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Argentinia (IFMSA-Argentinia)

Chirurgie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Katharina, München

Motivation

Mein Ziel war es, Südamerika besser kennenzulernen. Land, Leute und vor allem den medizinischen Aspekt. Von allen drei Ländern, war Argentinien meine erste Wahl. Zum einen weil ich viel über die atemberaubende Natur dort gehört hatte und zum anderen, weil ich eine Freundin in Buenos Aires hatte.

Vorbereitung

Die Vorbereitungen musste ich innerhalb kürzester Zeit treffen. Da der Zuständige für den Austausch selbst zu der Zeit auf einem Austausch in Europa war, bekam ich erst ungefähr einen Monat vor Austauschbeginn, die endgültige Bestätigung. Ich hatte keine Erfahrungsberichte gelesen, sondern sprach immer direkt mit der Medizinstudentin, bei der ich wohnen würde oder fragte meine Freundin in Buenos Aires.

Visum

Ich musste kein Visum beantragen. Am Flughafen wurde mir ein 90 Tage Touristen Visum in den Reisepass gestempelt.

Gesundheit

Bei der Vorbereitung war es vor allem wichtig, dass alle Impfungen aufgefrischt worden waren, sowie dass eine Gelbfieber-Impfung vorhanden war. Schließlich absolvierte ich in Argentinien ein chirurgisches Fach und wusste nicht welche Hygienestandards es im Krankenhaus gab, also achtete ich vor allem darauf. Eine Auslandsreise-Krankenversicherung wurde außerdem verlangt, die konnte ich aber gratis über den Marburger Bund abschließen.

Sicherheit

Zu Beginn hatte mich die Sicherheit in Argentinien beunruhigt. Vor allem in Tucuman sollte man vorsichtig mit seinen Wertgegenständen umgehen und nachts alleine auch nicht mehr durch die Straßen gehen. Das Gute an diesem Austausch war aber, dass ich bei einer argentinischen Familie lebte, die mir eigentlich alle Dinge mitteilte, auf die ich Acht geben musste. Von dem her bestand hier auch kein Grund zur Sorge.

Geld

Die Währung in Argentinien ist der argentinische Peso. Geld aus dem Bankomaten abzuheben ist hierbei sehr teuer und nicht immer gibt es Geld im Automaten. Von dem her wäre für mich die beste Option gewesen, viel Bargeld in Euro mitzunehmen und es dann direkt dort zu tauschen. Die Studenten von der Austauschorganisation, die selbst vorhatten nach Europa zu gehen, waren meistens sehr daran interessiert direkt mit mir zu tauschen. Das war sowohl für mich als auch für sie von Vorteil, da wir kein zusätzliches Geld für den Tausch zahlen mussten.

Sprache

Zu dem Zeitpunkt, als ich nach Argentinien ging, war mein Spanisch sehr gut. Es hat sich aber auch noch deutlich verbessert, während ich dort war. Mit Englisch kommt man in einer Stadt wie Tucuman leider nicht so gut zurecht. Es wird von den wenigsten gesprochen. In Buenos Aires hingegen denke ich, dass es auch reichen würde, nur Englisch zu können.

Verkehrsbindungen

Ich flog zuerst nach Buenos Aires, verbrachte ein paar Tage dort mit meiner Freundin und flog dann von dort mit den Aerolineas Argentinas nach Tucuman. Falls man keinen Flug buchen möchte, gibt es auch die Option von Buenos Aires aus mit dem Bus bis nach Tucuman zu fahren. Busse sind ein beliebtes Reisemittel in Argentinien. Ich fand sie wirklich vollkommen in Ordnung und fühlte mich auch relativ sicher damit.

Kommunikation

In den Familien, wo wir Austauschstudenten wohnten, gab es eigentlich überall WLAN. Ich konnte so immer gut mit zuhause in Kontakt bleiben. Außerdem hatte ich mir eine Movistar SIM Karte besorgt, um auch mobile Daten zu haben. Hierbei muss ich aber sagen, dass ich vor allem den Anbieter „Personal“ empfehlen kann, da man damit auch in kleineren Städten/Dörfern Empfang hat. Movistar hat leider nur in größeren Städten wie Tucuman, Salta oder Jujuy funktioniert.

Unterkunft

Ich wohnte für die volle Zeit bei einer Familie von einem Mädchen der Austauschorganisation. Ich wurde wirklich superfreundlich aufgenommen und fühlte mich immer wohl. Auch die anderen Austauschstudenten wohnten bei Familien und wirklich alle waren ausgesprochen zufrieden. Man bekam täglich Abendessen und wenn man wollte auch Mittagessen bei ihnen und sie bemühten sich auch, dass wir das Land kennenlernten. Mit der Familie der anderen Austauschstudenten reisten wir sogar einmal für ein ganzes Wochenende nach Jujuy und konnten bei der Mutter eines der Studenten übernachten. Ich glaube, ich hätte es in diesem Punkt nicht besser treffen können.

Literatur

Ich hatte mir einige Blogs zu Argentinien im Internet durchgelesen, da ich außer dem Nordwesten noch ein paar andere Ecken des Landes bereisen wollte. Außerdem kaufte ich mir zwei Reiseführer und las immer wieder ein paar Dinge dort nach. Die sinnvollste Methode meiner Meinung nach, ist aber immer direkt mit den Leuten vor Ort zu sprechen. So lernt man am meisten und bekommt die besten Ratschläge.

Mitzunehmen

Was ich mitgenommen habe und sich auch als überaus sinnvoll erwiesen hat, war eine Regenjacke. Ursprünglich dachte ich, es würde vor allem heiß werden, aber obwohl der Austausch im März stattfand und laut der Leute aus Tucuman es immer noch sehr heiß hätte sein müssen, hatten wir richtig viel Regen. Wasserfeste Schuhe wären wahrscheinlich im Nachhinein auch kein Fehler gewesen, da die Straßen in Tucuman nicht für viel Regen konzipiert sind und sich richtige Flüsse bilden, wenn es einmal regnet. Was außerdem sehr wichtig ist, ist Sonnencreme, da überall in Argentinien, auch wenn man sich nur kurz in die Sonne setzt, eine sehr starke UV-Strahlung herrscht und man sich wirklich schnell verbrennt.

Reise und Ankunft

In Tucuman wurde ich von meiner Familie am Flughafen mit dem Auto abgeholt. Die Familie der anderen beiden Austauschstudenten hatte kein Auto, weswegen sie mit dem Taxi fahren musste, was aber ohne Bedenken möglich war. In Buenos Aires nutzte ich Cabify wenn ich mich vom Flughafen fortbewegen musste, was um einiges günstiger als die herkömmlichen Taxis war.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Am ersten Tag wurden wir von einem Mitglied der Austauschorganisation im Krankenhaus bei den Assistenzärzten vorgestellt. Ich war zusammen mit einem Studenten aus Honduras auf der Allgemeinchirurgie eines Sanatoriums. Wir hielten uns die meiste Zeit eigentlich an die Assistenzärzte, welche uns sehr herzlich aufnahmen und auch sehr neugierig waren woher wir kamen, wie das Gesundheitssystem in unseren Ländern funktionierte und welche Fachrichtung wir später mal machen wollten. Wir durften bei so vielen OPs, wie wir wollten zuschauen und gegen Ende des Praktikums auch (weil wir Interesse zeigten) ein paar Mal assistieren. Sie zeigten uns auch mit großem Enthusiasmus noch einmal wie man nähte oder Knoten machte. Außerdem gab es eine Möglichkeit laparoskopisches Operieren zu üben, was mich sehr positiv überraschte. Sonst kam ich auch viel mit anderen Fachrichtungen in Kontakt und durfte auch dort bei ein paar Eingriffen assistieren.
Das Krankenhaus an sich, war natürlich überhaupt nicht mit einem europäischen Krankenhaus vergleichbar, obwohl es ein Sanatorium war. Es gab ein kleines Arztzimmer für ca. 10 Ärzte in dem sie sich die meiste Zeit aufhielten und klassischerweise Mate-Tee tranken. Auch die OP-Säle waren schon etwas älter und oft wurden Materialien, die wir in Europa vielleicht wegwerfen würden, wiederverwendet. Das was mich aber dennoch sehr beeindruckte, war, obwohl sie vielleicht nicht die neuesten und tollsten Materialien hatten, sie chirurgisch gesehen mindestens genauso gut waren. Und menschlich wirklich einsame Spitze!
Sprachlich gesehen war es anfangs ein bisschen schwierig, wenn man mit am Tisch stehen durfte, da ich von den meisten Namen der OP-Bestecke nicht blassesten Schimmer hatte. Zudem wird man dann, abhängig vom Operateur, ab und zu ganz gerne abgeprüft. Wobei es nie schlimm war, wenn man einmal etwas nicht wusste und sie einem auch sehr humorvoll darauf entgegneten. Was ich wirklich schön fand, war auch, dass nicht nur die Chirurgen an uns Interesse hatten, sondern auch Anästhesisten, Pfleger und alle möglichen anderen Fachrichtungen, die einem so über den Weg liefen.
Mit Patienten persönlich hatte ich dagegen kaum Kontakt. Es gab zwar immer eine morgendliche Visite, aber der Schwerpunkt für uns und die Chirurgen lag eindeutig auf den OPs. Argentinische Medizinstudenten gab es in unserem Sanatorium keine, da der Unterricht hauptsächlich im öffentlichen Krankenhaus stattfand. Das wäre unter Umstände das einzige gewesen, was ich außerdem noch gerne gesehen hätte.

Land und Leute

Außerhalb des Krankenhauses bin ich mit den anderen Austauschstudenten eigentlich fast jedes Wochenende gereist. Zusammen haben wir atemberaubende Landschaften gesehen, die es so bei uns in Europa nicht gibt und dabei mussten wir uns auch mit den kulturellen Unterschieden zwischen Südamerika und Europa auseinandersetzen. Bei den Reisen lag unser Hauptaugenmerk darauf, den Nordwesten besser kennenzulernen und zusammen mit den argentinischen Gastfamilien, bei denen wir wohnten, überlegten wir uns unsere Reisepläne.
Etwas, das mir kulturell sehr in Erinnerung geblieben ist, war zum Beispiel die Sache mit den Bushaltestellen. Da diese nicht immer klar gekennzeichnet sind, mussten wir öfters Einheimische danach fragen. Einmal wurde uns zum Beispiel gesagt, dass der Bus an diesem einen Baum halten würde, wie wir mitten im Nirgendwo waren und Situationen dieser Art sind dann schon einigermaßen beunruhigend bis der Bus dann tatsächlich auftaucht. Was auch neu für mich war, waren die vielen streunenden Hunde, denen man auf der Straße begegnete. Es kam öfters vor, dass sie uns für einige Straßen begleiteten, ja sogar an den Kreuzungen auf uns warteten. Daran musste ich mich auch erst mal gewöhnen.
Über die wirtschaftliche Situation Argentiniens wusste ich zuvor nur, dass es momentan nicht so gut darum stand. Mit der vielen Armut, die ich dann aber im Endeffekt dort sah, hatte ich nicht gerechnet. Auch das, was mir die Ärzte erzählten, berührte mich zutiefst, da aufgrund der starken Inflation des Landes, das Geld immer weniger wert wurde und, so viel sie als Arzt auch arbeiteten, gegen diese Situation einfach machtlos waren.
Was ich unter anderem gelernt habe, war auch mit weniger und nicht gerade den neuesten Dingen zurecht zu kommen. Manchmal hatte ich das Gefühl ich hätte eine Reise in die Vergangenheit gemacht. So musste das Wasser vor dem Trinken zum Beispiel aufgekocht werden oder beim Duschen öfters mal auf warmes Wasser verzichtet. Auch die Hostels, in denen wir zum größten Teil übernachteten, entsprachen nie dem Standard eines europäischen Hostels.
Das Essen war dafür fast immer richtig gut. Wer ein Fleischliebhaber ist, ist in Argentinien garantiert am richtigen Ort. Dort gibt es nämlich das argentinische "Asado", was eigentlich daraus besteht, Massen an Fleisch langsam über schwacher Glut zu grillen. Aber Asado ist nicht nur Essen. Es ist ein Gesellschaftsevent, ein Ritual und dabei habe ich mit Abstand das beste Fleisch meines Lebens gegessen. Dabei kann es aber öfter mal passieren, dass erst nach Mitternacht mit dem Essen begonnen wird. Das ist aber reine Gewöhnungssache ;)

Fazit

Im Großen und Ganzen war dieser Austausch eine großartige Erfahrung, die ich jedes Mal ohne Zweifel wiederholen würde. Ich glaube, dass es sehr wertvoll für meine persönliche Entwicklung war und auch für die Erkenntnis dafür wie sehr wir, die wir in Europa leben, uns glücklich schätzen können. Was mich von allen Dingen am meisten beeindruckt hat, war die Nettigkeit, Offenheit und Hilfsbereitschaft der Menschen, die, obwohl sie nur wenig Geld haben, dir trotzdem bis zuletzt alles geben. Ich bin wirklich begeistert und kann nur jeden zu einem Austausch dieser Art motivieren!

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