Das ist super unkompliziert. Man kann sie mit verschiedenen Guthaben immer wieder aufladen und hat, wie hier auch, überall Internet. In den meisten Cafes und Restaurants gibt es aber auch Wifi.

Unterkunft

Untergebracht war ich bei den Großeltern einer Studienkollegin, die selbst kurz vorher zum Austausch in Deutschland war. Ich hatte dort mein eigenes Zimmer samt Bad und konnte mich im Haus bewegen, als wär es mein eigenes. Die Küche konnte ich auch nutzen wann ich wollte, wir haben aber meist zusammen gegessen. Auch sonst brauchte ich nichts mitbringen, Bettwäsche etc. wurde alles gestellt und ich konnte regelmäßig waschen.

Literatur

Ich habe mir vor der Reise ein Medizinwörterbuch auf Spanisch gekauft. Das habe ich auch teilweise genutzt. Meist war es mit dem Handy dann aber doch schneller. Da lohnt sich auf jeden Fall eine anständige App. Sonst habe ich keine Fachliteratur dabeigehabt.

Mitzunehmen

Was man in Honduras auf jeden Fall braucht ist Kleidung fürs Krankenhaus. Die Studenten laufen dort alle in weiß mit Kittel rum. Man hat mir vorher gesagt, blaue oder grüne Allzweckkleidung wäre ok. War es auch, aber farbig tragen dort die jeweiligen Fachrichtungen und Fachärzte. In weiß fällt man auf jeden Fall weniger auf.
Und die Studenten haben dort anders als bei uns alle ihre eigenen Utensilien. Also neben Stethoskop, Leuchte und Reflexhammer auch Blutdruckmanschette, Fieberthermometer und Pulsoximeter. Wenn man das hat lohnt es sich das mitnehmen.

Reise und Ankunft

Da ich nicht direkt nach Tegu geflogen bin, sondern nach Guatemala, bin ich mit dem Bus in Honduras angekommen. Meine Gastschwester hat mich an der Haltestelle abgeholt und mich „nach Hause“ gebracht. In Honduras kann man immer nur einen Kalendermonat als Praktikum machen. Der 1. des Monats war in diesem Fall ein Samstag. Also hatte ich das Wochenende erstmal frei. Montags habe ich dann eine Führung durch das Krankenhaus und die Fakultät bekommen. Dienstags hatte ich noch einen Einführungskurs in Land und Leute und Besonderheiten im Krankenhaus und ab Mittwoch ging es dann richtig los.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich war in der Inneren Medizin eingeteilt. Die ersten Tage war ich auf Station und habe dort an den Visiten teilgenommen und einige Untersuchungen und Anamnesen an den Patienten durchgeführt. In der zweiten Woche begann dann der „richtige“ Teil des Praktikums. Da begann die neue Rotation der Studenten und ich begann den Kurs in der Notaufnahme der Inneren. Dort waren wir von sieben bis zwölf in verschiedenen Stationen in der Notaufnahme selbst eingeteilt. Da hatte ich je nach Station die Aufgabe, eine Anamnese zu erstellen, die Patienten zu untersuchen, Vitalparameter zu messen und kleine Prozeduren durchzuführen. In der Inneren war regelmäßiges Blutabnehmen angesagt und ab und zu durfte ich auch Katheter und Magensonden legen. Das hing immer vom Arzt ab, aber prinzipiell hat man dort als Ausländer einen sehr guten Stand.
Zum Kurs in der Inneren gehörte auch ein Seminar, an dem ich jeden Nachmittag von 13 bis 15 Uhr teilgenommen habe. Die Studenten hatten danach meist noch bis 17-18 Uhr Kurse, aber ich hatte danach frei. Ich hätte nicht unbedingt an dem Kurs teilnehmen müssen, die betreuende Ärztin hat aber großen Wert daraufgelegt und auch sehr guten Unterricht gemacht.
Direkt gegenüber der Inneren-Notaufnahme war die chirurgische Notaufnahme. Ab und zu bin nach Absprache mit der Ärztin dorthin gegangen. Dort durfte ich Wunden säubern und nähen und in der Orthopädie alles Mögliche gipsen. Man konnte eigentlich fast alles machen, wenn man gefragt hat.
So bin ich auch einmal hoch in den OP gegangen und durfte bei einem Kaiserschnitt und einer natürlichen Geburt dabei sein.
Insgesamt muss ich sagen, dass ich mich besser für die Chirurgie entschieden hätte. In der Inneren waren alle auch sehr nett und ich durfte auch immer, wenn es was zu tun gab helfen. Aber in der Chirurgie, die in der Notaufnahme auch die Orthopädie beinhaltet, gab es noch mehr praktische Dinge zu tun.
Ungefähr einmal die Woche hatten die Studenten am Wochenende, das eigentlich frei ist, oder nachts „turno“. Die müssen die Austauschstudenten nicht mitmachen, sind aber herzlich dazu eingeladen. Ich habe auch an einer Nachtschicht teilgenommen. Da sind die Ärzte über alles froh, was die Studenten ihnen abnehmen. Es ist also eine sehr gute Möglichkeit, ein bisschen praktische Erfahrung zu sammeln.
Ich habe so in dem Monat einen sehr guten Einblick in den Ablauf in einem großen Krankenhaus in Honduras gewonnen. Die Studenten dort haben sehr viele Pflichkurse und auch recht strenge Prüfungen. Dafür dürfen sie aber auch oft Hand anlegen.
Das Gesundheitssystem ist dort ganz anders als hier. Behandelt werden eigentlich alle Patienten kostenlos, aber Materialien und Diagnostiken müssen sie teilweise selbst zahlen. Wer sich das nicht leisten kann, kann bei der Sozialhilfe, die direkt im Krankenhaus ist, eine Zuzahlung oder Übernahme beantragen.

Land und Leute

Land und Leute in Honduras sind super! Ich bin bereits vor meiner Ankunft in Tegucigalpa ein bisschen rumgereist. Auch während der Famulatur war es möglich noch einmal zu reisen. Ich hatte in diesem Sinne aber auch Glück, da ich durch den Nationalfeiertag ein vier tägiges Wochenende hatte. Diese Zeit habe ich genutzt um nach San Pedro und an die Karibik nach Tela und La Ceiba zu fahren. San Pedro ist das kommerzielle Zentrum des Landes. Dort gibt es nicht so viel zu sehen und es ist auch laut Statistiken die gefährlichste Stadt des Landes. Ich habe dort aber einen Freund besucht und es ist alles glatt gelaufen. Tela und La Ceiba sind beides eher kleinere Städte direkt am Strand. Man kann dort also auch gut baden gehen. Von La Ceiba aus bin ich etwas landeinwärts den Rio Cangrejal langgefahren. Dort gibt es einige Lodges und man kann dort raften, wandern und vieles mehr. Das ist wirklich lohnenswert!
Außerdem kann man von La Ceiba nach Utila und Roatan. Die beiden Inseln sind Karibikfeeling pur und sehr gut zum Tauchen und Schnorcheln. Das habe ich aus Zeitgründen leider nicht geschafft, werde es aber nachholen.
Außerdem war ich zu Beginn der Reise bei den Ruinen in Copan und in Gracias, der ehemaligen Hauptstadt Zentralamerikas. Das sind beides hübsche kleine Städtchen und Copan ist quasi ein Muss, wenn man Honduras bereist. Außer man hat schon genug andere Maya-Ruinen besichtigt, dann kann man sicher das sparen.
Was ich leider auch nicht geschafft habe zu sehen, ist der Lago de Yojoa. Der liegt zwischen Tegu und San Pedro. Dort kann man wohl sehr gut Kanu fahren, es gibt viele Tiere und schöne Natur.
Mit meiner Gastfamilie und dem lokalen IFMSA-Komitee habe ich die wichtigsten Sehenwürdigkeiten in Tegucigalpa angeschaut. Und wir waren einen Nachmittag in Valle de Angeles. Das ist ein kleines „traditionelles“ Dorf knapp eine Stunde von der Hauptstadt. Da fahren die Städter gerne am Wochenende für einen entspannten Tag hin. Den hatten wir dort auf jeden Fall auch.
Also von der Kultur und der Landschaft lohnt sich Honduras auf jeden Fall. Es gibt sehr viel zu sehen und es lohnt sich ein bisschen mehr Zeit einzuplanen, um etwas rumzureisen.
Mit den Menschen bin ich dort auch sehr gut klargekommen. Fast alle sind sehr interessiert und möchten gerne mehr von einem erfahren und unterhalten sich gern.
Prinzipiell ist die wirtschaftliche und politische Lage jedoch nicht ganz einfach. Es gibt sehr viel Armut im Land und eine sehr große Unzufriedenheit mit den führenden Politikern. Das erfährt man auch häufig in Gesprächen. Das geht einem persönlich natürlich auch manchmal sehr nah. Ist für mich aber absolut kein Grund, Honduras nicht zu besuchen. Im Gegenteil. Honduras hat einen schlechten Ruf, was Sicherheit angeht und daher auch nicht so viel Tourismus wie die Nachbarländer in Zentralamerika. Es gibt dort aber mindestens genauso viel zu sehen. Und wenn man sich an ein paar Grundregeln hält, habe ich nie Grund gesehen, mich dort unsicher zu fühlen.

Fazit

Alles in allem war die Famulatur in Honduras für mich ein sehr tolles Erlebnis. Ich habe ein neues Gesundheitssystem kennengelernt und ein neues Land für mich entdeckt.
Mit meiner Gastfamilie und einigen Freunden habe ich noch sehr engen Kontakt und würde sie gerne nochmal besuchen gehen und noch mehr von diesem wunderschönen Land kennenlernen.

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