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Brazil (IFMSA-Brazil)

Neurologie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Daphne, Bonn

Motivation

Ich hatte die Länder Spanien, Portugal, Brasilien in dieser Reihenfolge angegeben und wollte eigentlich mein Spanisch wieder etwas auffrischen. Während der Bewerbungsphase ist mir allerdings aufgefallen, dass ich zu spät bin, um ein Spanisch-Zertifikat herzaubern zu können, sodass ich nur Länder wählen konnte, in denen das nicht gebraucht wird. Dadurch kam die Idee auf, dass Portugiesisch gar nicht so weit weg von Spanisch ist und es auch cool wäre, eine neue, ähnliche Sprache zu lernen.

Vorbereitung

Ich hab mich nach der Bewerbungsphase (die doch einiges an Organisation fordert) nicht extrem viel vorbereitet. Ich habe auch kein Vorbereitungsseminar der bvmd gemacht, wobei ich das durchaus getan hätte, wenn es zeitlich gepasst hätte. Gerne hätte ich einen Sprachkurs der Uni gemacht, jedoch gibt es Portugiesisch 1 nur im Sommersemester und das war schon beendet, als ich die Zusage bekam und für Portugiesisch 2 im Wintersemester kann man sich nur anmelden, wenn man Portugiesisch 1 schon gemacht hat... Ihr kennt das. Also hab ich auf die viel gelobte App Duolingo zurückgegriffen – und war positiv überrascht und kann es wirklich empfehlen. Zusätzlich habe ich über das Sprachtandem-Programm der Uni Bonn jemanden gesucht, der Portugiesisch spricht und der Deutsch lernen will. Ich bin auch fündig geworden und muss sagen, dass mir die Gespräche mit meiner lieben Tandem-Partnerin nicht nur mit der Sprache weitergeholfen haben. Sie stand mir bei allen möglichen Fragen zu Land und Leute zur Seite, was sehr hilfreich war. Also auch das kann ich nur empfehlen!

Visum

Für Brasilien ist als EU-Bürger kein Visum notwenig. Da spart ihr euch sicherlich viel Arbeit im Vergleich zu anderen Ländern. :)

Gesundheit

Ich habe mich gegen Gelbfieber impfen lassen und eine Auslandskrankenversicherung abgeschlossen. Ansonsten hab ich mich informiert, wie es mit Tollwut aussieht und mich mit Rücksprache der Tropenmediziner gegen eine Impfung entschieden. Die Reiseapotheke habe ich noch mit Imodium akut aufgestockt, da ich einige lange Busreisen geplant hatte und von Indienreisen wusste, dass das sehr nützlich sein kann. Jedoch wäre das im Nachhinein nicht nötig gewesen.

Sicherheit

Ich habe keine zusätzlichen Versicherungen abgeschlossen. Allerdings habe ich einen Geldgürtel und eine „unsichtbare“ Geldbauchtasche mitgenommen. Damit habe ich mich teilweise sicherer gefühlt – besonders, wenn ich mit viel Gepäck irgendwo hingekommen bin und offensichtlich als Tourist erkannt wurde.
Die Sicherheit war in meiner Famulaturstadt Ponta Grossa ziemlich hoch. Dort hatten 50% der jungen Leute auf der Straße ihr Smartphone in der Hosentasche der Jeans, genau wie hier auch. In größeren Städten wie Curitiba oder dem vergleichsweise unsicheren Rio de Janeiro habe ich das Handy auf offener Straße nicht in der Hand gehabt, sondern irgendwo in der Tasche oder im Rucksack. Jedoch war ich positiv überrascht von Rio de Janeiro – gerade, weil ich während der Karnevalszeit dort war – und muss sagen, dass mir zwar von gefühlt allen Brasilianern vor der Reise gesagt bekommen habe, dass ich sehr vorsichtig sein soll (mit Sicherheit berechtigt, mindestens so sehr wie man in jeder unbekannten Großstadt aufpassen sollte), andererseits die Stimmung der Stadt so ausgelassen und entspannt war, dass es nur selten Situationen gab, in denen ich mich unsicher gefühlt habe. Eine davon war, als meine Gastschwester, ihre Mutter und ich nach dem Sambodromo im Morgengrauen von der Metrostation zu unserem Hotel gegangen sind und in einer verlassenen Straße zwei Männer zunächst auf dem Bürgersteig saßen, uns gesehen haben, und aufgestanden sind. Als sie auch noch in unsere Richtung gekommen sind, haben wir dann die Straßenseite gewechselt. Es ist nichts passiert und auch in keinem anderen der Momente, in denen ich mich mal unwohl gefühlt habe. Trotzdem sollte man sich meiner Meinung nach auf sein Bauchgefühl und auf seinen gesunden Menschenverstand verlassen und wissen, wie man sich im Notfall verhalten sollte. Aber große Angst zu haben ist weder notwendig noch sinnvoll.

Geld

Brasilien hat die Währung Real (BRL), und 1€ entspricht ungefähr 4,20 BRL, aber das schwankt natürlich. Ich hatte vorher von einem Bekannten noch ein paar Reais Bargeld bekommen, sodass ich kein Geld vorher umgetauscht habe. Ansonsten ist es sehr praktisch, eine Kreditkarte zu haben, da die Brasilianer fast alles, selbst den Kaffee, mit Karte zahlen. Ich habe eine von der DKB, sodass ich nicht nur überall bezahlen, sondern auch kostenlos Geld abheben konnte. An den Kassen wird man häufig nach dem „CPF“ gefragt, eine bürokratische Nummer, die jeder Brasilianer hat und die für alles mögliche angegeben wird. Aber wenn man dann sagt, dass man nicht aus Brasilien ist, ist das auch kein Problem.
Trotzdem fand ich es angenehm, manchmal mit Bargeld zu bezahlen. Nicht zuletzt gibt es dann doch immer wieder Orte, wo nur Bargeld akzeptiert wird. Beispielsweise der Touristenbus in Curitiba oder in Markthallen, wo nicht an jedem Stand auch Kartenzahlung möglich ist.
Meine Lebenshaltungskosten waren nicht sehr hoch. Während der Famulatur wurde ich praktisch von meiner Gastschwester mitversorgt. Ab und zu habe ich es dann hinbekommen, sie auch einzuladen oder den Einkauf zu bezahlen, sodass ich nicht das Gefühl hatte, sie in den Ruin zu treiben. Auch während des Reisens habe ich nicht viel ausgeben müssen – da fallen dann die Sehenswürdigkeiten finanziell wesentlich stärker ins Gewicht als das Mittagessen.

Sprache

Brasilianisch, oder auch Portugiesisch, ist durchaus anspruchsvoll. Neben der Grammatik, die durchaus der spanischen oder italienischen ähnelt, gibt es die m.E. etwas schwierigere Aussprache, die natürlich auch abhängig von der Region ist.
Wie bereits bei „Vorbereitung“ erwähnt, habe ich Duolingo und ein Sprachtandem in Anspruch genommen. Auf dem Handy hatte ich dann noch ein Portugiesisch-Englisch-Wörterbuch, was recht nützlich war.
Im Praktikum war definitiv jedes bisschen Spracherfahrung hilfreich und ich würde jedem empfehlen, so früh wie möglich in irgendeiner Form mit dem Lernen der Sprache zu beginnen. Die Neurologie ist natürlich auch ein Anamnese-lastiges Fach, sodass sehr viel geredet wurde. Auf jeden Fall sind die Brasilianer super dankbar, wenn man ihre Sprache spricht, oder wenn man sie zumindest einigermaßen versteht, da gerade die ältere Generation und in der Regel die Patienten kein Englisch sprechen.
Trotzdem lernt man nirgendwo so gut die Sprache wie vor Ort – also stresst euch nicht zu viel deswegen. Die wichtigsten Vokabeln lernt man schnell!

Verkehrsbindungen

Ich bin mit dem Flugzeug von Frankfurt über Sao Paolo nach Curitiba angereist. Dort gab es einen Shuttle-Bus zum Busbahnhof, wo ich letztendlich ein Busticket nach Ponta Grossa kaufen konnte. In Ponta Grossa wurde ich von meiner Gastschwester abgeholt.
In Brasilien kann man entweder fliegen oder Bus fahren. Züge gibt es kaum. Busse sind natürlich besonders bei spontanen Reisen günstiger, aber wenn man mit viel Zeit vorausplanen kann und will, lohnt sich ein Blick auf die Flugpreise. Ich kann die brasilianische Seite decolar.com empfehlen. Ich habe es zwar nicht geschafft, ohne CPF einen Flug zu buchen, jedoch hat das freundlicherweise meine Sprachtandem-Partnerin für mich gemacht. Ansonsten sind „kürzere“ Strecken aber sehr gut mit dem Bus zu überwinden. Ich bin bei 8Std+ Reisen dann in der Nacht gefahren. So spart man sich eine Nacht im Hostel und kann aber noch den ganzen Tag nutzen, verliert aber auch nicht einen Tag im Bus.
Die Busse sind durchaus sicher und ich hatte nie Sorge, mein sperriges Gepäck „abzugeben“. Im Zweifel kann man kleinere Rucksäcke und Handtaschen immer mitnehmen, sodass man seine Wertsachen auch dabei hat.
Zu Preisen und wie oft die Busse verkehren hilft Google Maps gar nicht, dafür aber die Seite buscaonibus.com.

Kommunikation

Meine Gastschwester hatte Wlan bei sich, sodass es in der Wohnung einfach war, Internet zu nutzen. Nach einigen Tagen haben wir es auch geschafft, eine brasilianische SIM zu kaufen, die ich pro Woche für 10 Reais aufladen konnte und damit praktisch unbegrenzt Internet und Netz hatte. Das war sicherlich nicht die billigste Möglichkeit, aber für so eine kurze Zeit auch absolut okay.

Unterkunft

Durch die bvmd bzw. IFMSA wurde mir eine Unterkunft zugeteilt, nämlich die Wohnung einer Medizinstudentin, die gleichzeitig auch LEO von IFMSA Brazil war. Sie hatte noch eine Mitbewohnerin, sodass wir zu dritt waren. Ich brauchte keine Bettwäsche/Handtücher o.Ä. mitbringen und die Küche und Kühlschrank standen mir offen – ich durfte alles nutzen und auch das Essen wurde schwesterlich geteilt.

Literatur

Ich hab mir einige Erfahrungsberichte durchgelesen, die sicherlich am meisten geholfen haben. Geschenkt bekommen habe ich noch das Buch „KulturSchock Brasilien“, in das ich auch reingelesen habe. Das ist auch interessant, aber ich würd's auch nicht als zwingend nötig bezeichnen. Etwas nützlicher war der „Reise-Sprachführer Brasilianisch“ von Pons, in dem nicht nur in Kapiteln Beispielsätze und Vokabellisten abgehandelt werden, sondern auch einige Informationen wie in einem Reiseführer passend zum Kapitel angegeben sind, bspw. zum CPF.
Auf die Neurologie im Speziellen hab ich mich nicht vorbereitet, sodass ich eben erst lernen musste, dass „ACV“ ein Schlaganfall ist. Aber das fand ich kein großes Problem, denn viele Fachwörter sind auch sehr ähnlich oder gleich.

Mitzunehmen

Mitbringsel! Ich habe 2 Messer aus meiner Heimatstadt Solingen mitgebracht und gaaaanz viel Haribo (wobei ich feststellen durfte, dass es in den Supermärkten auch Haribo gibt).
Sonnencreme ist wesentlich günstiger in Deutschland als in Brasilien, daher empfehlenswert mitzunehmen, ggf. genauso Mückenspray.
Ich hatte tatsächlich mit den Gedanken an meinen Aufenthalt in Rio ein Ersatzhandy mitgenommen, das ich einerseits hätte hergeben können, wenn ich beklaut worden wäre, oder eben hätte nutzen können, wenn das andere kaputt geht oder trotzdem geklaut wird etc. Im Nachhinein habe ich es nicht gebraucht, aber es hat mich auch manchmal sicherer fühlen lassen.
Ansonsten... außer Reisepass, Handy und was man sonst generell braucht, kann man eigentlich auch alles dort kaufen. Die Supermärkte sind gut ausgestattet.

Reise und Ankunft

Wie oben schon beschrieben wurde ich nach meiner Flugzeug-Bus-Bus-Reise von meiner Gastschwester am Busbahnhof abgeholt. Da ich von der IFMSA Brazil gebeten wurde, meinen Praktikumsbeginn nach vorn zu schieben, bin ich Sonntag angekommen und hatte Montag schon meinen ersten Tag. Das war zwar anstrengend, aber eigentlich auch ganz cool. So bin ich direkt in den Alltag eingetaucht.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe im Universitätsklinikum Ponta Grossa in der Neurologie gearbeitet. Am ersten Tag musste ich dankbarerweise erst um 09:00 Uhr da sein. Dort wurde ich von den Studenten (internados) in Empfang genommen und nach einer kurzen Vorstellungsrunde mit allen möglichen Mitarbeitern auch mit zu den Patienten genommen. Es wurde auch immer versucht zu erklären, was die Leute haben, wobei es in meiner ersten Woche nicht so voll war und vor allem Schlaganfall-Patienten dort waren. Die Patienten und wie es mit ihnen weitergeht wurden auch immer mit dem Stationsarzt und letztendlich Oberarzt besprochen, mit dem es täglich eine Art Visite gab. Selten nachmittags, meistens vormittags ab 08:00 Uhr stand auch Ambulanzdienst an. Die Ambulanz war immer nach Themen aufgeteilt, also z.B. dienstags die neurodegenerativen Erkrankungen, mittwochs die neuromuskulären Erkrankungen etc. Auch hier haben die internados die Anamnese mit den Patienten gemacht, sie untersucht und am Ende den zuständigen Arzt dazu geholt. Dort und auch auf Station war ich immer eingeladen, Fragen zu stellen und manchmal durfte ich auch den Untersuchungsteil komplett übernehmen. In der ersten Woche war das noch etwas schwierig mit der Kommunikation, aber schnell hatte ich raus, was man den Patienten ansagen musste, damit sie das tun, was nötig ist. Wie viel ich machen konnte, variierte immer von Student zu Student und war auch abhängig vom Stationsarzt, der leider mitten in meinem Praktikum wechselte: ein „neuer“ Assistenzarzt fing an, sodass dieser sich auch erstmal eingewöhnen musste und sich nicht so viele Gedanken um mich machte wie der vorher. Das war also nicht optimal, da dieser zunächst wieder alle Studenten inklusive mir zu jedem einzelnen Patienten mit rein nahm und wir in einer Gruppe jeden besprochen haben. So konnte ich in dieser Zeit keine Patienten untersuchen. Dafür waren mir zu dieser Zeit die Fallgeschichten der Patienten klarer als vorher, da ja auch mein Portugiesisch mit der Zeit besser geworden ist. Auch die Studenten wechselten – sie waren immer in Dreiergruppen und ich habe insgesamt 3 Gruppen kennengelernt. Ich hatte ein gutes Verhältnis zu ihnen und konnte mich mit allen Fragen und Zweifeln jederzeit an jemanden wenden.
Die Arbeitszeiten variierten sehr, man wurde i.d.R. vom Assistenzarzt befreit, wenn nichts mehr los war. Ich war manchmal bis 18:00 Uhr abends dort, wenn es noch eine Ambulanz nachmittags gab, meistens aber so gegen 14:00 Uhr, manchmal auch schon um 12:00 Uhr.
Ich denke nicht, dass ich eine bestimmte Aufgabe auf Station und in der Ambulanz hatte. Ich war eher Hospitantin, manchmal konnte ich eben selbst untersuchen, aber ansonsten habe ich viel zugehört und zugeschaut. Ich hätte also theoretisch sicherlich mehr lernen können, allerdings ist das ähnlich mit Famulaturen, die ich in Deutschland gemacht habe. Immerhin konnte man sich während der Zeit, wenn man gerade nichts zu tun hatte, auch nett mit den Studenten und Ärzten dort unterhalten, denn es kam nicht selten vor, dass man mal Leerlauf hatte. Teilweise wurde ich regelrecht ausgefragt, aber auf eine sympathische Art und Weise. Insgesamt haben die Studenten und Ärzte ein enges Verhältnis zueinander, und so war es ganz normal, sich z.B. nach der Arbeit auf ein Bier zu treffen.
Es gab nur 2 Lumbalpunktionen, die jeweils ein internado unter Anleitung gemacht hat. Ich hätte natürlich gern mal eine gemacht, aber wollte auch nicht darauf bestehen, da ich theoretisch auch einfach eine in Deutschland machen könnte. Es war trotzdem wieder interessant zuzusehen.
Was das Gesundheitssystem betrifft, haben mir mehrere Leute bereitwillig etwas darüber erzählt. Besonders wurde betont, dass sie das „SUS“ haben, welches bedeutet, dass jeder Mensch, der es braucht, medizinisch versorgt wird und nichts dafür zahlen muss. Das hat zwar zur Folge, dass die Menschen lange auf einen Termin warten müssen (auch hier gibt es Privatversicherungen, bei denen es dann schneller und qualitativ besser geht), aber alle werden versorgt. Trotzdem gibt es natürlich Medikamente, die sie selbst zahlen müssen usw, sodass das System nicht vollständig greift. Aber die Brasilianer sind sehr stolz auf dieses System.
Das Medizinstudium ist etwas anders aufgebaut als hier. Bei ihnen gibt es z.B. keine „Vorklinik“, und das „PJ“ sind praktisch die letzten 2 Jahre des Studiums, wo sie als internados in jeden Fachbereich für ca. 3 Wochen nochmal reingehen. Am Ende der 3 Wochen wird eine Prüfung über das Fach geschrieben – dafür gibt es kein Äquivalent zum Staatsexamen nach dieser Zeit. Die letzte Prüfung ist einfach in dem letzten Fach, was sie haben. Dafür müssen sie aber eine Prüfung ablegen, bevor sie den Assistenzarzt (residente) anfangen können, die dann fachspezifisch ist.

Land und Leute

Am ersten Wochenende wurde ich direkt von Leticia, meiner Gastschwester, zu den Sehenswürdigkeiten um Ponta Grossa begleitet: Am Samstag waren wir mit zwei Freunden von ihr bei einem Wasserfall und am Sonntag haben wir zusammen mit einem Austauschstudenten aus Peru die Vila Velha besucht. Zumindest diese beiden Dinge bieten sich sehr an, wenn man nach Ponta Grossa kommt. Auch Curitiba, über das man ja sowieso zu fast allen anderen Orten reisen muss, ist ein Ausflug wert. Ich habe Florianópolis, das so häufig in anderen Erfahrungsberichten vorkommt, an einem Wochenende mit dem Bus besucht (Samstag morgen Ankunft, Sonntag Abend Abfahrt). Es war auf jeden Fall super dort – ich wäre gern länger geblieben und würde daher auch empfehlen, 1-2 Tage länger zu bleiben. Da ich durch Karneval in Rio schon in der Woche vorher „gefehlt“ habe, wollte ich nicht sofort am Wochenende darauf nochmal darum bitten, aber vermutlich wäre es kein Problem gewesen, da die Leute sehr nett sind und auch Verständnis dafür haben, dass man die Zeit, die man hat, auch ausnutzen sollte, um viel von Brasilien zu sehen. Rio de Janeiro sollte man sich meiner Meinung nach nicht entgehen lassen, wenn es irgendwie geht. Ja, man sollte vorsichtig sein, aber die Touristenspots sind wirklich sicher – mindestens während der Öffnungszeiten. Und mit Uber kann man sich auch sicher und recht kostengünstig fortbewegen. Ich bin auch mal mit der Metro gefahren (auch alleine), wenn die Wege sehr weit waren und es sich anbot, und das habe ich auch als sicher empfunden.
Uber ist übrigens d a s Fortbewegungsmittel überhaupt. Eigentlich in jeder Stadt, wo ich war, verfügbar und wirklich hilfreich. Ich hab mir die App auch erst in Brasilien runtergeladen und eingerichtet, und hätte es aber nicht missen wollen.
Reise-technisch kann ich noch Iguaçu (Cataratas do Iguaçu) empfehlen. Sowohl die brasilianische als auch die argentinische Seite hat ihre Reize und ich bin froh, beide Seiten besucht zu haben. Zuletzt war ich auf der Ilha do Mel, die von Curitiba aus gut zu erreichen ist. Hier ist alles etwas ruhiger, es gibt keine Autos, man kann den ganzen Tag am Strand verbringen oder die Pfade der Insel ablaufen... Für mich war es ein optimaler Abschluss des Aufenthalts.
Kulturell habe ich als erstes den Carnaval in Rio im Kopf, weil der wohl am eindrücklichsten war. So viele ausgelassene, verkleidete Menschen, so viel Diversität, aus ganz wenig ganz viel machen – das habe ich dort erfahren. Aber auch „so“ sind die Brasilianer sehr offenherzig, gastfreundlich, hilfsbereit und liiieben Deutschland (obwohl natürlich die meisten, die das sagen, noch nie dort waren). Es ist super easy, mit ihnen ins Gespräch zu kommen, und alle sind sehr froh, wenn man Portugiesisch spricht – egal, wie gut oder schlecht. Insgesamt wurden meine Sprachkenntnisse oft gelobt, obwohl ich selbst noch nicht so zufrieden war. Obwohl es für mich etwas schwierig war, auf Portugiesisch über Politik zu reden, hat auch das manchmal funktioniert und ich fand es extrem spannend, was mir über Lula erzählt wurde und wie über den jetzigen Kurs des Präsidenten gedacht wird. Umgekehrt wurde ich zur Flüchtlingskrise befragt. Insgesamt hatte ich das Gefühl, dass die Leute recht liberal sind, was Meinungen angeht, was ich sehr angenehm fand.
Zu der Frage „Wie war das Essen?“, die in der Formulierungshilfe angegeben ist, möchte ich nun auch etwas schreiben – allerdings nur, um gegebenenfalls Gleichgesinnten die Sorge zu nehmen, dass es fast unmöglich werden könnte, in Brasilien zu essen. Denn Essen ist mein Problemthema: ich esse vegan. Das hat häufig erstmal große Augen hervorgerufen, und den besorgten und ungläubigen Ausruf „Aber was isst du denn dann?!“. Also so ungefähr wie hier auch. Aber nicht alle haben das als problematisch angesehen. Zum Glück war meine Gastschwester dem sehr interessiert und wohlwollend eingestellt. Tatsächlich war es kein großes Problem mit ihr vegan zu kochen (wobei ich natürlich niemanden im Haushalt gezwungen habe, vegan zu essen). Es gibt Sojamilch in jedem einigermaßen gut sortierten Supermarkt, womit das Müsli morgens gerettet ist. Andere Ersatzprodukte habe ich nicht gesucht, daher kann ich dazu nichts sagen. Die Fülle an Früchten und Gemüse ist jedenfalls ausreichend! In Restaurants war es schon etwas schwieriger: geht man in ein Burgerrestaurant oder ähnliches (ja, ich weiß, ohnehin nicht die beste Wahl als Veganer, aber wenn man eingeladen wird, nörgelt man ja nicht unbedingt an der Wahl der Location herum), sind meistens die Pommes das Einzige, was vegan ist. Wenn man sich Mühe gibt und sagt, was man alles nicht im Salat will, geht das natürlich auch. Ansonsten sind Restaurants super, in denen man sich was am Buffet nehmen kann. Entweder zahlt man einen Festpreis und darf so viel nehmen, wie man will, oder man zahlt nach Gewicht. Dort gibt es in der Regel eine sehr gute Salat-Frucht-Gemüse-Auswahl und auch etwas mehr als nur Reis und Bohnen dazu. Außerdem kann man noch einen Saft dazu bestellen. Ich war wirklich positiv überrascht, wie einfach es doch ist, immer etwas zu finden.

Fazit

Ich würde definitiv wieder nach Brasilien gehen! Dieses Mal womöglich nicht wieder in die Neurologie, aber ich würde Leticia und die Leute auf Station zumindest nochmal besuchen. Mir wurde auch sehr ans Herz gelegt, den Norden des Landes irgendwann mal zu bereisen, und diesem Rat würde ich gerne folgen.
Das Reisen dort hat mir großen Spaß gemacht und ich kann mir vorstellen, dass das nicht mein letzter Brasilien-Besuch war. Dort arbeiten werde ich vermutlich nicht (obwohl mir auch das zumindest vorgeschlagen wurde), aber das Land und die Leute sind auf jeden Fall mehr als nur eine Reise wert! Und obwohl ich Portugiesisch mit seiner Aussprache zunächst eher seltsam fand, habe ich inzwischen die Schönheit der Sprache entdeckt, und mit ihr die Schönheit Brasiliens.

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