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Thailand (IFMSA-Thailand)

Gynäkologie - SCOPE (Famulaturaustausch)
Anonym

Motivation

Ich hatte bereits zwei Famulaturen in Deutschland gemacht und eine in der Schweiz, außerdem war ich für ein Pflegepraktikum in Peru. Für meine letzte Famulatur wollte ich mal ein ganz anderes System und auch eine neue Kultur kennen lernen. Da ich außerdem schon immer mal nach Thailand reisen wollte habe ich mich entschieden das Nötige mit dem Angenehmen zu kombinieren. Meine endgültige Wahl fiel dann auf Songkla bzw. Hat Yai (nicht von dem Namen der Universität verwirren lassen!), da ich den Trubel in Bangkok nicht für einen Monat haben wollte, sondern lieber in eine etwas ruhigere Stadt. Außerdem sind in der Nähe von Hat Yai einige traumhafte Inseln.

Vorbereitung

Von der bvmd habe ich über einen Infoabend erfahren und mich dann einfach beworben, die zuständigen Leos waren immer super zu erreichen. Alle Informationen dazu sind sehr übersichtlich auf der Website zu finden. Die nötigen Unterlagen hat man relativ schnell zusammen, wichtig ist, dass das Sprachzertifikat auf jeder Seite gestempelt ist. Das war bei mir ein Problem, aber auch schnell behoben. Für die restliche Vorbereitung blieb mir aufgrund des üblichen Klausurenstresses nicht viel Zeit. Da ich schon einige Backpackurlaube unternommen habe, hatte ich das Nötigste schon zuhause. Was ich mir aber noch besorgt habe, war ein Moskitonetz (in Hat Yai gibt es zwar kein Malaria dafür aber Dengue Fieber), einen Seidenschlafsack, einen zweiten weißen Kittel, eine lange schwarze Hose aus leichtem Stoff und einen knielangen Rock. Ansonsten habe ich in ein paar Blogs über Thailands Süden und Bangkok gestöbert. Wirklich geplant etc. habe ich dann aber erst vor Ort.

Visum

Wenn man länger als 30 Tage in Thailand bleibt, benötigt man ein Visum (theoretisch könnte man aber auch einmal kurz nach Malaysia und wieder zurück). Das Visum kann man beim Konsulat beantragen, auf der Website findet man alle Unterlagen die man braucht. Ich hatte ein Non-immigrant-Visum ED Student, dafür benötigt man aktuell (das ändert sich anscheinend regelmäßig) den ausgefüllten Antrag, ein biometrisches Foto, eine Kopie des Reisepasses und den Reisepass, eine Kopie der Flugbestätigung, die Visagebühr von 60€ und eine an das Konsulat gerichtete offizielle Aufnahmebestätigung der Universität im ORIGINAL mit Briefkopf, Stempel und Unterschrift. Das heißt hier reicht der normale Letter of Invitation den du downloaden kannst nicht. Das hat mich zu Beginn sehr gestresst, aber am Ende war alles kein Problem, da die Uni mir das Dokument innerhalb von 3 Tagen per Post zugesendet hat. Alles Organisatorische hat dank der Kontaktperson Pajaree wirklich einwandfrei geklappt, die ist ein wahrer Engel. Gibt man alle Unterlagen vollständig ab, kann man sein Visum 2 Tage später schon wieder abholen.

Gesundheit

Da ich kurz zuvor bereits beim Hausarzt all meine Impfungen habe auffrischen lassen und bereits alle nötigen exotischen Impfungen und Malarone zuhause hatte bin ich nicht mehr zum Arzt gegangen. Als Reiseapotheke hatte ich NoBite-Spray, Desinfektionsmittel, Paracetamol, Novalgin, Imodium akut, Kohletabletten, Nasentropfen, Augentropfen, Antimykotische Salbe, Kortisonsalbe, Pflaster und Verband, Iodsalbe und Dolo-Dobendan dabei. Außerdem ist es noch wichtig, dass man eine Reisekrankenversicherung inkl. Rücktransport abschließt. Ich war zwar auslandskrankenversichert aber nicht mit Rücktransport, deshalb habe ich für die 38 Tage bei der Apobank noch kostenlos eine Versicherung abgeschlossen. Da kann man sich einfach an seinen Betreuer wenden, sofern man Kunde bei der Apobank ist.

Sicherheit

Ich habe zu der bereits erwähnten Auslandskrankenversicherung keine weiteren Versicherungen benötigt, ich habe mir allerdings eine englischsprachige Bestätigung für meine Berufshaftpflicht (kostenlos z.B. beim Marburger Bund inkl. Ausland) besorgt. Ansonsten habe ich mir nicht viel Sorgen um Sicherheit gemacht, ich hatte bereits gelesen, dass es kein Problem ist in Thailand als Frau alleine unterwegs zu sein und die Warnungen des Auswärtigen Amtes für den Süden gelten nicht für Hat Yai. Es ist allerdings empfehlenswert ein paar generelle Sicherheitsmaßnahmen einzuhalten, wie z.B. nur in offizielle Taxen einsteigen, keinen Reichtum zu Show stellen, seine Sachen nie aus den Augen zu lassen und nach Sonnenuntergang habe ich den Campus nicht mehr alleine verlassen. Bei meinen Reisen an den Wochenenden habe ich mich auch immer sicher gefühlt, aber auch hier natürlich generelle Regeln wie keine Getränke von Fremden annehmen etc. befolgt.

Geld

In Thailand zahlt man mit thailändischen Baht, bei mir war der Wechselkurs bei 1€=35 THB. Für den Notfall hatte ich 100€ in Bar dabei, aber es gibt mittlerweile wirklich überall Geldautomaten (allein auf dem Campus gefühlt 10). Ich kenne mich mit anderen Kreditkarten nicht aus, aber bei der Apobank kannst du überall Geld abheben und die Kosten die dabei entstehen (jedes Mal ca. 4-5€) kannst du am Ende zurückfordern. Dafür nur die Belege aufheben und mit der Kreditkartenabrechnung an deinen Betreuer senden. Es empfiehlt sich allerdings immer genügend THB dabei zu haben, da man häufig nicht mit Karte zahlen kann und manche Inseln eben doch keinen Automaten haben. Die Preise sind im Vergleich zu Deutschland der Wahnsinn, ein Essen kostet ca. 1-2€ und ist wirklich sättigend, auch öffentliche Verkehrsmittel sind sehr günstig. Das Dorm ist kostenlos. Das einzige was zu Buche schlägt sind die Ausflüge am Wochenende, aber selbst die sind im Vergleich zu Deutschland günstig. Ein dreitägiger Trip hat mich im Durchschnitt ca. 100€ gekostet, und da sind wirklich alle Kosten also Übernachtungen, Transport, Essen, Touren etc. dabei.

Sprache

In Thailand wird Thai gesprochen, das hat mit Deutsch natürlich nichts gemeinsam da es auch andere Buchstaben sind. Das kann schon mal schwierig werden, wenn man auf dem Food Market absolut keine Ahnung hat was überhaupt angeboten wird (manchmal gibt es Bilder, die helfen). In Hat Yai selbst spricht fast niemand wirklich Englisch, bei den Ärzten und Studenten ist es individuell sehr unterschiedlich. Mein Thai hat sich zu Beginn auf „Hallo“ und „Danke“ beschränkt, mit der Zeit kam aber das ein oder andere Wort hinzu. Da die Menschen aber alle super freundlich sind kommt man mit Händen und Füßen und etwas Geduld immer durch.

Verkehrsbindungen

Für den Flug mit Emirates habe ich 550€ Euro gezahlt, der war wirklich super. Der Inlandsflug nach Hat Yai hat dann hin und zurück inkl. Gepäck nochmal 70€ gekostet. In Bangkok kommt man gut und sehr günstig mit dem Skytrain in die Stadt, man sollte sich am besten ein Hostel an einer Station davon suchen. Die berühmte Backpackerstraße ist nämlich nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen und dazu noch ziemlich laut. Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden. Für die Wochenendausflüge habe ich meistens Minivans und Boote genutzt, das kann man alles sehr unkompliziert und total spontan vor Ort organisieren. Bei mir waren diese auch immer einigermaßen pünktlich. In Hat Yai gibt es busähnliche Autos, sonst aber keine öffentlichen Verkehrsmittel, das System wird einem aber bei der Ankunft erklärt. Ich selbst bin aber meistens gelaufen, weil man dann einfach auch mal andere Straßen kennen lernt. Zusätzlich sollte man sich noch die App Grab runterladen, die ist im Prinzip wie Uber und funktioniert in den meisten Städten in Thailand.

Kommunikation

Bei meiner Ankunft in Hat Yai habe ich mir eine thailändische Simkarte und ein unbegrenztes Datenvolumen für einen Monat gekauft, das hat ca. 10€ gekostet (also ein Witz verglichen mit Deutschland). Ich empfehle mit dem Kauf zu warten, bis Pajaree mit einem eine kaufen geht, weil man dann die Preise der Einheimischen zahlt und nicht die Touristenpreise und Angebote bekommt (die können schonmal 3mal so hoch sein). Im Dorm und im Krankenhaus hat man zwar auch kostenloses WLAN aber für Ausflüge etc. ist es wirklich enorm empfehlenswert sich eine Simkarte zuzulegen, sei es für das Entertainment auf den Fahrten, Kommunikation mit Hostels oder um einfach nur den Weg zu finden.
Meinen Kontakt nach Hause habe ich ganz normal mit Whatsapp gehalten.

Unterkunft

Man wird kostenlos im Dorm untergebracht. Ich war in Dorm Nummer 4 mit 16 Stockwerken, hier wohnen nur Medizinstudenten. Es gibt aber noch einige andere zu denen kann ich leider nichts sagen. Ich hatte ein Dreierzimmer für mich alleine, was sehr angenehm war. Man hat sein eigenes Bad, Kleiderschrank, Schreibtisch, Bett und sogar einen Balkon. Auf dem Flur gibt es Kühlschränke und eine Mikrowelle. Im Dorm gibt es Waschmaschinen, einen Lernbereich, einen Fitnessbereich und eine sagenhafte Aussicht vom Dach. Man braucht im Prinzip keine Bettwäsche, aber Handtücher sollte man sich mitbringen, im Zweifel kann man aber wirklich alles vor Ort kaufen.
Der Campus ist wirklich riesig, hier sind alle Fakultäten, zahlreiche Mensas, Dorms, Märkte und und und untergebracht. Auch die meisten Ärzte wohnen auf dem Campus. Es gibt einen Sportkomplex mit schöner Laufstrecke, Fitnessstudio, Schwimmbad, Volleyball, Basketball, Tennis und und und.

Literatur

Ich hatte einen Lonely Planet dabei in dem ich vorher schon etwas gestöbert hatte und ansonsten habe ich viele Blogs im Internet gelesen und natürlich jeden gefragt was er mir empfehlen würde. Für die Famulatur hatte ich keine Bücher dabei, sondern habe amboss genutzt.

Mitzunehmen

Mitnehmen sollte man natürlich Kleidung. Für das Praktikum hatte ich 5 weiße T-Shirts, eine schwarze Leinenhose und einen knielangen schwarzen Rock, zwei Kittel und mein Stethoskop, das hat gereicht, da wenn man abends wäscht am nächsten Morgen alles wieder trocken ist. Ansonsten sommerliche Kleidung und Sportsachen nicht vergessen, und natürlich Badesachen. Eine Regenjacke ist je nach Jahreszeit auch empfehlenswert. Man kann bei der Hitze alles eigentlich nur einmal anziehen, also nehmt besonders genügend T-Shirts mit, man kann aber wirklich alles auch nachkaufen in Hat Yai. An Schuhen hatte ich Flipflops, Sportschuhe und Slipper dabei, das war perfekt. Außerdem sollte man zumindest ein langes Outfit dabei haben, da es in den klimatisierten Bussen eisig werden kann und wenn man Tempel besuchen möchte sollte man bedenken, das dort die Schultern und Knie bedeckt sein müssen.
Ansonsten hatte ich noch meine bereits beschriebene Reiseapotheke, normale Kosmetikartikel (Mädels denkt an Tampons, die sind in Thailand nicht üblich), 3 Handtücher, eine Stirnlampe, ein kleines Kopfkissen, Ohropax, Schlafmaske, Sonnenbrille, eine Kopfbedeckung, Schnorchel, ein Moskitonetz, Laptop, Kindel, Tablet, Kopfhörer, Waschmittel, Spülmittel, ein Küchenhandtuch, eine Göffel und ein Taschenmesser mit, gerade letzteres hat sich als sehr praktisch erwiesen, da es keine Küche oder sowas im Dorm gibt. Man geht zwar immer essen, aber wenn man sich frische Früchte kauft und essen will ist es gut ein scharfes Messer zu haben. Ich habe mir dann im Tesco auch noch eine Schüssel für mein Frühstück besorgt. Es gilt also wieder, was fehlt kann man vor Ort kaufen (wirklich alles!!!).
Zu guter Letzt kann ich noch empfehlen deutsche Süßigkeiten einzupacken als kleine Aufmerksamkeit. Ich war wirklich froh diese dabei zu haben, da ich ständig eingeladen wurde und mich so wenigstens ein bisschen revangieren konnte. Besonders gut sind meiner Meinung nach Gummibärchen und Maoam angekommen, aber auch Twix, Snickers etc. sind auf Begeisterung gestoßen. Die meisten Sachen kann man zwar auch in Thailand kaufen, aber vergleichsweise viel teurer, sodass die meisten die Süßigkeiten nicht kennen.

Reise und Ankunft

Ich bin erst nach Bangkok geflogen, war dort drei Nächte und bin nach weiter nach Hat Yai, das hat alles einwandfrei funktioniert. In Hat Yai hat mich Pajaree vom Flughafen abgeholt. Sie ist wirklich toll, sehr zuverlässig, spricht perfekt Englisch und hilft bei wirklich allem. Sie bucht sogar Busfahrten etc. für einen. Ich bin samstags in Hat Yai angekommen und mein Praktikum begann am Montag, so hatte ich Zeit mich einzurichten, den Campus zu entdecken und mich in der Stadt umzusehen. Am Montag habe ich mich dann mit Pajaree getroffen, sie hat mir das Krankenhaus gezeigt und mich zu meiner Professorin gebracht. Ab dann habe ich nach und nach die anderen Ärzte, Studenten etc. kennengelernt und wurde von wirklich jedem sehr herzlich und interessiert empfangen!

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich war während meiner Famulatur einer Professorin zugeteilt und somit ihrer Rotation. Das bedeutet ich war Montags in der Ambulanz, Dienstags im Kreißsaal, Mittwochs theoretisch im Krebszentrum, da hier die Ärzte aber meistens keine Zeit für mich hatten war ich auch Mittwochs häufig im Kreißsaal, Donnerstags war jeden Morgen eine große Fallbesprechung und anschließend Visite mit allen (das konnte schon mal 3h für 5 Patienten dauern) und Freitags war ich dann im Operationszentrum. Im Kreißsaal begann der Tag um 7:30 Uhr, sonst musste ich um 8 Uhr da sein. Feierabend hatte ich montags und donnerstags nach dem Mittagessen und sonst meistens zwischen 4 und 5 Uhr also sehr entspannt.
Ich hatte kaum feste Aufgaben, da ich durch die Sprachbarriere nicht viele Dinge eigenständig tun konnte, meine Aufgabe bestand lediglich darin den Ärzten hinterherzulaufen und zuzuhören, wenn sie mir etwas auf Englisch erklärt haben. Die einzige Ausnahme war hier der OP und der Kreißsaal, bei Operationen durfte ich immer mit an den Tisch und je nach Arzt Haken halten oder eben doch mal etwas nähen. Bei natürlichen Geburten war ich immer erster Assistent, was für mich persönlich immer das Highlight war, wenn ich das Baby rausholen durfte! Außerdem durfte ich häufig die körperliche Untersuchung bei den schwangeren Frauen machen. Für mich war es von Anfang an klar, aber ich betone es lieber noch einmal, wenn man seine praktischen Fähigkeiten und sein fachliches Wissen verbessern möchte ist man hier falsch. Zwar lernt man natürlich etwas und alle sind sehr bemüht einem möglichst viel zu erklären, aber am Ende ist die Sprachbarriere eben doch groß und vieles wird hier einfach anders gehandhabt als in Deutschland. Außerdem haben die Ärzte wahnsinnig viel zu tun und deshalb leider häufig einfach keine Zeit zu übersetzen. Dafür lernt man aber einfach wahnsinnig viel über das Land, die andere Kultur und die verschiedenen Religionen, für mich persönlich war das sehr interessant und eine willkommene Abwechslung zu Deutschland.
Fachlich sind die Ärzte in Thailand wirklich gut, die Ausstattung ist aber mit Deutschland einfach nicht vergleichbar und auch der Hygienestandart ist ein anderer. Aber keine Sorge es ist alles da was man braucht um sich selbst zu schützen, die Ärzte hier nutzen es nur seltener.
Das Gesundheitssystem ist etwas anders als bei uns, aber theoretisch ist jeder Thailänder versichert, diese Versicherung deckt aber wirklich nur das nötigste ab, laparoskopische Eingriffe zum Beispiel werden nicht erstattet. Außerdem gibt es häufig keine Zimmer, sondern die ganze Station ist offen und überall stehen Betten. Wer es sich leisten kann hat also eine private Versicherung. Das Uniklinikum ist eines der besten in Thailand und deshalb werden alle komplizierten Fälle aus dem Süden hierher verlegt. Dadurch sieht man wirklich viele stark fortgeschrittene Erkrankungen, besonders das Zervixkarzinom ist in Thailand sehr häufig. Überrascht hat mich auch, dass Brustkrebs hier nicht von den Gynäkologen, sondern von den Allgemeinchirurgen behandelt wird.
Das Studium ist unserem sehr ähnlich, allerdings scheinen die Studenten deutlich fleißiger zu sein und müssen mehr im Krankenhaus arbeiten. Die Facharztausbildung dauert nur drei Jahre, dafür arbeiten die Assistenzärzte 7 Tage die Woche, haben häufig 30h Dienste und absolut keinen Urlaub. Als ich ihnen von unseren 30 Tagen Jahresurlaub erzählt habe, wurde ich nur ungläubig angeschaut.

Land und Leute

Thailand ist einfach ein wunderschönes Land und die Menschen sind wahnsinnig freundlich. Im Krankenhaus waren alle sehr nett und interessiert, wenn auch häufig zu Beginn sehr schüchtern. Sobald man aber auf sie zugeht oder sie einen einige Tage kennen ändert sich das sehr schnell. Ich wurde von den Assistenzärzten jeden Mittag zum Essen und andauernd zum Kaffee eingeladen. Je nach Zeit wurde entweder etwas bestellt bzw. wir sind in die Kantine gegangen (hier gibt es eine riesige Auswahl) und mindestens zweimal pro Woche sind wir in die Stadt gefahren zum Essen, wo dann schon etwas vorbestellt war. Man hat richtig gemerkt, wieviel Spaß es ihnen gemacht hat, mir all ihre Gerichte zu zeigen. Ich habe wirklich alles probiert was sie mir vorgesetzt haben und es war alles super lecker! Das einzige, mit dem ich mich nicht ganz anfreunden konnte waren Bubble Tea und ihre sehr süßen Nachspeisen. Auch die anderen Studenten waren sehr nett und haben mich hin und wieder abends zum Essen mitgenommen. Außerdem hatte ich noch zwei Kontaktpersonen, beides Studenten im zweiten Jahr. Mit ihnen war ich auch zweimal essen. Die beiden waren auch sehr lieb und sehr engagiert, leider konnten beide nicht wirklich gut Englisch und waren sehr schüchtern. Ansonsten gibt es in Hat Yai selbst nicht viel. Noch einen großen Park, ein paar Shoppingmalls und Märkte, aber dafür ist es ein perfekter Startpunkt für zahlreiche Wochenendausflüge. Ich war auf Ko Muk, einer super entspannten Insel und es gibt einen Piratenstrand zu dem man durch eine Höhle schwimmen muss, Ko Kradan, einem Schnorchelparadies, Ko Lipe, hier war die Schnorcheltour noch beeindruckender und hier ist auch was zum Weggehen am Abend geboten und auf Ko Lanta, einer relativ großen Insel, die man perfekt mit dem Roller erkunden kann. Mir haben alle Inseln sehr gut gefallen. Es sind noch viel mehr Ausflüge möglich, aber da muss man einfach mal ein bisschen recherchieren und sich überlegen was man machen bzw. sehen möchte in der begrenzten Zeit. Einen Tag frei zu haben für ein langes Wochenende ist eigentlich auch nie ein Problem! Ich habe alle meine Reisen alleine gemacht, das war immer sehr unkompliziert, weil man wirklich überall auf den Inseln auf andere Backpacker trifft und somit nie wirklich alleine ist, wenn man es nicht möchte. Die Ärzte und Studenten sind allerdings jedes Mal völlig entsetzt gewesen, wenn ich ihnen erzählt habe, dass ich alleine unterwegs war. Das ist hier besonders als Frau anscheinend überhaupt nicht üblich.

Ein weiteres absolutes Highlight in Thailand sind die super günstigen Massagen, ich kann wärmstens das Spa auf dem Parkplatz vom Tesco, direkt gegenüber der Klinik empfehlen. Von außen ist es sehr unscheinbar, aber die Mitarbeiter sind super freundlich und nach der Thaimassage fühlt man sich wie neu geboren (für gerade mal 4-5€ für eine Stunde)!

Zur politischen Situation ist es aktuell sehr schwierig etwas zu sagen, es gibt die Königsfamilie, über die man per Gesetz nichts Negatives sagen darf und es gibt im Prinzip eine gewählte Regierung. Als ich in Thailand war, waren gerade die ersten Wahlen seit langem, da die letzte Regierung durch einen militärischen Putsch entmachtet wurde. Alle waren sehr gespannt auf das Ergebnis der Wahl, dieses war aber auch zwei Wochen später noch nicht veröffentlicht und nun muss sich zeigen was passiert.
Die Kultur ist sehr gemischt, gerade im Süden gibt es sehr viele Muslime, an anderen Orten überwiegt aber der Buddhismus. Man lernt also wirklich viele verschiedene Kulturen kennen, die sich häufig auch auf die Medizin sehr stark auswirken. Z.B. verzichten einige muslimische Frauen aufgrund ihres Glaubens auf Kontrazeption, obwohl eine Schwangerschaft für sie aufgrund von Herzerkrankungen oder zahlreichen vorherigen Kaiserschnitten o.ä. lebensgefährlich ist. Das ist dann sehr spannend zu sehen, wie die Ärzte damit umgehen und versuchen die Patienten zu überzeugen.

Fazit

Zum Reisen will ich unbedingt noch einmal nach Thailand, da ich diesmal leider noch nichts vom Norden sehen konnte, zum Arbeiten zieht es mich allerdings überhaupt nicht dorthin. Zum einen sind die Bedingungen deutlich härter als bei uns, die Bezahlung (auch wenn man die niedrigeren Lebenshaltungskosten einrechnet) viel schlechter und auch das politische und das Bildungssystem sind für mich nicht ansprechend.

Also zusammenfassend kann ich sagen, dass diese Famulatur für mich ein voller Erfolg war und meine Erwartungen übertroffen wurden. Es war eine super Mischung aus Praktikum und Urlaub und mir hat es sehr viel Spaß gemacht in eine völlig andere Kultur einzutauchen. Wie aber oben bereits erwähnt ist es nicht das Richtige, wenn man sein fachliches Wissen ausbauen möchte. Außerdem sollte man eine ordentliche Portion Eigeninitiative und Selbstbewusstsein mitbringen, ansonsten wird es schwer ins Gespräch zu kommen und an den Wochenenden zu reisen.

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