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Brazil (IFMSA-Brazil)

Gynäkologie - SCOPE (Famulaturaustausch)
Anonym

Motivation

Brasilien war mein Wunschland für meinen Austausch mit der Bvmd, da mich Südamerika schon länger reizte und da dort keine Portugiesisch- sondern lediglich Englischkenntnisse Voraussetzung waren. Ich erhoffte mir dort Einblicke in ein anderes Gesundheitssystem zu bekommen.

Vorbereitung

Für meinen Austausch habe ich keine speziellen Vorbereitungen getroffen und auch kein Outgoings-Seminar besucht. Auf den Austausch wurde ich durch eine Veranstaltung der lokalen Bvmd-Organisation an meiner Universität aufmerksam. Hier habe ich auch die meisten meiner Fragen klären können.

Visum

Für die Einreise nach Brasilien ist kein Visum nötig, da man sich als Tourist bis zu 90 Tage am Stück im Land aufhalten kann.

Gesundheit

Für meinen Austausch habe ich eine Auslandskrankenversicherung beim ADAC abgeschlossen. Diese gibt es schon für wenige Euros und ist ein Jahr gültig. Bedingung für meine Einreise war eine Gelbfieberimpfung, diese habe ich mir in der Tropenmedizinischen Sprechstunde meiner Universität geben lassen. Dort wurde auch die Tetanus und Meningokokken Impfung aufgefrischt. Da Braganca Paulista nicht Risikogebiet für Malaria ist, habe ich keine Malariaprophylaxe mitgenommen. Mitnehmen sollte man auf jeden Fall noch Sonnencreme und Insektenschutzmittel, sowie eine kleine Flasche Desinfektionsmittel.

Sicherheit

Natürlich ist die Sicherheitslage in Brasilien deutlich schlechter als in Deutschland. Wenn man jedoch einige Regeln befolgt und sich bei den Einheimischen umhört, bevor man einen Ausflug macht, braucht man sich nicht viele Sorgen machen. So sollte man nachts nicht alleine durch unbeleuchtete Straßen laufen oder zu offensichtlich die neueste Handykamera am Körper tragen. Insbesondere Rio de Janeiro und Sao Paulo sind nochmals deutlich krimineller als kleinere Städte und auch einige andere Austauschstudenten wurden dort Opfer von Diebstählen und Überfällen. Es wird empfohlen immer einen kleinen Betrag Bargeld für den Fall eines Überfalls mit sich zu führen. Man sollte sich aber keinesfalls den Spaß verderben lassen, denn es handelt sich Gott sei Dank bei diesen Situationen um Einzelfälle und auch mir persönlich ist in meiner langen Zeit in Brasilien nicht derartiges widerfahren.

Geld

Für meinen Aufenthalt in Brasilien habe ich mir eine Kreditkarte der DKB besorgt. Mit dieser konnte ich kostenlos in Brasilien bezahlen, sowie kostenlos Geld an den Automaten der Banco do Brasil abheben. Die brasilianische Währung ist derzeit der Real. Ein Euro entspricht etwa 4,7 Real. Aufgrund sinkender Wechselkurse während meines Aufenthaltes konnte ich mir viele Dinge günstiger als in Deutschland kaufen. Kreditkarten werden fast überall akzeptiert, so dass man nicht viel Bargeld mitzunehmen braucht.

Sprache

Amtssprache in Brasilien ist Portugiesisch... für viele Menschen die einzige Sprache, die sie sprechen. Auch unter den Studenten und Dozenten sprechen nur sehr wenige Englisch, da dies in der Schule nicht verpflichtend ist und teure Kurse belegt werden müssen, um Englisch zu lernen. Vor meinem Aufenthalt habe ich die App Duolingo genutzt, um Grundkenntnisse der Sprache zu lernen. Als ich dort angekommen bin, haben sich meine Sprachkenntnisse sehr schnell verbessert, unter anderem durch das tägliche sprechen, so dass ich am Ende meines Aufenthalts in der Lage war einiges zu verstehen und mich alleine zurechtzufinden. In meiner Klinik konnten mein Dozent, sowie noch einige andere Studenten gutes Englisch sprechen, so dass ich auch in der Klinik ohne große Portugiesisch-Kenntnisse sehr viel mitnehmen konnte.

Verkehrsbindungen

Meinen Flug habe ich ca. 4 Monate vor Beginn meiner Famulatur bei der KLM gebucht. Bezahlt habe ich dafür etwa 1380 Euro, was zu diesem Zeitpunkt der günstige Flug war. Wenn man schon deutlich früher bucht, kann man aber auch für knapp 1000 Euro fliegen, allerdings wusste ich zu diesem Zeitpunkt nicht, wo genau meine Famulatur in Brasilien stattfinden wird. Vor Ort sind häufig genutzte Transportmittel Uber, da sie deutlich sicherer und günstiger als normale Taxis sind. Es fahren aber auch oft kostengünstige Busse, allerdings sind diese meist sehr voll und die Fahrpläne nicht immer ganz stimmig.

Kommunikation

Mein Host hat mir eine Telefonkarte von Vivo gekauft mit der ich sehr preisgünstig telefonieren konnte und eine Flatrate für Internet hatte. In meiner Unterkunft hatte ich außerdem noch WLAN. So konnte ich dann mittels WhatsApp auch den Kontakt in die Heimat aufrechterhalten. Auch jeder Brasilianer hat WhatsApp, so dass dies die beliebteste Kommunikationsmöglichkeit ist.

Unterkunft

Während meines Aufenthaltes habe ich im Zimmer einer Studentin gewohnt. Fast alles was ich brauchte wurde mir dort zur Verfügung gestellt, inklusive Decken und Kissen, sowie eine Küche. Auch hatte ich immer einen Ansprechpartner für Probleme vor Ort, was sich oft als nützlich erwiesen hat. Mein Zimmer war nur wenige Minuten vom Krankenhaus entfernt und viele andere Studenten wohnten dort in der Nähe.

Literatur

Ich hatte keine spezielle Literatur für meinen Austausch dabei, lediglich das Student-Handbook habe ich ausgedruckt mitgebracht. Zum Nachschlagen habe ich die Amboss-App benutzt. Vor meinem Aufenthalt habe ich die Berichte auf der Bvmd-Webseite gelesen und mich auf der Seite des auswärtigen Amtes über Brasilien informiert.

Mitzunehmen

Für die Klinik habe ich mein Stethoskop und meinen Kittel mitgenommen, sowie eine Flasche Desinfektionsmittel. Außerdem habe ich noch ein paar kleine Geschenke für meinen Host mitgebracht. Alles andere gibt es in den dortigen Supermärkten zu kaufen.

Reise und Ankunft

Nach meiner Ankunft am Flughafen von Sao Paulo hat mich mein Host abgeholt und ich habe ein paar Tage bei ihrer Familie verbracht und mir Sao Paulo angesehen. Dann sind wir nach Braganca Paulista gefahren und ich habe mein Zimmer bezogen, bevor es mit meiner Famulatur losging. Es war gut etwas vor Beginn der Famulatur dort zu sein, um den Jetlag zu überstehen und sich ein bisschen mit dem Land vertraut zu machen. An meinem ersten Tag bekam ich eine Führung durch die Klinik und Organisatorisches wurde geklärt.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Meine Famulatur habe ich in der Gynäkologie und Geburtshilfe absolviert. An meinem ersten Tag wurde ich von meiner Kontaktperson auf meine Station zu meinem Tutor gebracht und ich bekam eine kurze Führung durch die Klinik und das Klinikgelände. Ebenfalls am ersten Tag wurden Dinge wie mein örtlicher Studentenausweis und der Zugang ins universitäre Internet geklärt. Während meines Aufenthaltes war ich immer gut integriert und bekam viele interessante Fälle zu Gesicht, die mir ausführlich von den Dozenten und Studenten erklärt wurden. Im brasilianischen Medizinstudium bestehen die letzten zwei Jahre aus Blockpraktika, damit die Studenten über einen langen Zeitraum verschiedene Abteilungen der Klinik kennenlernen. Auch ich habe dabei eine dieser Klassen begleitet und so durch die hohe Zahl an Studenten, die sich auf der Station befanden, einiges lernen können. Über den Zeitraum meiner Famulatur habe ich verschiedene Richtungen der Gynäkologie kennengelernt: So habe ich Brustkrebssprechstunden, Tumorkonferenzen, die Begleitung komplexer Schwangerschaften, aber auch verschiedene Operationen erleben dürfen. Je nach eigenem Kenntnisstand und eigenem Zutrauen können eigentlich alle Tätigkeiten selbstständig durchgeführt werden, wobei stets mehrere Ärzte im Hintergrund verfügbar sind und gerne eventuelle Fragen klären. Auffällig war das in meiner Klinik sehr viele Patienten mit Risikofaktoren wie Diabetes mellitus oder Hypertonie gab. Da das Krankenhaus, in dem ich war, kostenlos behandelt, dürfen Studenten dort Praxiserfahrungen sammeln. Die Patienten willigten somit ein durch Studenten behandelt zu werden und im Gegenzug eine kostenlose Behandlung zu erfahren. Auch war mir neu, dass eine hohe Zahl an Patienten mit verschiedensten Infektions- und Geschlechtskrankheiten in die Klinik kamen, wie beispielsweise Aids oder Syphilis. Das Krankenhaus war deutlich schlechter ausgestattet und die Gebäude in schlechterem Zustand als das, was ich aus Deutschland kannte. Auch diagnostische Geräte, wie Ultraschall oder Röntgen wurden nur spärlich eingesetzt. Brasilianische Studenten verfügen meiner Meinung nach durch dieses Prinzip des selbstständigen Betreuens von Patienten über deutlich mehr praktische Fähigkeiten im Vergleich zu deutschen Studenten. Jeweils eine Gruppe von drei oder vier Studenten war immer zuständig für einen Patienten, von der Aufnahme bis zur Entlassung inklusive Diagnostik und Therapie. Jeder Patient wurde aber natürlich noch mit einem Facharzt besprochen, so dass die Studenten aus ihren Fehlern lernten. Ich begleitete dabei immer eine derartige Kleingruppe bei ihrer Arbeit und war so direkt in ein Team integriert. Deutliche Unterschiede waren auch im Bezug auf die hygienische Situation im Krankenhaus zu sehen: So habe ich im Krankenhaus nur sehr wenige Spender für Händedesinfektionsmittel gesehen, die auch nur sehr selten genutzt wurden. Ich war auch sehr häufig in den Operationsräumen, wo ich beispielsweise eine große Zahl von Kaiserschnitten gesehen habe und auch assistieren durfte. In Brasilien sind Kaiserschnitte deutlich häufiger als in Deutschland und werden von den Ärzten auch empfohlen. In den OP geht man dort teilweise mit seiner normalen Alltagskleidung inklusive Schmuck, auch gibt es keine Schleuse oder eine richtige Trennung zwischen OP und Station. Zusammenfassend habe ich einen sehr guten Einblick in ein anderes Gesundheitssystem gewinnen können und habe auch einige sehr interessante Krankheitsbilder gesehen und einiges fachlich gelernt. Auch die Verständigung mit meinem Tutor und den Studenten hat gut geklappt und ich habe mich immer gut integriert gefühlt.

Land und Leute

Neben der Arbeit im Krankenhaus habe ich auch eine Vielzahl interessanter Orte in Brasilien gesehen. Brasilien ist ein riesiges Land mit einer großen Zahl an Gegensätzen: es gibt große Städte, unberührte Natur, wunderschöne Strände und ganz viele nette Menschen! In meinem Ort, Braganca Paulista, gab es ein Social Program, so sind wir zum Beispiel mit den anderen Austauschstudenten zum Bowling gegangen oder haben verschiedene Restaurants mit traditionellem Essen probiert. Da ich schon vor Beginn der Famulatur in Brasilien angekommen bin und auch nach dem Ende einige Zeit länger geblieben bin, habe ich einige Orte in Brasilien besuchen können. Besonders gefallen hat mir dabei Rio de Janeiro und Sao Paulo, da ich solche riesigen Städte bisher noch nicht kannte. Durch den Besuch der Familien verschiedener Freunde, die ich dort kennengelernt habe, habe ich auch sehr schöne Naturschauplätze und kleinere Ortschaften kennengelernt, die man ohne Hilfe Einheimischer bestimmt nicht finden würde. Die Menschen sind immer sehr bemüht und interessiert an dem Gringo und freuen sich sehr, wenn man Interesse an der brasilianischen Kultur zeigt. Allerdings hört man in den Gesprächen mit den Menschen auch viel über die Probleme des Landes, über die ungerechte Verteilung des Wohlstandes und über die Verschwendung von Geldern. An den Küsten sieht man oft Ölbohrinseln und man denkt das Brasilien ein sehr reiches Land sein müsste, aber das Geld verschwindet irgendwo und kommt leider nicht bei allen Menschen an. So sieht man eine Vielzahl obdachloser Menschen auf den Straßen, insbesondere in Sao Paulo und Rio de Janeiro. Nichtsdestotrotz sind die Menschen sehr freundlich und geben sich glücklich. Auch die brasilianische Küche bietet eine Vielzahl verschiedenster Leckereien, von Vorspeisen bis Nachspeisen. Außerdem gibt es an jeder Ecke frische Früchte und Säfte zu kaufen, allgemein ist das Essen dort für Europäer sehr günstig. Mit meinem Host habe ich auch sehr exklusive Restaurants besucht, die Preise dort waren ebenfalls sehr erschwinglich. In meiner Stadt gab es beinahe jeden Abend eine Party oder ein anderes Fest anlässlich des beginnenden neuen Semesters, es war somit immer etwas geboten. Unter der Woche habe ich viel mit den anderen Studenten gemacht. Am Wochenende habe ich dann größere Ausflüge gemacht. Empfehlenswert sind auf jeden Fall auch die Iguazu Wasserfälle im Grenzgebiet Argentinien, Brasilien und Paraguay, die sich auch perfekt als Ausgangspunkt für Ausflüge in die anderen Länder eignen. Auch gibt es eine große Zahl wunderschöner Traumstrände in Brasilien, so dass für jeden etwas dabei ist! Gerne wäre ich noch einige Zeit länger in Brasilien geblieben, da es noch soviel gibt, das ich nicht geschafft habe anzusehen.

Fazit

Der Aufenthalt hat sich in jeder Hinsicht gelohnt und ich kann ihn auf jeden Fall empfehlen! Die Organisation von IFMSA Brazil und der BVMD war super. Ich bin traurig, dass der Aufenthalt so schnell vorbei ist, aber ich bin mir auch sicher, dass ich eines Tages dieses wunderbare Land wieder besuchen werde! Ich habe einige wunderbare Menschen kennengelernt und einen tollen Einblick in ein anderes Gesundheitssystem bekommen!

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