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Ghana (FGMSA)

Innere - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Johanna Viola, Düsseldorf

Motivation

Ich wollte ein anderes Gesundheitssystem kennenlernen, sehen wie Medizin mit weniger Ressourcen umgesetzt wird und außerdem Fälle und Krankheitsbilder sehen, die in Deutschland weniger häufig sind. Auch an kulturellen und traditionellen Einflüssen auf den Umgang mit Gesundheit und krank sein war ich sehr interessiert.

Vorbereitung

Schon vor meiner Bewerbung bei der bvmd habe ich die Erfahrungsberichte von früheren Outgoings gelesen. Daher wusste ich, dass zum Beispiel der Visumantrag relativ aufwendig ist. Da ich eine Studentin kannte, die ein Jahr vor mir im gleichen Krankenhaus in Ghana war, habe ich sie oft angeschrieben und nach Tipps gefragt. Außerdem hatte ich relativ früh Kontakt zu meiner Contactperson. Durch die beiden Kontakte waren meine Fragen alle schnell beantwortet und ich hatte keine Schwierigkeiten mit Formalitäten. Ich habe einige Dokumentationen über Ghana geschaut um einen Eindruck vom Land zu bekommen – ökonimisch, landschaftlich und kulturell. Das hat meine Vorfreude und Spannung enorm gesteigert und hat es mir auch vor Ort erleichtert einige Strukturen besser zu verstehen. Außerdem habe ich mir einen Reiseführer gekauft in dem ich schon vor meiner Abreise über Geschichte und aktuelle Politik und Religion gelesen habe.

Visum

Das Visum ist relativ aufwendig. Es gibt aber eine Step für Step Seite im Internet. Diese kann ich sehr empfehlen. Bei mir kam das Visum innerhalb von 2 Wochen zurück.

Gesundheit

Ich habe Malaria Prophylaxe eingenommen und alle Reiseimpfungen durchgeführt. In meiner Reiseapotheke hatte ich Fenistil für Mückenstiche (habe ich auch genutzt), Vomex, Immodium, Buscopan, etc.. (alles nicht genutzt – meinem Bauch ging es super) und Schmerztabletten. Es gibt dort aber auch alles zu kaufen.

Sicherheit

Ghana ist super sicher – auch als allein reisende Frau. Öffentliche Verkehrsmittel sind gut zu nutzen und ich konnte auch überall rum laufen. Das gefährlichste ist vermutlich ein Autounfall, aber das kann ja überall passieren.

Geld

Cedi ist die ghanaische Wärhung. 6 Cedis sind ungefähr 1 € ( März 2019). Es wird eigentlich überall in bar gezahlt. Es gibt aber in allen großen Städten Geldautomaten. Falls ihr nach Busua fahrt (sehr schöner Ort am Meer), dort gibt es keine Möglichkeit Geld abzuheben. Nächster funktionierender Automat war über eine Stunde mit dem Bus entfernt.

Sprache

Die offizielle Landessprache ist Englisch. Dementsprechend findet der Unterricht und alle Meetings auf Englisch statt. Viele Studierende unterhalten sich auch privat auf English. Im Krankenhaus konnten aber einige Patienten kein Englisch, beziehungsweise haben lieber Twi gesprochen. Einige Arzt Patienten Gespräche sind also nicht auf Englisch.

Verkehrsbindungen

Es gibt Inlandsflüge. Diese habe ich allerdings nicht genutzt. Sonst kommt man mit Bussen überall hin. Für längere Strecke zB Accra – Kumasi gibt es sehr komfortable Reisebusse. Auf kürzeren oder nicht so häufig genutzten Strecken fahren Trotros. Das sind Kleinbusse, die unterschiedlich bequem sind.

Kommunikation

Ich habe mir direkt am ersten Tag eine SIM Karte gekauft. Internet und Telefonieren sind sehr günstig. Die Internetverbindung ist meisten gut. Nach starkem Regen hatte ich manchmal Probleme. Im Studierendenwohnheim gibt es Eduroam, das nach Regen aber auch langsam.

Unterkunft

Ich habe im Studierendenwohnheim gewohnt. Es war eine Art Doppelzimmer mit jeweils einem Hochbett. Insgesamt also Platz für 4 Personen. Im März waren wir aber nur zwei incomings. In einem Zimmer war eine Spüle und eine Kochplatte, vom anderen Zimmer ging Dusch und WC ab. Das Zimmer war defintiv ausreichen. Die Zimmer der ghanaischen Studierenden waren kleiner, ohne Dusche und WC und für drei Personen.

Literatur

Ich habe vor allem meinen Reiseführer genutzt. Außerdem gab es in der Arte, ARD und ZDF Mediathek einige interessante Dokumentationen. Von dem LEO vor Ort haben wir ein kleine TWI Buch bekommen. Das müsste auch noch dort liegen.

Mitzunehmen

Taschenlampe!! Es war doch einige Male Stromausfall. Genauso Powerbank. Aber an sich kann man alles auch vor Ort kaufen. Die anderen Studierenden helfen immer und zeigen, wo es was gibt.
Taschenmesser, es gibt so viel leckeres Obst zu kaufen und nicht alles wird geschält, dann fand ich es sehr praktisch eins dabei zu haben.

Reise und Ankunft

Es lief alles super. Aber die Infos kamen relativ spät und nach einigen Erinnerungen. Ich wurde vom Flughafen abgeholt und habe die erste Nacht im Studierendenwohnheim in Accra schlafen können. Das war super lieb. Am nächsten Tag wurde ich zum Bus nach Kumasi gebracht. In den ersten 12 Stunden wurde ich glaube ich insgesamt von 5 Personen betreut und immer weitergereicht. Das war etwas verwirrend, aber alle waren sehr sehr nett. In Kumasi war dann alles etwas geregelter. Auch dort wurde ich vom Bus abgeholt.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich war im Department für Innere Medizin. Dort gibt es keine getrennten fachlichen Stationen (Kardio, Gastro, etc), sondern 1 Ward für Frauen und 1 Ward für Männer. Teams auch Oberarzt, Fachärzten und Assistenzärzten besuchen dann Patienten, die ihrer Fachrichtung zugeteilt sind. Ich war mit dem Team „Infection dieseases“ unterwegs. Wir haben unsere Patienten täglich untersucht und neue Diagnostik und Therapien angeordnet. Ich durfte alle Patienten auch selbst untersuchen und wurde nach meinen Diagnostik und Therapie Ideen gefragt. Ich bin also immer miteinbezogen worden. Dadurch konnte ich sehr viel lernen. Das Medizinstudium ist ähnlich aufgebaut wie in Deutschland. Allerdings studieren sie sechs Jahre ohne PJ und arbeiten danach zwei Jahre als Houseofficer. Das würde ich als irgendwas Zwischen PJ und Assistenzarzt beschreiben. Auf mir wirkte die Ausbildung und die Lehrinhalte unserem Niveau sehr ähnlich. Ich konnte einige Krankheitsbilder sehen, die ich in Deutschland noch nicht gesehen habe. Darunter Patienten mit Tetanus, Tollwut und Kinder mit Meningitis bei HIV. Auch aus diesen Fällen konnte ich sehr viel lernen. Die Ärzte aus meinem Team haben mir diese Fälle immer sehr ausführlich erklärt und mich teilweise zu passenden Präsentationen in der Uni dazu eingeladen.

Ich hatte in meiner Card of Acceptance eine Zusage für 30 Tage Infektiologie. Vor Ort wurde mir von der Leitung der Inneren Medizin gesagt, ich könne nur maximal 2 Wochen in der Infektiologie bleiben und müsse für die anderen 2 Wochen ein anderes Team aussuchen. Das fand ich ziemlich schade, da ich mich bewusst für die Infektiologie entschieden hatte. Ich habe die Ärzte des Infektiologie Teams dann nochmla persönlich gefragt, ob ich auch länger bei ihnen bleiben könnte. Die waren sehr offen dafür. Insgesamt war ich dann 3 Wochen in der Infektiologie und habe mir in der 4. Woche noch Geburtshilfe und Allg. Chirurgie angeschaut. Das war eine gute Möglichkeit kleine Einblicke in andere Fachrichtungen zu bekommen und so das Gesundheitssystem auch von einer anderen Seite zu sehen.

Ich hatte den Eindruck, dass die Klinik an sich gut ausgestattet war. Es gab Sono, Röntgen, CT und auch die meisten Laboruntersuchungen waren möglich. Was ich als großes Problem wahrgenommen habe, war die finanzielle Belastung der Patienten sowie deren Angehörigen. Die wenigsten Untersuchungen wurden von der Versicherung bezahlt und vor jeder Diagnostik musste geklärt werden, ob sie bezahlt werden kann. Oft wurden erst Angehörige kontaktiert, die aushelfen mussten, so dass sich Diagnostik oft verschoben hat oder nicht stattfinden konnte. Viele Ärzte haben das als sehr frustrierend beschrieben, da sie wüssten, wie therapiert werden könnte, wenn genug Ressourcen vorhanden wären.

Land und Leute

In Kumasi: Ich war an den meisten Tagen bis mittags im Krankenhaus, hatte danach also noch viel Zeit Kumasi zu erkunden. Ich habe mir Anfang meiner Praktikums eine Bucket-list gemacht, was ich alles sehen möchte und habe das auch den ghanaischen Studierenden gezeigt und gefragt, ob sie teilweise auch Interesse haben. Das kam super gut an und bei fast allen Ausflügen war noch jemand motiviert.
An anderen Tagen bin ich über den Markt geschlendert, habe super viele bunte Stoffe gekauft, bin ins Museum gegangen oder habe vor dem Ventilator entspannt. Abends waren eigentlich immer ghanaische Studierende zu Besuch und wir haben über Themen wie Ausbildung, Religion, Medizin Ethik und mehr diskutiert. Das war sehr lehrreich und total spannend. Diese Diskussionen habe ich sehr genossen.
An den Wochenenden:
Es gibt super viele Orte in Ghana, die sich als Wochenendtrip von Kumasi anbieten.
Ich habe mich für Ada Foah, Volta Region und die Westküste entschieden.
Ada Foah ist an der Küste östlich von Accra, wo der Volta Fluss ins Meer mündet.
Die Volta Region ist an der Grenze zu Togo, hier kann man vor allem wandern und Wasserfälle bestaunen.
Von Cape Coast an der Küste Richtung Westen dauert etwas länger als ein Wochenende. Es gibt zahlreiche Orte bei denen es sich lohnt vorbeizuschauen, Kaum Nationalpark, Busua und Butter, Beyin und Nzulenzo.
Alle Trips waren wunderschön – landschaftlich und menschlich.
Es gäbe noch einige andere Orte, die mich interessiert hätten, wenn wir also die Möglichkeit habt, länger zu bleiben, macht das auf jeden Fall!
Ich ernähre mich vegetarisch. Es gab in jedem Restaurant vegetarische Optionen – zB Jollof. Das ist Reis der in Tomatenmark gekocht wird. Allerdings ist „vegetarisch sein“ nicht so populär wie in Deutschland und ich habe teilweise erklären müssen, was ich esse und was nicht. Am Ende hat es immer geklappt  Und auch hier waren alle immer sehr hilfsbereit.
Natürlich bin ich durch meine Hautfarbe aufgefallen und gerade in sehr touristischen Orten oder aber in kleinen Dörfern als "Weiße" gerufen und angesprochen worden. Das habe ich aber nicht negativ aufgefasst, sondern einfach als einfachste Weise mich anzusprechen, wenn man meinen Namen nicht kennt.
Insgesamt habe ich Ghana als sehr gastfreundlich wahrgenommen und habe mich immer sehr wohlgefühlt.
Egal wen ich gefragt habe, es wurde sich immer sehr bemüht mir weiter zu helfen oder jemand dazu geholt, der*die mehr wusste - beim Reisen, im Krankenhaus und natürlich im Austausch Team.

Fazit

Mein Aufenthalt in Ghana war eine super schöne und spannende Erfahrung. Ich habe sehr viel gelernt über Ghana, fachlich und auch mich und meine Sichtweisen.
Ich kann jedem nur empfehlen eine Praktikum im Ausland zu absolvieren. Ich glaube es gibt keine anderen Möglichkeit in einem Monat auf so vielen verschiedenen Ebenen so viel dazuzulernen!

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