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United Kingdom (MEDSIN-UK)

Radiologie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Stefan, München

Motivation

Dies war meine letzte Famulatur, und ich wollte unbedingt eine im englischsprachigen Ausland machen. Da für den Monat März lediglich UK diese Voraussetzung erfüllt, war es eher Zufall. Dennoch war ich sehr interessiert, das englische Gesundheitssystem, den NHS, kennenzulernen. Als Fachrichtung habe ich Radiologie angegeben, da ich das Gefühl gehabt habe, hier noch Übungsbedarf zu haben, was schlussendlich eine sehr gute Entscheidung war.

Vorbereitung

Die Bewerbung bei der BVMD beginnt mehr als ein Jahr vor dem eigentlichen Praktikumsbeginn, das heißt hier muss man sich wirklich rechtzeitig bewerben. Die auszufüllenden Unterlagen für die BVMD sind für alle Famulaturen die gleichen, und können auf der Homepage nachgelesen werden. Daher will ich hier nicht näher darauf eingehen. Sobald man eine Zusage für seinen Platz hat (war einen Monat nach Einreichen der Bewerbung), wird man an das IFMSA weitergeleitet, und muss hier gemäß deren Anforderungen Unterlagen einreichen. Diese beinhalten ein Schreiben des Dekans, ein Motivationsschreiben, CV, Transcript of Records, Gesundheitszeugnis inklusive Tuberkulosetest von einem Hausarzt, Passfotos, Sprachnachweis, Nachweis einer Auslandsversicherung, Haftpflichtversicherung. Ich empfand dies als relativ unproblematisch, da man hierfür mehr als ein halbes Jahr Zeit hat. Etwa einen Monat vor Beginn des Praktikums verbinden sich die Studierenden aus England mit einem, und stehen für alle Fragen zur Verfügung, bzw. erklären, was mitzubringen ist (im Wesentlich: Bettwäsche, Stethoskop, ordentliche Kleidung für das Krankenhaus).

Visum

Zu meiner Zeit war England noch vollwertiges EU-Mitglied, daher war kein Visum nötig. Das kann sich aber im Zuge des Brexit ändern.

Gesundheit

Wie erwähnt ist ein Versicherungsnachweis vorzulegen. Darüber hinaus gibt es am ersten Arbeitstag eine Untersuchung durch den Betriebsarzt.
Impfungen braucht man die gleichen wie in Deutschland, eine kleine Besonderheit ist, dass man einen neg. Tuberkulose Test vorlegen muss.

Sicherheit

Kingston upon Hull ist für englische Verhältnisse ein eher raues Pflaster, es gibt viele Bettler. Daher sollte man gerade abends/nachts aufpassen, nicht alleine draußen herumzulaufen. Tagsüber habe ich mich aber immer sicher gefühlt.

Geld

Habe ausnahmslos alles mit Kreditkarte bezahlt, was überall problemlos funktioniert. Ansonsten bekommt man 90 Pfund Taschengeld, die man ausgeben kann.
Lebenshaltungskosten fand ich für englische Verhältnisse günstig, etwa so teuer wie das, was ich von München gewohnt bin.

Sprache

Ist logischerweise Englisch. Die meisten Ärzte sprechen nicht allzu schnell, sodass man mit dem Englisch, was man in der Schule gelernt hat, gut zurecht kommt. Ich habe mir im Vorfeld ein Buch zu Medical English gekauft und es durchgearbeitet, was ich jedem empfehlen kann, da es gerade in der Medizin viele Begriffe gibt, die einem auf Englisch noch nicht begegnet sind.

Verkehrsbindungen

Ich bin über Manchester nach England gekommen, und von dort mit dem Bus weiter nach Hull (Bus kostet 10 Pfund). Nach Manchester gibt es Ryanair Flüge, sodass man wirklich günstig fliegen kann.
Innerhalb von Hull sind die Busse auch recht preiswert, ein Wochenticket kostet 12 Pfund und man kann überall hinfahren. Die Busse fahren alle 10 Minuten.

Kommunikation

Dank EU Roaming kann man seinen Handyvertrag in England genauso nutzen wie zuhause, und zum selben Preis. Im Krankenhaus geben einem die Ärzte gerne ihre Handynummer, sodass man ganz easy über Whatsapp Dinge fragen kann.

Unterkunft

Leider nicht die sauberste Unterkunft. Man hat ein Zimmer, Bad und Küche werden geteilt. Für einen Monat ist es okay, länger hätte ich es aber auch nicht ausgehalten. Zum Krankenhaus sind es 45min mit dem Bus.

Literatur

Wie oben erwähnt: Ich habe mir im Vorfeld ein Buch zu Medical English gekauft und es durchgearbeitet, was ich jedem empfehlen kann, da es gerade in der Medizin viele Begriffe gibt, die einem auf Englisch noch nicht begegnet sind.

Mitzunehmen

England hat sehr viele Regentage, daher ist regenfeste Kleidung sicherlich von Vorteil. Im Krankenhaus wird erwartet, dass man sich elegant kleidet, weiße Kittel/Scrubs gibt es im Stationsalltag keine. Für die Unterkunft braucht man noch Bettwäsche. Ansonsten braucht man nichts außergewöhnliches mitzunehmen.

Reise und Ankunft

Ich bin am Sonntag vor Famulaturbeginn angekommen, und wurde von Jacob, dem dortigen Exchange Officer am Bahnhof abgeholt. Er ist wirklich sehr nett, hat mir noch am gleichen Abend das Krankenhaus und die Unterkunft gezeigt.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Wie erwähnt habe ich meinen Aufenthalt in der Radiologie verbracht. Ich hatte Glück: Hull verfügt über eine der besten Radiologien im Land, und bildet sehr viele Assistenzärzte (werden dort Registrars genannt) aus. Das Tolle ist, dass die Assistenzärzte zwei mal am Tag Teaching bekommen, dem ich mich angeschlossen habe. Die Qualität dieser Teachings war hervorragend, ich habe mir davon sehr viel mitnehmen können. Abgesehen von den Teachings bin ich durch die verschiedenen Bereiche der Radiologie rotiert, das reicht von Neuroradiologie, über Herzradiologie bis hin zur interventionellen Radiologie. Die Ärzte waren dabei wirklich sehr nett, und haben vieles erklärt. Eine Tätigkeit, im Sinne von Blutentnahmen etc., habe ich nicht wahrgenommen, was sich in der Radiologie aber auch nicht anbietet. Darüber hinaus gab es noch zwei Radiologenmeetings, die für alle Radiologen von UK offen waren, die ich ebenfalls wahrgenommen habe.
In den verschiedenen Abteilungen der Radiologie war ich meist einem Assistenzarzt zugeordnet, der wiederum ein Liste mit radiologischen Aufnahmen hatte. Diese ist ihm von einem der Oberärzte, die als Consultants bezeichnet werden, erstellt worden. Seine Aufgabe bestand dann darin, sich die Aufnahmen anzusehen, und entsprechend zu befunden. Hier habe ich geholfen, bzw. zugehört, was er mir gesagt hat, wie er an die Aufnahmen rangehe, also eher die Basics. Nachdem die Liste abgearbeitet war, und alle Aufnahmen befundet waren, gingen der Assistenzarzt und ich zum Consultant, um die Aufnahmen zu besprechen und mit dem erstellten Befund abzugleichen. Gerade diese Sessions waren sehr lehrreich für mich, da die Consultants ihren Assistenzärzten alles sehr gut erklärt haben, und ich einfach zuhören konnte, ohne dass sie irgendwie ein extra Teaching für mich organisieren möchten. In der gleichen Gelegenheit war es mir auch möglich, Fragen zu stellen.
Neben diesem diagnostischen Teil der Radiologie habe ich auch eine Woche in der interventionellen Radiologie verbracht. Diese gliedert sich in Hull in „Interventional Neuroradiology“, sowie „Interventional Vascular Radiology“. Dass war wirklich spannend, denn es ist etwas ganz anderes als die reine Diagnostik, und zeigt, was man in der Radiologie alles machen kann. Die Radiologen in der Intervention haben sich im Vorfeld der Prozedur Zeit genommen, um mir alles zu erklären. Auch im Anschluss an die Prozedur haben sie sich Zeit genommen, damit ich Fragen stellen konnte. Daher habe ich ein wirklich umfassendes Bild über die verschiedenen Teilbereichen bekommen.

Land und Leute

Ich empfand die Engländer als sehr nett und zuvorkommend. Hull selbst hat tolle Einkaufzentren, ganz viele Restaurants, ein große Bibliothek und vieles mehr. An den Wochenenden sind wir mit den anderen Incomings gereist, nach London, Cambridge, Leeds und York, und haben dadurch viel von England sehen können, trotz des nur kurzen Zeitraums von einem Monat.
Aber der Reihe nach: Im Rahmen des Social Program hat Jacob, der Local Exchange Officer, einen kurzen Vortrag zu Gesundheitssystem sowie Ausbildung der Medizinstudierenden sowie Assistenzärzte gehalten. Das war sicherlich gut zu wissen, denn nach Abschluss des Medizinstudium durchlaufen die Engländer mehrere Phasen, und im Krankenhaus war es gut zu wissen, mit wem man es zu tun hat: Zunächst einmal gibt es 2 Foundation Years, die für jeden verpflichtend sind und man rotiert durch alle möglichen Fachrichtungen. Es ist in etwa zu vergleichen mit dem deutschen Praktischen Jahr, nur, dass es nach dem Studium kommt. Im Anschluss gibt es das sog. Core-Training, und man wird in dieser Zeit als Trainee bezeichnet. Dieses gibt es für die meisten Fachrichtungen, und dauert 2-3 Jahre. Nach Abschluss des Core-Trainings folgt die eigentliche Facharztausbildung, und die Ärzte werden als Registrars bezeichnet. Das dauert je nach Fachrichtung 4-6 Jahre. Nach diesem doch langen Ausbildungsweg ist man Consultant, zu deutsch Oberarzt.
Das Gesundheitssystem wird durch den Staat, und somit im weiteren Sinne durch die Steuern der Bürger finanziert. Das ganze wird als NHS, National Health Service, bezeichnet. Das ist bemerkenswert, gerade im Hinblick auf die Zugänglichkeit zu medizinischen Leistungen. Dennoch habe ich seitens mehrerer Ärzte gehört, dass die Qualität aufgrund eines zu geringen Investments durch den Staat, eher abnimmt, und unter dem Standard anderer westlicher Länder, wie etwa Deutschland, liegen soll.
An den Wochenenden haben wir kurze Trips veranstaltet, siehe oben. Leider sind Züge recht teuer, einmal haben wir ein Auto gemietet, was aber auch nicht günstig ist, vor allem, da die Zuschläge für junge Fahrer unter 25 Jahren recht hoch sind. Dennoch haben sich die Trips gelohnt, ich hatte das Gefühl, trotz der kurzen Zeit recht viel von England gesehen zu haben.
Ein Muss ist natürlich London: Mit dem Zug sind es knappe drei Stunden, und die Stadt hat einiges zu bieten: Es gibt unzählige Sehenswürdigkeit (St. Pauls, Globe Theater, Millenium Bridge, National Art Gallery...), die man an einem Wochenende kaum alle besichtigen kann. Auch das Nachtleben ist super, wenn auch sehr teuer.
Ansonsten hat mir der Trip nach Leeds sehr gefallen: Leeds ist eine sehr junge Studentenstadt. Entsprechend gibt es an den Wochenenden super Studentenpartys. Wir haben eine Studenten Pub Tour gemacht, und waren im Anschluss auf einer Studentenparty. Das hat wirklich Spaß gemacht, und war auch sehr günstig, gerade im Vergleich zu London.

Fazit

Alles in allem eine meiner besten Famulaturen. Ich habe sehr viel gelernt, ohne mich dabei zu „überarbeiten“. Auch haben die englischen Studierenden ein super social Programm organisiert, sodass es immer etwas zum sehen gab.Daher kann ich sagen, dass ich die Famulatur jederzeit noch einmal machen würde.

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