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Slovakia (SloMSA)

Gynäkologie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Eva-Lena, Marburg

Motivation

Ich hatte zuvor noch nicht so viel Kontakt mit den osteuropäischen Ländern und habe mit diesem Famulaturaustausch die Chance genutzt, das zu ändern. Ich habe mich für Bratislava entschieden, weil die Stadt einen schönen Knotenpunkt für weitere Reisen anbietet und für eine Hauptstadt nicht zu überlaufen ist.

Vorbereitung

Das Local Comitee in Bratislava hatte empfohlen, eine ISIC (international student identity card) zu beantragen, wenn man keine hat. Die kostet 15€ für ein Jahr und es gibt weltweit Rabatte, daher hatte ich mich dafür entschieden. In Bratislava selbst hat sie mir allerdings nicht viel gebracht. Als EU-Student darf man eigentlich auch das kostenlose Zugangebot in der Slowakei nutzen (zumindest Stand 2019), allerdings braucht man dafür eine Immatrikulationsbescheinigung auf Slowakisch. Wenn man also viel im Zug reisen möchte, macht es durchaus Sinn, das Geld für eine Übersetzung in die Hand zu nehmen. Ansonsten sind die Fernbus-Angebote aber auch super.

Visum

Da die Slowakei zur EU gehört, ist kein Visum nötig. Der Personalausweis reicht.

Gesundheit

Ich habe nur die Standard-Bescheinigung vom Betriebsarzt gebraucht. Damit die üblichen Impfungen, die man in bei der Arbeit im Krankenhaus haben sollte, abgedeckt sind. Es war keine besondere Reise-Apotheke nötig.

Sicherheit

Ich habe die Sicherheit ähnlich wie in Deutschland empfunden: Meistens waren wir sowieso in der Gruppe unterwegs, aber ich war auch oft alleine unterwegs und habe mich auch abends sicher in der Stadt gefühlt.

Geld

Die Währung in der Slowakei ist der Euro, daher habe ich keine besonderen Vorkehrungen getroffen. Man muss natürlich vorher mit seiner Bank abchecken, ob man kostenlos im Ausland Geld abheben kann. Kartenzahlung ist ähnlich verbreitet wie in Deutschland. Die Preise waren günstiger als in deutschen Städten mit ähnlicher Größe. Für mich ziemlich normal zu dem was ich von Deutschland kenne, es gibt Restaurants / Kneipen, wo man 1,50€ für ein Bier und 4,50€ für einen Cocktail bezahlt und manche, wo es 4,50€ fürs Bier und 9€ für den Cocktail kostet. Bei den Lebensmitteln im Supermarkt war es ähnlich. Abhängig davon, wo man einkauft (es gibt Lidl, Billa ist sehr verbreitet, aber auch einige Bio-Supermärkte).

Sprache

Ich habe ein paar Slowakisch-Videos angeschaut um zumindest die Basics der Sprache zu lernen. Das war durchaus hilfreich, da selbst die Damen am Schalter am Hauptbahnhof kein Englisch sprechen. Im Krankenhaus haben alle slowakischen Studenten sowie die Ärzte gut bis sehr gut Englisch gesprochen, manchmal sogar besser Deutsch. Bei den Krankenschwestern bin ich nur mit meinen Basic-Slowakisch-Sätzen mit viel „Prosim“ (Bitte) und „Ďakujem“ (Danke) weitergekommen.

Verkehrsbindungen

Ich bin von Stuttgart mit dem Zug angereist und habe auf dem Hinweg einen Zwischenstopp in Salzburg und auf dem Rückweg in Wien gemacht. Das ging super und es gibt noch weitere Städte auf dem Weg, die durchaus sehenswert sind. Wenn man von weiter her anreist, macht ein Flug bestimmt Sinn, wobei es sich lohnt nach Verbindungen nach Wien zu schauen. Von Wien nach Bratislava fahren ständig verschiedene Fernbusse, es dauert 1h-1,5h und kostet nur um die 5€.
In Bratislava selbst haben wir immer den Bus benutzt und dafür direkt am Anfang mit den LEOs eine Monatsfahrkarte gekauft. Für nachts dann Taxify/BOLT, so ähnlich wie Uber. In der Slowakei sind wir mit dem Zug gefahren, was für eine Strecke von 4,5h ca. 15€ gekostet hat (wenn man keine slowakische Immatrikulationsbescheinigung hat). Dabei lohnt sich eine Reservierung! Am Wochenende war der Zug rappelvoll und ohne Reservierung steht man wirklich sehr eng gedrängt auf einem schmalen Gang. Für alle anderen Trips (Krakau, Budapest, Wien) sind wir mit Fernbussen gefahren.

Kommunikation

Wenn man eine EU-Simkarte hat, braucht man diesbezüglich nichts besonderes beachten.
Wir hatten erst kein WLAN in unseren Zimmern, haben dann aber einen Router bekommen. Sonst in der Stadt und im Krankenhaus gab es nicht sehr oft WLAN-Möglichkeiten.

Unterkunft

Die Unterkunft wurde vom LC organisiert und wir haben die Adresse in unserem Welcome Letter frühzeitig mitgeteilt bekommen. Unser Hostel (Uninova Hostel) war recht abseits. Wir haben ca. 45-50 min zum Krankenhaus (Nemocnica Ruzinov) und 40-45 min in die Innenstadt gebraucht.
Ich habe mir mein Zimmer mit einer anderen Incoming geteilt und wir zwei dann wiederum Küche und Bad mit zwei slowakischen Studenten von nebenan. Das war soweit alles in Ordnung, wir haben erstmal das Bad geputzt um uns wohl zu fühlen und dann war es ok. Es gibt eine 24h Rezeption und die Herren vom Empfang waren alle nett, aber sprachen nur slowakisch. Ich habe dort zweimal gewaschen und es gab einen Supermarkt direkt gegenüber und einen in der Nähe von Cintorin Rača (eine der Umstiegs-Haltestellen). Es ist vielleicht eine Überlegung wert frühzeitig nach günstigen Airbnbs zu schauen, in denen man vielleicht 1-2 Wochen verbringt um einfach etwas näher an der Stadt zu sein. Soweit ich das richtig verstanden habe, wird im Sommer ein anderes Hostel genutzt.

Literatur

Ich habe nicht besonders viel vorab gelesen. Hilfreiche Internetseiten:

https://imhd.sk/ba/public-transport
https://www.slovakrail.sk/
https://www.visitbratislava.com/de/
https://brainteaselava.sk/
http://enrsi.rtvs.sk/

(von Radio slovak international gibt es gute Slovakisch-Kurse auf youtube)

Mitzunehmen

Für die Famulatur habe ich bequeme Schuhe, einen Kittel, weiße Hosen und T-Shirts mitgenommen (es ist in den Krankenhäusern so vorgesehen, dass man sich einmal komplett in weiß umzieht), sowie mein Stethoskop. Letzteres habe ich auf der Gyn nicht gebraucht, bei meinem Abstecher in die Päd dann aber schon. Ein kleines Büchlein für Notizen und meine slowakischen Survival-Sätze war mein treuer Begleiter. Ansonsten hatte ich für unseren Ausflug ins Tatra-Hochgebirge gute Schuhe dabei und sonst normales Reisegepäck. Je nachdem in welchem Hostel man unterkommt, ist es sinnvoll zu fragen, was an Küchenutensilien vorhanden ist. Wir haben letztendlich Teller, Besteck, einen Topf und eine Pfanne für uns 7 Incomings von der LC bekommen, aber die ersten Tage wäre ein kleines Reisebesteck o.ä. hilfreich gewesen.

Reise und Ankunft

Ich bin an einem Freitag angekommen, am Bahnhof abgeholt und zum Hostel gebracht worden. Am gleichen Tag kamen zwei weitere Incomings an und wir haben uns das Wochenende alleine beschäftigt. Das war natürlich gar kein Ding, aber die Monatsfahrkarte haben wir erst 4 Tage später bekommen, was ich etwas schade fand. Am ersten Montag hatten wir dann das erste Mal richtig Kontakt mit den LEOs, haben eine kleine Einführung bezüglich der Verhaltensweisen im Krankenhaus bekommen und haben eine kleine Tour durch die Stadt gemacht. Am Dienstag dann der erste Tag der Famulatur.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Die Medizinische Fakultät in Bratislava hat 5 verschiedene Krankenhäuser, auf die die Studierenden aufgeteilt werden. Ich kann jetzt also nur über das Krankenhaus Ruzinov und die Frauenklinik sprechen.
Der Studierendenbeauftragte der Gynäkologie hat mich in das Rotationssystem der slowakischen Studierenden des 4. oder 6. Jahrs eingeteilt. Das heißt, ich habe abwechselnd im OP, in der Ambulanz, im Kreissaal oder auf Station hospitiert. Einmal konnte ich bei einem Simulationstraining im Rahmen eines Seminars teilnehmen. Ich hatte viel Kontakt mit den slowakischen Studierenden, was ich super fand. Alle waren wirklich sehr nett und haben mir immer weitergeholfen und auch übersetzt so gut es ging. Das System unterscheidet sich stark von dem unserer Famulatur/ PJ. Die Studierenden im 6. Jahr, was bei uns ja das PJ wäre, rotieren nochmal in alle Fachbereiche für 1-6 Wochen. Im Falle der Gyn haben sie also 2 Wochen rotiert, hatten dann 1 Woche Seminare, 1 Woche Zeit zum Lernen und dann Examen nur für die Gyn.
Dadurch ist es deutlich weniger praktisch und eher ein Blockpraktikum für den Vormittag. Die slowakischen Studierenden waren alle relativ enttäuscht von der Gyn in Ruzinov, da man immer viel gewartet hat. Es hieß zum Beispiel, dass man vor 8 auf Station kommen soll, um an der Visite teilzunehmen. Oft wurde dann aber erst ab 9:30 visitiert. Ich habe mir dann schnell angewöhnt, ein Buch einzupacken um die Wartezeit zu überbrücken oder einfach erst später zu kommen. Man kann also selbst relativ flexibel entscheiden, ob man viel mitnehmen will oder sich eine entspannte Famulatur macht.
An manchen Tagen, habe ich einfach proaktiver eingefordert, assisiteren zu können und bin dann auch länger geblieben und an manchen Tagen, habe ich meine Unterschrift geleistet und bin früher gegangen. Ich konnte in dem Monat einige spannende Sonos sehen, habe eine Spontangeburt und zwei Kaiserschnitte gesehen, konnte bei einem Kaiserschnitt assistieren und habe dreimal im OP assistiert.
Besonders ist mir die Spontangeburt in Erinnerung geblieben. Zum Einen, weil es die erste Geburt war die ich je life gesehen habe und zum Anderen, weil die Privatsphäre der Patientin nicht wirklich beachtet wurde. In dem Kreissaal war quasi Durchgangs-Verkehr, das hat mich sehr überrascht. Ich glaube, während einer Famulatur in Deutschland hätte ich mehr gelernt, aber ich fand es sehr spannend, die Unterschiede im Umgang mit Patienten und auch bei der medizinischen Lehre zu sehen. Außerdem hatte ich so etwas mehr Zeit, Stadt, Land und Leute kennen zu lernen.

Land und Leute

Die slovakische Mentalität ist zu Beginn recht kühl. Die slovakischen Studierenden schienen etwas Zeit zu brauchen, um warm zu werden, dabei hat dann oft der hochprozentige "TatraTea" geholfen. Im Krankenhaus haben mich aber alle slovakischen Medizinstudierenden mit offenen Armen und immer hilfsbereit empfangen, auch die Ärzte und Schwestern waren sehr freundlich, besonders wenn man ein paar slovakische Wörte rausgebracht hat.
Ich habe vor allem die vielen tollen Restaurants und Cafés in Bratislava genossen, da gibt es echt einiges was einfach besonders eingereichtet ist und trotzdem erschwinglich (siehe Fotos).
Außerdem gibt es in Bratislava sowohl die schöne alte Markthalle, wo es immer auch mal Food-Festivals gibt, natürlich das Schloss, den Marktplatz, die blaue Kirche und die schöne Altstadt, die man sich anschauen sollte.
Wir Incomings haben jedes Wochenende Ausflüge gemacht. So habe ich in dem Monat neben Bratislava noch Wien, Krakau, Budapest und das Tatra Gebirge (Vysoké Tatry) und Trencin sehen können. In Bratislava kann ich das "City game" von "Brainteaselava" empfehlen um die Stadt kennen zu lernen. Für etwas mehr Landschaft, kann man mit dem Bus in 30 min das Schloss Devin erreichen.
Das Essen hat mir gut geschmeckt, neben typisch deftiger slovakischer Küche gab es ähnliche Speisekarten wie in Deutschland. Typisch sind Bryndzové halušky (Brimsennokken mit Schafskäse) oder als Süßspeise Šúlance s makom (Mohnnocken).
Man kann das Leitungswasser dort gut trinken. Sonst ist eher Bier verbreitet und Hochprozentiges immer gern gesehen. Aber auch Wein und Cocktails gibt es natürlich.
Von der politischen Situation habe ich nicht viel mitbekommen und auch wirtschaftlich sind mir keine besonders großen Unterschiede aufgefallen. Die Slovakischen Studierenden haben zwar immer den Vergleich zu Deutschland gezogen und sich dabei schlechter gemacht, jedoch fand ich sowohl im Krankenhaus, als auch im Stadtbild die Unterschiede nicht besonders gravierend.
Im OP wurden sogar einige neuere Technologien benutzt, die ich an meiner Uni noch nicht gesehen hatte.
Ich habe keine schlechten Erfahrungen gemacht. Selbst die "Taxify"-Fahrer waren sehr nett.
Was ich nicht mehr geschafft habe, war auf die Aussichtsplattform "UFO" zu gehen, da hat man eine tolle Aussicht über die ganze Stadt. Außerdem gibt es in einem Café "Montreal" die Möglichkeit, sein eigenes Eis zu gestalten. Ich hätte gerne noch ein bisschen mehr Slovakisch gelernt, dazu hätte ich einfach etwas früher und intensiver anfangen müssen.

Fazit

Ich hatte auf jeden Fall einen spannenden und erlebnisreichen Monat und habe viele Menschen kennen gelernt. Bratislava an sich ist schön und ich werde nochmals dort hingehen. Ich könnte mir nicht vorstellen, in der Slowakei zu arbeiten oder ein PJ-Tertial zu machen, da ich dafür die Lehre in Deutschland doch praxisnaher empfunden habe. Das war aber wie gesagt in anderen Fachbereichen /Krankenhäusern anders.

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