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Costa Rica (ACEM)

Notfallmedizin - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Johanna, Lübeck

Motivation

Schon seit Anfang meines Studiums stand für mich fest, dass ich auch Erfahrung in Krankenhäusern und Gesundheitssystemen außerhalb von Deutschland sammeln möchte. Um meine Spanischkenntnisse zu verbessern sollte es ein spanischsprachiges Land werden. Costa Rica habe ich mir ausgesucht, weil ich gehört hatte, dass das Land eines der besten Gesundheitssysteme Lateinamerikas haben soll. Außerdem haben mich Erzählungen über die unglaublich artenreiche Natur neugierig gemacht.

Vorbereitung

Auf den bvmd-Austausch bin ich in einem der ersten Semester über eine Infoveranstaltung zu Auslandsaufenthalten aufmerksam geworden. Ich bin dann auch recht schnell der AG Austasch unserer Fachschaft beigetreten. Die Mitarbeit in der AG kann ich jedem, der überlegt bei dem Austausch mitzumachen nur empfehlen. Dadurch bekommt man schonmal einen Eindruck wie das ganze abläuft. Ich habe mich ca. 9 Monate vor dem Austausch bei der bvmd beworben. Bis ich alle Unterlagen beisammen hatte hat es etwas gedauert. Man sollte früh genug vor Bewerbungsfristende anfangen. Was man genau braucht erfährt man auf der Internetseite der bvmd. Auch sollte man sich auf der Seite der ifmsa informieren, ob noch spezielle Unterlagen bei Bewerbung auf bestimmte Länder benötigt werden. Ich hatte Schwierigkeiten kurzfristig ein spanisch Sprachzertifikat zu bekommen. Am Ende habe ich eine Sprachschule im Internet gefunden, die auch online Sprachzertifikate nach europäischem Standard vergibt. Dieses Sprachzertifikat wurde dann auch akzeptiert.

Visum

Ich bin problemlos mit einem Touristenvisum ins Land eingereist. Darum muss man sich im Vorfeld nicht kümmern. Man füllt Flugzeug einfach einen kleinen Fragebogen aus.

Gesundheit

Vor Reiseantritt stand mir ein kleiner Impfmarathon bevor. Voraussetzung für die Arbeit in Costa Ricanischen Krankenhäusern sind folgende Impfungen: Hepatitis B, Mumps Masern, Röteln, Windpocken, Tetanus, Keuchhusten, Diphterie, Grippe und Pneumokokken. Zusätzlich habe ich auf Empfehlung dann noch die Tollwut Impfung und Hepatitis A aufgefischt und eine Cholera Schluckimpfung eingenommen. Gelbfieber ist keine Voraussetzung, aber wenn man vor oder nach dem Praktikum noch weiterreisen möchte sollte man überlegen sich impfen zu lassen. Ich konnte aufgrund der fehlenden Gelbfieber-Impfung in der Karibik nicht spontan nach Panama reisen. Eine ganz normale Reiseapotheke habe ich mitgenommen. Man bekommt allerdings überall in Costa Rica in den vielen Apotheken die gängigen Medikamente.

Sicherheit

Vor Antritt der Reise habe ich eine Auslandskrankenversicherung abgeschlossen. Ich hatte vorher gehört, dass Costa Rica ein sehr sicheres und politisch stabiles Reiseland ist. So habe ich es dann auch fast immer wahrgenommen. In den touristischen Gebieten hatte ich nie Probleme. In San José sollte man sich vorher informieren welche Stadtteile man als Europäer lieber nicht zu Fuß erkundet. Außerdem sollte darauf achten, keinen Schmuck oder andere Wertsachen öffentlich zu tragen. Gerade als allein reisende Frau ist es hilfreich wenn man selbstbewusst auftritt und es deutlich äußert wenn einem mal jemand zu nahe kommt.

Geld

Die Landeswährung in Costa Rica ist Colon. 1€ sind ungefähr 670 Colones. Man kann auch überall mit Dollar zahlen. Dann ist der Umrechnungskurs aber meistens ungünstiger. Generell empfiehlt es sich immer mit der Währung zu zahlen, die auf dem Preisschild angegeben ist. (Das kann in touristischen Gebieten auch Dollar sein) Vor Reiseantritt habe ich kein Geld umgetauscht. Ich konnte mit meiner Visa-Kreditkarte problemlos Geld an allen Automaten abheben. (Colones und Dollar) Man sollte sich allerdings vor einem Trip immer informieren, ob es in dem Ort einen Bankautomaten gibt. Einige Hostels akzeptieren nur Barzahlung.
Im Vergleich zu den Nachbarländern sind die Lebenshaltungskosten in Costa Rica hoch. Mir ist das vor allem im Supermarkt aufgefallen. Die öffentlichen Verkehrsmittel sind dafür sehr viel günstiger.

Sprache

Die Landessprache in Costa Rica ist Spanisch. Das Spanisch wird hier sehr schnell, aber deutlich gesprochen. Da ich als Schülerin ein Jahr in Chile gelebt habe spreche ich fließend Spanisch und hatte keine Probleme mit der Kommunikation. Wenn man das Land nur zu touristischen Zwecken besucht kommt man auch ganz gut mit Englisch zurecht. Damit man im Krankenhaus auch etwas lernt und gut mitarbeiten kann ist aber ein höheres Level als Schulspanisch dringend zu empfehlen.

Verkehrsbindungen

Sowohl mein Hin- als auch der Rückflug war kein Direktflug. Von Frankfurt gibt es zwei Mal wöchentlich einen Direktflug in die Hauptstadt San José.
Das ganze Land lässt sich sehr gut per Bus bereisen. Fast alle Busverbindungen gehen von San José aus und man erreicht in 4 bis 7 Stunden mehrmals täglich jeden Ort. Eigentlich sind die Distanzen gar nicht so groß, aber durch die teilweise sehr schlechten Straßenverhältnisse kommt es oft zu Verspätungen. Wenn man vor hat sich ein Auto zu mieten sollte man darauf achten einen Wagen mit Allradantrieb auszusuchen. Taxifahren ist im Vergleich zu Deutschland sehr günstig. 90% der Taxifahrer versuchen es auszunutzen, wenn ein europäisch aussehender Mensch zusteigt. Um teure Überraschungen zu vermeiden sollte man also immer darauf achten, dass das Taximeter angeschaltet ist. Von Locals wurde mir empfohlen Uber zu nutzen.

Kommunikation

Ich habe während der ganzen Zeit in Costa Rica ausschließlich über WhatsApp kommuniziert. Günstige PrePaid Karten sind an jedem Kiosk zu haben. Am Flughafen und in einigen Bussen gibt es kostenloses WLAN.

Unterkunft

In den vier Wochen meiner Famulatur bin ich bei einer Gastfamilie untergekommen. Ich habe mit meiner Gastmutter, zwei Brüdern und einem Cousin in einem für Costa Ricanische Verhältnisse recht großen Haus gewohnt. Die ganze Familie war super nett und sehr hilfsbereit. Mein Gastbruder, der auch Medizinstudent ist hat außerdem einige Ausflüge mit mir gemacht. Die Studenten, die in Costa Rica am Austauschprogramm teilnehmen möchten, müssen vorher einen Gaststudenten aufnehmen. Da die Studenten meist noch in ihren Familien wohnen, hat man direkt Anschluss und kann die Costa Ricanische Kultur noch besser kennen lernen.

Literatur

Als Vorbereitung habe ich mir einen Reiseführer angeschafft. Außerdem habe ich mir in der örtlichen Stadtbibliothek weitere Reiseliteratur ausgeliehen. Auch per Google findet man unzählige Seiten und Blogs mit nützlichen Tipps.

Mitzunehmen

Ich bin mit einem Rucksack nach Costa Rica gereist. Das empfiehlt sich vor allem wenn man vor hat das Land noch weiter zu erkunden. Ein Rollkoffer wäre aufgrund der vielen Schotterpisten einfach nur unpraktisch. Im Gepäck hatte ich vor allem kurze Hosen und T-Shirts. Meine Trekkingschuhe habe ich auch ein paar Mal benutzt. Normale Laufschuhe hätten aber auch gereicht. In San José kann es auch mal kälter werden. Deswegen war ich froh über lange Hosen und einen Pulli. Im Krankenhaus habe ich Kasacks getragen. Andere Studenten hatten einfach einen Kittel über ihren normalen Sachen. Hier ist zu beachten, dass im Krankenhaus ein formeller Dresscode gilt. Man sollte auf keinen Fall eine Regenjacke, Drybags für Elektronik und einen Regenschutz für den Rucksack vergessen.

Reise und Ankunft

3 Wochen vor Famulaturbeginn ging es für mich nach Costa Rica. Die drei Wochen habe ich genutzt um möglichst viel von Land und Leuten kennen zu lernen. Am Tag vor Famulaturbeginn hat mich mein Gastbruder in meinem Hostel in San José abgeholt. An meinem ersten Tag im Krankenhaus hat mich ein Student vom Costa Ricanischen bvmd-Pendant begleitet und meinem Tutor vorgestellt.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich war in Costa Ricas Hauptstadt San José im Hospital San Juan de Dios in der Notaufnahme eingeteilt. Das älteste und eines der drei größten Krankenhäuser der Maximalversorgung in Costa Rica. Meine Arbeitszeit ging von 7:30 Uhr bis 15:00 Uhr. Eine Mittagspause konnte ich immer machen. Nach meinem ersten Tag im San Juan de Dios war ich ziemlich erschlagen von den vielen Eindrücken. Nach der ersten Woche hatte sich der kleine Kulturschock aber gegeben. In Costa Rica läuft vieles unkoordinierter und langsamer ab als in Deutschland. So teilen sich zum Beispiel fast immer mehrere Patienten eine Untersuchungsliege. Das Thema Datenschutz und Privatsphäre wird meistens ignoriert. Auch die hygienischen Standards sind deutlich niedriger als in Deutschland. Desinfektionsmittel und Handschuhe standen leider nicht immer zu Verfügung. Viele Bereiche des Krankenhauses waren deutlich älter und mit älterer Technik ausgestattet als wir es aus Deutschen Kliniken kennen. Allerdings werden nach und nach alle Teile des Krankenhauses renoviert. So war das Herzkatheterlabor und der OP-Trakt mindestens genau so, wenn nicht sogar moderner als in manchen deutschen Krankenhäusern.
Ich war die ganzen vier Wochen einem Arzt zugeteilt. Dieser hat morgens immer Unterricht am Patientenbett gemacht. Besonders gut hat mir dabei gefallen, dass auch immer noch zwei Costa Ricanische Studenten dabei waren. So konnte ich Kontakte knüpfen und mehr über das Costa Ricanische Medizinstudium lernen. Meist haben wir dann einen Patienten genauer untersucht und befragt und ihn nachher dem Arzt vorgestellt. Nachmittags bin ich meist mit den Assistenzärzten mitgelaufen. Da beschränkte sich meine Tätigkeit fast immer auf das Blutdruckmessen. Praktische Fähigkeiten habe ich dadurch leider nicht erlernt. Fragen haben mir aber alle Ärzte immer gerne beantwortet.
Als der mir zugeteilte Arzt ein paar Tage frei hatte habe ich privat einen Orthopäden gefragt ob ich ihn begleiten darf. Der hat sich sofort total gefreut und mich direkt mit in seine Sprechstunde genommen. Mit ihm habe ich dann auch einen Tag im OP verbracht. Dort durfte ich, teilweise sogar alleine mit ihm, am Tisch stehen und assistieren.
Mir sind besonders die vielen chirurgischen Patienten in der Notaufnahme in Erinnerung geblieben. Viele Motorradfahrer in Costa Rica fahren alkoholisiert und trotz Helmpflicht ohne Helm. Deswegen häuften sich vor allem Montags die Patienten mit Schädel-Hirn-Traumen.
Generell sind alle Ärzte, Studenten und auch das Pflegepersonal super nett, offen einem Dinge zu erklären und interessiert.

Land und Leute

Costa Rica hat viele schöne Strände und unberührte Nationalparks. Man kann Affen, Faultiere, Aras, Tukane und viele andere Tiere in ihrer freien Wildbahn beobachten. Die Küsten Costa Ricas gehören zu den besten Surfrevieren der Welt und sowohl Anfänger, als auch Surfprofis kommen auf ihre Kosten. Das Land ist Touristisch sehr gut erschlossen, was es für Alleinreisende und Backpacking-Anfänger super einfach macht.
In den drei Wochen vor Famulaturbeginn bin ich die Westküste Costa Ricas von Norden nach Süden heruntergereist. Während der Famulatur habe ich Wochenendausflüge in die Karibik und auch an die Westküste gemacht. Außerdem hat mein Gastbruder mit mir Tagestouren zu einem Vulkan und einem Wasserfall unternommen. Von San José aus hat man gefühlt 100 Möglichkeiten kürzere Tagestouren zu unternehmen. Das Land ist so klein, dass man überall schnell hinkommt. Mir hat leider die Zeit gefehlt das Landesinnere noch mehr zu erkunden.
Am besten hat es mir am Playa Santa Teresa (super Surfspot) und im Hostel Jungla del Jaguar an der Grenze zum Corcovado Nationalpark (tolle Natur und absolute Abgeschiedenheit) gefallen.
Zwischen den Monaten September und April ist Trockenzeit in Costa Rica. Ich hatte Glück und es hat in den insgesamt sieben Wochen, die ich im Land war kaum geregnet. Nur an dem Wochenende an der Karibikküste war es von Freitag bis Sonntag nicht eine Minute trocken. Wenn man in der Regenzeit reist kann es passieren, dass es jeden Tag ab mittags kübelartig regnet. Ich habe mir von den Einheimischen erzählen lassen, dass dann vor allem an der trockenen Westküste die Natur richtig aufblüht. Außerdem hat man bessere Chancen die vielen Tiere zu beobachten, die dann auf Nahrungssuche an die Küste kommen.
Kulturell hat vor allem San José viel zu bieten. Die Stadt bemüht sich seit einigen Jahren das Stadtbild zu verbessern. So war zu meiner Zeit in der ganzen Innenstadt eine Skulpturenausstellung zu sehen. Unter den vielen Museen San Josés hat mir das Mueso Nacional am besten gefallen. Es gibt viele Theater und einige echt schöne Parks (vor Betreten der Parks immer die Einheimischen nach der Sicherheit fragen!).
Gallo Pinto - Reis mit Bohnen - ist für Costa Ricaner wie das Brot für die Deutschen. Der typische Costa Ricaner hat keine Probleme damit dreimal täglich Gallo Pinto zu essen. Auch frittierte Banane gehört fest auf den Costa Ricanischen Speiseplan. Ich als Vegetarierin bin vor allem beim Obst auf meine Kosten gekommen. Neben den süßesten Ananas, Mango und Papaya, die ich jemals gegessen habe, gibt es auch einige unbekannte Früchte zu entdecken. Es lohnt sich immer an den kleinen Obstständen am Straßenrand zu halten und sich durch das Sortiment zu probieren.

Fazit

Für meinen Famulaturaustausch Costa Rica auszusuchen war die beste Entscheidung. Die Kombination aus sicherem und politisch stabilem Reiseland, guten Krankenhäusern mit sehr guter Lehre, atemberaubender Natur und entspannten Menschen ist unschlagbar.

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