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Chile (IFMSA-Chile)

Verschiedene - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Manuel, Frankfurt

Motivation

Da ich selbst bei der bvmd im Austausch engagiert bin und wir regelmäßig Incomings aus aller Welt empfangen lag für mich der Schluss nahe, endlich selbst ins Ausland zu gehen und den Austausch von der anderen Seite mitzuerleben.

Dabei war für mich klar dass ich nach Südamerika wollte; seit meinen ersten Backpackingreisen dorthin hatte mich schlichtweg die Kultur und die Lebensweise der Menschen dort gefesselt.

Nachdem ich mir die verschiedenen Städte der einzelnen Länder angeschaut hatte fiel für mich die Wahl auf Chile, Argentinien und Kolumbien.

Fachliche Erwartungen hatte ich nicht groß an den Austausch, viel eher interessierte es mich neue Leute kennenzulernen und für eine gewisse Zeit in einem anderen Land zu leben. Dies ermöglicht einen viel intensiveren Einblick in ein Land und gibt einem die Möglichkeit auch tiefergehende Freundschaften zu schließen.

Vorbereitung

Vorbereitet habe ich mich auf den Austausch knapp ein Jahr im Voraus, dies begann damit die Anforderungen für die jeweiligen Länder durchzugehen und benötigte Dokumente zusammenzustellen. Größter Zeitfaktor war hierbei sicherlich das Sprachzeugnis welches ich an unserer Uni kostenlos abgelegt habe. Leider prüfen die Professoren nur in der vorlesungsfreien Zeit weshalb man sich rechtzeitig davor darum kümmern muss (alternativ könnte man auch zu einer Sprachschule gehen und sich dort prüfen lassen, das kostet aber ca. 50€).

An sich war die Vorbereitung nicht schwierig, ich kann nur empfehlen sich frühzeitig einen Überblick zu verschaffen welche Dokumente man benötigt, so kann man sich in aller Ruhe auf den Austausch vorbereiten und kommt nicht in Zeitdruck. Klassische Fallen sind hier neben dem Sprachzeugnis ein gültiger Reisepass, Impfungen die eventuell noch ausstehen oder auch Tuberkulosetests die im Falle einer Zusage von manchen Ländern verlangt werden (Chile glücklicherweise nicht).

Spezielle Vorbereitungskurse habe ich nicht besucht, dies war meiner Meinung nach auch nicht nötig.

Visum

Ich habe kein Visum beantragt, von Seiten der ifmsa reicht ein Touristenvisum. Dieses erhält man für 90 Tage direkt bei Einreise ausgestellt.

Gesundheit

Ich habe mich vor meiner Reise reichlich mit Medikamenten eingedeckt, dies lag aber auch daran dass ich davor noch drei Wochen in Argentinien unterwegs war. Spezielle Impfungen hatte ich mir nicht geholt da ich durch vorherige Reisen schon ziemlich gut ausgestattet war (Tollwut, Typhus, Gelbfieber etc..)

Vor Ort wurde mir dann von einer Ärztin mitgeteilt, dass in Chile wohl ein anderer Pneumo- und Meningokokkenimpfstoff verwendet wird. Diese Impfungen hatte ich nicht, inwiefern sie empfehlenswert sind kann ich leider nicht sagen. Da hilft euch wohl am besten ein Reisemediziner weiter.

Eine Auslandsreiseversicherung hatte ich bereits von der ERGO direkt, diese ist relativ günstig und deckt Reisen bis zu einer Dauer von 56 Tagen ab.

Generell habe ich mir bezüglich der Gesundheit wenig Sorgen gemacht da Chile im Vergleich zu anderen südamerikanischen Ländern sehr entwickelt ist und die Hygienestandards dementsprechend vergleichbar sind. So konnte man beispielsweise Leitungswasser überall problemlos trinken (Ausnahme ist der Norden Chiles) und auch mit dem Essen hatte ich nie Probleme.

Sicherheit

Auch sicherheitstechnisch muss man sich meiner Meinung nach in Chile keine großen Gedanken machen. Dies liegt vor allem an der Polizei (den sog. Carabineros de Chile) die im Gegensatz zu anderen südamerikanischen Ländern wenig bis gar nicht korrupt sind und auch Touristen gerne helfen (sprechen jedoch meist nur Spanisch). Im Gegensatz zu Argentinien und Co. ist hier also strikt davon abzuraten Polizisten zu bestechen.
Interessant zu wissen: in Chile ist Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit verboten, laut den Chilenen mit denen ich gesprochen habe ist dies jedoch nicht so tragisch da im Zweifel das Getränk einfach weggeschüttet wird.

Ich habe mich während der gesamten Zeit sicher gefühlt, dies lag aber auch daran dass ich einige grundlegende Dinge befolgt habe: So habe ich meine Gastfamilie nach unsicheren Vierteln gefragt, diese gemieden und generell keine Wertsachen zur Schau gestellt bzw. diese immer in meinen vorderen Hosentaschen getragen. Mit etwas Menschenverstand sollte euch also nichts passieren.

Eine Besonderheit gab es in Temuco jedoch: zwischen den dort ansässigen einheimischen Mapuche und der Polizei kommt es wohl öfter zu gewaltsamen Zusammenstößen in Rahmen von Demonstrationen. Dies habe ich eines Tages selbst miterlebt als eine Demonstration gewaltsam aufgelöst wurde: Noch im Nachhinein war überall in der Stadt das Tränengas zu spüren.

Von meiner Familie habe ich deshalb dringendst den Ratschlag erhalten sich von solchen Demos fernzuhalten und sich nicht als Ausländer erkennen zu geben. Generell würde ich dies auch unter gesundem Menschenverstand subsumieren ;)

Geld

Die Währung in Chile ist der Chilenische Peso. Zum Zeitpunkt meines Austausches lag der Wechselkurs etwa bei 1€ zu 740 Pesos. Macht euch deshalb mit größeren Summen vertraut um im Alltag nicht den Überblick über die Preise zu verlieren.

Geld abgehoben werden kann mit der Kreditkarte bei fast jeder Bank, hier müsst ihr jedoch vorsichtig sein: Es werden teils sehr hohe Gebühren verlangt (bis zu 9€). Deshalb lautet meine Empfehlung etwas Bargeld (Euro) mitzunehmen und diese direkt am Flughafen/Bahnhof wechseln zu lassen. Solltet ihr dies aufgebraucht haben lohnt es sich die Gebühren an mehreren Automaten zu vergleichen und dann natürlich möglichst viel Geld auf einmal abzuheben (statt mehreren kleinen Abhebungen).

Im Alltag ist es nämlich meist am günstigsten wann immer es geht mit Karte zu zahlen. Hierbei liegt ein großer Vorteil in Chile, da fast überall Kreditkarten akzeptiert werden (z.B. auch in kleinen Asia Shops oder in manchen Taxis). Achtet hierbei am besten darauf eine Kreditkarte zu haben die euch Bezahlungen in Fremdwährung nicht extra in Rechnung stellt.

Auch bei Hotels lauern Fallstricke: bezahlt ihr nämlich in Pesos oder mit eurer Kreditkarte müsst ihr die Mehrwertsteuer (IVA genannt) von 19% bezahlen. Von Gesetz aus entfällt dies jedoch wenn ihr in US Dollar zahlt! Wollt ihr also vorher viel Reisen lohnt es sich Dollars mitzunehmen, hierbei müsst ihr jedoch aufpassen da nur Scheine in einwandfreiem Zustand akzeptiert werden (haben die Scheine also Risse oder Knicke werden sie nicht akzeptiert).

Generell sind die Lebenskosten in Chile relativ hoch, dies war für mich nach meiner Reise in Argentinien erstmal ein Schock. So sind die Preise ähnlich hoch wie bei uns in Deutschland, in Restaurants zahlt man vor allem für Getränke mehr, auch der Transport zwischen einzelnen Städten ist teils sehr teuer. Erschwerend hinzu kommt meist dass ausländische Studentenausweise nicht anerkannt werden und Rabatte nur für einheimische Studenten gelten.

Lediglich in manchen Studentenbars war der Alkohol teils deutlich billiger als bei uns. Besonders teuer sind der Norden von Chile (desierto de Atacama) sowie der Süden mit Patagonien. Dies solltet ihr also unbedingt vorher im Kopf haben bevor ihr eure Reise plant.

Sprache

In Chile wird wie in fast ganz Südamerika Spanisch gesprochen, mit Englisch kommt man hier außer in Einzelfällen definitiv nicht weiter. Ich würde daher jedem empfehlen sich ein Grundniveau an Spanisch anzueignen. Je nachdem was ihr im Krankenhaus verstehen wollt würde ich mindestens zu B1, besser B2 raten.

Leider ist das chilenische Spanisch außerhalb der Landesgrenzen bekannt für seine Schwierigkeit, dies liegt daran dass die Chilenen sehr schnell und oft verwaschen sprechen und extrem viele eigene Wörter und Begriffe haben (sog. Modismos).

Ich hatte nie einen Spanischkurs besucht sondern mir die Sprache durch Filme, Bücher und Freunde autodidaktisch beigebracht, vor dem Austausch hatte ich Level B2. Anfangs fiel es mir etwas schwer die Chilenen im Alltag zu verstehen da es eine gewisse Zeit in Anspruch nimmt die Modismos zu lernen. Wissen die Chilenen dass ihr Ausländer seid reden sie meist langsamer und deutlicher mit euch, sprechen sie jedoch untereinander oder beispielsweise mit Patienten ist dies teils wirklich sehr schwer zu verstehen. Geholfen hat mir hierbei definitiv das Sprechen mit Freunden oder Schauen von Youtube Videos um wenigstens vorher die wichtigsten Dinge zu kennen.

Einige Beispiele:
Die Chilenen haben analog zu den Argentiniern eine eigene Verbform die sie anstelle des tú verwenden (das voseo). So sagen sie etwa nicht Cómo estás? sondern Cómo estaí? Aus tú hablas wird analog dazu tú hablaí.

Auch lassen sie bei der Aussprache gerne das –s am Ende weg. So klingt „Buenos días“ eher nach „Bueno día“. Gepaart wird das Ganze dann noch mit dem übermäßigen Gebrauch von weón, wea und dem Verb cachar (für verstehen). Daraus entstehen dann Konstruktionen wie: ¿Tú cachái la wea? Yo ya caché poh! - lässt sich sinngemäß übersetzen mit: Verstehst du das (wea kann sich hierbei auf alles mögliche beziehen)? - Na klar ich habe es schon verstanden/geblickt!

Verkehrsbindungen

In Chile gibt es außer Zügen eigentlich alle möglichen Fortbewegungsmittel. Möchte man sich zwischen Städten bewegen ist der Bus meistens die günstigste aber auch die langsamste Option. Deswegen empfehle ich euch frühzeitig nach Flügen zu suchen, seit einiger Zeit gibt es nämlich die erste Billigfluglinie Chiles namens Jetsmart. So bin ich beispielsweise von Santiago nach Temuco geflogen (1h 20 Flug vs. 9h im Bus) und habe dafür inklusive Gepäck nicht mal 25 Euro gezahlt.

Die meisten Flüge gehen allerdings von Santiago aus, d.h. wenn ihr einmal in Temuco angekommen seid ist es nicht mehr so einfach dort wegzukommen, vor allem wenn ihr wenig Zeit habt. Da bleibt dann nur der Bus als Option.

In den Städten habe ich mich meistens mit Uber fortbewegt, das ist eine sichere und sehr günstige Möglichkeit. So bezahlt ihr für eine Fahrt vom Zentrum in Temuco nach außerhalb für 4km ca. 3 Euro.
Der öffentliche Nahverkehr in Temuco besteht aus Bussen (den sog. Micros) und Colectivos (das sind Taxis die eine feste Route abfahren). Komforttechnisch darf man von erstgenannten nicht viel erwarten, gerade zu Stoßzeiten sind diese extrem voll (es wird jeder mitgenommen bis wirklich nichts mehr geht). Außerdem fahren die Busse sehr abrupt an und bremsen schlagartig da sie Passagiere an jeder beliebigen Stelle rauslassen, festhalten ist also angesagt!

Dafür sind die Busse preistechnisch unschlagbar, für eine Einzelfahrt zahlt ein Erwachsener normal 450 Pesos (60ct). Wenn ihr euch aber als Student ausgebt (was funktioniert wenn ihr nicht allzu viel mit dem Busfahrer sprecht) bezahlt ihr je nach Linie nur 120 bis 200 Pesos (16 bzw. 27ct). Tipp: damit das klappt dem Busfahrer einfach passend ne 200er Münze hinhalten und sich nichts anmerken lassen. (Leider gelten sämtliche Studentenrabatte in Temuco nämlich nur für chilenische Studenten die dafür ihren „pase“ vorzeigen müssen. Euren deutschen Studentenausweis zu zeigen bringt euch leider nichts.

Fragt am besten eure contact person oder Host welche Linien ihr nehmen könnt. Die Busse und Colectivos funktionieren gleich, ihr stellt euch an die Straße und wenn die passende Linie vorbeifährt winkt ihr einfach kurz dann halten diese. Zum Aussteigen gibt es im Bus eine Klingel bzw. in den colectivos sagt ihr dem Fahrer einfach wo ihr rausmöchtet.

Eingereist nach Chile bin ich damals per Bus von Argentinien. Hierbei ist Vorsicht geboten, der chilenische Zoll ist extrem streng und penibel wenn es um Lebensmittel bzw. Obst/Gemüse geht. Aus seuchentechnischen Gründen werden alle Busse an der Grenze gestoppt, die Passagiere müssen aussteigen und das gesamte Gepäck wird kontrolliert.
Wenn ihr Äpfel oder ähnliches dabei habt werden dies konfisziert; deshalb unbedingt beim Zollformular ehrlich sein oder Lebensmittel gleich gar nicht mitführen ;)

Abgereist bin ich vom Flughafen in Temuco, hier müsst ihr beachten dass dieser etwa 30min außerhalb der Stadt liegt. Falls euch niemand abholt oder hinbringt gibt es einen Transportservice für 5000 Pesos (6,70 Euro).

Kommunikation

Ich habe mir direkt in Santiago eine chilenische Simkarte geholt (Movistar). Damit war ich sehr zufrieden, für eine Woche Internet habe ich etwa 3 Euro bezahlt. Im Gegensatz zu Deutschland sind die Internetangebote hier viel besser da die meisten Pakete soziale Netzwerke wie Facebook, Insta etc. kostenlos inkludieren, Movistar hatte damals sogar ein Musikabo im Preis inklusive.

Ihr müsst lediglich beachten dass falls ihr euer Handy nicht registrieren lasst die Simkarte nach 30 Tagen automatisch gesperrt wird (gesetzliche Vorgabe). Ich habe mir diesen Aufwand jedoch gespart und mir einfach eine neue Simkarte geholt, das war preistechnisch kein Unterschied (die Karten gibt es für 3 Euro in jedem Kiosk.
Ansonsten gibt es aber auch in fast jedem Restaurant/Bar kostenloses WLAN.

Unterkunft

Während meiner Zeit in Temuco habe ich bei einer Gastfamilie gewohnt, diese war wohl der beste Teil des Austauschs: Ich hatte ein eigenes Zimmer mit Bad direkt vor der Tür. Die Familie war stets bemüht mich mit Essen zu versorgen, die angestellte Haushälterin hat tagtäglich frisch ein Mittagessen vorbereitet selbst wenn ich der einzige zu Hause war. Auch ansonsten stand mir der Kühlschrank frei zur Verfügung, Wäsche wurde ebenfalls von der Haushälterin gewaschen. Handtücher und Bettwäsche erhielt ich ebenfalls von der Familie.

Ich habe mich direkt am ersten Tag zu Hause gefühlt, ich wurde freundlich begrüßt, habe eigene Schlüssel bekommen und die Familie hat mir direkt am ersten Tag die Stadt gezeigt.
Ein Wochenende sind sie mit den anderen Incomings und mir ans Meer gefahren, haben uns zum Mittagessen eingeladen und sind abends nochmal mit uns gegessen.
Außerdem haben sie mich mit Tipps und Ratschlägen überhäuft und standen immer für Fragen bereit.

Der Vater sprach sogar Deutsch da er in der Schweiz studiert hatte und war selbst Dekan an der Universität. Als so mein Praktikum anfangs aufgrund organisatorischer Probleme nicht zustande kam hat er sich direkt an seine Kollegin, die Studiendekanin gewandt und das quasi für mich geregelt ;)
Von den anderen Incomings hatte ich wahrscheinlich das größte Glück mit meiner Familie, andere waren teils etwas unzufrieden mit ihrer Wohnsituation.

Das Highlight war aber wohl der Hund den ich gleich am ersten Tag ins Herz geschlossen habe und auch heute noch sehr vermisse!

Literatur

Ich habe mir vor dem Austausch lediglich ein Medizinwörterbuch Deutsch-Spanisch gekauft und auf mein Handy geladen. Ehrlich gesagt habe ich dies aber kaum benutzt, die Begriffe die ihr im Alltag im Krankenhaus benötigt lernt ihr auch so/ die sind dann in Chile nochmal anders als die die im Wörterbuch stehen.

Infos für Reisen/ Ausflüge habe ich mir im Internet oder von meiner Familie geholt.

Mitzunehmen

Da ich vor meinem Aufenthalt in Argentinien unterwegs war habe ich hauptsächlich kurze Kleidung mitgenommen, dies stellte sich in Temuco als Fehler da. März ist gerade der Übergang zum Herbst, typisch dafür sind kalte Morgen sowie Abende und heißes Wetter tagsüber (also abrupte Temperaturwechsel). Glücklicherweise hat mir mein Gastbruder eine Regenjacke sowie warme Kleidung wie Pullover geliehen, die braucht ihr in Temuco definitiv! Mir wurde gesagt es sei eine der regenreichsten Regionen in Temuco, wir hatten damals Glück und selten Regen. Falls ihr jedoch im deutschen Sommer dort seid müsst ihr dies definitiv berücksichtigen.

Ansonsten hatte ich fürs Krankenhaus meinen Arztkittel sowie ein Stethoskop dabei (das braucht ihr auch).

Sonst braucht ihr nicht wirklich was mitbringen bzw. wenn ihr was vergessen habt auch nicht schlimm, die Supermärkte sind sehr gut ausgestattet und haben auch viele deutschen Produkte dort.

Reise und Ankunft

Außer der strengen Einreisekontrolle (siehe oben, diese ist aber eig. nur bei Einreise über Land so streng) verlief alles ohne Probleme. Ich bin von Santiago nach Temuco geflogen und wurde von meiner Gastfamilie abgeholt.

Ich bin am Sonntag angekommen, eigentlich hätte mein Austausch am nächsten Tag beginnen sollen. Da im Februar aber Semesterferien an der Universität sind wird dort von den Verantwortlichen nichts organisiert, die zuständigen Personen arbeiten erst ab März wieder. So konnten von insgesamt vier Incomings nur eine pünktlich am Montag anfangen, wir mussten erstmal abwarten. Letztlich wurde die CA also ohne feste Zusage eines Praktikumsplatzes ausgestellt, dies solltet ihr beachten falls ihr dort landet.

Die Lokalvertretung (LC) vor Ort wirkte dabei nicht unbedingt sehr engagiert, so habe ich dann letztlich meine Zusage wohl nur durch Bemühungen meines Gastvaters bekommen. Begonnen habe ich mein Praktikum dann eine Woche später in einem anderen Department (Infektio statt Uro). Letztlich habe ich die zusätzliche Zeit vor Ort dann genutzt um Tagesausflüge in die Umgebung zu machen, war also auch nur halb so wild.

Die contact person der LC hat mich am ersten Tag zu meiner Tutorin gebracht und mich dieser vorgestellt. Von meinem Gastbruder habe ich dann noch am nächsten Tag meinen Ausweis bekommen den man im Krankenhaus zu tragen hat.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Mein Praktikum habe ich letztlich auf der Infektiologie absolviert (war mein Zweitwunsch), zugeteilt war ich dabei fest einer Ärztin die als Mentorin für mich zuständig war. Die Begrüßung fiel relativ sachlich aus und es begann gleich der erste Arbeitstag.

Die Infektio vor Ort gliedert sich in zwei Bereiche, die Poliklinik bzw. Ambulanz und den Visiten auf den anderen Stationen, je nach Wochentag hält man sich abwechselnd dort auf.
In die Ambulanz kamen Patienten zur Nachkontrolle, das waren hauptsächlich HIV-Patienten die eine antiretrovirale Therapie erhielten. Aufgabe der Ärztin war es den Erfolg der Therapie zu kontrollieren und gegebenenfalls die Medikation anzupassen. Aktiv zu tun gab es für mich dort nicht viel, ich konnte lediglich die Patienten körperlich untersuchen oder der Ärztin helfen Rezepte auszufüllen, die meiste Zeit bestand in Gesprächen zwischen Arzt und Patient.

Spannender waren dahingegen die Visiten auf den Stationen. So wurde die Infektio konsiliarisch gerufen wenn es um therapieresistente Infektionen oder multiresistente Keime ging. Dann haben wir die Patienten besucht, vom Arzt eine Übergabe erhalten und meist nach Anschauen der Laborwerte/ Abstriche eine dementsprechende Therapie eingeleitet. Auch hier beschränkten sich meine Aufgaben auf körperliche Untersuchungen sowie Rezepte ausfüllen. Dies liegt zum einen am Fach (Infektio ist grundsätzlich eher nichtinvasiv) zum anderen sind die Praktika in Chile meist „observational“, d.h. die Studenten schauen eher zu und „lernen“ dadurch.

Fachliches Highlight waren definitiv die neu eingeführten clinical conferences die jeden Mittwoch stattfanden: Dort wurden von angehenden Fachärzten die gleichzeitig Stipendiaten waren Vorträge zu aktuellen medizinischen Themen gehalten. Anschließend wurden diese von einer Kommission bewertet. Diese Vorträge waren sehr spannend da sie sich mit Fragestellungen wie dem Antibiotikagebrauch in Chile oder der Inzidenz von HIV auseinandersetzten. So konnte ich neben medizinischen Fachbegriffen auf Spanisch auch viel über gesundheitspolitische Herausforderungen in Chile lernen.

Verstärkt wurde dieses Lernen durch meine Ärztin die sehr interessiert an den medizinischen Unterschieden zwischen Deutschland und Chile war. So gab sie mir immer wieder Aufgaben wie etwa die deutschen Impfempfehlungen mit den chilenischen zu vergleichen oder die epidemiologischen Ziffern von HIV in Deutschland und Chile in Bezug zu setzen.

So steigt beispielsweise seit Jahren die Rate an HIV-Neuinfektionen in Chile an, die Inzidenz liegt momentan bei knapp 3%. Gründe dafür sind vielfältig, zum einen wissen viele nicht dass sie infiziert sind zum anderen ist der Gebrauch von Kondomen nicht so üblich.

Auch die Arbeit im Krankenhaus in Chile ist sehr anders, Ärzte haben hier extrem viel Zeit für ihre Patienten: So verbrachten wir teils zwei Stunden im Zimmer eines Patienten (das wäre in Deutschland wohl schlichtweg unmöglich). Dokumentiert wird alles schriftlich, d.h. von Rezepten über Akteneinträge und Konsilanforderungen muss alles händisch weitergeleitet werden was mich extrem schockiert hatte. Hygiene wird nicht zu ernst genommen, das bei uns verbreitete Desinfektionsmittel gibt es hier kaum, stattdessen waschen sich die Ärzte gelegentlich die Hände mit einer antibakteriellen Seife.

Teure Medikamente (wie manche Antibiotika) waren oft nicht vorrätig und mussten von den Ärzten eigens bestellt und begründet werden.

Ein großer Unterschied besteht auch bei den Studenten, diese rotieren während ihres zweijährigen internados (Äquivalent zum deutschen PJ) durch alle Fachdisziplinen und sind in dieser Zeit komplett in die Krankenhausarbeit involviert. Sprich sie arbeiten 60h pro Woche (inklusive Samstag) und mit Schichtdienst und sind komplett für einzelne Patienten zuständig. Dafür bekommen sie kein Gehalt, im Gegenteil bezahlen sie noch Studiengebühren bezahlen. Dies führt dazu dass die Studenten wenig Zeit außerhalb des Krankenhauses verbringen.

Vorteil davon war jedoch dass die Studenten ein beeindruckendes Wissen hatten und ich sie oft nicht von Ärzten unterscheiden konnte. Haben wir beispielsweise von der Infektio aus Patienten besucht waren Studenten oft der Ansprechpartner für unsere Ärzte und haben mit dieser Therapieentscheidungen abgestimmt und über die Patienten berichtet. Vom Wissensstand würde ich also die dortigen Studenten eher mit deutschen Assistenzärzten im zweiten Weiterbildungsjahr vergleichen (Das Studium in Chile geht schließlich auch 7 Jahre insgesamt).

Interessanterweise konnte ich viele Patienten mit fortgeschrittenen Erkrankungen sehen die man so in Deutschland wahrscheinlich eher nicht zu Sicht bekommt. Ich habe etwa Patienten mit Erblindung aufgrund CMV-Retinitis oder ausgeprägter Kryptokokkenmeningitis (infolge sekundärer Immunsuppression durch HIV) gesehen bei denen diese Krankheiten der Grund waren warum sie sich überhaupt ärztlich vorgestellt hatten.

Land und Leute

Für vorherige Reisen in Chile hatte ich nicht viel Zeit eingeplant da ich wusste dass dies relativ teuer werden würde, weshalb ich dies für einen späteren Zeitpunkt aufgehoben habe (mit dem passenden Arztgehalt :D).

Ich war zuvor in Santiago de Chile sowie in Valparaíso, beides sehr interessante und schöne Städte. Viel gesehen habe ich in der Umgebung von Temuco, dort gibt es extrem viele Seen, Berge, Vulkane und Naturparks.

Ausflüge gemacht haben wir ans Meer nach Valdivia und Queule (leider ist der Pazifik viel zu kalt um dort zu baden). Besucht habe ich außerdem Villarica, Pucón sowie den Nationalpark Huilo-Huilo. Für Naturliebhaber ist die Region perfekt geeignet, es gibt sehr viele schöne Orte in unmittelbarer Nähe.
Abseits der Umgebung fand ich Temuco jedoch nicht so schön, dies lag hauptsächlich an der Größe (ca. 300 000 Einwohner). Trotz vieler Studenten gab es abseits vom Wochenende nicht viel zum Weggehen oder Zeit verbringen. Sonntags sind beispielsweise fast alle Bars und Restaurants geschlossen, die Chilenen bleiben an dem Tag meist daheim. Supermärkte haben aber paradoxerweise geöffnet.
Leider gab es von Seiten der Lokalvertretung kaum ein Social program, außer zwei Ausflügen und dem international dinner wurde nichts mit uns veranstaltet. Diesbezüglich hatte ich mir deutlich mehr erhofft bzw. durch Studenten in anderen Ländern andere Erwartungen an den Austausch gehabt.

Letztlich lag dies wohl daran dass die chilenischen Medizinstudenten während dem Semester sehr unter Stress stehen und kaum Freizeit haben. Inwiefern sich diese dann aber als contact person für den Austausch eintragen sollten kann man natürlich diskutieren. Letztlich habe ich dann versucht viel mit den anderen Incomings sowie chilenischen Studenten zu unternehmen, die ich selbst kennengelernt hatte. Wer sich nur aufs social program verlässt wird in Temuco definitiv nicht glücklich und viel rumsitzen!

Die Chilenen sind generell freundliche Menschen wobei sie nicht so offen und zugänglich wie andere Latinos sind. Gibt man sich aber als Ausländer zu erkennen oder spricht mit Einheimischen zeigen die meisten viel Interesse an der deutschen Kultur.

Sehr interessant fand ich an Temuco die Vielzahl von deutschen Einflüssen, die Hauptstraße heißt beispielsweise Avenida Alemania, es gibt eine Clinica Alemana, eine deutsche Schule sowie eine Vielzahl deutscher Restaurants. Die Feuerwehr heißt dort auch genauso und fährt die gleichen Autos wie in Deutschland. In den Supermärkten findet ihr von deutschem Bier bis hin zu Süßigkeiten fast alles was es auch bei uns gibt.
Dies liegt daran dass früher viele Einwanderer aus Europa angeworben wurden um den Süden Chiles zu bevölkern, gekommen sind vor allem Deutsche und Italiener, dieser Einfluss hat sich bis heute aufrecht erhalten.

Wirtschaftlich ist Chile ein relativ reiches Land, es ist das wohl am weitest entwickelte Land Südamerikas. Trotzdem ist den Chilenen bewusst dass ihnen noch einiges fehlt um letztlich auf gleichem Stand mit Europa oder den USA zu sein (bezüglich Infrastruktur, Gesundheitssystem und Bildung).

Essenstechnisch war ich sehr zufrieden in Chile, es wird hier sehr gerne Fleisch gegessen. Für Veganer also nicht unbedingt das ideale Ziel. Aber ansonsten gibt es hier auch internationales Essen wie Pizza und Burger sowie die typischen Fastfoodketten wie Subwasy.

Das beste Getränk ist in Chile schlichtweg der Pisco, ein Schnaps der ca. 40% enthält und extrem mild schmeckt. So sind der Pisco sour bzw. die Piscola Kultgetränke die auf keiner Party fehlen. Auch Wein gibt es hier sehr guten, dieser ist schon ab 2-3 Euro zu haben.

Fazit

Zusammenfassend würde ich sagen dass mir der Austausch viel Spaß bereitet hat und ich ihn jederzeit wieder machen würde. Ich habe fachlich zwar nicht allzu viel gelernt, dies war aber auch nicht mein Ziel: Bei einer Praktikumsdauer von vier Wochen ist die Zeit einfach zu gering um sich wirklich in ein Fach einzuarbeiten. Viel interessanter waren hingegen die Einblicke in ein anderes Gesundheitssystem sowie die chilenische Kultur. Etwas getrübt wurde mein Austausch lediglich durch die Stadt sowie das schwache social program. Highlight war definitiv meine Gastfamilie, die mir einen unvergesslichen Aufenthalt bereitet und mich mit offenen Armen empfangen hat.

Chile, ¡nos volveremos a ver!

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