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Spain (IFMSA-Spain)

Innere - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Patricia, Freiburg

Motivation

Meine Motivation, eine Famulatur im Ausland machen zu wollen, beruhte auf dem Interesse ein anderes Land mit seiner Kultur und seinen Bewohnern kennen zu lernen. Und da dies meiner Meinung nach besser funktioniert, wenn man für eine Zeit ein Teil der Gemeinschaft ist und nicht nur, wie im Urlaub, Besucher, habe ich mich für diese Option entschieden.

Außerdem wollte ich natürlich meine Sprachkenntnisse anwenden und verbessern.
Eigentlich wollte ich gerne nach Lateinamerika, Spanien war nicht meine erste Wahl, ich habe mich aber auch darüber sehr gefreut.

Vorbereitung

Am meisten Arbeit bereitete mir das Beantragen und Zusammensuchen aller benötigten Bescheinigungen, wie zum Beispiel ein polizeiliches Führungszeugnis, Bescheinigungen von Kranken- und Haftpflichtversicherung etc. Ich würde empfehlen, dies alles schon so bald wie möglich zu regeln.

Spezielle Kurse (exklusive des Sprachkurses) habe ich nicht besucht.

Visum

Durch die Zugehörigkeit zur EU musste ich mich glücklicherweise nicht um ein Visum kümmern.

Gesundheit

Spezielle Impfungen oder ein Impfnachweis wurden weder von der spanischen noch von der deutschen Seite aus verlangt.
Ich habe eine Reiseapotheke mit den üblichen Pharmaka gegen Erkältung, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen und Durchfall mitgenommen, diese aber nicht benötigt.

Sicherheit

Gerade im März kommen wegen der Fallas besonders viele Menschen nach València, daher wurde ich von den Contact Persons vor Taschendieben gewarnt, aber wenn man etwas darauf achtet, seine Dinge gut zu verstauen, sollte eigentlich nichts passieren. Die Polizeipräsenz ist sehr hoch, was vielleicht auch an den Fallas lag. Ich habe mich zu keinem Zeitpunkt unsicher gefühlt. (Nachdem ich mich an das ständige Knallgeräusch der Feuerwerkskörper gewöhnt hatte...)

Geld

Auch hier wieder der Vorteil der EU. Kreditkarten werden in fast allen Geschäften akzeptiert. Es empfiehlt sich eventuell Bargeld aus Deutschland mitzunehmen, da einige Banken für das Abheben von Geld im Ausland eine Gebühr berechnen.

Die Lebenshaltungskosten sind etwas geringer als in Deutschland, vor allem Cafés etc sind um einiges günstiger.

Sprache

Es ist auf jeden Fall empfehlenswert wenigstens ein bisschen Spanisch verstehen und sprechen zu können, da die Spanier oft nur schlecht und vor allem die Älteren eher ungern Englisch sprechen. Für die Arbeit im Krankenhaus ist es also meiner Meinung nach wirklich notwendig. Untereinander wird Valenciano gesprochen, wenn die Spanier aber merken, dass man Castellano spricht, sprechen sie auch automatisch Castellano.

Ich hatte fünf Jahre Spanischunterricht in der Schule und habe im Semester vor dem Austausch noch einen Konversationskurs am Sprachlehrinstitut der Uni belegt, um die Sprachkenntnisse wieder auszugraben und aufzufrischen.

Verkehrsbindungen

Wenn man früh genug bucht gibt es einige günstige Flüge direkt nach València. Dort angekommen wurde ich am Flughafen von meiner Kontaktperson mit dem Auto abgeholt, es gibt aber auch eine Metro-Station, mit der man schnell und einfach in die Stadt kommt.

In València gibt es das Fahrradverleih-System „valenbisi“, das mit über 250 Stationen in der Stadt super ausgebaut ist. Eine Jahreskarte kostet 30€, die für eine Woche 13€. Damit kann man so oft man möchte 30 Minuten lang fahren, fährt man länger wird eine zusätzliche Gebühr berechnet. Das System funktioniert echt gut und man sieht mehr von der Stadt, als mit der Metro. Für die Metro gibt es die Tuin-Card, welche man immer wieder aufladen kann. Mit ihr kostet eine kurze Fahrt etwa 0,75€ (Normalpreis 1,50€). Für Ausflüge in andere Städte ist die Bahn (renfe) gut geeignet und zuverlässig.

Kommunikation

Durch die neuen Roamingbedingungen konnte ich mein ALDI-Talk-Paket auch in Spanien weiterhin nutzen, ohne einen Aufpreis zahlen zu müssen.

In der Wohnung gab es leider kein WLAN, wenn ich viele Daten brauchte bin ich in eines der vielen Cafés mit gratis WLAN gegangen.

Die Kommunikation vor Ort lief zum aller größten Teil über WhatsApp.

Unterkunft

Wir waren im März insgesamt 5 Austauschstudenten, eine weitere Studentin konnte das Praktikum krankheitsbedingt nicht antreten. Normalerweise hätten wir alle zu sechst in der von der Lokalvertretung organisierten Wohnung südwestlich des Zentrums gewohnt, eine Studentin hatte sich jedoch selbst um eine Unterkunft gekümmert. Dadurch waren wir nur zu viert und jede von uns hatte ein eigenes Zimmer.
Die Wohnung ist direkt gegenüber des Krankenhauses, in dem ich meine Famulatur machte, zwei von uns mussten jedoch zu einem anderen Krankenhaus, welches 3 km entfernt war.

Die Wohnung verfügt über ein Bad, eine Küche und ein Wohn- und Esszimmer mit Sofas und TV. Die Küche ist mit einem Gasherd und einer Mikrowelle, sowie einem Kühlschrank mit Gefrierfach ausgestattet. Es ist auch eine Waschmaschine vorhanden. Jeder wäscht vor seiner Abreise das Bettzeug für den nächsten Austauschstudenten. Insgesamt ist die Wohnung sehr schön, aber hellhörig. Supermärkte sind in nächster Nähe und haben bis 21:30 Uhr geöffnet.

Literatur

Ich habe mir ein kleines Buch „Spanisch im klinischen Alltag“ gekauft, welches perfekt in die Kitteltasche passt. Vor dem Austausch habe ich damit ein paar klinische Wörter gelernt.

Ein Fachbuch habe ich nicht mitgenommen, wenn ich etwas nachlesen wollte habe ich das mit der App von Amboss gemacht.

Mitzunehmen

Ich finde es immer nützlich einen Rucksack für Ausflüge am Wochenende oder beispielsweise zum Strand dabei zu haben. Es hat im März in València meist um die 20°C (in der Sonne auch mal bis 34°C), kann aber im Schatten und nachts doch ziemlich frisch werden, sodass man auch an warme Kleidung denken sollte.
In der Wohnung gibt es Bettwäsche; Handtücher sollte man aber selbst mitbringen.

Für das Krankenhaus benötigt man seinen Kittel und ein Stethoskop.

Reise und Ankunft

Ich wurde direkt am Flughafen von zwei Kontaktpersonen mit dem Auto abgeholt und zur Wohnung gebracht. Sie haben mir auch direkt die Essens-Coupons gegeben und ich habe ihnen die 30€ Kaution für die Wohnung gezahlt.

Das Praktikum habe ich bereits am nächsten Tag begonnen. Ich habe mich mit einer Kontaktperson am Eingang des Krankenhauses getroffen und sie hat mich zur Sekretärin gebracht, die für Studentenpraktika zuständig ist, welche mich dann wiederum in der Abteilung vorgestellt hat.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Anders als erwartet, war ich anfangs in der Rehabilitation und nicht in der Gastroenterologie, wie in meiner Card of Acceptance angegeben. Da ich jedoch lieber einen Einblick in die Innere Medizin bekommen wollte bin ich mehrmals zur Studiensekretärin gegangen, die mir leider nicht wirklich helfen konnte, und meinte die anderen Abteilungen seien alle voll, weil momentan viele spanische Studenten da seien. Nach einem kurzen Gespräch mit dem Chefarzt der Inneren, zu dem ich am vierten Tag einfach hingegangen bin, war es allerdings kein Problem zu tauschen. Dann war ich in der Inneren Medizin. Die stationären Patienten hatten Krankheiten des gesamten Spektrums der Inneren, die Sprechstunde hatte einen speziellen Fokus auf infektiöse Krankheiten.

Mit den Ärzten, dem Pflegepersonal, den Residents und den anderen Studenten habe ich mich sehr gut verstanden und mich auch willkommen und in die Gruppe aufgenommen gefühlt.

Ein typischer Tag begann um 8:15 Uhr mit einer kurzen Fortbildung oder Fallbesprechung im ganzen Team. Danach ging es von 9:30 Uhr bis 12 Uhr zur Sprechstunde und danach machten wir Visite und Stationsarbeit. Um 15 Uhr habe ich das Krankenhaus - mit großem Hunger - verlassen.

Einen Spind oder Umkleideraum hatte ich nicht, aber ich konnte meine Sachen im Arztzimmer ablegen, das auch immer zugeschlossen wurde, wenn niemand dort war. Gearbeitet wird in normalen Straßenklamotten und einem Kittel.
Besonders gefallen hat mir, dass sich sehr viel Zeit für die einzelnen Patienten genommen wird: für die Untersuchung und für lange Gespräche (auch mit Angehörigen). Auffallend war auch, dass die Patienten oft mit dem Vornamen angesprochen und geduzt werden und diese wiederum die Ärzte duzen. Man bekommt das Gefühl, das Verhältnis sei etwas persönlicher, als in Deutschland.
Am Gesundheitssystem gefällt mir das System der Gesundheitszentren, die dem Hausarzt einige Aufgaben wie beispielsweise impfen und Blutentnahmen abnehmen.
Im Vergleich zu Deutschland werden sehr viel mehr Reserveantibiotika verschrieben.
Etwas schade war, dass man als Student dort sehr wenig selbst machen darf und eigentlich den ganzen Tag einfach mit dem Arzt mitläuft und zuhört. Als Gruppe darf man ab und zu eine Aufnahme selbst erledigen, mehr jedoch nicht.
Die medizinische Ausbildung unterscheidet sich vor allem nach dem Grundstudium etwas von der in Deutschland: es gibt einen bestimmten schriftlichen Test, den „MIR“ (médico interno residente), der einmal jährlich stattfindet und ca 230 Fragen beinhaltet. Die Studenten mit der höchsten Punktzahl können ihre Weiterbildung in der Fachdisziplin ihrer Wahl machen, hat man schlechter abgeschnitten, muss man einen der freien Plätze in anderen Disziplinen wählen. Die Weiterbildung dauert etwa drei bis fünf Jahre.
Während des Grundstudiums verbringen die Studenten weniger Zeit in der Klinik; einige Studenten berichteten mir, dass sie beispielsweise nur vier Tage in der Inneren verbringen und während dieser Zeit auch nur zusehen.

Land und Leute

València ist sehr vielseitig und bietet viele Möglichkeiten seine Freizeit zu verbringen. Es gibt viele Museen (bei Einigen ist der Eintritt am Wochenende gratis), und wunderschöne Gärten um zu joggen, picknicken, spazieren oder sich zu sonnen.
Auch die Strände sind leicht erreichbar und selbst im März gab es einige Tage, an denen man baden konnte. Es gibt zwei große Shopping-Straßen und einige Einkaufszentren mit Filialen vieler großer Geschäfte. Der Großmarkt ist wunderschön und bietet sich an um frisches Obst und Gemüse zu kaufen, die Preise sind geringer als in Deutschland.
Die Ciudad de las Artes y Ciencias ist vor allem architektonisch sehr beeindruckend.
Der Nationalpark l’Albufera südlich von Valencia ist auf jeden Fall einen Besuch wert, und mit dem Bus oder dem Fahrrad erreichbar. Dort befindet sich der größte See Spaniens, an dessen Ufern Reis - für die valencianische Paella - angebaut wird. Besonders schön ist es, an einer Bootstour bei Sonnenuntergang teilzunehmen. Wir haben dafür 5 € pro Person bezahlt.
Ich habe an einem Wochenende einen Ausflug nach Alicante gemacht und kann dies nur empfehlen. Mit dem Zug dauert die Fahrt zwei Stunden und die Strecke ist wirklich schön.
Auch nach Barcelona oder Madrid gibt es eine gute Zugverbindung.
Während meiner Zeit in València waren die Fallas sehr präsent. Vom 1.-19.03. war jeden Tag um 14 Uhr die Mascletá, ein sehr lautes Tagesfeuerwerk, auf der Plaça de l’Ajuntament. Für die Spanier geht es dabei jedoch nicht nur um die Lautstärke, sondern mehr um die Dynamik und den Rhythmus, welcher sich täglich unterscheidet. In den Nächten vor dem 19.03. sind große Feuerwerke, am 17. und 18. die ofrenda, bei der der Virgen de los Desamparados mit Umzügen Blumen dargeboten und auf der Plaça de la Virgen zu einer 10 m hohen Marienfigur zusammengesteckt werden. In der Nacht vom 19. zum 20. März werden die fallas-Figuren, die an vielen Straßenkreuzungen aufgebaut werden, schließlich in einem Akt namens cremà verbrannt.
Ich habe es sehr wertgeschätzt diese Zeit mit all ihren Besonderheiten kennen zu lernen, war dann aber doch auch ein bisschen froh, als alles vorbei war und nicht mehr überall Kinder auf den Straßen Böller zündeten und die Stadt vor Touristen fast überquoll.
Die Contact Persons hatten einige Events, wie zum Beispiel ein Welcome- und Goodbye-Dinner, eine Stadtführung, einen Abend am Strand und die Bootstour in l’Albufera geplant und sich immer wirklich Mühe gegeben. Mit ihnen hab ich mich sehr gut verstanden.

Von der politischen Situation des Landes habe ich dort speziell nicht besonders viel mitbekommen, die wirtschaftliche Situation war jedoch öfter mal ein Gesprächsthema. Die Arbeitslosenquote und vor allem die Jugendarbeitlosigkeit ist sehr hoch.

Auffallend fand ich, dass dem Weltfrauentag eine sehr große Bedeutung zugesprochen wurde: Studenten und Schüler haben in der Stadt demonstriert, im Krankenhaus wurden alle Angestellten für eine fünfminütige Ansprache vor dem Krankenhaus zusammengerufen und selbst die Mascletá begann mit lilafarbenen Rauchzügen.
Die schwierigste kulturelle Umstellung für mich war das späte Mittagessen, welches ich oft erst nach 15 Uhr einnahm.

Fazit

Insgesamt bin ich sehr froh darüber, mich für den Auslandsaufenthalt entschieden zu haben und würde es sofort wieder machen, wenn ich noch einmal die Möglichkeit hätte. Ich habe einen tollen Einblick in die Kultur und den Alltag in Spanien erhalten.

Nach Spanien reisen werde ich auf jeden Fall noch weitere Male. Dort mein PJ zu machen würde ich mir jedoch sehr gründlich überlegen, weil man dort als Student tatsächlich noch weniger selbst machen darf, als in Deutschland.

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