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Finland (FiMSIC)

Chirurgie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Johannes, Hannover

Motivation

Ein Auslandsaufenthalt ist in meinen Augen mit einer Vielzahl von neuen und wertvollen Erfahrungen verknüpft: Durch das Praktikum selbst wollte ich die Arbeitsbedigungen und das Gesundheitssystem eines anderen Landes kennenlernen und das gesamte Austauschprogramm bietet eine gute Gelegenheit viele neue Medizinstudierende aus unterschiedlichen Ländern kennenzulernen.

Vorbereitung

Die Formalitäten für den Auslandsaufenthalt waren unkompliziert und Unklarheiten konnte ich durch kurzfristigen Kontakt zu meiner bvmd-Koordinatorin klären. Ich habe keine speziellen Kurse oder Vorbereitungsseminare besucht sondern zur Vorbereitung lediglich mit Komiliton*innen gesprochen, die bereits einen Austausch nach Finnland gemacht haben.

Visum

Ich musste kein Visum beantragen, sodass ich keine Schwierigkeiten hatte.

Gesundheit

Ich musste sowohl vier Wochen bevor ich angereist bin in Deutschland einen MRSA-Abstrich machen lassen, als auch vor Ort in Finnland bevor ich anfangen durfte. Es ist wichtig das Frühzeitig zu wissen da es ensptrechend wichtig ist, 2-3 Werktags vor offiziellem Praktikumsbeginn dort zu sein.

Sicherheit

Ich bin mir unsicher, wie ich diese 200 Zeichen füllen soll - über Sicherheitsvorkehrungen in Finnland gibt es nicht so viel zu sagen: Abends sein Essen in die Bäume hängen damit die Bären nicht ins Zelt kommen ist das einzige, was mir dazu einfällt.

Geld

In Finnland konnte ich alles mit Euro bezahlen, es ist zwar alles etwas teurer als in Deutschland aber es ist nie ein Problem an Bargeld zu kommen und man kann im Prinzip überall mit Visa-Card bezahlen.

Sprache

Die offiziellen Sprachen in Finnland sind Finnisch und Schwedisch: Alle (!) die ich getroffen habe, sprachen auch sehr gutes englisch, sodass ich erst garnicht probiert habe finnisch zu lernen - die Sprache kommt aus dem finno-ungarischen und nicht dem germanischen Sprachraum, sodass ich keine Anknüpfungspunkte hatte und immer nach einer Übersetzung fragen musste.

Verkehrsbindungen

Ich bin mit dem Auto nach Finnland gereist und habe es mit einer Reise durch Polen und die Baltischen Staaten verbunden. Im Land kann man sich sehr günstig mit Bussen fortbewegen und zwischen einigen Städte existieren auch Zugverbindungen, die ich jedoch nie genutzt habe.

Kommunikation

Seit dem im Jahr 2017 die Roaming Gebühren in der EU abgeschafft wurden konnte ich meine ganz normale deutsche Sim-Card weiterverwenden. Ab ca. 20€ bekommt man in Finnland jedoch auch eine Sim-Card mit ausreichend Daten für einen Monat.

Unterkunft

Die finnische Partnerorganisation fimsic hat für mich ein Apartment organisiert, das ich mir mit einem anderen Incoming aus italien geteilt habe. Die Wohnung war mit Küche und Bad perfekt ausgestattet und auch die gemeinsame Unterkunft mit einem anderen Incoming hat mir großen Spaß gemacht.

Literatur

Ich habe keine Bücher über Finnland gelesen und auch keine bestimmten Internetseiten verwendet, die ich an dieser Stelle empfehlen kann. Auch medizinische Literatur habe ich mir keine gekauft und hatte nicht den Eindruck, dass dies nötig gewesen wäre.

Mitzunehmen

Da ich mit dem Auto unterwegs war habe ich sehr sehr viel mitgenommen, da ich vor meinem Aufenthalt noch zelten war und deshalb eine Menge Camping-Equipment benötigte. Es war sehr hilfreich das Auto dabei zu haben, da ich so auch in Finnland viele Ausflüge in die Natur machen konnte die mit dem Bus schwierig zu erreichen gewesen wären.

Reise und Ankunft

Ich wurde sehr freundlich von meiner Contact Person empfangen. Ich war drei Tage vor meinem Praktikumsbeginn da, was auch nötig war, um einen MRSA-Abstrich vorher machen zu können. Im Krankenhaus musste ich mich am 01. August um 8 Uhr zur Frühbesprechung der Kinderchirurgischen Abteilung vorstellen und wurde dort freundlich empfangen.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe meine Famulatur auf der Kinderchirurgischen Station im Universitätskrankenhaus von Turku absolviert. An meinem ersten Tag wurde ich morgens bei der Frühbesprechung empfangen und mir wurde gesagt, dass ich in den nächsten Tagen durch die verschiedenen Arbeitsbereich der Station rotieren soll, bevor ich mir dann selbst aussuchen kann wo ich die meiste Zeit verbringen möchte. Die vier Arbeitsbereiche bestanden aus : OP-Bereich, Orthopädische Ambulanz, Trauma-Ambulanz und urologische Ambulanz. Nachdem ich die verschiedenen Bereiche kennengelernt habe, entschied ich mich ie meiste Zeit im OP zu verbringen, da in der Ambulanz vorwiegend finnisch gesprochen wurde. Da jedoch in der Zeit Sommerferien waren, war der OP meist nur halbtags besetzt, sodass ich auch einige Zeit in der Ambulanz verbrachte. Im OP durfte ich meist "mit an den Tisch" und assistieren, jedoch nie nähen (was in der Kinderchirurgie aber vermutlich zurecht eine höhere Hürde ist). Typische Operationen waren: angeborene Hernien, Knochenbrüche, Knochenzysten oder Osteotomien. Grundsätzlich war es wichtig, konkret nachzufragen ob man bei der OP assistieren darf, da nie die Notwendigkeit einer studentischen Unterstützung bestand, da immer genügend Fachpersonal anwesend war um die OP auch ohne Unterstützung von Studierenden durchzuführen. In der Ambulanz wurde zwar versucht mir das wichtigste zu übersetzen, da die Ärzte und Ärztinnen jedoch deutlich mehr Zeit für jede*n Patient*in hatten als ich es aus Deutschland gewohnt war, konnte ich die meiste Zeit nur daneben sitzen ohne etwas zu verstehen. Insgesamt habe ich also fachlich nicht sehr viel gelernt, auch wenn alle im Personal sehr nett waren und freundlich mit mir umgegangen sind. Das was ich über das Gesundheitssystem gelernt habe war grundsätzlich sehr vergleichbar zu unserem deutschen System, der einzige Unterschied der mir deutlich aufgefallen ist, war der in meinen Augen deutlich niedrigere Zeitdruck für Ärzt*innen und Pflegekräfte. Das wirkte sehr viel angenehmer als in Deutschland! Die medizinische Ausbildung schien mir sehr gut zu sein, die Studierenden die ich kennenlernte waren motiviert und zufrieden mit ihrer Uni. Besonders gut gefallen hat mir, dass Studierende in Finnland ab dem 4. Semester als "Physician Assistant" arbeiten können und so sowohl klinische Erfahrung sammeln können als auch ihr Studium (teilweise) finanzieren. Es würde mich sehr freuen, wenn dieses Format (eventuell statt unendgeltliche Famulaturen) auch in Deutschland eingeführt werden würde.

Land und Leute

Ich konnte außerhalb des Krankenhauses viel unternehmen und darin bestand meiner Meinung der schönste Teil des Austausches. In der ersten Woche habe ich die anderen Incomings kennengelernt und dann haben wir im Prinzip jeden Nachmittag/Abend gemeinsam verbracht. Meistens sind wir mit meinem Auto zum Strand gefahren und sind dort baden, grillen oder saunen gegangen. Manchmal kamen auch die finnischen contact-persons mit - das war aber eher die Ausnahme. Am zweiten Wochenende wurde von FIMSIC ein Camping-Wochenende in Tampere für alle Incomings in Finnland organisiert. Tampere liegt ca. 2 Stunden von Turku ins Landesinnere entfernt und der Campingplatz auf dem wir in kleinen Hütten übernachten konnten lag in einem wunderschönen Waldgebiet an einem See. Insgesamt kamen ca. 20 Incomings aus ganz Finnland und ca. 5 Finnen aus dem Organisationsteam. Zum einen war das Wochenende selbst sehr schön, zum anderen lernten wir dadurch die Medizinstudierende aus anderen Städten kennen, die wir an den folgenden Wochenenden besuchen konnten. Das taten wir dann auch und verbrachten das letzte Wochenende in Helsinki und wurden von den dortigen Incomings herumgezeigt. Außerdem wedern von den Orga-Teams der Städte meist "Food-and Drink Parties" organisiert, auf denen man die anderen Incoming und einige Finn*innen kennenlernen kann.
Natürlich bekam ich durch meinen Aufenthalt einen Eindruck von der kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Situation im Lande, allerdings befand ich mich die meiste Zeit in einer "Bubble" mit anderen Incomings, sodass diese Eindrücke sehr oberflächlich blieben. Ich empfand die Atmosphäre (in den Städten, Krankenhäusern und auf Reisen) immer angenehm und friedlich und die Finn*innen die ich etwas kennenlernte waren meist höflich und eher zurückhaltend. Viel detailliertere oder verallgemeinerbare Aussagen kann ich auf Grund der kurzen Zeit und den fehlenden Sprachkenntnisse nicht machen.
Bezüglich des Essens gibt es fast alles was es in Deutschland auch gibt, nur das es im Supermarkt etwas teurer ist, auch das Essen in der Krankenhausmensa ist vergleichbar mit einer guten Mensa in Deutschland nur das es in Finnland günstiger ist. Ich wäre gerne noch nach St. Petersburg gefahren - von Helsinki fährt eine Fähre auf der ein Touristenvisum beantragt werden kann um sich 72h in St. Petersburg aufhalten zu dürfen. Die Stadt soll sehr beeindruckend sein und ich habe es nur aus Zeitgründen nicht gemacht, habe jedoch von Freunden gehört, dass es sehr Empfehlenswert ist.

Fazit

Meine Erwartungen wurden voll erfüllt und ich würde wieder einen Auslandsaufenthalt machen und ich werde auf jeden Fall noch häufig nach Finnland reisen. Ich kann mir jedoch nicht vorstellen dort zu arbeiten, da die Sprache kompliziert ist und ich nicht gut darin neue Sprachen zu lernen. Vielen Dank an die BVMD, für die Ermöglichung des Aufenthalts!

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