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Indonesia (CIMSA-ISMKI)

Gynäkologie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Rabea, Lübeck

Motivation

Ich interessiere mich sehr für Public und Global Health und finde, medizinische Versorgung ist was, was jeder Mensch verdient hat. Deutschland ist ein Land wo dieses gewährleistet ist, aber man vergisst es zu schätzen, denn man hat es noch nie anders gesehen. Ich wollte ins Ausland um was neues zu sehen, und da man über die BVMD die Möglichkeit hat, Länder zu besuchen wo man sonst vielleicht nicht hinkommen würde, habe ich mich für Indien, Thailand und Indonesien beworben und in Indonesien einen Platz bekommen.

Vorbereitung

Wenn man während des Studiums ins Ausland möchte, muss man sich mindestens ein Jahr vorher bewerben, und die ganze Vorbereitung und Dokumente und Impfungen, etc hat mich immer erst Mal abgeschreckt. Aber es ist es so was von Wert. Wir haben über den Uni Verteiler eine Bewerbungsfrist für Auslandsfamulaturen bekommen, und daraufhin habe ich mich schlau gemacht und habe mich beworben. Ich fand online haben sich die Landesbedingungen immer sehr streng angehört, aber in Wirklichkeit wenn man sich Mühe gibt und gut Kommuniziert, kriegt man alles ohne Probleme hin. Die größte Schwierigkeit in meiner Vorbereitung war, dass ich sehr spät erst Bescheid bekommen habe, in welche Stadt ich zugeteilt bin. Ich habe auch erst nachdem ich in Indonesien war meine Card of Acceptance bekommen, weil es technische Probleme gab. Als ich dann knappe 1,5 Monate vor Anfang des Austausches Bescheid bekommen habe, habe ich sofort den Flug gebucht und mich um ein Visum gekümmert. Wichtig ist, dass wenn man Fragen oder Probleme hat, sich mit seinem NEO-Out (neo-out@bvmd.de) in Verbindung setzt, dann klappt das schon.

Visum

Für die Famulatur in Indonesien braucht man einen Social Visum. Das ist für 60 Tage gültig und kann vor Ort verlängert werden. Ich bin ohne Termin zur Botschaft in Hamburg gegangen mit Reisepass, Passfoto, Letter of Invitation, Kopie des Reisepasses und meinen Flugticket. Dort habe ich das Antragsformular ausgefüllt und erst wollten sie einen Nachweis über hinreichende finanziellen Mittel von meinen Eltern sehen, aber dann haben sie meinen Antrag so genommen. Sie haben meinen Reisepass behalten und ich habe einen Termin bekommen für eine Woche später um es abzuholen. Ich musste ca. 50 Euro überweisen und den überweisungsbeleg mitnehmen, dann habe ich meinen Pass mit Visum wiederbekommen.

Gesundheit

Ich habe mich vom Hausarzt untersuchen lassen und einen Schein auf Englisch bekommen für 15 Euro, dass ich keine Erkrankungen habe und für diese Praktikum in der Lage bin. Ausserdem muss man für Indonesien einen Tbc Test machen, dafür musste ich einen Hausarzt suchen der das macht, und dort habe ich mir auch einen Schein auf Englisch geben lassen für ca. 15 Euro. Bei meinem Hausarzt habe ich mich auch Hep A, Typhus und Tollwut impfen und Reisemedizinisch beraten lassen. Die TK zahlt Reisemedizinische Impfungen wenn man die Rückerstattung online beantragt. Malariaprohylaxe habe ich nicht mitgenommen weil Java nur einen niedrig-Risiko Malariagebiet ist. In meiner Zeit dort waren kaum Mücken, ich habe auch nie Mückenspray benutzt. Ich habe mit meinen Hausarzt besprochen was ich in meiner Reiseapotheke mitnehmen soll, habe aber vor Ort gar nichts gebraucht ausser Ibuprofen für Kopfschmerzen. Ich habe mich aber bestens vorbereitet gefühlt und das ist wichtig.

Sicherheit

Ich habe natürlich eine Auslandskrankenversicherung abgeschlossen, aber sonst habe ich mich nicht zusätzlich versichern lassen. Zu Landesspezifischen Sicherheitshinweise empfielt es sich auf die webseite: www.auswaertiges-amt.de zu gehen und die aktuelle Situation nachzulesen. Bandung liegt ziemlich im Zentrum von der Insel Java, und ist für Indonesicher Verhältnisse nicht besonders gefährdet was Naturkatastrophen angeht. Es gibt eine Warnung für Terroranschläge, mit besondere Zeiten wo man vorsichtig sein sollte. Ich habe mir schon ein bisschen Sorgen gemacht, aber war ziemlich zuversichtlich. Man wird als Europaer in Indonesien wahnsinnig oft angesprochen und viele Menschen rufen einen auf der Straße hinterher, aber ich habe es immer als freudig und aufgeregt empfunden, und nicht als gefährlich. Ich hatte kein einziges Mal das Gefühl gehabt, dass mir was schlimmes passieren könnte und hatte eher den Eindruck, dass die Menschen sich freuen, einen Ausländer zu sehen und waren immer sehr hilfsbereit.

Geld

Die Währung ist Indonesische Rupiah. 1 Euro ist ca. 16.000 Rupiah. Verwirrend erst mal, aber man gewöhnt sich dran. Ich habe Euro mitgebracht und die umgetauscht, und nach der ersten Woche immer mit meiner Kreditkarte Geld abgehoben. Man kann sehr günstig leben in Indonesien. Für ein leckeres Mittag/Abendessen hat man vielleicht 2 oder 3 Euro ausgegeben. Wenn sich der Magen nach ein oder zwei Wochen an die Indonsische Küche gewöhnt hat, kann man Street Food essen was mindestens so lecker ist wie im Restaurant und ein Bruchteil so teuer ist.

Sprache

Ich kann kein Indonesisch. Ich habe mir von einem Kumpel ein Indonesisch-Deutsch Wörterbuch geliehen für die Reise und habe immer wieder drin geblättert. Als ich erfahren habe, dass ich nach Indonesien fahre, habe ich angefangen mit Duolingo ein bisschen zu lernen. Begrüßungen, Dankeschön und ein paar Zahlen sind schon sehr hilfreich. Sonst kommt man mit Englisch oder Google Translate irgendwie immer klar. Die Studierende die unser Austausch organisiert haben, und auch die, die wir im Krankenhaus kennengelernt haben konnten immer relativ gut Englisch. Bei den Ärzten kam es ein bisschen drauf an. Viele Residents (die, die gerade Facharzt machen) hatten Angst davor, Englisch zu sprechen und brauchten eine Weile bis sie sich trauten es mit uns auszuprobieren. Manche konnten aber auch sehr gut Englisch und haben uns mehr erklären können. Die Fachbegriffe versteht man fast immer, denn sie sind den Englischen oder Deutschen Begriffen sehr ähnlich.

Verkehrsbindungen

Flüge und Züge wie in Deutschland. Dafür gibt es eine App die man sich herunterladen sollte, was die Buchungen einfacher macht: Traveloka. Sonst kann man sich von überall abholen lassen mit Auto oder Moped mit den Apps: Grab und GoJek. Es klingt erst mal abgefahren, aber es ist richtig praktisch. Wenn man sich eine Simkarte gekauft hat mit Daten (lohnt sich TOTAL) kann man mit den Apps einen Fahrer bestellen, ziemlich egal wo man ist oder wie weit man fahren möchte. Es ist günstiger als in Deutschland mit Bus oder Ubahn zu fahren. Man kann in Bandung zu Fuß rumlaufen, aber es gibt SO viel Verkehr und die Gehwege sind teilweise gar nicht existent. Holt euch Grab Bikes, die Fahrer haben immer einen Helm für dich dabei und es ist die beste Art von A nach B zu kommen und viel von der Stadt zu sehen.

Kommunikation

Ich habe mir eine SimKarte von Telkomsel geholt und die App runtergeladen, damit ich zugriff darauf hatte, wie viele Daten ich habe und welche nachbestellen konnte. Es ist echt nicht teuer gewesen und hat sich gelohnt. Ich hatte eine Indonesische Nummer, aber die habe ich kaum benutzt. Für Whatsapp hat die Deutsche noch funktioniert.

Unterkunft

Für den Austausch im März waren wir zu zweit, zufällig beide aus Deutschland. Wir haben uns einen Wohnheimzimmer und sogar ein großes Bett geteilt, und glücklicherweise haben wir uns richtig gut verstanden. Das Zimmer war simpel und sauber mit Fenster, Schreibtisch, Schrank, Klimaanlage und sogar einen Fernseher! Das Bad war klein und erst mal nicht zufriedenstellend sauber, aber wir haben noch mal bescheid gesagt und es wurde nachgeputzt. Zu meiner Freude gab es KEINE Karkalaken

Literatur

Ich habe mich ganz ehrlich gesagt nicht so sehr schlau gemacht vor der Reise. Beim Auswaertigen Amt über Sicherheit nachgelesen und sonst ein paar Fotos auf google von Bandung angeschaut. Für die Famulatur habe ich auf meinem Handy Amboss auf Deutsch benutzt und hatte einen Büchlein dabei um meine Eindrucke aufzuschreiben.

Mitzunehmen

Ich hatte einen Wanderrucksack, einen kleinen Rucksack und eine Bauchtasche dabei. Ich hatte langärmige Hemde mitgebracht für das Krankenhaus, habe aber am Ende nur kurzärmlige Sachen unter den Kittel angezogen, sonst war es zu warm. Ich hatte keine Hemde mit Kragen dabei, der Kittel hat ja schon einen Kragen. Meistens habe ich ausserhalb des Krankenhauses jeans und t-shirts angezogen. Das hat gut geklappt, den Bandung liegt etwas höher in den Bergen und ist nicht so sehr heiss wie zB Jakarta. Postkarten kann man gut mitbringen als Dankeschön!

Reise und Ankunft

Ich habe einen ehemaligen Kommilitonen aus Indonesien und als ich in Jakarta ankam, wurde ich von seiner Familie abgeholt und habe die ersten paar Tage bei denen verbracht um mich zu akklimatisieren. Dann fuhr ich mit dem Zug nach Bandung zur Unterkunft. Am Wochenende bevor das Praktikum losging haben wir Kontakt aufgenommen mit den Studierenden die den Austausch organisierten und wir waren zusammen essen. Wir haben alle Fragen geklärt die wir hatten und uns ein bisschen kennengelernt. Am ersten Tag im Krankenhaus haben sie uns begleitet und den zuständigen Ärzten vorgestellt. Das lief problemlos alles auf Englisch.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Wir waren zu zweit in der Gynäkologie und Geburtshilfe. Auf Englisch heißt es „obstetrics and gynecology“ und wurde dort auch mit „OBGYN“ abgekürzt. Am ersten Tag haben wir viele Ärzte kennengelernt und ein Arzt war dafür zuständig, uns das Krankenhaus zu zeigen. Er war richtig nett und hat uns alle OBGYN Abteilungen gezeigt, damit wir etwas orientiert im großen Krankenhaus waren. In der ersten Woche haben wir durch die Gynäkologische Polikliniken rotiert, immer da wo gerade was los war. In der zweiten Woche waren wir in der Notaufnahme und im Kreissaal. In der dritten waren wir auf Station eingeteilt, aber da keiner sich dort für uns zuständig fühlte, gingen wir abwechselnd mal in den Kreissaal, mal in den OP, und in der letzten Woche waren wir in der Fetomaternalen Poliklinik.
Wir waren morgens immer um 8 Uhr da, ausser Dienstags und Freitags um 7 Uhr für den Morning Report und blieben immer bis ca 15 Uhr.
Manche Ärzte hatten wohl den Eindruck, dass wir nur „observen“ durften, andere haben uns viel machen lassen. So gab es Tage wo wir nur zugeschaut haben, und an anderen hatten wir die Gelegenheit aktiv mitzumachen und zum ersten Mal manche Untersuchung alleine unter Aufsicht durchzuführen.
In Indonesien, und besonders in Bandung, wo das Krankenhaus viele schwere Fälle überwiesen bekommt, kriegt man eher fortgeschrittene Erkrankungen zu sehen. Vor allem die Ovarialkarzinom und Uterusprolapsfälle haben mich sehr beeindruckt. Das Gesundheitssytem ist noch nicht so entwickelt wie in Deutschland, und es gibt viele Schwierigkeiten die ein funktionierendes „universal healthcare“ im Wege stehen. Viele Patientinnen gehen erst zum Arzt wenn ihre Symptome nicht auszuhalten sind, oder ihre Kinder Wind davon bekommen haben und sie zum Arzt begleiten. Es gibt so viele Krebsfälle die operiert werden müssen, dass die Warteschlange für eine OP sehr lang ist und man häufig Monate warten muss. Screening Maßnahmen sind sehr teuer, also benutzten indonesische Ärzte zB den IVA Test als Cervix Ca Screeningmethode statt den Pap-Abstrich.
An den hygenischen Verhältnisse vor allem in der Poliklinik kann man schon arbeiten, aber es war viel besser als ich erwartet hatte. Es wurde ordentlich steril gearbeitet und fast immer waren Desinfektionsmittel oder einen Waschbecken mit Seife zu finden.
Das was mich am meisten beeindruckt hat war wahrscheinlich das stark hierarchische System. Die Oberärzte werden „Consultant“ genannt, und die Assistenzärzte die Facharzt machen heissen „Residents“. Die Residents machen vier Jahre lang die Ausbildung und sind an der Universität eingeschrieben, das heisst sie sind offiziell noch StudentInnen und bezahlen für ihre Ausbildung, obwohl sie mehr als vollzeit als Ärzte im Krankenhaus arbeiten. Wenn ein Resident nur ein Semester weiter ist, dann gilt er/sie schon als „Senior“ zu den Residents im unteren Semester und hat das Recht, Aufgaben an denen zu verteilen.
Die Ärztliche Versorgung ist gut, nur die Umständen sind häufig nicht ideal.

Land und Leute

An den Wochenenden und Nachmittags hatten wir Zeit Bandung zu entdecken, obwohl unter der Woche nach dem Krankenhaustag waren wir häufig ziemlich müde. Um die Entspannung etwas zu fördern bin ich ca. ein Mal die Woche zur Massage gegangen, das hat um die 10 Euro die Stunde gekostet.
In Bandung gibt es viele nette Cafes und wenn man ein bisschen ausserhalb der Stadt fährt gibt es wunderschöne Landschaft zu sehen. Ich bin häufiger mit dem Grab Bike zu Kunst Gallerien oder Museen gefahren. Am Wochenende kann man sich einen Auto mit Fahrer mieten und zum Weißen Krater (Kawa Putih) fahren oder zu den Tee Plantagen oder nach Lembang, eine kleine Stadt nördlich von Bandung.
Die CIMSA StudentInnen haben uns auch Wochenendprogramm geboten. An zwei Wochenenden haben wir deren Campus besucht (das ist etwas weiter weg von Bandung) und sind mit den in die Natur gefahren um schöne Landschaften zu sehen. Es gab einen Cultural Night wo eine große Gruppe sich mit uns getroffen hat und wir gemeinsam gegessen und Spiele gespielt haben und wir Austauschstudentinnen etwas von Deutschland gezeigt und erzählt haben. In der ersten und letzten Woche sind sie auch zu uns gekommen in Bandung für Begrüßungs- und Abschiedsessen. Ich hatte eigentlich erwartet, dass wir nicht so gut betreut werden weil wir im März und nicht im Sommer da waren und weil ich erst so spät von denen gehört habe. Ich habe mich sehr aufgehoben und wilkommen gefühlt und man hat gemerkt, dass sie sich richtig Mühe gegeben haben, obwohl wir nur zu zweit da waren. Manchmal hätte man sich eher noch eine freie Minute gewünscht als mehr Programm.
Das Essen in Bandung fand ich richtig lecker. Man isst in Indonesien Reis zu jeder Mahlzeit, was erst mal etwas gewöhnungsbedürftig ist, aber ich zumindest habe mich dran gewöhnt und fand es sehr toll. Fast alle Gerichte beinhalten Fleisch, aber falls man mal Gemüsebedarf hat, kann man bei vielen Street Food Ständen selber was zusammenstellen.
Nach der Famulatur bin ich nach Jogjakarta gefahren und habe eine Woche Urlaub gemacht. Es ist eine wunderschöne Stadt, touristischer als Bandung, aber mit viel Kultur und Musik. Dort habe ich das Ramayana Ballet gesehen; ein traditioneller Javanischer Tanz zu Gamelon Musik mit tollen Kostümen. Es gibt wunderschönes Street Art dort, das beste was ich je gesehen habe, und Unmengen von Batik Läden. Batik sind die traditionelle Stoffe mit buntem Muster.
Auf Bali war ich nicht, weil mein Semester in Deutschland so früh angefangen hat. Ich habe mir aber fest vorgenommen noch mal nach Indonesien zu Reisen um Bali und Lombok zu besuchen.

Fazit

Es ist nicht immer einfach auf so einen Austausch – man ist schon ständig mit einer sehr anderen Kultur konfrontiert. Aber das ist wichtig um die Vorstellungen und Vorurteile die wir haben aufzuschütteln und neu zu bedenken. Ich habe nicht so viel über meine Erwartungen vorher nachgedacht, um so offen wie möglich diesen Monat zu genießen. Ich habe richtig viel gesehen und gelernt was mir im Gyn Block in Deutschland vorher nicht klar geworden ist. Ich habe vor noch mal ins Ausland zu gehen und sogar nochmal nach Indonesien. Ich kann eine Auslandsfamulatur nur empfehlen.

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