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Eat to Fight your Disease (Ruanda)

Gynäkologie - SCOPH (Public-Health Austausch)
von Joana, Greifswald

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Motivation

Ich habe bereits Auslandserfahrungen in Afrika (Tansania) während meines FSJs gesammelt und war von der Idee begeistert ein gemeinnütziges Projekt mit einer Famulatur zu verbinden.

Vorbereitung

Ich habe mich im November 2017 für April/Mai 2018 beworben. Im Dezember habe ich von Saskia (ETFYD) eine Email mit einer „inoffiziellen“ Zusage und Infos zu den nächsten Schritten bekommen. Ich konnte zunächst meine Station wählen, auf der ich famulieren wollte. Hier kann man zwischen Chirurgie, Innere, Pädiatrie und Gynäkologie wählen. Hier sollte man sich früh entscheiden, denn es gibt auch viele andere, die sich privat (also ohne bvmd) bei ETFYD bewerben.
Für die Unterkunft im RVCP-Haus (Rwanda Village Concept Project) entscheidet muss man vorher dem RVCP-Koordinator (Kontakt bekommt man auch von ETFYD) schreiben, und nach einer Unterkunftsmöglichkeit fragen. Ca. eine Woche vorher sollte man nochmal eine Email mit einer kleinen Erinnerung und der genauen Ankunftszeit schreiben, damit evtl. eine Abholung organisiert werden kann.
Im Januar kam dann die offizielle bvmd-Zusage. Ich hatte die Chance, mich für einen Fahrtkostenzuschuss zu bewerben, den ich glücklicherweise auch bekommen habe. Für Ruanda bekommt man da eine Pauschale von 525€, die ich nutzen konnte um meine Flüge und den Zug zum Flughafen in Berlin zu bezahlen. Mit Brussels Airlines hat man 2x23kg Freigepäck zur Verfügung.

Visum

Bei der Einreise bekommt man ganz unproblematisch am Flughafen ein 30-Tage-Single-Entry-Touristenvisum für 30 USD.
Für die Famulatur benötigt man allerdings ein N2-Studentenvisum.
Dies kann man im Butare District Office beantragen, was ca. eine Woche (manchmal auch länger) dauert bis man seinen Pass wieder abholen kann. Das Visum kostet 50.000 Rfc (also ca. 50 €). Man benötigt unter anderem ein aktuelles polizeiliches Führungszeugnis. Das wussten wir nicht, war aber kein Problem. Wer allerdings auf Nummer sicher gehen will, sollte sich im Vorhinein darum kümmern. Außerdem benötigt man: ein aktuelles Passfoto mit weißem (!) Hintergrund, den unterschriebenen Praktikumsvertrag vom CHUB mit den genauen Daten der Famulatur, Reisepass (noch min. 6 Monate gültig), ein Empfehlungsschreiben von der Uni in Ruanda (Alexis), eine Kopie der bisher erbrachten Studienleistungen, einen Lebenslauf sowie eine die vollständig ausgefüllte Visa-Application-Form (Infos unter https://www.migration.gov.rw/index.php?id=180)

Gesundheit

In Vorbereitung auf meinen Auslandsaufenthalt in Ruanda habe ich einige Impfungen auffrischen lassen. Die meisten hatte ich mir für einen längeren Aufenthalt in Tansania vor einigen Jahren bereits geben lassen. Dazu gehören: Hepatitis A, Hepatitis B, Tollwut, Gelbfieber (ist für die Einreise nach Ruanda Pflicht), Meningokokken (ACWY) und Thyphus plus die Impfungen, die man auch in Deutschland haben sollte (Diphtherie, Polio, Pertussis, Tetanus, MMR, Pneumokokken). Als Besonderheit in meiner Reiseapotheke hatte ich Malarone als Stand-by-Medikation für Malaria dabei. Ich habe sie aber nicht prophylaktisch eingenommen.

Sicherheit

Ich habe für meinen Auslandsaufenthalt über die Deutsch Ärzte Finanz eine kostenlose Auslandskrankenversicherung für Famulaturen abgeschlossen.
Meiner Meinung nach ist Ruanda ein sehr sicheres Land. Ich hatte nie den Eindruck, dass ich mich in einer bedrohlichen Situation befinde oder, dass jemand zu aufdringlich wird.
Natürlich sollte man auf einen umsichtigen Umgang mit seinen Wertgegenständen und Bargeld achten. Aber das ist in meinen Augen selbstverständlich.
Außerdem empfehle ich jedem sich in die elefand-Liste einzutragen (https://elefand.diplo.de/elefandextern/home/login!form.action).

Geld

In Ruanda zahlt man mit Rwandan Franc. 1000 RWF sind hierbei ca. 1€.
Häufig (v.a. Nationalpark-Eintritte und Touren) kann man aber auch in Dollar zahlen. Gelegentlich wird sogar Euro akzeptiert.
Wir mussten insgesamt 30 USD bei Einreise, 50 USD für das Klinikum, 50 USD für die Unigebühren, 50 USD für das Visum und 200€ für die Unterkunft bezahlen. Daher lohnt es sich einen gewissen Betrag in USD umzutauschen und auch ein paar Euros mitzunehmen.
Aber auf meine Kreditkarte für kostenfreie Abhebungen hätte ich auf keinen Fall verzichten wollen.

Sprache

In Ruanda sprechen alle Menschen die Landessprache Kinyarwanda. Es lohnt sich ein paar Floskeln und Worte zu lernen, vor allem wann man länger als nur 5 Wochen im Land ist. Die Leute dort freuen sich sehr darüber!
Viele Menschen sprechen zusätzlich entweder Englisch oder Französisch, in der Nähe der tansanischen und kongolesischen Grenze ist auch Kiswahili verbreitet. Unterrichts- und Arbeitssprache im Krankenhaus ist zwar Englisch, allerdings braucht man einige Zeit um sich an den starken afrikanischen Akzent zu gewöhnen. Wenn man noch keine Erfahrungen im medizinischen englischsprachigen Raum gemacht hat würde ich einen Medical English Dictionary empfehlen.

Verkehrsbindungen

In Ruanda kommt man mit Kleinbussen überall hin. Die Busgesellschaft „RITCO“ hat die größten und modernsten Busse. Da es überall im Land Festpreise (z.B. Kigali – Huyé (126 km, ca. 3h): 2770 Rfc) gibt, ist es empfehlenswert diese - komfortabelste - Möglichkeit zu wählen. In Huyé und anderen Städten kommt man sehr gut und günstig mit Moto-Taxis voran. In Huyé zahlt man je nach Strecke 200 bis 500 Rfc. Wie in den meisten afrikanischen Ländern gibt es keine festen Busfahrpläne, sondern die Busse fahren dann los, wenn sie voll sind. Verglichen mit beispielsweise Tansania, stimmt dies mit den angegebenen Zeiten (z.B. immer zur vollen Stunde) allerdings meist grob überein

Kommunikation

Ich habe mir eine lokale Prepaid-SIM-Karte (500 Rfc) gekauft. In Ruanda gibt es drei Mobilfunk-Anbieter: Airtel, Tigo und MTN. MTN hat die beste Netzabdeckung und wird von den meisten Einheimischen genutzt. Airtel hat allerdings in Huyé die beste Internet-Abdeckung. Da jegliche Kommunikation mit Deutschland über Whatsapp und Email lief, habe ich mir eine Airtel-Karte mit einem Datenpaket besorgt. Die Netzabdeckung war auch zufriedenstellend. Die Preise lagen bei 1000 Rfc für 1 GB.

Unterkunft

Das RVCP-Haus ist ein kleines Haus in einem eingemauerten Hof-Komplex mit 3 weiteren Häusern. Eines davon gehört ebenfalls RVCP , in den anderen leben Einheimische.
Das Haus ist eine Art große WG mit 3 Zimmern, Bad mit warmem Wasser, Küche mit Gas und Kühlschrank, und einem Wohnzimmer mit gemütlichen Sofas, sowie einem großen Bücherregal, in dem sich so mancher Schatz finden lässt (Sonnencreme, Mückenspray, Kosmetika, Erste Hilfe, Schutzbrillen, Kasacks, Handschuhe, Desinfektionsmittel, und, und, und…)!
Vor dem Haus hängt eine Wäscheleine, auf der man seine handgewaschene Wäsche trocknen kann. Es gibt einen Gärtner/Sicherheitsmann, der theoretisch jede Nacht dort auf dem Hof Wache halten soll. Meistens schläft er aber die ganze Nacht auf der Terasse. Er ist lieb, spricht allerdings kein Wort Englisch, aber räumt immer den Garten auf, bringt den Müll weg und kauft einem einen frischen Tank mit Trinkwasser, wenn der alte leer ist.
Im Haus wohnen noch andere Freiwillige, meist MedizinerInnen, aber auch andere RVCP-Freiwillige. Je nach Anzahl der Bewohner teilt man sich ein Zimmer, oder man hat eben eines alleine. Es sind Stockwerkbetten mit Moskitonetzen in den Zimmern. Es bietet sich an, ein paar Kerzen zu kaufen und eine Kopflampe mitzubringen, denn manchmal gibt es längeren Stromausfall, bevorzugt, wenn man gerade für 10 Leute kocht.
Der Strom ist im Preis inbegriffen, manchmal ist der Strom leer, dann muss man sich neuen kaufen, oder aber einem Freiwilligen von RVCP schreiben, dann besorgt er einem einen neuen Prepaid-Code für den Stromzähler.

Literatur

Zur Reisevorbereitung habe ich die Seiten des Auswärtigen Amtes durchgeklickt.
Um sich ein wenig in die Zeit des Genozids hinein fühlen zu können sollte man den Film „Hotel Ruanda“ gesehen haben. Ansonsten habe ich ein „Kauderwelsch: Kinyarwanda“ gekauft und mich ein bisschen eingelesen.

Mitzunehmen

In der Vorbereitung zum Koffer packen hat mir die Facebookgruppe von ETFYD geholfen, hier stehen aktuelle Infos von Austauschlern vor Ort. Ich habe mir 3 Sets Kasacks mitgenommen, die man in der Gyn auch für den OP braucht (am besten alles außer weiß). Ich habe unter meinem Kittel auch Kasack getragen, auch wenn ich damit alleine war, denn die einheimischen Studenten tragen eher schicke Kleidung unter ihren Kitteln. Ansonsten braucht man einen Kittel, Stethoskop, Händedesinfektionsmittel für die Kitteltasche und eine Packung Einmalhandschuhe. Mir hat auch das Langenscheidt-Pocket Medical English in der Morgenbesprechung sehr geholfen.

Ansonsten würd ich für einen Afrika-Aufenthalt immer Sonnencreme (gibt viele Reste, auch volle Flaschen im RVCP-Haus!), ein gutes Mückenspray mit DEET und eine Rolle gutes deutsches Klopapier empfehlen.

Reise und Ankunft

Die Anreise war sehr unkompliziert. Wir kamen abends gegen 19 Uhr in Kigali an. Vom Flughafen fahren Taxen in die Innenstadt zum Hostel. Die erste Nacht haben wir im St. Pauls Church Hostel übernachtet, was mir erst recht günstig inklusive Frühstück erschien. Hinterher war klar, dass es noch günstigere in Kigali gab, aber da es auch sehr nah an der Busstation lag, war die Taxifahrt am Sonntag somit auch günstiger.
Ein RVCP-Koordinator (Student) hat uns vom Hostel zum Busbahnof gebracht und uns beim Ticketkauf unterstützt. Ein anderer Student hat uns dann nach ca. 3 Stunden und 126 km Busfahrt in Huyé abgeholt und mit dem Taxi zum RVCP-Haus gebracht.
Nach der Schlüsselübergabe gab es direkt eine kleine „Stadtführung“ mit Markt und Supermarkt, damit man sich fürs erste mit Lebensmitteln versorgen konnte.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Die Studenten in Ruanda studieren genau wie wir in Deutschland auch 6 Jahre an der Uni, aber dort gibt es viel mehr Praxis. Die klinischen Jahre (Doc 1, Doc 2, Doc 3, Doc 4 = PJler) werden größtenteils im Krankenhaus verbracht und die Theorie wird nur noch im „Teaching“ inmitten des Stationsalltags vermittelt. Die Studenten sind jedoch (gezwungenermaßen) hochmotiviert, möglichst viel Praxis zu erlernen, denn nach Abschluss ihres Studiums werden sie sofort als sogenannter „General Practitioner“ in eines der „District Hospitals“ (alle anderen, außer der beiden Universitären Krankenhäusern Kigali und Butare, und natürlich der privaten Häuser) gesteckt und müssen dort 2 Jahre lang ohne Supervision eigenverantwortlich für eine ganze Station alle Patienten jeden Krankheitsbildes versorgen können. Erst im Anschluss dürfen sie zurück in ein Uniklinikum für ihre Facharztausbildung. Um den Studenten möglichst viel Sicherheit und Wissen für diese Zeit mitzugeben, wird hier sehr viel Wert auf das „Teaching“ gelegt, wovon ich selbst auch profitiert habe.
Das Krankenhaus ist sehr weitläufig, jede Station hat sein eigenes kleines Haus. Hier wird besonders auf den äußeren Schein geachtet, die Gärten sind wunderschön und wahnsinnig gepflegt -jeden Tag sieht man die Gärtner liebevoll Figuren in die Hecken schnitzen und der Rasen wird noch mühevoll mit Macheten gemäht.

Auf der Gynäkologie beginnt ein Tag mit der Morgenbesprechung. Hier habe ich ein wenig gebraucht um zu verstehen, wer wer ist und was gerade passiert. Der afrikanische Akzent macht es teilweise sehr schwer das Englisch zu verstehen. Da muss man sich erst reinhören.
Kurzgesagt erstatten die Assistenzärzte und Studenten, die den letzten Nacht- bzw. Wochenendedienst hatten Bericht über alle Aufnahmen. Die Oberärzte suchen sich dann einen interessanten Fall aus, über den der Student näher berichten und Fragen beantworten muss. So eine Morgenbesprechung mit anschließenden Vorträgen durch die Studierenden oder Assistenzärzte zieht sich auch gut und gerne mal bis zu 3 Stunden…

Nach der Besprechung ist jeder Student im 4. Jahr einem „Ward“ zugeteilt. Da habe ich mich dann einfach immer an jemanden drangehängt und ihm oder ihr dabei geholten die Visite für ihren Ward vorzubereiten. Leider kam es nicht allzu oft vor, dass dann auch ein Arzt zur Visite erschienen ist und man musste inen für die Unterschriften hinterherlaufen.
An anderen Tagen konnte ich mit in den OP oder den Kreissaal. Ich habe viel zugeschaut und später dann auch assistiert.
Leider hat die Sprachbarriere eine Kommunikation mit den Patienten weitgehend verhindert.

Land und Leute

Man kann in Huyé das meiste fußläufig erledigen. Für weitere Entfernungen kann man aber immer für ein paar hundert Francs ein Motoradtaxi nehmen („Moto“). Da ich bereits einige Afrika-Erfahrungen sammeln konnte, habe ich mich von Anfang an sehr sicher und wohl gefühlt. Man kann ganz beruhigt alleine rumlaufen und auch im Dunkeln nochmal eben was auf dem Markt besorgen.

Wir haben meistens abends gemeinsam im Haus gekocht, und vorher auf dem Markt eingekauft. Hier kann man eigentlich nicht handeln wie in anderen afrikanischen Ländern, denn es gibt meist Festpreise. Man kann mittags im Klinikum in der Cafeteria essen, oder wenn man früh Schluss hat auch in der Stadt bei einem Mittagsbuffet. Das warme Essen ist aber eher langweilig und nicht sonderlich speziell. Es gibt auch kein wirklich typisches „Landesgericht“, außer man isst Maisbrei mit Bohnen oder Fleisch, was aber auch in den umliegenden Ländern sehr häufig gegessen wird

Wirkliches Nachtleben habe ich in Huyé nicht erlebt. Was einfach dem frühen Aufstehen geschuldet war. Ab und an waren wir mal in einer Bar und am letzten Abend bin ich mit zwei ruandischen Kommilitonen zum Karaoke gegangen. Das fiel zwar aufgrund eines Stromausfalls ins Wasser, aber eine gute Zeit hatten wir trotzdem!

Insider-Tipp: Wer gerne mal Lst auf ein nicht ganz so typisches afrikanisches Café hat sollte unbedingt ins Inzozi Nziza gehen: Dort gibt es leckere Kuchen und Eiscreme aus eigener Herstellung!

Reisen im Land:
Natürlich habe ich die Wochenenden genutzt um mir das Land ein wenig anzuschauen:
Ich war mit anderen Freiwilligen im Nyungwe-Nationalpark (geht an einem Wochenende, aber man sollte vorher planen, wie man nach Hause kommt!) im Bergnebelwald, an einem Wochenende haben wir eine Fahrradtour Richtung Grenze zu Burundi gemacht, und am Ende waren wir noch eine Woche unterwegs: Zuerst in den Norden in den Volcanoes-Nationalpark und dann am Lake Kivu wieder Richtung Süden. Zum Abschluss waren wir noch 2 Tage in Kigali (reicht aus). Hier sollte man sich das Genocide Memorial auf keinen Fall entgehen lassen!
Das Reisen ist sehr einfach und sicher. Minibusse (es gibt auch hier Festpreise, der beste (komfortabelste) Anbieter ist RITCO) fahren einen überall hin und es ist wesentlich entspannter Tourist zu sein als in anderen afrikanischen Ländern.
Generell ist Ruanda sehr sauber und ordentlich. Plastiktüten sind beispielsweise verboten und man merkt, dass die Regerung sich wirklich Mühe gibt, das Image des Genozids loszuwerden und Ruanda zu einem Vorreiter-Land innerhalb Afrikas zu machen.

Fazit

Ich würde definitv wieder nach Ruanda reisen. Ich habe tolle Menschen kennengelernt und ein beeindruckendes Land gesehen. Während meiner Famulatur habe ich einiges gelernt und möchte vor allem meine erste Geburt nicht missen.
Leider muss ich sagen, dass ich mir mehr „Public Health“ von meinem Public Health-Austausch erhofft habe. Andererseits freut es mich, dass ETFYD so gut ohne „Hilfe von außen“ zurecht kommt und ganz und gar in den Händen von Einheimischen liegt.
Trotzdem würde ich jedem, der Lust auf Afrika hat diesen Austausch wärmstens weiterempfehlen.

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