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Indonesia (CIMSA-ISMKI)

Neurologie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Jördis, Kiel

Motivation

Ich wollte ins Ausland, weil ich seit meinem Erasmus Semester Blut geleckt hatte. Diesmal am besten so weit weg wie möglich. Die Länder auf meiner Liste waren Ghana, Indonesien und Taiwan. Wieso? Weil mir klar war, dass dort Medizin mit viel weniger Möglichkeiten funktionieren muss und weil ich bis dato über diese Länder noch so gut wie nichts wusste.
Von dem Auslandsaufenthalt erwartete ich mir Einblicke in das dortige medizinische System, die Arbeitsweisen mit kleinen diagnostischen Mitteln sowie der Austausch mit Menschen einer komplett unterschiedlichen Kultur.

Vorbereitung

Nachdem ich mir Input auf dem lokalen Infoabend sowie der Webseite der Bvmd holte, begann ich, die notwendigen Dokumente zu sammeln. Vorab nahm ich beim Pre-Depature Training in Kiel teil.
Auf Facebook trat ich der Gruppe Asia Outgoings bei, um meine Fragen bezüglich des notwendigen Visums loszuwerden.

Visum

Für die Arbeit im Krankenhaus in Indonesien ist ein Pre-Visit Visa erforderlich, sonst hätte auch ein Touristen Visum vor Ort ausgereicht. Dieses beantragte ich im Generalkonsulat in Hamburg, da dieses für das Einzugsgebiet aus Kiel zuständig ist. Auf der Webseite der Botschaft findet man alle notwendigen Informationen rund um den Antrag. Am besten schaut man sich alle Formalia auf der Webseite der Botschaft Berlin an, da diese meiner Meinung nach viel übersichtlicher ist.
Man benötigt eine Kopie des Reisepasses, den Reisepass selbst, einen Nachweis der Überweisung der Visagebühr in Höhe von 50€ (bei Hamburg stand online 45€, es sind aber 50€), den letter of invitation, eine Immatrikulationsbescheinigung, einen bereits frankierten Briefumschlag an deine eigene Adresse für die Rücksendung deines Reisepasses sowie den ausgefüllten Visaantrag an sich. All das schickt man per Post zusammen an die online aufgeführte Adresse des Generalkonsulat Indonesiens nach Hamburg. Ein persönliches Erscheinen ist nach vorheriger Absprache auch möglich, dann kann man den Pass nach 3 Tagen wieder abholen. Bearbeitungszeit auf dem Postwege ist normalerweise 1-2 Wochen.
Beim Visaantrag muss man bereits wissen, wie lange man in Indonesien bleiben will und muss auch Flugdaten sowie insbesondere die Namen der Flughäfen für An- und Abreise angeben.

Gesundheit

Bevor ich ins Ausland starten konnte, war ein Nachweis über einen negativen Tuberkulose-Test sowie eine Bescheinigung vom Arzt über meine körperliche Gesundheit notwendig. Nach Beratung meiner Hausärztin ließ ich mich gegen Meningokokken A,C,W,Y, Tollwut sowie Hepatitis A und B impfen. Informiert euch im Vornhinein, ob die Impfungen eventuell auch von euer Krankenkasse übernommen werden. Obwohl Indonesien zu den Malariagebieten zählt, verzichtete ich auf eine Malariaprophylaxe. Zu meiner Reiseapotheke zählten Ibuprofen, Ciprofloxacin und Buscopan. Da ich vor Ort mit Fieber krank war, haben mir insbesondere das Ciprofloxacin und Ibuprofen weiter geholfen.

Sicherheit

Da die Stadt Banda Aceh in der Region Aceh liegt, herrscht dort das Gesetz der Scharia. Online las ich, dass lange Kleidung Pflicht war. Als nicht Muslime das Tragen einer Hijab (Kopftuch) jedoch nicht nötig ist. Es wird abgeraten, sich allein im Dunkeln draußen aufzuhalten. Ich las über öffentliche Auspeitschenden, im Falle eines Regelbruches der Gesetze. Viele Menschen außerhalb der Region und auch Menschen in der Region sagten mir immer wieder, ich solle vorsichtig sein. Das hat mich zugegeben nervös gemacht. Vor Ort wurde ich zwar überall und ständig angeschaut, sowie angesprochen, was aber daran lag, dass Touristen dort eine Rarität darstellen. Wenn man sich angemessen kleidet und Nachts nicht allein unterwegs ist, dann hat man meiner Meinung nach jedoch nichts zu befürchten. Ansonsten schätze ich die Situation vor Ort als sicher ein.

Geld

Die Währung vor Ort sind indonesische Rupiah. Am besten lädt man sich eine Currency Changer App herunter, um die Umrechnungen vorzunehmen, da 1 € umgerechnet …… Rupiah sind. Generell zahlt man immer in Bar. Es gibt in der Stadt zahlreiche ATM Automaten verteilt, an denen man einfach Geld mit seiner Kreditkarte abheben kann. Du solltest vorher bei deiner Bank informieren ob/wie viel Gebühren anfallen. Ob du vorher bereits Geld umtauschen möchtest oder nicht, liegt an dir. Ich habe es erst vor Ort das erste Mal Geld abgehoben. Da wirklich alles in Indonesien günstiger ist als in Deutschland, waren auch die Lebenserhaltungskosten deutlich günstiger.

Sprache

In Indonesien wird indonesisch gesprochen. Jede Region hat jedoch zusätzlich ihre eigene gesprochene Sprache. In Banda Aceh war dies beispielsweise acinesisch. Englisch sprechen können nur vereinzelt Leute. Selbst im Krankenhaus konnte nicht jeder Arzt fließend Englisch sprechen, sodass ich auf die Übersetzungshilfe von Studenten angewiesen war. Sicherlich ist es hilfreich, die lokale Sprache zu sprechen, jedoch habe im Vorhinein nicht genügend Zeit gehabt, dies zu tun. Mit Händen und Füßen kommt man auch so zu Recht.

Verkehrsbindungen

Um von Deutschland nach Indonesien zu reisen, muss man definitiv Flüge buchen. Je nachdem wie weit im Voraus man dies tut und welchen Flughafen man als Abreiseort wählt, zahlt einige euro mehr oder weniger. Ich habe den Flug circa 6 Wochen vor Abreise gebucht und bin von Frankfurt/Main geflogen, da dies die für mich günstigste Verbindung war.
Im Land mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu reisen ist generell schwierig, da ein öffentliches Verkehrsnetz nur selten besteht. In Banda Aceh ist es üblich mit Hilfe der App Grab ein Taxi zu nutzen. Dabei kann an zwischen Motorrad oder Auto wählen. Man kann sofort seine Location und Zielort eingeben. Die App zeigt einem den Preis für die Strecke an, sucht dann einen sich in der Nähe befindlichen Fahrer. Wenn man einmal einen Fahrer zugeteilt bekommt, ist die Fahrt gesichert. Es ist idiotensicher und unglaublich komfortabel. Für meinen 10 minütigen Weg zum Krankenhaus zahlte ich umgerechnet nur 40 Cent.
Möchte man auf die zahlreichen umliegenden Inseln der Region Aceh reisen, so gibt es öffentliche Fähren, die für kleines Geld (3-5€) mehrmals täglich vom Hafen in Uleu-Lee verkehren.

Kommunikation

Die Locals besorgten mir eine indonesische Sim Karte, auf die ich mir Geld laden konnte und somit Internet gekauft habe. Für 30 GB zahlte ich umgerechnet nur 12€. Kontakt nach Hause suchte ich mittels Whats App Calls per Internet. Da ich in meiner Unterkunft kein WLAN hatte, konnte ich Skype nicht nutzen. Jedoch hat man in den zahlreichen Cafés der Stadt immer WLAN Zugänge.
In Indonesien wird zudem weit verbreitet die Platform Instagram genutzt, um sich gegenseitig auf dem Laufenden zu halten.

Unterkunft

Die Locals organisierten mir eine Unterkunft. Ich hatte dabei die Wahl zwischen einem Studentenwohnheimszimmer oder einem Zimmer in einer Gastfamilie. Ich entschied mich für die Gastfamilie. Dort hatte ich mein eigenes kleines Zimmer mit eigenem Bad und Klimaanlage. Es war sehr spartanisch eingerichtet, jedoch sauber und ausreichend. Bettwäsche war vorhanden. Ich konnte das komplette Haus „benutzen“. Dazu zählte die Küche, Küchengeräte, das Esszimmer und Wohnzimmer mit Fernsehen.

Literatur

Ehrlich gesagt habe ich mich im Vorfeld sehr wenig über Banda Aceh informiert. Ich habe die ersten Artikel bei Google gelesen, mir online das Wetter angeschaut und bei TripAdvisor Informationen über Aktivitäten gesammelt.

Mitzunehmen

Für die Klinik hatte ich ein Stethoskop, meinen Kittel, Krankenhausschuhe sowie Reflexhammer und Leuchte (ich war in der Neurologie) dabei. Ansonsten packte ich Mikrofaser Handtücher (klein &leicht), eine Regenjacke, Laufschuhe, Flipflops, Sportsachen, und meinen Laptop ein. Denke natürlich an deinen Reisepass, Impfpass, Kreditkarte und eine Kamera. Vergiss auf keinen Fall das Handbuch auszudrucken und einzupacken. Leider dachte ich nur an Sonnencreme, nicht jedoch an Mückenspray.

Reise und Ankunft

Die Anreise verlief unkompliziert. Ich hatte meine Flugdaten an die Locals geschickt und mit ihnen abgesprochen, dass sie mich vom Flughafen abholen. Ich kam 3 Tage vor Praktikumsbeginn an. Während der Fahrt vom Flughafen zur Unterkunft stoppten wir an einem Supermarkt, sodass ich mir das Nötigste für das Wochenende kaufen konnte. Nach meiner Ankunft packte ich meine Tasche aus, meldete mich bei Familie und Freunde und erkundete die Gegend auf Google Maps, um mir einen Plan für die kommenden Tage zu erstellen.
Am Montag ging ich dann mit der Leo (Aira) zum Chefarzt der Neurologie, so wie dem Sekretariat, um mich vorzustellen. Eine Studentin, die momentan in der Neurologie rotierte zeigte mir alle Räumlichkeiten, erklärte mir das Krankenhaus, wie es funktioniert. Sie stellte mich immer vor, sobald wir einen Arzt oder Studenten trafen, den sie kannte, oder den ich kennen musste.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe einen Monat Praktikum in der Neurologie gearbeitet. Für mich gab es keinen Stundenplan, sodass ich gemeinsam mit den Studenten abstimmte, wo ich wann sein konnte. Meistens war ich in der Poliklinik, da ich dort viele verschiedene Patienten sah. Untersucht habe ich nur vereinzelt Patienten in der Notaufnahme, unter Supervision. Da es selbst den lokalen Studenten untersagt ist Patienten allein zu untersuchen oder invasive Maßnahmen wie Blutabnahmen durchzuführen, hatte ich auch nicht die Möglichkeit dazu. Die Ärzte waren alle sehr freundlich, jedoch war die Kommunikation in Englisch nicht immer leicht. Das Pflegepersonal war sehr neugierig und dementsprechend nett zu mir. Die Studenten wurden meine Freunde, sie halfen mir durchweg. Sie nahmen mich immer mit, stellten sicher dass ich nie allein war und nicht verloren ging. Wir aßen jeden Tag gemeinsam Mittag. Auch außerhalb des Krankenhauses unternahm ich viel mit den Studenten. Die Kommunikation mit den Patienten gelang mir nur vereinzelt, da die Menschen selten in der Lage waren, Englisch zu sprechen.
Falls ich es richtig verstanden habe, so ist jeder Mensch in Indonesien krankenversichert und bekommt Behandlung sowie Medikamente bezahlt. Berufe für den Staat (Lehrer, Abgeordnete, Juristen, Ärzte) haben Ansprüche auf zusätzliche Konditionen wie beispielsweise ein Einzelzimmer. Digitalisierung im Krankenhaus findet man in rudimentären Ansätzen. Es wird immer noch alles auf Papier geschrieben. Röntgen Bilder, CT und MRT Scans werden alle ausgedruckt. Dies ist zum Einen zeitaufwändiger und zum Anderen viel unsicherer. Man hat als Arzt kaum Möglichkeit an zusätzliche Informationen des Patienten zu kommen oder die Wahrheit der Angaben zu überprüfen.
Das Medizin Studium dauert in Indonesien auch 6 Jahre. 3,5 Jahre Vorklinik, 2 Jahre Klinik und ein halbes Jahr Praktikum auf dem Land. Das Studium im klinischen Teil ist sehr anstrengend. Die Studenten verbringen im Rotationssystem je nach Fachrichtung zwischen 5 bis 10 Wochen auf den jeweiligen Stationen. Dabei müssen sie teilweise 05:00 morgens aufstehen, um die Vitalparameter aller Patienten zu prüfen, die vom jeweilig zugeordneten Arzt behandelt werden. Dann gilt es auf den Arzt zu warten, um die Visite mit ihm zu durchlaufen. Ist dies geschafft, so wartet man eigentlich nur auf eine Präsentation oder bis man 17:00 nach Hause gehen kann. Ich als ausländischer Student sollte Montag bis Freitag 08:00-16:00 da sein. Die Studenten haben häufig Nachtschichten, nach denen sie am nächsten Tag ganz gewöhnlich bis 17:00 weiter arbeiten müssen. Oft sind sie einfach zu müde, um in ihrer freien Zeit für das jeweilige Fach und deren Prüfung zu lernen. Meiner Meinung nach sind sie hinsichtlich diagnostischer sowie technischer Möglichkeiten weit hinter dem deutschen Standard. Die Pflege der Patienten wird immer von Familienangehörigen übernommen, die auf dem Boden zwischen den Betten im Saal schlafen. Darunter leidet die hygienische Situation noch zusätzlich.

Land und Leute

Ich hatte das Glück und wurde von Studenten zu vielen Naturschauplätzen mitgenommen. In der Stadt gibt es weder Kinos, Bars noch Theater, sodass klassische touristische Aktivitäten und Sehenswürdigkeiten fehlen. In der Stadt sah ich mir die Geschichte des Tsunamis im entsprechenden Museum an. Das Wahrzeichen der Stadt ist die Grand Mosque und definitiv einen Besuch wert. Achte dabei jedoch auf angemessene Kleidung, für Frauen ist dort das Tragen einer Hijab pflicht. Es gibt unglaublich viele Strände in der Nähe. Ein Wochenende habe ich auf der Insel Pulau Weh verbracht, welche man mit einer öffentlichen Fähre erreichen kann. Es gibt sogar noch kleinere Inseln, die naturbelassener sind. Die Natur dort ist sogar noch schöner als auf Bali.
Die Menschen in Banda Aceh sind unglaublich daran interessiert zu kommunizieren und neue Leute kennen zu lernen. Da man äußerlich sofort als Ausländer identifiziert wird, steht man dauerhaft im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Man wird überall und dauerhaft angesprochen, was nach einer Weile anstrengend ist. Zugegeben, habe ich mich bis zum Ende meines Aufenthaltes dort nicht daran gewöhnen können. Außerdem sprechen einen Leute auf der Straße an, um Fotos mit ihnen zu machen. Ich kann sagen, dass die Menschen in Banda Aceh unglaublich freundlich, hilfsbereit und offen sind und einfach ein gutes Herz haben. Sie wollen, dass es dir gut geht. Eine Regel ihrer Kultur lautet „Always serve your Guest“. Es ist für sie selbstverständlich dich immer von der Haustür abzuholen und wieder an der Haustür abzusetzen, wenn man gemeinsam etwas unternimmt.
Das Essen in Banda Aceh ist super lecker, aber auch scharf. Natürlich ist Reis das Grundnahrungsmittel, welches zu allen Mahlzeiten gegessen wird. Fisch und Fleisch zählen eher zu einem Essen dazu als Gemüse, das findet man dort eher weniger. Außerdem kann man überall frisch gepresste Säfte genießen. Es ist üblich in den kleinen straßennahen Restaurants zu essen. Dies ist sogar günstiger, als einzukaufen und selbst zu kochen.
Zwei Wochen nach meiner Abreise sollten die Wahlen des neuen Präsidenten statt finden. Der Wahlkampf war überall in der Stadt verteilt zu sehen. Jedoch gab es zu viele Kandidaten als dass ich mir diesbezüglich einen Überblick verschaffen konnte.
Ich hätte mir gern noch kleinere Dörfer der Umgebung angesehen, fühlte mich allein jedoch unwohl, zumal das Problem mit der Verständigung außerhalb des Krankenhauses bestand.
Unangenehme Erfahrungen habe ich nur an dem Wochenende meines Besuches der Insel Pulau Weh gemacht, als mich am Hafen ziemlich aufdringlich Männer ansprachen.

Fazit

Meine Erwartungen an den Auslandsaufenthalt wurden mehr als erfüllt. Ich lernte nicht nur viel über das Land und die Kultur, sondern auch viel über mich selbst. Ich würde immer wieder nach Indonesien gehen, allerdings dann in eine andere Stadt oder gemeinsam mit einem weiteren Studenten. Durch die Lage Indonesiens nahe des Äquators hat man die einzigartige Gelegenheit Krankheiten kennen zu lernen, die es so in Deutschland nicht gibt. Die Lage bezüglich Auspeitschenden oder Ähnliches ist lange nicht so brutal und dramatisch, wie man es im Internet lesen kann. Dennoch bin ich froh, meine gewohnten Freiheiten in Deutschland wieder genießen zu können.

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