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Sierra Leone

Innere - SCOPE (Famulaturaustausch)
Anonym

Motivation

Ich wollte gerne eine Famulatur im Ausland machen, da gerade eine solche im Rahmen des IFMSA-Austauschprogramms eine unvergleichliche Möglichkeit darstellt, ein anderes Gesundheitssystem kennenzulernen, einen anderen Ansatz an Medizin zu erleben und in kurzer Zeit neue Freundschaften mit Menschen aus dem entsprechenden Land zu schließen.
Nach Westafrika im allgemeinen wollte ich, da ich von vielen Seiten gehört hatte, dass es eine sehr interessante Region ist, die Menschen sehr offen und herzlich seien.
Nach Sierra Leone im speziellen hat es mich gezogen, weil ich über Jahre schon immer wieder ab und zu etwas von dem Land gehört hatte und ich mich dadurch ganz naiv interessierte, und es zum anderen eines der wenigen Länder ist, in dem Englisch offizielle Amtssprache ist.

Vorbereitung

Zur Vorbereitung auf meinen Aufenthalt habe ich mich noch einmal intensiver mit dem Land beschäftigt, in ein paar Bücher quergelesen und entsprechende Wikipedia-Artikel usw studiert.
Spezielle Kurse oder Vorbereitungsseminare in diesem Sinne hatte ich nicht besucht. Das Pre-Departure-Seminar ist aber nach allem, was ich gehört habe sehr zu empfehlen. Ich hatte im Frühjahr an einer Global-Health-Spring-School teilgenommen. Diese war im Bezug auf meine Perspektive auf den „Globalen Süden“ sicher auch eine Vorbereitung.

Visum

Zur Vorbereitung auf meinen Aufenthalt habe ich mich vor allem um die entsprechenden Formalitäten gekümmert. Da die Website der Sierra Leonischen Botschaft in Deutschland zu dieser Zeit gewartet wurde, bekam ich per Mail eine Liste mit allen notwendigen Dokumenten und Bearbeitungsgebühren zu geschickt. Per Post schickte ich dann diese Dokumente zurück an die Botschaft. Nach den angegebenen 14 Tagen Bearbeitungszeit war dann auch mein Visum fertig.
Wichtig zu erwähnen ist hier nur, dass ihr unbedingt einen frankierten Briefumschlag beilegen solltet. Ansonsten verbleibt euer Reisepass in der Botschaft (wie in meinem Fall; ich habe ihn dann direkt von der Botschaft abgeholt, was auch problemlos ging)

Gesundheit

Bezüglich meiner Gesundheit habe ich mich von dem lokalen Tropeninstitut in Leipzig beraten lassen. Einen Termin dort zu bekommen ging auch ganz unkompliziert. Der Tropenmediziner ging dann mit mit die häufigsten/schwerwiegendsten Tropenkrankheiten in Sierra Leone durch. Hierbei lag ein Schwerpunkt auf der Malaria-Prophylaxe, die durch das weitreichende Vorkommen der Malaria tropica unbedingt zu empfehlen ist. Als Optionen standen hier Malarone und Doxycylin zur Auswahl, ich entschied mich nach kurzer Diskussion für das günstigere und laut Tropenmediziner häufiger bei Langzeitaufenthalten eingesetzte Doxycyclin.
Außerdem wurden meine Impfungen entsprechend aktualisiert. Diese umfassten u.a. eine Cholera-Schluckimpfung.
Als Besonderheit wies der Mediziner noch auf Bilharziose hin, mit dem Hinweis nicht in stehenden Gewässern zu baden und auf den Schutz vor offener Tbc durch entsprechende FFP3-Maske hin.

Sicherheit

Ich habe eine Auslandskrankenversicherung für den Zeitraum meines Aufenthalts in Westafrika (6 Wochen) abgeschlossen. Die Sicherheitslage war zu dieser Zeit recht ruhig in Sierra Leone, es hatte im Frühjahr Wahlen gegeben, durch die die Opposition an die Regierung gekommen war. Dieser innenpolitische Wechsel zeigte sich während meiner Zeit dort, dass die neue, die alte Regierung nun wegen Korruption und anderer Vergehen strafrechtlich verfolgte. Dies geschah aber ohne größere Unruhen oder ähnliches soweit ich es mitbekommen habe.
Ängste hatte ich weniger bewusst, aber unbewusst habe ich schon gemerkt, dass mich besonders das Risiko von Malaria beschäftigt hat. Im Nachhinein würde ich sagen, dass wenn man seine Prophylaxe regelmäßig, gewissenhaft einnimmt, und sich auch durch mechanische Mittel schützt (Mückennetz, -spray usw.) hier das Risiko doch überschaubar ist. Fahrlässig sollte man aber trotzdem nicht mit ihm umgehen.

Geld

Währung in Sierra Leone ist der Sierra Leonische Leone. 10.000 Leone entsprechend circa 1 Euro. Als Tausch-und bei Luxusgegenständen, wie Handys etc. werden auch US-Dollar und Euros akzeptiert. Bezahlt wird nur in bar. Wenn man eine Visa-Karte kann man an verschiedenen Geldautomaten in Freetown Geld abheben. Es kann aber vorkommen, dass diese „leer“ sind. Grundsätzlich hatte ich aber selten Schwierigkeiten Geld abzuheben. Außerhalb von Freetown soll es aber nur wenig Geldautomaten geben. Preise und Lebenshaltungskosten sind sehr, sehr viel günstiger als in Deutschland. Lediglich Luxusgüter, die aufwendig importiert werden müssen, kosten mehr als in Deutschland und sind häufig nur auf dem technischen Niveau von vor 6-8 Jahren zu bekommen. (Ich wollte mir dort eine neue Kamera kaufen, habe dieses dann aber aus diesen Gründen nicht gemacht)

Sprache

Offizielle Amtssprache von Sierra Leone ist Englisch. Diese ist auch die offizielle Unterrichtssprache am Krankenhaus, sodass alle Ärzte und Studierende diese auf gutem Niveau beherrschen. Die inoffizielle Umgangssprache in Freetown ist aber Krio, eine Sprache mit vielen Einflüssen aus dem Englischen, Französischen, Portugiesischen, aber auch von lokalen Sprachen, wie Temne oder Mende. Grundsätzlich kann man sich auch mit Englisch recht gut in der Stadt verständigen. Grundkenntnisse in Krio helfen aber in jedem Fall sehr.
Außerhalb von Freetown werden andere Sprachen als Lingua Franca gebraucht (Temne im Norden, Mende im Süden).
Um während des Praktikums gut zurechtzukommen halte ich Englisch auf B2-Niveau für ausreichend, wobei man sich Grundkenntnis in Krio relativ leicht auch schon vorher verschaffen kann.

Verkehrsbindungen

Im Land selbst wird vor allem per Bus gereist. Diese sind für Europäer sehr günstig. Für Reisen ins nähere Umland von Freetown kann man sich auch ein Taxi mieten. Eine 3 stündige Fahrt kostete hier zum Beispiel ca. 40 Euro. Es ist hier hilfreich, wenn man den Fahrer aus anderen Zusammenhängen kennt. Grundsätzlich ist aber das Reisen mit Taxi in der Stadt relativ sicher.
Andere Verkehrsmittel in der Stadt sind Tuktuk-Taxis, die hier Keke heißen, und Sammeltaxis, die wie sonst Busse feste Routen fahren, man also zu und absteigen kann. Wichtig hier ist, dass diese Routen nicht von außen zu erkennen sind. Man fragt also die Fahrer direkt, ob sie zu der entsprechenden Station fahren, oder kennt die Richtung, die von den „Schaffnern“ ausgerufen werden. Am Rande der Stadt kann man dann auf Motorrad-Taxis wechseln, die einen direkt in die entsprechende Straße bringen. Auch hier habe ich keinerlei schlechte Erfahrungen gemacht, allerdings aber gehört, dass man bei diesen aber etwas vorsichtiger sein sollte.
Ich würde euch empfehlen gerade am Anfang noch in Begleitung euch zu bewegen und euch ggf. den Weg nach Hause usw. zeigen zu lassen und euch immer in Absprache mit eurem host zu bewegen, da diese in gewisser Weise verantwortlich für Euch während der Zeit dort sind.

Kommunikation

Meine Gastfamilie hatte einen Internetanschluss. Ab und zu fiel das Internet aus, größere Probleme hat das aber nicht bedeutet. Außerdem hatten meine hosts mir eine Sim-Karte besorgt, mit der ich auch relativ günstig das Internet etc. nutzen konnte.

Unterkunft

Ich habe mit meiner host bei ihrer Familie gewohnt. Die Unterkunft war sehr großräumig, ich hatte ein eigenes Zimmer mit Schreibtisch und Doppelbett und sogar eigenem Kühlschrank.
Bettwäsche etc. musste ich nicht selbst mitbringen. Meine Wäsche wurde regelmäßig von Mitarbeitern des Hauses gewaschen.

Literatur

Ich habe mich ganz allgemein zu Sierra Leone noch etwas belesen, auf Websites wie Wikipedia etc.
Außerdem habe ich mir in der Stadtbücherei ein Buch einer Journalistin über sierra leonische Kindersoldaten ausgeliehen und gelesen während meiner Zeit dort. ("Sie zwangen mich zu töten": Afrikas verlorene Kinder von Annette Rehrl)

Mitzunehmen

Mitgenommen habe ich einen großen Reiserucksack, Anziehsachen; hier auch „schicke“ Hose und Hemd, sowie Krawatte, da dies der offzielle Dress-Code für Medizinstudierende und Ärzte im Krankenhaus ist. Leider hatte ich mir in Deutschland keine Kamera gekauft. Wie oben erwähnt war es dann schwierig, eine solche in Freetown zu bekommen. Mir war vorher nicht bewusst, dass es tatsächlich in Freetown ungleich schwieriger ist an solche Elektro-Fachgegenstände zu kommen. Kauft also alles, was in die Richtung geht schon vorher ein, sodass ihr auf diesem Gebiet vor Ort schon gut ausgestattet seid. Da würde ich im Zweifel dann eher mir vor Ort noch Anziehsachen oder ähnliches besorgen. Die bekommt man ganz unkompliziert auf entsprechenden Märken usw.

Reise und Ankunft

Die Anreise verlief problemlos. Der Flughafen von Freetown liegt in Lunghi, sprich auf der anderen Seite des Flußes, weshalb ein Fährentransport in die Stadt notwendig. Meine Gastschwester hatte einen „Onkel“ gebeten mich direkt am Flughafen abzuholen und zum Boot zu bringen. Das war sehr hilfreich, da unser Flug von einer Menschenmenge draußen erwartet wurde, und man so von allen Seiten angesprochen wurde, im Versuch einen von dem entsprechenden Angebot zu überzeugen.
Mit dem Onkel ging es aber problemlos zu einer Wartehalle aus Holz direkt gegenüber vom Flughafen. Von dort fuhren dann kleine Busse zum Anleger. Für 50 Dollar (in Dollar zu bezahlen, also möglichst vorher schon das Geld tauschen!) fuhren wir dann mit einem Schnellboot auf die malerisch in die Berge gebaute Stadt zu. Erinnerungen an den einen oder anderen James-Bond-Film kamen auf. In der Stadt (Aberdeen) angekommen, nahm mich meine Gastschwester in Empfang und brachte mich mit ihrem Auto zu ihr nach Hause.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe in der Inneren die Famulatur gemacht, zwei Wochen in der Kardiologie, zwei Wochen in der Infektiologie. Mein Tagesablauf sah so aus, dass ich jeden Morgen mit meiner Gastschwester so um halb 7 in Richtung Krankenhaus gefahren bin. Um halb 8 ging dann die Visite auf Station los. Meist mit Chefarzt, sonst mit Oberarzt. Diese war meist ziemlich umfang- und lehrreich. Die Ärzte haben gerne etwas erklärt und gefragt, teilweise sich auch Untersuchungsmethoden am Patienten zeigen lassen. Die Visite ging so meist bis 12/halb 1. Anschließend hatten wir bis 14 Uhr Mittagspause. Ab 14 Uhr fand dann der Unterricht für die Medizinstudierenden statt, an dem wir Famulanten ebenfalls teilnahmen. Hier wurde entweder ähnlich einer Vorlesung vom Professor ein Thema erläutert oder aber die Studierenden hielten unter der Aufsicht des Professors selbst vorträge über verschiedene Krankheitsbilder. Ab 16 Uhr hatten wir dann frei bzw. Zeit „unsere“ Patienten zu untersuchen, die uns während der Visite am Morgen zugeteilt worden waren.
Ich habe in der Zeit viel gelernt, besonders weil der körperlichen Untersuchung ein viel höherer Stellenwert, diese daher viel intensiver und detailierter gelehrt wird, als ich es aus Deutschland kannte. Da allgemein seltener die Möglichkeit besteht auf technische Diagnostik zurückzugreifen, findet hier die Lehre auch ungleich weniger statt und das Wissen von zum Beispiel auch Assistenzärzten ist dementsprechend nicht auf dem gleichen Level, wie ich es aus Deutschland kannte.
Mit den anderen Medizinstudierenden und Ärzten habe ich mich ausgesprochen gut verstanden. Diese waren sehr interessiert und freundlich und haben mich aber im übrigen auch nicht grundsätzlich anders behandelt, als einen lokalen Medizinstudenten, was mir sehr gut gefallen hat.
Sprachprobleme gab es nur ab und an mit den Patienten, wenn diese zum Beispiel nur Krio sprachen. Doch das ließ sich leicht dadurch lösen, dass ich die Anamnese mit einer Mitstudentin/Mitstudenten zusammen durchführte.
Besonders im Gedächtnis sind mir einige Patienten. Ich möchte hier zwei herausgreifen: Zum einen eine Patientin, die war am 5. Tag meiner Famulatur untersuchten. Wir, das heißt eine sierra leonische Freundin und ich. Nach dem wir die Anamnese und körperliche Untersuchung abgeschlossen hatten, verabschiedete sich meine Freundin herzlich von der Patientin, schüttelte ihr die Hand und wir diskutierten, um welche Erkrankung es sich handeln könnte. Wir kamen relativ rasch auf HIV mit aktiver Tbc. Ich war im ersten Moment überfordert diesen beiden in Deutschland doch relativ seltenen und aber potenziell sehr ansteckenden Krankheiten zum ersten Mal bei dieser Patientin zu begegnen. Ich dachte gleich daran, dass die Freundin sie ohne Handschuhe berührt hatte, ihr die Hand geschüttelt hatte usw. Darauf angesprochen sagte aber diese, dass sie dies ganz bewusst getan hätte, da sie selbst keine offenen Wunde habe, eine Infektion mit HIV also unwahrscheinlich sei, die Patientin aber sonst häufig gemieden würde oder nur mit Handschuhen berührt, und so stigmatisiert würde. Sie wollte der Patientin also durch die Nähe zeigen, dass sie wegen der Krankheit nicht aus der gesellschaftlichen Gemeinschaft ausscheide.
Bei einer anderen Patientin geriet der Oberarzt plötzlich in Rage und erzählte mir, dass sie auf ein Sauerstoff-Gerät angewiesen sei, das sie in diesem Moment gerade benutzte, und auf dieses auch angewiesen bliebe. Sobald sie aber nach Hause gehe, würde sie das des Krankenhaus nicht mehr benutzen können, eines sich selbst anzuschaffen würde über 1000 Dollar kosten und damit ihre finanziellen Mittel weit überschreiten. Eine Verschlechterung ihrer Erkrankung sei also zu erwarten.
Das sierra leonische Gesundheitssystem hier in der tiefe zu diskutieren, würde den Rahmen sprengen. Ich konzentrier mich also auf ein paar einzelne Punkte.
Die Medikation für Malaria, HIV und TBC wird vom Staat finanziert. Die Patienten können sich also von entsprechenden Ambulanzen die Medikamente holen. Abgesehen ist alles kostenpflichtig, angefangen von der ersten ärztlichen Untersuchung, über Laboruntersuchungen bis hin zu EKG, Röntgen, OPs etc. Da die bestmögliche Behandlung so häufig die finanziellen Mittel der Patienten übersteigt, gehen viele erst wenn es sich nicht mehr vermeiden lässt, also sehr spät ins Krankenhaus. Hier gibt es dann ein ihren finanziellen Mitteln angepasstes Behandlungskonzept, mit zum Beispiel nur einer Laboruntersuchung zu Beginn zur Diagnosestellung, da weitere Verlaufsdiagnostik zu teuer wäre. Es gibt verschiedene Medikamente die mit Berücksichtigung von Preis und finanziellen Mitteln der Patienten verschrieben werden. Leider scheint auch im Gesundheitssystem Korruption eine unschöne Rolle zu spielen, was ich selbst nicht direkt mitbekommen habe, sondern mehr von Erzählungen von Freunden über zum Beispiel Ärzte, die ein zusätzliches Honorar von Patienten nehmen, erfahren.
Grundsätzlich habe ich aber die Ärzte als sehr engagiert und altruistisch denkend erlebt, denen es in einem Gesundheitssystem, das ihnen nur sehr kleine Löhne zahlt, nicht einfach gemacht wird, ihre Familie durch ihre Arbeit zu ernähren.
Die meisten der Oberärzte hatten daher auch neben der Anstellung im öffentlichen Krankenhaus eine zweite Anstellung, bei der sie vor allem wohlhabendere „Privatpatienten“ versorgten.
Allgemein besteht ein großer Ärztemangel in Sierra Leone. So wurde mir erzählt es gebe nur einen Kardiologen, einen Neurologen usw. im öffentlichen Gesundheitssystem, welche am Connaught Hospital, also an meinem Krankenhaus arbeiteten. Diesem Ärztemangel versucht man durch eine Ausdehnung der Lehre (steigende Medizinstudierendenzahlen Jahrgang für Jahrgang) und durch Anwerbung von Medizinstudierenden aus dem Ausland (vor allem aus Nigeria) zu begegnen.

Land und Leute

Außerhalb des Krankenhaus haben wir viele Ausflüge, vor allem in Freetown und Umgebung unternommen. So waren wir zum Beispiel im Landesmuseum in dem uns eine Führung durch die Sammlung gegeben wurde und wir vieles über Kultur und Geschichte des Landes erfahren haben.
Außerdem waren wir an zwei Wochenenden am Burreah Beach einem wunderschönen Sandstrand zu Füßen von Palmenwäldern. Dort übernachteten wir in Zelten direkt am Strand.
Einmal waren wir gemeinsam im Gerichtshof von Sierra Leone und nahmen an der öffentlichen Anhörung teil. Allgemein waren wir häufig in der Stadt unterwegs und hier auf Märkten, in Restaurants und häufig auch in Lumley Beach, dem Stadtstrand von Freetown. Einmal pro Woche treffen sich dort alle, die Lust auf Sport haben zu einem Lauf entlang der Strandpromenade. Anschließend gibt es noch ein gemütliches zusammensitzen und Essen/Trinken. In Lumley Beach befinden sich auch die meisten Clubs Freetowns, denen wir auch ein paar Mal einen Besuch abstatteten.
Ein anderer Ausflug war zu dem psychiatrischen Krankenhaus Sierra Leones was räumlich getrennt vom Hauptkrankenhaus auf einem Hügel liegt und erst vor kurzem renoviert wurde.
Oberhalb von Freetown in den Bergen beginnen die Regenwälder. Hier findet sich eine Schimpansen-Auffangstation. Es werden hier in gefangenschaft gehaltene Schimpansen wieder ausgewildert.
Politisch und wirtschaftlich schien mir Sierra Leone recht stabil und nach der letzten Katastrophe „Ebola“ wieder vorsichtig optimistisch in die Zukunft schauend. Kulturell habe ich leider an wenigen Veranstaltungen teilnehmen können. Im Museum wurde aber deutlich auf welch reicher Geschichte und Kultur das Landet aufbaut.
Mit meiner Gastfamilie bin ich sehr gut zurechtgekommen. Sie haben mich sehr herzlich willkommen geheißen, mich fast wie einen Sohn behandelt und mir viel gezeigt und erklärt. Ich hatte also großes Glück mit meiner Gastfamilie im allgemeinen und mit meiner Gastschwester im speziellen, die mir ganz viel erklärt hat und sich sehr gekümmert hat.
Die „Freetowner“ habe ich als sehr freundlich und interessiert erlebt. Anfangs eher etwas zurückhaltend, waren sie häufig sehr erfreut, wenn man direkt mit ihnen ein Gespräch anfing. Die Zurückhaltung empfand ich als angenehm, da ich so, wenn ich mich in der Stadt bewegte, nicht so eindeutig mein Fremdsein allein wegen meines Aussehens erlebte. Es kam also zum Beispiel selten vor, dass jemand mir nachgerufen hätte etc.
Das Essen ist sehr anders als bei uns. Mir hat es gut geschmeckt und ich habe es auch gut vertragen. Es ist sehr kalorien-und fetthaltig, da sehr viel mit Palmöl gekocht wird. Eine der wichtigsten Esspflanzen ist Kasawa, was ich vorher nicht kannte. Hier wird sowohl der Stiel als auch die Blätter verarbeitet. Es gibt viele Gericht mit Reis oder Fufu (kloßteig aus Kassava-Mehl) als Sättigungsbeilange und dazu eine Palmöl-reiche Fleischsoße.
Ich wäre gerne noch mehr im Land gereist, vor allem also ins Landesinnere. Dafür reichte leider die Zeit letztendlich nicht mehr.

Fazit

Ich würde die Famulatur immer wieder machen! Es war eine so reiche und anregende Erfahrung, wie ich sie selten vorher in meinem Leben gemacht habe. Nach meiner Rückkhehr hatte ich bestimmt einen Monat lang „Heim-Fern-Weh“ nach Freetown. Ich werde also auch mit Sicherheit wieder zurückkehren.
Ich könnte mir auch vorstellen für eine bestimmte Zeit dort länger zu arbeiten. Durch meine gemachten Erfahrungen hat sich in vielem mein Blick auf Dinge geweitet und ich kann vieles jetzt besser verstehen.
Ich kann Dir, der/die Du dies liest, weil Du überlegst eine Famulatur in Sierra Leone nur mit ganzem Herzen raten; auf geht’s! Es wartet eine wunderbare Zeit mit einmaligen Erfahrungen und Begegnungen auf Dich! :)

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