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Italy (SISM)

Chirurgie - SCOPE (Famulaturaustausch)
Anonym

Motivation

Ich hatte seit Beginn meines Studiums den Wunsch eine Auslandsfamulatur zu absolvieren. Meine Wahl fiel auf Italien, da ich gerne ins europäische Ausland wollte. Ich war schon häufig in Italien (zuletzt in Rom) und wusste, dass mir Land, Kultur und natürlich auch die italienische Küche sehr zusagen.

Vorbereitung

Die notwendigen Versicherungen konnte ich sehr günstig bzw. kostenlos abschließen, sodass alles ziemlich unkompliziert zu organisieren war. Man muss zahlreiche Dokumente in der IFMSA-Datenbank hochladen und Formulare ausfüllen. Der Aufwand hält sich jedoch in Grenzen.
Außer einem Sprachkurs (s.h. unten) hatte ich mich vorher über die Region informiert, um ein paar Ausflugsziele im Kopf zu haben.

Visum

Ein Visum ist für Italien nicht nötig, da EU-Land.

Gesundheit

Die Uni Parma verlangt laut Exchange Conditions in der IFMSA-Datenbank einige Impfungen. Die meisten waren Standardimpfungen. Mir wurde jedoch auf Nachfrage bestätigt, dass ich auch Impfungen gegen Meningokokken B sowie C vorweisen müsse, sodass ich diese noch impfen lies. Eigentlich werden diese für Erwachsene in Deutschland nicht empfohlen, aber der Betriebsarzt der Uniklinik hatte die Impfungen zum Glück vorrätig, sodass ich mich dort impfen lies. Ich hoffe, dass mir meine Krankenversicherung die Kosten hierfür noch ganz oder zum Teil erstattet. Da ich noch Varizellen als Kind hatte und demnach nicht geimpft bin, hat der Betriebsarzt netterweise kostenlos eine Titerbestimmung durchgeführt, da auch die Varizellenimpfung verlangt wurde.
Vor Ort hat jedoch keiner nach den Impfungen gefragt. Ich hatte meinen Impfass nur in der Datenbank hochgeladen (noch ohne Varizellen- und Meningokokkennachweis). Weitere Tests oder Nachweise war nicht notwendig.

Sicherheit

Ich habe mich ziemlich sicher gefühlt in Parma und mich dort nicht anders verhalten als in Köln. Bei Ausflügen in Großstädte muss man natürlich immer etwas mehr aufpassen, aber das liegt ja auf der Hand.

Geld

Ich hatte eine Kreditkarte, mit der ich im Ausland kostenlos Geld abheben kann. Im Supermarkt habe ich mit meiner Visakarte bezahlt, was keine zusätzlichen Gebühren gekostet hat. So musste ich nie viel Bargeld mit mir herumtragen.

Sprache

Ich hatte vor der Bestätigung meines Austausches keine Italienischkenntnisse, habe in der Schule lediglich Spanisch und Latein gelernt. Die beiden Sprachen haben mir jedoch auch ein wenig geholfen, was das Verständnis angeht.
Ich habe einen Italienisch-Konversationskurs im Semester vor dem Austausch belegt, den ich über die Uni kostenlos bei einer Sprachschule absolvieren konnte. Danach hatte man etwa Level A1 erlangt. Ich konnte also ein wenig Alltagsitalienisch und habe durch meine Vorkenntnisse anderer Sprachen erstaunlich viel Italienisch verstanden. Insgesamt kann ich einen Sprachkurs definitiv empfehlen. Die Italiener sprechen mal mehr, mal weniger gut Englisch, was sowohl in der Klinik als auch außerhalb zutrifft. Mit den italienischen Medizinstudenten sowie den (v.a. jungen) Ärzten auf Station konnte ich mich problemlos auf Englisch unterhalten, jedoch habe ich von anderen ausländischen Famulanten gehört, dass dies nicht überall so war. Im Alltag sind ein paar Brocken Italienisch auch sehr nützlich. Außerdem ist die Sprache wirklich sehr schön und nicht besonders schwer zu lernen.

Verkehrsbindungen

Die Flüge habe ich für etwa 150 Euro inkl. Gepäck von Düsseldorf nach Bologna etwa sechs Wochen vorher gebucht. Nach Parma sind es dann noch etwa 1,5 Stunden mit Shuttlebus zum Hauptbahnhof in Bologna und dann mit der Regionalbahn nach Parma. Das war alles sehr unkompliziert.
Die anderen Studenten sind zum Teil nach Mailand geflogen, was jedoch etwa eine Stunde weiter ist. Da ich recht viel Gepäck hatte, war mir die Anreise über Bologna lieber.

Kommunikation

Ich habe einfach meine Sim-Karte aus Deutschland benutzt, da ich sie kostenlos zum Roaming nutzen konnte. Leider gab es in der Unterkunft kein Wlan, sodass ich mir für 30 Euro einen Vodafone-Hotspot Pass gekauft habe. Dadurch hatte ich dann Wlan in der Unterkunft.

Unterkunft

Ich war in einer Wohnung mit zwei anderen Austauschstudentinnen untergebracht. Es gab drei Schlafzimmer. Eine Studentin hatte vorher abgesagt, sodass jeder ein eigenes geräumiges Zimmer hatte. Die Wohnung war recht groß, renoviert und hatte zwei Bäder und eine Küche, die mit allen notwendigen Utensilien zum Kochen und Essen ausgestattet war.
Die Bauart der Häuser in Italien ist ein wenig anders als in Deutschland, sodass man durch die Wände deutlich mehr von den Nachbarn mitbekommt (z.B. lautes Fernsehen oder Unterhaltungen). Das hatte ich aber nicht anders erwartet und ist für Italien völlig normal.
Der einzige Nachteil der Wohnung war, dass sie nicht im Zentrum von Parma bzw. in der Nähe der Uniklinik war. Es waren etwa drei bis fünf Kilometer ins Zentrum sowie in die Klinik, sodass man den Bus oder ein Fahrrad benötigt hat. Das Monatsticket für den Bus hat ca. 35 Euro gekostet, eine Fahrt kostet mit der Streifenkarte 1 Euro. Leider fahren die Busse nur bis etwa 9 Uhr am Abend, sodass wir auch ein paar mal mit dem Taxi gefahren sind bzw. uns die italienischen Studenten gefahren haben.

Literatur

Ich habe keine besondere Literatur benutzt, auch kein Wörterbuch. Natürlich ist eine Übersetzungs-App auf dem Handy immer praktisch. Ich hatte kein Lehrbuch eingepackt, sondern bei Bedarf mal etwas bei Amboss nachgelesen.

Mitzunehmen

Eine Reiseadapter sollte man nicht vergessen, da manche Stecker nicht in die italienischen Steckdosen passen (Laptop- und Smartphonekabel haben aber gepasst). Das Wetter im März in Parma kann schon warm oder noch ziemlich kalt sein. Darauf sollte man sich vorbereiten. Ich hatte ziemlich viel Glück, da es tagsüber fast immer um 20 Grad hatte. Nachts waren aber auch noch Temperaturen zwischen 0 und 10 Grad möglich.

Reise und Ankunft

Ich wurde am Bahnhof in Parma von meinen beiden Contact Persons abgeholt (ich hatte zwei, da eine Studentin abgesagt hatte ;-)). Die beiden waren unglaublich herzlich und haben mir sowohl im Voraus als auch vor Ort zahlreiche Fragen beantwortet. Außerdem haben sie mich am ersten Tag auf Station gebracht und vorgestellt. Ich hätte mir keine bessere Betreuung wünschen können.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich bin in der Thoraxchirurgie gelandet, wobei ich Herz-/Thoraxchirurgie als erste Wahl angegeben hatte. An drei Tagen pro Woche wurde operiert, an den anderen Tagen standen Konsile und Stationsarbeit an. Ich bin auf Visite mitgegangen und durfte immer in den OP. Außerdem bin ich mit den Assistenzärzten mitgegangen, wenn sie Patienten auf anderen Stationen visitiert haben. Insgesamt ist es nicht üblich in Italien, dass die Studenten praktische Tätigkeiten durchführen, aber ich durfte ab und an doch mal mit anpacken, v.a. bei einem Arzt, der selbst ein Jahr in Deutschland studiert hat und damit unsere etwas praktischere Ausbildung kannte. Die italienischen Studenten waren immer so zwei Stunden am Vormittag auf Station, sind mitgelaufen und haben sich dann eine Unterschrift abgeholt. Famulaturen und ein PJ gibt es in Italien nicht.
Obwohl ich bei den OPs leider nicht am Tisch stand, konnte ich meist sehr viel sehen, da es sehr viele VATS-Eingriffe (Video-assistiert) in der Thoraxchirurgie gibt. Die Ärzte haben im OP tendenziell eher mehr erklärt als in Deutschland und Fragen waren immer willkommen. Außerdem wurde mir durch die Chirurgen häufig Einleitung und Beatmung erklärt. Das fand ich wirklich super. Auch die Akte des Patienten mit Vorbefunden wurde mir meist ausführlich erklärt, was ich in Deutschland noch nicht so häufig erlebt habe. Insgesamt hatten die Ärzte recht viel Zeit zwischen den OPs, da der Saal geputzt wurde und kein anderer zur Verfügung stand. Somit war alles ein wenig entspannter und weniger hektisch als in Deutschland. Die Arbeitszeiten der Thoraxchirurgen gingen aber ähnlich wie in Deutschland auch bis weit in den Abend. Ich war zudem einige Male in der Ambulanz, wo präoperativ und postoperativ Patienten gesehen wurden.
Gehen konnte ich wirklich wann ich wollte - ob zur Mittagszeit oder mal um 18 Uhr war völlig mir überlassen. Wenn keine OPs anstanden, hätte ich sogar mal einen ganzen Tag nicht kommen müssen.
Mir wurde immer bereitwillig alles auf Englisch erklärt, zudem konnte ich Arztbriefe und andere medizinische Dokumente sehr gut auf Italienisch verstehen, da das Fachvokabular wirklich extrem ähnlich ist.
Insgesamt kann ich eine Famulatur in Italien empfehlen, wenn es einem eher um die gesamte Erfahrung einer Auslandsfamulatur geht, als darum praktisch viel zu lernen. Der medizinische Standard kommt annähernd an den in Deutschen Krankenhäusern heran, wobei man beachten muss, dass es schon große Unterschiede zwischen Norditalien und Süditalien gibt.

Land und Leute

Die Italiener haben einen enorm herzlichen und offenen Eindruck bei mir hinterlassen. Ich habe mich stets sehr wohl gefühlt, trotz der Sprachbarriere, da meine Italienischkenntnisse schon eher rudimentär waren.
Parma ist super gelegen, um sich andere Städte in Italien anzuschauen. Ich war ein Wochenende mit einer anderen Famulantin aus dem Ausland in Mailand. Außerdem wollten wir zu viert ein Wochenende nach Florenz fahren. Leider habe ich das nicht mehr geschafft, siehe unten.
Parma an sich ist auch wunderschön, nicht so touristisch und bietet wirklich einen tollen "Hintergrund" für eine einmonatige Famulatur.
Wir haben insgesamt 100 Euro Mensaguthaben auf der Menskarte von dem italienischen IFMSA-Team bekommen. Die Mensa ist etwa 15 bis 20 Minuten zu Fuß von der Uniklinik entfernt. Die 100 Euro reichen locker für einen Monat und das Essen ist wirklich gut für Mensaverhältnisse.
Insgesamt wäre es eine nahezu perfekte Famulatur in Parma und wunderschöne vier Wochen geworden. Wäre, weil ich leider in der zweiten Woche einen Fahrradunfall hatte, bei dem ein Bus beteiligt war und nach vier Tagen in der Uniklinik in Parma nach München transportiert wurde, um dort weiter operiert und behandelt zu werden. Somit habe ich die restliche Dauer meiner Famulatur in der Klinik in München verbringen müssen.
Das Ganze ist wirklich dumm gelaufen, aber so ist das Leben eben manchmal. Die italienischen Studentinnen vom Austausch sowie „mein“ Team aus der Thoraxchirurgie haben sich nach meinem Unfall extrem lieb um mich gekümmert und standen mir wirklich mit jeglicher Unterstützung zur Seite. Letzten Endes standen aber dann OPs und eine längere Behandlung an, sodass ich mich nach Deutschland transportieren lies.
Leider habe ich mit der Auslandskrankenversicherung der Deutschen Ärztefinanz (bzw. der ausführenden Versicherung Axa) keine guten Erfahrungen gemacht. Meine Familie musste sehr kämpfen, dass ich nach Deutschland transportiert werden konnte. Das war wirklich nicht schön, da ich mit meiner nicht gerade kleinen Verletzung in der Klinik lag und die Chirurgen (anders als bei meiner Famulatur) kaum Englisch sprachen und auch sonst nicht viel mit mir kommuniziert haben. Nach ein paar Tagen hartnäckiger Bemühungen, wurde dann doch der Transport genehmigt. Insgesamt kann ich zu diesem Zeitpunkt nur empfehlen, eine andere Reisekrankenversicherung abzuschließen, auch wenn es ein paar Euro mehr kostet. Die BVMD weiß Bescheid über meine Erfahrungen. Vielleicht ändert sich da etwas bzgl. der empfohlenen Versicherung.
Insgesamt kann ich nur empfehlen einen Helm zu tragen, solltet ihr in Parma (oder allgemein) aufs Rad steigen. Parma ist eigentlich ziemlich gut für Radfahrer gerüstet mit vielen Radwegen und flachen Straßen. Dennoch ist man natürlich nie ganz vor Unfällen sicher, was aber in Deutschland gleichermaßen zutrifft. Da ich wusste, dass mir meine Contact Person netterweise ein Rad leihen würde, hatte ich zum Glück (!!) einen Helm aus Deutschland dabei. Hätte ich den nicht aufgehabt (wie die allermeisten der Radfahrer in Parma), würde ich das hier vermutlich nicht mehr schreiben können….

Fazit

Insgesamt hatte ich also schon irgendwie Glück im Unglück, weil nichts noch Schlimmeres passiert ist. Dennoch bin ich sehr traurig, dass ich meine wunderbare Famulatur in Italien nicht habe beenden können und mir rund zwei sehr schöne Wochen in Parma entgangen sind.

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