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Poland (IFMSA-Poland)

Innere - SCOPE (Famulaturaustausch)
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Motivation

Da ich 2017 schon einen Austausch in Bosnien gemacht habe, welcher mir unglaublich gut gefallen hat, wollte ich die Chance nutzen für meine letzte Famulatur wieder ins Ausland zu gehen. Polen hat mich als unser Nachbarland schon immer interessiert und so wollte ich das Gesundheitswesen, Land und Leute genauer kennenlernen.

Vorbereitung

Die Vorbereitungen für meinen Austausch liefen problemlos. Außer die wirklichen Basics („Bitte“, „Danke“, „Guten Tag“) auf Polnisch zu lernen, habe ich mich nicht speziell vorbereitet.

Visum

Da Polen ein Teil der EU ist, war für mich ein Visum nicht nötig. Ich konnte lediglich mit meinem Personalausweis reisen.

Gesundheit

Für meinen Austausch waren keine anderen Impfungen notwendig, als die, die wir auch in Deutschland brauchen. Einen Tuberkulosetest musste ich nicht vorweisen. Ich habe zwar eine Auslandskrankenversicherung, jedoch reicht im europäischen Ausland auch die normale Gesundheitskarte.

Sicherheit

Polen ist ein sehr sicheres Land, ich habe daher keine weiteren Vorkehrungen getroffen und fühlte mich zu jedem Zeitpunkt gut aufgehoben. Dass man in Touristenhochburgen mit Taschendiebstahl rechnen muss und daher seine Wertsachen gut verstaut, erklärt sich von selbst.

Geld

Die Währung in Polen ist der Zloty. Ein Euro entspricht ungefähr 4,2 Zloty. Ich kann nur raten, sich für das Ausland eine Kreditkarte zu besorgen, mit der kostenloses Bargeldabheben möglich ist. Ich hatte nur eine EC-Karte dabei und musste daher jedes Mal Gebühren von 5€ pro Abheben zahlen. Auch musste ich Gebühren zahlen, wenn ich mit meiner EC-Karte im Geschäft bezahlt habe. Dies ist sicher von der eigenen Bank abhängig, ich kann nur von meinen Erfahrungen sprechen. Ebenfalls aufpassen muss man beim Bargeld abheben am Automaten: die Automaten schlagen einem zuallererst einen „garantierten“ Kurs vor, welcher deutlich schlechter als der Tatsächliche ist! Man sollte sich davon nicht verunsichern lassen und diesen nicht akzeptieren, sondern sein Konto in Zloty belasten und den Kurs der eigenen Hausbank abwarten.
Überrascht hat mich, dass in Polen Kartenzahlung deutlich verbreiteter als in Deutschland ist. In den Trams finden sich teilweise Ticketautomaten, an denen eine Barzahlung gar nicht möglich ist. Auch in Kneipen und Bars am Tresen wird sehr häufig mit Karte gezahlt, wobei Barzahlung ebenfalls akzeptiert wird.
Die Lebenshaltungskosten sind günstiger als in Deutschland. Im Restaurant bekommt man die meisten Gerichte für unter 10€. Einkaufen im Supermarkt ist vergleichbar mit den Discountern in Deutschland. Deutlich billiger sind mobile Daten für das Handy. Für ungefähr einen Euro bekommt man 10GB Datenvolumen für zwei Wochen.

Sprache

In Polen wird natürlich Polnisch gesprochen. Es kommt immer gut an, wenigstens ein paar Wörter wie „Guten Tag“ etc. auf Polnisch zu beherrschen, diese zu nutzen und fleißig neue Vokabeln zu lernen. So konnten wir am Ende Alle unsere Zimmernummer aufsagen, um „ordentlich“ beim Concierge nach unserem Zimmerschlüssel zu verlangen. Auf meiner Station sprachen die allermeisten Ärzte tadelloses Englisch, manche sogar Deutsch. Junge Leute sprechen in der Regel Englisch, die ältere Generation eher nicht. Da im Krankenhaus ja auch mal Fachbegriffe fallen und kompliziertere Zusammenhänge erklärt werden müssen, sollte man selbst zumindest solides Englisch sprechen.

Verkehrsbindungen

Ich habe meine Anreise mit dem Fernbus organisiert, was wohl die günstigste Option ist. Da aber alles hervorragend funktioniert hat, würde ich dies wieder so tun. Der öffentliche Nahverkehr ist genannt sehr erschwinglich. Meine Monatskarte in Lodz hat mich ungefähr 12€ gekostet. Für Wochenendausflüge nutzten wir den Zug. Auch hier sind die Preise deutlich niedriger als in Deutschland. Für eine Hin- und Rückfahrt nach Krakau beziehungsweise Breslau habe ich jeweils circa 20€ gezahlt.

Kommunikation

Da mobiles Datenvolumen in Polen sehr billig ist, habe ich mir eine Prepaidsimkarte gekauft und diese für meine Internetnutzung verwendet. In unserer Unterkunft gab es kein W-Lan, welches wir mitnutzen konnten. Dies stellte aber durch das schnelle mobile Netz kein Problem dar.

Unterkunft

Wir wohnten im Studentenwohnheim der medizinischen Fakultät. Ich bezog zusammen mit meiner thailändischen Mitbewohnerin, ebenfalls Austauschstudentin, eine kleine Wohneinheit. Wir hatten ein Zimmer mit zwei Betten, einen Flur mit Kühlschrank und Kleiderschränken und ein eigenes Bad. Auf dem Etagenflur gab es eine große Gemeinschaftsküche, einen Waschmaschinenraum und einen Raum mit Müllschacht. Die Bettwäsche wurde uns zur Verfügung gestellt. Handtücher und Geschirr kauften wir selbst. Das Wohnheim war sauber und ordentlich.

Literatur

Als mir bestätigt wurden, dass ich meinen Austausch in General Internal Medicine absolviere, verschaffte ich mir zuhause nochmal einen groben Überblick über Kardiologie, Nephrologie, Pulmologie und Gastroenterologie. Es ist nicht notwendig Bücher auf die Reise mitzunehmen.

Mitzunehmen

Für die Klinik habe ich zwei weiße Kittel, weiße Klinikhosen, weiße Schuhe und mein Stethoskop mitgenommen. Die Hosen hätte ich im Nachhinein nicht gebraucht. Weitere Dinge waren außer dem normalen Reisegepäck nicht notwendig.

Reise und Ankunft

Die Reise mit dem Fernbus verlief problemlos. Im Vorfeld hatten uns unsere Kontaktpersonen schon mitgeteilt, dass uns das Studentenwohnheim ein paar Tage verspätet aufnimmt und wir deshalb die ersten Tage bei ihnen zuhause übernachten würden. Ich wurde am Bahnhof von Olga und Ada abgeholt und bin dann in der Wohngemeinschaft von Olga aufgenommen wurden. Ich wurde sehr freundlich empfangen und Olga hat extra polnische Gerichte nach dem Rezept ihrer Mutter gekocht.. Sie ging mit mir ins Krankenhaus, um mich an meinem ersten Tag vorzustellen. Außerdem war sie mir behilflich auf der Post die Haftpflichtversicherung (25€) zu überweisen.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Als Wunschstation hatte ich im Bewerbungsportal „General Internal Medicine“ angegeben. Ich wurde der gastroenterologischen Station zugeteilt. Viele Patienten brachten multiple innere Krankheitsbilder mit. An meinem ersten Tag hatte mein späterer Mentor Nachtschicht und so verbrachte ich den ersten Tag mit verschiedenen Ärzten und verschaffte mir erstmal einen Überblick über die Station. Es gab circa 10 Patientenzimmer, in denen immer mindestens vier Patienten lagen. Oftmals gab es nicht genug Betten und manche Patienten hatten provisorisch ein Bett auf dem Gang abgeschirmt mit einer spanischen Wand. Daneben gab es drei Räume in denen Gastroskopien, Koloskopien und ERCP’s stattfanden und einen Behandlungsraum für verschiedene Eingriffe.
Die meiste Zeit verbrachte ich mit meinem Mentor oder einem anderen jungen Assistenzart. Morgens begann der Tag mit einem Rundgang bei den Patienten, für die meine beiden Ärzte zuständig waren. Dabei untersuchte auch ich die Patienten und bekam übersetzt, was sie erzählten und welche Diagnosen sie hatten. Venöse Blutabnahmen und Flexülen legen sind in Polen eher Aufgabe der Krankenschwestern. Da ich dies aber üben wollte, durfte ich dies auch machen. Ich durfte bei verschiedenen Endoskopien hospitieren und bekam dabei von den Ärzten viel zu der Untersuchung selbst und Therapien der Patienten erklärt. Wann immer es ging, bezog mich mein Mentor in die Untersuchungen ein. So durfte ich eine nasogastrale Sonde legen und bei der Punktion eines Ascites assistieren. Nachmittags wurde ich in das Überarbeiten der Medikationspläne einbezogen. Da im Krankenhaus auch für ausländische Studenten auf Englisch unterrichtet wurde und Seminare gehalten wurden, konnte ich diesen und auch dem praktischen Unterricht hin und wieder besuchen. Besonders in Erinnerung bleiben wird mir der Fall eines Patienten der neben seiner gastroenterologischen Erkrankung das Pech hatte, dass sein Finger mit Goldring so stark anschwoll, dass der Ring nicht mehr zu lösen war. Wir versuchten mit verschiedensten Methoden den Patienten zu befreien: Seife und Vaseline, verschiedene Zangen, der Fadentrick oder das Zersägen mit einem Sägeblatt, dass normalerweise für Sternotomien genutzt wird. Letztendlich mussten wir doch einen Juwelier rufen, der den Ring fachmännisch durchtrennte. Zum Glück trug der Finger des Patienten jedoch keine weiteren Schäden davon.
Die Ärzte meiner Station waren alle sehr freundlich und die meisten von Ihnen sprachen gutes Englisch. Ein Arzt sprach sogar sehr gutes Deutsch. Der Umgang zwischen Ärzten und Pflegepersonal war sehr kollegial. Sehr große Unterschiede zum deutschen Gesundheitssystem konnte ich nicht feststellen. Positiv überrascht war ich, als ich erfahren habe, dass die polnischen Patienten im Krankenhaus keine Zuzahlungen leisten müssen. Das Krankenhaus stand kurz vor der Renovierung, weshalb die Zimmersituation derzeit nicht optimal war. Die Ausstattung entsprach ansonsten aber genau der, die wir hier in Deutschland haben.

Land und Leute

Außerhalb des Krankenhauses erkundete ich Lodz zusammen mit vier weiteren Austauschstudenten (aus Kanada, Peru, Thailand und Italien), die ihren Austausch ebenfalls über die IFMSA organisiert haben. Unsere Kontaktpersonen erstellten uns ein „Social Progam“, sodass wir ein bis zweimal in der Woche zusammen mit ihnen etwas unternahmen. In Lodz verbrachten wir die meiste Zeit auf der Piotrkowska, einer schier endlos langen Prachtstraße mit zahlreichen Restaurants und Geschäften und der Manufactura. Die Manufactura ist ein altes Fabrikgelände, was nun als Shopping und – Freizeitcenter mit verschiedensten Angeboten genutzt wird. Empfehlenswert ist es, sich den Herbs-Palast anzusehen, ein Museum in der ehemaligen Villa der reichen industriellen Herbstfamilie. Sehenswert ist auch die Rosenpassage, eine Seitenstraße der Piotrkowska deren Wände mit einem Spiegelmosaik in Rosenform verziert sind. Am ersten Wochenende fand die National-Food-and-Drinks-Party statt. Wir hatten wir sehr viel Spaß mit den polnischen Studenten und natürlich fehlten auch Pierogi und Borschtsch nicht. An den darauffolgenden Wochenenden besuchten wir Krakau und Breslau. In Krakau waren wir allein unterwegs und organisierten uns selbst eine Stadtführung, ein Klavierkonzert und eine Tour durch das jüdische Viertel, was problemlos funktionierte. Krakau ist eine der schönsten Städte, die ich gesehen habe. Kulturell hat diese Stadt viel zu bieten. Besonders märchenhaft sehen natürlich die weißen Kutschen mit den geschmückten Pferden aus, die zahlreich über den Marktplatz rollen.
In Breslau betreute uns eine Studentin der dortigen Universität, Natalia. Breslaus Maskottchen sind Zwerge, die als metallische Statuen in Kanninchengröße überall zu finden sind. Teils findet man sie in sehr witzigen Posen. Allein in der Innenstadt Breslaus sollen 500 von ihnen zu finden sein. Natalia veranstaltete mit uns eine „Zwergenjagd“. Aufgabe war es so viele Zwerge wie möglich innerhalb einer Stunde zu finden und mit ihnen Selfies zu machen. Die Ergebnisse der Zwergenjagd sorgten beim Abendessen danach für gute Unterhaltung. Den nächsten Tag verbrachten wir entspannt mit gutem Wetter im Zoo von Breslau.
Polen hat viel zu bieten und kann mit wunderschönen Städten aufwarten. Die Eintritte für Studenten in Museen sind sehr günstig und durch die günstigen öffentlichen Verkehrsmittel ist alles gut erreichbar. Somit kann man auch mit schmalem Geldbeutel viel erleben. Unsere Kontaktpersonen haben uns bei Fragen und Anliegen immer weitergeholfen und unterstützt.

Fazit

Die Famulatur in Polen hat mir sehr gut gefallen. Ich habe internationale Freunde gefunden mit denen ich weiter in Kontakt bleiben werde und die ich so bald wie möglich besuchen möchte. Ich habe durch diesen Studentenaustausch in Polen Land und Leute viel intensiver kennenlernen dürfen, als dies durch einen Urlaub je möglich gewesen wäre. Die polnischen Ärzte habe ich als sehr kompetent und freundlich kennengelernt. Auf der gastroenterologischen Station würde ich mich als Patient gut aufgehoben fühlen.

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