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Thailand (IFMSA-Thailand)

Gynäkologie - SCOPE (Famulaturaustausch)
Anonym

Motivation

Ich wollte eine andere Kultur und die medizinische Versorgung in einem anderen Land kennenlernen, weshalb ich auch in ein nichteuropäisches Land wollte. Ich glaube, dass man viel durch so eine Erfahrung in seinem Umgang mit der Medizin in Deutschland mitnehmen kann.

Vorbereitung

Ich habe bereits meinen Flug gebucht, bevor ich meine endgültige Zusage hatte, weil sie zu dem Zeitpunkt noch relativ günstig waren. Ich habe mich impfen lassen und mich um mein Visum gekümmert. Ca. einen Monat vor meiner Abreise habe ich alle nötigen Informationen von meiner Kontaktperson bekommen und sie mir durchgelesen. Alles andere wollte ich vor Ort auf mich zukommen lassen.

Visum

Für Thailand muss man ein Touristenvisum (30 €) oder ein Education Visum (60 €) beantragen, sobald man länger als 30 Tage in dem Land verbringt. Dafür kann man ohne Termin in eine thailändische Botschaft oder ein Konsulat gehen.

Gesundheit

Ich habe mich rechtzeitig informiert, welche Impfungen ich für Thailand brauche und diese auch durchgeführt (Hepatitis A und B, Tollwut, Typhus, Meningitis, Grippe). Meine Auslandskrankenversicherung galt für einen Zeitraum von bis zu 60 Tagen am Stück. Deswegen brauchte ich mich nicht extra darum zu kümmern. In meine Reiseapotheke kam alles, was ich Zuhause hatte, aber keine spezielle Malariaprophylaxe, die mir mein Hausarzt empfohlen hatte. Zur Not ist man ja auch direkt am Krankenhaus angebunden.

Sicherheit

Ich habe keine speziellen Vorkehrungen hinsichtlich der Sicherheit getroffen. Mein Bargeld und meine wichtigen Dokumente habe ich allerdings stets separat bei mir in einer kleinen Bauchtasche getragen. Zurzeit bestehen für Thailand auch keine Reisewarnungen.

Geld

In Thailand wird mit thailändischen Baht bezahlt. Da es viele kleine Stände und Märkte gibt, empfiehlt es sich, immer etwas Bargeld dabei zu haben. Das regionale Essen ist vergleichsweise günstig und kostet oft nur umgerechnet 1-2 €. Genauso günstig ist Taxi fahren und generell der Personentransport. Alles andere - vor allem westliches - kostet genauso viel wie in Deutschland oder ist sogar teurer.

Sprache

In Thailand spricht man Thailändisch. Diese Sprache ist sehr schwer zu lernen, aber, wenn man ein paar Ausdrücke wie „Hallo“ und „Danke“ sagen kann, freuen sich die Menschen vor Ort sehr. Mit Englisch kommt man im Krankenhaus auf jeden Fall zurecht. Auf Märkten oder beim Essen gehen gibt es auch häufig eine englische Karte, allerdings verständigt man sich dann meistens mit Händen und Füßen, was auch gut funktioniert.

Verkehrsbindungen

Nach Thailand kann man, wenn man rechtzeitig bucht, für 600-800 € mit dem Flugzeug reisen. In Bangkok gibt es ein gut ausgebautes „Skytrain“-Netz und eine Bahn, die direkt zum Flughafen fährt. Ansonsten ist das Taxi das Verkehrsmittel der Wahl. Allerdings kann man mit einem Taxi auch sehr lange im Stau stehen. Von den Tuk-Tuks würde ich persönlich abraten, weil diese immer teurer als Taxis sind.

Kommunikation

Ich habe mir vor Ort eine Simkarte für umgerechnet 10 € für einen Monat mit unbegrenztem Internet gekauft. Im Wohnheim bekommt man aber auch einen kostenlosen WLAN-Zugang für einen Monat und eduroam ist auch verfügbar.

Unterkunft

Ich habe im Mädchenwohnheim direkt auf dem Krankenhausgelände gewohnt. Das Viererzimmer habe ich mir mit einer anderen deutschen Austauschstudentin geteilt. Das Gemeinschaftsbad und ein Gemeinschaftsraum mit Kühlschrank und Mikrowelle war am Ende des Flurs für das gesamte Stockwerk. Alles war sehr sauber und ich hatte die Möglichkeit für 13 € im Monat meine Wäsche waschen zu lassen.

Literatur

Ich kann vor Abreise die Internetseite vom Auswärtigen Amt empfehlen. Dort stehen alle Reise- und Sicherheitshinweise, auf die man achten sollte. Als Reiseführer kann ich den Lonely Planet oder Reiseblogs im Internet empfehlen.

Mitzunehmen

Man muss natürlich angemessene Krankenhauskleidung, seinen Kittel und ein Stethoskop etc. mitbringen. Ich war froh, dass ich meine kleine Reiseapotheke dabeihatte und grade in sonnigen Ländern muss man an Sonnencreme denken, da diese vor Ort auch ganz schön teuer ist.

Reise und Ankunft

Ich bin mit dem Flugzeug nach Thailand geflogen und einen Abend vor Praktikumsbeginn angekommen. Vom Flughafen wurde ich von meinen Kontaktpersonen abgeholt. Sie haben mich in mein Studentenwohnheim gebracht und mir das Krankenhausgelände gezeigt und mir gesagt, wo ich am ersten Praktikumstag sein muss.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich war in der Gynäkologie und Geburtshilfe eingeteilt, welches auch mein Wunsch war. An meinem ersten Tag habe ich einen Wochenplan bekommen, in dem stand, wo ich an welchem Tag sein muss. Jeden Tag bin ich rotiert und war auf einer anderen Station, aber immer mit demselben Team, eingeteilt. So war ich im Kreißsaal, im OP, in der Ambulanz, in der Schwangerenvorsorge und in der Familienplanung.
Mein Tag begann entweder um 8.30 Uhr oder 9 Uhr und endete meist schon um 12 Uhr, spätestens aber um 15 Uhr. Ich nahm also nur an Visiten und den spannenden und praktischen Tätigkeiten teil. Nachmittags hatte ich Zeit zum Selbststudium oder auch zum Stadt angucken. Die Thailänder arbeiten allerdings sehr viel länger. Für sie startet der Tag meist schon um 6 Uhr und endet gegen 16 Uhr, wenn sie nicht im Anschluss noch eine Nachtschicht haben.
Ich habe auch an „Grand Rounds“ teilgenommen, die extra für mich auf Englisch abgehalten wurden. Freiwillig durfte ich mir auch noch andere Bereiche der Gynäkologie, wie z.B. die Onkologie oder die Infertilitätsklinik angucken oder an Konferenzen teilnehmen. Ich bin meistens mit den Ärzten oder den anderen Studenten mitgelaufen und habe hauptsächlich zugeguckt und durfte auch ab und zu selber Untersuchungen durchführen. Die Anamnese zu erheben gestaltete sich eher schwierig, da die meisten Patienten nur Thailändisch sprechen konnten. Die Ärzte haben mir aber immer eine Zusammenfassung der Anamnese gegeben, damit ich der Untersuchung folgen konnte. Alle Ärzte und Studenten haben sich sehr gut um mich gekümmert und mir sehr viel gezeigt und erklärt. Ich habe mich sehr gut aufgenommen gefühlt.
Genau wie in Deutschland dauert das Medizinstudium in Thailand sechs Jahre. Es gibt es eine Vorklinik, die allerdings drei Jahre dauert und im Anschluss rotieren die Studenten alle 10 Wochen durch die einzelnen Kliniken und das über zwei Jahre. Das sechste Jahr ist dort auch mit unserem Praktischen Jahr zu vergleichen.
Das Krankenhaus, in dem ich war, war sehr modern und hatte schon viele westliche Standards. Allerdings ist die Patientenverfügung in ländlicheren Gebieten noch sehr viel spartanischer und die Menschen haben teilweise sogar in Bangkok sehr lange Anfahrtswege. Es gibt keine niedergelassenen Praxen in Thailand, sondern nur Krankenhäuser, in denen die Versorgung stattfindet.
Die Krankenversicherung ist auch anders als in Deutschland. Sie deckt unter Umständen nicht alle Kosten ab, die eine Behandlung kostet und die Patienten müssen diese Kosten dann selber tragen.
Ich habe auch ein paar andere Krankheitsbilder gesehen, die in Deutschland eine nicht ganz so hohe Relevanz haben, wie unter anderem Thalassämie oder PCOS.

Land und Leute

Ich habe unter der Woche viel in Bangkok unternommen und am Wochenende bin ich meist in eine andere Stadt gefahren. Sehr empfehlen kann ich, auch mal außerhalb des Krankhausgeländes zu essen. Ich habe viele verschiedene Street Food-Läden ausprobiert. Je einfacher die „Restaurants“ aussehen, desto besser schmeckt das Essen dort in der Regel. Außerdem ist das thailändische auch recht günstig. So hat man schon mal ein kulinarisches Highlight. Man muss unbedingt das Pad Thai probieren, das das Nationalgericht von Thailand ist.
Gegenüber dem Krankenhaus ist der Lumphini Park. Er lädt zum Spazieren, Joggen oder einfach am Teich liegen ein. Auf dem Krankenhausgelände gibt es auch eine Schlangenfarm mit einer Schlangenshow und einem Museum, das sehr interessant ist. Außerdem habe ich mir in Bangkok verschiedene Tempel angeguckt, war auf einer Skybar, bin Fähre gefahren und war auf dem Chatuchak-Markt, den ich sehr empfehlen kann. Dort findet man auf jeden Fall das richtige Souvenir, denn dort gibt es nichts, was es nicht gibt.
An den Wochenenden habe ich Ausflüge nach Ayutthaya, die ehemalige Hauptstadt von Thailand, in der ganz viele Tempelruinen stehen, und nach Lopburi, die Affenstadt, gemacht. Außerdem war ich in zwei Nationalparks. Im Erawan Nationalpark gibt es den Erawan Waterfall, an dem man über sieben Stufen ganz nach oben wandern kann. In jeder Stufe kann man baden und die Natur genießen. Der Nationalpark liegt in der Nähe von Kanchanaburi, wo auch die River Kwai Bridge steht und es das Death Railway Museum gibt, das ich mir angesehen habe. Im Khao Yai Nationalpark habe ich eine geführte Tour gebucht. Ich habe sehr viele Tiere gesehen, unter anderem Affen und einen Elefanten und bin durch den Dschungel gewandert. Am letzten Wochenende wollte ich nochmal einen Strandurlaub machen und habe mich für die Insel Koh Samet entschieden.
Die meisten der Thailänder sind Buddhisten, was man vor allem an den vielen schönen Tempeln sehen kann. Es gibt auch viele buddhistische Mönche, die man an ihren orangenen Gewändern erkennt. Diese haben auch eine sehr hohe Stellung in der Gesellschaft und sie werden mit viel Respekt behandelt. Generell ist die Gesellschaft sehr respektvoll und gastfreundlich. In Thailand gibt es auch noch einen König, der eine sehr hohe Stellung im Land hat. Seine politische Macht ist allerdings eher geringfügig. Als ich in Thailand war, wurde gerade neu gewählt. Das Militär war durch einen Putsch an die Macht gekommen und viele Menschen der Bevölkerung wollten wieder eine Demokratie und regelmäßige Wahlen. Dieses Thema war zu dem Zeitpunkt meines Aufenthalts gerade sehr präsent.

Fazit

Mich hat die Höflichkeit und die Gastfreundschaft der Thailänder sehr begeistert. Ich habe mich direkt vom ersten Tag sehr wohl und gut aufgenommen gefühlt. Das Land ist auch relativ sicher - auch für Frauen und zum alleine reisen. Ich kann es definitiv für eine Famulatur oder einen Urlaub empfehlen.

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