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Ecuador (IFMSA-Ecuador)

Gynäkologie - SCOPE (Famulaturaustausch)
Anonym

Motivation

Ich habe mich für Ecuador entschieden, da ich schon einmal längere Zeit in Chile war und ein weiteres lateinamerikanischen Land und Gesundheitssystem kennenlernen wollte. Außerdem wollte ich mein Spanisch weiter verbessern.

Vorbereitung

Ich habe mich nicht besonders vorbereitet, mir nur ein paar medizinische Vokabeln angeschaut. Ich habe keine Reiserücktrittsversicherung o.ä. abgeschlossen. Die kostenlose Haftpflicht und Auslandsreiseversicherung über DÄF/ Apo-Bank reichen für alles aus.

Visum

Für Ecuador braucht man bei einem Aufenthalt von bis zu drei Monaten kein Visum.

Gesundheit

Ich war vorher in der tropenmedizinischen Sprechstunde der Uni und habe die Tollwut-Impfung aufgefrischt, ansonsten war alles noch aktuell. Die AEMPPI hat von mir keinerlei Nachweise von Tests gewollt (anders als auf der Seite der ifmsa angegeben). Ich habe zur Sicherheit meinen Impfpass und einen Nachweis der Haftpflicht mitgenommen, sie wollten aber wirklich nichts sehen.
In der Reiseapotheke hatte ich die üblichen Sachen, habe aber zum Glück außer ein paar präventiven Kohletabletten nichts davon gebraucht. Antibiotika gibt es vor Ort sowieso größtenteils rezeptfrei, die muss man also nicht mitbringen.

Sicherheit

Ecuador ist ein recht sicheres Land, trotzdem sollte man als junge Frau nachts nicht alleine rumlaufen und nur offizielle Taxis nehmen. In Quito gibt es viele Taschendiebe, aber wenn man etwas auf die eigenen Sachen achtet, passiert nichts. Da ich schon in einigen lateinamerikanischen Ländern war, habe ich mich auch in Ecuador sehr sicher gefühlt.

Geld

Seit 2002 wird in Ecuador mit dem US-Dollar bezahlt. Große Scheine (ab 50$) werden selten genommen. Ich hatte meine Kreditkarte von der Apo-Bank dabei und konnte fast immer kostenlos abheben (bei der Banco Pichincha auf jeden Fall). Am Wochenende können die Automaten auch mal leer sein, also am besten vor der Wochenendreise abheben. Die Kosten sind generell eher niedrig, ein Hostel kostet 7-15$. Für die ersten Tage hatte ich 50$ in Deutschland getauscht und habe dann immer abgehoben. Insgesamt habe ich nur sehr wenig Geld ausgegeben, da ich bei einer Gastfamilie gewohnt habe und drei Mal am Tag etwas zu essen bekommen habe.

Sprache

In Ecuador wird Spanisch und Quechua gesprochen, Englisch nur von Menschen, die in der Tourismusbranche arbeiten. Auch die Medizinstudierenden und Ärzt*innen sprachen meist nur schlechtes Englisch. Dafür ist das Spanisch sehr einfach zu verstehen. Ich habe durch meinen Aufenthalt in Chile bereits recht gut Spanisch gesprochen und mir deswegen vorher nur ein paar medizinische Vokabeln angeschaut – am meisten lernt man sowieso, wenn man vor Ort ist. Allerdings ist es bei einem Praktikum von nur einem Monat schon ratsam, mit Vorkenntnissen zu kommen, da man mit Englisch wirklich nicht sehr weit kommt.

Verkehrsbindungen

Ich bin mit KLM (das war der billigste Flug) nach Quito geflogen. Dort wurde ich von zwei Studentinnen abgeholt – sonst muss man sich ein Taxi nehmen, da es keinen Flughafenbus gibt und die Stadt etwa 20 km entfernt ist (Kosten ca. 25$). Vor Ort fährt man am besten mit dem Bus umher, es gibt unzählige Anbieter. In Quito ist die Situation etwas nervig, da das Hauptbusterminal ca. 10 km von der Innenstadt entfernt ist. Generell würde ich empfehlen, möglichst bei Tageslicht zu fahren. Die Straßen sind teilweise sehr schlecht und die Fahrweise der Busfahrer nicht unbedingt vorsichtig. Auf einer (Abend-)Fahrt habe ich einen Busunfall gesehen und danach immer lieber die frühere Verbindung genommen.

Kommunikation

Ich habe mir eine SIM von Movistar gekauft, Kosten ca. 10$ und dann 3$ für etwas Internet und 100 Minuten pro Woche. Es gibt außerdem Claro, was ein schlechteres Netz haben soll. Mein (recht altes) Smartphone schien leider nicht so gut mit der Netzfrequenz klarzukommen, weswegen die Verbindung echt schlecht war. In der Gastfamilie gab es WLAN, in der Qualität schwankend. Telefonieren und Skypen war manchmal unmöglich.

Unterkunft

Ich habe etwas außerhalb bei der Familie eines Studenten gewohnt. Dort wurde für mich gekocht und ich habe drei Mal am Tag Essen bekommen. Im Nachhinein habe ich es bereut, mich nicht als Vegetarierin ausgegeben zu haben, da es eigentlich jeden Tag nur Reis mit Hühnchen gab. Waschen ging auch unkompliziert. Die Familie war aber total herzlich und sehr nett! Sie konnten nur leider nichts mit meinem Gastgeschenk, einem deutschen Weißwein, anfangen.

Literatur

Ich hatte das Buch „Spanisch im klinischen Alltag“ von Lehmanns dabei, habe es im Endeffekt aber fast nicht verwendet. Außerdem den Michael Müller-Reiseführer, den ich mit Ausnahme der Übernachtungstipps (schaue da eh lieber bei Hostelworld) sehr gut fand.

Mitzunehmen

Mir wurde gesagt, dass ich OP-Kleidung mitbringen soll. Die gab es im Endeffekt auch im Krankenhaus, sodass ich unnötig Gewicht dabeihatte. Dafür brauchte ich eine weiße Uniform, die mir zum Glück die AEMPPI organisiert hat (sie war leider recht klein, also lieber selbst mitbringen). Die weißen Schuhe musste ich noch dazu kaufen.
Desinfektionsmittel sollte man auf jeden Fall mitbringen. Ich hatte es vergessen und habe mich sehr geärgert, da es im Krankenhaus nur Gel gab, was furchtbar klebte und sowieso selten benutzt wurde.
Ansonsten allgemeine Sachen: auf jeden Fall genug Sonnenschutz (Brille, Kappe, Creme mit hohem LSF), da man auch bei bewölktem Himmel sofort einen Sonnenbrand bekommt.

Reise und Ankunft

Ich wurde am Flughafen von zwei Studentinnen aus Quito abgeholt. Die Absprache im Vorhinein lief etwas chaotisch, sodass ich auch bis zur Ankunft nicht sicher war, wo ich übernachten sollte. Im Endeffekt hat eine der beiden mich für die ersten Tage aufgenommen, bevor ich weiter zum Praktikum nach Riobamba gefahren bin. Dort wurde ich von der LEO und ihrem Assistenten, bei dem ich gewohnt habe, abgeholt. Sie haben mich auch am ersten Tag zum Krankenhaus begleitet, wo ich meine Tutorin kennengelernt habe und mich dem Verantwortlichen für die Lehre („Jefe de docencia“) vorstellen musste.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich hatte mich für Gynäkologie/ Geburtshilfe entschieden. Der „Jefe de docencia“ des Krankenhauses war leider nicht besonders nett und entschied, dass ich von 7-15 Uhr da sein sollte und nur zuschauen durfte. Den meisten Teil verbrachte ich auf der Station mit den PJlern. Deren Aufgaben sind Vitalzeichen messen, dopplern, Arztbriefe schreiben und andere Hilfsarbeiten erledigen – leider also nicht besonders spannend. Die Ärzt*innen zeigten kein großes Interesse an mir, meine Tutorin war zwar sehr nett, aber nur selten da. So kam es dazu, dass ich die meiste Zeit nur rumsaß und viel laß. Die PJler waren zwar nett, hatten aber viel zu tun, wobei ich ihnen nicht groß helfen konnte. Es gab immerhin ein elektronisches Patientenverwaltungssystem, allerdings war das so kompliziert, dass es für mich keinen Sinn machte, mich einzuarbeiten. Außerdem mussten die PJler ihre eigenen Laptops mitbringen und zum dokumentieren benutzen (über Hygiene wurde wenig nachgedacht).
Ich war ein paar Mal mit im OP (einmal durfte ich assistieren) und habe einige Geburten gesehen. Außerdem war ich einmal mit in der Notaufnahme und in der Sprechstunde. Das musste ich mir allerdings jedes Mal lange erbetteln. Ich habe so häufig gefragt, ob ich später mit in den OP/ … gehen könnte, aber fast jedes Mal waren die Ärzt*innen mit den PJlern schon weg, bevor ich es gemerkt habe und hatten mir nicht Bescheid gesagt. Ich bin eigentlich nicht schüchtern und habe kein Problem damit, nachzufragen, aber irgendwann kam ich mir echt blöd vor, wenn ich zum xten Mal fragte, ob ich mitkommen und zuschauen könnte. Das war schade, ich hätte wesentlich mehr lernen können. Trotzdem bin ich zufrieden mit dem Praktikum. Ich habe mir viel selbst mithilfe von Endspurt erarbeitet, ein anderes Gesundheitssystem kennengelernt und einige Geburten gesehen. Damit habe ich meine Ziele teilweise erreicht.
Die PJler erzählten außerdem, dass die Stimmung in der Gyn besonders schlecht sei (die Chefin hat sogar mich grundlos angeschrien) und es in anderen Fachbereichen ganz anders aussehen würde.
Die Sprache war die meiste Zeit kein Problem. Natürlich habe ich nicht alles verstanden, es wurde allerdings immer besser und die Menschen haben Sachen gerne noch einmal gesagt.
Die medizinische Ausbildung ist sehr theoretisch. Die Studierenden haben den gesamten Tag bis in die Nacht Seminare. Patient*innen sehen sie dann im Praktikum in den Ferien, was von den Aufgaben allerdings eher unserem Pflegepraktikum ähnelt (v.a. Vitalzeichenkontrolle). Teilweise gehen sie mit ihren Dozierenden auch in die Klinik, das kann dann auch mal ein Nachtdienst sein. Es herrscht extrem viel Druck, der nicht unbedingt zum Lernerfolg beiträgt. Ich war erschreckt, wie viel die PJler nicht wussten – nach den Auskultationspunkten fürs Herz gefragt, konnten sie nichts antworten! Dabei sollen sie eigentlich bei Aufnahme eine körperliche Untersuchung der Patient*innen machen. Allerdings würde ich bei 24-und mehr-Stunden-Diensten vermutlich auch nicht mehr viel lernen… Immerhin gibt es in Ecuador einige, auch gute öffentliche Unis, an denen man auch Medizin studieren kann.

Land und Leute

Ecuador ist ein wunderschönes und faszinierendes Land! Die Menschen sind fast alle sehr nett, interessiert und gastfreundlich. Ich habe mich viel mit unterschiedlichen Menschen unterhalten und unter den ecuadorianischen Studierenden Freund*innen gefunden.
Meine kurze Zeit zum reisen hat lediglich für die Anden und die Amazonía gereicht. Ich reise allerdings lieber mit Zeit, als überall nur einen Tag zu verbringen. Deswegen war ich weder an der Küste noch auf Galapagos. Cuenca hat mir besonders gut gefallen, außerdem Tena mit dem Regenwald. Riobamba selbst ist zwar nicht so interessant, hat aber eine tolle Lage – sowohl in den umgebenden Anden, in denen man gut wandern kann, als auch zum Reisen in andere Landesteile.
Ecuador ist ein sehr stabiles und sicheres Land, allerdings nehmen wohl auch dort die Korruption und der Drogenhandel zu. Als Touristin habe ich nicht viel davon gemerkt.
Der Einfluss der spanischen Kultur ist noch deutlich zu merken. Es gibt beispielsweise Stierkampfarenen in den meisten Städten und zu Ostern auch die typischen Prozessionen.
Das Essen enthält eigentlich immer Fleisch, an der Küste auch viel Fisch und Meeresfrüchte. Ich habe es bereut, mich nicht als Vegetarierin ausgegeben zu haben… Man sollte gerade am Anfang etwas vorsichtig sein, später habe ich auch Sachen von der Straße gegessen. Meine Gastfamilie hat Hühner und Meerschweinchen hinter dem Haus gehalten. Meerschweinchen musste ich einmal probieren (nicht zu empfehlen) und an meinem letzten Tag wurde sogar ein Huhn geschlachtet. Gemüse gab es wenig, dafür zu jeder warmen Mahlzeit Suppe.
Die Studierenden in Riobamba haben sich total um mich gekümmert und immer wieder Ausflüge gemacht. Leider war ich die einzige internationale Studentin, sodass ich nach der Arbeit auch viel entspannt habe – so viel hat die kleine Stadt nicht zu bieten.
An Karneval hat mich die Präsidentin der Lokalgruppe zu sich nach Ambato mitgenommen. Die Stadt etwa eine Stunde von Riobamba ist eine Karnevalshochburg in Ecuador, wo das Fest sowieso groß gefeiert wird. Dort gibt es einen riesigen Umzug mit mit Blumen und Früchten geschmückten Wägen. Ansonsten besteht Karneval aus viel Alkohol und vor allem daraus, sich mit speziellem Schaum und Wasser nass zu machen. Auch Mehl und Eier kommen zum Einsatz, also bloß keine gute Kleidung anziehen ;)
Ecuador ist wie viele lateinamerikanische Länder ein machistisches Land. Als blonde junge Frau habe ich das ständig gemerkt. Ich hatte die Chance, bei einer Hochzeit dabei zu sein und wurde ständig zum tanzen aufgefordert. Wenn ich gerade nicht wollte, wurde so lange weiter gefragt, bis jemand anders eingegriffen hat. Ich habe ständig Sachen erklärt bekommen, die ich offensichtlich schon wusste und wurde „hija“ (Tochter) von Männern genannt, die jünger waren als ich. Auch in der jungen Generation ist der Machismo weit verbreitet. Viele Männer, auch Medizinstudierende, sind der Meinung, sie dürften ihren Freundinnen und Frauen vorschreiben, was diese machen dürften. Wenn ich Sachen mit meiner Gastmutter abgesprochen habe und mein Gastvater dabeistand, hat stets er geantwortet, auch wenn es überhaupt nichts mit ihm zu tun hatte. Immerhin ist es inzwischen mehr akzeptiert, Kinder vor der Heirat zu bekommen und sich scheiden zu lassen.
Ich bin mit viel Selbstbewusstsein und Geduld durch die Zeit gegangen, habe häufig erklärt, warum ich im Moment noch keine Kinder haben möchte, warum ich noch nicht weiß, ob ich einmal heiraten werde und warum Männer in Deutschland Vaterschaftsurlaub nehmen.
Ecuador ist ein wunderschönes und faszinierendes Land! Die Menschen sind fast alle sehr nett, interessiert und gastfreundlich. Ich habe mich viel mit unterschiedlichen Menschen unterhalten und unter den ecuadorianischen Studierenden Freund*innen gefunden.
Meine kurze Zeit zum reisen hat lediglich für die Anden und die Amazonía gereicht. Ich reise allerdings lieber mit Zeit, als überall nur einen Tag zu verbringen. Deswegen war ich weder an der Küste noch auf Galapagos. Cuenca hat mir besonders gut gefallen, außerdem Tena mit dem Regenwald. Riobamba selbst ist zwar nicht so interessant, hat aber eine tolle Lage – sowohl in den umgebenden Anden, in denen man gut wandern kann, als auch zum Reisen in andere Landesteile.
Ecuador ist ein sehr stabiles und sicheres Land, allerdings nehmen wohl auch dort die Korruption und der Drogenhandel zu. Als Touristin habe ich nicht viel davon gemerkt.
Der Einfluss der spanischen Kultur ist noch deutlich zu merken. Es gibt beispielsweise Stierkampfarenen in den meisten Städten und zu Ostern auch die typischen Prozessionen.
Das Essen enthält eigentlich immer Fleisch, an der Küste auch viel Fisch und Meeresfrüchte. Ich habe es bereut, mich nicht als Vegetarierin ausgegeben zu haben… Man sollte gerade am Anfang etwas vorsichtig sein, später habe ich auch Sachen von der Straße gegessen. Meine Gastfamilie hat Hühner und Meerschweinchen hinter dem Haus gehalten. Meerschweinchen musste ich einmal probieren (nicht zu empfehlen) und an meinem letzten Tag wurde sogar ein Huhn geschlachtet. Gemüse gab es wenig, dafür zu jeder warmen Mahlzeit Suppe.
Die Studierenden in Riobamba haben sich total um mich gekümmert und immer wieder Ausflüge gemacht. Leider war ich die einzige internationale Studentin, sodass ich nach der Arbeit auch viel entspannt habe – so viel hat die kleine Stadt nicht zu bieten.
An Karneval hat mich die Präsidentin der Lokalgruppe zu sich nach Ambato mitgenommen. Die Stadt etwa eine Stunde von Riobamba ist eine Karnevalshochburg in Ecuador, wo das Fest sowieso groß gefeiert wird. Dort gibt es einen riesigen Umzug mit mit Blumen und Früchten geschmückten Wägen. Ansonsten besteht Karneval aus viel Alkohol und vor allem daraus, sich mit speziellem Schaum und Wasser nass zu machen. Auch Mehl und Eier kommen zum Einsatz, also bloß keine gute Kleidung anziehen ;)
Ecuador ist wie viele lateinamerikanische Länder ein machistisches Land. Als blonde junge Frau habe ich das ständig gemerkt. Ich hatte die Chance, bei einer Hochzeit dabei zu sein und wurde ständig zum tanzen aufgefordert. Wenn ich gerade nicht wollte, wurde so lange weiter gefragt, bis jemand anders eingegriffen hat. Ich habe ständig Sachen erklärt bekommen, die ich offensichtlich schon wusste und wurde „hija“ (Tochter) von Männern genannt, die jünger waren als ich. Auch in der jungen Generation ist der Machismo weit verbreitet. Viele Männer, auch Medizinstudierende, sind der Meinung, sie dürften ihren Freundinnen und Frauen vorschreiben, was diese machen dürften. Wenn ich Sachen mit meiner Gastmutter abgesprochen habe und mein Gastvater dabeistand, hat stets er geantwortet, auch wenn es überhaupt nichts mit ihm zu tun hatte. Immerhin ist es inzwischen mehr akzeptiert, Kinder vor der Heirat zu bekommen und sich scheiden zu lassen.
Ich bin mit viel Selbstbewusstsein und Geduld durch die Zeit gegangen, habe häufig erklärt, warum ich im Moment noch keine Kinder haben möchte, warum ich noch nicht weiß, ob ich einmal heiraten werde und warum Männer in Deutschland Vaterschaftsurlaub nehmen.
Ecuador ist ein wunderschönes und faszinierendes Land! Die Menschen sind fast alle sehr nett, interessiert und gastfreundlich. Ich habe mich viel mit unterschiedlichen Menschen unterhalten und unter den ecuadorianischen Studierenden Freund*innen gefunden.
Meine kurze Zeit zum reisen hat lediglich für die Anden und die Amazonía gereicht. Ich reise allerdings lieber mit Zeit, als überall nur einen Tag zu verbringen. Deswegen war ich weder an der Küste noch auf Galapagos. Cuenca hat mir besonders gut gefallen, außerdem Tena mit dem Regenwald. Riobamba selbst ist zwar nicht so interessant, hat aber eine tolle Lage – sowohl in den umgebenden Anden, in denen man gut wandern kann, als auch zum Reisen in andere Landesteile.
Ecuador ist ein sehr stabiles und sicheres Land, allerdings nehmen wohl auch dort die Korruption und der Drogenhandel zu. Als Touristin habe ich nicht viel davon gemerkt.
Der Einfluss der spanischen Kultur ist noch deutlich zu merken. Es gibt beispielsweise Stierkampfarenen in den meisten Städten und zu Ostern auch die typischen Prozessionen.
Das Essen enthält eigentlich immer Fleisch, an der Küste auch viel Fisch und Meeresfrüchte. Ich habe es bereut, mich nicht als Vegetarierin ausgegeben zu haben… Man sollte gerade am Anfang etwas vorsichtig sein, später habe ich auch Sachen von der Straße gegessen. Meine Gastfamilie hat Hühner und Meerschweinchen hinter dem Haus gehalten. Meerschweinchen musste ich einmal probieren (nicht zu empfehlen) und an meinem letzten Tag wurde sogar ein Huhn geschlachtet. Gemüse gab es wenig, dafür zu jeder warmen Mahlzeit Suppe.
Die Studierenden in Riobamba haben sich total um mich gekümmert und immer wieder Ausflüge gemacht. Leider war ich die einzige internationale Studentin, sodass ich nach der Arbeit auch viel entspannt habe – so viel hat die kleine Stadt nicht zu bieten.
An Karneval hat mich die Präsidentin der Lokalgruppe zu sich nach Ambato mitgenommen. Die Stadt etwa eine Stunde von Riobamba ist eine Karnevalshochburg in Ecuador, wo das Fest sowieso groß gefeiert wird. Dort gibt es einen riesigen Umzug mit mit Blumen und Früchten geschmückten Wägen. Ansonsten besteht Karneval aus viel Alkohol und vor allem daraus, sich mit speziellem Schaum und Wasser nass zu machen. Auch Mehl und Eier kommen zum Einsatz, also bloß keine gute Kleidung anziehen ;)
Ecuador ist wie viele lateinamerikanische Länder ein machistisches Land. Als blonde junge Frau habe ich das ständig gemerkt. Ich hatte die Chance, bei einer Hochzeit dabei zu sein und wurde ständig zum tanzen aufgefordert. Wenn ich gerade nicht wollte, wurde so lange weiter gefragt, bis jemand anders eingegriffen hat. Ich habe ständig Sachen erklärt bekommen, die ich offensichtlich schon wusste und wurde „hija“ (Tochter) von Männern genannt, die jünger waren als ich. Auch in der jungen Generation ist der Machismo weit verbreitet. Viele Männer, auch Medizinstudierende, sind der Meinung, sie dürften ihren Freundinnen und Frauen vorschreiben, was diese machen dürften. Wenn ich Sachen mit meiner Gastmutter abgesprochen habe und mein Gastvater dabeistand, hat stets er geantwortet, auch wenn es überhaupt nichts mit ihm zu tun hatte. Immerhin ist es inzwischen mehr akzeptiert, Kinder vor der Heirat zu bekommen und sich scheiden zu lassen.
Ich bin mit viel Selbstbewusstsein und Geduld durch die Zeit gegangen, habe häufig erklärt, warum ich im Moment noch keine Kinder haben möchte, warum ich noch nicht weiß, ob ich einmal heiraten werde und warum Männer in Deutschland Vaterschaftsurlaub nehmen.
Ich habe mich durch den Machismo allerdings nie eingeschränkt gefühlt oder meinen Aufenthalt deswegen weniger genossen.

Fazit

Ich hatte eine sehr schöne Zeit in Ecuador und würde es sofort wieder machen. Ich möchte unbedingt irgendwann noch einmal zurück, um mir den Rest des Landes anzuschauen. Allerdings würde ich dort nicht arbeiten wollen, da die Arbeitsbedingungen für Ärzt*innen nicht besonders gut und Hierarchien recht ausgeprägt sind. In der AEMPPI wurde ich sehr herzlich empfangen und würde die Organisation deswegen auch auf jeden Fall weiterempfehlen - für das mittelmäßige Praktikum können die schließlich auch nichts. Beim nächsten mal würde ich einfach eine andere Fachrichtung wählen...

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