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Ghana (FGMSA)

Gynäkologie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Laura, Leipzig

Motivation

Nachdem ich bereits im Jahr zuvor eine Famulatur in Tunesien absolviert hatte, wollte ich gerne noch ein weiteres Gesundheitssystem kennen lernen. Ein solcher Austausch ist eine tolle Gelegenheit mehr über die Kultur, Studierenden sowie den Umgang mit Gesundheit und Krankheit in anderem Land zu erfahren.

Vorbereitung

Ich bin bereits seit längerem Teil meiner lokalen Austausch AG der bvmd und habe schon mehrere Incomings und Outgoings selbst betreut. Zudem hatte durch meinen ersten Austausch auch schon Erfahrung mit dem Programm. Ich war also mit den Formalitäten bereits vertraut und hatte keine Probleme bei der Anmeldung. Um mich für eine Land zu entscheiden, habe ich mich einfach einen Nachmittag lang durch die verschiedenen Berichte geklickt. Besondere Vorbereitungsseminare habe ich nicht besucht.

Visum

Der Visumsantrag war ein wenig umständlich, im Endeffekt hat aber alles gut geklappt. Da ich öfter in Berlin war, habe ich meinen Antrag direkt bei der Botschaft abgegeben. Ansonsten kann man das Ganze aber auch per Post erledigen. Die Dokumente aus Ghana hatte ich glücklicherweise schon sehr früh vorliegen

Gesundheit

Zur Vorbereitung hatte ich eine reisemedizinische Beratung in der Uni, da ich noch Impfungen gegen Gelbfieber (Pflicht für die Einreise), Tollwut und Typhus (freiwillig) brauchte. Ansonsten habe ich während des gesamten Aufenthalts eine Anti-Malaria Prophylaxe genommen, was ich auch jedem empfehlen würde und auch Mückenspray sollte man immer dabei haben. Aus meiner Reiseapotheke habe ich glücklicherweise nichts anderes gebraucht, Sonnencreme und Aftersun lege ich allerdings jedem ans Herz.

Sicherheit

Ich würde die Sicherheitslage als sehr gut einschätzen. Während meiner gesamten Zeit, habe ich mich niemals unsicher gefühlt, obwohl ich oft auch alleine oder zu zweit unterwegs war. Die Menschen sind in der Regel sehr freundlich und helfen gerne weiter, wenn man die Orientierung verloren hat, was schonmal vorkommen kann. Ich denke es hilft, wenn man sich immer vorher überlegt wo genau man hin möchte, dann kann man da auch bedenkenlos zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln hinkommen.

Geld

Die Währung in Ghana ist der Cedi, wobei 1 Euro in etwa 6 Cedi entsprach. Andere Währungen werden in der Regel nicht akzeptiert. Zahlen mit Bargeld ist die Regel. Es gibt aber zumindest in den Städten überall Geldautomaten, wo mit Visa Card problemlos Geld abheben kann. Für Reisen in abgelegenere Orte sollte man sich lieber was einpacken, weil der nächste Geldautomat dann doch mal etwas weiter entfernt sein kann.
Im Vergleich zu Deutschland sind die Preise sehr günstig und auch als Ausländer zahlt man in der Regel die Standardpreise und keinen Extra Aufpreis. Eine Übernachtung im Hostel kostet um die 5 bis 8 Euro, Essen gibt es zwischen 1 und 6 Euro, etc.

Sprache

Die offizielle Sprache in Ghana ist Englisch und auch das Medizinstudium findet auf Englisch statt. Nahezu alle Menschen verstehen zumindest ein wenig Englisch und man kommt damit sehr gut durch. Es ist allerdings zu beachten, dass die Patientenkommunikation in Kumasi oftmals in der lokalen Sprache Twi stattfindet, sodass man dann gegebenenfalls nicht alles versteht. Die Ärzte übersetzen aber gerne.
Ansonsten ist zu beachten, dass Gespräche oftmals nicht so direkt ablaufen, bevor man Fragen stellt sollte man zuerst ein paar Floskeln tauschen („Wie geht’s“? etc.) auch beim einkaufen oder ähnlichem.

Verkehrsbindungen

Die Anreise nach Kumasi erfolgt am Besten mit dem Flugzeug über Accra und dann weiter mit dem (sehr bequemen) Bus nach Kumasi (etwa 5 Stunden, je nach Verkehr). In den großen Orten bietet es sich an, Uber zu verwenden, da dies Diskussionen mit Taxifahrern erspart und die Preise fest sind. Überland gibt es teilweise Reisbusse, oft aber auch nur „Trotros“ (Minibusse), welche zwar nicht der sicherste und bequemste, aber dafür oft ein sehr spannender Reiseweg ist. Es gibt allerdings keine Klimaanlage und es werden soviel Menschen und Waren in das Auto gequetscht wie möglich (die Türen schließen nicht immer).
Generell ist für Reisen immer mehr Zeit einzuplanen da sowohl Busse als auch Trotros nur los fahren, wenn sie voll besetzt sind. Die Wartezeit kann je nach Strecke 15 Minuten bis 3 Stunden betragen.

Kommunikation

Ich habe mir direkt bei meiner Ankunft in Accra eine Simkarte geholt und dann für rund 6 Euro eine 4 GB Internet Flatrate. So habe ich über Whatsapp und Facebook den Kontakt nach Hause gehalten. Im Wohnheim und Krankenhaus gibt es theoretisch auch Wlan, dieses hat allerdings eine schwankende Qualität und ist des Öfteren auch nicht verfügbar. Die Qualität des mobilen Internets ist auch nicht die Beste, aber man möchte ja auch nicht die Ganze Zeit im Internet verbringen.

Unterkunft

Untergekommen sind wir im Studentenwohnheim direkt auf dem Krankenhaus-Campus, das war praktisch, da wir nah zu den anderen Studierenden waren und nur etwa 2 Minuten vom Krankenhaus entfernt. Auf dem Campus war es relativ ruhig und das Wohnheim war modern und luftig. Ich habe mein Zimmer mit einer weiteren deutschen Austauschstudentin geteilt. Es war sehr großzügig, mit eigenem Bad und kleiner Küchenausstattung (und damit besser ausgestattet, als die Zimmer der eigentlichen Studierenden). Der Strom ist manchmal ausgefallen, was etwas problematisch ist, da die Sonne schon so gegen 6.30 untergeht und es dann sehr dunkel wird – Taschenlampe sollte man auf jeden Fall dabeihaben. Ansonsten war die Unterbringung sehr gut.
Ich habe auch einige Nächte im Wohnheim in Accra verbracht, welches ich als weniger angenehm empfunden habe.

Literatur

Ich habe mich ehrlich gesagt vorher nicht so viel speziell informiert, empfehle aber die Seite des Auswärtigen Amtes. Wenn man selbst Reisen möchte, sollte man unbedingt einen Reiseführer dabei haben (etwa von Brandt) – das hat uns. sehr geholfen, da viele Informationen online einfach nicht zu finden sind

Mitzunehmen

Einpacken sollte man auf jeden Fall Sommerkleidung (ggf. eine Kopfbedeckung), Sonnencreme, Handtücher, Reiseadapter, Taschenlampe und was man persönlich noch so braucht. Man kann aber eigentlich auch fast alles dort erwerben und wir hatten auch eine Waschmaschine im Wohnheim. Also selbst wenn man etwas vergessen hat, stellt das in der Regel kein Problem dar.

Reise und Ankunft

Da mein Flug nachts in Accra ankam, habe ich noch eine Nacht dort im Wohnheim verbracht, bevor ich mit dem Bus nach Kumasi gefahren bin. Ein Student hat mich vom Flughafen abgeholt und ins Wohnheim gebracht. Ich wurde sehr freundlich empfangen und es hat sich die ganze Zeit jemand um mich gekümmert. In Kumasi wurde ich ebenfalls am Bus abgeholt. Das Ganze war für mich sehr unproblematisch.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Meine Zeit in der Gynäkologie und Geburtshilfe war sehr spannend und lehrreich. Am Anfang gab es noch einige bürokratische Probleme, sodass ich nicht direkt anfangen konnte, aber dies konnte dann geklärt werden. In meiner Abteilung rotieren die Teams jeden Tag. Das heißt Montag ambulante Beratung (Tumore, Schwangerschaftsvor-/ nachsorge), Dienstag Geburtsstation, Mittwoch Chefarztvisite, Donnerstag Tumor OP und Freitag Stationsarbeit/ Familienplannung. Durch diese Rotation braucht man zwar eine Weile, bis man weiß, wer zu seinem Team gehört und wann man wo sein muss, der Vorteil ist allerdings, dass man in viele verschiedene Bereiche hineinschnuppern kann. Jeden Morgen gibt es für alle Teams eine Morgenbesprechung, zweimal die Woche mit kleinen Vorträgen, was sehr spannend ist.
Aufgrund der Sprachbarriere hat man nicht unbedingt konkrete Aufgaben, man kann aber mit den Ärzten mitlaufen, sich alles anschauen und bekommt viel erklärt. So hat man die Chance, eine Menge über das Gesundheitssystem und das Krankheitsverständnis zu erfahren. Ich fand es zudem spannend, auch mit anderen Berufsgruppen (z.B Pharmazeuten) ins Gespräch zu kommen und auch andere Stationen anzuschauen. Dies war immer problemlos möglich.
Generell ist der Wissenstands der ÄrztInnen als sehr hocheinzuschätzen und die Qualität des Medizinstudiums auf jeden Fall vergleichbar mit Deutschland, wobei noch wenig Wert auf gute Patientenkommunikation gelegt wird. Die Verfügbarkeit von Ressourcen hängt vom Bereich ab, so ist die Geburtsstation mit Kaiserschnitt OP sehr modern und bestens ausgestattet, die Situation auf den anderen Stationen dagegen oft nicht so gut.
Als Austauschstudentin war ich sehr frei in meiner Tagesgestaltung, nach der Morgenbesprechung war ich in der Regel mit meinem Team unterwegs, konnte aber eigentlich anschauen was ich wollte und auch gehen wann ich wollte. Da es morgens manchmal nicht allzu viel zu tun gab, bin ich dann manchmal auch erst nachmittags wiedergekommen oder ähnliches. Man ist also wirklich sehr flexibel. Auch wenn meine gynäkologischen Kenntnisse vielleicht nicht so stark gestiegen sind wie bei einer Famulatur in Deutschland, habe ich das Gefühl unglaublich viel gelernt zu haben. Ich habe mich in meinem Team gut aufgehoben gefühlt und konnte einen spannenden Einblick in das Gesundheitssystem erlangen. Auch lernt man nochmal ganz andere Krankheitsbilder (etwa Tollwut) und eine andere epidemiologische Situation kennen. Ich kann jedem nur an Herz legen, eine solche Erfahrung mal zu machen.

Land und Leute

Da wir nur zwei Incomings waren, gab es kein fest organisiertes Programm, was wir allerdings nicht so schlimm fanden, da wir so unsere eigenen Pläne machen konnten. So haben wir eigentlich immer Wochenendausflüge gemacht, entweder an die Küste (Ada Foah oder Cape Coast-Busua) oder in die Berge (Volta Region). Dies haben wir uns alles selbst organisiert und es lief immer recht problemlos. Die Natur in Ghana ist wirklich wunderschön. Es ist ein sehr grünes Land mit tollen Wäldern, Wasserfällen und Stränden. Auch wenn wir oft lange Zeit in Busen und Trotros verbringen mussten, war es das immer Wert.
In Kumasi waren wir oft auf den Märkten, bei der lokalen Schneiderin, haben den Palast besichtigt oder waren mit Freunden schwimmen. Es wird also wirklich nicht langweilig.
Wir haben uns sehr gut mit den lokalen Studierenden verstanden und fast jemand Abend zusammengesessen und lange diskutiert. Generell habe ich die Ghanaer immer als sehr freundlich und interessiert wahrgenommen. Man sollte sich aber darüber bewusst sein, dass man als weiße Person in Kumasi wirklich die Ausnahme ist, besonders wenn man eher nicht-touristische Orte besucht. Man kann sich also nicht verstecken, wird auf der Straße sehr oft angesprochen und oft auch von Fremden angefasst. Dies ist in der Regel aber nicht böse gemeint und auch wenn es manchmal nervig ist, kann man es eigentlich ganz gut ignorieren. Unter den Studierenden ist das wirklich auch gar kein Problem. Es ist leicht mit Menschen in Kontakt zu kommen und Fragen werden sehr gerne beantwortet. Ich würde die Kultur daher als sehr herzlich beschreiben. Da wir uns viel selbst organisiert haben und oft nur zu zweit unterwegs waren, habe ich den Eindruck sehr viel vom Land und der Kultur gelernt zu haben und komme voller neuer Eindrücke zurück nach Deutschland. Ich würde jedem empfehlen so oft wie möglich raus zu gehen (auch wenn es sehr heiß ist) und einfach viel auszuprobieren. Durch unsere langen Busreisen haben wir viele Teile des Landes gesehen und verschiede Menschen getroffen. Die wirtschaftliche Situation des Landes ist in Ordnung, zwar leben schon einige Menschen in sehr einfachen Verhältnissen, es gibt aber zunehmend auch eine wohlhabende Mittelschicht und die politische Situation wirkt stabil, wenn auch noch sehr von den verschiedenen Volksgruppen geprägt. In Kumasi kann man viel über das Volk der Ashanti lernen (dazu bietet sich ein Besuch des Palastes an). Einen guten Eindruck vom täglichen Leben bekommt man auf dem Hauptmarkt, auch wenn es dort immer sehr hektisch zugeht und man eine Weile braucht bis man sich in den engen Gassen zurecht findet (beim ersten Mal am Besten mit Einheimischen gehen).
Das Essen in Ghana ist oft einfach, auf Reis oder Maisbasis, und enthält meist Hühner- oder Ziegenfleisch, aber man kann sich auch als Vegetarier gut ernähren. Besonders schön ist, dass man überall frisches Obst (Ananas, Mango, Kokosnuss, etc.) kaufen kann. Da wir eine Küche hatten, haben wir uns abends auch oft selbst was gekocht.

Fazit

Ich habe Ghana als ein sehr buntes und offenes Land erlebt und kann es jedem nur weiterempfehlen. Auch wenn es nicht der beste Ort ist, seine medizinischen Fachkenntnisse zu vertiefen, kann man doch viel über das Gesundheitssystem und die Versorgungssituation lernen und so einiges mitnehmen, was man in Deutschland nicht lernen könnte. Die Menschen sind sehr freundlich und das Land hat kulturell viel zu bieten. Ich bin sehr froh, mich für die Famulatur in Kumasi entschieden zu haben.

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