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Phalombe Clinic (Malawi)

Verschiedene - SCOPH (Public-Health Austausch)
von Leandra, Berlin

Motivation

Nachdem ich einige meiner Famulaturen bereits im Ausland absolviert hatte, wollte ich erleben wie in Afrika, das sich gesellschaftlich, kulturell und wirtschaftlich teilweise ja sehr stark von Deutschland unterscheidet, mit Krankheit und Gesundheit umgegangen wird, wie sich der Krankenhausalltag von dem in Deutschland unterscheidet und mehr über Erkrankungen, die wir in Deutschland oft nur aus Lehrbüchern kennen. Des Weiteren wollte ich ehrlich gesagt einfach den kalten März in Deutschland überbrücken und stattdessen die Natur und das Wetter in Afrika genießen und viele neue Eindrücke gewinnen.

Vorbereitung

Über die bvmd bin ich auf das Public Health Project von MalawiMed e.V. gestoßen, einer Organisation von deutschen Medizinstudenten, die vor einiger Zeit in einem kleinen Krankenhaus in Malawi eine Famulatur gemacht haben und dieses Krankenhaus danach durch Spenden und Öffentlichkeitsarbeit wie der Organisation von Famulaturen unterstützen wollten. Da es sich um eine Restplatzbewerbung hielt und ich in meinem Alltag recht eingespannt war, hatte ich gar nicht so viel Zeit zur Vorbereitung. Neben einem Reiseführer und dem Erstellen einer Packliste (in den folgenden Punkten näher beschrieben), las ich mir die Reisehinweise des Auswärtigen Amtes durch und ließ den Monat Famulatur einfach auf mich hinzukommen.

Visum

Die Beantragung eines Visums für 30 Tage lief ganz entspannt vor Ort am Flughafen in Malawi ab. Es gab ein Dokument zum Ausfüllen, eine kurze Schlange zum Anstehen und 75$ zu bezahlen und schon gab es einen Stempel im Reisepass. Wer länger im Land bleiben möchte, muss während des Aufenthaltes sein Visum verlängern lassen, was aber in einer der größeren Städte (Blantyre, Lilongwe oder Zomba) problemlos möglich sein soll.

Gesundheit

Vor dem Aufenthalt habe ich mich im Tropeninstitut beraten und impfen lassen. Mit den Impfungen sollte man am besten mindestens 2 Monate vor Abflug beginnen. Bei mir waren es Tollwut, Meningokokken ACWY, Typhus und Gelbfieber. Die Gelbfieberimpfung kann wohl verlangt werden, wenn man über ein Endemiegebiet (z.B. Äthiopien) einreist, aber bei uns hat niemand danach gefragt. Die Kosten für die Impfungen wurden von meiner Krankenkasse übernommen. Neben Atovaquon/Proguanil als Malariaprophylaxe hatte ich eine gut gefüllte Reiseapotheke mit (Elektrolytlösungen, Kohletabletten, Fenistil, Sonnencreme etc.) dabei.

Sicherheit

Laut den Angaben des Auswärtigen Amtes gilt Malawi als relativ sicheres Land und ich habe mich auch während des gesamten Aufenthaltes sehr sicher gefühlt. Auf meine Wertsachen habe ich gefühlt eher weniger aufpassen müssen als in Deutschland und niemandem von uns ist etwas gestohlen worden. Nur der Straßenverkehr bietet meiner Meinung nach ein wirklich großes Risiko. Die Straßen sind teilweise sehr holprig, die Autos oft in eher schlechtem Zustand und die größte Gefahr geht von anderen Verkehrsteilnehmern aus. Nach persönlichen Erfahrungen und vielen Berichten würde ich die Fahrt in einem Minibus vermeiden, zumal es dort eigentlich nie Anschnallmöglichkeiten gibt und so die meisten Leute bei Verkehrsunfällen verunglücken.

Geld

Die Währung vor Ort ist Malawi-Kwacha, 828 Kwacha entsprechen zurzeit 1€. In den größeren Städten, z.B. in Blantyre, kann man mit der Kreditkarte Bargeld abheben. Manchmal muss man mehrere Automaten ausprobieren, weil mitunter nicht mehr genug Bargeld verfügbar ist. An den meisten Automaten können während einer Transaktion bis zu 80.000 Kwacha abgehoben werden. Es empfiehlt sich, gleich nach der Ankunft eine größere Menge Bargeld abzuheben, z.B. zweimal 80 000 Kwacha. Die meisten Lebensmittel sind sehr günstig, aber für Wochenendausflüge sollte man etwas mehr Geld einplanen. Für Ausflüge in Nationalparks hatten wir auch Dollar und Euro mit, man sollte sich allerdings auch dort nicht unbedingt darauf verlassen, mit Karte oder internationaler Währung bezahlen zu können.

Sprache

In Malawi werden Englisch und Chichewa gesprochen. Chichewa gehört zu den Bantusprachen, die auch in Sambia und Mosambik gesprochen werden. Im normalen Alltag war die Kommunikation mit den Einheimischen auf Englisch unproblematisch und auch die fachliche Kommunikation zwichen Ärzten, clinical officers und Pflegern lief auf Englisch ab. Nur die Kommunikation mit den Patienten war oftmals sehr schwierig und wir Famulanten daher meistens auf einen Pfleger oder clinical officer angewiesen.

Verkehrsbindungen

Für unsere Ausflüge haben wir vor Ort die Nonnen oder den Arzt ein Auto mit Fahrer organisieren können. Mit der Organisation sollte man aber immer ein paar Tage im Voraus anfangen und auch weiterhin flexibel bleiben, da sich in Malawi die Dinge oftmals spontan ändern und Planungen und Zeitgestaltung generell etwas flexibler betrachtet werden als man es in Deutschland gewohnt ist. Um vom Krankenhaus in das ca. 5 Minuten mit dem Auto entfernte Phalombe zu gelangen, haben wir oft Sammeltaxis oder Fahrradtaxis benutzt. Beide kosteten jeweils 300-400 Kwacha für eine Strecke und für Abenteuerlustige ist eine Fahrt mit einem solchen Fahrradtaxi auf jeden Fall ein Erlebnis.

Kommunikation

Vor Ort gibt es zwei Simkarten-Anbieter: Airtel und TNM. Auf dem Klinikgelände hat TNM besseren Empfang, allgemein soll der Empfang von Airtel besser sein, was ich aber nicht wirklich beurteilen kann. In den Städten kann man an unzähligen Straßenständen Simkarten der beiden Anbieter kaufen, muss diese dann von einer anderen Person mit dem Reisepass aktivieren lassen und dann wieder zurück zur ersten Person, um dort Internetguthaben (z.B. 2GB für 6.000 Kwacha) zu kaufen. Das Guthaben am besten gleich vor Ort aufladen, um bei möglichen Problemen jemanden um Rat fragen zu können.

Unterkunft

Aktuell werden alle Studenten im Gästehaus im Convent auf dem Krankenhausgelände untergebracht. Es gibt eine Küche mit Gaskocher und der nötigsten Ausstattung an Töpfen und Geschirr, einen großen Aufenthaltsraum mit Kühlschrank, mehrere Zimmer mit 1-2 Betten, 2 Bäder mit Toilette und Dusche und einen wunderschönen grünen Garten mit Limettenbaum, Hühnerstall und abendlichem Sternenhimmel. Während der Regenzeit kann es sein, dass der Strom und fließend Wasser von Zeit zu Zeit ausfallen, aber in der Regel kann man das mit Taschenlampen und Wasservorräten ganz gut überbrücken. Während des Aufenthaltes haben wir die studentische Tradition fortgelebt und wie unsere Vorgängerin eine Haushälterin engagiert, die typisch malawisches Essen gekocht hat.

Literatur

Im Rahmen der Reisevorbereitung hatte ich mir den Malawi-Reiseführer von Ilona Hupe gekauft (besonders groß ist die Auswahl nicht), der sehr ausführlich über Geschichte, Kultur und das Leben in Malawi schreibt und für die Ausflüge in die Nationalparks gute Tipps für Unterkunft und co. liefert. Von einer Freundin hatte ich zusätzlich einen biographischen Roman über einen Jungen geschenkt bekommen, der in Malawi aufwächst und in Zeiten von Dürreperioden die Idee hat, eine Windmühle zu bauen, um dadurch Elektrizität für den Haushalt seiner Familie zu gewinnen („The Boy who harnessed the wind“ von William Kamkwamba). Ein tolles Buch, das meine Erfahrungen in Malawi perfekt abgerundet hat. Generell hatten wir in Phalombe viel Zeit zum Lesen, und man sollte das ein oder andere Buch mitnehmen. Für den Klinikalltag hat uns die Offline-App von Amboss im Zweifelsfall immer weitergeholfen.

Mitzunehmen

Von Malawimed e.V. hatten wir im Voraus eine Packliste bekommen, die sehr hilfreich war. Besonders wichtig waren im Nachhinein Kopftaschenlampe, eine gute Powerbank, kleine Desinfektionsmittelflaschen und ein Steckdosenadapter. Mein Moskitonetz habe ich vor Ort nicht gebraucht, da sowohl im Gästehaus als auch in den Lodges auf den Ausflügen intakt scheinende Netze installiert waren. Für Aufenthalte während der Regenzeit würde ich einen kleinen Regenschirm empfehlen, der verhindert, dass man – wie wir – auf dem Weg vom Convent zum Krankenhaus pitschnass wird. Essenstechnisch empfiehlt es sich, ein paar Dinge wie Kaffeefilter, Pfeffer oder Schokolade mitzunehmen. Für eventuelle Wanderungen hatten wir außerdem Wanderschuhe, Wasserfilter und kleine Rucksäcke im Gepäck.

Reise und Ankunft

Zusammen mit einer anderen Famulantin bin ich mit Ethiopian Airlines über Addis Abeba nach Blantyre geflogen. Alternativ gibt es auch die Möglichkeit mit Kenia Airways über Nairobi zu fliegen. Nach der Ankunft wurden wir dann vom Flughafen abgeholt. Dies hatten wir im Voraus über den Arzt im Krankenhaus organisiert. Es empfiehlt sich, gleich in Blantyre Geld abzuheben und in einem der großen Supermärkte Wasser und Grundnahrungsmittel zu kaufen. Die Fahrt zum Hospital dauerte danach etwa 2-3 Stunden und gab uns somit bereits die erste Möglichkeit, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen und die unglaubliche Schönheit der Umgebung zu betrachten.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Das Holy Family Mission Hospital hat ungefähr 200 Betten und gliedert sich in einen stationären und einen ambulanten Teil. Das Krankenhaus ist unterteilt in male, female, pediatric, TB und labour ward - wobei der Fokus definitiv auf der labour ward liegt. Diese beinhaltet eine surgical, wie eine post-natal und eine labour ward im engeren Sinn, wo die gebärenden Frauen liegen. Es gibt ein major und ein minor theater, ein Labor und eine Radiologie, die mit digitalem Röntgengerät und Sonographiegerät ausgestattet ist. Ambulante Bereiche sind die ART-Ausgabestation und die admission, in der die Patienten erstmals aufgenommen und wo eine Erstanamnese geführt wird. Auf Empfehlung voriger Famulanten haben wir jeweils zu zweit wöchentlich auf den Stationen rotiert, um einen möglichst umfangreichen Eindruck vom Krankenhausalltag bekommen zu können.
Der Arbeitstag im Holy Family Mission Hospital begann (mehr oder weniger) um 7:30 mit dem morning report, bei dem kritische Fälle und Neuaufnahmen besprochen werden. Danach ging es für alle auf die jeweiligen Stationen und die Visite begann. Diese wurde meistens von den clinical officers übernommen. Dieser Ausbildungsberuf ist eine Innovation, die in den letzten Jahren in einigen afrikanischen Ländern eingeführt wurde, um dem dortigen Ärztemangel entgegenzuwirken. Die Clinical officers durchlaufen dabei eine dreijährige Ausbildung, die sich insbesondere auf praktische Tätigkeiten wie unkompliziertere operative Eingriffe und Diagnostik und Therapie der dort bedeutendsten Erkrankungen fokussiert. Dies sind im Holy Family Hospital vor allem HIV, Tuberkulose, Malaria, Pneumonien, Syphilis, Meningitiden und AIDS-definierende Erkrankungen gewesen. Zu den häufigsten Operationen zählten neben Kaiserschnitten und Curettagen Frakturen, Erysipele oder Debridement-Operationen ebenso wie Laparotomien bei Ileus oder Peritonitis. Im Allgemeinen sind die therapeutischen und diagnostischen Mittel jedoch erheblich eingeschränkt, sodass wir einige Krankheitsbilder sehen konnten, die man in dieser Form in Deutschland nur noch aus dem Lehrbuch kennt, bzw. die man in Deutschland mit sehr viel Aufwand kurieren könnte.
Nach der Mittagspause gab es dann oft auf den einzelnen Stationen nicht mehr so viel zu tun, sodass wir uns oft auch andere Bereiche des Krankenhauses wie die Radiologie, das Labor oder den ambulanten HIV-Bereich anschauen konnten. Im Labor konnten wir so zum Beispiel viel über Malaria und Schistosomias-Diagnostik lernen, deren mikroskopische Bilder man sonst eher nur aus dem Lehrbuch kennt. In der ambulanten HIV-Station erfuhren wir dann auch von einem von der Regierung subventionierten Projekt zur bundesweiten HIV-Therapie. Hier konnten sich HIV-positive Patienten mit einem Gesundheitsbuch vorstellen, bekamen in regelmäßigen Abständen Gesundheits-Check ups und konnten sich vor allem alle drei Monate ihre benötigten Medikamente abholen, wobei jeweils die Adhärenz der Patienten und deren klinisches Bild mit ermittelt wurden. Des Weiteren hatten wir auch immer die Möglichkeit, bei anstehenden Operationen zuzuschauen oder zu assistieren. Dabei waren Montag und Mittwoch immer feste OP-Tage, Not-OPs und Geburten (und davon gab es reichlich), wurden aber jederzeit durchgeführt.

Land und Leute

In Berichten und Reiseführen wird Malawi immer als das „warm heart of Africa“ bezeichnet, während es gleichzeitig zu den ärmsten Ländern der Welt gehört. Zwei Aussagen, die ich nun bestätigen kann. Schon auf dem Weg vom Flughafen zum Krankenhaus wurde dies sichtbar. Zum einen sah man neben den vielen Farben und der atemberaubenden Landschaft viele Menschen mit wenig Besitz, die aber trotzdem alle ein Lächeln im Gesicht trugen und auf ihrem Weg anhielten, um einen Freund zu begrüßen, ein nettes Pläuschchen zu halten oder jemandem seine Hilfe anzubieten. So erging es uns die folgenden Tage auch. Die Menschen waren uns gegenüber immer freundlich und hilfsbereit und fragten stets interessiert nach unseren Namen, woher wir kämen, was wir denn in Malawi machten oder ob wir auch Bayern München Fans wären. Neben all dieser Freundlichkeit konnten wir uns gar nicht sattsehen an der Schönheit der Natur. Da März in das Ende der Regenzeit fällt, war die ganze Vegetation üppig grün und wirkte oft mich oft so, wie ich mir die Urlandschaften von früher vorstelle. An den Wochenenden versuchten wir, unsere kurze Zeit in Malawi möglichst auszukosten und so viel wie möglich zu sehen. Denn auch wenn Malawi ein recht kleiner Staat ist, ist er doch sehr unterschiedlich in den einzelnen Regionen. Wir fuhren in die Teeplantagen im Gebiet Mulanje, zum Lake Malawi und in den Liwonde Nationalpark. Der Lake Malawi, der ungefähr ein Drittel der Landesmasse des Binnenstaates einnimmt, bot dann eine ganz andere Kulisse als die grünen Berge. Hier gab es Strand und Fischerdörfer und da man das gegenüberliegende Ufer des Sees nie sehen konnte, fühlte man sich wie am Meer. Im Liwonde Nationalpark unternahmen wir dann eine Safari, sahen Hippos und Krokodile, Affen und Warzenschweine, viele andere Tiere und weiterhin atemberaubende Landschaft.

Fazit

Meine Zeit in Malawi habe ich als sehr intensiv empfunden. All die Eindrücke, die innerhalb wie auch außerhalb des Krankenhauses auf mich gewirkt haben, haben die Zeit zu einer unvergesslichen Erfahrung gemacht, aus der ich sehr viel mitgenommen habe – auch wenn nicht immer alles lief, wie geplant. Ich habe unglaublich nette Leute kennengelernt, ohne die dieser Aufenthalt nicht derselbe gewesen wäre. Jedem, der also gern reist, etwas von der medizinischen Versorgung in einem Land mit ganz anderen Standards als den deutschen kennenlernen will und offen ist für Abenteuer, kann ich eine Famulatur in Malawi empfehlen – für mich wird es auf jeden Fall nicht meine letzte Reise nach Malawi gewesen sein

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