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Indonesia (CIMSA-ISMKI)

Innere - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Nadine, Düsseldorf

Motivation

Die ist mein zweiter Austausch über die bvmd, ich war bereits für einen Forschungsaustausch (SCORE) auf Malta. Schon beim ersten Mal war ich völlig begeistert von der Möglichkeit, dass man einen organisierten Praktikumsplatz, Unterkunft und lokale Ansprechpartner hat. Ich bin davon überzeugt, dass man auf einer Reise nie die Chance hat, ein Land und seine Kultur so gut kennenzulernen wie bei einem Studierendenaustausch. Ich habe mich für Südostasien entschieden, da ich vorher immer Hemmungen hatte, so weit alleine zu reisen. Es ist eine für mich sehr unbekannte Kultur und ich hatte Angst, nicht gut zurecht zu kommen. Ich kannte durch einen Auslandsaufenthalt in Ägypten einige Medizinstudentinnen aus Malaysia und wollte meinen Austausch eigentlich dort machen. Malaysia ist jedoch noch nicht Teil des IFMSA-Austausches und deswegen habe ich mich dann für das nicht weit entfernte Indonesien entschieden.
Ich habe gehofft, ein wenig über die indonesische Kultur zu lernen, schöne Landschaften und exotischen Essen zu erleben. Wie unglaublich toll der Austausch am Ende war und dass ich hier so viele Freunde finden und einzigartige Erfahrungen machen würde, hätte ich nie geglaubt.

Vorbereitung

Ich habe schon öfter den bvmd/Austausch-Infoabend in Düsseldorf besucht und dort einige Erfahrungsberichte von ehemaligen Austausch’lern gehört. Ich wusste also, dass man ein Sprachzertifikat des Spracheninstitutes brauchen würde und habe dann dort schon frühzeitig einen Termin gemacht. Ich habe außerdem in die Facebook-Gruppe „bvmd outgoings – asia pacific“ gepostet und so eine andere Studentin aus Leipzig gefunden, mit der ich am Ende bei derselben Gastfamilie und auf derselben Station war. Ich habe mir schon vorher einen Indonesien-Reiseführer zugelegt, der aber im Endeffekt nicht viele Informationen für meine Stadt hatte, da West Sumatra generell ein weniger beliebtes Reiseziel in Indonesien ist und das Land wahnsinnig groß ist. Ich habe mir außerdem die App „Duo-Lingo“ zugelegt und vorher einige Wörter geübt. Die Indonesier freuen sich sehr, wenn man zumindest einige Worte sagen kann und die Sprache ist nicht besonders schwierig.
Sehr empfehlen kann ich außerdem die „Pre Depature Trainings (PDT)“ der bvmd, die einem noch eine intensivere Vorbereitung auf seinen Austausch erlauben.
Für asiatische Länder lohnt es sich außerdem, vorher mit dem Dekanat in Kontakt zu treten und sie über den Austausch zu informieren. Ich hätte gerne eine „Placard“ meiner Uni mitgebracht, so etwas gab es aber leider nicht. Wir haben ein sehr schönes Placard (eine Art Emblem) der Uni geschenkt bekommen und sie hätten sich sicher sehr über eines von uns gefreut. Alternativ haben wir dann ein Logo unserer Uni ausgedruckt und eingerahmt.
Allgemein lohnt es sich, schon vorher Souvenirs aus Deutschland und der Heimatstadt zu sammeln, da es die meisten deutschen Süßigkeiten auch hier gibt und Schokolade schnell schmilzt. Einige Ideen für Gastgeschenke sind:
- Kühlschrankmagnet
- Postkarte
- Schöne Papiertüten für Geschenke
- Vegetarische Gummibärchen
- Eventuell Tee aus Deutschland
- Für die Kardio: EKG-Lineal (gibt es hier in Indonesien nicht, die Medizinstudierenden freuen sich sehr darüber)
- „Danke“-Karten
- Souvenirs aus deiner Stadt (auch gerne etwas kitschiger, z.B. Schneekugel)

Visum

Es gibt zwei indonesische Botschaften bzw. Konsulate in Deutschland (Berlin und Frankfurt) und sie haben bestimmte Einzugsgebiete. Düsseldorf wird von dem Konsulat in Frankfurt betreut, wo ich auch meinen Visumsantrag hingeschickt habe.
Ich habe mich für ein single-entry Visum für soziale Zwecke beworben, mit dem man zwar keine Arbeitserlaubnis hat, jedoch Praktika absolvieren darf. Es war der LEO wichtig, dass wir uns nicht für ein Touristen-Visum bewerben (bzw. dieses bei Einreise für 30 Tage kaufen), da der Dekan ein Foto von dem Visum zur Überprüfung einfordert und man mit dem Touristen-Visum kein Praktikum machen dürfte. Man braucht eine ganze Reihe an Dokumenten und ich würde euch empfehlen, euch nach der Zusage bald darum zu kümmern. Ich habe die Dokumente und den Reisepass per Einschreiben geschickt und auch so wieder zurückbekommen sollen. An sich hat das Erteilen des Visums nur etwa eine Woche gedauert, danach wurde der Pass bei der Post abgegeben und ist erstmal nicht mehr aufgetaucht. Ich habe schon nicht mehr daran geglaubt, dass ich noch nach Indonesien fliegen kann, als ich ihn dann doch noch bekommen habe. Wenn ihr also die Chance habt, den Pass persönlich abzugeben und wieder abholen, würde ich das tatsächlich empfehlen. Insgesamt hat das Visum etwa 50€ gekostet und wurde mir für 60 Tage ausgestellt.

Gesundheit

Beim Betriebsarzt des Uniklinikums konnte ich mich umsonst gegen Hepatitis A impfen lassen und einen Tuberkulosetest machen (der dann aber doch nicht nötig war, da ich noch gegen Tb geimpft wurde. Der Impfnachweis hat der LEO gereicht). Im Reisemedizinischen Institut der Uni Düsseldorf habe ich mich bezüglich weiterer Impfungen beraten lassen und mich dann gegen Tollwut, Typhus und Japanische Enzephalitis impfen lassen. Einen Großteil der Reiseimpfungen übernimmt im Regelfall die gesetzliche Krankenkasse.
Ich habe von einer Freundin ihre Malaria-Prophylaxe mitgenommen, sie aber im Endeffekt nicht gebraucht. Der Westen Indonesien ist kein Malaria-Gebiet, man muss sich vor den Moskitos nur wegen Dengue-Fieber und Japanischer Enzephalitis (und das auch nur nachts im Reisfeld) schützen. Wir haben festgestellt, dass das Moskito-Spray „Nobite“ am besten funktioniert, zwei Flaschen reichen i.d.R. für vier Wochen.
Ich habe mir während des Austausches eine Infektion eingefangen und musste dort zum Arzt. Ich habe die Assistenzärzte um Hilfe gebeten und diese haben mir dann geholfen, einen Termin in der Ambulanz des Krankenhauses zu machen. Wenn man die Kosten erstmal selbst trägt und sich diese dann von seiner Auslandskrankenversicherung zurückholt, wird man wie ein Privatpatient behandelt und wird quasi gleich drangenommen. Eine Untersuchung mit Abstrichen und Kulturen hat etwa 60€ gekostet. Niedergelassene Ärzte gibt es quasi nicht, alternativ zum Universitätskrankenhaus hätte ich auch in ein privates Krankenhaus gehen können. Ich kann euch empfehlen, gleich von Anfang an auf einen richtigen Termin mit Anlegen einer Akte etc. zu bestehen und euch nicht (wie bei mir) zunächst unter der Hand von Assistenten untersuchen zu lassen, die einem dann ohne Labor oder Kultur eine ganze Reihe Antibiotika verschreiben. Am Ende musste ich wieder hin und hätte mir die Woche (unnötige) Antibiotika gerne gespart.
Wenn es sich einrichten lässt, würde ich euch empfehlen, Fosfomycin mitzunehmen. Das gibt es in Deutschland für Harnwegsinfekte als Pulver zum einmaligen Trinken, in Indonesien ist es nicht verfügbar.

Sicherheit

Padang scheint eine der sichersten Städte Indonesiens zu sein und ich habe mich zu keinem Zeitpunkt unsicher gefühlt. Da die Indonesier super gastfreundlich sind, haben sie es eh überhaupt nicht dazu kommen lassen, dass wir abends noch alleine unterwegs sind (einmal waren wir mit dem Roller unserer Gastschwester bei einem Kaffee und danach ist der Assistenzarzt dann mit dem Auto hinter uns hergefahren, bis wir zu Hause waren).
Bezüglich Sicherheit merkt man jedoch, dass der Tsunami vor einigen Jahren tiefe Spuren bei den Menschen hinterlassen hat. Von Anfang an wurde uns gesagt, zu welchen Gebäuden man nach starken Erdbeben gehen soll und welche Gebiete der Stadt mehr gefährdet sind. Das Thema Erdbeben und Tsunami kam häufig zur Sprache und wenn es mal kleinere Beben gab (die wir nicht spüren konnten, die Indonesier allerdings schon), waren die Menschen schnell panisch.

Geld

Man kann in Indonesien Geld tauschen, ich habe allerdings immer einfach mit meiner Kreditkarte (VISA) abgehoben. Die Währung ist Rupiah und ein Euro entspricht etwa 16.000 Rp (Stand April 2019). An dem ATM im Krankenhaus konnte ich nur einmal Geld haben, sonst hat es leider nicht funktioniert. Es gibt aber überall Geldautomaten, das ist gar kein Problem. Beim Abheben mit der Kreditkarte immer „credit“ und nicht „checking“ oder „saving“ angeben, sonst funktioniert es nicht.
Man kann häufig auch mit Kredikarte bezahlen, jedoch nicht überall. Um Bargeld kommt man also nicht ganz herum.
Indonesien ist sehr viel günstiger als Deutschland und man kann sehr günstig mit der App „Gojec“ überall hinfahren. Wir haben sehr häufig frisches Obst gekauft, da dieses sehr lecker uns günstig ist. Ein warmes Mittagessen bekommt man schon für 1-2€, vor allem, wenn man das typische Essen dort isst.
Insgesamt habe ich in dem Monat (inklusive Bewerbungsgebühr) 400€ bezahlt, das ist weniger als meine Miete in Deutschland. Ein Austausch in Indonesien ist also günstiger, als daheim zu bleiben!

Sprache

In Indonesien spricht man neben Bahasa Indonesia auch noch viele lokale Akzente (z.B. Javanese, Sundanese, Balinese, etc.). Ich habe die App „Duo Lingo“ zur Indonesisch-Vorbereitung genutzt, hatte jedoch vor Ort quasi keine Zeit mehr, noch mehr zu lernen. An sich ist es eine einfache Sprache, die unter dem Einfluss der Niederländer zum Teil den westgermanischen Sprachen ähnelt. Die Indonesier haben uns immer wieder gefragt, welche Worte wir denn schon können und sich dann immer sehr gefreut, wenn man ein bisschen was sagen konnte. Viele Indonesier können kein Englisch und schauen einen auch recht verdutzt an, wenn man versucht, mit ihnen zu kommunizieren. Die meisten sind sehr schüchtern und trauen sich nicht, ihr lückenhaftes Englisch zu benutzen. Mit Google Translate, Händen und Füßen und ein wenig Geduld kommt man aber zurecht. Bei Preisnachfragen haben wir meist unseren Taschenrechner gezeigt, das hat geholfen.
Unsere Gastmutter konnte ebenfalls kein Englisch und hätte sich sicher gefreut, wenn wir uns noch mehr Mühe beim Indonesisch lernen gegeben hätten. Über unsere Gastschwester konnten wir allerdings kommunizieren. Mit den Ärzt_innen im Krankenhaus kann man sich gut auf Englisch unterhalten, sie erzählen einem auch viel. Ich hatte allerdings den Eindruck, dass sie oft nicht so gut zuhören und dann auf meine Fragen eine andere Antwort gegeben haben, anstatt nochmal nachzufragen. Die Medizinstudierenden konnten nur zum Teil Englisch, wir hatten aber auch nicht so viel mit ihnen zu tun.

Verkehrsbindungen

Wir haben nur etwa 5km vom Krankenhaus entfernt gewohnt und sind immer entweder mit dem Bus (Trans-Padang) oder aber der App „Gojec“ zum Krankenhaus gekommen. Der Bus kostet 3.500 Rp p.P., mit dem Gocar haben wir etwa 20.000 Rp bezahlt. Wir waren häufig zu zweit unterwegs, daher hatte ich nicht oft die Chance, „GoRide“ also die Roller auszuprobieren. Sie haben dann immer einen zweiten Helm dabei und es ist günstiger als Gocar – außerdem macht es mega viel Spaß.
In die anderen Städte (Bukittingi, Solok, Mandeh Island) sind wir mit kleineren Bussen gefahren. Da man dazu aber nichts online findet, haben es entweder die Kontaktpersonen von CIMSA oder unsere Gastschwester organisiert. An unserem Haus ist direkt ein Zug vorbeigefahren, der wohl auch sehr günstig ist. Wo der genau hinfährt, haben wir nicht so ganz in Erfahrung bringen können. Wenn man weiter weg möchte, ist Fliegen die einzig realistische Möglichkeit. Da es aber an den meisten Wochenenden eh Social Program gab, haben wir uns nur die Gegend um Padang herum angeschaut.
An einem Tag haben wir so einen blauen Mini-Bus ausprobiert, von dem uns eigentlich alle abgeraten haben. Er ist dann auch nicht dahingefahren, wo wir dachten und war teurer als der normale Bus. Davon würde ich euch also abraten!

Kommunikation

Unsere Kontaktpersonen haben uns direkt am ersten Tag eine Simkarte gekauft, dazu müsst ihr euren Pass dabeihaben. Es gibt verschiedene Pakete, uns haben aber 4,5MB pro Person gereicht. In der Gastfamilie und in vielen Cafés gibt es WLAN, zum Teil auch im Krankenhaus (Passwort bei den Ärzten erfragen). Ich habe mich während der vier Wochen ganz den Indonesiern angepasst und alle Updates für meine Familie und Freunde per Story bei Instagram gepostet. Ich glaube ich bin allen ein bisschen auf die Nerven gegangen, weil keiner so viel Geduld und Leidenschaft für eine Millionen Bilder am Tag hat wie die Indonesier. Allein die Fotos mit den Menschen auf der Straße sind insgesamt wahrscheinlich mehr, als ich in meinem Leben bisher gemacht hatte. Auch der Kontakt zu den Indonesiern während und nach dem Austausch läuft hauptsächlich über Instagram und What’s App.

Unterkunft

CIMSA hat uns (sehr kurzfristig) eine Gastfamilie organisiert, die auch total lieb und herzlich waren. Sie haben uns jeden Morgen Frühstück gemacht und es – je nachdem von was wir mehr gegessen haben – immer weiter perfektioniert. Irgendwie haben sie sogar gemerkt, dass wir keinen süßen Tee und Kaffee mögen und uns diesen dann immer ohne Zucker gemacht. Wirklich total süß! Als Europäer muss man sich ein bisschen an scharfen und knoblauchreichen Reis oder Nudeln morgens gewöhnen, wir haben aber auch immer Toast mit Schokostreuseln zu Auswahl gehabt.
Wir (ich und eine andere Medizinstudentin aus Deutschland) waren bei derselben Familie und hatten auch eigentlich zwei eigene Zimmer. Wir haben uns aber super gut verstanden und dann den ganzen Monat in einem Zimmer gewohnt. Das Haus war recht groß und hatte ein typisch indonesisches Bad, von dem ich euch zur Vorbereitung kurz berichten möchte: es gibt eine Wanne mit Wasser und einen Schöpfer. Da niemals reinstellen! Das Wasser ist frisch und wird sowohl anstatt Toilettenpapier als auch zum Duschen benutzt. Die Toilette ist ein Hock-Klo, ihr solltet im Bad wenn möglich immer Flip-Flops tragen. Da es kein Toilettenpapier gibt und man sich stattdessen das Wasser aus der Wanne über den Rücken laufen lässt und mit der linken Hand nachhilft, essen die Indonesier nur mit der rechten Hand.
Denkt unbedingt an ausreichend Gastgeschenke aus Deutschland auch für eure Gastfamilie! Wir haben am Ende des Austausches ein Bild von uns mit der Gastfamilie ausgedruckt (neben dem Krankenhaus gibt es den Copy Shop Adhek) und eingerahmt, darüber haben sie sich sehr gefreut.

Literatur

Ich hatte den Reiseführer von Stefan Loose und kann ihn für West Sumatra nicht sehr empfehlen. Die Informationen waren nicht sehr detailliert und für Padang gibt es nur etwa eine Seite. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob das in anderen Reiseführern so viel anders ist. Sie sind eher dafür ausgelegt, dass man durch das Land reist und nicht so viel Zeit an einem Fleck verbringt. Ein bisschen Hintergrund zu der Geschichte von West Sumatra war ganz interessiert, wir haben den Reiseführer aber ansonsten nicht gebraucht.
Für die Kardiologie im Krankenhaus kann ich euch sehr empfehlen, ein wenig englische Literatur mitzunehmen. Ich habe ein EKG-Buch auf Deutsch dabeigehabt und auch viel darin gelesen. Auf Englisch wäre es allerdings noch besser gewesen, vor allem wenn man wie ich kaum Medical English beherrscht.
Außerdem habe ich zur Vorbereitung natürlich ungefähr alle Erfahrungsberichte der bvmd gelesen, was mir sehr geholfen hat.

Mitzunehmen

- Moskitonetz (haben wir nicht gebraucht, weil die Decken in unserer Gastfamilie zu hoch waren und wir kein Loch in die Decke machen wollten. Stattdessen haben wir uns immer abends mit Moskitospray eingesprüht, das hat recht gut geholfen)
- Gute deutsche Taschentücher
- Ausreichend Gastgeschenke für alle (Gastfamilie, LEO, Kontaktpersonen, Ärzte, Assistenzärzte, Bekanntschaften, etc.) + hübsche Tüten für die Geschenke
- Flip-Flops fürs Bad
- Schwimmsachen (wenn möglich mit langen Ärmeln und Beinen)
- Tampons (gibt dort nur Binden, allerdings fast nie Mülleimer in den Bädern)
- Eventuell Nähzeug
- Regenjacke
- Reiseapotheke (Fosfomycin, Antihistaminika, Schmerztabletten)
- Sonnenschutz (Hut oder Änhliches)
- Wenn ihr Abenteuer geplant habt: Taschen- oder Stirnlampe
- Wenn ihr mal Roller fahren möchtet: internationaler Führerschein, kann man ganz leicht bei der Stadt beantragen
- Unterlagen eurer Auslandskrankenversicherung
- Handwaschmittel für Kleidung und zur Vorwäsche (dort wird nur kalt gewaschen, wodurch die Flecken nicht so leicht rausgehen)
- Kleines Schloss für Spinde
- Wenn ihr Wandertouren plant, benötigt ihr ein Zelt und einen Schlafsack (wir haben das leider nicht geschafft)
- Lasst ein bisschen Platz im Koffer/Rucksack für Souvenirs!
- Penant/Placard eurer Uni (alternativ: Logo ausdrucken und schön einrahmen)
- Laptop (benötigt ihr, um den Case Report vorzubereiten)

Reise und Ankunft

Luisa (DSGVO, daher Name von der Redaktion geändert) aus Leipzig und ich sind gemeinsam in Padang angekommen, weil wir vorher noch zusammen eine Woche in Kuala Lumpur verbracht haben (kann ich nur empfehlen, der Flug ist günstiger und es ist eine wirklich tolle Stadt!). Am Flughafen wurden wir von unseren Kontaktpersonen abgeholt, die auch schon auf uns gewartet hatten und total nervös waren (es war das erste Mal, dass sie Incomings betreut haben). Sie sind dann mit uns in ein für Padang typisches Restaurant (Lamun Ombak) gegangen, wo wir direkt mal gelernt haben, mit der rechten Hand (nie die linke benutzen!) zu essen. Danach haben sie uns in die Gastfamilie gebracht, es lief also wirklich glatt.
Das Praktikum hat erst einige Tage später angefangen, wir hatten also ein wenig Zeit, uns einzuleben. Die damalige LEO (local exchange officer) hat uns dann im Krankenhaus rumgeführt und uns allen vorgestellt. Unser Supervisor war die ersten beiden Wochen noch auf einer Konferenz in Spanien, ihn haben wir erst in der Mitte des Austausches kennengelernt.
In den ersten Tagen gab es außerdem ein Welcome Dinner, bei dem wir uns mit den Gastfamilien und ganz vielen CIMSA-Leuten in einem Restaurant getroffen haben. In Indonesien ist es bei solchen Treffen üblich, dass jeder einige Worte sagt. Legt euch also vielleicht scho einmal einen kleinen (ruhig kitischigen) Text zurecht, dann werdet ihr nicht so überrumpelt.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

In der Kardiologie rotiert man als Incoming zwischen vier Stationen: invasive Diagnostik (Katheterlabor), nicht-invasive Diagnostik (Echokardiographie), Station und Intensivstation (CVCU). Dort ist man jeweils eine Woche, den Rotationsplan bekommt man Anfang ausgehändigt.
Im Katheterlabor schaut man von außen zu, außer man fragt, ob man auch mal mit rein darf. Hin und wieder kommt einer der Oberärzt_innen vorbei und erklärt einem etwas, ansonsten schaut man aber viel zu. Einer der Oberärzte hat uns immer dienstags in das Privatkrankenhaus „Semen Padang“ mitgenommen, weil er dort ebenfalls Katheteruntersuchungen gemacht hat. Dort haben wir ebenfalls vom Vorraum aus zugeschaut. Unser Supervisor hat uns dann an einem Tag dieser Woche mit in das Katheterlabor genommen und uns die arterielle sowie das Vorschieben des Katheters machen lassen. Schaut euch eventuell vorher an, wie man so eine Punktion macht, die Erklärungen in der Situation selbst waren nicht so ausführlich. War aber echt toll, dass man sowas überhaupt machen durfte!
Im Echo sitzt man wirklich viel einfach nur danaben und bekommt leider auch nicht viel erklärt. Die Assistenzärzt_innen quatschen zwar viel mit einem, sind aber selbst noch etwas unsicher mit der Untersuchung und erklären einem daher kaum etwas. Auf Nachfrage durften wir es auch einmal versuchen, allerdings nicht lange und nicht sehr ergiebig. Nehmt euch was zum Lesen mit!
Auf der kardiologischen Station gibt es viele interessante Fälle. Leider sind die Ärzt_innen immer sehr beschäftigt und haben nur selten Zeit, einem etwas auf Englisch zu erklären. Zeigt ein bisschen Eigeninitiative und stellt euch immer mal dazu, wenn etwas besprochen wird (v.a. wenn die Oberärzt_innen dabei sind), dann habt ihr manchmal Glück und sie sprechen vielleicht auf Englisch. Man kann sich auch die Akten ansehen, einige Begriffe versteht man tatsächlich.
Auf der CVCU ist es fast noch langweiliger, als auf der Station. Dort sitzt man wirklich viel rum und versteht noch weniger, was passiert. Es ist jedoch so, dass fast jeden Tag eine CPR stattfindet. Die Medizinstudierenden sind dann auch die, die die meiste Zeit die Thoraxkompression durchführen. Nachdem ich einige Male zugesehen habe und ein bisschen verzweifelt darüber war, dass sie die CPR echt nicht gut gemacht haben, habe ich dann auch einmal mitgeholfen. Es ist hilfreich, wenn man vorher schon einen ACLS-Kurs gemacht hat und die Leitlinien einigermaßen im Kopf hat.
Jeden Freitag findet um sieben Uhr gemeinsames Koran-Lesen statt, bei dem man herzlich eingeladen ist. Um 7:30 Uhr gibt es dann Fallvorstellungen auf English, die ganz spannend sind. Jeden Dienstag um 8 Uhr gibt es Bed-Side-teaching auf der CVCU, das solltet ihr euch auch mal ansehen.
Über den gesamten Monat soll man sich außerdem einen Fall aussuchen, den man dann am Ende in einem Case Report präsentiert. Außerdem hat uns unser Supervisor gebeten, den Case Report zu verschriftlichen, damit er im Andalas Medical Journal veröffentlicht werden kann. Insgesamt haben wir viel Arbeit in diesen Case Report gesteckt, da die Informationsbeschaffung wirklich schwierig war. Keiner hat so richtig Zeit, einem etwas über den Fall zu erzählen, die Patienten sprechen kein Englisch und die Akte ist per Hand geschrieben und auf Indonesisch. Wir haben uns gleich zu Anfang einen Fall ausgesucht und über den ganzen Monat Informationen gesammelt (ich glaube wir sind allen echt auf die Nerven gegangen). Die Präsentation war gar nicht so ohne, wir wurden viel zu den ESC Leitlinien gefragt. Im Endeffekt wurden wir aber dann dafür gelobt, ich glaube wir haben es im Vergleich zu den Medizinstudierenden dort echt gut gemacht. Fragt bezüglich dem schriftlichen Case Report mal die Assistenzärzt_innen, die können euch Beispiele schicken. Wir haben es dennoch nicht fertig gestellt, da so ein wissenschaftlicher Artikel sehr aufwändig ist. In meinen Augen ist diese Aufgabe auch deswegen schon nicht realistisch, weil man so schwer an Informationen kommt und sich in dem Thema nicht ausreichend auskennt, um etwas qualitativ Sinnvolles zu produzieren. Unser Supervisor hat uns ein Beispiel von einem der früheren Incomings geschickt, das wirklich schlecht geschrieben war. So etwas würde ich nicht in meinem Namen veröffentlichen wollen, daher hatten wir einige Probleme mit diesem Case Report. (Tipp: besorgt euch wenn möglich ein Kardiologie-Buch auf Englisch, aus dem ihr dann die Begrifflichkeiten und Dinge wie EKG-Befundung abschreiben könnt)
Während des Austausches wurden wir auch mehrmals darauf hingewiesen, dass wir eine Nachtschicht mitmachen könne. Dies ist bestimmt spannend, da nachts viele interessante Dinge passieren. Es bedeutet aber, dass man ab morgens um acht bis abends, die ganze Nacht und den darauffolgenden Tag bis 16 Uhr im Krankenhaus ist. Wir haben das daher dankend abgelehnt und die Medizinstudierenden bewundert, die das durchgehalten haben.
Insgesamt hatten wir kaum etwas mit den Studierende zu tun, da diese selbst gestresst waren und kaum Englisch gesprochen haben. Unser Spind war im Raum der Assistenzärzt_innen und mit denen haben wir auch am meisten unternommen.
Ich kann euch empfehlen, auch während eurer Rotation ab und zu in die Ambulanz (outpatient clinic) zu gehen. Von den Oberärzt_innnen erfahrt ihr, wer dort wann Dienst hat. Dort habt ihr die Chance, mal einige Patient_innen abzuhören.
Wichtiger Tipp: in der letzten Morgenbesprechung am Freitag solltet ihr unbedingt anwesend sein und vor allen sagen, dass dies euer letzter Tag ist. Ihr könnt dann allen danken und darauf hinweisen, dass ihr vielleicht etwas Süßes in den Aufenthaltsraum stellt.

Land und Leute

Bukittinggi
An unserem ersten Wochenende sind wir Incomings alleine nach Bukittinggi gefahren, eine etwa 3-4 Stunden entfernte Stadt. Allein die Busfahrt war ein Abenteuer für sich! Man fährt an einem Nationalpark und vielen Reisfeldern vorbei, außerdem kann man immer wieder Affen am Straßenrand sehen. Die Stadt liegt etwas höher als Padang und ist dadurch kühler. Außerdem kann man zur „Great Wall of Koto Gadang“ wandern und sich die schöne Landschaft ansehen.

Mandeh Island
Ein von CIMSA organisiertes Social Program ging zur Mandeh Island – so etwas Schönes habe ich noch nie gesehen! Wir waren am Strand, Schnorcheln, am Wasserfall und sind von Klippen gesprungen. Es war wirklich ein unvergesslicher Tag.

City Trip – Solok und Batu Sangkar
Ein weiterer Trip des Social Programs ging zu den Tee-Plantagen in Solok und einigen wirklich tollen Aussichten in Batu Sangkar. Wir haben endlichen losen Tee kaufen können und das kühle Wetter genossen. Stellt euch auf viele Fotos in den Teeplantagen ein!

Das Treffen mit der Vice-Dean
Zusammen mit unseren Kontaktpersonen haben wir die sehr nette Vice Dean getroffen. Bei der Gelegenheit kann man sich außerdem dem etwas außerhalb gelegenen Campus der Universität ansehen. Bei dem Treffen wurde uns das Penant der Uni überreicht, welches wirklich sehr schön ist. Habt da also auf jeden Fall etwas von eurer Uni dabei!

Zusammen mit den Ärzten und den Assistenten waren wir einige Male essen, am Strand, Kaffee trinken oder Badminton spielen. Sie sind wirklich alle total nett und zeigen einem die schönsten Ecken in Padang. Manchmal auch einfach während der Mittagspause!
Dinge, die mir nicht so gut gefallen haben, sind der hohe Plastikverbrauch (es ist jedes Mal ein Kampf, im Supermarkt nicht zwanzig Plastiktüten zu bekommen oder im Café seinen Kaffee im Glas zu bekommen) und die Aufdringlichkeit Menschen auf der Straße. Als Ausländer fällt man sehr auf und besonders in Padang sehen die Leute auf der Straße in einem die seltene Chance, mal mit einem Weißen gesprochen und ein Bild gemacht zu haben. Sie sind nicht unfreundlich aber sie haben keine Hemmungen einen anzusprechen und dreißig verschiedene Fotos zu machen, sowie einen nach den privatesten Dingen zu befragen. Gegen Ende des Austausches haben wir die Frage nach Fotos häufig freundlich verneint, was dann auch in Ordnung ist.
Insgesamt hat mir in Indonesien besonders die Gastfreundschaft der Menschen gefallen. Sie sind stolz, einem ihr Land zu zeigen und geben sich total viel Mühe, damit man sich wohl fühlt. Außerdem liebe ich das Essen, auch wenn man sich erstmal an die Schärfe gewöhnen muss. Da die Stadt am Meer liegt, gibt es super leckeren frischen Fisch und Seafood. Besonders begeistert waren wir auch von dem Obst dort. Wir haben einfach immer wieder unbekannte Früchte mit nach Hause gebraucht und unsere Gastfamilie um Hilfe beim Schälen und Essen gebeten.

Fazit

Der Austausch in Indonesien war die beste Entscheidung, die ich treffen konnte und ich würde es direkt wieder tun! Es ist ein spannendes, schönes und einmaliges Erlebnis, das ich nicht missen möchte! Meine Erwartungen an den Austausch wurden bei Weitem übertroffen. Ich habe neue Freunde gefunden, die schönsten Landschaften gesehen, eine neue Kultur von Nahem kennengelernt, erlebt, was Gastfreundschaft bedeutet und mich selbst ganz neu kennengelernt. Ich möchte in Zukunft zwar nicht in Indonesien arbeiten (die Assistenzarztzeit ist hart und man muss sogar dafür bezahlen), ich habe jedoch ein viel besseres Verständnis für die Kultur und möchte unbedingt noch viel mehr in der Gegend reisen.
Ich möchte auch selbst in Zukunft viel offener gegenüber Gästen in Deutschland sein und meiner Fachschaft dabei helfen, unsere Incomings so gut wie möglich zu betreuen und ihnen die Erfahrungen ermöglichen, die auch ich machen durfte.

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