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Morocco (IFMSA-Morocco)

Augenheilkunde - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Debora, Freiburg

Motivation

Ich wollte gerne die Möglichkeit nutzen, nicht als Tourist ein Land zu besuchen, sondern dort für einen Monat zu leben und zu arbeiten, um so einen besseren Einblick in das Land und die Kultur zu bekommen. Marokko interessierte mich, da einige Freunde mir davon erzählt hatten und ich den arabischen Raum mag.

Vorbereitung

Ich habe zur Vorbereitung ein Buch über die Kultur Marokkos gelesen, weil es mich interessiert hat, aber das ist nicht wirklich relevant, man macht dann eh seine eigenen Erfahrungen  Ansonsten hatte ich mich vorab über die Möglichkeiten zu reisen informiert, da ich z.B. von meinem Flughafen erstmal noch 2h mit dem Zug zu meiner Stadt fahren musste. Da habe ich bei meiner Contact Person nachgefragt, der hat mir aber nur gesagt, ja es gibt einen Zug. Im Internet konnte ich dann aber alle Informationen auch so finden.

Visum

Als Deutscher braucht man für Marokko kein Visum. Wenn man die 90 Tage nicht überschneidet, kann man einfach einreisen. Die Einreise war problemlos.

Gesundheit

Ich musste einen Tuberkulose-Test nachweisen. Ich habe eine Auslandskrankenversicherung. Mein Impfstatus war nach deutschen Leitlinien aktuell, für Marokko musste ich nichts zusätzlich impfen, was ich nicht schon für anderen Reisen und den normalen Stand gebraucht hätte. Da ich gesundheitlich auf meinen letzten Reisen nie irgendwelche Probleme hatte, war meine Reiseapotheke leider nicht so gut ausgestattet. Ich empfehle was gegen Verstopfung mitzunehmen – die ballaststoffarme Kost in meiner Gastfamilie hat meinem Darm ganz schöne Mühe gemacht. Und ich hatte eine Lebensmittelvergiftung von einem Sandwich, dass ich mir unterwegs gekauft hatte, also da vielleicht auch Rehydrationslösung und Paracetamol dabei haben, hilft, wenn man seinen Wochenendtrip nicht vorzeitig abbrechen möchte.

Sicherheit

Ich habe mich in Marokko sicher gefühlt. Man kann sich registrieren lassen beim Auswärtigen Amt. Die politische Situation ist aber stabil. Auch wenn Demonstrationen gegen verschiedene innenpolitischen Themen zu der Zeit meines Aufenthalts waren, hab ich nicht den Eindruck gehabt, dass die Stimmung angespannt oder gefährlich wäre.

Geld

Man zahlt in Dirham. 10 Dirham entsprechen ca. 1€.. Ich habe das Geld dort erst umgetauscht. Visa-Karten funktionieren mit der üblichen Abhebungspauschale gut. Es gibt in den Stätten überall Bankautomaten. Die Lebensmittelpreise sind vergleichsweise sehr niedrig. Gerade street food erhält man an vielen Ecken für ca. 2€, lecker frühstücken mit einem Glas Minztee und einer Art süßem Pfannkuchen mit Honig und Frischkäse konnte man sogar für 70ct wenn man in der Medina bei lokalen Familienständen gegessen hat. Alles importierte wie Milchprodukte und Hygieneartikel sind natürlich teurer. Verkehrsmittel sind auch relativ günstig aus europäischer Sicht.

Sprache

In Marokko wird Darija, ein Dialekt des Arabischen von den meisten Menschen gesprochen. Es ist eine Mischung aus Arabisch, Berber, Französisch, Spanisch und Portugiesisch und dementsprechend sehr weit vom Hocharabisch oder anderen arabischen Dialekten entfernt. In den ländlicheren Gegenden dann verschiedene Berberdialekte. In gebildeten Kreisen Französisch und/oder Englisch. Für das Praktikum sollte man ein gutes Französisch-Niveau (min. B2) haben.

Verkehrsbindungen

Für den Fernverkehr bietet sich der Zug an. Sehr zuverlässig in meiner Erfahrung, schnell, angenehm und die Preise entsprechen unseren Fernbuspreisen für Mittelstrecken (10-20€) für z.B. die Strecke Rabat – Marrakesh. Es bietet sich an, die Tickets im Voraus zu kaufen, dann sind sie günstiger und direkt vor der Abreise kann auch mal so viel los sein am Schalter, dass man es nicht mehr rechtzeitig schafft. Ansonsten gibt es auch Fernbusse (CTM), alle Informationen sind im Internet erhältlich, sie fahren auch in entlegene Gegenden und sind ebenfalls zuverlässig. Außerdem gibt es noch Fernverkehr Taxis, die würde ich aber nur in Begleitung von einheimischen nutzen, da die Kommunikation dort nur über Darija läuft. Innerhalb von Rabat bin ich entweder mit einem Grand Taxi gefahren (feste Routen, man muss seine Richtung kennen und fragen, ob sie dorthin fahren, oft sehr voll, 7 Leute in einem 5-Sitzer sind kein Problem, dafür fester Preis von 50ct (5Dirham). Für Orte, die nicht auf der Route liegen, oder wenn man kein Glück hat und kein Platz im Grand Taxi bekommt, kann man auch ein Petit Taxi nehmen, das ist dann individuell und mit Taxometer , dementsprechend auch teurer. Es gibt auch noch Busse (4Dirham), die fahren aber sehr unregelmäßig und sind nur für Abenteuerlustige. Welche Nummer wohin fährt hab ich auch nur durch Beobachten und Ausprobieren herausgefunden.

Kommunikation

In meiner Gastfamilie hatte ich WLAN, das ich mitnutzen konnte. Außerdem habe ich mir eine marokkanische SIM-Karte gekauft (Anschaffungskosten ca. 10€ inklusive Guthaben). Man kann zwischen verschiedenen Paketen bzgl. des Datenvolumens wählen und hat dann relativ zuverlässig auch unterwegs Internet, was manchmal sehr hilfreich sein kann. Über die gängigen Kommunikationswege war es kein Problem, mit Freunden, Familie und Universität Kontakt zu halten oder organisatorische Dinge zu klären.

Unterkunft

Ich war in einer Gastfamilie untergebracht worden. Die älteste Tochter studiert auch Medizin und ist in der lokalen Medizinfachschaft aktiv. Ich hatte mein eigenes Zimmer und musste keine Bettwäsche mitbringen. Die Familie hatte eine Haushälterin, die meistens gekocht hat. Da habe ich dann mitgegessen. Als ich nach zwei Wochen Lust hatte, mir etwas selber zu kochen, hatte ich den Eindruck, dass meine Gastfamilie das ablehnend gegen ihre Essenskultur empfunden hat. Jedenfalls haben sie mich dabei immer sehr komisch beäugt und komische Aussagen dazu gemacht. Ansonsten waren sie freundlich, aber hatten kein Interesse, etwas mit mir zu unternehmen. Meine Wäsche konnte ich der Haushälterin geben.

Literatur

Ich habe das Buch: „Marokko ist anders“ von Mourad Kusserow gelesen, um einen kulturellen und geschichtlichen Eindruck von dem Land zu bekommen. Außerdem hatte ich mich vorab auf der Homepage des Auswärtigen Amts über die Reisebestimmungen und Sicherheitshinweise in Marokko informiert.

Mitzunehmen

Der Jahreszeit entsprechend habe ich Kleider für den Frühling mitgenommen. Für das Krankenhaus braucht es neben einem Kittel auch eigene OP-Kleidung, da diese in der Regel nicht vom Krankenhaus gestellt wird. Da in marokkanischen Häusern der Boden fast immer durchgehend gefließt ist, empfiehlt es sich, Hausschuhe mitzunehmen, wenn man keine kalten Füße möchte. Badesachen lohnen sich, wenn man am Meer wohnt oder vor hat, einen Ausflug dorthin zu machen.

Reise und Ankunft

Ich musste vom Flughafen Casablanca nach Rabat mit dem Zug fahren. Das war kein Problem und die meisten Leute sind auch sehr hilfsbereit, wenn man eine Frage hat. In Rabat gibt es zwei Bahnhöfe. Obwohl ich immer kommuniziert hatte, an welchem ich aussteigen werde, hat meine Gastfamilie leider am anderen Bahnhof gewartet und es hat relativ lange gedauert, bis wir uns dann gefunden haben und die Begegnung mit der Gastmutter fiel dadurch etwas kühl aus. Mein Beginn im Krankenhaus hat sich dann auch noch verzögert, sodass ich Zeit hatte, anzukommen. Am ersten Tag wurde ich dann von einem Mitglied der IFMSA-Morocco auf die Station gebracht. Der NEO der IFMSA-Morocco war zufälligerweise auf derselben Station wie ich über die Dauer meines Aufenthalts, sodass ich immer einen Ansprechpartner hatte.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich war in der Augenheilkunde. Jeden Morgen gab es für die Studenten eine Vorlesung. Das war hilfreich für mich, um mich mit dem französischen Vokabular der Augenheilkunde vertraut zu machen. An manchen Tagen gab es anstelle einer Vorlesung eine Patientenvorstellung durch einen Assistenzarzt für das ganze ärztliche Personal der Augenheilkunde. Anschließend bin ich in einen der verschiedenen Bereiche gegangen. Es gab die Notaufnahme, den OP, die Ambulanz, die Stationen und die spezialisierten Untersuchungsräume. Am meisten Zeit habe ich in der Notaufnahme verbracht, weil es da am meisten Abwechslung und am meisten zu sehen gab. Mit den Ärzten habe ich auf Französisch kommuniziert. Ohne Französischkenntnisse nimmt man, denke ich, nicht sehr viel mit. Die Gespräche mit den Patienten waren dann auf Darija. Da war ich dann auf die Übersetzung der Ärzte angewiesen. Manche Ärzte waren sehr nett und haben sich die Zeit genommen, mir den Fall zu erklären und auch selbst zu untersuchen, bei anderen stand ich nur daneben. Die Chefärztin war auch sehr nett und vor allem die OPs die gemacht wurden, gut kommentiert und viel erklärt. In Marokko kann man einige Erkrankungen sehen, die man in Deutschland viel seltener antrifft, wie z.B. kongenitale Augenerkrankungen, da innerfamiliäre Ehen nicht selten sind. So war es sehr eindrücklich einige Kinder mit kongenitalem Glaukom zu sehen. Außerdem sind okuläre Traumen durch Faustschlag oder Steinwurf relativ häufig und man findet einige Krankheitsbilder im fortgeschrittenen Stadien, da die Menschen tendenziell eher erst sehr spät zum Arzt gehen, leider kann ihnen dann oft auch nicht mehr geholfen werden.
Die Ausbildung der Ärzte in Marokko ist auf vergleichbarem Niveau zu hier. In der praktischen Umsetzung in einem öffentlichen Krankenhaus fehlen dann aber oft die Mittel. Das fängt bei so einfachen Dingen an, dass es in Behandlungsräumen nur Desinfektionsmittel gibt, wenn der Arzt sein eigenes mitbringt und hört bei fehlenden Tonometern in der Glaukomsprechstunde oder Medikamenten, die in Marokko nicht erhältlich sind, auf. Viele Studenten sind deshalb und auch wegen der Gesamtsituation im Land sehr gefrustet und möchten gerne nach Deutschland für ihren Facharzt. Das Arzt-Patienten-Verhältnis entspricht noch sehr dem "der Arzt als Gott in weiß". Viele Patienten sind Analphabeten und die Ärzte machen sich dann zum Teil erst gar nicht die Mühe, ihnen die Krankheit und Behandlung zu erklären, sondern ordnen einfach an. Dieser distanzierte Umgang war mir sehr befremdlich.

Land und Leute

An den Wochenenden hatte ich verschiedene Touren geplant. Da ich die einzige Incoming in diesem Monat war, musste ich alles selbst planen. Allerdings habe ich einen Freund in Marrakesch (eine sehr touristische, im Sommer sehr heiße, aber auch sehr vielseitige Stadt mit einem aktiven Nachtleben und einer richtigen 1001 Nacht Atmosphäre), den ich besuchen konnte und mit dem ich ein Wochenende in Essaouira (wunderschöne Küstenstadt) war, sodass ich nicht ganz auf mich alleine gestellt war. Tanger und Chefchaouen (die blaue Stadt) sind ebenfalls sehr schön. Rabat hat mir auch gut gefallen, vor allem die Kasbah des Oudayas und die Medina mit ihren engen Gassen. Eine weitere Tour hatte ich in die Wüste geplant, worauf ich mich sehr gefreut hatte. Leider habe ich dann in Ouarzazate (die letzte größere Stadt am Rand der Wüste) eine Lebensmittelvergiftung mir zugezogen und bin dann nicht auf die Tour gegangen, weil ich nicht rechtzeitig wieder fit geworden bin. Von den Bildern her, wäre es aber sehr schön gewesen. Naja, ein weiterer Grund nochmal wieder zu kommen. Das Essen ist sehr fleischlastig und ölhaltig. Für Menschen wie mich, die Gemüse lieben, kann ich entweder die Gemüse- Tajine oder freitags den Couscous mit Gemüse empfehlen. Alle anderen traditionellen Gerichte enthalten kaum bis gar kein Gemüse. Man kann viele spannende Dinge probieren, wie Schnecken oder Kalbshufe (ja man kann den Knorpel wirklich essen). In Rabat habe ich einen Surfkurs am Strand nebender Kasbah des Oudayas gemacht. Das war eine coole Erfahrung, der Surflehrer und seine Freunde waren sehr offen und nett. Im Krankenhaus und der Stadt hatte ich den Eindruck, dass die Mädchen sehr zurückhaltend sind und die Jungs eher zu aufdringlich, sodass ich dort nicht wirklich Kontakte, die über kurze Begegnungen hinausgegangen wären, knüpfen konnte. Im Vergleich zu anderen arabischen Ländern, in denen ich bisher war, habe ich die marokkanischen Männer zum Teil als sehr aufdringlich und penetrant empfunden – Augenkontakt vermeiden und konsequentes Ignorieren ist das einzige was hilft.
Wenn ihr die Möglichkeit habt, ist es eine Erfahrung in ein traditionelles Hammam-Bad zu gehen. Am besten mit voller Ausstattung: die typische marokkanische Seife "Savon noir" und einen Kessa-Badehandschuh zum abrubbeln von alter Haut. Es ist eine sehr wohltuende, entspannende und kulturell interessante und in traditionellen Hammams auch gar nicht teure Erfahrung. Viele Marokkaner gehen auch heute noch einmal in der Woche ins Hammam.

Fazit

Marokko war eine sehr spannende und vielseitige Erfahrung. Ich würde definitiv wieder als Tourist in dieses Land reisen und auch gerne noch die Ecken sehen, die ich nicht besuchen konnte und auch ein paar Leute besuchen. Eine Famulatur außerhalb der „Hauptsaison“ würde ich allerdings nicht nochmal machen und auch nicht empfehlen, da man viel alleine ist und es keinerlei Social Program gibt.

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