zurück

Indonesia (CIMSA-ISMKI)

Innere - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Josephine, Leipzig

Motivation

Ich hatte zu Beginn der Klinik angefangen mir darüber Gedanken zu machen, wo und wie ich famulieren wollte. Natürlich möchte man fachlich so viel wie möglich mitnehmen, aber was für mich fast noch wichtiger ist als medizinischer Wissensgewinn, ist die Erfahrung, die man aus so einer Famulatur mitnimmt. Und da man später als Arzt eher schwerlich die Möglichkeit hat ins Ausland zu gehen und zu praktizieren, war für mich eigentlich relativ bald klar, dass ich gerne, zumindest für einen Monat, ins Ausland wollte.
Indonesien habe ich mir deswegen ausgesucht, weil ich erstens ein Land außerhalb von Europa und mit einer anderen Kultur also die unsere kennen lernen wollte. Zweitens wollte ich auch die medizinischen Umstände in einem nicht so weit entwickelten Land erfahren. Ein dritter Punkt war die Sprache. Ich wollte gerne in ein Land, dessen Muttersprache weder Deutsch noch Englisch ist, sodass man mal in die Lage versetzt wird, dass sich beide Gesprächspartner in einer für sie nicht so vertrauten Sprache verständigen müssen.
Ich bin erstmal mit relativ wenigen Erwartungen an diesen Austausch rangegangen. Klar hatte ich vorher einige Erfahrungsberichte gelesen und so schon mal einen ganz guten Überblick, aber das einzige, was ich wirklich erwartete von der Zeit in Indonesien, war das Land, die Leute, die Kultur und die medizinischen Umstände so gut wie möglich kennen zu lernen und zu erleben.

Vorbereitung

Da ich meinen Platz regulär erhalten habe, hatte ich auch viel Zeit mich auf den Aufenthalt vorzubereiten. Was das Bewerbungsverfahren angeht ist alles reibungslos verlaufen, die Leute von der bvmd standen jederzeit für Fragen zur Verfügung, was mir das Ganze sehr erleichtert hat. Besonders was die Dokumente für die IFMSA betraf waren sie sehr hilfreich, die Anforderungen der IFMSA waren für mich nämlich teilweise doch recht uneindeutig.
Ich hatte mir dann auch, sobald ich wusste wohin es gehen soll, einen Reiseführer von Lonelyplanet gekauft, der zwar sehr schön zu lesen und informativ ist, aber zur Vorbereitung eher weniger taugt, wenn man nicht gerade davor oder danach noch in Indonesien reisen möchte.
Weiterhin hatte ich mir vorgenommen ein paar Brocken Indonesisch zu lernen, was aber leider eher schlecht als recht geklappt hat, das meiste habe ich dann doch dort aufgeschnappt. Wenn ihr die Zeit dazu habt, versucht zumindest ein paar Wörter zu lernen, die Leute dort freuen sich sehr darüber.
Auch einen Kurs zu Medical English habe ich nicht besucht, aber ich hatte ein Wörterbuch für medizinisches Englisch dabei, was ich aber nicht wirklich gebraucht habe.
Ansonsten habe ich mich ein bisschen im Internet belesen und natürlich die Erfahrungsberichte durchstöbert.
Was mir am meisten geholfen hat: Ich hatte bereits einige Wochen vorher Kontakt mit einer anderen Medizinstudentin aus Deutschland, die zufälligerweise auch in der gleichen Stadt, Abteilung und Gastfamilie untergebracht war wie ich. So konnten wir uns ein bisschen absprechen.
Ansonsten hatten wir kurz vorher auch schon Kontakt zur zuständigen LEO und unseren CPs, die auch sehr hilfsbereit waren.

Visum

Was das Visum betrifft, hat das bei mir alles recht problemlos geklappt. Für Leipzig ist die Botschaft in Berlin zuständig. Da ich vorher nicht so richtig herausfinden konnte wie lange es dauert, wenn man alle Unterlagen hinschickt, habe ich es dann selbst vorbeigebracht und einen adressierten und vorfrankierten Umschlag mit Einschreiben beigefügt. Gekostet hat der ganze Spaß 50€ (vor Ort oder per Überweisung zu bezahlen), da man für den Austausch ein Visit Visa benötigt.
Visa on Arrival wird von der Universität nicht akzeptiert.
Ihr braucht dazu euren Reisepass (achtet auf die Gültigkeit), das ausgefüllte Antragsformular (kann man auf der Website der Botschaft runterladen), die Flugtickets, ein Einladungsschreiben der Uni in Indonesien (da reicht wohl der IL von der IFMSA nicht aus, schreibt also möglichst bald an den LEO, dass euch eins ausgestellt wird), 2 Passfotos und als Student noch ein Bürgschaftsschreiben eines Elternteils. Außerdem, wie oben erwähnt, einen Briefumschlag, wenn ihr es nicht persönlich abholt.
Hat dann bei mir 1 Woche gedauert, bis mein Reisepass wieder da war.
Das Visum ist 60 Tage gültig, kann aber auch verlängert werden, und muss innerhalb der nächsten 90 Tage nach Ausstellungsdatum gebraucht werden.
Hier noch die Internetseite der Botschaft mit den Infos zum Kurzbesuchs-Visum:
https://www.kemlu.go.id/berlin/lc/Pages/kurzbesuch-visum.aspx

Gesundheit

Ich habe vorher eine Reiseschutzberatung besucht, aber nur, da mein Arzt mich sonst nicht geimpft hätte. An Reiseschutzimpfungen habe ich mir Meningokokken (ACWY), Tollwut, Japanische Enzephalitis und Typhus geholt. Auch Hepatitis A und B und Tetanus sollte man haben. Da ich bei der Barmer versichert bin, wurden mir sämtliche Impfkosten erstattet.
Das einzige was Pflicht ist, ist der Nachweis, dass man keine Tuberkulose hat. Auf der IFMSA-Seite steht der Hauttest nach Mendel-Mantoux, der wird aber wohl in Deutschland nicht mehr durchgeführt. Deswegen habe ich dann leider 100€ für den Bluttest bezahlt. Allerdings werden wohl auch ein Tuberkulose-Impfnachweis oder ein Rö-Thorax akzeptiert, aber keine Gewähr, dass das stimmt.
Malariaprophylaxe hatte ich keine dabei, da ich nur auf Sumatra war und das kein Hochrisikogebiet ist. In meiner Reiseapotheke befanden sich nur die üblichen Dinge wie Ibuprofen, Halsschmerztabletten etc. Ich würde empfehlen was zum Magenschutz und gegen Durchfall mitzunehmen, da das Essen in Indonesien und speziell in Padang doch recht scharf ist. Ich persönlich hatte keine Probleme, aber laut der Ärzte dort haben Austauschstudenten wohl regelmäßig Probleme mit der Verdauung. Man wird da auch sehr häufig nach gefragt und die Leute sind bei dem Thema ziemlich offen.
Was sich allerdings als unentbehrlich herausgestellt hat, war Mosquitospray. Unsere Gastfamilie hat direkt neben einem Feld gewohnt und ich hatte trotz abendlichen Einsprühens einige Stiche. Auch Sonnencreme sollte man nicht vergessen, die Sonne ist doch noch um einiges stärker als bei uns.
Ansonsten hatte ich gesundheitlich keine Probleme.

Sicherheit

Ich habe mich während meines ganzen Aufenthaltes in Padang sehr sicher gefühlt und es ist angeblich auch die sicherste Stadt in Indonesien. Man wird extra davor gewarnt nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr allein auf der Straße herumzulaufen, aber ich denke, dass das selbstverständlich ist und ich hatte mich selbst abends/nachts draußen nie unsicher gefühlt während wir zusammen unterwegs waren. Die Leute, mit denen man dort unterwegs ist, bestehen auch immer darauf einen nach Hause zu begleiten bzw. mit einem auf das GoCar zu warten, also ist man auch nie wirklich allein.
Ein anderes Thema sind die Erdbeben und Tsunamis dort. Nachdem während des Erdbebens 2009 ganze Städte auf Sumatra zerstört wurden, sind die Menschen dort sehr aufmerksam und vorsichtig was diese Thematik angeht. Jeder erzählt einem, wo man Schutz suchen kann oder was man im Falle eines Erdbebens tun sollte. Außerdem findet man auch überall Hinweisschilder, in welche Richtung man sich bewegen sollte im Falle eines Tsunami.
Während meines Aufenthaltes dort, gab es ein paar kleine Erdbeben am Anfang, die ich selbst gar nicht gespürt habe, aber die Leute dort sind doch ziemlich sensibel was das angeht.
Insgesamt aber gab es keinen Zeitpunkt, an dem ich mich in irgendeiner Weise unsicher oder unwohl gefühlt hätte.
Man kann sich auch immer auf der Seite des Auswärtigen Amts über die Sicherheitslage in dem jeweiligen Land informieren.

Geld

Die Währung in Indonesien ist Indonesische Rupiah und 1€ ist ca. 16.000 Rupiah wert.
Ich habe mir im Voraus ein Konto mit Kreditkarte bei der Apobank geholt, womit man kostenlos im Ausland abheben kann. Das hat bei mir immer problemlos geklappt und die meisten Automaten dort verlangen auch keine Bearbeitungsgebühr. An sich kann man auch Geld wechseln lassen, aber da es an jeder Ecke Geldautomaten gibt, ist es mit Karte einfacher.
An sich empfiehlt es sich immer Bargeld dabei zu haben, weil man nur in relativ wenigen Geschäften/Restaurants mit Karte zahlen kann.
Die Preise sind im Vergleich zu Deutschland sehr günstig. Vor allem Dienstleistungen sind sehr billig, wodurch es fast günstiger ist, in Restaurants zu essen als selbst zu kochen. Auch Obst ist recht günstig und frisch.
Man kann seine Lebenshaltungskosten dort echt auf ein Minimum beschränken, wenn man das möchte. Da wir bei einer Gastfamilie waren, mussten wir nichts für die Unterkunft zahlen und wir bekamen jeden Tag Frühstück und je nach dem wann wir da waren auch Abendessen. Mittags wurden wir öfter von den Ärzten, besonders von unserem Supervisor und einem der Oberärzte zum Essen eingeladen. Je nach dem wo man hingeht und was man essen möchte kostet das Essen dann zwischen 1,50 und 5€.
Insgesamt kommt man also sehr gut mit einem kleinen Budget aus.

Sprache

In Indonesien wird Bahasa gesprochen, eine Sprache, die sich teilweise ein bisschen wie Niederländisch anhört (war früher schließlich auch niederländische Kolonie). Ich hatte vorher versucht mit Duolingo ein bisschen die Sprache zu lernen, bin aber leider nicht sehr weit gekommen. Allerdings sollte man schon ein paar Brocken können, da sich die Einheimischen sehr freuen, wenn man etwas auf Bahasa sagt, auch wenn es nur „Terima kasih“ (=Danke) ist. An sich ist es wohl eine recht einfache Sprache und uns wurde gesagt, man könnte sie innerhalb eines Jahres einigermaßen beherrschen.
Die Ärzte sprechen alle recht gut Englisch. Vor allem die Fachbegriffe beherrschen sie deutlich besser als es bei uns üblich ist, da sie auch viele Fachbücher auf Englisch lesen müssen. Allerdings wird es dann doch etwas schwerer sich mit ihnen zu verständigen, wenn es um kompliziertere Sachverhalte geht.
Die Patienten sprechen so gut wie gar kein Englisch, somit ist es eher schwer eine Anamnese zu erheben oder eine körperliche Untersuchung durchzuführen. Wenn überhaupt muss einer der Ärzte mitkommen und übersetzen, wobei das natürlich nicht gerade die Idealsituation ist.
Auch auf der Straße sprechen die Leute sehr wenig Englisch, aber irgendwie funktioniert die Kommunikation immer. Auch mit unserer Gastfamilie hat das durchweg gut geklappt, obwohl hier nur unsere Gastschwester, die auch Medizinstudentin war, wirklich gut Englisch gesprochen hat.

Verkehrsbindungen

Ich bin als erstes mit Emirates von Frankfurt über Dubai nach Kuala Lumpur geflogen und hab dort noch eine Woche Urlaub gemacht. Ich hatte den Flug ungefähr 7 Wochen vor Abflug gebucht und dann ca. 570€ gezahlt. Es gibt sicherlich auch günstigere Optionen, aber ich gönnte mir den Luxus eines vergleichsweise kurzen Fluges und hab auch direkt über Emirates gebucht, um mir eventuelle Probleme wegen Überbuchung etc. zu ersparen. Von Kuala Lumpur bin ich mit AirAsia für ca. 80€ dann nach Padang geflogen. Dort wurden wir dann von unseren CPs vom Flughafen abgeholt und zu unserer Gastfamilie gefahren.
In Padang kann man entweder die App Grab oder GoJek benutzen. Ich habe mich für letztere Variante entschieden. GoJek ist eine App worüber man einen Fahrer mit Roller oder Auto bestellen kann. Die Kosten sind direkt bei Buchung angegeben und sehr günstig, weswegen wir auch oft damit gefahren sind. Alternativ fahren noch die TransPadang Busse, die noch billiger sind als GoJek und alle 5-10 Minuten fahren, aber natürlich auch nur auf festen Strecken verkehren. Wenn man sich nicht vor viel Körperkontakt und doch recht rasanter Fahrweise scheut, ist das auch eine akzeptable Alternative. Eine dritte Option, die wir allerdings nur einmal ausprobiert haben, sind kleine Autobusse, die hinten offen und etwas teurer sind als der große Bus. Allerdings ist es nicht so ganz eindeutig, wo sie letztendlich hinfahren und wir hatten auch das Gefühl, dass der Fahrer von uns mehr Geld verlangt hat, weil wir kein Indonesisch konnten bzw. nicht von dort waren.
Ein paar mal sind wir mit dem Roller unserer Gastfamilie gefahren, was auch ganz amüsant war. Allerdings sollte man dafür eine International Driving Licence dabeihaben.

Kommunikation

Direkt am ersten Tag sind wir mit unseren CPs eine SIM-Karte kaufen gegangen, mit der wir zwar nicht telefonieren konnten, aber immerhin mobile Daten hatten. Wir haben ein Datenvolumen von 4,5GB gewählt, was eigentlich ausreichend ist. Ich bin mir nicht sicher wie viel es gekostet hat, da die Kosten von CIMSA übernommen wurde. Aber man bekommt teilweise an der Straße 15GB für 150.000 Rupiah angeboten.
Bei unserer Gastfamilie und in einigen Teilen des Krankenhauses gab es WLAN und auch die meisten Cafés und Restaurants bieten kostenlosen Internetzugang an. Somit ist eigentlich die Kommunikation mit den Leuten vor Ort und auch mit Familie und Freunden daheim problemlos möglich.
Da wir kein Guthaben hatten, habe ich immer über Whatsapp angerufen, was manchmal allerdings etwas nervig war, da es sehr davon abhängig ist, wie die Internetqualität gerade ist. Ansonsten habe ich viel Nachrichten geschrieben und Bilder geschickt.
Die Leute in Indonesien fragen einen eher nach Instagram als nach der Handynummer und wollen auch alle sofort Bilder mit einem posten. Das ist dort auch deutlich beliebter und weiter verbreitet als bei uns.
Postkarten haben wir leider keine gefunden, allerdings haben wir den Tipp bekommen, dass es wohl im Postamt welche gegeben hätte. Also falls sich jemand dort auf die Suche begeben möchte:
Viel Erfolg!

Unterkunft

In Padang wird man immer bei einer Gastfamilie untergebracht. Das wurde von der LEO vor Ort organisiert und wir wurden ein paar Tage vor Ankunft informiert, wo wir letztendlich wohnen werden. Ich war mit einer weiteren deutschen Medizinstudentin bei der gleichen Familie, die wohl schon einige Male Austauschstudenten bei sich aufgenommen hatte. Unsere Gastfamilie war sehr nett und fürsorglich und sie haben auch einige Sachen mit uns unternommen. Unsere Gastschwester war auch Medizinstudentin, die während unseres Aufenthaltes für ihr Abschlussexamen gelernt hat. Mit ihr sind wir zum Beispiel Kaffee trinken gegangen, waren einmal früh ein bisschen wandern und waren zusammen mit ihrer Mutter bei einem Markt und bei einer traditionellen Hochzeit. Außerdem hat sie uns auch sehr viele Tipps bezüglich Unternehmungen gegeben und uns auch generell sehr geholfen während unseres Aufenthaltes. Unsere Gastmutter war auch sehr fürsorglich und hat oft Essen für uns gemacht und jeden früh extra Kaffee oder Tee gekocht. Das Haus war auch recht zentral in der Nähe eines Einkaufscenters gelegen und war in einem angenehmen Abstand zum Krankenhaus.
Allgemein hätte es uns mit unserer Unterkunft meiner Meinung nach nicht besser treffen können, auch wenn das Bad am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig war, da es doch etwas unterschiedlich zu unseren westlichen Badezimmern ist. Aber für mich gehört das zu der Erfahrung dazu, nach Indonesien zu reisen und man gewöhnt sich irgendwann an alles.
Ich bin sehr glücklich von meiner Gastfamilie so freundlich und warm aufgenommen worden zu sein und würde mich sehr freuen sie eines Tages (vielleicht in Deutschland) wiederzusehen und etwas von ihrer Gastfreundschaft zurückgeben zu können.

Literatur

Ich hatte mir zur Vorbereitung einen Indonesien-Reiseführer von Lonelyplanet gekauft und noch einen von Dumont geschenkt bekommen. Beide sind angenehm geschrieben und haben einige Tipps zu Verhalten, Kultur und Sicherheit, allerdings lohnen sich beide nur so richtig, wenn man vor hat nach oder vor dem Austausch ein bisschen zu reisen.
Ansonsten habe ich mir die Erfahrungsberichte auf der bvmd-Seite angeschaut, wo man auch einige nützliche Tipps finden kann.
Es gibt auch noch einige Travelblogs oder die Seite indotravel, die aber vor allem fürs Reisen interessant sind.
Weiterhin hat auch das Auswärtige Amt bzw. die Seite der Indonesischen Botschaft ein paar nützliche Informationen.
Sonst würde ich empfehlen auf der Facebook-Seite für die Outgoings der bvmd zu fragen, ob noch jemand zur gleichen Zeit in Indonesien ist. Mir hat es sehr geholfen vorher mit jemandem zu schreiben was man so mitnimmt, wie man sich vorbereitet hat und Infos auszutauschen.
Für die Vorbereitung auf das Praktikum hatte ich mir ein Medical English Pocket zugelegt, was ich letztendlich aber nicht unbedingt gebraucht hätte

Mitzunehmen

Mitgenommen habe ich viel lange luftige Kleidung und meinen Kittel und mein Stethoskop für das Krankenhaus. Außerdem natürlich ein bisschen sommerliche Kleidung und einen Bikini, wobei man in Indonesien nicht zu freizügig rumlaufen sollte. Ich kann vor allem weite, luftige Blusen empfehlen.
Außerdem war ich sehr froh über Sonnencreme und Mosquitospray. Man kann sich grundsätzlich aber alles dort nachkaufen, nur Tampons gibt es keine. Außerdem sollte man vielleicht Taschentücher mitbringen, da die in Indonesien sehr dünn sind und schnell reißen. Eine kleine Reiseapotheke kann sicherlich auch nicht schaden.
Ich hatte auch noch ein Mosquitonetz dabei, was ich aber nicht gebraucht habe.
Meinen Laptop benutzte ich auch sehr viel, da wir eine Case Presentation machen sollten und ich dafür eine PowerPoint erstellt habe. Auch eine Powerbank ist sehr nützlich, da der Handyakku bei den Temperaturen doch sehr schnell leer geht.
Nimm auf jeden Fall genügend Gastgeschenke mit, glaub mir, du wirst froh sein genug zu haben! Ich hätte vorher auch nicht gedacht, dass ich so vielen Leuten etwas Kleines geben möchte, aber man lernt echt viele Leute kennen, die super lieb und gastfreundlich sind und etwas mit einem unternehmen und einem helfen. Sie freuen sich auch alle sehr darüber, wenn man ihnen etwas Kleines schenkt. Ich hatte v.a. Süßigkeiten aus Deutschland (keine Gummibärchen) und Karten dabei. Tee, Kühlschrankmagnete, Schlüsselanhänger oder Stifte sind aber auch gute Ideen. Außerdem sollten wir ein kleines Fähnchen/Wimpel von unserer Uni für die Dekanin mitnehmen, da es sowas in Leipzig allerdings nicht gibt habe ich einfach das Logo ausgedruckt und gerahmt.

Reise und Ankunft

Meine Anreise verlief ohne Probleme. Ich bin mit Emirates von Frankfurt über Dubai nach Kuala Lumpur geflogen, und eine Woche später mit AirAsia weiter nach Padang. Wir wurden am Flughafen sofort von unseren CPs in Empfang genommen und erst zum Essen und dann zu unserer Gastfamilie gebracht. Am Abend sind wir auch noch eine SIM-Karte kaufen gefahren.
Wir wurden am ersten Tag erstmal nur von der LEO im Krankenhaus rumgeführt und dann am zweiten Praktikumstag auf Station gebracht. Außerdem hat sie uns auch der Dekanin vorgestellt. Ich bin zwei Tage vor offiziellem Praktikumsbeginn angereist und war auch sehr froh darüber, da man so Zeit hat sich etwas einzugewöhnen. Allerdings wurde uns dann gesagt, dass unser Praktikum erst einen Tag später beginnt und wir uns am ersten Tag nur das Krankenhaus anschauen. Ich sollte bereits im Voraus schon ein Foto von meinem Visum für die Universität schicken und eine Tabelle mit Learning Objectives ausfüllen, die am Ende des Praktikums vom Supervisor bewertet und unterschrieben wurden. Als Vorbereitung musste ich sonst nichts weiter tun, Kittel und Stethoskop hatte ich dabei, mehr braucht man eigentlich nicht. Mein Handbook habe ich dann im Verlauf der Famulatur ausgedruckt und ausgefüllt.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich wurde für mein Praktikum in der Kardiologie eingeteilt. Man erhält am Anfang einen Stundenplan mit den Rotationen. So muss jeder Student eine Woche CVCU (Kardio-ITS), Cardiac Ward
(Normalstation), Non-invasive Diagnostics (Ambulanz, z.B. Echo) und Cathlab (Herzkatheter) absolvieren. Man wird sowohl von den Ärzten als auch vom Pflegepersonal sehr freundlich aufgenommen und es sind alle bereit etwas zu erklären und zu zeigen, auch wenn es an manchen Ecken etwas mit dem Englisch hapert. Insgesamt sitzt man aber leider viel rum und wartet oder sieht zu, da man natürlich nicht eigenständig arbeiten kann ohne Indonesisch zu sprechen. Ich habe mir bereits in der ersten Woche einen Fall für meine Case Presentation rausgesucht, die ich in der letzten Woche halten sollte. Für diese Präsentation soll man sich einen Patienten suchen, der interessant erscheint und dann den Fallverlauf und die Erkrankung vorstellen. Zusätzlich sollten wir auch noch einen Case Report schreiben, der wohl im Andalas Journal veröffentlicht werden soll. Insgesamt ist das eine sehr gute Idee, allerdings war es teilweise recht schwer alle Informationen zu erhalten, wenn man selbst die Akte nicht versteht und oft nicht alle Details genannt werden, obwohl man nachfragt.
Insgesamt hatte ich den Eindruck, dass die Diagnostik und vor allem die Therapie in der Kardiologie weitestgehend auf europäischem Level ist, da sie sich in Indonesien auch sehr nach den Leitlinien der ESC richten. In Indonesien selber gibt es leider keine eigenen Guidelines und die Studienlage ist auch sehr schlecht wodurch sie sich leider an Fakten aus anderen Ländern halten müssen.
Man sieht natürlich teilweise ganz andere Erkrankungen als in Deutschland, so sind zum Beispiel Klappenfehler aufgrund Rheumatischen Fiebers viel häufiger als bei uns. Und die Patienten sind auch sehr viel jünger als in deutschen Krankenhäusern, was mich etwas überrascht hat. Was ich sehr gut fand, war, dass ich selbst eine arterielle Punktion und eine Koronarangiographie durchführen durfte. Wenn man möchte kann man auch bei einer CPR mitmachen, da das dort relativ häufig vorkommt und es teilweise Aufgabe der Studenten ist.
Allgemein geben sich die Ärzte sehr viel Mühe einem Dinge zu erklären, vor allem die Oberärzte und unser Supervisor. Wir wurden auch mehrmals zum Essen eingeladen und durften auch mehrmals mit in ein anderes Krankenhaus um beim Herzkatheter zuzuschauen und einmal auch zu einer Vorlesung, die einer der Ärzte hielt. Auch die Residents (Assistenzärzte) sind sehr nett und mit ein paar von ihnen haben wir auch öfter etwas unternommen, zum Beispiel waren wir öfter Kaffee trinken und auch einmal mit Badminton spielen. Man hat sowieso das Gefühl, dass die Ärzte untereinander sich sehr gut verstehen und wie eine große Familie sind, da sich fast ihr ganzes Leben im Krankenhaus abspielt, aufgrund der langen und vielen Schichten (mehr als in Deutschland). Die Medizinstudenten müssen während des Studiums auch schon viel Zeit im Krankenhaus verbringen und auch Nachtschichten machen. Leider hatten wir mit ihnen eher weniger zu tun und haben eher Kontakt zu den Ärzten gehabt.
Ein weiterer Aspekt, der mir im Vergleich zu deutschen Krankenhäusern sehr gut gefallen hat, ist, dass es viele Scientific Meetings, Case Presentations und Paper Presentations von den Ärzten gibt und auch allgemein gute Lehre betrieben wird. Wir durften auch einige Male bei diesen Sitzungen dabei sein, wobei es oft auf Bahasa und nicht auf Englisch war.
Mir hat es insgesamt gesehen sehr gut gefallen und auch wenn ich fachlich vielleicht nicht so viel wie bei einer Famulatur in Deutschland mitgenommen habe, so denke ich doch dass es eine einmalige und wichtige Erfahrung für mich war und ich auch Dinge gelernt habe, die ich in Deutschland so nicht erfahren hätte.

Land und Leute

Indonesien ist insgesamt ein sehr gastfreundliches Land und man wird überall sehr herzlich und freundlich empfangen. Als Europäer ist man in diesem Land, besonders im nicht so touristischen Padang, natürlich eine Attraktion und man wird sehr viel angesprochen und um Bilder gebeten.
Die Leute sind auch sehr neugierig und fragen schnell recht persönliche Sachen.
Außerdem sind sie nicht so direkt wie Deutsche, sie versuchen immer freundlich und höflich zu bleiben, wodurch es mir manchmal etwas schwer viel zu erkennen was mein Gegenüber wirklich dachte oder wollte. Auch zuzugeben, dass man etwas nicht weiß oder die Frage nicht versteht, ist dort nicht üblich, wodurch man leider öfter mal falsche Informationen bekommt.
Da im April 2019 die Präsidentschaftswahlen anstehen, hingen überall Wahlplakate als wir dort waren. Es war auch interessant sich mit Leuten zu diesem Thema zu unterhalten, vor allem zu Themen wie LGBT, da auch ein paar Parteien mit diesem Thema warben.
Die Straßen sind in mäßigem Zustand und obwohl einige öffentliche Gebäude sehr schick und auch gerade die Moscheen sehr groß und eindrucksvoll sind, gibt es doch einige Dinge, durch die auffällt, dass es doch noch ein ärmeres Land ist.
Sumatra ist vor allem muslimisch geprägt, weswegen man darauf verzichten sollte, allzu knappe Kleidung zu tragen, besonders im Krankenhaus sollte man auf lange Kleidung achten. Und auf Baden nur im Bikini sollte man abgesehen von ein paar abgelegenen Stränden verzichten.
An Unternehmungen gab es zwar ein paar im Rahmen des Social Program, aber wir haben auch einiges selbst unternommen. Mit CIMSA waren wir an einem Tag auf einer kleinen Inseltour, wo wir schnorcheln und klippenspringen konnten, und wir waren auf einer Citytour in Solok und Batusangkar und es wurde ein Welcome und ein Farewell Dinner organisiert, zu denen auch die Gastfamilien eingeladen waren. Am ersten Wochenende war ich mit den beiden anderen deutschen Austauschstudenten in Bukittinggi, einer sehr schönen kleinen Stadt, die etwas höher und im Landesinneren gelegen ist. Außerdem waren wir mit unserer Gastfamilie auf einer Hochzeit, auf einem Markt und wandern. Auch die Ärzte haben uns öfter zum Essen, Kaffee trinken oder zum Badminton spielen bzw. an den Strand mitgenommen. Auch unsere CPs haben einige Male unabhängig vom Social Program etwas mit uns unternommen.
Wozu wir leider nicht gekommen sind, was wir aber gerne gemacht hätten ist einerseits eine Wanderung in den Bergen dort, was wir uns auf eigene Faust aber dann doch nicht getraut haben, und andererseits ein Ausflug zu den Mentawai Inseln, da diese sehr schön sein sollen. Allerdings lohnt sich das für ein Wochenende eher nicht, da die Fahrt alleine schon mindestens 6h dauert und außerdem die Boote nicht so oft fahren.
Ich war aber dennoch ganz froh, nicht die einzige Austauschstudentin zu sein, da man so immer jemanden hatte, der genauso viel/wenig Freizeit hatte und so sind wir auch öfter einfach zu zweit bzw. zu dritt Kaffee trinken oder shoppen gegangen.
Das Essen in Padang ist sehr lecker, aber auch sehr scharf. Es gibt einige Gerichte, die typisch für diese Region sind, und die man unbedingt probieren sollte, wie zum Beispiel Rendang, Soto oder Sate. Allerdings sollte man besonders am Anfang vorsichtig mit der Schärfe sein und sich langsam daran gewöhnen. Was dort auch sehr gut schmeckt, sind Fisch und Meeresfrüchte und natürlich das frische Obst. Wir haben aber leider feststellen müssen, dass es recht schwer ist, etwas Vegetarisches zu finden. Insgesamt hat man das Gefühl, dass das Essen entweder sehr scharf oder sehr süß und außerdem fettig ist. Nichtsdestotrotz ist es sehr lecker und man sollte auf jeden Fall, wenn möglich, mit den Einheimischen essen gehen, da sie wissen wo es am besten ist.

Fazit

Alles in allem kann ich sagen, dass dieser Austausch für mich eine unglaubliche, einzigartige und wundervolle Erfahrung war, die mir nicht nur medizinisch, sondern auch menschlich und kulturell sehr viel Neues gezeigt hat. Auch wenn natürlich nicht alle Momente durchweg positiv waren, so kann ich doch mit Sicherheit sagen, dass ich jederzeit wieder die Entscheidung treffen würde für meine Famulatur nach Padang zu gehen. Ich bin dankbar für die vielen wundervollen und lieben Menschen, die ich dort kennen lernen durfte, und hoffe, dass ich bald etwas von der Gastfreundschaft, die mir dort von jedem Einzelnen entgegengebracht wurde, zurückgeben kann.
Ich kann jedem nur wärmstens empfehlen eine Auslandsfamulatur über die bvmd in diesem wundervollen Land, und speziell in Padang auf der Kardiologie zu machen.

zurück