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Philippinen (AMSA-Philippines)

Gynäkologie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Anna, Köln

Motivation

Ich hatte nach meinem Abitur ein halbes Jahr als Freiwillige in einem Krankenhaus in Bolivien gearbeitet und habe dort sehr viel gelernt (im persönlichen aber auch medizinischen Sinne).
Da ich nun, nach 4 Jahren Medizinstudium, noch einmal die Erfahrung machen wollte, in ein fremdes Gesundheitssystem mit fremder Sprache und fremden Menschen einzutauchen und dabei sogar fachlich noch ein bisschen mehr Ahnung zu haben als nach meinem Abi, war der SCOPE-Austausch die perfekte Möglichkeit.

Vorbereitung

Ich habe mich nach der Kleiderordnung im Krankenhaus erkundigt. Am einfachsten ist es für uns, einen Kasack bei den LEOs vor Ort auszuleihen und den anzuziehen (die Ärzte und Medizinstudierenden dort haben entweder Kasacks oder speziell angefertigte Uniformen an). Ansonsten hab ich ein bisschen im Internet zur Sicherheitslage recherchiert und ein paar Dokus zur politischen Lage geschaut.

Visum

Für die Philippinen bekommt man bei der Einreise 30 Tage Touristen-Visum. Wenn man es genau timet, braucht man also noch nicht einmal zu verlängern. Ich musste mein Visum allerdings verlängern, was aber gar kein Problem war. Man geht zum Immigration Office in „Intramuros“ in Manila und kann dort sein Touristen-Visum auf max. 59 Tage verlängern. Das Ganze kostet umgerechnet ca. 50€, und ich empfehle euch, möglichst früh dorthin zu gehen um lange Wartezeiten zu umgehen.

Gesundheit

Ich habe schon von früheren Reisen Meningokokken, Typhus, Gelbfieber (das für Asien aber gar nicht verlangt wird glaube ich) und die Cholera-Schluckimpfung gehabt. Zusätzlich habe ich mich noch gegen Tollwut impfen lassen. Die Japanische Enzephalitis wurde mir von meinem Arzt (der selbst 2 Jahre auf den Philippinen gelebt hatte mal) abgeraten, da die Wahrscheinlichkeit für Touristen sehr gering ist sofern man nicht tagelang seine Zeit auf Reisfeldern verbringt.
Für die Card of Documents musste ich außerdem einen Tuberkulin-Test und ein Röntgen-Thorax hochladen, außerdem ein Immunization Record mit der Angabe von Hep. A und B Titer, Typhus und Tetanus-Impfung (steht aber auch alles auf der Info-Seite auf der ifmsa-Website).
Habe Malarone (Malaria-Prophylaxe) für Standby mitgenommen aber nicht gebraucht.

Sicherheit

Meine Auslandsversicherung habe ich kostenlos über die apo-Bank bei der Axa abgeschlossen.
Die Sicherheitslage auf den Philippinen ist zurzeit ziemlich schlecht. Auf der Website des Auswärtigen Amts findet man ein paar Gebiete, in denen sowas wie Bürgerkrieg herrscht und in die man auf keinen Fall gehen sollte (das ist alles im Süden).
Manila liegt ja im Norden. Dort ist die Situation stabil, allerdings haben uns alle Ärzte und Medizinstudenten immer wieder eingebläut bloß nicht alleine draußen rumzulaufen, besonders nicht nachts. Die öffentlichen Verkehrsmittel in der Stadt und Umgebung wären wohl auch nicht so sicher. Wir haben trotzdem häufig den Zug genommen und sind an den Wochenenden ganz normal mit den Bussen weggefahren und es ist nichts passiert.
Sicher fühlt man sich aber wirklich nicht auf den Straßen von Manila.Anders ist es zum Beispiel auf Palawan, da war ich in Port Barton (wunderschöner Strand und günstiges Bier) und da konnte man auch nachts noch draußen sein und generell bekam man dort nichts vom Stress im Land mit.

Geld

Auf den Philippinen gilt der philippinische Peso, keine andere Währung wird akzeptiert. Der Kurs war 59 Pesos zu 1€. Die Bargeldabhebung an den ATMs kostet 250 Pesos Gebühr, weswegen es sich empfiehlt, immer viel Bargeld auf einmal abzuheben. Wenn man am Flughafen in Manila ankommt stehen dort in der Ankunftshalle direkt ein paar ATMs rum, also kann man sich mit einer Kreditkarte da direkt Bargeld holen und muss nichts wechseln.
Die Preise für das Streetfood und Fast Food sind sehr günstig (z.B. 20 Pesos für 5 frittierte Bananen oder 100 Pesos für ein Reisgericht mit Fleisch). Wenn man aber normal in einem Restaurant essen gehen will oder im Supermarkt einkaufen möchte sind die Preise ziemlich vergleichbar mit Deutschland.
Grab Car (die asiatische Variante von Uber) ist ziemlich günstig (ca. 370 Pesos vom Flughafen zum University of Santo Tomas Hospital, variiert aber je nach Nachfrage) und wir sind vor allem nachts viel damit unterwegs gewesen.
Der Zug (LRT) kostet nur 15 Pesos und ist damit eine sehr kostengünstige Variante für die Fortbewegung tagsüber.
Die Busse, die nach außerhalb von Manila fahren, sind auch sehr günstig.

Sprache

Die Hauptsprache ist Tagalog (Filipino), was alle untereinander sprechen.
Die zweite offizielle Landessprache ist allerdings Englisch! Das heißt alle Filme im Kino sind auf Englisch und die Unterrichtssprache in der medizinischen Fakultät auch. Auch im Krankenhaus sind alle Fallbesprechungen und Konferenzen und OP-Gespräche in Englisch, was wirklich super war da ich 75% des Krankenhauslebens so verstehen konnte!
Außerdem können wirklich alle Filipinos mindestens ein bisschen Englisch, was den Kontakt zu den sowieso schon netten Menschen noch einfacher macht.

Verkehrsbindungen

Es lohnt sich, früh nach Flügen zu schauen, da es sonst recht teuer werden kann bis nach Manila zu fliegen.
Im Land muss man häufig mit dem Flugzeug fliegen da sich die schönsten Strände und Orte nicht auf der Insel von Manila befinden.
Ich bin an den Wochenenden während der Famulatur allerdings nur mit dem Bus in die näher gelegenen Regionen gefahren, was auch super war. Es gibt Nachtbusse oder Busse, die tagsüber überall hinfahren zu günstigen Preisen. Fährt alles sehr zuverlässig.

Kommunikation

Es gibt fast überall WLAN und ich habe mir bei der Ankunft direkt eine SIM-Karte gekauft und hatte so auch die ganze Zeit mobiles Internet.
Mit den Filipinos schreibt man entweder über Facebook Messenger oder, weil es im Krankenhaus leider weder WLAN noch Netz gibt, normale altmodische SMS.

Unterkunft

Wir waren im Domus Mariae, der International Residency direkt auf dem Uni-Campus untergebracht! Das Zimmer hatte 6 Betten, genug Schränke für alle, eine Klimaanlage und ein eigenes Bad. Im Haus gab es eine Küche mit Kühlschränken, einen Wasserspender und alles wurde fast jeden Tag geputzt so dass es wirklich immer sauber war.
Ich wurde von einem der LEOs am ersten Tag auf dem Campus empfangen und dann wurde ich ins Dorm gebracht. War wirklich super und Fußweg zum Krankenhaus nur einmal über den Campus in 5min!

Literatur

Ich würde beim Auswärtigen Amt nachschauen wie die Situation grade ist. Ansonsten habe ich nicht besonders viel nachgelesen außer bei Travelblogs um mich zu informieren was man so generell auf den Philippinen machen kann. Für Tipps diesbezüglich waren die LEOs aber auch sehr hilfreich. Und während der Famulatur hilft natürlich Amboss immer weiter...

Mitzunehmen

Unnötig mitzunehmen war ein Kittel. Ich war in der Gynäkologie/Geburtshilfe und da hat niemand einen Kittel angehabt, deswegen habe ich von einem der LEOs ausgeliehenen Scrubs und Turnschuhe getragen.
Mückenspray mit 50% DEET ist sehr wichtig, selbst in Manila gibt es Dengue-Fieber übertragende Mücken!
Dann natürlich Sonnencreme und eine Kopfbedeckung, Schwimmsachen, eine Trinkflasche zum wieder auffüllen für die Wasserspender. Schulterbedeckende T-Shirts und lange leichte Hosen/Röcke waren auch nützlich.
Einen kleineren Rucksack für die Wochenendtrips fand ich praktisch sowie ein paar Gastgeschenke aus Deutschland!

Reise und Ankunft

Die Anreise war einfach, allerdings wurde ich nicht vom Flughafen abgeholt und habe zuerst im Hostel übernachtet da das Dorm erst ab dem 01. verfügbar war und ich schon 2 Tage früher angereist bin. Für die erste Taxifahrt im Land würde ich mir in Deutschland schonmal Grab installieren, das ist wirklich viel günstiger als ein normales Flughafentaxi und dazu noch sicherer.
Da der 01. ein Freitag war, wurde mir dann kurzfristig mitgeteilt, dass ich erst am Montag drauf anfange würde. Deswegen habe ich noch eine Reise nach Palawan eingeschoben und kam dann sonntags nach Manila zurück, wo ich mich dann auf dem Campus mit einem der LEOs getroffen habe und er mich zum Dorm gebracht hat.
Anfangen konnte ich dann wegen „Paperworks“ des Gyn-Departments erst am Donnerstag... Das war etwas blöd, da ich jeden Tag darauf wartete, am nächsten Tag endlich anfangen zu können. Am Donnerstag wurde ich dann aber schließlich ins Out Patients Department gebracht und allen, unter anderem meiner Buddy/Mentorin, vorgestellt.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Im Out Patients Department der OB/Gyne-Station habe ich meinen ersten Tag und auch insgesamt viel Zeit verbracht. Dort wurden die Patientinnen quasi ambulant behandelt und, sollte es eine Indikation geben, auch stationär aufgenommen. Das heißt:
Die Medizinstudenten des 4. Jahres (ihr Äquivalent zu unserem Praktischen Jahr, sie studieren nämlich 4 Jahre Pre-Med einen Bachelor und dann 4 Jahre Med-School) haben die Anamnese gemacht, diese dann auf Englisch dem/der zuständigen Arzt/Ärztin vorgetragen, welche/r dann die körperliche Untersuchung mitsamt vaginaler Untersuchung und Spekulum-Einstellung machten. Danach gab's dann ein Rezept für den Patient und dann musste der/die Arzt/Ärztin noch den Patientenbogen handschriftlich (es gibt keine Computer) ausfüllen und alles dokumentieren.
Ich habe, wenn ich gefragt habe, alles erklärt bekommen was ich wissen wollte und durfte auch ab und zu selbst die körperliche Untersuchung machen oder den fetalen Herzton mit einem etwas altmodischen Doppler-Gerät abhören.

Dann habe ich fast jeden Tag auch bei einer OP zugeschaut. Assistieren durfte ich leider nicht, das ist nicht in unserer Rolle als „Observer“ zugelassen. Aber auch im OP habe ich viel erklärt bekommen und viel Interessantes gesehen! Auch bei Geburten durfte ich dabei sein, was auch wirklich spannend war.

Ein paar Mal war ich im Ultraschall-Department, wo die Frauen aus dem Out-Patients-Department zum schallen hingeschickt wurden. Hier waren auch alle super nett und erklärten alles.

Die Arbeitssprache im Krankenhaus ist Englisch! Deswegen hatte ich es wirklich leicht alles zu verstehen und mich gut zu integrieren.
Auch mit den Medizinstudierenden war es einfach, in Kontakt zu kommen. Ich habe direkt am ersten Tag ein paar nette Studenten kennengelernt, die mir dann auch immer die SMS zu ihren täglichen Lehrveranstaltungen weiter geleitet haben, so dass ich nicht nur im Krankenhaus war, sondern jeden Tag auch mehrere Stunden Lehrveranstaltungen besuchen konnte!
Jeden Tag von 7-10:00 habe ich also die Conferences (zu den verschiedensten Themen aus Gyn und Geburtshilfe) besucht und dann nochmal von 13-14:00 eine Journal Discussion. Ab und zu gab es auch große Fallbesprechungen mit allen Ärzten zusammen, wo die Assistenzärzte und die Studierenden Präsentationen gehalten haben, was auch immer sehr interessant war!

Die Studenten müssen jeden Tag von 7-17:00 ins Krankenhaus (kein Wochenende) und alle 3 Tage haben sie 24h Dienst. Und nebenbei müssen sie für ihr Examen lernen. Also Zeit für ein Bier nach dem Krankenhaus haben die wenigsten.

Gegangen bin ich meistens gegen 17:00, bin aber auch mehrere Tage mal bis 20:00 da gewesen.

Das Gesundheitssystem ist schlecht. Es gibt kaum Krankenversicherungen (die allerwenigsten haben eine) und es muss alles privat bezahlt werden, und zwar bevor die Leistung im Krankenhaus erfolgt. Das heißt: Erst zahlen, dann behandelt werden. Das University of Santo Tomas Hospital hat zwei Divisionen: Die Charity Division und die Private Division. Beide sind ziemlich teuer (die Private noch mehr als die Charity), weswegen es nicht gerade viele Patienten gibt, da sich der Durchschnittsphilippino das eben einfach nicht leisten kann. Es gibt nämlich alternativ noch die Government-Hospitals, wo alles vom Staat subventioniert wird und so bezahlbar ist. Diese Krankenhäuser bersten aber vor Patienten, da hat man das typische Bild von 3 Patienten in einem Bett auf einer Station mit 100 Leuten dann.
Was ein anderer Effekt vom fehlenden Gesundheitssystem ist: Es wird seltenst nach Goldstandard behandelt, sondern immer nur nach: Was ist verfügbar, was ist bezahlbar. Das heißt: Kaum Vollnarkosen, das meiste wird mit Spinalanästhesie behandelt, und bei der bakteriellen Vaginose wird das Kombipräparat für die Candidiasis gleich mit verschrieben da es günstiger und besser verfügbar ist.

Land und Leute

In meiner freien Zeit an den Wochenenden bin ich nach Banaue zu den Reisterassen, nach Anilao zum Tauchen und nach Tagaytay und auf den Vulkan Taal gefahren. Alle Ausflüge waren wunderschön und absolut zu empfehlen.
Die Menschen sind im ganzen Land super gastfreundlich und hilfsbereit, was das Reisen wirklich ziemlich angenehm macht!

Die Kultur ist ein ziemlicher Mix aus spanischem Katholizismus (die Philippinen waren spanische Kolonie für 300 Jahre) und amerikanischem Fast Food (nach den Spaniern haben die Amis das Land besetzt) und der ursprünglichen philippinischen Bevölkerung (so klingt auch Tagalog: alle paar Wörter fallen spanische und englische Begriffe zwischenrein).
Die politische Situation ist ziemlich schlecht. Leider wird darüber sehr wenig geredet, was die Situation auch nicht verbessert.

In Manila sieht man die Armut tagtäglich. Es liegen sehr viele Kinder und Erwachsene auf Pappkartons auf den Straßen, zwischen Hunden, Katzen, Straßenverkäufen und ganz viel Müll. Man wird als weiße Frau dauerhaft angesprochen, was einem ein komisches Gefühl gegeben hat, durch die Straßen zu laufen.

Aber wie schon gesagt, die Filipinos sind die gastfreundlichsten Menschen, die ich je kennen gelernt habe. Wir wurden so häufig von den Ärzten und Studenten zum Essen eingeladen, ich wurde von einer Filipina vom Flughafen mit ins Hostel genommen und habe dann noch eine Nacht bei ihr übernachtet, wir haben Kaffee geschenkt bekommen von einer Freundin einer Freundin, und so weiter. Man wurde wirklich mit offenen Armen empfangen!

Ein Problem gab es allerdings, da ich vegan bin habe ich das ganze traditionelle Essen nicht essen können, da es hauptsächlich aus Fleisch und dazu Reis besteht. Die Filipinos sind aber sehr stolz auf ihr Essen und verstehen die ganze Sache mit dem Vegan/vegetarisch noch nicht so ganz, wodurch ich mich gegenüber den Ärzten und Medizinstudierenden sehr oft erklären bzw. entschuldigen musste und auch wirklich negative Gefühle entgegengebracht bekommen habe. Also für alle Vegetarier/Veganer ist es essenstechnisch ein etwas kompliziertes Unterfangen dort.

Generell habe ich gemerkt, dass viele der Mediziner dort ziemlich wenig aus ihrem Medizinleben herauskommen. Das heißt sie haben kein großes politisches oder anderweitiges Interesse, bzw. haben einfach keine Zeit sich außerhalb ihres Lernpensums (das wirklich sehr groß ist) mit allgemeineren Dingen zu beschäftigen. Das ist mir extrem im Gegensatz zu europäischen Studierenden aufgefallen, die sich zum Großteil ja mit ziemlich vielen Dingen nebenbei noch beschäftigen.
Ich fand es schade, zu sehen, dass die Bildungsschicht des Landes kein Interesse am Klimawandel oder Plastikverbrauch zeigt (jeden morgen, mittag und abend holt sich die ganze Krankenhausbelegschaft ihr Essen im Foodcourt oder bei den Fast-Food-Ketten auf dem Campus in Einwegverpackungen mit Einwegplastikgeschirr in einer Plastiktüte verpackt und noch der Starbucks Plastikbecher mit Plastikstrohhalm und Plastiktüte).

Fazit

Ich hatte eine super interessante Zeit in Manila und meine Erwartungen, was einen Zugewinn an medizinischen Kenntnissen angeht, wurden sogar übertroffen! Die Kehrseite war, zu sehen, wie wenig in diesem Land auf gute Ernährung und Plastikverbrauch und Klimawandel geachtet wird.
Ich möchte auf jeden Fall nochmal auf die Philippinen und auf die ganzen Inseln reisen, wo ich in den kurzen 5 Wochen nicht zu gekommen bin. Denn die sind (im Gegensatz zu Manila) auf jeden Fall paradiesisch! Auf den Philippinen zu arbeiten kann ich mir aber nicht vorstellen. Es ist schon echt ein hartes Pflaster dort und auch die Bezahlung und Arbeitszeiten sind nicht gut (was die Filipinos selber wissen und sie es auch nicht gut finden, es aber nicht ändern können).
Ich bin froh, in Deutschland zu wohnen und zu arbeiten, und bin ebenfalls froh unseren Standard mehr wert zu schätzen, da ich etwas komplett anderes kennen gelernt habe!

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