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Atahualpa (Ecuador)

Pädiatrie - SCOPH (Public-Health Austausch)
von Johannes, Düsseldorf

Motivation

Ich hege schon seit vielen Jahren den Wunsch den riesigen Kontinent Südamerika zu bereisen. Genau begründen kann ich diesen Wunsch nicht, aber besonders die Kultur der Andenländer und die Schönheit der Natur die mich dort erwarten würde, hat dazu beigetragen. Ursprünglich wollte ich vor allem nach Brasilien, allerdings fing ich während meines Studiums einen spanischen Sprachkurs an und wollte diese Sprache bei meinem Auslandsaufenthalt richtig erlernen. So viel die Wahl auf eines der vielen spanisch sprachigen Länder Südamerikas: Ecuador.

Vorbereitung

Für mich stand fest, dass ich die Famulatur in eine große Reise einbetten will. So habe ich gezielt nach Fördermöglichkeiten, die meine Reise mit einem Sprachkurs und einer Famulatur verbinden würden gesucht. Die BVMD haben mir dafür eine tolle Platform geboten, um sich in einige solcher Projekte einzulesen und stellten etwaige finanzielle Unterstützung in Aussicht.
Ich entschied mich auf einen Restplatz des Projekts Atahualpa in Ecuador zu bewerben. Dafür erhielt ich sehr schnell eine Zusage. Die weitere Kommunikation fand mit Herrn Thomas Grammel statt, der etwaige Fragen auf Deutsch klären konnte. Das senkte die Sprachbarriere, hatte allerdings auf mich den Eindruck, als würden meine Fragen nerven, da die Beantwortung derselben auf mich einen sehr ausweichenden und unprofessionellen Charakter hatte. Ich hätte mir zum Beispiel genauere Informationen zu meiner Unterkunft erhofft, die ich allerdings nicht erhalten hatte mit dem Verweiß, dass ein Wechseln derselben in Ecuador ja möglich wäre. Lasst euch davon nicht verunsichern!

Visum

Ich erhielt bei Ankunft ein 90 Tage Touristenvisum. Ein Arbeitsvisum war nicht nötig. Achtung: bei weiterreise auf dem Landweg beachtet, dass es in Ecuador Vorschrift ist, dass man ein Ausreiseticket vorweisen muss. Die Website https://www.onwardflights.com hat mir dieses Ticket organisiert; auch wenn es am Ende nicht kontrolliert wurde.

Gesundheit

Ich habe mich in der lokalen Impfberatungsstelle beraten lassen und demnach wurde ich geimpft. Ich hatte eine großzügige Reiseapotheke dabei und schloss eine Auslandskrankenversicherung bei der AXA mit freundlicher Unterstützung der Apo Bank ab.

Sicherheit

Man sollte sich in Südamerika generell achtsamer, aber nicht mit Panik bewegen. Ein gesunder Menschenverstand und einige Vorkehrungen machen den Aufenthalt allerdings auch dort sehr sicher: nie viel Geld in der Geldtasche haben; für alle wichtigen Dokumente einen Backup-Plan haben (Kopie des Passes, nicht alle Karten am Selben Ort, Geldgürtel, …); auf Einheimische Tipps zwecks der Sicherheitslage vertrauen (Taxi oder zu Fuß, diesen oder jenen Weg…). Generell macht man sich immer eher zu viele Gedanken; also seht es gelassen und wenn einmal etwas passiert weiß man, dass sich einige Familien im Nachbardorf nicht einmal 25 Cent leisten können, um zum Gesundheitszentrum zu kommen.
Tena ist mir immer als sehr sicher Vorgekommen. Besonders in Touristenzentren wie „La Mariscal“ in Quito oder deren Stadtbusse von Quito ist es sehr wahrscheinlich, das dir jemand etwas klauen will.

Geld

Kreditkarte von Der Apobank ist sehr zu empfehlen. Damit kann man überall problemlos gratis abheben. In Ecuador zahlt man mit USD.














Sprache

Die Landessprache ist Spanisch und Quichua. Ich habe einen Sprachkurs in der Uni bis Level B1 besucht. Nach meiner Ankunft in Quito hatte ich 2 Wochen Einzelunterricht in der Sprachschule Atahualpa. Die beiden Sprachlehrerinnen waren sehr nett und konnten gut auf meine individuellen Kenntnisse eingehen.

Verkehrsbindungen

Das Busnetz in Ecuador ist gut ausgebaut und Preiswert. Autostoppen war für mich eine tolle Möglichkeit Einheimische kennenzulernen und um billig von A nach B zu kommen. Sonst gibt es nicht viele Alternativen.

Kommunikation

Wlan ist überall vorhanden, mit einer mehr oder wenig schnellen Leitung. Simkarten sind günstig zu ersteigern und sinnvoll. Ich hatte eine Karte von Claro.










Unterkunft

Die Unterkunft wurde auch von der Sprachschule organisiert. In Quito lebte ich bei einer sehr netten Gastfamilie, die auch für mich gekocht hat. Leider war die Anfahrt aus dem Stadtteil Conocoto mit 1,5 Stunden durchschnittlich sehr weit. Es gäbe aber auch die Möglichkeit direkt in den Sprachschule sehr zentral zu wohnen, wenn Du das bevorzugst. Die Familie stellte mir ein eigenes Zimmer im Anbau zur verfügung und ich wurde immer mit allem Versorgt, wenn ich denn da war.
In Tena, wo ich meine Famulatur gemacht habe, wohnte ich im Hostal Brisa del Rio am Malecon direkt im Stadtzentrum. Dies würde ich wie ein billiges Hotel beschreiben. Die Küche lädt nicht zum kochen ein, aber das Zimmer war schön und mit Klimaanlage.

Literatur

Lonely Planet Guides
Andreas Altmann: Reise durch einen einsamen Kontinent.











Mitzunehmen

Die Sprachschule stellt eine Liste von Gastgeschenke. Diese scheint nicht mit dem Krankenhaus in Tena abgesprochen zu sein. Einmalhandschuhe sind sehr gerne gesehen, das Nahtmaterial lag nach einem Monat immer noch im Zimmer der Personalvertretung.
Arbeitskleidung und Stethoskop waren selbst mitzubringen.

Reise und Ankunft

Ich reiste selbstständig an und kam an dem vereinbarten Montag in die Sprachschule. Die Sprachschule verrechnet für einen Abholservice 40US$! Nach den ersten 2 Wochen reiste ich nach Tena und meldete mich dort am ersten Tag des Praktikums bei Frau Garcia im ersten Stock gegenüber der Neonatologie. (Sie kommt erst etwa um 8.30 in ihr Büro) Frau Garcia ermöglicht eigentlich alle Wünsche bezüglich der Abteilung.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich wechselte zwischen den Fachabteilungen der Gynäkologie und Pädiatrie. Ich konnte generell überall dabei sein und zuschauen; aufgrund der massiven Überbesetzung (in Ecuador gibt es zu viele AssistenzärztInnen aber zu wenige SpezialistInnen. Das liegt an zu wenigen Weiterbildungsstellen) und Sprachbarriere konnte ich oftmals nicht viel machen. Die Tätigkeit findet täglich von etwa 7.30-16.00 statt mit einer ausgiebigen Mittagspause. Auf den Stationen begleitete ich meistens die Visiten und unterstützte Nachmittags die ArztInnen in der Notaufnahme.
In der letzten Woche hatte ich die spannende Möglichkeit einige Angehörige von Medizinberufen in einem Primärversorgungszentrum (Centro de Salud) am Land zu unterstützen. (genauer gesagt in San Pablo, westlich von Archidona) Dies war eine großartige Möglichkeit um die dort ansässigen Ureinwohner (Quichua) kennenzulernen und zu verstehen mit welchen besonderen Herausforderungen das dortige Gesundheitssystem zu kämpfen hat (Unreines Wasser, Parasitosen, Hausgeburten mit hoher Mutter- und Kindssterblichkeit). Diese Erfahrung kann ich nur jedem Empfehlen! Dort konnte ich auch sehr viel selbst machen, da ich die Konsultationen alleine mit einem Arzt oder einer Ärztin gemacht habe. Ich konnte des Weiteren an einigen Tagen die „Hausbesuche“ in Kindergärten oder entlegenen Merzweckhallen begleiten. Dort war immer ein ArztIn, ein Krankenpfleger/schwester, ein ZahnarztIn und ein Gesundheitsfachmann/frau anwesend. Letztere gibt es nur in Ecuador. Diese Personen besuchen auch in regelmäßigen Abständen jeden EinwohnerIn und sind vor allem für Gesundheitsaufklärung und Prävention zuständig.













































Land und Leute

Ecuador bietet trotz seiner relativ kleinen Größe im vergleich zu seinen Nachbarn 4 Zonen die unterschiedlicher nicht sein könnten: Amazonasbecken, Andenhochland, Küstengebiete und Galapagosinseln. Ich hatte das Glück die ersten 3 Gebiete bereisen zu dürfen.
Im Amazonasbecken habe ich sehr viel Unternommen. Besonderen Dank an die lieben Menschen die für das Projekt https://saberycrecer.org arbeiten. Diese Organisation organisiert viele Projekte, wie zum Beispiel ein Studentenhaus in Tena, eine Tierauffangstation, ein Neubau im Jungel für ein neues Projekt. Meldet euch bei Eduardo oder Siegfried, wenn auch Ihr einen Einblick in deren Arbeit haben wollt. Ihr werden mit atemberaubenden (Wochenend-) Ausflügen belohnt werden!
In der Sierra (dem Andenhochland) habe ich viele Wanderungen unternommen: Ruca Pichincha, Quilotoa Loop, Chimborazo und Parque Nacional Cajas waren allesamt tolle Ausflüge die auch Landschaftlich eine große Varietät geboten haben.
An der Küste kann ich das Surferdörfchen Las Tunas empfehlen. Im Hostel Viejamar kann man wunderbar etwaige stressige Tage vergessen; und das Partydorf Montanita ist ja auch nicht weit!

EcuadorianerInnen kommen mir nicht sehr offen vor. Allerdings sind es sehr nette Menschen, wenn man auf sie zugeht. Das gilt auch für das Krankenhaus. Das Essen ist sehr fleisch- und fischhaltig. Was jedoch auffällt ist, dass die meisten Lebensmittel aus Regionalem Anbau kommen und die meisten Familien ihre Hühner zum Beispiel selbst halten und dann komplett verwerten. Ansonsten gibt es grandioses Obst und Gemüse an jeder Straßenecke.













































Fazit

Die ersten 6 Wochen meiner Reise vergingen wie im Flug. In Quito kam ich nie zur Ruhe, da schier endlose Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung existieren (Kino ocho y medio kann ich zum Beispiel empfehlen). Die Zeit in Tena habe ich sehr gute Freunde kennengelernt mit denen ich auch dort sehr viel unternommen habe. Aber dank des Rückzugsortes im Hostel war auch immer genug Zeit zu entspannen. Das Praktikum im Krankenhaus war viel ähnlicher zu deutschen Spitälern als ich es mir vorgestellt habe. Allein der Mangel an vielen Dingen (zum Beispiel einem CT, Herzkatheter, eine Neurologie oder Handschuhe, …) viel immer wieder auf. Ich hätte gerne mehr Zeit in San Pablo im Gesundheitszentrum verbracht, aber im großen und ganzen wurden meine Erwartungen erfüllt bis übertroffen.
Seid offen und geht auf Leute zu! Ihr werdet mit sehr viel interessanteren Erfahrungen zurückkehren als ihr es euch vorstellen könnt!


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