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;IFMSA CZ(Czech Republic);Temporary and permanent coverage of severe skin losses (burn wounds);;;;

Verschiedene - SCORE (Forschungsaustausch)
von Anna Sophie, Schwerte

Motivation

Da ich bereits öfter in Prag war und dort Freunde habe, die Stadt liebe und die Karlsuniversität eine der besten Universitäten Europas ist, wollte ich dort gerne einen Forschungsaustausch machen.
Für Kölner Studenten ist ein SCORE Auslandspraktikum außerdem eine super Möglichkeit das 1. Wissenschaftliche Projekt im Rahmen des Modellstudiengangs zu absolvieren.

Vorbereitung

Zur Vorbereitung genügt es den Punkten auf der Checkliste der Bvmd zu folgen. Es empfiehlt sich ein englisches Sprachzertifikat an der Uni - sofern angeboten - zu absolvieren, um Kosten zu sparen.
Außerdem ist es hilfreich, sich auf Pubmed die Research Papers durchzulesen die von dem projektleitenden Professor veröffentlicht wurden.
Falls man in Köln studiert und sich das Praktikum als 1. Wissenschaftliches Projekt anerkennen lassen möchte, sollte man zuvor einen Kölner Professor finden, der bereit ist die Bewertung der Projektarbeit zu übernehmen.

Visum

Ein Visum ist nicht erforderlich. Es reichen Personalausweis oder Reisepass

Gesundheit

In den Exchange Conditions der IFMSA CZ wird ein Tuberkulose Test verlangt. Dieser war für mich in Deutschland schwer zu bekommen und ist bei einem Forschungspraktikum meiner Meinung nach nicht erforderlich. Man sollte sich mit dem tschechischen NORE absprechen.
Wenn man in Tschechien wandern gehen möchte, kann man eine FSME Impfung in Erwägung ziehen.

Sicherheit

Prag ist in etwa so sicher wie deutsche Städte. Man kann auch als Frau gut alleine unterwegs sein.
Leider trifft man auch auf Rassismus in Tschechien, sodass einige Freunde von mir rassistische Beleidigungen erfahren mussten.

Geld

Die Währung sind tschechische Kronen (CZK). Ein Euro entspricht ca. 25 CZK. Das Geld habe ich vor Ort gewechselt. Man sollte Wechselstuben abseits der Touristen Attraktionen aufsuchen. Alternativ kann man zu einem etwas schlechteren Wechselkurs von 24 tschechische Kronen direkt bei der Bank abholen. Einige Banken die keine extra Gebühr für Auslandsabhebungen stellen sind die Raiffeisen Bank, ČSOB Bank und KB Bank.
Außerdem haben die Incomings 2000 CZK (80€) Taschengeld von den LOREs bekommen.
In Tschechien kann man quasi überall mit Karte (auch kontaktlos) bezahlen.
Die meisten Lebensmittel sind etwas günstiger und auch in vielen Restaurants sind die Preise geringer.

Sprache

An der Karlsuniversität reicht es vollkommen aus, wenn man Englisch spricht. Der Professor hat fließend Englisch gesprochen und mir alles gut verständlich erklärt.
Außerhalb der Universität sprechen fast nur jüngere Menschen Englisch. Unter den Älteren spricht kaum jemand Englisch aber einige können ein wenig Deutsch. Generell sollte man zuerst versuchen, die Leute auf Tschechisch anzusprechen, denn Viele sind beleidigt, wenn sie direkt auf Englisch angesprochen werden.

Verkehrsbindungen

Die Verbindungen in Prag sind super und sehr günstig. Meine Kontaktperson ist mit mir zur Karlsuniversität gegangen damit ich eine temporäre tschechische Studienbescheinigung bekomme. So konnte ich ein günstiges Studenten-Monatsticket für ca. 160 CZK (6,40€) kaufen. Dieses war in ganz Prag gültig, für die Tram, Metro und die Busse. Um Verbindungen nachzuschauen habe ich die App „Pubtran“ genutzt (alternativ: „IDOS“).
In der Sommersaison kann man mit der Rekola App Fahrräder mieten. Es gibt in Prag außerdem die Möglichkeit City Roller zu mieten.
Anders als in Köln ist in Prag Uber sehr verbreitet und eine günstige Alternative zu Taxis.

Kommunikation

Meinen Handytarif konnte ich normal nutzen, zudem ist der Internetempfang in Prag besser als in Deutschland. Im Studentenwohnheim konnte man über eduroam das WLAN kostenfrei nutzen.
Es wurde zu Beginn des Monats eine Whatsapp Gruppe für alle Incomings der 3 Prager Medizinischen Fakultäten erstellt, sowie je separate Gruppen für die 3 Fakultäten.
Es gibt außerdem eine Facebook Gruppe für die Bewohner des Studentenhostels.

Unterkunft

Die Unterbringung erfolgte kostenfrei in einem Studentenhostel, dem Kolej Hvezda (Prag 6), in Zweierzimmern, mit Gemeinschaftsbad, Gemeinschaftsküche und gemeinsamem Balkon für einen Flur. Alle Incomings der Medizinischen Fakultät wurden im selben Hostel untergebracht.
Das Hostel war sauber und direkt neben einem großen Park gelegen. In der Nähe gibt es verschiedene Supermärkte, eine Metro, Tram und Bus Haltestelle. Außerdem gab es eine zum Hostel gehörende Studentenbar.

Literatur

Einen Reiseführer habe ich nicht gelesen. Vor Ort habe ich für Empfehlungen von Restaurants oder Aktivitäten Tripadvisor genutzt und auf Youtube Videos mit Empfehlungen angesehen, auf dem Kanal "Honest Guide Prague".

Mitzunehmen

In Prag ist es auch im März noch kalt, daher sollte man auf jeden Fall Schal und Mütze mitnehmen.
Es gab eine National Food and Drinks Party zu der jeder ein Gericht aus dem Heimatland mitbringen konnte. Daher wäre es praktisch Zutaten/ Süßigkeiten/ etc. aus der Heimat mitzubringen.
Außerdem sollte man ein Geschenk für seinen Tutor mitbringen.

Reise und Ankunft

Am Flughafen wurde ich von meiner Kontaktperson abgeholt und zum Studentenhostel begleitet. Außerdem hat sie mir die Universität und die Umgebung gezeigt. Ich bin einige Tage vor Praktikumsbeginn angekommen und hatte so Zeit mir Vieles anzuschauen.
Am ersten Tag geht man zusammen mit seiner Kontaktperson zum Labor und wird dort vom Tutor in Empfang genommen.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Das Genetik Labor der 1. Medizinischen Fakultät der Karlsuniversität in Prag ist zentral gelegen, an den Tram Haltestellen Albertov und I.P. Pavlova. Es liegt auf dem Campus der 1. Medizinischen Fakultät im Gebäude Purkynov Ustav (benannt nach Herrn Purkinje, der ja Tscheche war), wo sich auch die Histologie befindet und auch gelehrt wird.
Am ersten Tag hat mir der Tutor ausführlich das Projekt und die Hintergründe erklärt. Er hat mir verschiedene seiner Research Papers vorgestellt und erklärt. Ab dem nächsten Tag konnte ich dann bei Experimenten zusehen und sie daraufhin auch selber ausführen. Bei Fragen stand mir der Professor immer zu Verfügung, er hat mir aber auch viel Freiraum gelassen, selbst die Experimente durchzuführen. Wir haben viele PCRs durchgeführt und mit Gel Elektrophorese ausgewertet. Dafür habe ich selbst die Gels hergestellt. Danach haben wir mit DNA Extraktions Kits die DANN extrahiert. Manchmal haben wir zur Auswertung der Ergebnisse auch die Massenspektrometrie verwendet. Außerdem haben wir Bakterien auf Agar Platten gezüchtet um Plasmide vervielfältigen zu können. Dies musste unter einem Abzug geschehen.
Durch die Labortätigkeit habe ich Fertigkeiten für das Studium gelernt, die ich in anderen Fächern wie Biochemie oder Physiologie anwenden kann. Des Weiteren habe ich so einen Einblick in das Arbeitsfeld von Forschern gewonnen, und kann besser einschätzen ob ich später selbst in der Forschung arbeiten möchte.
Außerdem hatte ich die Gelegenheit einige Forschungsartikel zu lesen. So wird es mir leichter fallen, selbst meinen Bericht für das 1. Wissenschaftliche Projekt zu schreiben.
Ich habe es als hilfreich empfunden, einen Monat lang nur auf Englisch zu reden.
Das Thema des Projekts war die Unfruchtbarkeit bei männlichen Ratten. Dies ist ein relevanter Forschungsbereich, da ca. 9% aller Paare an Unfruchtbarkeit leiden. Neben den Hauptursachen für männliche Unfruchtbarkeit, wie das Klinefelter Syndrom, Deletionen des Azoospermie Faktors (AZF) und Mutationen des Cystic Fibrosis Transmembran Regulators (CFTR), sind viele weitere Ursachen für männliche Unfruchtbarkeit noch ungeklärt. Wir haben deshalb untersucht wie Mutationen im Cntrob Gen sich auf die Fruchtbarkeit auswirken.

Die Arbeitszeiten waren sehr flexibel, meist habe ich nur entweder vormittags oder nachmittags gearbeitet, nämlich dann wenn der Professor gerade keine Vorlesung und kein Seminar gehalten hat. Das waren meistens 3 bis 6 Stunden am Tag, selten auch mal 8 Stunden. Ich musste nie vor 9 Uhr da sein.

Land und Leute

Ich habe während des Austauschs viele nette Menschen kennengelernt. Alle Incomings waren unternehmenslustig und wollten gemeinsam die Stadt erkunden, abends ausgehen oder gemeinsam Sport machen. Besonders gut gefallen haben mir die Bars mit Live Musik.
Prag ist außerdem bekannt für sein Nachtleben, mit den größten Clubs Europas, wie zum Beispiel Karlovy Lazne oder Duplex.
Meine Mitbewohnerin kommt aus der Slowakei und ist für das Studium nach Prag gezogen. Mit ihr habe ich viel Zeit verbracht, gemeinsam gekocht, den Zoo besucht etc. Im Zoo gibt es einen Sessellift, mit dem man den Berg hochfahren kann. Der Eintritt in den Zoo ist viel günstiger als bei uns. Generell gibt es an den meisten Orten einen ISIC Discount, es lohnt sich also nachzufragen!
Die IFMSA hat für alle Incomings eine National Food and Drinks Party veranstaltet. Außerdem gibt es viele Veranstaltungen von Studentenorganisation der tschechischen und internationalen Studenten (z.B. Trimed), wie Benefiz-Rockkonzerte mit Studentenbands, medizinische Workshops, eine East European Food and Drinks Party und viele mehr.
Auf dem Campus der 1. Medizinischen Fakultät gibt es außerdem eine Studentenbar, zu der wir gerne mit unseren Kontaktpersonen gegangen sind.
In Prag selbst gibt es sehr viel zu besichtigen. Das Prager Schloss, Prasky Hrad ist auf einem Berg gelegen. Von dort hat man eine schöne Aussicht über die Stadt und auf den Fluss Vltava. In der Nähe der 1. Fakultät gibt es ein weiteres Schloss, Vysehrad, auch von dort kann man schön die Stadt überblicken. Wenn es warm genug ist, kann man eine Bootstour auf dem Fluss machen, oder sich ein Ruder- bzw. Tretboot ausleihen.
Der Petrin Turm ist ein weiterer Aussichtspunkt, und sieht ähnlich aus wie der Eiffelturm. Nachts wird er mit bunten Lichtern angestrahlt.
Der Old Town Square mit der Teyn Kirche ist unter Touristen zu Recht wohl der beliebteste Ort in Prag. Dort kann man auch die Astronomische Uhr bewundern, die über mehr als nur die Uhrzeit Auskunft gibt.

Es lohnt sich, neben den Hauptattraktionen, auch einen der Farmer’s Märkte mit Streetfood zu besuchen, zum Beispiel in Naplavka am Fluss oder ein Wellnessangebot wahrzunehmen, da diese in Prag viel günstiger sind als bei uns.

An einem Samstag sind wir mit dem Flixbus nach Česky Krumlov gefahren. Das ist ein idyllisches Dorf mit einem schönen Schloss, Museen, einem Fluss und verschiedenen Parks.
Wenn noch mehr Zeit gewesen wäre, hätte ich auch gerne Karlstein und Kutná Horá besichtigt.

Fazit

Der Forschungsaufenthalt in Prag war eine sehr schöne Erfahrung, die mich sowohl fachlich weitergebracht hat, als auch sehr viel Spaß gemacht hat. Ich würde auf jeden Fall nochmal einen Austausch machen. Ich habe tolle Leute kennengelernt und sehr viel gesehen. Ein Auslandsaufenthalt ist definitiv eine Bereicherung und zudem über die Bvmd/IFMSA recht einfach zu organisieren. Daher kann ich es jedem empfehlen!

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