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Eat to Fight your Disease (Ruanda)

Pädiatrie - SCOPH (Public-Health Austausch)
von Anja, Mannheim

Motivation

In der Vorklinik war ich bei einem Infoabend der BVMD, in der auch ein Public Health Austausch vorgestellt wurde. Seit diesem Abend war ich begeistert von der Idee, ein Land von einer ganz anderen Seite kennenzulernen. Afrika unterscheidet sich in jeglicher Hinsicht von Deutschland, was mir allerdings auch den Anreiz gab, mich für dieses Projekt zu unterscheiden. Allerdings ist bei Eat to fight your Disease zu beachten, dass diese eine Famulatur vermitteln. Es ist also kein „reiner“ Public Health Austausch, was ich erst bei der Zusage realisiert habe. Man kann trotz allem vor Ort helfen und das Projekt unterstützen.

Vorbereitung

Nach der Zusage durch die BVMD wird man hauptsächlich durch Eat to fight you Disease betreut. Es gibt ein Facebookgruppe, in der alle Freiwilligen beigetreten sind und immer bei Fragen helfen. Alle wichtigen Informationen zu der Famulatur, Unterkunft, Transport, etc bekommt ihr von Eat to fight your Disease. Man muss sich nochmal bei dem Krankenhaus gesondert bewerben, was etwas Nerven und Zeit kostet, da die zuständigen Personen in Ruanda teilweise sehr spärlich antworten. Kümmert euch allerdings frühzeitig darum, da manchmal der zugesagte Zeitraum durch die BVMD nicht mit dem Zeitraum übereinstimmt, der für das Krankenhaus in Butare möglich ist. Haltet euch am Besten an die Erfahrungen der anderen Freiwilligen in der Facebookgruppe. Bevor ihr hinfliegt, benötigt ihr unbedingt einen Acceptance Letter, den ihr von dem Krankenaus bekommt. Andere deutsche Medizinstudenten unterstützen euch aber, falls ihr Probleme habt, diesen zu bekommen.
Bei der Zusage durch die Eat to fight your Disease durfte ich mir auch meine Station aussuchen, auf der ich famulieren möchte. Ich habe mich für die Pädiatrie entschieden, aber man kann auch Gynäkologie, Innere oder Chirurgie wählen.
Ich war am Anfang sehr verwirrt, wie der genaue Name der Stadt lautet, da man Butare und Huye als Namen findet. Der offizielle Name lautet Huye, im Ausland war eher der Name Butare geläufig (so war zumindest mein Eindruck). Huye hieß früher Butare, der Präsident hat einige Jahre nach dem Genozid alle Städte umbenennen lassen.

Visum

Es ist sehr einfach, ein Visum für Ruanda zu beantragen. Man kann entweder vor Ort am Flughafen ein Visum für 30 Tage erhalten, oder man beantragt ein East Africa Visum online im Voraus. Dieses gilt dann für 90 Tage und ist zusätzlich für Uganda und Kenia gültig. Je nachdem, ob man noch weitere Reisen geplant hat, lohnt sich das teurere East Africa Visum.
Offiziell benötigt man noch das N2 Visum, da man im Krankenhaus arbeitet. Allerdings ist das ein erheblicher bürokratischer Aufwand und kann nur vor Ort beantragt werden. Ich habe es nicht beantragt und hatte auch keine Probleme.

Gesundheit

Als Malariaprophylaxe habe ich Malarone genommen und hatte damit auch keine Probleme. Ebenso habe ich von allen anderen Freiwilligen nichts Gegenteiliges gehört. Ansonsten sind die allgemeinen Reiseimpfungen (Gelbfieber, Typhus, Meningokokken ACWY und Tollwut) definitiv empfehlenswert. Ich hatte z.b. ein Kind mit Zustand nach Typhusinfektion auf Station und war froh, die Impfung zu haben. Je nach Krankenkasse werden die Impfungen auch übernommen, informieren lohnt sich hier!
Ich hatte eine gut ausgestatte Reiseapotheke dabei, allerdings gibt es in Butare auch viele Apotheken, falls ihr etwas benötigt.
Im Krankenhaus gibt es eine gesonderte Tuberkulosestation, trotzdem ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ihr Patienten ungeschützt behandelt (vor allem in der Inneren sind viele Tuberkulosepatienten). Zusätzlich gibt es im Krankenhaus kaum Handschuhe und Desinfektionsmittel, bringt deswegen selbst genug mit. Ebenso müsst ihr OP-Kleidung (falls ihr in den OP geht), Kittel und Stethoskop mitbringen.

Sicherheit

Ruanda ist ein sehr sicheres Land, allerdings muss man sich an die hohe Armeepräsenz erst etwas gewöhnen. Ich war die ersten Tage allein in der Hauptstadt Kigali, aber ich habe mich nie unsicher gefühlt.

Geld

Die Währung in Ruanda heißt Rwanda- Franc (RWF) und der Umrechungskurs ist ca 1 €:1000 RWF. Visa und Mastercard- Kreditkarten werden von meisten Bankautomaten akzeptiert.
Vor der Abreise habe ich zusätzlich Dollar mitgenommen, da ich nachts angekommen bin und ich erstmal das Taxi zum Hostel bezahlen musste. Ansonsten gib es zahlreiche Bankautomaten. Allerdings ist eine Kartenzahlung in den wenigsten Restaurants und Läden möglich. Es werden aber auch immer Dollar akzeptiert, falls man keine Franc hat.

Sprache

Die Hauptsprache in Ruanda ist Kinyarwanda. Oft wird auch Englisch oder Französisch gesprochen, beides allerdings mit einem sehr starken Akzent. Die ältere Bevölkerung spricht eher Französisch, die jüngeren eher Englisch. Im Krankenhaus wird fast alles in Englisch unterrichtet, trotz allem kann es passieren, dass die Visite zum größten Teil auf Kinyarwanda abgehalten wird. Oft wechseln die Studenten und Pfleger fließend im Satz zwischen Englisch, Französisch und Kinyarwanda hin und her, was teilweise sehr verwirrend ist. Man gewöhnt sich jedoch schnell daran.

Verkehrsbindungen

Von Deutschland gibt es keine Direktflüge nach Ruanda. Ich bin von Frankfurt gestartet und in Brüssel umgestiegen. Ich habe ungefähr 6 Monate im Voraus gebucht, 2-3 Monate im Voraus ist der Flug aber noch gleich teuer gewesen.
Im Land selbst ist der öffentliche Verkehr recht gut ausgebaut. Es gibt Reisebusse, mit denen man durch das Land fahren kann. Innerorts sind Motorräder als Taxis sehr beliebt und auch billig.

Kommunikation

In den Hostels in der Hauptstadt Kigali gibt es meistens WLAN, im Gegensatz zu der Unterkunft in Butare. Ihr benötigt unbedingt eine SIM-Karte, allerdings sind diese auch sehr billig (ca 10,- für 10 GB). In den Städten ist das Mobilfunknetz auch recht gut ausgebaut, nur in den Nationalparks hat man manchmal Funklöcher, was man aber gut verkraftet.

Unterkunft

Von ETFYD wird vorgeschlagen, im Haus der Organisation RVCP zu schlafen. RVCP ist eine ruandische Studentenorganisation, die sich für soziale Zwecke einsetzt. Die Miete ist mit 200 $ verhältnismäßig teuer, aber man unterstützt ein wohltätiges Projekt. Zudem ist immer ein Student vor Ort, der sich darum kümmert, dass Strom und Wasser immer funktionieren. Zudem helfen sie mit dem Transport von Kigali nach Butare und sind auch sonst super nett. Wir konnten sie einmal begleiten, als sie Schuluniformen und Rucksäcke an Kinder in einer Grundschule verteilt haben. Auch sonst stehen sie immer für alle Fragen bereit. Die Unterkunft liegt ungefähr 20 min zu Fuß vom Krankenhaus entfernt. Die meisten deutschen Studenten, die eine Public Health Austausch machen, wohnen dort. Dadurch hat man auch immer Gesellschaft und kann gemeinsam Wochenendausflüge planen. In allen Zimmern stehen immer zwei Betten, manchmal sind allerdings nicht alle Betten besetzt und man hat sein eigenes Zimmer.
Alternativ gibt es noch das Studentenwohnheim, das nur ungefähr 50 $ kostet. Allerdings hat man nur kaltes Wasser zur Verfügung, dafür wohnt man direkt neben dem Krankenhaus.

Literatur

Da ich kurz vor dem Abflug noch Prüfungsphase hatte, konnte ich mich nicht allzu intensiv mit passender Lektüre beschäftigen. Ich hatte allerdings den Reisefüherer von Iwanowski’s für Uganda und Ruanda dabei und war damit auch zufrieden.

Mitzunehmen

Für das Krankenhaus müsst ihr auf jeden Fall euren Kittel mitnehmen. Da ich selbst auch Patienten untersucht habe, habe ich auch mein Stethoskop oft gebraucht. Pupillenleuchte und Reflexhammer benötigt ihr eher nicht. Falls ihr euren Ausweis mit Zipper für den Kittel nicht aus Deutschland mitnehmt, müsst ihr für 1,- dort einen kaufen.
Ansonsten gibt es kaum Handschuhe und Desinfektionsmittel. Ihr müsst diese Sachen also selbst aus Deutschland mitbringen. Falls ihr in die Chirurgie geht, braucht ihr noch OP- Kleidung und Schuhe.
Für Ausflüge am Wochenende sind Wander- oder gute Laufschuhe sinnvoll, wenn ihr in den Nyungwe Forest oder Volcano Nationalpark wollt. Ein Moskitonetz gibt es im RVCP Haus und die meisten Netze waren in den Hostels in Ordnung. Falls ihr trotzdem eins besitzt, schadet es nicht, es mitzunehmen.
Tagsüber hat es zwischen 25-30 Grad (ich war im März, es war Ende der Trockenzeit/Anfang Regensaison). Ihr werdet noch mehr angestarrt, wenn ihr kurze Hosen oder Kleider anzieht. Nehmt also luftige lange Hosen mit, T-Shirts sind kein Problem. Für abends braucht ihr Pullover, da es teilweise doch frisch wird.
Adapter für die Steckdose werden allerdings nicht benötigt.

Reise und Ankunft

Ich bin mit Brüssel Airlines nach Kigali geflogen und alles hat problemlos geklappt. Die ersten Tage habe ich dort alleine verbracht und habe die Stadt besichtigt. Ein Student von RVCP hat mich dann vom Hostel abgeholt und mich zum Busbahnhof in Kigali gebracht. Von dort fährt man ca 2,5-3h nach Butare. Dort wurde ich wieder abgeholt und zur Unterkunft begleitet, wo ich sehr herzlich empfangen wurde.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich war in der Pädiatrie, und bin währenddessen durch die Neonatologie, Akut-/ Normalstation und durch die Notaufnahme rotiert. Alle drei Stationen waren ganz unterschiedlich. Es war etwas anstrengend, da man sich durch das ständige Wechseln nie richtig eine Routine erarbeiten konnte. Dadurch habe ich allerdings viele verschieden Bereiche kennengelernt, was ich sehr spannend fand.
In meiner ersten Woche war auf der Neonatologie. Dort habe ich auch schnell meine eigenen Patienten bekommen, was mich etwas überfordert hat. Insgesamt herrscht dort die Mentalität „du machst das schon irgendwie richtig“ und ich hatte das Gefühl, dass die Studenten seltener nachfragen, wenn sie sich bei verschiedenen Sachen unsicher sind.
Eine Neonatologie-Intensiv in Ruanda ist sehr spannend. Die meisten Kinder haben verschiedene Infektionen und es ist eine der wenigen Stationen, auf der es genug Desinfektionsmittel gibt. Beatmungsgeräte gibt es dort für die Frühchen nicht, aber eine „hauseigene CPAP“. Das bedeutet, dass der Sauerstoff mit 5l/min per Nasensonde verabreicht wird. Manche Probleme werden in Ruanda also nicht ganz klassisch gelöst, aber die Ärzte versuchen ihr Bestes. Ansonsten war der Stationsablauf ganz klassisch. Die Studenten haben morgens um 7 Uhr angefangen. Morgens hat man die Patienten untersucht und den Verlauf seit dem Vortag dokumentiert, um diese dann bei der Visite vorzustellen. Mittags haben wir meistens in der Cafeteria gegessen, in der es immer African Buffet gab (für ca 1€). Nachmittags gab es immer noch Unterricht, in dem ein Vortrag von einem ruandischen Studenten gehalten wird. Da ich aber nicht bei der Themenvergabe anwesend war, musste ich glücklicherweise kein Thema vorstellen.
Auf der Akutstation war der Ablauf ähnlich: um 7 Uhr Pre-Round, dann Visite und nachmittags Unterricht. Vor allem dort hatte man engen Patientenkontakt und ich hatte auch hier meinen eigenen Patienten. Dort haben mir vor allem die Studenten geholfen und immer bei der Anamnese übersetzt, da meine Patienten meist nur Kinyarwanda konnten.
Dann war ich noch ein paar Tage in der Notaufnahme, die aus einem Raum und drei Betten besteht. Je nach aktueller Lage saß man arbeitslos herum oder es gab viel zu tun- zumindest für die Studenten. Für mich gab es selten Arbeit und ich konnte kaum helfen. Ich habe dann aber oft eigenständig Kinder nochmal untersucht, um ein bisschen Routine zu bekommen.
Im Vergleich mit den deutschen Studenten, die auf anderen Stationen ihre Famulatur gemacht haben, würde ich sagen, dass die Pädiatrie die wahrscheinlich arbeitsreichste Fachrichtung im Krankenhaus ist. Allerdings darf man auch viel selbständig machen, und die Ärzte und Studenten sind sehr motiviert, viel zu erklären. Es wird meist versucht, nach amerikanischen Leitlininen zu handeln, auch wenn die finanziellen Mittel es nicht zulassen. Die Ärzte fragen die Studenten viel bei der Visite ab, dabei wird man selbst auch nicht ausgelassen. Je nach Laune des Arztes kann es allerdings passieren, dass der meiste Teil der Visite auf Kinyarwanda abläuft. Die Ärzte und Studenten haben einen sehr starken Akzent im Englischen und wechseln oft fließend zwischen Englisch, Französisch und Kinyarwanda hin und her (auch mitten im Satz). Besonders am Anfang hatte ich dadurch etwas Probleme, aber irgendwann gewöhnt man sich daran.
Insgesamt habe ich auch viele Dinge erlebt, die natürlich in Deutschland nie so passieren würden. Zum Beispiel werden die meisten Fehlbildungen erst nach Monaten entdeckt, sodass man gerade in der Notaufnahme viele Kinder mit Herzfehlbildungen gesehen habe. Ansonsten sind natürlich Unterernährung oder Malariakomplikationen alltägliche Probleme, mit denen man so ziemlich jeden Tag konfrontiert wird.
Mir hat die Famulatur definitiv sehr viel Spaß gemacht und ich habe wirklich viel gelernt!

Land und Leute

Die Leute in Ruanda sind sehr nett und hilfsbereit! Auch wenn sie teilweise nur ein paar Wörter Englisch verstehen, versuchen sie immer zu helfen. Allerdings muss man sich daran gewöhnen, überall angestarrt zu werden. Die Leute rufen auch immer „Mzungu“, was „Weiß“ bedeutet. Ebenso wird man immer anders behandelt, z.b. keine Sicherheitskontrolle beim Einkaufszentrum. Dadurch fühlt man sich teilweise unwohl, aber ich habe mich nie unsicher gefühlt. Man sammelt aber auch immer Pluspunkte, wenn man ein paar Wörter Kinyarwanda kann.
Das Land selbst ist unglaublich schön! Es wird auch „Country of a thousand hills” genannt und den Namen hat Ruanda definitiv verdient. Selbst in der Trockenzeit ist es sehr grün. Wir haben jedes Wochenende genutzt, um zu den verschiedenen Nationalparks zu fahren. Falls man noch nie eine Safari gemacht hat (und danach auch nicht weiterreist), lohnt sich der Akagera Park! Dort kann man viele Zebras, Affen, Antilopen, etc. und wenn man Glück hat auch Elefanten sehen. Im Nyungwe Forest kann man Wandertouren machen, die durch den Regenwald führen. Mit viel Glück sind man auch ein paar freilebende Affen beim Wandern. Im Volcano Nationalpark sind wir auf den Mount Bisoke hochgewandert. Da so langsam schon die Regenzeit begonnen hat, war der Weg doch recht schlammig und rutschig. Gutes Schuhwerk ist hier auf jeden Fall empfehlenswert, aber der anstrengende Aufstieg lohnt sich. Auch hier kann man anscheinend wilde Gorillas sehen, was bei uns aber nicht zutraf. Natürlich kann man dort auch ein Gorillatracking machen, was aber uns allen für ca 1500 $ doch zu teuer war. Alle Nationalparks kann man jeweils an einem Wochenendtrip besichtigen. Im RVCP Hause findet sich immer jemand, der mitmöchte, sodass man auch nie alleine unterwegs ist.
In Butare selbst kann man die Nachmittage nutzen, um das ethnographische Museum anzuschauen, Eis zu essen oder eine Kaffeeplantage zu besichtigen. Ruanda hat einen unglaublich guten Kaffee, den ihr unbedingt probieren solltet. Abends kann man entweder Yoga machen (ca 3€ pro Stunde) oder sich beim Aerobic auspowern (ca 1€). Beides macht super viel Spaß und ist definitiv zu empfehlen. Euch wird also nie langweilig!
Wir sind selbst immer viel Essen gegangen, aber man kann natürlich auch kochen. Es gibt auch einen Markt, der täglich stattfindet. Dort findet ihr immer frisches Obst, das auch sehr günstig ist. Man kann sich auch Stoffe raussuchen, die in Afrika natürlich sehr farbenfroh sind. RVCP hat ein Nähprojekt, bei dem euch aus den mitgebrachten Stoffen etwas schneidern lassen könnt.

Fazit

Insgesamt hatte ich einen tollen und erlebnisreichen Monat in Ruanda. Das Krankenhaus kennenzulernen war unglaublich spannend. Auch das Land selbst ist definitiv eine Reise wert und ich kann es nur empfehlen!

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