zurück

Turkey (TurkMSIC)

Notfallmedizin - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Betül, Berlin

Motivation

Die Erfahrungen, die man im Ausland sammeln kann sind unbezahlbar und ermöglichen einen über den Tellerrand zu schauen bzw. sich auf eine ganz andere Kultur einzulassen. Ich weiß, es klingt sehr nach einer nullachtfünfzehn Beschreibung, aber wenn man erstmals in einem anderen Land lebet und dort arbeitet, sieht man die Dinge mit ganz anderes Augen.
Meine erste Auslandsfamulatur sollte mir eigentlich nicht so fernes, aber doch unbekannte Land Türkei sein. Da ich die türkische Sprache einigermaßen gut beherrsche und mich das Leben, die Arbeitsweise im Krankenhaus und das Gesundheitssystem sehr interessiert haben – bewarb ich mich für die Famulatur in Izmir/Türkei.

Vorbereitung

Im Oktober 2018 hatte ich einen Informationsabend der bvmd besucht gehabt und mich anschließend über die Bewerbungsformalitäten auf der Internetseite informiert. Da ich mich jedoch auf die Restplätze beworben habe, habe ich mich nicht groß Vorbereitet und alles ging sehr unkompliziert von dannen.
Was ich den zukünftigen Outgoings mitgeben kann ist, liest ganz genau nach ob euer Austausch unilateral oder bilateral ist! Wenn der Austausch unilateral sein sollte, müsst ihr für euren Austausch in der Türkei eine unilateral fee bezahlen. Wenn ihr einen bilateral Austausch antretet, aber aus welchen Gründen auch immer versehentlich diese unilateral fee bezahlt habt, werdet ihr ca. 3 Monate auf euer Geld warten um dieses zurückzuerhalten. Also immer schön alles lesen.

Visum

Deutsche Staatsbürger können OHNE VISUM 90 Tage in der Türkei in einem Zeitrahmen von 180 Tagen sich aufhalten. Ich bin mit meinem Personalausweis ohne Probleme eingereist.

Gesundheit

Da ich durch meine Krankenkasse eine extra Auslandskrankenversicherung habe, habe ich mich nicht extra um etwas gekümmert. Medikamente habe ich nicht mitgenommen, da man in der Apotheke vor Ort alles günstig hätte kaufen können, wenn der Bedarf bestand. Es wurden im Vorfeld keine Impfungen vorgeschrieben, natürlich werden die Standardimpfungen empfohlen.

Sicherheit

Da ich zur Zeit der Kommunalwahlen mich in Izmir befand, hatte ich mir im Vorfeld Gedanken gemacht, wie die Sicherheit denn dort sein wird und ob die Türkei tatsächlich so „gefährlich“ ist, wie sie in den Medien präsentieren wird. Und meine Erkenntnis: Ich habe mich während meines Aufenthaltes sehr sicher gefühlt! Die Einwohner waren sehr zuvorkommend und hilfsbereit mir gegenüber.

Geld

In der Türkei wird mit dem Lira bezahlt und man sollte auch nur mit dem Lira zahlen. Ich habe in der Türkei nur mit Bargeld bezahlt, was ich an meinem ersten Tag gewechselt hatte. Wenn man aber doch mit Kreditkarte zahlen möchte, ist dies nahezu überall möglich. Da der Wechselkurs sehr günstig war (1 Euro = 6 Lira) habe ich fast jeden Tag draußen für ca. 5€ gegessen. Allgemein sind die Lebenshaltungskosten günstiger für die Leute, die mit dem Euro in die Türkei einreisen.
Tipp: Alkohol ist sehr teuer!! (Eine Falsche Bier ca. 15 Lira, Wein ca. 80 Lira)

Sprache

Die Landessprache ist türkisch und da ich diese sprechen kann hatte ich keine Probleme mit der Kommunikation. Jedoch konnte ich beobachten, dass die anderen Exchange Students große Probleme hatten sich mit anderen in englisch zu verständigen und ich dann meist übersetzt habe. Daher wäre es gut paar Wörter in türkisch zu wissen.

Verkehrsbindungen

Bereits am Flughafen empfiehlt es sich eine Izmir-Card zu kaufen, da keine Bargeldzahlung in den Bussen, Metro, Fähren und in der Tram, möglich ist. Eine Fahrt kostet ca. 3 Lira.
In den sogenannten Minibussen zahlt man die Fahrt Bar (auch ca. 3 Lira). Die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel ist sehr unkompliziert und etwas chaotisch. Wenn man mal nicht weiter weißt, kann man die Busfahrer und die Passanten offen fragen.

Kommunikation

Es empfiehlt sich sehr eine türkische SIM-Karte zu kaufen, da die Tarife hier sehr gut und günstig sind. Ich hatte in meinen Tarif 8 GB, 750 Freiminuten und 750 frei SMS, für 30 Lira!
Im Krankenhaus hatte ich über das eduroam mobiles Internet und in der Wohngemeinschaft Zugriff auf das WLAN.

Unterkunft

Ich wurde bei der vor Ort zuständigen LEO untergebracht und habe diesbezüglich nichts organsiert. Ich hatte mein eigenes Zimmer, was sich als sehr vorteilhaft erwies, da nahezu jeden Tag die Lerngruppe meiner Mitbewohnerin zu Hause war und ich mich so zurückziehen konnte. Sie stellte mir Bettwäsche zur Verfügung und ich konnte jeder Zeit die Waschmaschine benutzen. Es gab die Möglichkeit zu kochen, aber da die Lerngruppe in der Küche gelernte hatte, war die Küche ein Ort den ich nicht so oft betreten habe.

Literatur

Für den Aufenthalt habe ich mir keine extra Literatur zugelegt. Im Internet habe ich mich über die schönsten Orte in Izmir belesen und diese dann in Google Maps markiert. Die Locals geben einen die besten Tipps, deswegen am Besten die fragen.

Mitzunehmen

Für die Famulatur habe ich einen weißen Kittel und Stethoskop mitgenommen. Im Krankenhaus wurde kein spezifischer Dresscode verlangt. Der März war angenehm warm, deswegen hätte man keine Pullover benötigt. Es empfiehlt sich aber eine Regenjacke mitzunehmen, da das Wetter sehr wechselhaft sein kann.

Reise und Ankunft

Meine Anreise verlief sehr entspannt und unkompliziert. Ich kam drei Tage vor Famulatur Beginn am Flughafen Izmir-Adnan Menderes an, wo mich auch die SCOPE Assistenten herzlich empfangen haben. Von dort sind wir zusammen zu meiner Unterkunft gefahren. Das Wochenende habe ich genutzt, um die Gegend zu erkunden und mich mit den anderen Exchange Students anzufreunden. Zusammen mit meiner Mitbewohnerin (LEO) sind wir am ersten Tag meiner Famulatur ins Krankenhaus gegangen.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Am Montagmorgen hat mich meine Mitbewohnerin ins Krankenhaus begleitet und mich in der Rettungsstelle mein Tutor vorgestellt. Jedoch wusste mein Tutor nicht so ganz wer ich bin und was ich in der Rettungsstelle zu suchen habe, somit wurden wir an die "Chefärztin" weitergeleitet. Die Sekretärin hat uns erstmal den Zutritt zur Ärztin verweigert. Die LEO hat dann rumtelefoniert und rumdiskutiert bis wir dann doch mit der Chefärztin reden konnten. Nach ca. 3 Stunden wurde ich dann als endgültige Famulantin anerkannt.
Die Schicht begann jeden Morgen um 8:30 und endete um 16:30. Ich wurde, wie die PJ auf der Rettungsstelle, einem Assistenzarzt zugeteilt. In den ersten zwei Tagen habe ich den PJ bei den Aufgaben zugesehen, bis ich am dritten Tag selber EKG schreiben, Blutabnehmen und Venösezugänge legen durfte.
Die PJler mit denen ich gearbeitet habe, haben mir vieles gezeigt und vieles erklärt. Desweitern durfte ich kleinere Wunden, unter Betreuung der Assistenzärzte, nähen. Zum Mittagessen bin ich mit den anderen Studenten zur Krankenhausinternen Kantine gegangen, wo ich nicht bezahlen brauchte. Einmal die Woche gab es Seminare für die Studenten von 9-11 Uhr, bei denen ich auch dran teilgenommen habe. Für die Assistenzärzte gab es gesonderte Fortbildungen, die ich auch besuchen durfte.
Jede Woche habe ich eine Nachtschicht absolviert, da die am Meisten Spaß gemacht haben. Die Nachtschicht beginnt um 17 Uhr und endet am nächsten Morgen um 8 Uhr (15 Stunden!). Ich hatte die Beste und lehrreichste Zeit während dieser Nachtschichten. Wir haben Essen in die Rettungsstelle bestellt und alle zusammen gegessen. Wenn ein Arrest kam durfte auch ich die Kardiopulmonale Reanimation machen. Die Atmosphäre in der Rettungsstelle war zwar immer Unterstrom wegen den hohen Patienten Zustrom, aber jeder hat sich gut verstanden. Das Arbeitsklima war sehr angenehm und locker. Von der Hierarchieschichtung zwischen PJ und Assistenzarzt war kaum etwas zu spüren, was zu dieser lockeren Stimmung beigetragen hat. Gegenüber den Oberärzten hatte man einen gewissen Respekt, aber auch die waren sehr locker drauf. Mich hat gewundert, dass Zugänge legen und Blutabnehmen eigentlich Aufgabe der Krankenschwestern bzw. PJler ist und nicht die der Ärzte.
Deswegen ist mir aufgefallen, dass viele Medizinstudenten, mit denen ich geredet habe, aus der Türkei nach Deutschland kommen wollen. Einer der Gründe ist der "TUS", die Abschlussprüfung nach dem 6. Jahr. Nach der jeweiligen erreichten Punktzahl in dieser Prüfung dürfen die Studenten ihre Fachrichtung aussuchen und keine andere ausüben, wenn die Punktzahl nicht ausreicht.

Land und Leute

Izmir ist eine wunderschöne Stadt und ein Besuch 100%ig wert, denn überall gibt es etwas zu sehen. Sehr zu empfehlen sind die Orte: Konak, Inciralti, Alsancak und Bostanli. Mit den anderen zwei Exchange Students haben wir kleine Trips nach Pamukkale (sehr empfehlenswert und atemberaubende Natur) und Bergama organisiert. Am Anfang unseres Austausches haben wir einen Link zugeschickt bekommen, in der unser Social Programme für die nächsten 4 Wochen gelistet war. Es wurden in jeder Woche diverse Social Programme organisiert, wie zum Beispiel National Food and Drink Party, Trekking, Museumsbesuche, diverse Besuche zu den historischen Städten (wie Ephesus) und andere Freizeitaktivitäten (wie Bowling und Billardspielen). Einige Programme wurde jedoch ohne Grund abgesagt, was schade war. Die Leute in Izmir sind sehr locker und hilfsbereit. Ich habe mich auf anhieb mit allen gut verstanden.
Was mir besonders aufgefallen ist, dass jeder sich in eine Reihe stellt bevor die Leute in den Bus einsteigen und auch wirklich jeder sein Ticket bezahlt. Auch die, die hinten in den Bus einsteigen, reichen ihre Izmir-Card nach vorne, um ihr Ticket zu bezahlen.
Meine Gastgeberin war eine sehr liebe und nette Person, jedoch habe ich mit ihr nicht so viel Zeit verbringen können, vielleicht weil die Wohnung immer voll mit ihren Freunden war und sie für ihre Prüfungen lernen musste. Dafür habe ich sehr gute Freundschaften mit den Studenten im Krankenhaus geschlossen, mit denen ich nahezu jedes Wochenende in Alsancak war (die Gegend Nummer eins zum Feiern und Spaß zu haben), ins Kino gegangen bin und viel gegessen haben.
Das Essen in Izmir ist lecker und günstig. Es gibt nichts was nicht schmeckt. Tip: Probiert Bomba! Bomba ist eine Teigtaschen gefüllt mit Nutella und es schmeckt göttlich.
Bevor meiner Anreise dachte ich, dass politisch viel los sein wird, da auch die Wahlen während meines Aufenthalts waren, aber dem war nicht so. An den Tag der Wahlen, war so gut wie ganz Izmir leer. Man merkt, dass solche Ereignisse sehr ernst genommen werden und die Leute wortwörtlich darum fiebern wer die Wahlen gewinnt. In Bezug auf die Wahlen ist mit aufgefallen, dass an dem Tag, an dem gewählt wird, kein Alkohol verkauft werden darf. Somit soll gewährleistet werden, dass jeder mit klaren Kopf sein Kreuz setzten kann.
In der Rettungsstelle hatte ich die Möglichkeit, die doch sehr lockern Einwohner Izmirs, ganz anders kennen zulernen. In den Krankenhäusern ist der Patient nicht das Problem, sondern die Angehörigen, die doch sehr aufdringlich, hysterisch und fordernd sein können.

Fazit

Ich bin zwar ohne Erwartungen diese Reise angetreten, aber bin begeistert wieder zurückgekommen. Diese Famulatur war einer der Besten, die ich hatte. Ich habe Izmir als eine sehr offene, zuvorkommende und bunte Stadt erlebt. Es hat mir so sehr gefallen, was meinen Abschied sehr erschwert hat. Ich habe das Gefühl, dass es nicht mein letztes Mal in Izmir war!

zurück