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Colombia (ASCEMCOL)

Innere - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Maria-Sophia, München

Motivation

Ich wollte ein anderes Gesundheitssystem kennenlernen, wissen wie es woanders läuft und auch andere klinische Schwerpunkte sehen, z.B. gibt es in Kolumbien viel mehr Fälle von Tuberkulose als hier.
Außerdem bin ich sehr neugierig und wollte auch wissen, wie es ist, wenn die Krankenhäuser nicht so hervorragend ausgestatt sind wie bei uns.

Vorbereitung

Ich habe keine speziellen Kurse oder Seminare besucht. Die Versicherung unbedingt auf Spanisch einreichen, Antikörper auch für Windpocken erforderlich. Falls was fehlt, kann man das dort dann normalerweise aber auch machen.

Visum

Da ich weniger als 90 Tage in dem Land war, musste ich kein Visum beantragen. Es war auch kein Besuch bei der Botschaft notwendig. Vor Ort musste man noch eine extra Versicherung kaufen für ca 15€.

Gesundheit

Ich habe mich beim Tropeninstitut beraten lassen, hatte eine Malariaprophylaxe dabei und natürlich gegen Gelbfieber und Tollwut geimpft. Die anderen Impfungen aufgefrischt, bzw Hep. B Antikörper messen lassen (wurde auch von dort gefordert). Keine sonstigen Untersuchungen.

Sicherheit

Sicherheit ist ein großes Thema in Kolumbien. Ich war sehr vorsichtig und habe mich an die Anweisungen der Locals gehalten (kein Handy auf der Straße verwenden, nachts nicht mehr alleine rausgehen, tlw lieber Uber als Taxis benutzen, wachsam sein, bestimmte Gegenden meiden…). Mir ist nichts passiert. :)

Geld

In Kolumbien zahlt man mit Kolumbianischen Pesos, 3000 Pesos sind ca 1€.
Ich hatte anfangs Geld mit, dass ich in einer Wechselstube gewechselt habe und dann am EC Automaten mit der Kreditkarte abgehoben. Es ist schon günstiger als in Deutschland

Sprache

Es wird hauptsächlich Spanisch gesprochen, selbst die meisten Studenten können nicht gut Englisch. Ich hatte das Niveau B2 und bin im Alltag sehr gut und in der Klinik gut zurechtgekommen. Man sollte auf jeden Fall schon Spanisch können, sonst stelle ich es mir sehr schwierig vor.

Verkehrsbindungen

Ich bin geflogen von München nach Bogota und von dort nach Cali. Zurück mit dem Bus von Cali nach Bogota, von wo aus dann der Flug ging. Leider gab es keinen Fahrkostenzuschuss, der Flug war schon teuer. Die Busreisen im Land sind zb für einen 10h Busfahrt so bei 20€ und sehr bequeme Busse.
Die öffentlichen Verkehrsmittel in der Stadt kosten pro Fahrt ca 0,70€ und verkehrten von 05 bzw 06 Uhr morgens bis 11 Uhr abends, die Frequenz war unterschiedlich je nach Standort und Tageszeit.

Kommunikation

In dem Studentenwohnheim bei der Universität gab es gutes Wifi, dafür musste ich nichts extra zahlen. An den Busstationen gab es auch Wlan, im Krankenhaus nicht. Die Kommunikation mit den Studenten und den Dozenten lief vor allem über Whatsapp.

Unterkunft

Ich habe in einem Studentenwohnheim für Austauschstudenten am Campus der Universität gewohnt, die Unterkunft wurde für mich organisiert. Es waren immer 2 Personen in einem Zimmer, es gab kein Warmwasser, dafür aber einen großen TV, Klimaanlage und Kühlschrank im Zimmer. Es gab eine Gemeinschaftsküche und einen großen Salon.

Literatur

Viele Dinge habe ich auf Amboss nachgelesen, da man das ja auch offline nutzen kann. Ansonsten wurden mir von den Dozenten oder Studenten die Vorträge zugeschickt teils per Whatsapp, teils per Email.

Mitzunehmen

Unbedingt eigene medizinische Sachen mitnehmen: also neben Stethoskop auch noch Pulsoxymeter, Blutdruckmanschette, evtl. Thermometer.
Man könnte Handschuhe, Haube und Mundschutz auch mitnehmen, oder man kauft das vor Ort.
Die Studenten tragen dort den ganzen Tag die Krankenhausuniform (weißer Kasak und weiße Hose, wenn man kein weiß hat, müsste auch eine andere Farbe plus weißer Kittel gehen)

Reise und Ankunft

Die Anreise verlief gut, bis darauf dass mein Flug von abends auf den nächsten Morgen verschoben wurde. Um abgeholt zu werden, musste ich ein bisschen kämpfen, aber es hat dann gut geklappt.
Meine Contact Person hat mich dem medizinischen Direktor vorgestellt.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe auf der Inneren gearbeitet. Es war so, dass man morgens jeden Tag ins Krankenhaus fährt, wo man 1-4 Patienten betreut, die man dann untersucht und befragt. Bei der Visite werden diese dem jeweiligen Arzt vorgestellt, der einem dann Fragen stellt und das weitere Vorgehen bespricht. Danach schreibt man die „Evolucion“, so ähnlich wie ein Arztbrief, aber täglich und ordnet Blutentnahmen, Kulturen, Untersuchungen etc an. Bei mir hat am Anfang immer noch ein Arzt kontrolliert und mich korrigiert, die Studenten waren sehr nett und haben viel Hilfe geleistet. Dabei habe ich wirklich sehr viel gelernt.
Man könnte seinen eigenen PC mitbringen, da man manchmal auf freie Computerplätze warten musste.
Am Nachmittag sind wir gemeinsam in die Uni gefahren, wo wir dann nochmals Unterricht hatten, teilweise auch mit kleinen Quizzes, wo ich auch teilgenommen habe. An dieser Uni gab es auch ein Simulationskrankenhaus, wo wir zb auch die Reanimation geübt haben.
Kolumbien ist insgesamt eher an den USA orientiert, was man auch an den medizinsichen Guidelines merkt.
In Kolumbien gibt es z.B. viel mehr Fälle von Tuberkulose als bei uns, Dengue, Chikanguya, Zika und Malaria sind verständlicherweise auch viel häufiger als bei uns. Die Krankenhäuser sind nicht so gut ausgestattet, manchmal gibt es bestimmte Medikamente gar nicht (zB Piperacillin), trotzdem funktioniert es weitgehend und man wird kreativ: zb es gibt keine Stauschlauch, weswegen man dann einen Plastikhandschuh um den Arm bindet
Es kam auch vor, dass ich für meinen Patienten eine Woche auf das Röntgen gewartet habe, aber da kann man ruhig mehrmals nachfragen.
Die Studenten in Kolumbien sind schon viel früher viel mehr Tage im Krankenhaus, also ab dem 9. Semester sind sie jeden Tag bei ihren Patienten und schon auch für die verantwortlich. Die PJler = internos sind auch da und supervisen das alles ein bisschen, die Ärzte sind hauptsächlich nur zur Visite anwesend und sonst in Bereitschaft.
Ein zweimal kamen auch Pharmavertreter vorbei, die dann ihre Medikamente vorgestellt und an die Studenten verteilt haben, bzw die Ärzte haben die gesammelt für Menschen, die sich dort keine Medikamente selber kaufen können.
Teilweise gab es schon Sprachverständnisse, aber die konnten fast immer gelöst werden (Wörterbuch, Pantomime, umschreiben…). Daraus ergaben sich auch sehr lustige Situationen.
Man lernt sehr viel, es ist wirklich interessant und ich kann es nur empfehlen. Die Ärzte und Studenten sind sehr bemüht, auch sehr interessiert und neugierig (welches Antibiotikum gibt man da in Deutschland?)

Land und Leute

Ich habe viel in der Stadt besucht und gemeinsam mit meiner Mitbewohnerin unternommen, teilweise waren auch andere Austauschstudenten aus dem Wohnheim dabei. Zu zweit ode zu mehrt war es sicherer und hat natürlich auch viel Spaß gemacht. Untereinander haben wir uns eigentlich nur auf Spanisch verständigt (wenn wir nicht weiter wussten, dann englisch ;) )
Wir sind über ein Wochenende mal weggefahren, haben ein Naturreservat in der Nähe besucht oder sind mit Studenten durch die Stadt spaziert. Die Natur ist dort ganz anders als bei uns, tropischer und wunderschön!
Viele Studenten dort haben ein Auto, weswegen wir teilweise auch gemeinsam irgendwohin gefahren sind und etwas besichtigt haben. Das war wirklich sehr nett, teilweise konnten wir auch vom und zum Krankenhaus mitfahren und haben uns so die Busfahrt gespart. ;)
Man lernt dort schnell Leute kennen, weil alle sehr offen, herzlich und interessiert sind. Die Menschen sind wirklich außergewöhnlich freundlich und es macht Spaß sich gegenseitig auszutauschen.
Wir haben einige Salsastunden genommen, um es zu lernen und dort in den Bars zu tanzen, fast jeder kann das und jeder tanzt mit jedem. Es wird auch viel diese Musik gespielt, ansonsten Reggaeton - hauptsächlich spansiche Musik also. :)
Neben dem Zentrum haben wir einen Markt, das Künstlerviertel, den Zoo und andere verschiedene Orte besucht. Man findet wirklich schnell Anschluss und die Leute integrieren einen sehr gut. Auch mit den Studenten von der Uni war ich paar Mal gemeinsam essen oder einfach noch in der Stadt unterwegs.
Die Menschen sind sehr hilfsbereit, wobei man schon aufpassen muss, dass man da nicht an die falschen gerät…
Das Essen ist sehr gut und günstig, es gibt viel Frittiertes, viel mit Kochbanane, Reis, Fleisch, Ei und Bohneneintopf. Die Früchte sind köstlich und der Kaffee auch ;)
Die Supermärkte haben auch am Wochenende lange offen und haben eigentlich alles, was man so brauchen könnte. Essen gehen ist wirklich günstig, deswegen haben wir gar nicht sooo viel gekocht. Anfangs haben wir mit unserer contact person Sachen fürs Frühstück eingekauft, es hat nur leider für ein Monat nicht gereicht. War trotzdem okay, weil so teuer ist es für unsere Verhältnisse dort nicht.
Das Leitungswasser kann man dort anscheind trinken, was wir nach anfänglichem Zögern auch tatsächlich gemacht haben.
Ich hätte sehr gerne mehr Zeit dort verbracht, das Land noch mehr bereist und der Abschied fiel mir wirklich schwer. Die Menschen haben sich so lieb um uns gekümmert und es war eine tolle Zeit!

Fazit

Es war eine tolle Zeit, die ich nicht missen möchte. Ich habe sehr viel gelernt und ganz neue Einblicke gewonnen, von denen ich sicher noch profitieren werde. Gerne wäre ich länger geblieben, es war wirklich interessant und spannend mal ein bisschen eine "andere Medizin" kennenzulernen.

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