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Brazil (DENEM)

Chirurgie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Verena, Düsseldorf

Motivation

Meine Motivation ins Ausland zu gehen, war von Anfang des Studiums gegeben. Ich habe bereits während der Schulzeit mehrere Austausche gemacht und reise gerne und viel in den Semesterferien. Ich habe mir von dem Auslandaufenthalt erwartet einen kulturellen und medizinischen Einblick in einem anderen Land zu erhalten. Meine Wahl fiel auf Brasilien, da ich gerne nach Südamerika reisen wollte, jedoch keine Spanischkenntnisse besitze. Außerdem hat mich die Größe und Vielfalt des Landes interessiert.

Vorbereitung

Zur Vorbereitung auf den Auslandsaufenthalt habe ich einen Portugiesisch A1 Kurs an der Uni absolviert. Außerdem habe ich mich mit der Kultur, der Politik des Landes beschäftigt und brasilianische Musik gehört.
Die Bewerbung lief reibungslos und ich hatte keine Probleme mit Formalitäten.


Visum

Für die Einreise nach Brasilien brauchte ich kein Visum beantragen. Die Einreise mit einem deutschen Reisepass, der mehr als 6 Monate nach Einreise gültig ist, verläuft am Flughafen ohne Probleme.

Gesundheit

Für die Bewerbung bei der IFMSA musste ich einen Tuberkulose-Test vorweisen, den ich bei mir an der Universität kostenlos durchführen konnte.
Da ich bereits einen ausreichenden Impfstatus bezüglich Reiseimpfungen hatte, musste ich vor der Reise keine zusätzlichen Impfungen durchführen lassen. Das Local Commitee weißt bei Eingang der CA erneut auf die Gelbfieber-Impfung hin. In meiner Reiseapotheke haben sich die klassischen Medikamente befunden. Wichtig ist hier an ein Mücken-Spray zu denken, um die Gefahr einer Malaria-, Chikungunya- oder Zika-Virus-Infektion zu reduzieren

Sicherheit

Brasilien ist bekannt dafür, dass es ein unsicheres Land ist. Da es meine erste Reise nach Südamerika war, hatte vor meinem Auslandsaufenthalt leichte Bedenken bezüglich der Sicherheit. Vor Ort habe ich mich in keiner Situation unsicher oder gefährdet gefühlt. Wenn man sich mit gesundem Menschenverstand und etwas Vorsicht verhält, muss man definitiv keine Sorgen bezüglich der Sicherheit haben.

Geld

In Brasilien wird mit der Währung Reais bezahlt. Ich habe mein Bargeld vor Ort mittels meiner Kreditkarte abgehoben. Banco do Brasil und Bradesco ermöglichen eine Abhebung ohne zusätzliche Gebühr.
Die Preise sind im Vergleich zu Deutschland niedriger. Vor allem Dinge aus dem Dienstleitungsbereich sind günstiger als in Deutschland, Hardware/Kleidung ist häufig teurer als in Deutschland.

Sprache

In Brasilien sprechen nur wenige Menschen Englisch. Vor allem im Alltag (Uberfahrer, Hotel/Hostel, Restaurants) ist es sehr hilfreich Portugiesisch-Grundkenntnisse zu besitzen, da die weniger wohlhabende Bevölkerung meist keine Englischkenntnisse besitzt. In der Universität haben die meisten Studenten gutes Englisch gesprochen. Beim Praktikum haben nur wenige Ärzte Englischkenntnisse besitzt und die Alltagssprache untereinander und mit Patienten ist Portugiesisch. Ich würde es jedem ans Herz legen vor dem Praktikum einen Sprachkurs zu machen.

Verkehrsbindungen

In Brasilien kann man sich zum Reisen entweder mit Bussen (günstiger und bequem, dafür lange Reisezeiten) oder dem Flugzeug (Flüge eher teurer, v.a. bei kurzfristiger Buchung) fortbewegen. Ich bin viel mit Nachtbussen gereist und habe damit ausschließlich gute Erfahrungen gemacht. Zum täglichen Transport habe ich viel Uber oder lokale Busse benutzt.

Kommunikation

Ich habe mir vor Ort eine brasilianische Simkarte gekauft. Diese kostet umgerechnet 2,50€ und lässt sich anschließend mit Guthaben aufladen. Die Benutzung von Whatsapp und Facebook sind dabei meist kostenlos.

Unterkunft

Ich habe während der Famulatur bei einer Gastfamilie gewohnt. Mir wurde ein kleines, eigenes Zimmer mit einer Matratze auf dem Boden gestellt. Die Unterkunft wurde von dem Local Commitee vor Ort organisiert. Die Küche durfte ich frei benutzen, im Kühlschrank Essen lagern und kochen.

Literatur

Ich habe mir zur Vorbereitung den Reiseführer von Stefan Loose gekauft. Außerdem habe ich mich im Internet über Land und Leute informiert. Abgesehen davon habe ich keine medizinische Literatur zur Vorbereitung gelesen.

Mitzunehmen

Ich habe meine Famulatur in der plastischen Chirurgie absolviert. Das Stethoskop habe ich dafür nicht gebraucht. Ansonsten habe ich geschlossene Schuhe, eine lange Hose und einen weißen Kittel mitgenommen.
Unbedingt sollte man außerdem an Moskitospray und Sonnencreme denken.

Reise und Ankunft

Ich bin vor dem Praktikum 3 Wochen durch Brasilien gereist. Zum Praktikumsbeginn bin ich durch einen Inlandsflug in Florianopolis wenige Tage vor Beginn gelandet. Ich wurde von meiner Padrinha (Buddy-Studentin, die einmal die Woche etwas mit mir gemacht hat) abgeholt und zu meiner Gastfamilie gebracht.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe meine Famulatur in der plastischen Chirurgie gemacht. Mit mir zusammen waren noch zwei andere Incommings in der plastischen. Am ersten Tag wurden wir von einem unserer contact persons vor Ort in den OP gebracht und den Ärzten vorgestellt. Die plastische Chirurgie hat immer einen, meistens zwei OP-Säle. In einem werden kleinere Operationen unter lokaler Anästhesie durchgeführt, zb. Ohren anlegen, Schlupflider entfernen, Tumorresektionen. In dem anderen Operationssaal werden größere Operationen in Narkose durchgeführt. Hier habe ich viele verschiedene plastische Operationen sehen können, zb. Brustverkleinerung, Brustvergrößerung, Facelift, Nasen-Operation. Da ich in Deutschland soweit noch keine Berührungspunkte mit der plastischen Chirurgie hatte, fand ich es sehr interessant die Operationen zu sehen. In den kleineren Operationen unter lokaler Anästhesie war es möglich sich einzuwaschen, zu assistieren und zu nähen. Die größeren Operationen konnte man lediglich beobachten. Meistens waren wir täglich von ca. 8 – 12Uhr im OP. Mittwoch vormittags waren wir in der Ambulanz. Dort haben sich Patienten entweder erstmalig vorgestellt oder sind nach einer OP wieder vorstellig geworden. Mir haben die Ambulanz-Tage viel Spaß bereitet, da ich eine große Vielfalt an Patientenanliegen sehen konnte. Sehr viele Patienten haben sich mit Basalzellkarzinomen vorgestellt. Mich hat es schockiert zu sehen welche schädlichen Einflüsse die Sonne nach jahrzehntelanger Exposition auf die Haut hat. Abgesehen von den Tumor-Patienten gab es eine große Bandbreite an Anliegen von rekonstruktiv bis rein ästhetisch. Mittwoch nachmittags wurden in den ambulanten OP-Räumen Biopsien durchgeführt, bei denen man assistieren oder sie sogar selbstständig durchführen durfte.
Ich habe vor dem Auslandsaufenthalt einen A1 Kurs Portugiesisch gemacht, der mir definitiv im Krankenhaus sehr geholfen hat. Je besser man die Sprache spricht, desto mehr wird man mit einbezogen und desto mehr kann man mitnehmen. Nur wenige Ärzte sprechen Englisch und die Kommunikation mit den Patienten erfolgt ebenfalls auf Portugiesisch. Wenn man Interesse hat und Fragen auf Englisch stellt, findet sich aber immer ein Arzt, der Lust hat einem etwas zu erklären. Meine Sprachkenntnisse haben dafür gereicht mich zu verständigen und den Anamnesegesprächen inhaltlich zu folgen. An Gesprächen teilnehmen oder mit den Patienten Konversationen führen war jedoch zu schwer.
Insgesamt waren alle Ärzte total nett und interessiert daran einem etwas zu erklären. Was mir sehr gut gefallen hat, war, dass die Oberärzte in den Operationen lediglich unterstützend tätig waren und die Assistenten die Operationen selbstständig durchführen durften. Den Oberärzten ist es sehr wichtig, dass sie Assistenten praktische Erfahrungen sammeln und am Ende der Assistenzarztzeit bestmöglich ausgebildet sind. Ich hatte das Gefühl, dass sich diese Einstellung auch auf die Studenten weiter überträgt und deswegen die Assistenten gerne etwas erklären und Dinge von Studenten durchführen lassen.

Land und Leute

Brasilien ist ein riesengroßes, vielfältiges Land. Ich habe mir vor Praktikumsbeginn 3 Wochen Zeit genommen, in denen durch das Land gereist bin. Ich empfehle jedem sowohl den Norden als auch den Süden zu bereisen, da die Regionen sehr unterschiedlich sind und man so ein besseres Verständnis für das Land, die Gesellschaft, Politik und Probleme erhält. Meine großen Stationen waren Rio, Sao Paulo, Fortaleza, Recife und Salvador. Ein must-see sind außerdem die Iguazu Wasserfälle, die von Floripa mit einem Nachtbus gut zu erreichen sind.
Die Insel Florianopolis wird auch als „Magic Island“ bezeichnet. Und sie hat sich ihren Namen verdient! In Floripa (Abkürzung der Einheimischen) gibt es wunderschöne Natur – Berge, Strände, Dünen -, ein großes Angebot an Freizeitaktivitäten, eine gute Partyszene und viele Restaurants. In den 4 Wochen war mir an keinem Tag langweilig, weil es immer etwas zu tun gab, was man in seiner Freizeit machen konnte. Wir waren im März insgesamt 6 Incommings in Floripa (ein Italiener, ein Inder, ein Tunesier, eine Deutsche, eine Brasilianerin und ich). Wir waren eine tolle Gruppe, wobei jeder immer motiviert war etwas zu unternehmen. So sind wir häufig an einen der über 40 Strände gefahren, waren in den Dünen sandboarding, haben einen Hike gemacht, waren in diversen Bars und auf einigen Studentenpartys.
Die Studenten vor Ort sind alle super nett und interessiert daran etwas mit den Incommings zu unternehmen. Wir wurden in das Studentenleben mit einbezogen und hatten schnell einen großen Kreis an Leuten, die wir kannten.
Wir hatten uns vorher vorgenommen an den Wochenenden einige Ausflüge zu machen und zb. die Städte Curitiba, Blumenau und Pommerode anzuschauen. Auf der Insel war jedoch immer so viel los und so ein großes Angebot an Möglichkeiten, dass wir es nicht geschafft haben diese Ausflüge zu machen.
Die Bevölkerung Brasiliens ist durchweg freundlich, offen und interessiert an Ausländern. Jeder freut sich, wenn man versucht, sich auf Portugiesisch mit ihnen zu unterhalten. Da spielt es keine Rolle wie gut die Sprachkenntnisse sind, irgendwie kann man sich immer miteinander verständigen.
Das typische Essen in Brasilien ist Fleisch mit Reis, Pommes und Bohnen. Die Portionen sind groß und sehr kohlenhydrathaltig. Außerdem wird viel in Brasilien aus der Pflanze Maniok hergestellt. Maniokmehl wird zu Taipioka verarbeitet oder zu Fleisch gegessen. Eine weitere typische Speise ist das Acai. Acai, in Deutschland auch als „Superfood“ bekannt, gibt es in Brasilien an jeder Straßenecke. Am liebsten essen sie die Eis-ähnliche Masse mit Milchpulver und Banane.

Fazit

Die sieben Wochen in Brasilien waren eine unglaublich tolle Erfahrung. Ich kann es jedem empfehlen sich zu trauen und ins Unbekannte zu reisen. Vor Ort werdet ihr tolle Erfahrungen machen, nette Menschen treffen und Freundschaften knüpfen. Floripa ist der perfekte Ort, um einen Auslandaufenthalt zu machen, weil die Insel sehr viel zu bieten hat und die Studenten vor Ort sehr viel Interesse daran haben einem eine tolle Zeit zu bereiten.

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