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Czech Republic (IFMSA-Czeck Republic)

Anästhesie - SCOPE (Famulaturaustausch)
Anonym

Motivation

Das Ende meines Studiums näherte sich und ich wollte unbedingt noch einmal die Chance nutzen, ein paar klinische Erfahrungen in einem anderen Land zu machen. Es ging mir auch darum, mit einer mir völlig fremden Sprache umzugehen, aber gleichzeitig auch zu wissen, dass der medizinische Standard nicht völlig vom deutschen abweicht, sodass ich auch fachlich etwas weiterkomme. Zudem hat Osteuropa (wie ich jetzt lernte ist es ZENTRALEUROPA) eine besondere Anziehungskraft auf mich und da schien mir Tschechien perfekt! Und es war die richtige Entscheidung. Dass ich nach Prag kam, war natürlich pefekt:)

Vorbereitung

Ich habe über unsere Fachschaft von dem Programm erfahren, habe mir daraufhin die Homepage angeschaut und geforscht, welche Länder mich ansprechen (ich hatte damals keine Lust auf völlige Exoten) und ein paar Erfahrungsberichte gelesen. Als ich mich damit auseinandergesetzt hatte und v.a. wie was abläuft (sehr gut auf der BVMD Seite beschrieben), habe ich überlegt, welche Fachbereiche mich am ehesten ansprechen und habe mir dort vorgenommen, nicht zuuuu viel direkten Patientenkontakt zu haben, da ich kein Tschechisch spreche und die Visiten auf reinem Tschechisch erschienen mir wenig attraktiv. Und das war eine gute Entscheidung, denn auf ITS und im OP hatten die Ärzte deutlich mehr Zeit, mir Dinge auf Englisch zu erklären und zudem waren es absolut spannende Fälle, wodurch ich wirklich viel gelernt habe!! (auch wenn bei weitem nicht alle Ärzte und schon gar nicht Schwestern Englisch sprechen konnten).
Für die Bewerbung musste ich einen Sprachtest machen, der super easy über das Englische Seminar zu belegen war und die auch sehr PRO Studenten eingestellt waren.
Es wurde eine HepB-Impfung und ein TB-Test verlangt, aber niemand wollte das sehen, was etwas dumm war, weil der TB-Test 70 Euro gekostet hat, aber nunja, das war es mir trotzdem wert.
Ich habe noch eine zusätzliche Auslands-Krankenversicherung abgeschlossen, die aber auch wirklich günstig ist.

Visum

Es ist kein Visum erforderlich als EU-Mitgliedstaat.

Gesundheit

Ich habe eine Auslandszusatzversicherung abgeschlossen, musste einen HepB-AK-Titer nachweisen und einen TB-Test machen. Ich musste letztlich niemanden diese Dokumente zeigen (was in einem anderen Erfahrungsbericht auch schon beschrieben wurde..), aber mein LEO aus Tschechien meinte, ich solle diese Test in jedem Fall machen

Sicherheit

Tschechien ist ein EU-Staat und hat einen guten Lebensstandard, gerade Prag ist sehr touristisch geprägt, ich hatte also keinerlei Sorge. Deshalb habe ich auch keine Vorkehrungen getroffen. Und das hat sich als richtig erwiesen. Prag ist eine sichere Stadt, das einzig, was zu beachten wäre ist die Touristenabzocke in der Altstadt und wahrscheinlich so einige Taschendiebe..

Geld

In Tschechien zahlt man mit tschechischen Kronen. 1 Euro entsprechen in etwa 25 Kronen. Mit Kreditkarte kann man in fast allen Läden und Restaurants zahlen und wenn nicht, findet man genügend ATMs zum Wechseln. Wobei ATMs auch nicht die beste Wahl sind. In Banken zu gehen wurde mir empfohlen. Aufpassen würde ich im Zentrum mit Abzocke-Währungstauscher. Auch am Flughafen sind wohl einige Betrüger unterwegs..Schaut auf jeden Fall den Wechselkurs im Internet im Voraus an.

Sprache

Ich spreche kein Tschechisch. Ich habe mir im Voraus auf der Hinfahrt im Zug die gröbsten Wörter eingeprägt, was auch sehr gut bei den Tschechen ankam. Wenn man sich zumindest bemüht, freuen sie sich. Sonst habe ich vorwiegend Englisch gesprochen und gerade die jüngerern Generationen sprechen dieses sehr gut.

Verkehrsbindungen

Ich bin mit dem Zug für 30 € angereist und die Rückfahrt ist 25€ mit Flixbus, also alles völlig in Ordnung. Prag hat auch einen Flughafen, aber wir sollten ja versuchen den Gebrauch dieses Verkehrsmittels zu minimieren.:)

Kommunikation

Wenn man in Deutschland eine Flat hat, dann gilt die auch für das Ausland, also das ist wirklich kein Problem in der EU. Im Dormitory hatten wir eduroam, also auch super. Und es war auch nur ein Monat

Unterkunft

Die Organisation hat uns einen Schlafplatz in einem Studentenwohnheim organisiert. Hier war ich zusammen mit einer Tschechin in einem Zimmer. Küche (mit wirklich NICHTS an Utensilien) und Bad wurden mit dem ganzen Flur geteilt. Witzige Erfahrung war, dass man sein eigenes Klopapier mitbringen muss :D Der lange Korridor voller Studenten war leider relativ anonym, aber durch meine Mitbewohnerin bin ich doch in eine lustige Truppe des Wohnheims eingebracht worden, wofür ich sehr dankbar bin. Viele Leute an der Rezeption sprechen nicht ein Wort Englisch, aber meist findet sich ein hilfsbereiter Student, der übersetzt oder eben google.

Literatur

Youtube: honestguide Prague gibt ein paar nette Tipps für das Erkunden Prags.
Die Free guide tour von generation tours kann ich sehr empfehlen.
Fremdsprachige medizinische Literatur habe ich nicht gelesen, nur ein paar englische Vokabeln angeschaut.

Mitzunehmen

Nichts Besonderes: Weißer Kittel, weiße Hose, weißes Tshirt und weiße Schuhe, wobei im OP und auf ITS Kleidung gestellt wird. Sonst Jahreszeit entsprechend packen. Überflüssig wäre es gewesen seine eigene Bettsachen mitzunehmen (wurde empfohlen und ich habe es zum Glück nicht gemacht). Wenn man Kochen will, sollte man sich dafür Kram mitnehmen. Ich war sehr dankbar für das Geschirr und die Tupperdosen, die ich mitgebracht habe, Bademantel ist wahrscheinlich praktisch und Badelatschen sind dringend zu empfehlen.

Reise und Ankunft

Anreise lief super, meine Kontaktperson hat mich am HBF abgeholt und mich dann zu dem Wohnheim gebracht. Ich hatte zwei freie Tage bis Praktikumsbeginn. Im Krankenhaus habe ich alles selbst organisiert, was etwas schwierig war, weil alles nur auf Tschechisch ausgeschildert ist:D Aber die Leute waren so nett, dass sie mich sogar weite Strecken zu den ersten Anlaufstellen begleiteten. Also alles easy.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe mein Praktikum in der Anästhesie, Reanimation und Intensivmedizin gemacht. Ich kann dies absolut empfehlen, ich habe viel gelernt und die Ärzte sind ziemlich gut ausgebildet, denn Prag ist das Maximalversorgerkrankenhaus der Tschechischen Republik. Die erste Woche war ich auf der ITS for adults und habe dort viel über respiratorisches Versagen und deren Behandlung verstanden. Es ging von Lungentransplantationen, über therapierefraktäre Pneumonien bis hin zu Influenza bedingtem respiratorischen Versagen. Daher habe ich viel über Beatmung und die feinregulierteren Einstellungen verstanden. BGAs haben wir zusammen ausgewertet und dadurch fühle ich mich in dem Bereich auch deutlich sicherer. Herz-Kreislauf-Monitoring ging von invasivem RR-Messungen bis zum Swan-Ganz oder Picco-Katheter, was sie mir auch alles sehr gut erklärten und zu interpretieren lehrten. Sogar ECMO wird hier angewandt, habe ich allerdings nicht gesehen. Nieren- und Leberversagen, Pankreatitiden sowie Sepsis waren zu sehen und die Behandlungen sind ähnlich wie in Deutschland.
Außerdem war die ITS auch für das Polytrauma-Management zuständig, also habe ich 3 solcher Fälle begleiten dürfen und dadurch auch eine Menge gelernt.
Etwas blöd war in dieser Woche, das sich absolut niemand für mich zuständig fühlte und ich lernen musste, wirklich alles selbst abzuholen, die Leute anzusprechen, meine Fragen stellen zu können oder etwas mehr über die aktuellen Prognosen oder Plänen zu erfahren. Es wäre schön gewesen, ein bisschen „behüteter“ aufgenommen zu werden. Es gab auch durchaus Ärztinnen, die kein Wort mit mir geredet haben, mich tatsächlich ab dem ersten Moment ignoriert haben. Aber es gab zum Glück auch andere.:)
Die Akten kann man tatsächlich relativ gut verstehen, also scheut euch nicht dort reinzuschauen. Und sonst google translate nutzen;)
Die zweite Woche war ich auf der Kinder-ITS. Motol hospital ist bekannt für seine Pädiatrie, da die Klinik zu Sowjetischen Zeiten rein pädiatrisch arbeitete. Hier waren auch wahnsinnig (!!) kompetente Ärzte, von denen die Oberärztin sogar Deutsch sprach. Die Station war relativ ruhig die Woche, aber es war toll zu sehen, dass 2 Patienten aus schweren Lagen besserten. Auch war die Station sehr hell und modern ausgestattet.
Die letzten 2 Wochen war ich in der pädiatrischen Kardiochirurgie und der daran angelagerten interventionellen Kardiologie. Prag ist das einzige kinderherzchirurgische Zentrum in Tschechien, also habe ich unfassbar viele verschiedene Herzfehler und deren Operationen beobachtet. Das war wirklich spannend! Von der Anästhesie Seite war ich hier bei der Oberärztin eingeteilt, die sich sehr um mich kümmerte, auch wenn sie kaum Englisch sprach. Die Anästhesie Einleitung war beeindruckend, denn 2 Tage alte Neugeborene sicher und mit eine Geschwindigkeit zu intubieren, ZVKs und Zugänge zu legen, zeigt schon eine Menge Erfahrung.
Das einzige, was ich fachlich zu bemängeln hätte, ist, dass ich kaum etwas machen durfte: Auf der ITS war natürlich schon alles angeschlossen und im OP durfte ich vereinzelt Zugänge legen und mal das Intubieren versuchen. Also hinsichtlich praktischer Fertigkeiten habe ich mich kaum weiterentwickelt.
Aber man weiß ja auch nie, wie die Lehre in anderen Ländern abläuft. Es ging den anderen exchange Leuten ähnlich-sie durften meistens auch nur zugucken.

Land und Leute

Die Tschechen wirken im ersten Moment etwas verschlossen, sind aber, wenn man sie genauer kennenlernt hilfsbereite und freundliche Menschen. Ich habe tolle Erfahrungen gemacht mit Leuten, die mich zu den gewünschten Zieladressen begleiteten oder mir anboten, mich zum Essen einzuladen, was mir so in Deutschland eher selten passiert. Zum Essen lässt sich sagen, dass man als Vegetarier eher länger suchen muss, denn sie haben die deftige böhmische Küche ist schon eher fleischlastig:D Generell findet man auch viel leckeres Gebäck überall.
Sie sind eher keine ausschweifenden Redner, aber das finde ich auch irgendwo sympathisch. Ich hatte Anschluss in einer Truppe Tschechen und einem Slowaken, die mich zu jeglichen Treffen einluden, mich voll integrierten und super glücklich waren, dass ich mit dabei war. Sie hatten einen herrlichen Humor und waren durchaus trinkfreudig :D und luden mich auch ständig ein.
Ein paar Ausflüge durch die Gegend (zum Beispiel Burg Karlstejn!) unternahmen wir auch zusammen und dabei konnte wir uns dann sehr gut über Politik (Wahl in der Slowakei), ihren Nationalstolz, Zeiten des Kommunismus` und Widerständen, Problematik mit Zigeunern uvm. unterhalten.
Die wirtschaftliche Lage in Tschechien ist sehr gut, sie haben die geringste Arbeitslosigkeit Europas und von daher ist alles super ausgebaut und in Prag selbst sieht man eigentlich kaum ein zerfallenes Haus oder heruntergekommene Ecken (Die Stadt ist auch UNESCO-Weltkulturerbe, von daher kommt daher auch einiges Geld. Aber es ist wirklich eine tolle Stadt, die nahezu vom Krieg verschont geblieben ist).
Um Prag zu erkunden, kann ich in jedem Fall free guides tours empfehlen und da v.a. die NewTown Tour, weil hier viel über die Geschichte erzählt wird. Ich war auch im Nationalmuseum und in einer Ausstellung über die Czech-Slovakian Beziehungen und in einer Ausstellung über den Widerstand unter dem Nazi-Regime. Alles kann ich empfehlen, denn man merkt, wie verbunden die tschechische Geschichte mit der deutschen ist.
Das spiegelt sich auch darin, dass die Schüler bis heute noch Deutsch an den Schulen lernen. Sie sind außerdem auch sehr an dem Leben, der Politik, dem Arbeitsleben und der für sie faszinierenden Ordnung in Deutschland (Sprache, Pünktlichkeit, Wirtschaft..) interessiert und fragen auch gezielt nach Dingen, über die sie sich Gedanken machen.
Also herrschte stets ein reger Austausch und es hat viel Spaß gebracht und hat einem nochmal die Augen bezüglich mancher Themen geöffnet.:)
Auch luden alle mich ein, jeder Zeit willkommen zu sein

Fazit

Somit habe ich in diesem Monat (der dann doch geschwind vorbeiging) eine Menge bereichernder Erfahrungen gemacht. Von fachlichen Zugewinnen, die ich nicht in der Form erwartet hätte, bishin zu kulturellen und menschlichen Erfahrungen, war alles dabei. Ich habe es sehr genossen, das schöne Prag zu erkunden, leckeres, absolut preiswertes Bier zu genießen und die Zeit mit lokalen und exchange Leuten zu verbringen. Wirklich tolle Erinnerungen! Ich kann solch einen Austausch nur empfehlen und das schöne ist, dass man immer wieder merkt: Überall auf der Welt gibt es nette Menschen!:)

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