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Institute for Indian Mother and Child (Indien)

Verschiedene - SCOPH (Public-Health Austausch)
von Lydia, Tübingen

Motivation

Als Medizinstudentin und spätere Ärztin möchte ich das Privileg meiner Bildung nutzen, um Menschen zu helfen, die nur erschwert Zugang zu guter medizinischer Versorgung haben. Zu diesen Ländern zählt Indien, denn in Indien gibt es viel zu viele Menschen für die wachsende Bevölkerung. Deshalb wollte ich meine Zeit in den Semesterferien nutzen, in einem Public Health Projekt in Indien mitzuarbeiten. Das Projekt des „Institute for Indian Mother and Child“ ist mir sofort ins Auge gefallen, weil ich mich für die spezifische Stärkung von Frauen weltweit interessiere. Die Projektbeschreibung hat mir den Eindruck vermittelt, dass ich in dem Projekt einerseits mitanpacken kann und andererseits viel lernen kann. Dementsprechend habe ich nicht lange gefackelt nachdem ich das Projekt entdeckt habe und mich auf einen Restplatz beworben - es hat sich als eine sehr gute Entscheidung herausgestellt :).

Vorbereitung

Ich habe erwartet, mit den Patienten auf Englisch kommunizieren zu müssen und deshalb einen "Medical English Kurs" absolviert. Das hat sich als semi-hilfreich herausgestellt, denn die arme Bevölkerung, mit der man im Projekt arbeitet, spricht kaum Englisch. Die Landessprache in Kalkutte ist nämlich Bengali. Dennoch sind grundlegende Englischkenntnisse wichtig für den Aufenthalt, denn man arbeitet in einem internationalen Team und kommuniziert auf Englisch.

Visum

Man braucht für das Projekt IIMC ein Tourist Visa, das man frühstens zwei Monate vorher beantragen kann. Den Antrag kann man auf der Webseite der Indischen Botschaft ausfüllen und ausdrucken. Ich bin persönlich zum Frankfurter Konsulat gegangen um dann zu erfahren, dass ich nach München hätte gehen sollen. Denn Cave, je nach Bundesland sind unterschiedliche Botschaften für den Antrag zuständig! Die Botschaft hat den Antrag freundlicherweise trotzdem angenommen. Da das E-Visum nur 2 Monate gültig ist, wird es etwa eine Woche vor Abflug per Mail zugeschickt. Das hat gut funktioniert.

Gesundheit

Es ist empfehlenswert, sich in der Tropenklinik beraten zu lassen, welche Impfungen man für Indien braucht. Ich habe zum Beispiel noch eine Tollwutimpfung gebraucht. Malariaprophylaxe habe ich keine genommen und sie war für Kalkutta auch nicht notwendig. Empfehlenswert ist eine Reiseapotheke mit Basics wie Ibuprofen etc. Allerdings bekommt man auch im Projekt Hilfe, wenn man krank wird. Ich würde empfehlen Halsbonbons und ggf. Atemschutzmasken mitzunehmen, denn die Luft in Kalkutta ist sehr verschmutzt und bereitet gerade Asthmatikern Probleme.

Sicherheit

Ich hatte eine Versicherung für meinen Flug und eine kostenlose Haftpflichtversicherung bei der Deutschen Apotheker- und Ärztebank, sollte im Projekt etwas passieren. Für die Wertsachen habe ich ein kleines Schloss mitgenommen, es gibt im Gästehaus in einigen Zimmer Spinde für Wertsachen. Die Sicherheit war aber ganz gut im Gästehaus und ich hatte auch einen Laptop dabei. In Kalkutta kann man tagsüber auch alleine unterwegs sein, ohne sich unsicher zu fühlen. Nachts würde ich es nicht empfehlen, denn als „Weißer“ wird man sehr oft angesprochen und es gibst selbstverständlich einige Orte in Kalkutta, die nachts weniger sicher sind.

Geld

In Indien zahlt man mit Rupees. 1€ = ca. 78 Rupees. Man konnte in der Stadt Euros in Rupees wechseln. Am Anfang habe ich etwas Geld am Flughafen geholt, aber nicht viel. Mit Kreditkarte und Bargeld kommt man gut durch. Da man alles selber zahlt, von Essen über Transport und Registration im Projekt, braucht man schon einiges an Geld. 160€ gehen als Donation für die Unterkunft ans Projekt, zusätzlich würde ich noch einmal etwa 300€ rechnen, vor allem wenn man Geschenke kaufen oder noch etwas reisen möchte. Denn normalerweise gibt es die Möglichkeit, ein Wochenende frei zu nehmen und in dieser Zeit zu reisen - das nötige Geld muss man dafür aber dabei haben.

Sprache

Die Menschen sprechen Bengali und viele sprechen nur sehr schlecht Englisch. Man benötigt daher oft einen Übersetzer. Während des Projekts bekommt man sehr einfachen Bengali Unterricht um die wichtigsten Wörter zu lernen. Wenn man Zeit hat, lohnt es sich, etwas Bengali zu lernen, um mit den Menschen leichter Beziehungen aufzubauen, es ist aber nicht notwendig. Man kommt auch mit Englisch durch den Monat.

Verkehrsbindungen

Nach Kalkutta kann man eigentlich nur fliegen. Es gibt keinen Direktflug und man muss abwägen, ob man günstig mit mehr umstiegen oder teurer mit nur einem Umstieg fliegt. Ich hatte 2 Umstiege, aber das hat gut geklappt und die Flüge haben mit Versicherung 650€ gekostet. Wenn man eine Woche vorher dem Direktor des IIMC, Dr. Sujit, eine Mail schreibt, kann man am Flughafen in Kalkutta abgeholt werden. Im Projekt haben wir uns meistens mit der Metro und TucTucs fortbewegt. Auch eine Uber-App war sehr hilfreich, gerade am Abend.

Kommunikation

Man kann in Indien sehr günstig eine indische Simkarte kaufen und bekommt auch sehr günstig sehr viel Mobile Daten fürs Internet (ich hatte für 5€ im Monate 3Gb pro Tag!), deshalb ist es sehr leicht, über Whatsapp Kontakt zu halten. Postkarten kann man verschicken, aber nur in den großen Postbüros in der Innenstadt (z.B. Park Street) ist es möglich, internationale Post zu verschicken.

Unterkunft

Das gesamte Team von internationalen Voluntären ist in einem Gästehaus untergebracht. Die Unterkunft gehört dem Projekt. Das Leben dort ist sehr einfach, es gibt eine kalte Dusche, das Haus ist nicht super sauber, aber das gemeinsame Leben dort ist sehr schön. Vor allem, weil es eine Dachterrasse gibt, auf der man bis spät in die Nacht sitzen, essen und reden kann :). Für einen Monat ist das Leben im Gästehaus auf jeden Fall akzeptabel und die Menschen machen das Gästehaus zu einem besonderen Ort. Vom Gästehaus ist es etwa 1h zum Projekt. Wir haben uns selbst verpflegt und mussten ein Bettlaken kaufen - das allerdings ein schönes Andenken darstellt.

Literatur

Ich habe den acceptance letter des Projekts IIMC zur Vorbereitung ausführlich gelesen und hatte dadurch ein ganz gutes Bild von dem Projekt – auch wenn ich manche Aspekte in dem Brief erst vor Ort richtig verstanden habe. Sonst habe ich zur Vorbereitung nicht viel gelesen.

Es lohnt sich, gute Bücher für die Zeit im Projekt mitzunehmen, denn in Indien hat man viel „Wartezeit“ und genug Zeit, ein paar Bücher zu lesen.

Mitzunehmen

Sehr wichtig: Mosquitospray! Ich hatte drei Flaschen und das war auch notwendig. Auch Desinfektionsmittel und Feuchtigkeitstücher sind sehr hilfreich, genauso wie auch eine Powerbank und eine Taschenlampe, gerade wenn mal Stromausfall ist. Vermisst habe ich Hustenbonons, weil ich durch die schlechte Luft etwas Halsschmerzen hatte. Überflüssig waren Buntstifte, es gibt in dem Projekt genug Malstifte! Auch warme Kleidung braucht man nicht viel.

Reise und Ankunft

Die Anreise lief glatt und ich wurde vom Team sehr nett empfangen. Die Voluntäre des vorherigen Monats haben sich viel Zeit genommen, uns Neuen alles zu erklären - das ist in diesem Projekt „Tradition“. Ich bin am frühen Morgen zusammen mit einem anderen Voluntär angekommen und wir sind gleich ins Projekt eingestiegen. Der erste Tag war dementsprechen lang, aber gut. In der Indoor Clinic, dem Hauptort des Projekts, sollte man sich möglichst bald nach seiner Ankunft registrieren. Dort hat man auch ein Einzelgespräch mit dem Direktor nach seiner Ankunft und nach und nach Gespräche mit den Leitern der einzelnen Departments. Das Projekt empfängt seit 27 Jahren Voluntäre und ist dementsprechend routiniert in der Aufnahme von Voluntären.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Mein erster Tag war wie gesagt anstrengend, da wir gleich in einer der „Outdoor Clinics“ des Projekts mitgearbeitet haben und auch am Nachmittag zu tun hatten. Es wurde sehr spät, darauf muss man sich in Indien einstellen. Wir arbeiten als Medizinstudenten in verschiedenen Outdoor Clinics und der Indoor Clinic des Projekts. Die medizinischen Tätigkeiten sind sehr Basics, unsere Hauptaufgaben sind die Versorgung von Wunden und Infektionen, Injektionen und Blutdruckmessung. Wenn man viel medizinisch lernen möchte, ist dies nicht das richtige Projekt. Manche Ärzte sind nett und man kann auch mal Blutabnehmen, aber wir haben wenig mit den Ärzten zu tun. Der Direktor des Projekts sagt selbst, dass die medizinische Tätigkeit nur 20% des Projekts ausmacht. Viel wichtiger sind die IIMC Schulen, das Microcredit Programm und der Women Peace Council. Diese Projekte kümmern sich darum, Frauen in den Dörfern zu bilden und ihre Rolle in der Gesellschaft zu stärken. Wir konnten Präsentationen machen um die Frauen zu bilden und haben den Kindern in den Schulen Zähneputzen etc. beigebracht. Wir haben auch Screenings durchgeführt, bei denen wir die Gesundheit von Schulkindern untersucht haben. Der Gesundheitszustand vieler Kinder ist nicht gut, aber mit den Screenings konnten wir zur Frühentdeckung von Augenproblemen u.a. beitragen. Ebenfalls kann man bei dem „Nutrition programme“ des IIMC mithelfen. Dabei wird natürliche Nahrungsergänzung für unterernährte Babys und Schwangere hergestellt, aus Erdnüssen u.a.. Ich habe durch den Einsatz etwas Einblick darin erhalten, was die medizinischen und gesellschaftlichen Nöte der armen Bevölkerung in einem Entwicklungsland wie Indien sind. Man kann das Gelernte schlecht auf Deutschland übertragen, aber wenn man interessiert ist, als Arzt in die Entwicklungshilfe zu gehen, ist dieses Projekt sehr lehrreich. Ich hatte auch die Möglichkeit, einige indische Krankenhäuser zu besuchen und war über den Zustand der Krankenhäuser sehr schockiert, denn die Krankenhäuser sind sehr überlaufen und sehr veraltet. Wir hatten das Privileg, an der ersten Nationalkonferenz für indische Medizinstudenten teilzunehmen (SAMSACON) und konnten so auch ins Gespräch mit indischen Medizinstudenten kommen. Die Idee ist es, auch indische Studenten mit ins Boot zu holen für das Projekt, schließlich ist ihre dauerhafte Mitarbeit viel nachhaltiger. Wenn die Möglichkeit geboten wird, mit den Studenten ins Gespräch zu kommen, kann ich nur empfehlen, die Chance wahrzunehmen - man kann viel lernen und tolle Bekannschaften machen.

Land und Leute

Indien ist bunt, laut, verrückt, chaotisch - einfach wundervoll. Ich habe das Land und die Leute sehr lieben gelernt in diesem Monat. An den freien Sonntagen kann man Kalkutta erkunden. Eine Stadt, die als Kulturhauptstadt bezeichnet wird. Es gibt einige Sehenswürdigkeiten, zum Beispiel das Indian National Museum, das Viktoria Memorial, die St. Pauls Cathedral, die Howrah Bridge, den Flowermarket, Newmarket, den botanischen Garten, das Mother Theresa House u.a. Viele Freiwillige reisen vor oder nach dem Einsatz in Indien, was definitiv empfehlenswert ist, wenn man die Zeit und Finanzen hat. Wenn man ein freies Wochenende hat, reisen viele für ein Wochenende nach Darjiiling oder an andere Orte. Es gibt auch eine Bootstour in der Sonderbar Area, die sehr entspannend sein soll für zwei Tage. Dabei kann man gegebenfalls Tiger sehen. Wir hatten allerdings kein freies Wochenende frei, deshalb konnte ich selbst nicht reisen. Aber Kalkutta selbst ist auch sehr spannend und bietet genug zum Entdecken für einen Monat. Die Inder sind sehr direkt und können einem manchmal unhöflich erscheinen. Aber viele Inder sind auch sehr nett und gastfreundlich. In der Stadt fällt man als „Weißer“ auf und wird oft angesprochen, nach Fotos oder Geld gefragt, das ist etwas anstrengend, aber man kann es nicht ändern. Es ist aber gut darauf zu achten, sich nicht das Geld aus den Taschen ziehen zu lassen. Als Voluntär des IIMC wird man in der Gegend der Indoor Clinic sehr respektvoll behandelt, dementsprechend habe ich mich dort besonders sicher gefühlt. Das indische Essen ist sehr würzig und lecker, wenn man gut gewürzte Curries mag. Allerdings ist das Essen auch sehr kohlehydrathaltig und fettig, frisches Gemüse hat man in dem Monat weniger. Wer gerne gute Schokolade mag, sollte sich vielleicht einen kleinen Vorrat für die Zeit mitnehmen. Viele Leute empfehlen es, das bekannte "Street Food" Kalkuttas auszuprobieren. Ich kann "Momos" empfehlen (chinesische Dumplins). Die meisten Voluntäre bekommen während des Monats auch mal Magenprobleme, deshalb sollte man vorsichtig sein, und Gemüse nur gekocht oder geschält essen. Für mich persönlich ist der Monat geflogen, deshalb ist es gut, alles was man machen möchte, sobald wie möglich zu machen - man weiß sonst nicht, ob die Zeit reicht :D. Ich habe alles gesehen, was ich sehen wollte und bin jeden Sonntag in eine sehr nette, protestantische Gemeinde gegangen, die englischen Gottesdienst macht: die "Assembly of God Chuch" in der Park Street. Sie ist nahe am Stadtzentrum und am Mutter Theresa Haus. Ich kann den Gottesdienst dort sehr empfehlen.
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Fazit

Im Großen und Ganzen bin ich sehr zufrieden mit der Zeit beim IIMC. Ich hätte mir gewünscht, etwas mehr Erziehungsprojekte zu machen, aber ansonsten hat mir die Arbeit im Projekt Spaß gemacht und das Team war toll. Ich würde definitiv wieder nach Indien reisen und gegebenenfalls beim IIMC vorbeischauen. Wenn man viel medizinisch lernen möchte, kann ich das Projekt nicht empfehlen, denn man lernt nicht viel medizinisches. Aber wenn man mehr über die indische Kultur und die Arbeit mit armen Menschen lernen möchte, ist die Arbeit perfekt. Der Aufenthalt war insgesamt teurer als ich erwartet habe, das heißt, man sollte ausreichend finanzielle Reserven bereit haben. In dem Projekt wird einem auch recht unverblümt vermittelt, dass wir Voluntäre eine wichtige Geldquellen für das Projekt sind. Das hat mir nicht gut gefallen, aber ich habe es akzeptiert. Wie bei jedem Auslandsaufenthalt hängt viel von der eigenen Einstellung und Initiative ab, wie man am Ende auf den Monat zurück schaut. Ich bin wie gesagt sehr glücklich mit dem Monat in dem Projekt, durfte etwas über den "Spirit of Volunteering" lernen und möchte auf jeden Fall wieder einen Auslandsaufenthalt wagen.
"The earth offers enough to fulfill everyones need, but not everyones greed." (Mahatma Gandhi)

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