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Australia (AMSA)

Dermatologie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Larissa, Hannover

Motivation

Da ich wusste, dass es nach dem schriftlichen Staatsexamen für mich noch mal nach Neuseeland geht und ich zudem für ein halbes Jahr vor dem PJ ausgesetzt habe, hat es sich angeboten sich auf eine weitere Famulatur in Australien zu bewerben.

Vorbereitung

Als Vorbereitung habe ich mir die ehemaligen Erfahrungsberichte durchgelesen und nach wichtigen Informationen gesucht. Besonders welche Kleidung man anzieht fand ich gar nicht so leicht zu entscheiden. Ich habe dann 2 längere Kleider und eine schickere Hose mit Bluse mitgenommen.

Visum

Das Touristenvisum konnte man ganz leicht online beantragen und ich habe es gleich bestätigt per Mail zurückbekommen.

Gesundheit

Ich hatte die Auslandskrankenversicherung über die Apobank abgeschlossen und eine Standard Reiseapotheke mitgenommen. Allergietabletten sind in Australien recht teuer. Etwas nervig ist, dass man einmal einen MRSA-Test nach Zusage machen muss und dann einen weiteren kurz vor Famulaturstart.

Sicherheit

In Australien habe ich mich nie unsicher gefühlt. Nachts ist die Beleuchtung definitiv weniger stark als bei uns und in der Zeit wo ich da war, ist es immer recht früh dunkel geworden, aber da hatte ich auch alleine nie Bedenken.

Geld

Ich habe meistens Geld am Automaten abgehoben und dann in bar gezahlt, da ich dann keine Gebühren zahlen musste. Gerade frische Lebensmittel im Supermarkt sind in Australien teurer als bei uns. Auch auswärts essen ist teurer.

Sprache

Das australische Englisch ist sehr gut zu verstehen. Während der Famulatur hatte ich nie Schwierigkeiten die Ärzte oder die Patienten zu verstehen. Medikamentennamen waren schon eher eine Herausforderung, besonders da es oft auch andere Hersteller waren.

Verkehrsbindungen

Perth ist sehr weitläufig und ich habe eher außerhalb gewohnt. Wenn man in der Nähe einer Zughaltestelle wohnt, ist das Reisen kein Problem, denn die Züge sind schnell und pünktlich. Leider gab es bei mir nur eine Bushaltestelle die 1 km von meiner Unterkunft entfernt war. Die Busse waren voll, haben lange gebraucht und auch oft nicht pünktlich. Mit der Smart Rider Card hat eine Fahrt zum Krankenhaus 2,70 Euro gekostet.
Da ich bei dem schönen Wetter nicht meine ganze Zeit im Bus verbringen wollte bin ich eigentlich immer Fahrrad gefahren und habe am Ende knapp über 1.000km mit dem Rad zurückgelegt. Um zu Reisen braucht man eigentlich ein Auto.

Kommunikation

Es gibt recht gute Simkarten Pläne in Australien. Ich habe insgesamt 28 Euro bezahlt und dafür hatte ich eine Simkarte, unendliche Freiminuten und SMS und zudem 2 Monate jeweils 32GB. Da ich im ersten Monat nur 2GB verbraucht habe (ich hatte W-LAN in der Unterkunft), hatte ich im zweiten dann noch 62GB.

Unterkunft

Ursprünglich wurde mir gesagt, dass ich in einer Gastfamilie untergebracht bin und hatte mich aufgrund vieler sehr positiver Erfahrungsberichte sehr darauf gefreut. Nun war es aber so, dass ich meine eigenen Räume hatte, die an das Haus eines älteren Ehepaares (beide 85) angebaut waren. Die Küche bestand aus einer Gasherdplatte, kleinen Kochtöpfe, Mikrowelle, Toaster, Sandwichmaker und Wasserkocher. Um wirkliche Mahlzeiten zu kochen musste man doch sehr improvisieren. Zudem musste ich die Unterkunft erst mal putzen als ich angekommen bin. Sehr viel Staub, Spinnen, Spinnenweben und auch Schimmel auf Lebensmitteln die Gäste vor mir dagelassen hatten…

Literatur

Ein wirkliches Buch hatte ich nicht. Für Anregungen habe ich die Erfahrungsberichte gelesen und dann Sachen im Netz nachgeguckt. Vor Ort habe ich mir dann Infos von der Touristeninformation geholt. Ich hatte für das Praktikum ein englisches Fotobuch mit dermatologischen Erkrankungen dabei, dass ich für einen Euro in unserer Unibücherei entdeckt habe.

Mitzunehmen

Sonnencreme empfiehlt sich mitzunehmen. Kann man natürlich auch vor Ort kaufen aber ist teurer. Kopfbedeckung ist auf jeden Fall auch sinnvoll. Meistens hat die Sonne wirklich den ganzen Tag geschienen und es war keine Wolke zu sehen. Falls ihr habt Schnorchel und Taucherbrille.

Reise und Ankunft

Ich bin extra die Woche eher in Perth angereist, da ich noch einen aktuellen MRSA Test machen musste. Ich wollte dann auch Freitags schon meine Sicherheitskarte beantragen aber da war das Gerät kaputt. Als ich schon da war hat sich rausgestellt, dass der Montag ein Feiertag ist an dem ich nicht arbeiten musste.
Vom Flughafen musste ich erst mit dem Bus zum andern Terminal und dann mit zwei andern Bussen zu der Unterkunft. Das hat alles echt lange gedauert und leider hat meine „Gastfamilie“ mir die falsche Bushaltestelle genannt, so dass ich mit Gepäck ein ganzes Stück zur Unterkunft laufen durfte.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe 4 Wochen in der Dermatologie verbracht und habe von Anfang an einen festen Plan erhalten, wann ich wo zu sein habe. Dieser ging über zwei Wochen und dann bin ich wieder von vorne gestartet. Die Zeiten waren normalerweise 8:30 – 12 und dann 14-17 Uhr. Mittwochs und Freitags war der Mittag frei dafür ging es Donnerstags schon um 7:30 mit einer pathologischen Vorlesung und anschließender Konferenz los.
Für die Dermatologie hatte ich mich entschieden, da ich so im Studium bisher wenig Einblicke hatte und man immer wieder hört, dass man in Derma viele Sachen per Blickdiagnose beurteilen kann und darin wollte ich gerne besser werden. Zudem gibt es in Australien viel Hautkrebs.
Meine Tage waren sehr abhängig davon in welchem Sprechzimmer ich mit welchem Arzt in welchem Krankenhaus war. Insgesamt war ich in 4 verschiedenen Krankenhäusern. Eines davon war das ganz neue Kinderkrankenhaus. Das sah wirklich eher wie ein Hotelkomplex aus. Hier habe ich sehr viele Hämangiome und Kinder mit atopischer Dermatitis zu Gesicht bekommen. In den andern Krankenhäusern waren primär Erwachsene Patienten. Eines dieser Krankenhäuser war ebenfalls sehr neu und hatte sogar einen Subway. Ich war nur zweimal auf Station zu kurzen Konsilen. Ansonsten waren es alles Patienten, die einen Termin in der dermatologischen Sprechstunde hatten. Viele mussten auf den Termin über ein Jahr warten. Skin-Checks macht eigentlich der Hausarzt und viele Hausärzte entfernen beziehungsweise biopsieren verdächtig aussehende Hautstellen selbst in ihrer Praxis. Skin-Checks habe ich aber auch viele gesehen und auch bei ambulanten Biopsien, Lappenplastiken und Hauttransplantationen durfte ich zusehen.
Meist habe ich mit andern Studenten auf die verschiedenen Registers verteilt. Dann ist es so, dass alle Patienten Akten in der Reihe in der die Patienten kommen und dran sind auf einen Haufen gelegt werden und immer wer mit seinem Patienten fertig ist, nimmt den nächsten vom Stapel. Es war also immer Glück ob es spannende Fälle gibt oder den ganzen . So gut wie immer hat danach ein Consultant sich den Patienten auch noch mal angeschaut, beziehungsweise die Registrars haben das Procedere immer noch einmal mit den höher gestellten Ärzten durchgesprochen. Das hat teilweise zu sehr langen Wartezeiten geführt, da meist nur ein Consultant und mehrere Registrars da waren. Die Zeit habe ich meist mit den unterschiedlichen Patienten gequatscht, da auf dem Flur warten definitiv nicht spannender war. Ich habe viele dermatologische Krankheitsbilder gesehen und konnte auch immer fragen stellen aber die Ärzte waren auch oft im Stress. Kaffee Pausen gab es nie. Teilweise gab es sehr coole Consultants, die bei spannenden Fällen auch die Studenten dazu geholt haben. Manchmal hatte ich auch das Glück, dass ein Consultant Sprechstunde gehalten hat und das war dann meist doch spannender, da man mehr Fälle sieht und teilweise auch spannendere.
Für jeden Vormittag und jeder Nachmittag habe ich von einem der Ärzte eine Unterschrift erhalten und man durfte insgesamt maximal 20 Prozent fehlen. Meine Betreuerin war immer nur Montags im Krankenhaus und nach der ersten Woche hatte ich dann ein Gespräch mit ihr und wir haben den Plan so angepasst, dass ich Mittags nicht mehr die Krankenhäuser wechseln musste. Denn die vier Krankenhäuser lagen meist auch nochmal 10-20km auseinander. Die Registrars mussten auch zwischen den Häusern wechseln. Einen Platz zur Weiterbildung in der Dermatologie in Perth zu bekommen ist wohl sehr schwer, alle 2 Jahre werden 2 Leute genommen.
Ich bin in der Zeit auf jeden Fall sehr viel Rad gefahren, da ein Weg meist schon 20km waren. Ich habe dann im Krankenhaus von Sport auf schicke Klamotten gewechselt. Das war für mich definitiv eine Umstellung. Auch bei den ambulanten OPs haben die Männer Anzugshose und lange Hemden getragen, die dann aufgekrempelt wurden und darüber dann einen Kittel.
Interessant fande ich auch, dass in Perth das Medizinstudium ein post graduate Studiengang ist. Das heißt alle haben vor Studienbeginn einen beliebigen anderen Abschluss gemacht (beispielsweise in Kunst, Musik, Französisch) und dann noch 4 weitere Jahre Uni. Das Medizinstudium in Australien ist nicht einheitlich geregelt und mir wurde erklärt, dass es an den unterschiedlichen Unis unterschiedlich lang ist.

Land und Leute

März war auf jeden Fall eine sehr gute Reisezeit für Perth. An fast allen Tagen war es zwischen 28 und 32 Grad. Fast immer hat die Sonne geschienen und den ganzen Tag war keine Wolke zu sehen. Einen Tag hatten wir mit über 40 Grad, das war echt schon sehr heiß, deswegen war ich froh nicht im Hochsommer meine Famulatur gemacht zu haben. In den Krankenhäusern selber ist es übrigens echt kalt. Ich habe fast immer eine lange Hose oder Strumpfhose und Pullover oder Jacke getragen.
Sehr positiv überrascht war ich von der lokalen Austauschgruppe vor Ort. Ich hatte vorher in Berichten immer nur gelesen, dass eigentlich kein Social Program angeboten wird. Das hat sich zum Glück nicht bestätigt. Es hat sich dort gerade eine komplett neue Gruppe gebildet und alle waren sehr motiviert. Mir wurde auch ein Buddy zugewiesen dem ich alle Fragen stellen durfte. Mein Buddy war an der Uni sehr aktiv und hat mich zu allen Veranstaltungen eingeladen und mitgenommen bei denen sie auch war. So war ich auf einer Cocktailparty zum Thema Frauen in der Chirurgie, auf dem internationalen Austauschabend und auch bei einer Abendveranstaltung wo 2 Ärzte ihre spannendsten Fälle vorgestellt haben. Mit der Austauschgruppe waren wir auch Essen und in einem Freiluftkino im Kings Park.
Mit meiner Gastfamilie hatte ich nicht super viel Kontakt. Wir waren mal Kaffee trinken und ich habe ein paar mal für sie gekocht (hatte den Vorteil, dass ich dann eine wirkliche Küche nutzen konnte :D). Zudem haben sie mich Sonntags morgens mit auf den Markt genommen. Ansonsten muss man halt sagen, dass die beiden auch einfach schon älter waren und dafür zwar noch recht fit aber natürlich nicht mehr super fit. Ich habe sie auch öfter gar nicht gesehen aber es hieß immer wenn etwas fehlt soll ich nachfragen. Klasse war, dass mir ein Fahrrad für meine Zeit da geliehen wurde und mir auch geholfen wurde das Rad wieder etwas in Schuss zu bringen. Mit mir war gleichzeitig ein anderer Austauschschüler aus Italien da, bei ihm war es etwas anders, die Gastfamilie hat immer gekocht oder ihn zum Essen eingeladen, Ausflüge mit ihm gemacht, sogar Wäsche gewaschen und er durfte auch deren Auto leihen. Gastfamilie ist halt immer unterschiedlich. Persönlich hätte ich eine WG bevorzugt aber viele der Studenten in Perth wohnen entweder zu Hause oder im Wohnheim.
Ohne Auto ist wirkliches Reisen doch schwer. Mit dem Italiener und einer weiteren Austauschstudentin aus England bin ich ein Wochenende in den Süden gefahren und haben eine Nacht in Margaret River verbracht und sind von dort nach Pemberton gefahren. Da kann man Bäume hochklettern, die früher als Aussichtsturm gedient haben um vor Waldbränden zu warnen.
Fremantle ist besonders am Wochenende einen Besuch wert. Auf dem Markt dort kann man günstig Obst und Gemüse kaufen. Es gibt auch viele schöne Kaffees und Shops, die etwas Besonderes sind. Das gute Wetter in Perth hat mir auf jeden Fall sehr gut gefallen. Ich bin viel Rad gefahren, im Swan River habe ich auch öfter Delfine gesehen. Die Strände sind auch traumhaft schön und Rottnest Island würde ich auch auf jeden Fall empfehlen. Ich hatte mich dazu entschieden eine Nacht unter der Woche auf der Insel zu verbringen und das schöne dabei war, dass man den Touristenmassen so aus dem Weg geht.

Fazit

Meine Zeit in Perth hat mir sehr gut gefallen. Von den andern Medizin Studenten wurde ich super aufgenommen und auch in der Dermatologie habe ich viele unterschiedliche Krankheitsbilder zu Gesicht bekommen.
Australien ist nur einfach zu groß um es in 6 Wochen zu erkunden, deswegen muss ich wohl noch mal wiederkommen :)

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