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Finland (FiMSIC)

Radiologie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Sophie, Leipzig

Motivation

Ich war schon immer ein großer Winterfan und wollte gerne mal das Gesundheitssystem in Nordeuropa besser kennenlernen, da die ja einen sehr guten Ruf haben.

Vorbereitung

Nach meiner Zusage musste ich als erstes einige Dokumente auf der IFMSA Plattform hochladen. Das meiste davon hatte ich aber schon zuhause oder habe es vom Referat Lehre bekommen. Etwa 3 Monate vorher kamen dann schon genauere Infos aus Finnland direkt. In deren Welcome Letter wurde dann genau erklärt, was man wann hingeschickt haben muss. In meinem Fall waren das eigentlich nur ein paar Impfungen (MRSA Test war nicht mehr nötig!). Allerdings waren die Leute aus Oulu auch sehr gut erreichbar und konnten alle Fragen beantworten.

Visum

Da der Austausch in ein EU Land ging, war kein Visum nötig.

Gesundheit

Da mein Austausch in Finnland war, habe ich keine besonderen Vorbereitungen getroffen. An Impfungen braucht man die Klassiker und eine aktuelle Grippeimpfung, die ich durch die Arbeit schon hatte. Eine Auslandskrankenversicherung hatte ich durch frühere Auslandsaufenthalte schon.

Sicherheit

Die Sicherheitslage unterscheidet sich im Wesentlichen nicht von der in Deutschland. Ich habe also keine besonderen Vorkehrungen getroffen und würde auch im Nachhinein sagen, dass das nicht nötig ist.

Geld

In Finnland zahlt man mit Euro. Allerdings wird inzwischen sehr wenig noch bar bezahlt. Das meiste geht mit EC- oder Kreditkarte. Die Lebensmittelpreise im Supermarkt unterscheiden sich nicht sonderlich von den Preisen in Deutschland. Allerdings ist das Essen und die Getränke in Restaurant und Bars deutlich teurer als in Deutschland. Ich würde aber sagen, dass die Lebenshaltungskosten in etwa gleich waren.

Sprache

Ich bin mit keinerlei Finnisch-Kenntnissen nach Finnland geflogen. Da die Sprache sehr kompliziert und nicht sonderlich beliebt zu lernen ist, habe ich vor Reiseantritt leider nicht zu viel Selbstlernangebote gefunden. Vor Ort habe ich dann ein paar weniger Wörter gelernt (die Sprache ist halt doch sehr anders). Allerdings ist das Englisch Niveau im Land sehr hoch und man konnte sich auf diese Weise überall verständigen und da Schwedisch auch offizielle Landessprache ist, war auch dies manchmal hilfreich. Im Praktikum selbst hatte ich vor allem mit den Ärzten zu tun, die sich mit mir auf Englisch unterhalten haben. Ich denke, dass das in einer Fachrichtung mit mehr Patientenkontakt schwieriger gewesen wäre.

Verkehrsbindungen

Die Verkehrsverbindungen sind ähnlich denen in Deutschland. Es gibt viele günstige Fernbusse (matkahuolto.fi), ansonsten gibt es teilweise gute Angebote der Bahn. Viele Finnen reisen aber auch längere Strecken mit dem Flugzeug (bei Finnair und Norwegian gibt es einen Rabatt für Personen , die jünger als 26 sind). Der öffentliche Nahverkehr in Oulu bestand aus Bussen. Ich selbst bin aber hauptsächlich mit dem Rad gefahren und so machen das auch die meisten Studierenden vor Ort.

Kommunikation

Die Kommunikation nach Hause war durchs Handy leicht abgedeckt. Das Internetnetz ist sehr gut ausgebaut. Allerdings haben die Finnen Handyverträge ohne begrenztes Datenvolumen und daher selten WLAN zuhause. So auch meiner Wohnung. Ich habe mir dann mit meiner Mitbewohnerin eine Prepaid SIM Karte geholt (ca. 20€) und diese dann als Hotspot für den Monat benutzt.

Unterkunft

Ich habe mir mit einer anderen Austauschstudentin eine Wohnung geteilt. Diese war naher der Uniklinik und es war alles vorhanden (Waschmaschine, Kühlschrank, Herd, Ofen,...). Auch haben wir Bettwäsche und Handtücher gestellt bekommen. Allerdings wird auch im Welcome Letter geschrieben, was man mitbringen sollte und was nicht.

Literatur

Ich habe mich vorher nicht groß über das Land belesen. Man bekommt von FiMSIC einen Welcome Letter in dem schon einige Informationen über Land und Leute zu finden sind, das war sehr hilfreich! Fürs Praktikum habe ich mir ein Radiologielehrbuch mitgenommen, in das ich allerdings kaum geschaut habe.

Mitzunehmen

Da ich im Winter dort war, hat es sich sehr gelohnt genug warme Sachen mitzunehmen! (z.B. auch meine Skihosen, die ich im Endeffekt die Hälfte der Zeit getragen habe...). Außerdem empfiehlt sich für Polarlichter auch eine gute Kamera. Als überflüssig habe ich nicht wirklich etwas empfunden. Allerdings braucht man außer guter Winter- und Sportkleidung nicht viel anderes als sonst beim Reisen durch Europa mitzunehmen.

Reise und Ankunft

Ich bin ca. eine Woche vor Praktikumsbeginn in den Norden nach Lappland geflogen. Das hat alles ohne Probleme funktioniert und die Natur dort ist wirklich super schön! Zu meinem ersten Praktikumstag hat mich meine CP gebracht, wo wir auch relativ schnell meinen Instructor gefunden haben. Der hat mich dann durchs Krankenhaus geführt, mir einen Praktikumsplan gegeben und war auch später für alle Fragen gut zu erreichen.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe meine Famulatur in der Radiologie verbracht. Am ersten Tag wurde ich dort von meiner CP hingebracht und von meinem Instructor abgeholt. Ich habe auch gleich einen Plan bekommen, in welcher Abteilung ich an welchem Tag sein werde und mir wurde daraufhin auch alle Abteilungen einmal gezeigt. (Das Krankenhaus ist allerdings sehr verwirrend, also kommt man ohne mehrmaliges Nachfragen meist nicht aus :D) Ich habe in den 4 Wochen so ziemlich alle Bereiche der Radiologie kennengelernt (Ultraschall, Muskuloskelettale, Notfall, Body, Kinder, Interventionelle, Mamma und Nuklearmedizin). In den meisten Bereichen war ich für etwa 3 Tage und meistens mit einem Assistenzarzt oder Facharzt unterwegs. Diese haben mir viel auf Englisch erklärt und konnten auch auf alle meine Fragen antworten. Ein paar waren selber mit der IFMSA als Studierende im Ausland und haben sich gefreut darüber mal wieder jemanden zu treffen. Selbstständig konnte ich leider nicht so viel machen, da ich kein Finnisch spreche. Meistens war es aber trotzdem interessant genug. Ab und zu waren noch andere finnische Medizinstudierende zur Vormittagsveranstaltungen da, was aber keinen großen Unterschied gemacht hat. Der Tag ging meistens um 7.45 mit einer Lehrveranstaltung für die Assistenzärzte los, diese war leider meistens auf Finnisch und hat mir deshalb eher weniger gebracht. Dann ging es meistens zwischen 10.30 und 11.30 zum Mittagessen. So früh essen ist aber eigentlich auch für die Finnen nicht üblich. Schluss war meistens gegen 15.30. Das Gesundheitssystem von Finnland war nicht grundlegend verschieden vom Deutschen. Allerdings werden im Krankenhaus alle mit Kleidung eingedeckt (Personal und Studierende tragen alle dasselbe und Patienten kriegen auch Krankenhauskleidung gestellt) und die Patientenakten komplett digital. Dadurch konnte man oft und schnell auf Informationen aus anderen öffentlichen Krankenhäusern zugreifen. Auch die Patienten bekommen Einsicht in ihre Krankenakte über Log in Daten im Internet. Das Gesundheitssystem ist in Finnland auch in privaten und öffentlichen Bereich geteilt. Allerdings sind die Versicherungen in Finnland etwas anders aufgebaut als hierzulande, so dass der private Bereich von einem größeren Anteil von Leuten genutzt wird. Das Local Committee erklärt die groben Eckdaten und ein paar fun facts auch im Rahmen eines Welcome Dinners. Ein großer Unterschied zu Deutschland ist, dass Studierende bereits ab dem 4. Studienjahr in den Ferien als Ärzte arbeiten können, was auch viele tun und dadurch so etwas wie unbezahlte Famulaturen im fortgeschrittenen Studium nicht kannten.

Land und Leute

In der Woche vor meinem Praktikum bin ich durch Lappland gereist. Dafür bin ich zuallererst in den hohen Norden nach Ivalo, wo ich ein paar Tage verbracht habe. Unter anderem war ich dort im nördlichsten Skigebiet unterwegs, allerdings gab es sonst dort eher weniger zu tun. Danach war ich noch ein paar Tage in Rovaniemi, der Hauptstadt Lapplands. Das war schon etwas touristischer. Die meisten Orte hat man mit den Bussen gut erreicht. Während des Praktikums waren wir dann zu dritt noch zweimal in Lappland. Einmal haben wir uns einen Mietwagen genommen und waren in Ylläs. Einem der größten Ski- und Sportgebiete, wo wir noch einmal Snowboard gefahren sind und eine Schneeschuhwanderung gemacht haben. Ansonsten konnte man eigentlich überall die klassischen Wintersportarten ausprobieren (von Ski-Langlauf bis Snowmobil fahren). Das letzte Wochenende vor meiner Heimreise habe ich dann in Helsinki verbracht. Dort fliegen quasi stündlich Flieger von Oulu aus hin und die Hauptstadt hat nochmal ihren eigenen Flair, passt aber gut zu meinem Gesamtbild von Finnland. Ich habe in den 6 Wochen, die ich da war, die Leute als sehr entspannt und weniger gestresst empfunden als hier in Deutschland. Dass die Leute eher introvertiert sind kann ich so auch bestätigen. Allerdings wurde ich oft vorgewarnt, dass die Leute eventuell sehr wortkarg sind, was ich wirklich nur sehr selten erlebt habe. Die meisten waren doch sehr offen. allerdings komme ich auch aus Norddeutschland und verstehe unter Wortkar eventuell etwas anderes als Leute aus dem Süden des Landes.. ;)
Die Leute wirken generell sehr zufrieden, weshalb ich gut nachvollziehen konnte, warum sie schon zum zweiten Mal in Folge zur glücklichsten Nation geführt wurden. Allerdings hat das Land auch eine ziemlich hohe Suizid und Alkoholabhängigen-Rate, was die meisten auf die Lange Dunkelheit im Winter beziehen. Sie stehen deshalb der Aussage zum Nationenranking aber auch etwas kritisch gegenüber. Ansonsten sind viele Leute sehr naturbewusst und verbringen viel Zeit an der frischen Luft (wenn es nicht gerade -30°C sind). Politisch und wirtschaftlich ist das Land stabil. Die Regierung ist in der Zeit, in der ich da war zwar zurückgetreten, allerdings hatte das eher einen symbolischen Charakter, da im nächsten Monat die Wahlen anstanden und sie eine Gesundheitsreform nicht durchbekommen haben. Auch das Essen hat sich nicht grundlegend vom deutschen unterschieden. Allerdings gibt es natürlich Salmiakki (salzige Lakritz), die sehr typisch fürs Land sind und noch ein paar andere landestypische Dinge, die einem die Leute vor Ort aber auch näher bringen (das meiste hat mir persönlich auch deutlich besser geschmeckt als Lakritz). Ich habe mich vor meinem Praktikum sehr darauf gefreut einmal Polarlichter sehen zu können. Das hat leider in der ganze Zeit nicht wirklich geklappt, aber auf das Wetter hat man leider keinen Einfluss.. Das ist für mich allerdings auch ein schöner Anreiz nochmal dorthin zu fahren!

Fazit

Meine Erwartungen an das Praktikum wurden komplett erfüllt! Ich kann mir vorstellen, dass das viele rumsitzen und wenige selbstständige Arbeiten den ein oder anderen auch nervt, allerdings habe ich mich bei den Leuten immer sehr wohl gefühlt und es nicht als störend empfunden, dass ich quasi nur "Zuhörer" war. Auch sonst habe ich viele nette Menschen getroffen und würde sehr gerne nochmal der hinreisen!

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