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;IFMSA-Poland(Poland);Analysis of the relationship between anthropometric parameters of newborns, concentrations of selected hormones and lipid profile in cord blood.;;;;

Verschiedene - SCORE (Forschungsaustausch)
von Alexandra, Tübingen/Lustnau

Motivation

Ich wollte herausfinden, ob Forschung etwas für mich ist, da ich in diesem Bereich noch keine Erfahrung vorweisen konnte. Und es ist eine gute Gelegenheit, neue Menschen und Kulturen kennenzulernen.

Vorbereitung

Ich habe vor meinem Austausch an einem PDT teilgenommen. Es war echt toll, weil man viele interessante Sachen erfährt und neue Menschen kennenlernt. Ich glaube allerdings nicht, dass es mir für meinen Auslandsaufenthalt an sich etwas gebracht hat.
Ich habe mich auf einen Restplatz beworben, von da her waren die Formalitäten relativ einfach

Visum

Da ich nur nach Polen gegangen bin, das auch zur EU gehört, musste ich keinerlei Visa- oder sonstige Anträge stellen

Gesundheit

Polen ist kein Land, in dem man besonderen gesundheitlichen Risiken ausgesetzt ist, deshalb habe ich auch in dieser Hinsicht keine Vorkehrungen treffen müssen. Das einzig wichtige war, dass ich warme und wasserdichte Kleider mitnehmen musste, weil im März in Warschau immer noch winterliche Temperaturen herrschen und es immer wieder zwischendurch regnet.

Sicherheit

Ich habe vor meinem Reiseantritt bzw. vor dem Absenden der Card of Confirmation beim Hartmannbund meine Auslands-Haftplichtversicherungsbestätigung angefordert, die in der Mitgliedschaft für 0€ immer mit drinnen ist (also unbedingt beantragen, wenn man die Mitgliedschaft noch nicht hat). Zusätzlich habe ich noch ein Konto bei der Apo-Bank und habe deshalb auch eine Reisekrankenversicherung für März bestätigt bekommen. (Beim Forschungsaustausch bekommt man eine Reiseversicherung, keine allgemeine Famulaturversicherung)

Geld

In Polen wird mit Zloty und Groschen in der Währung PLN bezahlt. Die Lebenshaltungskosten sind etwas niedriger als in Deutschland und auch Zug- und Busfahrten und Hostelzimmer sind sehr günstig, deshalb kann man auch viel herumreisen.
Kreditkarten werden fast überall akzeptiert und man kommt auch mit sehr wenig Bargeld gut aus. Dieses kann man unkompliziert abheben, allerdings fallen dabei manchmal Bearbeitungsgebühren an. An manchen Geldautomaten kann man sein Geld allerdings auch ohne Zusatzkosten abheben.
Man bekommt 400 Zloty (ca.100€) Taschengeld in Bar. Das reicht allerdings nicht lange, da die locals sehr bemüht darum sind, den incomings viel zu bieten, weshalb man auch oft essen geht. Dieses Essen-Gehen ist allerdings sehr viel günstiger als in Deutschland.

Sprache

Generell sprechen alle „wichtigen“ Menschen, mit denen man zu tun hat, (teilweise sehr gutes) Englisch. Damit meine Ich das Komitee der locals, die Betreuer an der Uni und das Personal in Museen und an Bahnhöfen.
In vielen Alltagssituationen ist Englisch allerdings nicht sehr gebräuchlich, z.B. beim Einkaufen in kleineren Läden oder auch bei der Kommunikation mit den Wohnheimsangestellten.
Ich habe mich, bevor ich nach Warschau gegangen bin, ein bisschen mit der polnischen Sprache beschäftigt und mir ein paar Floskeln wie „Guten Tag“, „Auf Wiedersehen“, „Wie viel kostet das?“, „Wann fährt die nächste Tram/ Wann beginnt die nächste Führung?“, „Vielen Dank“, „Bitte“… angeeignet. Natürlich sollte man auch die Antworten verstehen können, weshalb die Zahlen auch sehr hilfreich sind

Verkehrsbindungen

Ich bin aus Umwelttechnischen Gründen nicht geflogen, sondern habe alle meine Reisen, auch Inlandsausflüge mit Bus und Bahn absolviert. Natürlich geht das nur, weil Polen so nah an Deutschland liegt. Ich habe sehr gute Erfahrungen mit Weitstrecken-Busreisen und kann es auch finanziell jedem empfehlen. Für 15€ kommt man von Berlin nach Warschau und dann von Berlin aus nach ganz Deutschland.

Kommunikation

Da Polen Teil der EU ist, konnte ich meine SIM-Karte von Zuhause weiterverwenden und musste mir keine polnische kaufen. Es gab im Wohnheim W-lan und auch sonst gibt es immer wieder hotspots, vor allem in Restaurants bekommt man eigentlich immer einen Internetzugang.
Ich habe diese Angebote außerhalb aber relativ wenig genutzt, da mein Internet von Zuhause ausreichend war. Die Leute vom Social-Program sind alle per Whatsapp erreichbar, weshalb ich nicht ein Mal mit einer polnischen Nummer telefonieren musste. Eine polnische SIM-Karte zahlt sich also meiner Meinung nach nicht aus
Ich habe mit meiner Familie und meinen Freunden zuhause genau so kommuniziert wie ich es mache wenn ich studiere, also nichts öffentlich hochgeladen.

Unterkunft

Meine Contactperson hat für mich einen Platz in einem Wohnheim im Stadtviertel Wola organisiert. Es ist relativ gut angebunden, allerdings gibt es im Viertel selbst nichts besonderes. Es ist ein reines Wohnviertel, allerdings relativ nahe am Zentrum (4-5km).
Das Wohnheim an sich ist ganz nett und da dort auch andere Erasmus-Studenten wohnen, kann man sich mit diesen sehr gut auf englisch unterhalten und hat auch immer jemandem zum Quatschen. Das Personal spricht allerdings ironischerweise kein Wort englisch, was die Kommunikation erschwert.
Man ist in Zweierzimmern untergebracht, was die Privatsphäre stark einschränkt, für einen Monat aber vollkommen in Ordnung ist.
Vor der Anreise war mir allerdings nicht bewusst, dass es kein Geschirr im Wohnheim geben würde. Meine CP hat da jedoch schnell und unkompliziert ausgeholfen. Trotzdem die Empfehlung: immer vorher nachfragen

Literatur

Ich habe einen Marco-Polo-Reiseführer über Warschau gelesen, den ich empfehlen kann. Ansonsten bin ich eher der Typ Mensch, der sich überraschen lässt und habe mich deshalb nicht sonderlich in die Vorbereitung reingesteigert. Ich habe es auch nicht bereut, ich habe viele Dinge erlebt, die in keinem Reiseführer stehen und das ist das, was ich wollte. Die locals sind auch echt motiviert und es gibt praktisch jeden Tag einen social-program-punkt

Mitzunehmen

Ich würde auf alle Fälle Warme Kleidung auch im März noch empfehlen. Es schneit nicht mehr, aber es ist bewölkt und windig. In meinem Wohnheim gab es keinerlei Küchengeräte, weshalb ich empfehlen würde, vor dem Aufenthalt bei der CP nachzufragen, ob man etwas mitbringen soll. Auch eine Rolle Klopapier für den ersten Tag (am Sonntag haben die meisten Läden geschlossen

Reise und Ankunft

Meine Anreise mit Flixbus verlief reibungslos und pünktlich. Ich wurde vor Ort von meiner CP abgeholt und von ihr mit dem Auto zum Wohnheim und dann noch zum Einkaufen erster Dinge gebracht. Ich bin am Freitagabend angekommen und mein Praktikumsbeginn war am Montag, also hatte ich das Wochenende Zeit, mich zu akklimatisieren. Am Montag hat uns (meine Zimmergenossin und mich) meine CP zum Praktikum gebracht, wo uns unser Prof. empfangen hat.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Wir waren eigentlich im Biochemie-Department der Lazarski-Universität (eine private Uni in Warschau) eingeteilt. Da allerdings das Projekt unseres Profs im März nicht stattgefunden hat, habe ich keine Sekunde im Labor verbracht, was relativ schade war. Ich hätte nämlich gerne mal einen wirklichen Einblick in die Tätigkeit im Labor gehabt.
Unser Prof. war jedoch sehr motiviert und wollte uns trotzdem etwas bieten, weshalb er uns zwei mal mit in das Zentrum für klinische Forschung genommen hat, damit wir dort etwas über das Vorgehen nach dem Testen von Substanzen im Labor lernen konnten. Die restliche Zeit haben wir am Präpariertisch gestanden, was auch ganz nett war, aber halt eben nicht das, was wir erwartet hatten. Wir hatten ziemlich viel Freizeit und haben deshalb sehr viel unternehmen können.
An einem ganz normalen Tag sind wir um 8:00 aus dem Haus, um mit Tram, Metro und dann wieder Tram zu unserem Praktikumsplatz zu fahren. Um 9:00 waren wir dann im Präpsaal und haben verschiedene Teile für die Studenten präpariert (diese haben keinen Präpkurs wie in Deutschland, sondern dürfen nur die vorpräparierten Körperspender anschauen). Der Präparator und seine Frau waren sehr nette Menschen, allerdings haben sie beide kein Englisch und wir nicht genügend Polnisch gesprochen, als dass wir uns hätten verständigen können. Deshalb waren die Stunden dort eher schweigsam. Zwischendurch gab es immer eine Pause und spätestens um 14:30 waren wir fertig, meistens sogar früher. Danach gab es wie gesagt immer ein tolles Social-Program, das sich auch auf das Abendessen ausdehnte, sodass die Tage dann doch relativ kurz waren.
Zu meinem Forschungsprogramm kann ich also leider kein Statement abgeben, da ich nie daran teilgenommen habe. Allerdings muss ich betonen, dass unser Prof wirklich motiviert war, uns etwas zu zeigen und dass ich keinerlei Zeit hatte, mich zu langweilen.
Da ich nicht im Krankenhaus an sich war, kenne ich mich auch mit dem Gesundheitssystem in Polen nicht sehr gut aus, aber da es ein europäisches Land ist, ist das System nicht so verschieden von dem in Deutschland.
Die Ausbildung der Medizinstudenten ist laut meinen Gesprächen mit den locals hier nicht sehr verschieden von der in Deutschland, bis auf die Tatsache, dass hier nicht gepräppt wird. Die medizinische Universität in Warschau besteht aus zweil polnischen Fakultäten mit insgesamt ca. 650 Studenten und einem englischen Zweig, in dem auch die Erasmus-Studenten unterrichtet werden. Zusätzlich gibt es noch die private Lazarski-Universität, in der jährlich 40 Studenten die Ausbildung beginnen. Das Studium dauert 7 Jahre inklusive PJ und danach entscheidet ein Test, in welchem Bereich man seinen Facharzt machen darf.

Land und Leute

Außerhalb der Universität gab es wie gesagt ein tolles Social-Program: Verschiedene Museen (Wilanow Palace, Jewish Museum Polin, Nationalgallerie, altes Schloss, Kopernikus Sience-Center, Invisible Exhibition…), Places to be, Veranstaltungen (z.b. Pferderennen) und auch eine Reise nach Krakau wurden organisiert.
Ich kann nur empfehlen, an so vielen Dingen wie möglich teilzunehmen, man nimmt von allem etwas mit!
Nach Krakau sind wir mit dem Zug gefahren, haben uns die Altstadt ein bisschen angeschaut und dann bei einer von der IFMSA übernachtet (also 100% lokal). Am nächsten Tag haben wir die Salzmine Wieliczka besichtigt (sehr sehenswert!) und sind durch das jüdische Viertel spaziert. Am Sonntag stand Schindlers Fabrik auf dem Plan (nichts für schwache Nerven, wieder ein sehr ergreifendes Holocaust-Museum) und am Monatag Auschwitz (kein Kommentar dazu, wir wissen alle, dass es heftig ist). Alles in allem würde ich eine Fahrt nach Krakau sehr empfehlen!
An einem anderen Wochenende haben wir 4 März-Incomings uns selbst eine Reise in den Norden organisiert (mit Bus und Zug wirklich sehr gut machbar). Wir haben Gdansk, Zoppot, Malbork und Torun besichtigt. Auch diese Tour kann ich sehr empfehlen. Wir hatte zum ersten mal Glück mit dem Wetter, weshalb Zoppot am Meer natürlich traumhaft schön war. Bei schlechtem Wetter würde ich nicht nach Zoppot fahren, die anderen drei Städte aber trotzdem empfehlen.
CAVE: Vorher unbedingt Museumsöffnungszeiten googlen und z.B. fürs Lebkuchenmuseum unbedingt Tickets vorbestellen.
Da ich im März in Warschau war, war das Wetter nicht so toll und auch die Kälte noch sehr präsent. Was ich allerdings mitbekommen habe, werden im Sommer Austauschwochenenden zwischen Warschau, Krakau und zwei weiteren Städten (Wrozlaw und Poznan??) organisiert, sodass man sich diese Städte auch noch anschauen kann.
Die Menschen in Polen sind teilweise wirklich sehr nett und hilfsbereit (v.a. das IFMSA-Komitee und die Betreuer an der Uni, aber auch in Restaurants und manchen Geschäften), teilweise wirken sie aber auch etwas grob und ungehalten, wenn man kein Polnisch spricht (z.B. im Wohnheim oder in kleinen Supermärkten, also lieber in größeren Läden einkaufen und NIEMALS die Dinge vor dem Bezahlen in einen eigenen Jutebeutel packen! Immer mit Korb einkaufen gehen).
Alles in allem würde ich aber sagen, dass ich mich in Warschau wohlgefühlt habe und das Land als sehr modernes, westliches Land kennengelernt habe. Ich hatte nie Angst um meine Sicherheit, sei es nun bezogen auf öffentliche Verkehrsmittel oder auf persönlicher Ebene.
Ich habe leider aus den Museen relativ wenig mitgenommen, weil wir immer mit den locals ohne Audioguide durchgeschlendert sind. Deshalb würde ich jetzt im Nachhinein auf alle Fälle Audioguides empfehlen.

Fazit

Meine Erwartungen bezüglich des Projekts wurden nicht erfüllt, ABER: Ich habe mir ansonsten angewöhnt, ohne Erwartungen irgendwo hin zu reisen, damit ich möglichst viel authentisches mitnehmen kann. Das ist mir auf alle Fälle dank des tollen local-Komitte sehr gut gelungen. Ich hatte vorher nicht viel Ahnung von Polen, obwohl es doch ein Nachbarland von Deutschland ist und habe das Land jetzt kennen und lieben gelernt. Ich könnte mir sehr wohl vorstellen, noch mal im Sommer hier Urlaub zu machen. Hier zu arbeiten wäre wegen des Klimas allerdings nichts für mich, da zieht es mich eher in wärmere Gefilde.
Ich bin begeistert von den Möglichkeiten, die uns durch die bvmd geboten werden und werde bestimmt noch weitere Auslandaufenthalte planen.

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