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Taiwan (FMS Taiwan)

Dermatologie - SCOPE (Famulaturaustausch)
Anonym

Motivation

Für mich war schon zu Beginn des Studiums klar, dass ich die Möglichkeiten nutzen wollte, ins Ausland zu gehen und auf diesem Wege meinen Horizont zu erweitern, einen Blick über das Bekannte hinaus zu werfen und viele neue und bereichernde Erfahrungen zu sammeln. Bezüglich des Ziels war ich ziemlich offen, da ich am liebsten die ganze Welt bereisen würde. Ich hatte keine speziellen Erwartungen, sondern bin offen für neues an die Sache gegangen.

Vorbereitung

Von der bvmd habe ich auf einem Infoabend im ersten Semester erfahren. Die ersten Schritte der Bewerbung sind relativ einfach: für den Sprachtest bekam ich schnell einen Termin und darüber hinaus hatte man die Unterlagen dann auch schnell beisammen. Mit der Zusage kam dann allerdings eine Frist von 2 Wochen, innerhalb derer man einen Haufen weiterer Unterlagen vorzulegen hatte – im Fall von Taiwan inklusive Röntgenthorax und Tuberkulosetest, was eine gewisse Herausforderung darstellte, sich dann aber auch lösen ließ. Damit war dann die größte Hürde genommen. Flüge wurden ein bisschen ins Blaue gebucht, weil die endgültige Zusage erst relativ kurz vorher kam, gerade bei Taiwan war das aber kein Problem, weil die Insel ja sehr überschaubar ist und selbst der am weitesten entfernte Flughafen innerhalb von 6 Stunden mit dem Zug erreichbar ist.

Visum

Mit einem deutschen Pass bekommt man bei der Einreise nach Taiwan automatisch ein Visum, ohne vorher irgendetwas beantragen zu müssen.

Gesundheit

Ich habe die gängigen Reiseschutzimpfungen, habe mich dann aber nicht nochmal extra für Taiwan impfen lassen. Hatte auch eine einfache Reiseapotheke dabei.
Gerade in Hualien gibt es sehr viele kleine schwarze Insekten, die gerade Ausländer sehr gerne stechen, wovon sie in meinem Fall kein Insektenspray abhalten konnte. Ich habe dann auch noch einen generalisierten Ausschlag bekommen, evtl als Hypersensitivitätsreaktion im Erstkontakt. Nach einer Woche habe ich schließlich eine Steroidcreme benutzt, womit er dann innerhalb von Tagen weg war. Das ging anderen Austauschstudenten vor mir wohl schon ähnlich.

Sicherheit

Außer meiner Auslandskrankenversicherung habe ich keine Versicherung abgeschlossen. Taiwan ist wohl eines der sichersten Länder der Welt – wenn man seine Wertsachen irgendwo verliert, ist die Chance enorm groß, dass man sie vollständig zurückbekommt. Insgesamt ist die Kriminalitätrate enorm niedrig. Es ist ein Gefühl von Sicherheit, das erstmal sehr ungewohnt ist.

Geld

Die lokale Währung ist der Taiwan Dollar und man kann leicht in einem der convenient stores, die an jeder Ecke zu finden sind und oft auch einen Geldautomaten (ATM) haben, Geld abheben. Preise im Supermarkt sind sehr vergleichbar mit deutschen Preisen, wenn man einfach essen geht, kann man aber sehr günstig sehr gut essen. Öffentliche Verkehrsmittel sind auch günstig.

Sprache

Es werden verschiedene Dialekte Mandarin gesprochen, teilweise wird Englisch ganz gut, teilweise auch gar nicht verstanden, aber irgendwie konnte man sich immer verständigen. Auf Englisch musste ich tatsächlich teilweise deutlich einfacher sprechen, als ich es gewohnt bin, um verstanden zu werden.

Verkehrsbindungen

Fliegen ist vermutlich die sinnvollste Anreise. Für Hin- und Rückflug habe ich insgesamt 730€ bezahlt. Vorort kann man mit der Bahn große Teile der Insel erreichen, auf kürzeren Strecken bieten sich je nach Ort Busse, Taxis, Motorroller (von den Einheimischen bevorzugt), in Taipeh noch das MRT-Netz an und alles ist in der Regel ziemlich günstig (Zug (der normale, nicht der Schnellzug – der kostet etwa das Doppelte) einmal halb um die Insel kostet keine 15€).

Kommunikation

Am Flughafen, in einem convenient store (7 eleven) oder in einem entsprechenden Laden bekommt man innerhalb von ca 15 Minuten eine SIM-Karte auf einen bestimmten Zeitraum, mit der man dann unbegrenztes Datenvolumen und so gut wie überall auch sehr gutes Netz hat (weit besser als ich es von zu Hause gewohnt bin). Für 30 Tage habe ich knapp über 30€ bezahlt).

Unterkunft

Ich bin in einem Wohnheim des Krankenhauses untergekommen. Es waren einfache Verhältnisse (Matratze war etwa so weich wie ein Brett), aber ok. Man konnte leider kaum lüften, aber eine Klimaanlage gab es. Ich schätze, dass sie von der Lokalvertretung organisiert wurde, weiß es aber nicht sicher.

Literatur

Ich hätte mich im Vorhinein gerne informiert, habe das letztendlich aber nicht geschafft. Also habe ich im Endeffekt immer spontan gegoogelt, was ich wissen wollte. Man kann viele Reiseberichte und ähnliches finden, die zum Teil ganz hilfreich sind.

Mitzunehmen

Kleidung für die Klinik – in meinem Fall dunkle Hose (dunkelblau/schwarz), dunkle (schwarze) Schuhe, helle Oberteile, Kittel. Wusste ich vorher so nicht – wurde auch nicht ganz streng eingehalten (vielleicht einmal vorher fragen). Bikini hatte ich vergessen, braucht man aber in einigen Hotsprings, die in Taiwan sehr beliebt sind.

Reise und Ankunft

Auf der Reise lief alles glatt. Vor Ort hatte ich dann noch zwei Wochen, bevor die Famulatur losging. Vor Ort wurde ich dann von meinen Kontaktpersonen aus dem Hostel abgeholt und in die von ihnen organisierte Unterkunft gebracht, nachdem es noch eine Willkommensparty/großes Willkommensessen gab. Meine Kontaktpersonen haben mich auch am ersten Tag in die Klinik begleitet und die Formalitäten mit mir geregelt.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Der erste Tag fing mit Formalitäten an, die schneller erledigt waren, als erwartet, sodass wir noch eine Weile warten mussten, bevor es dann weiter los ging. Eine Einführung mit anschließender Führung durch die Klinik – dann hatte man wenigstens eine grobe Idee. Und anschließend ging es auch schon los: entsprechend des Stundenplans war man dann entweder im Behandlungsraum oder mit anderen Studenten einzelnen Ärzten „zugeteilt“. Die Kommunikation war sehr von den Englischkenntnissen des Arztes abhängig – manche haben sich richtig Mühe gegeben, viel zu erklären, zu zeigen und einen auch mal das ein oder andere ausprobieren zu lassen, während der ein oder andere Vormittag auch mal sehr lang wurde, wenn man kein Wort von dem, was gesprochen wurde, verstand und einem auch niemand etwas übersetzen konnte (oder sich niemand getraut hat, es zu versuchen). Insgesamt wurde man aber sehr offen und herzlich aufgenommen. Der Klinikalltag scheint mir mit dem in Deutschland ziemlich vergleichbar zu sein. In der Dermatologie hat man vor allem sehr viele verschiedene Hautbefunde gesehen und durfte auch den ein oder anderen Test mal selber durchführen, sich Proben unter dem Mikroskop ansehen, Kryotherapie selber durchführen und verschiedene kleinere Operationen oder Biopsieentnahmen durfte ich auch ansehen. Außerdem gab es noch verschiedene Veranstaltungen, wo einzelne Fälle vorgestellt und im Detail besprochen wurden, sowie kleine Lehrveranstaltungen für die Studierenden, wo immerhin zum Teil Englisch gesprochen wurde. Wenn das nicht der Fall war, gab es oft jemanden, der einem die relevanten Punkte übersetzt hat, es kam aber auch mal vor, dass man einfach gar nichts verstanden hat. Ich war aber besonders froh, einen Teil der Zeit auch Eindrücke in die Traditionell Chinesische Medizin bekommen zu dürfen und damit noch einen ganz anderen Blickwinkel kennenzulernen. Die Tage in der Klinik waren sehr unterschiedlich lang und der „Stundenplan“ diente letztendlich mehr der Orientierung, wann man wo sein musste, als dass er einem sagte, wie lange man da sein würde. Das Studium scheint insgesamt mit unserem Vergleichbar zu sein, allerdings ist es lange reine Theorie und erst zum Schluss kommt dann ein Praxisbezug dazu. Das Gesundheitssystem scheint ziemlich gut zu sein: es sind wie in Deutschland alle krankenversichert und die Versicherung trägt in der Regel alle relevanten Kosten, oder jedenfalls zum größten Teil. Insgesamt konnte man aber viele neue Eindrücke gewinnen, das theoretische Wissen aus dem Studium mal wieder mit praktischen Erfahrungen verknüpfen und hat auch noch einiges dazugelernt.

Land und Leute

Ich konnte bereits ein paar Tage vor Beginn der Famulatur die Unterkunft beziehen und gerade in den Tagen haben meine Kontaktpersonen sehr viel mit mir gemacht. Wir waren wandern, haben uns durch sehr viel verschiedenes Essen probiert – Taiwan bietet eine reiche Vielfalt an allen möglichen Gerichten, einschließlich einer Reihe von Dingen, die man noch nie probiert hat (zB. Stinky tofu, Algen und Pilze in unzähligen Formen) und ist damit kulinarisch ein echtes Highlight. Und wenn man erst einmal den Dreh raus hat, ist es auch leicht, sich vegetarisch zu ernähren. Wenn man ein bisschen Chinesisch versteht, dürfte selbst vegan kein Problem sein. Die Menschen sind in aller Regel unglaublich offen, freundlich und hilfsbereit – das habe ich in dieser Form noch nie erlebt. Und selbst wenn sie kaum bis kein Englisch verstehen, geben sie sich doch meistens Mühe, einem trotzdem irgendwie weiter zu helfen. Man fühlt sich dort leicht wohl, willkommen und absolut sicher. Es ist ganz normal, seine Schuhe, Regenschirme, Motorrollerhelme draußen an der Straße zu lassen, ohne sie in irgendeiner Form zu sichern und sie sind auch immer noch da, wenn man zurück kommt. Selbst Wertsachen kann man offen herumliegen lassen, ohne sich Gedanken machen zu müssen, dass sie nicht mehr da sein würden, wenn man wiederkäme – macht man nun nicht unbedingt, aber es wäre in der Regel kein Problem. Politisch ist es etwas durcheinander, da es sich selbst unabhängig von China verwaltet, aber in Teilen nicht als unabhängig anerkannt wird. Insgesamt ist es aber eine ziemlich stabile Situation, wo man sich beim Reisen keine Gedanken drüber machen muss, wenn man nicht gerade politisch oder geschichtlich interessiert ist.
Man sieht sofort, dass man sich in Asien befindet – die Städte haben einen anderen Charakter als die europäischen: sind irgendwie lauter und bieten vor allem visuell unglaublich viel Stimulation. Teilweise wirken die Verhältnisse auch deutlich einfacher und etwas heruntergekommen, aber an einigen Stellen fühlt man sich dann schon wieder wie bei uns. Insgesamt kann man wohl sagen, dass es ein nahezu westlicher Standard ist, allerdings mit eigener Kultur und anderen Eigenheiten. Die Hilfsbereitschaft der Einheimischen ist mir immer wieder angenehm aufgefallen – wenn man sich an jemanden gewendet hat, war man mit seinen „Problemen“ nie alleine. Direkt unangenehme Erfahrungen habe ich so nicht gemacht, allerdings fällt es schon auf, dass man als westlich und blond schon sehr heraussticht und die Menschen das dort nicht so gewohnt sind, sodass man immer wieder zu einer gewissen Attraktion wird. Obwohl die Insel nicht besonders groß ist, war ich nur auf knapp der Hälfte unterwegs – ich hätte sehr gerne auch noch Eindrücke vom Rest bekommen. Vielleicht komme ich ja mal wieder!

Fazit

Da ich keine speziellen Erwartungen an den Aufenthalt hatte, wurden alle meine Erwartungen bei weitem übertroffen. Das Land ist wunderschön, man kann sich dort sehr wohl fühlen, das Essen ist lecker und die Leute sind super nett – ich würde bei Gelegenheit definitiv wiederkommen und kann es gerade Alleinreisenden nur wärmstens empfehlen. Dieser Aufenthalt hat mich wieder darin bestätigt, jede Gelegenheit wahrzunehmen, die Welt weiter kennenzulernen.

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